Skip to main content

Full text of "Jahrbuch der Königlich Preussischen Geologischen Landesanstalt und Bergakademie zu Berlin für das Jahr .."

See other formats




























-y 



7T.J. 




Jahrbuch 

der 

Königlich Preussischen geologischen 
Landesanstalt und Bergakademie 

zu 

Berlin 

für das Jahr 

1893. 

Band XIV. 


Berlin. 

Im Vertrieb bei der Simon ScHROPP’schen Hof- Landkartenhandlang 
(J. H. Neumann). 



Inhalt. 


Mittheilungen aus der Anstalt. 

Seite 

1. Bericht über die Thätigkeit der Königl. geologischen Landesanstalt 

im Jahre 1893 vii 

2. Arbeitsplan für die geologische Landesaufnahme im Jahre 1894 . . xix 

3. Mittheilungen der Mitarbeiter der Königl. geologischen Landesanstalt 

über die Ergebnisse der Aufnahmen im Jahre 1893 xxv 

K. v. Fritsch: Ueber seine Aufnahmen im Thüringer Wald . . xxv 

W. Frantzen: Ueber die Aufnahmen auf den Blättern Treffurt 

und Langula xxx 

H. Proescholdt : Ueber Revisionen und Aufnahmen im Bereich 
der Blätter Sondheim , Dingelstedt , Heiligenstadt und 

Schleusingen xxxiv 

H. Loretz: Ueber Aufnahmen im Coburgischen . . . . . . xxxvii 

E. Kayser : Ueber Aufnahmen im Dillenburgischen XL 

H. Grebe: Ueber die wissenschaftlichen Ergebnisse der Aufnahmen 

in der Eifel xli 

H. Potonie: Ueber seine im August 1893 ausgeführte Reise nach 
den Steinkohlen - Revieren an der Ruhr, bei Aachen und 

des Saar- Rhein- Gebietes xlvi 

K. Keilhack: Ueber seine Aufnahmen in Hinterpommern ... l 

A. Jentzsch: Ueber die Aufnahmen im Jahre 1893 L 

H. Grüner: Ueber die chemische Zusammensetzung des Gumtower 

oberoligocänen Mergels auf Blatt Demertin lvii 

4. Nekrolog auf E. Läufer Lix 

5. Nekrolog auf K. A. Lossen lxvii 

6. Nekrolog auf A. Halfar lxxxi 

7. Personal -Verhältnisse lxxxvi 

II. 

Abhandlungen von Mitarbeitern der Königl. geologischen 
Landesanstalt. 

Ueber den geologischen Bau des Centralstocks der Rhön. Von Herrn 

H. Proescholdt in Meiningen. (Tafel II.) 1 

Briefliche Mittheilung von Herrn G. Berendt an Herrn W. Hauchecorne 22 

Die Wechselzonen- Bildung der Sigillariaceen. Von Herrn H. Potonie in 

Berlin. (Tafel III — V.) 24 

a* 


Seite 


lieber Dislocationen vom Harz. Von Herrn A. v. Koenen in Göttingen 68 
Ueber Alter und Gliederung des sogenannten Kramenzelkalkes im Ober- 

barze. Von Herrn L. Beushausen in Berlin 83 

Die Lagerungsverhältnisse des Tertiärs und Quartärs der Gegend von 

Buckow. Von Herrn F. 'Wahnschaffe in Berlin. (Tafel VI — IX) 93 
Bemerkungen über den sogenannten Lias von Remplin in Mecklenburg. 

Von Herrn A. Jentzsch in Königsberg i/Pr . 125 

Die oberpermiscben eruptiven Ergussgesteine im SO. -Flügel des pfälzischen 

Sattels. Von Herrn A. Leppla in Berlin 134 

Beiträge zur Kenntniss des Wealden in der Gegend von Borgloh- Oesede, 
sowie zur Frage des Alters der Norddeutschen Wealden bil düngen. 

Von Herrn C. Gagel in Berlin. (Tafel XII u. XIII) 158 

Die baltische Endmoräne in der Neumark und im südlichen Hinter- 
pommern. Von Herrn K. Keilhack in Berlin. (Tafel XIV) ... 180 

Notiz über ein Vorkommen von Mitteloligocän bei Soldiu in der Neumark. 

Von Demselben 187 

Das Profil der Eisenbahnen Arnswalde-Callies und Callies-Stargard. Von 

Demselben. (Tafel XIV) 190 

Die Braunkohlenablagerungen in der Gegend von Senftenberg. I. (geo- 
logischer) Theil. Von Herrn 0. Eberdt in Berlin. (Tafel XV) . . 212 

Ueber die stratigraphischen Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H 
Barrande’s zum rheinischen Devon. Von den Herren E. Kayser in 
Marburg und E. Holzapfel in Aachen 236 


Abhandlungen von ausserhalb der Königl. geologischen 
Landesanstalt stehenden Personen. 

Die Braunkohlen -Hölzer in der Mark Brandenburg. Von Herrn 0. von 

Gellhorn in Berlin. (Tafel I) 3 

Ueber Pflanzen aus dem norddeutschen Diluvium. Von Herrn F. Kurtz 

in Cordoba 13 

Eine neue Nymphaeacee aus dem unteren Miocän von Sieblos in der Rhön. 

Von Demselben 17 

Der Gebirgsbau des Einbeck-Markoldendorfer Beckens. Von Herrn Martin 

Schmidt in Oldenburg. ( Tafel X) 19 

Insektenfrass in der Braunkohle der Mark Brandenburg. Von Herrn 

0. von Gellhorn in Berlin. ( Tafel XI) 49 

Gletscherschrammen am Rummelsberg , Kreis Strehlen. Von Herrn 

E. Althans in Breslau 54 


I. 

Mittheilungen aus der Anstalt. 





1 . 

Bericht über die Thätigkeit 
der Königlichen geologischen Landesanstalt 
im Jahre 1893. 


I. Die Aufnahmen im Gebirgslande. 

Im südlichen Oberharze beendete Bezirksgeologe Dr. 1 . Der Harz. 
Koch im Gebiete des Blattes Osterode (G. A. 55; is) die Auf- 
nahmen der Culm-Ablagerungcn zwischen dem Oberharzer Grün- 
steinzuge und dem Bruchberg- Acker. 

Nach Abschluss dieser Arbeit führte derselbe Revisionsbe- 
gehungen im Bereiche der Elbingeröder Mulde auf Blatt Blanken- 
burg (G. A. 56; 16 ) aus. 

Im Gebiete des Blattes Zellerfeld (G. A. 56 ; 7 ) wurde von dem 
Bezirksgeologen Halfar eine Gliederung der Schichtengruppe 
des Kramenzelkalksteins begonnen. 

Professor Dr. Klockmann begann die Revision der von 
GRODDECK’schen Aufnahmen innerhalb der Blätter Seesen und 
Osterode (G. A. 55; 12, 18 ). 

Am Westrande des Harzes führte Landesgeologe Dr. 2. Am west- 
Ebert nach einer letzten Revision im nördlichen Theile des Blattes 
Lindau (G. A. 55 ; 23 ) Aufnahmen im südöstlichen Theile des 
Blattes Westerhof (Gr. A. 55; 17 ) und in dem angrenzenden Ge- 
biete des Blattes Osterode (G. A. 55; 18 ) aus. 

Dr. Müller endete auf Blatt Moringen (G. A. 55 ; 16) die 
Abgrenzung der Diluvialschichten und begann dieselben auf Blatt 
Einbeck (G. A. 55; 10 ). 


VIII 


3. Provinz 
Sachsen und 
Thüringen. 


Professor Dr. von Koenen unterwarf Blatt Gandersheim 
(G. A. 55; 11 ) einer Schlussrevision, beendete die Aufnahme der 
Blätter Moringen und Westerhof (G. A. 55; 16 , n), sowie des ihm 
überwiesenen westlichen Theils des Blattes Osterode (G. A. 55; is), 
brachte den ihm überwiesenen Theil des Blattes Seesen (G. A. 
55; 12 ) dem Abschluss nahe und setzte die Aufnahme der Blätter 
Alfeld, Gr.-Freden, Einbeck und Jühnde (G. A. 55 ; 3, 4 , 10 , 33 ) fort. 

In der Gegend von Halle ergänzte Professor Dr. von Fritsch 
seine Aufnahmen der Blätter Landsberg, Halle , Gröbers, Kölsa, 
Merseburg, Kötzschau, Schkeuditz, Weissenfels, Lützen, Meuchen 
und Mölsen (G. A. 57 ; 29, 34, 35, 36, 40, 41 , 42, 46, 47, 48, 53 ) durch Ein- 
tragung zahlreicher neuer Aufschlüsse. 

Im Eichsfelde begann Professor Dr. Proescholdt die Auf- 
nahme der Blätter Heiligenstadt und Dingelstädt (G. A. 55; 41 , 42 ). 

Bergingenieur Frantzen setzte die Revision des südöstlichen 
Theiles des Blattes Treffurt (G. A. 55; 54 ) fort und untersuchte 
den anstossenden Theil des Blattes Langula (G. A. 56; 49 ). 

Bezirksgeologe Dr. Zimmermann bearbeitete innerhalb des 
Blattes Fröttstedt (G. A. 70; 2 ) die Gliederung des unteren 
Muschelkalks und des Diluviums. 

Bezirksgeologe Dr. Scheibe führte im Gebiete des von den 
Professoren Dr. Weiss und von Seebach aufgenommenen Blattes 
Friedrichsroda (G. A. 70; 8) Begehungen behufs der Erläute- 
rungen aus. 

Landesgeologe Dr. Beyschlag brachte die Revision des 
paläozoischen Theiles des Blattes Schwarza (G. A. 70; 20 ) zum 
Abschluss und bewirkte eine Anzahl von Revisionen für die geo- 
logische Uebersichtskarte des Thüringer Waldes. 

Bezirksgeologe Dr. Zimmebmann führte die Schlussrevision 
des Blattes Crawinkel (G. A. 70; 15 ) zu Ende. 

Professor Dr. von Fritsch unterzog seine Aufnahmen in 
den Blättern Tambach, Schwarza, Suhl und Schleusingen (G. A. 
70; 14, 20 , 21 , 27 ) einer letzten Revision. Professor Dr. Proescholdt 
revidirte in einzelnen Theilen seine Aufnahmen in den Blättern 
Schwarza und Schleusingen (G. A. 70; 20 , 27 ). 


rx 


Zur Herbeiführung einer vollständigen Uebereinstimmung der 
Darstellung in den Blättern des mittleren Thüringer Waldes wur- 
den von den dabei betheiligten Herren Professor Dr. von Pritsch, 
Landesgeologen Dr. Loretz, Dr. Beyschlag und Bezirksgeo- 
logen Dr. Scheibe gemeinschaftliche Begehungen dieses Gebietes 
ausgeführt. 

In Südthüringen beendete Professor Dr. Proescholdt 
die Aufnahme des Blattes Sondheim (G. A. 69; 35) bis auf eine 
noch vorzunehmende Schlussrevision einzelner besonders schwie- 
riger Gebiete. 

In der Gegend von Coburg stellte Landesgeologe Dr. Loretz 
die Aufnahme des Blattes Oeslau (G. A. 70; 47) fertig und brachte 
die Revision der Blätter Coburg, Rossaeh und Steinach zum Ab- 
schluss (G. A. 70; 46, 48, 52). 

In Ostthüringen vollendete Hofrath Professor Dr. Liebe 
unter Beihülfe des Bezirksgeologen Dr. Zimmermann die Auf- 
nahme des Blattes Sclileiz (G. A. 71 ; 27), führte diejenige des 
Blattes Hirschberg (G. A. 7 1 ; 33) dem Abschlüsse nahe und be- 
gann die Untersuchung in den Blättern Mielesdorf und Gefell 
(G. A. 70; 28, 34). 

Im Regierungsbezirk Cassel führte Dr. Denckmann die 4. Die Provinz 
Aufnahme der Blätter Frankenberg, Frankenau und Kellerwald Hessen ~ Nassau - 
(G. A. 54; 57, 58, 59) weiter und begann diejenige des Blattes 
Gölserberg (G. A. 68; 5). 

Professor Dr. Bücking brachte in der Rhön die Aufnahme 
des Blattes Gersfeld (G. A. 69; 34) zum Abschluss und setzte die 
Bearbeitung der Blätter Neuswarts, Kleinsassen und Hilders fort 
(G. A. 69; 22, 28, 29). 

Im Regierungsbezirk Wiesbaden bearbeitete Professor 
Dr. Kayser die südöstliche Ecke des Blattes Herborn und einen 
angrenzenden Theil des Nachbarblattes Ballersbach (G. A. 67 ; 24. 

68; 19). 

Professor Dr. Holzapfel setzte die Aufnahmearbeiten inner- 
halb des Blattes Braunfels (G. A. 68; 25) fort und führte sie dem 
Abschluss nahe. 


X 


Zum Vergleich der Schichten der Lahnmulde mit denjenigen 
des Kellerwaldes wurde von demselben eine Begehung des letzteren 
Gebietes mit Dr. Denckmann ausgeführt. 

5. Die Rhein- In der Rheinprovinz wurde von dem Landesgeologen 
provjnz. Grebe die Bearbeitung der Blätter Renland, Leidenborn, Dax- 
burg (G. A. 65; 53, 54, 59), Schönecken, Mürlenbach, Dann und 
Manderscheid (G. A. 66; 49, 50, 51, 57) fortgesetzt und theilweise 
zum Abschluss gebracht. 

Ferner wurden Begehungen zur Orientirung im nördlichen 
Theile der Kreise Prüm und Daun, sowie in dem südlichen Theile 
der Kreise Malmedy und Schleiden von demselben unternommen. 

Bezirksgeologe Dr. Leppla führte Revisionen im Gebiete der 
Blätter Oberstem, Morscheid und Hottenbach (G. A. 80; 18 , 17, 
12 ) aus. 

6. Provinz Nachdem von der Königlichen Landesaufnahme die Kartirung 
westphaien. ( j eg g r 5 SS ^ en Theils der Provinz Westphalen im Maassstabe 
1 : 25000 fertig gestellt ist, wurde die geologische Specialunter- 
suchung in dieser Provinz in den Blättern Schwerte, Menden, 
Hohenlimburg und Iserlohn durch den Landesgeologen Dr. Loretz 
in Angriff genommen (G. A. 53; 32, 33, 38, 39). 


II. Die Aufnahmen im Flachlande 

unter besonderer Berücksichtigung der agronomischen 
Verhältnisse. 

7. Mitteimark. Landesgeologe Professor Dr. Berendt setzte die Aufnahme 
der Blätter Oderberg, Zehden und Freienwalde (G. A. 45; n, 12 , 17 ) 
in den der Oderniederung angehörenden Theilen fort und führte, 
ebenso wie auf den Blättern Oderberg und Zehden, mit Hülfe des 
Landmessers Reemann die Aufnahme des ganz der Niederung an- 
gehörenden Blattes Neu-Trebbin (G. A. 45; 24 ) aus. 

Bezirksgeologe Dr. Schröder setzte gleichfalls unter ver- 
nehmlicher Berücksichtigung der in der Niederung gelegenen 
Theile, welche auch zum Abschluss gebracht wurden, die Auf- 


XI 


8. Uckermark 
und 

Vorpommern. 


nähme der Blätter Schwedt, Stolpe, Zachow, Oderberg und Zehden 
(G. A. 28; 60 . 45 ; 5, 6, n, 12 ) fort. 

Dr. Gagel begann und vollendete die Aufnahme des ganz 
in der Oder-Niederung gelegenen Blattes Neu-Lewin (G. A. 45 ; is) 
und kleiner anstossender Niederungstheile der Blätter Freienwalde 
und Bärwalde (G. A. 45 ; 17 und 46 ; 13). 

Dr. Wölfer begann und vollendete die Aufnahme des Nie- 
derungsblattes Letschin und der zur Niederung gehörigen süd- 
westlicheu Hälfte des Blattes Quartschen (G. A. 46; 19 u. 20 ). 

Dr. Beushausen setzte die Arbeiten auf den Blättern Polssen 
und Cunow (G. A. 28; 52 u. 54 ) fort, deren letzteres nahezu und 
deren ersteres ganz zum Abschlüsse gebracht wurde. 

Dr. Müller beendete zunächst die Aufnahme des Blattes 
Fiddichow (G. A. 29; 49 ) und begann diejenige des Blattes Bahn 
(G. A. 29; 50 ), welches bis auf die äusserste Südost-Ecke fertig 
gestellt wurde. 

Dr. Gagel begann nach Beendigung seiner Aufnahmen in 
der Oderniederung die Aufnahme des Blattes Wildenbruch (G. A. 

29; 56 ). 

Dr. Zeise setzte die Aufnahme des Blattes Gandenitz fort, 
dessen Grenze zu Thomsdorf gleichzeitig festgestellt wurde (G. A. 

28; 49 , 43 ). 

Landesgeologe Dr. Keilhack bearbeitete die Blätter Vitte, 

Lanzig, Saleske, Rügenwalde, Peest, Altenhagen und Damerow 
(G. A. 14; 25 - 27 , 31, 33 , 37 , 4 s), von denen die ersten vier Küsten- 
blätter fertig gestellt wurden. 10. Priegnitz. 

Professor Dr. Grüner beendete die Aufnahme des Blattes 
Lohme (G. A. 43; 12 ). 

Professor Dr. Jentzsch brachte die Aufnahme des Blattes 11. Provinz 
Lessen zum Abschluss und begann diejenige des Blattes Schwenten West P reussen - 
(G. A. 33; 29 , 30 ). 

Dr. Klebs begann die Aufnahme des Blattes Orteisburg und 12. Provinz 
führte dieselbe ihrem Abschluss entgegen (G. A. 35; 28). ostpreussen. 


9. Hinter- 
pommern. 


XII 


III. Sonstige Arbeiten. 

Im Interesse der Arbeiten des »Ausschusses zur Untersuchung 
der Wasserverhältnisse in den der Ueberschwemmungsgefahr be- 
sonders ausgesetzten Flussgebieten« wurde von dem Landesgeo- 
logen Professor Dr. Wahnschaffe der dem Flachlande und von 
dem Landesgeologen Dr. Dathe der dem schlesischen Gebirgs- 
lande mit Ausschluss der Grafschaft Glatz angehörende Theil des 
Oderstromgebietes einer übersichtlichen hydrographisch-geologischen 
Untersuchung unterzogen. Bezirksgeologe Dr. Leppla begann 
im Gebiete der Grafschaft Glatz eine gleichartige Untersuchung 
unter Benutzung der 25 000 theiligen topographischen Specialkarte 
und führte dieselbe ihrem Abschlüsse nahe. 


Stand der 
Publicationen. 


Im Laufe des Jahres sind zur Publication gelangt: 

A. Karten. 

1 . Lief. XL VI, enthaltend die Blätter Birkenfeld, 

Nohfelden, Freisen, Ottweiler, St. Wendel . 5 Blätter. 

2. Lief. LIII, enthaltend die Blätter Zehdenick, 
Gr.-Schönebeck, Joachimsthal, Liebenwalde, 

Ruhlsdorf, Eberswalde (Mit Bohrkarten und 

Bohrregister) 6 » 

Lief. LVIII, enthaltend die Blätter Fürsten- 
werder, Dedelow, Boitzenburg, Hindenburg, 

Templin, Gerswalde, Gollin, Ringenwalde 
(Mit Bohrkarten und Bohrregister) ... 8 » 

Lief. LXII, enthaltend die Blätter Göttingen, 

Waake, Reinhausen, Gelliehausen .... 4 » 


3. 


4 . 


zusammen 

Es waren früher publicirt 

Mithin sind im Ganzen publicirt . . . 


23 Blätter. 
302 » 

325 Blätter. 


xm 


Was den Stand der noch nicht publicirten Kartenarbeiten 
betrifft, so ist derselbe gegenwärtig folgender: 

1. In der lithographischen Ausführung sind noch beendet: 

Lief. LIX, Gegend von Bublitz .... 9 Blätter. 

Lief. LX, Gegend von Heldburg ... 4 » 

zusammen 1 3 Blätter. 
Die Veröffentlichung dieser bereits im Auf- 
lagedruck befindlichen beiden Lieferungen 
wird binnen Kurzem erfolgen. 

2. In der lithographischen Ausführung begriffen 
sind: 


Lief. LII, Gegend von Halle a/S. ... 7 Blätter. 

Lief. LXI, Gegend von Bartenstein . . 5 » 

Lief. LXIII, Gegend von Bernkastel . . 10 » 

Lief. LXIV, Gegend von Ilmenau ... 6 » 

Lief. LXV, Gegend von Riesenburg . . 4 » 

Lief. LXVI, Gegend von Prenzlau . . 6 » 

Lief. LXVII, Gegend von Stettin ... 6 » 

Lief. LXVIII, Gegend von Wilsnack . 6 » 

Lief. LXXI, Gegend von Gandersheim . 5 » 

Lief. LXXII, Gegend von Coburg . . 4 » 

zusammen 1. und 2. 72 Blätter. 

3. In der geologischen Aufnahme fertig, jedoch 

noch nicht zur Publication in Lieferungen 
abgeschlossen 97 » 

4. In der geologischen Bearbeitung begriffen .172 » 

Einschliesslich der publicirten Blätter in der 

Anzahl von 325 » 

sind demnach im Ganzen zur Untersuchung 

gelangt 666 Blätter. 

Ausserdem befindet sich noch eine geologische Uebersichts- 


karte vom Thüringer Wald im Maassstabe 1 : 100000 in der 
lithographischen Ausführung. Eine Höhenschichtenkarte vom mitt- 
leren Deutschland, zunächst für die Gegenden des Oder- und 
des Elbe-Gebietes ist in der Vorbereitung begriffen. 


XIV 


1 . 


2 . 


3. 

4. 


5. 


6 . 


7 . 


B. Abhandlungen und Jahrbuch. 


Band X, Heft 5. A. von Koenen, Das norddeutsche Unter- 
Oligocän und seine Mollusken - Fauna. 
Lief. V : Pelecypoda. — I. Asiphonida. — 
A. Monomyaria. B. Heteromyaria. C. Ho- 
momyaria. - — II. Siphonida. — A. Integro- 
palliata. Nebst 24 Tafeln. 

Neue Folge. Heft 2. Weiss, Die Sigillarien der preussi- 
schen Steinkohlen- und Rothliegenden- 
Gebiete. Beiträge zur fossilen Flora, 
V. II. Die Gruppe der Subsigillarien, 
von Dr. E. Weiss. Nach dem hand- 
schriftlichen Nachlasse des Verfassers 
vollendet von Prof. Dr. J. T. Sterzel. 
Hierzu ein Atlas mit 28 Tafeln und 
14 Textfiguren. 

Neue Folge. Heft 9. Theil II. Potonie , Die Flora des 
Rothliegenden von Thüringen. Mit 
35. Tafeln. 

Neue Folge. Heft 14. Keilhack, Zusammenstellung der geo- 
logischen Schriften und Karten über 


den ost- elbischen Theil des König- 
reiches Preussen mit Ausschluss der 
Provinzen Schlesien und Schleswig- 
Holstein. 

Neue Folge. Heft 15. Holzapfel, Das Rheinthal von Binger- 
brück bis Lahnstein. Mit einer geo- 
logischen Uebersichtskarte , 16 An- 

sichten aus dem Rheinthale und 5 Ab- 
bildungen im Text. 

Jahrbuch der Königlich Preussischen geologischen Landes- 
Anstalt und Bergakademie pro 1891 LXXXIV und 
627 Seiten Text und 28 Tafeln. 

Dasselbe pro 1892 LXXIV und 311 Seiten Text und 
17 Tafeln. 


XV 


Nach dem Berichte für das Jahr 1892 betrug die Gesammt- Debit der 
zahl der im Handel debitirten Kartenblätter . . 27 661 Blätter. Pubhcatl0nen- 


Im Jahre 1893 wurden verkauft: 


von 

Lief. I, Gegend 

von 

Nordhausen 

16 Bl. 

» 

» 

H, 

» 

Jena .... 

20 

» 

» 

» 

III, » 

» 

Bleicherode . . 

24 

» 

» 

» 

IV, » 

» 

Erfurt .... 

3 

» 

» 

» 

Y, » 

» 

Zörbig .... 

2 

» 

» 

» 

VH, •» 

» 

Saarbrücken 







II. Theil . . 

7 

» 

» 

» 

YIII, » 

» 

Riechelsdorf . . 

18 

» 

» 

» 

IX, » 

des Kyffhäusers . . 

59 

» 

» 

» 

X, » 

von 

Saarburg . 

4 

» 

» 

» 

XI, » 

» 

Nauen .... 

9 

» 

» 

» 

XII, » 

» 

Naumburg a. S. . 

22 

» 

» 

»- 

XIII, » 

» 

Gera 

24 

» 

» 

» 

XIY, ,» 

» 

Berlin Nordwesten 

8 

» 

» 

» 

XY, » 

» 

Wiesbaden 

34 

» 

» 

» 

XYI, » 

» 

Mansfeld . 

27 

» 

» 

» 

XYII, » 

» 

Triptis .... 

23 

» 

» 

» 

XVIII, » 

» 

Eisleben . . . 

8 

» 

». 

» 

XIX, » 

» 

Querfurt 

12 

» 

» 

» 

XX, » 

» 

Berlin Süden . 

24 

» 

» 

» 

XXI, » 

» 

Frankfurt a. M. . 

10 

» 

» 

» 

XXII, » 

• » 

Berlin Südwesten 

8 

» 

» 


XXIII, » 

» 

Ermschwerd . . 

14 

» 

» 

» 

XXIV, » 

» 

Tennstedt . 

5 

» 

» 

• » 

XXV, » 

» 

Mühlhausen 

18 

» 

» 

» 

XXVI, » 

» 

Berlin Südosten . 

9 

» 

» 

» 

XXVII, » 

» 

Lauterberg a. H. 

19 

» 

» 

» 

XXVIII, » 

» 

Rudolstadt . . . 

19 

» 

» 

» 

XXIX, » 

.» 

Berlin Nordosten 

35 

» 

» 

.» 

XXX, » 

» 

Eisfeld in Thür. . 

43 

» 


524 Blätter. 


Latus 28 185 Blätter. 


XVI 


Transport 28185 Blätter. 


von 

Lief. XXXI, Gegend 

von 

Limburg . . 

27 Bl, 

» 

» 

XXXIII, » 

» 

Schillingen . . 

4 

» 

» 

» 

XXXIV, » 

» 

Lindow . . . 

7 

» 

» 

» 

XXXV, » 

» 

Rathenow . 

22 

» 

» 

» 

XXXVI, » 

» 

Hersfeld . . . 

31 

•»' 

» 

» 

XXXVII, » 

» 

Meiningen . 

47 

» 

» 

» 

XXXVIII, » 

» 

Stendal . . 

1 

» 

» 

» 

XXXIX, » 

» 

Gotha 

2 

» 

» 

» 

XL, 

». 

Saalfeld i. Thür. 

27 

» 

» 

» 

XLI, » 

’ » 

Selters . . . 

36 

» 

» 

' ». 

XLII, » 

» 

Tangermünde . 

19 

» 

» 

» 

XLIII, » 

» 

Marienwerder . 

9 

» 

» 

» 

XLIV, » 

» 

Coblenz . 

55 

» 

» 

» 

XLV, » 

» 

Melsungen . . 

5 

» 

» 

» 

XL VIII, » 

» 

Burg .... 

7 

» 

» 

» 

XLIX, » 

» 

Bieber . . . 

14 

» 

» 

» 

L, 

» 

Trier .... 

15 

» 

» 

» 

LI, 

» 

Oberweiss . . 

2 

» 

» 

» 

LIV, 

» 

Brandenburg 







a. H. . . . 

37 

» 

» 

» 

LV, 

» 

Schwarzburg 

47 

» 

» 

» 

LVI, 

» 

Hildburghausen 

48 

» 

» 

» 

LVII, 

» 

Greiz .... 

219 

» 


671 » 

so dass im Ganzen durch den Verkauf debitirt sind: 28856 Blätter. 

Von den sonstigen Publicationen sind verkauft worden: 
Abhandlungen. 

Band I, Heft 2. ( Schmidt , Keuper des östlichen 


Thüringens) 2 Exempl. 

» » » 3. (Laspeyres, Rothliegendes) ... 2 » 

» » » 4. (Meyn, Insel Sylt) 6 » 

» II, » 1. (Weiss, Steinkohlen-Calamarien) . 1 » 

» » » 2. (Orth, Rüdersdorf und Umgegend) 3 » 


XVII 


Band II, Heft 3. (Berendt, der Nordwesteu v. Berlin) 4 Exem 
» » » 4. (Kayser, Devon- Ablagerungen) . 1 » 

» III, » 2. (Läufer u. Wahnschaffe, Boden- 
untersuchungen) 2 » 

» 111, » 3. (Meyn, Schleswig -Holstein) ... 6 » 

» » » 4. (Schütze, Niederschles. -Böhmisches 

Steinkohlenbecken) ..... 6 » 

» IV, » 2. (Koch, Homalonotus- Arten) ... 2 » 

» V, »1. (Roemer, Die geologischen Verhält- 
nisse von Hildesheim) .... 3 » 

» » » 2. (Weiss, Steinkohlen-Calamarien) . 2 » 

. » » » 3. (Läufer, Die Werder’schen Wein- 
berge) . 2 » 

» » »4. (Liebe, Ostthüringen) 3 » 

» VI, » 1. (Beushausen, Spiriferensandstein) . 2 » 

» » » 2. (Blanckenhorn, Trias der Eifel) . 3 » 

» » » 3. (Noetling, Die Fauna des sam- 

ländischen Tertiärs) 1 » 

» VII, » 2. (berendt, Märkisch -Pommersches 

Tertiär) 5 » 

» » »3. (Felix, Weiss, Potonie, Carbon- 
pflanzen) 1 » 

» » » 4. (Branco, Lepidotüs) 1 » 

» VIII, » 1. (Berendt, Geologische Karte von 

Berlin und Umgegend) ... 8 » 

» » »2. (Denckmann, Geologische Verhält- 

von Dörnten) 5 » 

» » » 4. (Schlüter, Anthozoen) .... 2 » 

» IX, » 2. (Caspary, Fossile Hölzer) ... 1 » 

» » » 3. (Frech, Devonische Aviculiden) . 6 » 

» » » 4. (Kinkelin, Das Untermainthal etc. 20 » 

» X, » 1 — 5. (von Koenen, Unter -Oligocän 

und seine Mollusken-Fauna) . . 88 » 

b 


Jahrbuch 1893. 


XVIlI 


Neue Folge. Heft 1. 


(Kayser, Fauna des Haupt- 
quarzits) 2 Exempl. 

(Sterzel, Sigillarien) ... 39 » 

( Beissel, Foraminiferen) . . 1 » 

( S chlüter , Die reguläre n 

Echiniden) 5 » 

(Eck, Gegend von Baden) . 8 » 

(Uthemann , Braunkohlen- 
Lagerstätten am Meissner) 4 » 

(von Reinach, Das Roth- 
liegende in der Wetterau) 10 » 

(Potonie, Flora des Roth- 
liegenden von Thüringen) 35 » 

(Wölfer, Geolog. Special- 
karte u. Bodeneinschätzung) 5 » 

(Bücking, Der Spessart) . . 18 » 

(Dathe, Umgegend von Salz- 
brunn) 17 » 

(Keilhack , Schriften und 
Karten etc.) .... r 46 » 

(Holzapfel, Das Rheinthal) 48 » 

Vom Jahrbuch 1880— 1892 104 » 


11 . 


12 . 

13. 


14. 


15 . 


Von den sonsti 


en Karten und 


S 


chriften. 


Höhenschichtenkarte des Harzgebirges 7 Exempl. 

Geologische Karte des Harzgebirges 30 » 

Weiss, Flora der Steinkohlenformation 20 » 

Geologische Karte der Umgegend von Thale ... 6 » 

Geologische Karte der Stadt Berlin 11 » 

Uebersichtskarte der Gegend von Halle ..... 16 » 

Höhenschichtenkarte des Thüringer Waldes ... 50 » 


krx 


2 . 

Arbeitsplan 

der Königlichen geologischen Landesanstalt 
für das Jahr 1894. 


I. Die Aufnahmen im Gebirgslande. 

I. Der Harz und seine Umgebung. 

Bezirksgeologe Dr. Koch wird die Aufnahme des Blattes 
Blankenburg (G. A. 56; 16) 1 ) fortsetzen und im Gebiete der Blätter 
Osterode und Riefensbeek (G. A. 55; 18. G. A. 56; 13 ) die Unter- 
suchung der Schichten zwischen dem Bruchberg- Acker und dem 
Grünsteinzuge weiterführen. 

Im Oberharz wird Professor Dr. Klockmann die Revision 
der Blätter Seesen und Osterode (G. A. 55; 12 , is) in ihrem aus 
altem Gebirge zusammengesetzten Theile fortsetzen. 

Nördlich des Harzes wird Landesgeologe Dr. Ebert die 
Aufnahme des Blattes Osterwieck (G. A. 56; 3 ) beginnen. 

Westlich des Harzes wird Professor Dr. von Koenen 
die Untersuchung des Gebietes der Blätter Alfeld, Gr. -Freden, 
Einbeck, Seesen und Jühnde fortsetzen (G. A. 55; 3, 4, 10 , 12 , 33 ). 


*) G. A. 56; 16 = Grad - Abteilung 56, Blatt No. 16. 

b* 


XX 


2. Provinz Sachsen und Thüringen. 

Professor Dr. Proeschoedt wird die Arbeiten zur Revision und 
Fertigstellung der Blätter Berlingerode, Heiligenstadt, Dingelstedt, 
Kella und Lengenfeld (G. A. 55; 36 , 41 , 42 , 47 , 48 ) fortsetzen. 

Bergingenieur Frantzen wird die Revision der Blätter 
Treffurt, Kreuzburg und Langula weiterführen (G. A. 55; 54, go. 
G. A. 56; 49 ). 

Professor Dr. von Fritsch wird die von ihm bearbeiteten 
Blätter der Gegend von Halle zum definitiven Abschluss bringen. 

Im Thüringer Walde wird Landesgeologe Dr. Beyschlag 
die Kartirung der Blätter Eisenach und Salzungen (G. A. 69; 6, 12 ) 
fertigstellen. 

Bezirksgeologe Dr. Scheibe wird die Revision des Blattes 
Brotterode (G. A. 70; 7 ) zu beenden suchen und eine Begehung 
des Gebietes des Blattes Friedrichsroda (G. A. 70; 8) behufs der 
Bearbeitung der Erläuterung vornehmen. 

Bezirksgeologe Dr. Zimmermann wird eine Begehung inner- 
halb des Blattes Wutha (G. A. 70; 1 ) behufs der Gliederung der 
Trias ausführen. 

In Ostthüringen wird Hofrath Professor Dr. Liebe in Ge- 
meinschaft mit dem Bezirksgeologen Dr. Zimmermann die Aufnahme 
der Blätter Lehesten, Lobenstein, Hirschberg und Gefell weiter- 
führen (G. A. 71‘; 31, 32, 33, 84).' 

3. Provinz Hessen -Nassau und Rhöngebiet. 

Im Regierungsbezirk Cassel wird Dr. Denckmann die 
Untersuchung und Kartirung des Kellerwaldgebietes in den Blättern 
Frankenau, Kellerwald (G. A. 54; 58, 59), Rosenthal und Gilser- 
berg (G. A. 68; 4, 5) weiterführen. 

Professor Dr. Bücking wird in der Rhön die Untersuchung 
innerhalb der Blätter Neuswarts, Kleinsassen und Wilders (G. A. 69; 
22 , 28 , 29 ) fortsetzen. 

Professor Dr. Kayser wird die Blätter der Umgebung von 
Marburg weiter bearbeiten. 


XXI 


Im Regierungsbezirk Wiesbaden wird Professor Dr. 
Kayser die Aufnahme der Blätter Dillenburg und Herborn weiter- 
führen (Gr. A. 67 ; 18 , 24 ). 

Professor Dr. Holzapfel wird die Bearbeitung der Blätter 
Braunfels, Wetzlar, Weilmünster und Kleeberg (Gr. A. 68; 25 , 26 , 
81 , 32 ) fortsetzen. 

4. Rheinprovinz. 

Professor Dr. Holzapfel wird den linksrheinischen Theil der 
Blätter St. Goarshausen und Caub-Bacharach untersuchen (G. A. 67 ; 
51 , 57 ). 

Derselbe wird unter Zugrundelegung der neu hergestellten 
Messtischblätter linksrheinischer Landestheile die Aufnahme der 
Gegend von Aachen beginnen. 

In der Eifel wird Landesgeologe Grebe die Bearbeitung der 
Blätter Reuland, Habscheid, Dasburg (G. A. 65; 53, 54, 59 ), Schön- 
ecken, Mürlenbach, Daun und Manderscheid (G. A. 66; 49 , 50 , 
51 , 57 ) weiterführen. 

Bezirksgeologe Dr. Leppla wird im Nahegebiet und auf 
dem Hunsrück das Blatt Ruhlenberg abschliessen (G. A. 80; 23 ) 
und Revisionen innerhalb der Blätter Neumagen, Morbach, Hotten- 
bach, Schönberg und Morscheid vornehmen (G. A. 80; 10 , 11 , 12 , 16 , 17 ). 

Derselbe wird eine Orientirungs- und Studienreise in den 
vulkanischen Gebieten der Eifel und des Siebengebirges zur Vor- 
bereitung von Aufnahme- Arbeiten au'sführen. 

5. Provinz Westfalen. 

Landesgeologe Dr. Loretz wird die Aufnahme- Arbeiten in 
dem Gebiete der Messtischblätter Schwerte, Menden, Hohenlim- 
burg und Iserlohn (G. A; 53; 32, 33, 38, 39 ) in Angriff nehmen. 

6. Provinz Schlesien. 

In Niederschlesien wird Landesgeologe Dr. Dathe die 
Aufnahme des Blattes Wünscheiburg (G. A. 76; 25 ) beginnen und 
diejenige der Blätter Waldenburg und Neurode zum Abschluss 
zu bringen suchen (G. A. 75; 18 . G. A. 76; 26 ). 


XXII 


II. Die Aufnahmen im Flachlande unter besonderer Berück- 
sichtigung der agronomischen Verhältnisse. 

7. Mittelmark. 

Landesgeologe Professor Dr. Berendt wird seine Arbeiten auf 
den Blättern Hohenfmow und Freienwalde zum Abschluss bringen 
(G. A. 45; io, 17). 

Landesgeologe Professor Dr. Wahnschaffe wird die Auf- 
nahme des Blattes Trebnitz ausführen und sodann ein neues 
Arbeitsgebiet in der Provinz Posen in Angriff nehmen. 

Bezirksgeologe Dr. Schröder wird die Blätter Gr. Ziethen, 
Stolpe und Oderberg zum Abschluss bringen und sodann die Ar- 
beiten auf Blatt Schwedt fortsetzen (G. A. 45 ; 4, 5, li und 28 , 60 ). 

Dr. Wölfer wird die Aufnahme des Blattes Quartschen 
beenden und demnächst auf Fürstenfelde und Bärwalde übergehen 
(G. A. 46; 20 , i4, 13) und bei dieser Gelegenheit den Anschluss 
der Blätter Neu- Trebbin und Neu - Lewin (G. A. 45; 24, 18) mit 
Letschin und Bärwalde (G. A. 46; 19, 13 ) durch eine Schluss- 
begehung bewirken. 

8. Uckermark und Vorpommern. 

Dr. Beushausen wird die Blätter Passow und Cunow zum 
Abschluss bringen (G. A. 28; 53, 54 ) und demnächst in ein neues 
Arbeitsgebiet in der Provinz Posen übergehen. 

Dr. Müller wird nach Fertigstellung des Blattes Bahn die 
Blätter Schwochow und Neumark bearbeiten (G. A. 29; 50, 51 , 45 ). 

Dr. Gagel wird, wenn möglich, nach Beendigung seiner Auf- 
gabe in Ostpreussen eine Revision des Blattes Uchtdorf ausführen 
und dasselbe druckfertig stellen (G. A. 29; 55 ). 

Dr. Zeise wird die Blätter Thomsdorf und Gandenitz, ersteres 
bis zur mecklenburgischen Grenze, vollenden und demnächst auf 
Blatt Hammelspring übergehen (G. A. 28; 43, 49 , 55 ). 

In Gemeinschaft mit Professor Dr. Berendt werden Dr. 
Schröder, Dr. Beushausen und Dr. Müller eine Schlussbe- 


XXIII 


gehung ihrer zwischen Uecker und Oder gelegenen Blätter aus- 
führen, welche Begehung behufs Feststellung der unterschiedenen 
Thalterrassen nöthigenfalls bis zum Haff hinunter auszudehnen ist. 

9. Hinterpommern. 

Landesgeologe Professor Dr. Berendt wird in der durch 
Revisionsreisen nicht in Anspruch genommenen Zeit mit Hülfe 
des Landmessers Reimann die Blätter Kolberg und Gr. Jestin 
bearbeiten (G. A. 13; 50, 56). 

Landesgeologe Dr. Keilhack wird die Blätter Altenhagen, 
Damerow, Zirchow und Wussow betreffenden Falles auch Blatt 
Peest zum Abschluss bringen (G. A. 14; 37, 43 — 45 und 53). 

10. Priegnitz. 

Professor Dr. Grüner wird die Blätter Wuticke und Witt- 
stock bearbeiten (G. A. 27; 55 und 49). 

Professor Dr. Klockmann wird die Aufnahme des Blattes 
Kyritz zu Ende führen (G. A. 44; 1 ). 

II. Posen. 

Professor Dr. Wahnschaffe wird nach Beendigung seiner 
Aufnahmen in der Mittelmark die Bearbeitung der Blätter Obor- 
nick, Zukowo, Wargowo und Owinsk bei Posen beginnen (G. A. 48; 

21, 22, 27, 28). 

Dr. Beushausen wird nach Beendigung seiner Aufnahmen 
in der Uckermark die Aufnahme der Blätter Sady, Posen, Dom- 
browka und Gurtschin (G. A. 48; 33, 34, 39, 40) in Angriff nehmen. 

12. Westpreussen. 

Professor Dr. Jentzsch wird Blatt Schwendten fertigstellen 
und demnächst die Aufnahme von Gr. Plowenz ausführen (G. A. 33; 

30, 36). 

Landesgeologe Dr. Ebert wird die Aufnahme des Blattes 
Neuenburg vollenden und dasselbe ebenso wie Blatt Garnsee 
druckfertig stellen (G. A. 33; 21 , 22 ). 


XXIV 


13. Ostpreussen. 

Dr. Klebs wird nach Vollendung des Blattes Orteisburg die 
Aufnahme der Blätter Gr. -Schöndamerau und Passenheim (G. A. 
35; 28, 22, 21) ausführen und hierbei die neu eintretenden Hülfs- 
geologen Dr. Kaunhoven und Dr. Schulte in die Aufnahme- 
arbeit einführen bezw. demnächst von denselben unterstützt werden. 

Ausserdem wird derselbe in Gemeinschaft mit Professor Dr. 
Berendt die im Vorjahre nicht zur Ausführung gekommene 
Schlussbegehung der Blätter Dönhofstedt, Langheim und Lam- 
garben (G. A. 18; 48, 53, 54) bewerkstelligen und gleichzeitig in 
Gemeinschaft mit Dr. Schröder die Grenzanschlüsse letzterer 
beiden Blätter zu den Blättern Rössel und Heiligelinde (G. A. 18; 
59, 60), sowie den Gesammtanschluss an das neue Arbeitsgebiet 
feststellen. 

Dr. Gagel wird die Aufnahme des Blattes Theerwisch aus- 
führen (G. A. 35, 23). 

14. Arbeiten für die geologisch -hydrographische Untersuchung 
des Oderstromgebietes. 

Landesgeologe Dr. Dathe wird im Interesse der Arbeiten 
für den Wasser- Ausschuss die im Vorjahre ausgeführten Unter- 
suchungen im Schlesischen Gebirgslande durch die Untersuchung 
des Flussgebietes der Steine abschliessen. 

Bezirksgeologe Dr. Leppla wird in gleicher Weise die Unter- 
suchungen in der Grafschaft Glatz zu Ende führen. 


XXV 


a. 

Mitteilungen 

der Mitarbeiter der Königlichen geologischen 
Landesanstalt über Ergebnisse der Aufnahmen im 
Jahre 1893. 


Mittheilung des Herrn K. v. Fritsch über seine Auf- 
nahmen im Thüringer Wald. 

Das Grundgebirge des mittleren Thüringer Waldes besteht 
bekanntlich aus Granit (Granitit) und aus mehr oder minder 
schieferigen Gesteinen vorsilurischen Alters. 

In seinem trefflichen Werke: »Thüringen« 1 ) redet Fr. Regel 
mit sehr grosser Sicherheit auf S. 99 und 183 von den Contact- 
wirkungen des mittelthüringischen Granites und rechnet unter 
anderen Gesteinen das Eisensteinvorkommniss vom Crux bei 
Schmiedefeld theilweise zu den umgewandelten Gebilden. 

Von den vorhandenen Granitaufschlüssen selbst geben manche 
keinerlei Aufschluss über ihre Zugehörigkeit zum Urgebirge oder 
zu jüngeren Graniten. Besonders gilt das von den räumlich sehr 
beschränkten Vorkommnissen bei Bischofsrod unweit Schleusingen 
und bei Steinbach -Hallenberg 2 ), am Dachskopf und im oberen 
Langebachthal bei Ilmenau u. s. w. ; aber auch von dem ausgedehn- 


9 Jena 1892. 

2 ) Zeitschrift für Naturwissenschaften (Halle) 1881, S. 646. — Bücking, 
Dieses Jahrbuch 1884, S. 551, 552. — Regel, a. a. 0., S. 182, 


XXVI 


terea Granitgebiete des oberen Ilmthales und seiner Umgebungen 
(Freibach, Meyersgrund u. s. w.). 

Das grösste mittelthüringische Granitvorkommen, das von 
Suhl, Zella, Mehlis, Goldlauter und anderen Orten, glaube ich 
auch nach den neuesten Begehungen nicht von den mit den 
Gneissen der Gegend von Brotterode, Liebenstein u. s. w. ver- 
knüpften Graniten trennen zu dürfen. Es treten hier — , wenn 
auch nur sehr untergeordnet, — gneissartig gebänderte Gesteins- 
abänderungen auf, z. B. zwischen dem »Fröhlichen Manne« und 
dem Doi'fe Heidersbach. Die Gesteinsabänderungen mit grösseren, 
reineren Orthoklaskörpern — : die sogenannten porphyrischen Gra- 
nite von Zella u. s. w. — bilden Streifen, die in der Streichungs- 
richtung der Gneisse und anderer Gesteine von Kleinschmalkalden, 
Brotterode, Liebenstein u. s. w. von SW. nach NO. verlaufen, sich 
zwar wegen der, vielfach genaueste Umgrenzung verbietenden, 
Bodenbedeckung mit Wiese, Wald und Feld nicht scharf genug 
verfolgen lassen, um auf der Specialkarte erschöpfend genau dar- 
gestellt zu werden, aber doch das Gesetz ihrer Vertheilung dem 
aufmerksamen Beobachter in unzweideutigster Weise zeigen. 

Wenig zahlreich sind die dioritartigen Plagioklas-Hornblende- 
gemenge, die als Einlagerungen in diesem Granit (Granitit) auf- 
treten, dasselbe Streichen von SW. nach NO. zeigen und die auf 
der Karte aufgetragen werden konnten, soweit sich das nicht durch 
allzu geringe Flächenverbreitung verbot. 

Mit den Graniten vom Ehrenberg bei Ilmenau und von 
Sehmiedefeld-Vesser sind andere Gesteine des Grundgebirges ver- 
knüpft. An beiden Stellen sieht man zunächst am Granit Fels- 
arten von eigenthümlicher Beschaffenheit, denen weiterhin erst 
schimmernde bis glänzende, graue Schiefer sich anschliessen. Diese 
sind petrographisch als Phyllite zu bestimmen, deren Schieferungs- 
ebenen den Schichtflächen folgen; sie dürften aber, den Aus- 
führungen von Loretz 1 ) . gemäss, keineswegs zu den ältesten 
cambrischen Gebilden Thüringens zu rechnen sein. 


- 1 ) Beitrag zur ICenntniss der cambriscii - phyllitischen Schieferreihc in Thü- 
ringen. Dieses Jahrbuch 1881, S. 175 ff. u. Tab. VI. 


XXVII 


Beim Mangel an weithin verfolgbaren Aufschlüssen unzwei- 
deutiger Art sind verschiedene Auffassungen über den Lagerungs- 
verband und über die Bedeutung der einzelnen Gesteine zulässig. 
Nur leuchtet ein, dass die Verhältnisse am Ehrenberg nicht ohne 
Rücksicht auf die bei Schmiedefeld und Vesser beurtheilt werden 
dürfen, denn es sind manche Handstücke jedes der beiden Land- 
striche nicht von solchen des anderen unterscheidbar, mag man mit 
unbewaffnetem Auge, mit der Lupe oder mit dem Mikroskop arbeiten. 
— Die Schmiedefelder Landschaft bietet nur eine viel grössere 
Mannichfaltigkeit von Gesteinen dar, die zwischen dem Granit 
und den gewöhnlichen, weit verbreiteten, grauen Schiefern lagern, 
als der Ehrenberg. Unter den vom Ehrenberg bisher nicht be- 
sonders erwähnten, wohl dort ganz fehlenden Felsarten forderte 
besonders ein bei Schmiedefeld und Vesser nicht ganz seltenes 
Vorkommen wegen der Aehnlichkeit mit skandinavischen^Hälle- 
flinta - Handstücken zur Untersuchung auf. Das als dicht bis 
äusserst feinkörnig zu bezeichnende Gestein besitzt viel lichtere 
Färbung als die grobschieferigen, grauem bis grünlichem Horn- 
fels ähnlichen »Hornschiefer«, denen es eingelagert ist und zwischen 
denen es Bänke von geringer, bis zu mehreren Metern ansteigender 
Mächtigkeit bildet. Ein Auskeilen solcher Bänke wird zuweilen 
wahrgenommen, so spärlich auch wirkliche Aufschlüsse sind. Ge- 
wöhnlich sind die Lagen nur durch Reihen von Bruchstücken oder 
Blöcken, die im Walde umherliegen, erkennbar. Die Färbung ist 
meist weisslich grau bis gelblich oder röthlich; der Bruch muschelig 
bis splitterig. Selbst grössere Blöcke sind in merklicher Weise 
kantendurchscheinend. 

Um über die Bezeichnung, die diesen Gebilden auf den Karten 
zu geben ist, endgiltig zu entscheiden und um dadurch zugleich 
für die Auffassung des Gesteinszuges neben dem Granit weiteren 
Anhalt zu gewinnen, habe ich ausser mikroskopisch-petrographischen 
Untersuchungen auch die chemische Analyse einer besonders reinen, 
weisslichgrauen Abänderung für nöthig befunden, die unter der 
Gersheid im Schwarzwasserthal oberhalb des Neuwerkes bei 
Schmiedefeld auftritt. Vereinzelte, meist sehr kleine Schwefelkies- 
körperchen sind in dem Gestein sichtbar. 


XXVIII 


Herr Dr. Teuchert, der die Grate hatte, die Analyse auszu- 


führen, fand folgende Zusa 


nmensetzung: 


Si0 2 

85,10 

ai 2 o 3 ..... 

9,78 

Fe 2 0 3 

1,12 

MgO 

0,19 

CaO 

0,30 

Na 2 0 

0,54 

k 2 o 

0,61 

h 2 o 

2,49 

Fe S 2 

0,11 


100 , 24 . 


Der Vergleich mit den Analysen von skandinavischen Hälle- 
flinta- Abänderungen zeigt, dass wir von dem Gebrauche einer 
solchen Bezeichnung Abstand nehmen müssen. Dasselbe ergab 
sich aus der mikroskopischen Untersuchung. Bei dem sehr grossen 
Ueberwiegen von Quarz in diesem und in ähnlichen Gesteinen 
der Schmiedefelder Gegend muss man sie wohl den Quarziten an- 
reihen, zumal da in ihnen Feldspath selten ist. Das gepflasterte bis 
bienenwabenartige Aussehen 1 ) des Mineralgemenges vieler Theile 
des Gesteines ist bei der mikroskopischen Untersuchung sehr auf- 
fällig. — Ohne Abbildungen lässt sich das Aussehen und der 
Mineralbefund dieser Felsarten nicht wohl bezeichnen. 

Diese vorläufige Mittheilung bezweckt nur darzuthun, dass 
die genauere Untersuchung solcher Vorkommnisse der Anschauung 
günstiger ist, wonach bei Schmiedefeld und Vesser Theile eines 
Granitcontacthofes anstehen, als der mir — und wohl auch An- 
deren — bisher besser begründet erschienenen Meinung, dort seien 
zwischen dem Granit und den weithin verbreiteten, grauen Schiefern 
Gesteine entblösst, die, gleich den skandinavischen Hälleflinta- 
Massen, anderwärts dem Urgebirge eigen sind. — 

In der Gegend bei Halle haben grosse technische Anlagen 
neue Aufschlüsse dargeboten, wonach frühere Vorstellungen wesent- 


*) Zirkel, Lehrbuch der Petrographie, 2. Aull 1 Bd, 1893, S, 591 (Contact- 
Bietamorphismus). 


XXIX 


lieh berichtigt werden. Für die Erkenntniss der Lagerungsver- 
hältnisse sind namentlich die neueren Erfahrungen zwischen Halle, 
Nietleben und Passendorf bedeutsam. Bekanntlich geht eine grosse 
Verwerfung durch die Stadt Halle hindurch nach WNW. Nörd- 
lich davon herrschen die Porphyre und die damit verknüpften 
Conglomerate u. s. w. ; südwärts der Buntsandstein, der Muschel- 
kalk von Nietleben, Zscherben u. s. w. und die Kalke und Dolo- 
mite der Stadt Halle selbst. 

Noch 1888 ^ durfte nach den damaligen Aufschlüssen ange- 
nommen werden, dass die Triasschichten neben der Verwerfungs- 
spalte eine einfache schiefe Mulde bilden. Denn so lange die 
ERLECKE’schen Thongruben beim »Feldschlösschen«, nahe südlich 
der Irrenanstalt, kleiner waren als jetzt, lag es am Nächsten, zu 
glauben, dass dort weisslichgraue Letten zwischenlagen des Mitt- 
leren Buntsandsteines abgebaut würden. 

Jetzt sind dort in grosser Ausdehnung Gesteinswände quer 
gegen die Schichtung (meist Str. 110 — 112°, seltener Str. 138°, 
Einfallen 42 — 49° nach S.) entblösst worden, wodurch bei der 
Abwesenheit mächtigerer Lagen von Sandstein u. s. w. und bei 
allgemein verbreiteter, dünnblätteriger Schichtung unverkennbar 
ist, dass man es mit ausgebleichten und ganz zerweichten Schiefer- 
letten des Unteren Buntsandsteins zu thun hat. Zuweilen finden 
sich darin Brauneisenstein und, — oft in dessen Nähe — | Gyps- 
krystalle, die wohl in Folge der Zersetzung von Schwefelkies 
entstanden sind. 

Noch wichtiger sind die ausgedehnten Aufschlüsse in der 
HENSEL’schen Thongrube ; die rund 1250 Meter weiter westlich 
als der westlichste Stoss der ERLECKE’schen gelegen ist. Hier 
sind in über 100 Meter Mächtigkeit anstehende, saigere, in 115° 
bis 118° streichende, aufgeweichte Schieferletten des Unteren Bunt- 
saudsteins Gegenstand der Gewinnung. Auf einigen der Schicht- 
flächen werden Estherien bemerkt; es kommen auch hier Schwefel- 
kiesknollen, die mehr oder minder in Brauneisenerz umgewandelt 
sind, und Gypskrystalle vor. Durch den südlichsten Theil der 


') K. v. Fritsch, Allgemeine Geologie Fig. 38, S. 81). 


XXX 


Grube zieht eiue mehrere Meter starke, weissliche Lage voller 
Quarzkörner, offenbar eine verthonte, mächtige Sandsteinbank, die 
unverkennbar die untere Grenze des Mittleren Buntsandsteins be- 
zeichnet, obwohl ihr nach S. noch rothe Letten folgen, die einzigen 
von dieser sonst in hiesiger Gegend vornehmlich dem Unteren 
Buntsandstein angehörigen Färbung. Ungefähr 500 Meter weiter 
südlich befinden sich Aufschlüsse im unteren Wellenkalk. 

Dieser und seine Unterlage : die »Trigonienbänke« werden in 
grossen Steinbrüchen hier für die Halle’sche Cementfabrik aus- 
gebeutet. Die Lagerung des Muschelkalkes entspricht aber nicht 
der des steil aufgerichteten Buntsandsteins. In einem Aufschluss 
sind kleine Verwerfungen sichtbar, und es ist mit Sicherheit darauf 
zu schliessen, dass auch eine stärkere Verwerfung, die wohl der 
an den Porphyren entlang gehenden parallel ist, die Nordgrenze 
des Muschelkalkvorkommens bildet, von dem weitaus der grössere 
Theil bei einem mittleren Streichen von 30° mit 10 — 12° nach 
NW. einfällt. Bei den Einzelbeobachtungen wird das Streichen 
in stärkerem Grade als der Fallwinkel wechselnd gefunden. 

Etwa 400 Meter im Osten des Muschelkalkbruches steht in 
der Thongrube von Lilicke und Ströfer der Mittlere Buntsand- 
stein mit fast saigerer Schichtung an. 

Ein im Frühjahr 1894 zwischen Granau und der pfänner- 
schaftlichen Braunkohlengrube bei Zscherben abgeteufter Versuchs- 
schacht hat den Nachweis erbracht, dass die hornsteinführenden 
Bänke am Grunde des Oberen Muschelkalkes (des Unteren 
Trochitenkalkes moi) dort im Sreichen von 70 — 80° bei 6 — 8° 
Neigung nach Norden anstehen. Sie waren in diesem Gebiete 
noch unbekannt und ihr Auftreten an dieser Stelle verdient her- 
vorgehoben zu werden. 

Mittheilung des Herrn W. Frantzen über die Aufnahmen 
auf den Blättern Treffurt und Langula. 

In dem bisher untersuchten Theile des Blattes Treffurt 
und des Blattes Langula wird die Erdoberfläche hauptsächlich 
von Schichten des Muschelkalkes und des Unteren und Mittleren 
Keupers zusammengesetzt. 


xxXl 


Diese Ablagerungen zeigen hier eine ganz ähnliche Zusam- 
mensetzung, wie in dem südlich angrenzenden Gebiete der Blätter 
Creuzburg und Eisenach und geben daher nur zu wenigen Be- 
merkungen Veranlassung. 

Im Wellenkalk sind die Schaumkalkbänke a und ß hier 
ebenfalls vorhanden, aber nur wenig mächtig, sodass sie zur Ge- 
winnung von Bausteinen unbrauchbar sind. Im Terrain wenig 
hervortretend, würden sie sich kaum verfolgen lassen, wenn nicht 
das zwischen beiden Bänken zwischen den Wellenkalkschichten 
auch hier vorkommende Lager von gelbem Kalk einen ausge- 
zeichneten Leitfaden abgäbe. 

Auch die beiden Schaumkalkbänke der Zone y zeigen hier 
die gleiche Beschaffenheit, wie in dem südlich anschliessenden 
Gebiete. Der Schaumkalk wird in diesen Bänken von blauem 
Kalk mit zackig in einander greifenden Schichtflächen begleitet. 
Solches Gestein erreicht besonders im Liegenden der beiden 
Bänke eine grössere Dicke und ist mit dem Schaumkalk so innig 
verwachsen, dass man diesen blauen Kalk als zu den Bänken ge- 
hörig betrachten darf. Bei der unteren Bank lagert solcher Kalk 
in grösserer Mächtigkeit auch im Hangenden des Schaumkalkes, 
ein Umstand, welcher zuweilen zur Unterscheidung der beiden 
Bänke benutzt werden kann. Beachtenswerth ist die grosse Ar- 
muth der beiden Terebratelbänke in dieser Gegend an Terebrateln. 

Diese Versteinerung ist hier so selten, dass man in den 
meisten Fällen vergebens darnach sucht. Da der Schaumkalk in 
der oberen Terebratelbank auch oft sehr licht gefärbt ist, sodass 
er in dieser Hinsicht die grösste Aehnlichkeit mit dem lichten 
Schaumkalk der unteren Schaumkalkbank der Zone 8 hat, und 
die letztere Bank in dieser Gegend auch insofern den Terebratel- 
bänken ähnlich wird, als in ihr ebenfalls Einlagerungen von 
blauem Kalk mit zackigen Schichtflächen sehr gewöhnlich sind, 
so bedarf es zuweilen grösserer Aufmerksamkeit, um eine Ver- 
wechselung dieser Bänke mit einander zu vermeiden. 

Die oberste Schaum kalkzone 6 stimmt in ihrer Zusammen- 
setzung an manchen Orten noch ziemlich genau mit derjenigen 
am Thüringer Walde überein, insbesondere darin, dass auch hier 


XXXII 


alle drei Schaumkalkbänke in dieser Zone vorhanden sind. Je- 
doch zeigt sich insofern ein Unterschied, als sich neben den ge- 
wöhnlichen, dünngeschichteten, blauen, wenig welligen Kalklagen 
westlich vom Hainich auch gelber Kalk und an manchen Orten 
auch Mergel in dieser Zone einstellen, und die oberste Schaum- 
kalkbank häufig mehr oder weniger ihre Festigkeit verliert, indem 
sie gleichzeitig eine feinkrystallinische, zuckerige Beschaffenheit 
und statt der gewöhnlichen grauen eine graugelbliche, oder grün- 
lieh -gelbgraue Farbe annimmt. Zuweilen wird das Gestein der 
obersten Schaumkalkbank so weich, dass es zu Grus zerfällt, wie 
in einem kleinen, bei dem Kilometersteine 12,5 an der Strasse 
von Nazza nach Mühlhausen gelegenen Steinbruche, und in dem 
kleinen Steinbruche an der Strasse von Hallungen nach Heyrode 
am Westabhange des Mühlberges. An der letzteren Stelle ist der 
oolithische Kalk der obersten Schaumkalkbank in eine gelbe, 
mergelige Masse verwandelt. Man muss sich sehr hüten, dass 
man in solchen Fällen diese Bank nicht mit dem gelben Kalk an 
der Basis des Mittleren Muschelkalks verwechselt. 

Es ist wohl als sicher anzunehmen, dass dieser Farbenwechsel 
und besonders die krystallinische Structur des Schaumkalks zum 
grossen Theil auf einer Einwirkung des Wassers beruht, welches 
früher in den durch die Auslaugung von Gyps entstandenen 
Schlotten des Deckgebirges circulirt hat. 

Die unterste Schaumkalkbank ist, wie gewöhnlich, auch hier 
durch weisse Farbe ausgezeichnet. Auch ist sie, wie an der 
Westseite des Thüringer Waldes bei Meiningen, reich an Encri- 
nitenstielen, die dagegen in der obersten Bank auch hier fehlen. 
Die Auffindung eines zum Encrinus Carnalli gehörenden Kronen- 
restes und der Habitus der Stielglieder beweisen, dass diese Tro- 
chiten auch in dieser Gegend, wenigstens zum grossen Theile, 
diesem Encriniten angehören. 

Die OrfocwZaräschichten sind in dem untersuchten Gebiete 
nur selten in einiger Mächtigkeit entwickelt, so z. B. am Engsten- 
berge, wo in ihnen auch noch ein handhoher oolithischer Streifen 
beobachtet wurde. Gewöhnlich schrumpfen sie auf einen äusserst 
geringen Rest zusammen, oder es folgen unmittelbar auf die 


XXXIII 


oberste' Schaumkalkbank lichte, dicker geschichtete, ebenflächige 
Mergel, die sich von den Schichten des Mittleren Muschelkalks 
nicht unterscheiden lassen. 

Unter diesen Umständen ist eine besondere Auszeichnung der 
öräAW&n'sschichten nicht mehr zu rechtfertigen. Es sind daher 
diese Schichten, wo sie Vorkommen, zum Schaumkalk gezogen 
worden. 

Der Mittlere Muschelkalk ist,, wie gewöhnlich, nur wenig 
aufgeschlossen. Der gelbe Kalk an der Basis dieser Abtheilung 
fehlt häufig, oder er ist nur durch eine schwache Färbung ange- 
deutet. Gyps kommt auch in dieser Gegend in diesen Schichten 
vor, aber offenbar in nicht sehr erheblicher Mächtigkeit, da Ein- 
stürze des Deckgebirges in dem bisher aufgenommenen Gebiete 
nur selten beobachtet wurden. 

Der Obere Muschelkalk zeigt hier keine andere Zu- 
sammensetzung, als wie am Thüringer Walde. An der Basis des 
Trochitenkalks finden sich auch am Hainich die Hornsteinschichten 
und zwischen den Mergeln dieser Zone Einlagerungen von ooli- 
thischen Bänkchen, welche jedoch in diesem Horizonte noch keine 
Encriniten enthalten. 

Bemerkenswerth sind die grossen Wellenfurchen, welche man 
in der Umgegend von Nazza ebenso, wie in dem Blatte Creuzburg 
im Steingraben bei Mihla auf der Oberfläche des Trochitenkalks 
beobachtet. In einem Graben, welcher von der Strasse von Nazza 
nach Falken nördlich gegen den Hänigen-Berg hin läuft, zeigen 
sie eine Wellenlänge von 38 und eine Wellenhöhe von 7 Centinaeter. 

Von den Keuperschichten ist der Untere Keuper voll- 
ständig erhalten, während der Mittlere bis auf die untersten 
Schichten und einige in Verwerfungsspalten abgesunkene Fetzen 
erhalten geblieben ist. Alle diese Ablagerungen sind gewöhnlich 
schlecht aufgeschlossen, sodass sie sich an den meisten Orten 
nicht näher untersuchen lassen. Nur in den Gräben bei Hallungen 
und östlich vom Heerrain wird ein ansehnlicher Theil des Unteren 
Keupers entblösst angetroffen. 

Es sind auch hier im oberen Theile dieser Gruppe, ähnlich 
wie bei Eisenach und Mihla, zwischen den dunklen, grauen und 


Jahrbuch 1893 


XXXIV 


gelben Lagen auch zahlreiche rothe, ähnlich denen des Mittleren 
Keupers, enthalten, welche, nahe bis zur Mitte der Abtheilung 
abwärts reichen. Da diese Region zugleich sandige Schichten 
und besonders im obersten Theile mehrere gelbe Dolomitlagen 
enthält, so ist die Unterscheidung dieser Schichten vom Mittleren 
Keuper bei guten Aufschlüssen nicht schwierig; wohl aber wird 
sie zuweilen misslich, wenn das Gebirge stärker von Gehänge- 
schutt oder Lehm bedeckt ist. 

Mittheilung des Herrn H. Proescholdt über Revisionen 
und Aufnahmen im Bereich der Blätter Sondheim, 
Dingelstedt, Heiligenstadt und Schleusingen. 

Bei der Fortsetzung der Aufnahme des Blattes Sondheim, 
dessen Fläche zum grösseren Theil der Hohen oder Langen Rhön 
angehört, trat die Noth Wendigkeit einer durchgreifenden Revision 
der topographischen Unterlage unabweisbar hervor. Die ausser- 
ordentlich grosse Eintönigkeit der Oberfläche in diesem Theil der 
Rhön, der grosse Mangel an Wegen, die noch dazu oft kaum 
sichtbar sind, die sehr beträchtlichen Höhenunterschiede, erschweren 
nicht allein dem Touristen die topographische Orientirung, sondern 
auch dem aufnehmenden Geologen das Verständniss des geo- 
logischen Baues im hohen Grade. Trotz der umfassenden topo- 
graphischen Correcturen, die theilweise eine vollständige Neuauf- 
nahme des Terrains darstellen, wurde die geologische Kartirung 
fast vollständig abgeschlossen. 

I)ie Hauptresultate über die Verbreitung der verschiedenen 
Eruptivgesteine sind in einer allgemeinen Uebersicht in dem 
Jahrbuch für 1893 niedergelegt worden; an dieser Stelle mögen 
nur einige besonders erwähnenswerthe Beobachtungen noch mit- 
getheilt werden. 

Bei der Aufnahme des südöstlichen Viertels des Blattes 
zeigte sich das Terrain, das sonst bei oberflächlicher Begehung 
sehr einfach aus Buntsandstein aufgebaut erscheint, von einer sehr 
grossen Anzahl Verwerfungen durchsetzt, und zwar von südöst- 
lichen, südwestlichen und nordsüdlichen. Der Nachweis der 
Verwerfungen ist gewöhnlich sehr mühsam und zeitraubend, da 


XXXV 


sie gewöhnlich in dem Buntsandstein nur daran zu erkennen sind, 
dass von Zeit zu Zeit in die Spalten ein paar Meter lange 
Muschelkalkschichten eingesunken sind, die grösseren Umfang 
höchstens an den Kreuzungsstellen annehmen. Auf längere Er- 
streckung behalten überdies die Störungen fast nie dieselbe Flucht 
bei, vielmehr verschieben sie sich häutig seitlich um 100 — 200 De- 
cimalfuss, sodass eine Art Blätterstructur des Terrains zum Vor- 
schein kommt. In die Hohe Rhön hinein konnten diese Disloca- 
tionen bis jetzt nicht verfolgt werden, mit Ausnahme der Umgebung 
des Gangolfsberges , an dem neuerdings Lettenkohlenkeuper und 
wohl auch etwas Gypslteuper durch neue Wegeanschürfungen 
aufgefunden und auf ziemliche Erstreckung hin verfolgt werden 
konnten. 

Im Eichsfeld wurde nach einer allgemeinen Orientirungstour 
im Aufnahmegebiet mit der Specialaufnahme des Blattes Dingel- 
stedt, das zum grösseren Theil fertiggestellt wurde, und Heiligen- 
stadt begonnen. An der geologischen Zusammensetzung nehmen 
ausser Diluvium und Alluvium Zechstein und Trias Theil. Die 
Gliederung der letzteren schliesst sich im Allgemeinen eng an die 
Thüringens und Frankens an. So konnte der von VON Seebach, 
Moesta und Speyer nicht ausgeschiedene Chirotheriumsandstein 
ohne grosse Schwierigkeiten von dem grobkörnigen Sandstein ab- 
getrennt und kartographisch dargestellt werden. Wie in Nord- 
franken tritt er auch hier als meist feinkörniger, gesprenkelter 
oder getupfter Sandstein mit Carneolknollen in 10 — 20 Fuss 
Mächtigkeit auf. Ueber ihm beginnt der Röth, wie sehr deutlich 
an dem schönen Aufschluss an der Strasse von Heiligenstadt 
nach Kalteneber zu sehen ist, grade wie im Werrathal mit gelben 
Dolomiten, dann folgen graue Letten, die vielfach Gypsstöcke 
einschliessen, und darüber unmittelbar graue und rothe Sandsteine 
von sehr feinem Korn. Im obern Drittel des Röths wiederholen 
sich Einlagerungen von Gyps, der in dem erwähnten Aufschluss 
alabasterartig auftritt, und Lagen von feinkörnigem Kalksandstein, 
wie bei Meiningen. 

Ueber die von der fränkischen etwas abweichende Gliederung 
des Wellenkalks kann ich hier hinweggehen. 


XXXVI 


Eine sehr grosse Bedeutung uud Ausbreitung gewinnen bei 
Heiligenstadt Kalktuffablagerungen , die sowohl diluvialen als 
alluvialen Alters sind. 

Die Lagerungsverhältnisse des aufgenommenen Theils sind 
im grossen Ganzen einfach. Quer durch das Blatt Dingelstedt 
zieht mit westnordwestlichem Streichen der Höhenzug des Dün, 
der durch die in demselben Sinn verlaufenden Muschelkalk- 
schichten zusammengesetzt wird. Sie fallen flach nach SSW. und 
bilden auf der Nordseite einen jähen, landschaftlich scharf hervor- 
tretenden Steilrand. Auf Blatt Heiligenstadt lagern die Schichten 
flacher uud lösen sich durch sehr tief eingeschnittene Erosions- 
thäler in einzeln stehende Berge von bedeutender relativer Höhe 
auf. Fast senkrecht auf den Dün, also in nordnordöstlicher 
Richtung, stossen auf denselben einzelne, sehr markirte Höhenzüge, 
von denen der durch Leinefelde ziehende der längste und oro- 
graphisch wichtigste ist, weil über ihn die Wasserscheide zwischen 
Weser und Saale hinläuft. Seinem geologischen Bau nach stellt 
er einen von Parallelspalten umfassten Graben von Muschelkalk 
zwischen grobkörnigem Buntsandstein dar, der in der nordöstlichen 
Fortsetzung bei Worbis das bekannte Kreidevorkommen im Ohm- 
gebirge einschliesst. Den Höhenzug des Dün durchsetzt der 
Graben nicht mehr; vielmehr hebt sich in der Nähe desselben 
die eine Spalte, und zwar die nach W. liegende, aus, während 
die östliche NS. -Richtung annimmt und als einfacher Bruch 
durch den Dün hindurchsetzt, aber von heftigen Schichtenbiegungen 
und Seitensprüngen begleitet wird. Ganz ähnliche Verhältnisse 
wiederholen sich auf Blatt Heiligenstadt bei Uder. 

Auf Blatt Schleusingen wurde der südwestliche Theil des 
Blattes wegen der neuerdings vorgenommenen zahlreichen topo- 
graphischen Nachträge revidirt und besonders der durch Ver- 
werfungen stark zerstückelte Theil südlich des Kleinen Thüringer- 
waldes aufgenommen, um den Anschluss an die Blätter Hildburg- 
hausen und Themar herzustellen. 


XXXVII 


Mittheilung des Herrn H. Loretz über Aufnahmen im 
Cob urgischen. 

Im Sommer 1893 habe ich die geologische Aufnahme des 
Coburger Landes, bezw. die vier an Bayern grenzenden Sectionen 
Coburg, Oeslau, Steinach und Rossach, abgeschlossen. 
Bezüglich der Schichtenfolge und Lagerung verweise ich auf die 
an gleicher Stelle abgedruckte Mittheilung im vorjährigen Jahr- 
buch und beschränke mich darauf, einige Punkte hervorzuheben, 
die bei den Schlussrevisionen besonders in Frage kamen. 

Es ist dies zunächst die richtige Fassung und Kartendarstel- 
lung des wichtigen Horizontes des Semionotus - Sandsteins 
oder Coburger Bausandsteins im mittleren Keuper (Stufe 
km 5 der Karte). Hält man sich an die typische petrographische 
Beschaffenheit dieses Gesteins, wie sie an zahlreichen Stellen, 
namentlich in den Steinbrüchen auf beiden Seiten des Itzthals 
abwärts von Coburg, in durchaus gleichbleibendem Charakter 
wahrgenommen werden kann, so zeigt sich, dass dieses Sandstein- 
lager streckenweise bis zum Verschwinden abnimmt, ja ganz fehlt, 
während immerhin in demselben oder annähernd gleichen Horizonte 
Sandsteinbänke von etwas abweichender Beschaffenheit liegen 
können; dieselben gleichen mehr den etwas tiefer in der Stufe 
km 4 eingelagerten Bänken, ihr Korn ist etwas weniger fein und 
gleich, ihr Bindemittel zum Theil etwas mehr quarzitisch. Für 
die Kartirung fragt es sich, ob man auch solche Bänke, mit 
Rücksicht auf ihre stratigraphische Lage , in die Stufe k m 5 ein- 
beziehen, sozusagen als Stellvertreter des eigentlichen Coburger 
Bausandsteins, in welchem- allein, meines Wissens, bis jetzt die 
Semionotus - Reste gefunden worden sind, auffassen soll, oder ob 
diese Stufe nur da anzugeben sein wird, wo typischer Bausand- 
stein vorliegt. Beide! Auffassungen dürften sich rechtfertigen 
lassen, beide sind durchführbar. Ich habe bei einer Revision des 
Blattes Coburg die letztere durchzuführen gesucht. Man hat in 
diesem Falle, bei fehlendem km 5, die Stufen km 6 und km 4 un- 
mittelbar gegen einander abzugrenzen, was stellenweise nicht ohne 
eine gewisse Willkür geht. Die Grenzlinie wird allerdings an 


xxx vm 


Sicherheit wenig einbüssen, wenn die leicht kenntlichen Gyps- 
mergel an der Basis der Stufe km 6 auch bei schwach entwickeltem 
oder fehlendem km 5 vorhanden sind, ein Fall, der im nordwest- 
lichen Theile des Blattes Coburg vorkommt. Fehlen aber auch 
diese, so hat man eine Grenzlinie in der Art zu ziehen, dass die 
Schieferletten und Sandsteinbänke oberhalb derselben der Stufe 
km 6, unterhalb derselben der Stufe km 4 zufallen. Dafür hat man 
hauptsächlich nur das Anhalten , dass die Sandsteinbänke der 
Stufe k m 6 mehr oder weniger schon die Beschaffenheit des 
weissen, lockeren »Stubensandsteins« annehmen, wie er in den 
höher folgenden Stufen so verbreitet ist, diejenigen der Stufe 
km 4 dagegen in dünneren Lagen öfter eine quarzitische Be- 
schaffenheit zeigen, in dicken Bänken dagegen dem Coburger 
Bausandstein einigermaassen ähnlich werden können (ohne jedoch 
das gleichmässig feine Korn desselben zu erreichen). — Auch die 
andere Auffassung, dahingehend, dass man die im Fortstreichen 
des Coburger Bausandsteins gelagerten, petrographisch jedoch ab- 
weichenden Sandsteinbänke der Stufe km5 zutheilt, und diese letztere 
somit als überall durchgehend betrachtet, kann bei der Kartirung 
nicht frei von Wil Heimlichkeit und constructivem Verfahren bleiben. 

Die petrographische Beschaffenheit des Semionotus - Sandsteins 
wiederholt sich noch einmal in höherem Horizonte an einer Bank, 
oder gewöhnlicher wohl ein paar nahe übereinander folgenden 
Bänkchen, deren Lage in der Stufe km 6, dicht oder wenig ober- 
halb der auf unserer Karte mit y vm bezeichneten Gypsmergel ist. 
Zum Unterschied vom Semionotus - Sandstein (Coburger Bausand- 
stein) erlangen diese Bänkchen aber nirgends in der Coburger Gegend 
grössere Stärke oder irgend welche praktische Bedeutung, treten 
auch nicht allenthalben deutlich hervor 1 ). 

Thürach’s Bezeichnung »Oberer Semionotus - Sandstein« würde auf diesen 
Horizont der Coburger Gegend passen, wenn Semionoten darin nachgewiesen 
werden sollten, was meines Wissens noch nicht der Fall ist. — Den Sandstein 
der Steinbrüche bei Schlechtsart im Meiningischen , welcher Semionoten ein- 
schliesst, und welchen der Genannte für »Oberen Semionotus - Sandstein« hält, 
halte ich auf Grund eigener Anschauung mit Beyschlag und Proescholdt nach 
Gestein und stratigraphischem Niveau für gleichstehend mit dem Coburger Bau- 
sandstein (km 5), 


XXXIX 


In den höheren Schichten des Mittleren Keupers, im Arkose- 
und Sand -Keuper, wurde ein besonderes Augenmerk auf eine 
möglichst naturgetreue und gleichmässig durchgeführte Abgren- 
zung der Stufen km 7 und km 8 gerichtet. Nach beiden Hin- 
sichten ist diese Trennung recht schwierig. Die genannten Stufen 
haben so viel gemeinsame Merkmale und sind so wenig durch 
eine überall durchgehende, leicht kenntliche Schicht geschieden, 
dass die Frage entsteht, ob man sie nicht lieber als eine einzige 
Stufe betrachten und darstellen solle. Nur der Umstand, dass 
die Entwicklung der Schichten aufwärts vorherrschend (doch nur 
vorherrschend) eine grobsandige ist, während etwas tiefer Arkose- 
dolomit und rothe Keuperletten in stärkerem Maasse zur Geltung 
kommen, kann als bestimmendes Moment dafür angeführt werden, 
dass wir die Trennung in zwei Stufen, km 7 und km 8, in der 
bisherigen Weise, wie sie bereits auf der geognostischen Karte 
des Königreichs Bayern (Abtheilung III, Blatt Kronach) sich 
findet, beibehalten haben. Streckenweise ergiebt sich die Tren- 
nung ziemlich leicht, anderswo bleibt sie desto unsicherer. Eine 
besondere Ausscheidung der einzelnen Bänke von Arkosedolomit 
in der Stufe k m 7 ist bei dem wechselnden Charakter des Gesteins 
und der wechselnden Anzahl solcher Bänke auf der Karte kaum 
durchführbar, überdies von keiner grossen praktischen Bedeutung. 

Im Oberen Keuper (Rhät) hat die genaue Untersuchung 
der Thongruben und Sandsteinbrüche, besonders im Einberger 
Wald und bei Kipfendorf, gezeigt, dass nur im Allgemeinen der 
Thon oben, der Sandstein unten liegt, dass aber im Einzelnen 
ein mehrfacher Wechsel zwischen beiden stattfinden kann, und 
dass beiderlei Gesteine linsenförmige Lager bilden, die sich seit- 
wärts auskeilen. Thierische Reste sind bei der Kartenaufnahme 
nicht gefunden worden, vegetabilische dagegen kommen in grösserer 
Menge in den Thonlagern von Kipfendorf vor. 

Zu den in der vorjährigen Mittheilung enthaltenen Angaben 
über die Lagerung, insbesondere über die durch Section Oeslau 
ziehende Hauptstörung, bemerken wir noch, dass dieselbe nicht 
nur von Verwerfungen und Sprüngen, sondern auch von scharfen 
Einfaltungen und schmalen, wellenförmigen Auf- und Abbiegungen 


XL 


der Schichten in der Thüringer Wald-Richtung SO. — NW. begleitet 
wird (z. B. am Kemmater Berg). Ueberdies muss erwähnt werden, 
dass neben dieser Gruppe von Störungen auch in der kreuzenden 
Richtung SW. — NO. schwache Mulden- und Sattelbiegungen er- 
kennbar sind. Letztere Art von Faltung ist offenbar die ältere. 
Sie war bereits vorhanden, als die Einfaltungen und Verwerfungen 
in der Thüringer Wald- Richtung eintraten. Es erinnert dieses 
Lagerungsverhältniss , welches bereits von Proescholdt aus dem 
weiter nordwestlich gelegenen Vorlande des Thüringer Waldes 
nachgewiesen worden ist, durchaus an ähnliche Erscheinungen, 
die sich innerhalb des genannten Gebirges abspielen , und von 
mir früher aus der Gegend von Gräfenthal beschrieben worden 
sind. 


Mittheilung des Herrn E. Kayser über Aufnahmen im 
D illenburgischen. 

Die Aufnahmen beschränkten sich auf die SO. -Ecke des 
Blattes Herborn und den westlichen Theil des Blattes Ballersbach 
und waren besonders der Verfolgung des im Vorjahre nachge- 
wiesenen, die Scheide zwischen der Dill- und Lahnmulde bilden- 
den, grossen Unterdevonsattels gewidmet. Derselbe wurde vom 
Dillthale zwischen Edingen und Katzenfurt bis in die Gegend 
von Dreisbach und Bellersdorf (Bl. Ballersbach) kartirt und erwies 
sich als ein nach 0. zu immer breiter werdender Gesteinszug. 
Während seine Hauptmasse aus hellen plattigen Grauwackensand- 
steinen besteht, in denen nur ganz vereinzelte Crinoidenstiel- 
glieder angetroffen wurden, so ist seine hängendste Zone aus 
mürben, dunklen, Kieselgallen führenden Schiefern zusammen- 
gesetzt, in denen an mehreren Punkten eine kleine Fauna auf- 
gefunden wurde. Sie und die Kieselgallen weisen auf die Zu- 
gehörigkeit dieser hangenden Schiefer zur Obercoblenzstufe, 
während die darunter liegenden Grauwacken wahrscheinlich einem 
tieferen Niveau des Unterdevon entsprechen. Die Thatsache, dass 
die fraglichen Obercoblfenzschichten nur am S. -Rande des Sattels 
entwickelt sind, beweist, dass sein Bau ein einseitiger ist. Während 
im S. desselben auf das Obercoblenz ganz normal zuerst Mittel- 


XLI 


und dann Oberdevon folgt, so ist dies im N. nicht der Fall; 
vielmehr grenzen hier südlich Ballersbach die unterdevonischen 
Grauwacken fast unmittelbar an oberdevonische Knollenkalke. 
Es muss hier also eine grosse Ueberschiebung vorliegen. 

Das Mitteldevon besteht, wie auf den angrenzenden Theilen 
des Blattes Herborn, aus Styliolinen-Schiefern mit zahlreichen 
Einlagerungen von Platten- und Nierenkalken, Kieselschiefern 
und gelblichen Feldspathgrau wacken. 

Von sonstigen Auffindungen dürfte noch erwähnenswerth 
sein ein ungewöhnlich ausgedehntes Vorkommen von Bimsteinsand 
auf der Höhe westlich Greifenthal (Bl. Herborn). 

Mittheilung von Herrn H. Grebe über die wissenschaft- 
lichen Ergebnisse der Aufnahmen in der Eifel. 

Die Aufnahme-Arbeiten wurden im letzten Jahre in den nörd- 
lichen Theilen der Kreise Wittlich, Bitburg, im Kreise Daun, 
Prüm und im südlichen Kreis Malmedy fortgesetzt und die Blätter 
Hasborn nebst Manderscheid fertiggestellt, dann sind die nörd- 
lichen Anschlussblätter Gillenfeld und Daun zum grösseren Theil, 
die westlich folgenden theilweise bearbeitet, und viele geologische 
Einzeichnungen auf, an diese nördlich anschliessenden Blättern ge- 
macht worden. Dabei wurden die Stufen des Unter- und Mittel- 
Devons weiter unterschieden und festgestellt und zur besseren 
Uebersicht auf die Generalstabskarte 1 : 80000 übertragen, gleich- 
zeitig auch die vielen Verwerfungen, welche in diesem Gebiete 
Vorkommen. In demselben sind auch manche weitere neue vulka- 
nische Erscheinungen beobachtet worden. Was zunächst die 
unterste Stufe des Unter-Devons, die Siegener Grauwacke, Aequi- 
valent des Taunusquarzits, anlangt, so wurde gefunden, dass die- 
selbe, schon früher durch das Vorkommen von Versteinerungen 
dieser Stufe, namentlich Spirifer primaevus , in der Bettenfelder 
Gegend nachgewiesen, 4 Kilometer südöstlich von Bettenfeld (Bl. 
Manderscheid) durch eine Verwerfung von den unteren Coblenz- 
Schichten getrennt ist. Diese grosse streichende Verwerfung hat 
eine Verschiebung der Schichten von etwa 50 Meter Höhe be- 
wirkt, was sich aus der Niveaudifferenz ergiebt, in der der auf den 


XLII 


unterdevonischen Schichten lagernde Buntsandstein zu beiden Seiten 
derselben liegt; sie setzt in südwestlicher Richtung durch die 
Trias und wurde auf eine Länge von 27 Kilometer bis an die 
Nims verfolgt. Die Siegener Grauwacke scheint sich, nördlich 
von Bettenfeld, nicht weit auszudehuen, denn zwischen Meerfeld 
und Schutz finden sieh Versteinerungen der unteren Coblenz- 
Stufe. Die südlich der Verwerfung vorkommenden unteren Cob- 
lenz - Schichten dehnen sich auf beiden Seiten der Lieser bis 
unterhalb der Pleiner Mühle, zu dem Coblenz-Quarzit des Grüne- 
walds, aus, der die südwestliche Fortsetzung des Kondelwald- 
Quarzits bildet. In den Rücken des Grünewalds und Kondelwalds 
zeigen sich mehrere Querverwerfungen, die von SO. nach NW. 
streichen. Die unteren Coblenz-Schichten erstrecken sich an der 
Kill aufwärts von Zenscheid bis in die Nähe von Densborn, 
an der kleinen Kill bis oberhalb Oberstadtfeld, an der oberen 
Lieser bis in die Gegend von Rengen, oberhalb Daun. Zwischen 
Densborn und Usch a/Kill treten Quarzite auf, die bald unter 
dem Buntsandstein des Salmwaldes verschwinden, aber im Prüm- 
scheid-Rücken (nördlich von Salm) wieder erscheinen und nach der 
kleinen Kill hin fortsetzen. Auf der linken Seite derselben 
kommen weit verbreitete vulkanische Gesteine vor, und erst bei 
Waldkönigen und westlich von Rengen tritt wieder Coblenz-Quarzit 
auf. Zwischen Rengen und der Kill scheinen Querverwerfungen 
durchzusetzen, die den Coblenz-Quarzit bald nach N., bald nach 
S. verschieben. Bei und oberhalb Densborn treten bunte, grau- 
lich-rothe und grünliche Schiefer im Wechsel mit Grauwacken- 
bänken auf, die der oberen Coblenz- Stufe angehören, ebenso an 
der kleinen Kill, namentlich nördlich von Neroth. Die schon 
früher erwähnte, von Mürlenbach nach Neroth hin sich ausdeh- 
neude schmale Kalkmulde enthält nur die unteren Glieder des 
Eifelkalks. Die Quarzite, welche sich auf der Nordwestseite im 
Liegenden dieser Kalkmulde von der Rödelkaul nach Mürlenbach 
hinziehen, gehören, ebenso wie die bei Lichtenborn, Reif und Das- 
burg, die früher als Coblenz-Quarzit angesehen wurden, der oberen 
Coblenz-Stufe an. Oberhalb Mürlenbach, bis Lissingen hin, sind 
zu beiden Seiten der Kill die oberer; Coblenz-Schichten vielfach 


xLin 


aufgeschlossen; dicht bei Lissingen beginnt die Gerolsteiner Kalk- 
mulde. 

Ueber das Auftreten der unteren und oberen Coblenz-Schichten 
an der Nims, Prüm und Our wurde im letzten Bericht bereits 
Mittheilung gemacht, auch darüber, dass von Reuland nach der 
oberen Our hin Hunsrück-Schiefer sich durchziehen. Nordwestlich 
derselben reichen sie bis einige Kilometer über St. Vith hinaus, 
wo dann Quarzite auftreten, die dem Taunusquarzit angehören 
dürften. Zwischen Schönberg a/Our und dem Coblenz- Quarzit 
der Schneifel erscheint ein breites Band unterer Coblenz-Schichten. 
Im Hangenden der oberen Coblenz-Schichten zwischen der Schneifel 
und Prümer Kalkmulde, besonders aber südwestlich derselben nach 
Daleiden hin, kommen muldenförmige Einlagerungen dünngeschich- 
teter, dunkelgefärbter, versteinerungsreicher Schiefer — die Da- 
leider Schichten — vor, ein Aequivalent der Orthoceras- Schiefer, 
und daher schon zum Mitteldevon gehörig. 

Die tiefsten kalkig -mergeligen Schichten der Prümer Kalk- 
mulde beginnen über den Daleider Schichten auf der Ostseite der 
Prüm bei Matzerath und zeigen an ihrer Basis an mehreren Stellen 
körnige Rotheisensteine mit Spirifer cultrijugatus. Erst bei Schö- 
necken treten mittlere und obere Abtheilungen des Eifelkalks auf. 
Die Kalkmulde nimmt bei Schönecken und östlich von da eine 
Breite von 7 Kilometer ein, bei Büdesheim, wo sie auf der Südost- 
Seite durch eine Verwerfung begrenzt wird, kaum 4 Kilometer. Ein 
schmaler Streifen von Eifelkalk setzt von Oos über Kalenborn, Nieder- 
bettingen a/Kill nach Hillesheim fort, durch zwei, fast parallel strei- 
chende Verwerfungen zwischen Buntsandstein eingekeilt, wovon be- 
reits früher Erwähnung geschah. Die Oberdevon -Schichten von 
Büdesheim und Oos sind ebenfalls durch zwei Verwerfungen einge- 
keilt. Die Gerolsteiner Kalke und Dolomite sind von der Prümer 
Kalkmulde durch eine grosse streichende Verwerfung, die 2 Kilo- 
meter nordwestlich von Gerolstein durchsetzt, getrennt. Hier stösst 
Buntsandstein an dieselbe. Ob dieselbe Verwerfung oder eine 
parallel mit ihr verlaufende es ist, die sich bei Rockeskill so auf- 
fällig bemerklich macht, bleibt noch zu ermitteln. Gleich unter- 
halb Rockeskill lagern in Folge dieser Verwerfung mächtige 


XLIV 


Schichten vulkanischen Tuffes neben Kalk, der sich in einem 
hohen Rücken darstellt; an dessen südöstlichem Abhang ruhen 
wieder Tuffschichten, ebenfalls bedeutend eingesunken. Etwa 
2 Kilometer weiter in NO., bei Essingen, gewahrt man eine Ein- 
senkung der Kalkschichten am Fusse des Höhenzuges nordwest- 
lich von Essingen, der meist aus oberen Coblenz-Schichten besteht. 

Die Hillesheimer Kalkmulde liegt in der nordöstlichen Fort- 
setzung der Prümer, beide sind nur durch den zwischen Bunt- 
sandstein eingekeilten Eifelkalk -Streifen Oos- Kalenborn -Nieder- 
bettingen-Bolsdorf verbunden; nordöstlich von Hillesheim liegt sie 
in der Breite von etwa 4 Kilometer zwischen zwei streichenden 
Parallelverwerfungen. Zwischen Gönnersdorf und Birgel a/Kill 
kommt eine Kalkmulde vor, die in nordöstlicher Richtung nach 
dem Ahrbach sicK ausdehnt, und deren unterste Schichten mit 
körnigem Rotheisenstein des nordwestlichen Muldenflügels zwischen 
Gönnersdorf und Lehnerath vielfach ausgeschlossen sind. Sie ist 
auf der südöstlichen Seite durch eine grosse streichende Ver- 
werfung begrenzt. Nur eine kleine Kalkpartie liegt noch südöst- 
lich derselben an der Kirche von Birgel. Hier sind die Gebirgs- 
störungen besonders interessant. Mit der eben bezeichneten Ver- 
werfung parallel verläuft durch Birgel eine zweite, zwischen denen 
diese kleine Kalkpartie erscheint. Nahe östlich von Birgel finden 
sich wieder zwei Verwerfungen, durch welche obere Coblenz- 
Schichten in der Breite von 200 Meter wie in Buntsandstein einge- 
keilt erscheinen, der sich dann Kill-abwärts bis zu den Eifelkalk 
einschliessenden Parallelklüften von Niederbettingen und weiter bis 
Dom ausdehnt. — Ganz eigentümlich sind die Gebirgsstörungen, 
nördlich und nordwestlich von Birgel. 1 Kilometer westlich von 
da, auf der östlichen Seite des Möscheibergs, ist eine 20 — 30 Meter 
breite Partie von Buntsandstein auf eine Länge von 400 Meter 
zwischen Kalkstein durch zwei parallele Klüfte eingekeilt, die von 
SO. nach NW. verlaufen. Aehnliche, aber nicht so gut aufge- 
schlossene Vorkommen von Buntsandstein beobachtet man auch 
nördlich von Birgel, am Hirschberg, und am Wege nach Feus- 
dorf. Am Kummenberg, 800 Meter östlich von Feusdorf tritt in 
einem Steinbruch eine 1 — 2 Meter breite Partie von Kalkstein 


XLV 


zwischen Buntsandstein hervor. In einem Kalksteinbruch zwischen 
Birgel und Jünkerath erscheinen einige Parallelklüfte, zwischen 
denen bis zu 6 Meter Tiefe geschichtetes Diluvium (grobe Quarz- 
conglomerate in Wechsellagerung mit gelbem Sand) liegt. Noch 
sei des schönen Aufschlusses 500 Meter südöstlich von Lehnerath 
gedacht, woselbst in einem Steinbruch, auf 4 Meter Tiefe, Schichten 
von oberem Buntsandstein entblösst sind: auf der nördlichen Seite 
ist eine Kluft und liegen an derselben und neben dem Buntsand- 
stein stark geneigte Schichten von Schlacken und vulkanischem 
Tuff. Das Vorkommen dieser vulkanischen Schichten, sowie der 
Schlackenkuppe daneben mit einer kraterförmigen Einsenkung, 
waren bisher nicht bekannt. Das Dorf Schüller, nordwestlich von 
Birgel, liegt auf oberen Coblenz-Schichten; in der tiefen Thal- 
schlucht, südlich davon, treten untere Schichten von Eifelkalk mit 
körnigem Iiotheisenstein an der Basis auf, welche zwischen Klüften 
eingesunken sind. An der Strasse von Niederkill nach Dahlem 
erscheint in der Nähe der Kreisgrenze an einer kleinen Felspartie 
ein eigentümliches Conglomerat, dass die v, DECHEN’sche Section 
Malmedy als Buntsandstein angiebt. Es besteht dasselbe vorherr- 
schend aus kleinen Kalkbrocken mit einzelnen Quarzgeröllen und 
sandigem Bindemittel. Dasselbe erinnert an gewisse Schichten 
des Conglomerates von Malmedy und sieht der Waderner Stufe 
des Ober-Rothliegenden an manchen Punkten der Nahe- Gegend 
recht ähnlich. Schliesslich sei noch kurz und vorläufig erwähnt, 
dass bei den geologischen Aufnahmen im Jahre 1893 im vulka- 
nischen Gebiete der Eifel wiederum manches Neue gefunden wurde. 
Vortreffliche Aufschlüsse lieferten die Bahneinschnitte bei Rockes- 
kill. Hier wurden mächtige, vielfach in der Lagerung gestörte, 
Schichten von Tuff entblösst, der sich theils conglomeratisch dar- 
stellt, viele Stücke von Eifelkalk und auch Grauwacke einschliesst, 
theils ganz feinkörnig, dicht und fest ist. Darin wurden neben 
anderen Pflanzenresten 3 Meter lange und 25 Centimeter weite 
Röhren mit Holzstructur an den inneren Wandungen gefunden, 
ähnlich denen in den grossen Tuff- (Backofenstein -)brüchen von 
Steinborn. Ausserdem fanden sich, wenn auch seltener, Conchylien 
und Knochenreste. Die Pflanzenreste scheinen im vulkanischen Tuff 


XLVI 


der Eifel gar nicht so selten zu sein; bei sorgfältigem Suchen 
findet man sie an vielen Stellen, wenn auch nur in Spureu. 

Ausser den im letzten Bericht angeführten bisher nicht be- 
kannt gewesenen Kratern sind solche liocli in grösserer Anzahl 
aufgefunden worden: an der Alf unterhalb und oberhalb Gillen- 
feld, an der kleinen Kill in der Nähe von Oberstadtfeld, westlich 
von Daun bei Neunkirchen und Steinborn nordwestlich von Waid- 
königen, bei Kirchweiler zwischen Betteldorf und Rockeskill, dann 
weiter westlich bei Duppach. Hier ist es besonders auffallend, 
wie die vulkanischen Erscheinungen, nahe am Dorfe, bisher- über- 
sehen worden sind. Nur D /2 Kilometer von Duppach kommt ein 
grosser Krater mit Schlackenfelsen im Lay-Busch auf der südöst- 
lichen Seite des Kraters, gleichzeitig mit Ablagerungen von Ra- 
pilli und Schlacken vor, die zu technischen Zwecken verwandt 
werden. 6 Kilometer weiter gegen NW. gewahrt man östlich 
von Reuth einen grösseren Krater und mehrere kleine westlich von 
Schönfeld; dieser Ort selbst liegt in einer kraterförmigen Ver- 
tiefung, die fast ganz von vulkanischen Ablagerungen umgeben ist. 

Mittheilung des Herrn H. Potonie über seine im August 
1893 ausgeführte Reise nach den Steinkohlen-Revie ren 
an der Ruhr, bei Aachen und des Saar-Rhein-Gebietes. 

Im Ruhrgebiet habe ich festzustellen gesucht, ob die magere 
Kohlenpartie mit den Waldenburger (Ostrauer) Schichten pa- 
rallelisirt werden könne. In der Dissertation des Herrn Dr. 
L. Cremer von 1892 (Fossile Farne des Westf. Carbons) 
nämlich giebt dieser aus der genannten liegenden Zone des 
Ruhrgebietes ein Leitfossil der Waldenburger Schichten, die 
Sphenopteris elegans , an. Die Exemplare, welche diese Bestimmung 
veranlasst haben, befinden sich in der von mir besuchten Berg- 
schulsammlung zu Bochum und gehören nicht zu der genannten 
Art, sondern stimmen am ehesten mit der Sphenopteris (Diploth- 
mema) elegantiforme (Stur sp.) aus den Saarbrücker (Schatz- 
larer) Schichten überein. Bei der Sphenopteris elegans sind die 
Spindeln quergerieft, was an Cremer’s Exemplaren nicht zu beob- 
achten ist, bei denen die Spindeln glatt sind und ein der Länge 


XLVII 


nacli central verlaufendes Leitbündel erkennen lassen; ferner sind 
die Fiedern letzter Ordnung an den Westfälischen Exemplaren 
sparriger als bei der Sphenopteris elegans , bei der die Fiederchen 
in spitzeren Winkeln abgehen. Auch die übrigen Pflanzen- Reste 
aus der mageren Kohlenpartie, die ich auf den Halden, in der 
Bergmännischen Ausstellung zu Gelsenkirchen und in der Berg- 
schulsammlung zu Bochum gesehen habe , sprechen keineswegs 
für typische Waldenburger Schichten, sondern für Saarbrücker 
Schichten. Es sind demnach die sämmtlichen zur Zeit gebauten 
Flötze des Ruhrgebietes bis auf Weiteres zu den Saarbrücker 
Schichten zu stellen, die sich, wie Herr Dr. Cremer trefflich 
gezeigt hat, dort auf Grund des Pflanzen -Inhaltes in mehrere 
Horizonte gliedern lassen. So sind Anklänge an die Flora der 
Waldenburger Schichten in der mageren Kohlenpartie auffällig; 
ich erwähne nur das reichliche Auftreten von Neuropteris Schlehanii 
und das vollständige Zurücktreten von Pecopteris. 

In allen B oben genannten Carbon -Revieren habe ich im 
Thonschiefer Stigmarien mit radial ausstrahlenden Appendices, 
also in derselben Erhaltungsweise constatirt, wie ich diese in der 
Zeitschrift der Deutsch, geol. Ges. 1893, Bd. 45, S. 97 ff. beschrieben 
und abgebildet habe. Für mich liegt hierin ein Beweis für die 
Autochthonie der Stigmarien in dem umgebenden Thonschiefer 
(vergl. 1. c.). Die Stigmaria - Appendices gleichen den Wurzeln 
an den Rhizomen unserer heimischen Nymphaeaceen ungemein, ja 
diese Wurzeln hinterlassen Narben von derselben Form und 
Grösse wie die Appendices der Stigmarien. Es wäre bei der 
geringen mechanischen Widerstandsfähigkeit der Nymphaeaceen- 
Wurzeln undenkbar, dass bei einem Transport der Rhizome die 
Wurzeln noch nach allen Seiten hin senkrecht zu den Rhizom- 
Körpern gefunden werden können; von den Appendices der Stig- 
marien müssen wir bei ihrer hohen Aehnlichkeit im anatomischen 
Bau durchaus dasselbe annehmen : der die noch Appendices- 
behafteten Stigmarien umgebende Thonschiefer ist daher der 
Boden, in welchem diese Stigmarien auch gewachsen sind. Herr 
Dr. Cremer machte mich auf eine von mir übersehene Stelle 
von H. R. Göppert aufmerksam, die im Vergleich mit dem von 


XLVIII 


mir 1. c. Gesagten ein besonderes Interesse beansprucht. Göppert 
sagt nämlich in seinem »Bericht über eine im Aufträge .... 
in dem Westf. Hauptbergdistrict unternommene Reise zum 
Zwecke der Untersuchung der in der dortigen Steinkohlenfauna 
vorhandenen fossilen Flora« (Verb. d. naturh. Ver. d. preuss. 
Rheinl. u. Westf., 11. Jahrg., Bonn 1854, S. 236 u. 237): »Ueberall 
gelang es mir, an den bei den Zechen etwa vorhandenen Schiefer- 
thonen diejenigen zu unterscheiden, welche von dem Liegenden 
eines Flötzes stammten, nämlich: an dem Vorherrschen der Stig- 
maria ficoides , deren zahllose Verästelungen mit den Blättern oder 
Wurzelfasern nicht in der Richtung der Schichten wie dies 
eigentlich bei der Mehrzahl der im Schieferthon vorhandenen 
Pflanzen der Fall ist, gelagert erscheinen, sondern ihn nach allen 
Richtungen hin durchsetzen , dass jede Spur von Schichtung 
völlig aufgehoben ist. Es fehlen gewöhnlich auch alle anderen 
Pflanzen«. 

Mein Augenmerk im Saar -Gebiet war besonders darauf ge- 
richtet, die Ottweiler Schichten zu studiren, die von dem ver- 
storbenen Oberbergamtsmarkscheider Bergrath Moritz Kliver 
zum Unter- Rothliegenden gerechnet werden, wie das in den 
Karten und Profilen der Bergwerks- Direction Saarbrücken zum 
Ausdruck kommt. Nach dem Eindruck, den ich an Ort und 
Stelle gewonnen habe durch den Vergleich des Pflanzen -Inhaltes 
der Ottweiler Schichten mit demjenigen der Saarbrücker Schichten 
und des Unter -Rothliegenden (Cuseler und Lebacher Schichten 
des Prof. Weiss), muss ich durchaus die Ottweiler Schichten 
nach dem Vorgänge des Herrn Prof. Weiss als oberstes Carbon 
ansehen. Es gelang mir, ausser den schon bekannten Aehnlich- 
keiten, in den Floren der Saarbrücker und Ottweiler Schichten 
noch eine weitere nachzuweisen, insofern als die bisher aus den 
Ottweiler Schichten unbekannte Aloiopteris (= Heteropteris Pot. non 
Zeiller) Sternbergii (Ettingsh.) Pot. (= Sphenopteris Sternbergii ), 
die sogar nach Weiss einen tieferen Horizont der Saarbrücker- 
Schichten einhalten soll als die Aloiopteris ( Sphenopteris ) Essinghii 
(Andrä) Pot., von mir in den Ottweiler Schichten und zwar auf 
der Halde bei Dilsburg der Grube Götelborn gefunden wurde. 


XLIX 


In den Cuseler Schichten hei Otzenhausen habe ich das 
interessante S chizodendron- = Tylodendron- Petrefact in mehreren 
Exemplaren gefunden, in einer Erhaltungsweise, welche die von 
mir in diesem Jahrb. für 1887 und in der Naturw. Wochenschr. 
Bd. III, S. 163 ff. gegebene Darstellung durchaus rechtfertigt; 
ferner habe ich zusammen mit Tylodendron Walchia- r Lwc\ge gefun- 
den, sodass meine Vermuthung, dass die genannten Reste zu- 
sammengehören, dass die Tylodendron- Petrefacten als Mark-Stein- 
kerne der Stämme von Walchia zu betrachten sind, eine wesent- 
liche Stütze gewinnt. Es war diese Vermuthung von Herrn 
Prof. WEISS wegen des vermeintlichen Nichtzusammenvorkominens 
beider Fossilreste mündlich bestritten worden. Die in Rede 
stehende Erhaltungsweise der Tylodendren besteht darin, dass 
sich dieselben in dem Gestein stets von einer dünnen, sehr leicht 
ab bröckelnden, kohligen Hülle umgeben zeigen (vergl. meinen 
Aufsatz ȟber die Volumen- Reduction bei Umwandlung von 
Pflanzen -Material in Steinkohle« in der Zeitschrift »Glück auf«, 
Essen 1893, No. 80 oder »Naturwiss. Wochenschrift« VIII, S. 485), 
ein weiterer Beweis, dass die ursprünglich von Weiss als Polster 
beschriebenen Sculpturen in der That nicht einer Stammaussen- 
fläche entsprechen. 

Ich benutze die Gelegenheit, roitzutheilen, dass sich in der 
Sammlung der geolog. Landesanstalt auch Tylodendron aus dem 
Voltzien-Sandstein Saarbrückens und aus dem oberen Muschelkalk 
bei Pickliessern (Blatt Bitburg) 'befinden, bei denen die Blattspur 
genau wie bei den Tylodendren des Rothliegenden scharf bis in 
den unteren spitzen Winkel der langgezogenen, von Leitbündel- 
Furchen umgebenen Rhomben verlaufen, also die Tylodendron- 
Natur besser erweisen als das von A. C. Seward (Geolog. Magazine, 
London 1890, S. 218) abgebildete Exemplar eines Markkörpers 
von Voltzia heterophylla. 

Ein aus Westfalen mitgebrachtes interessantes Stück einer 
rhytidolepen Sigillarie mit Wechselzonen hat in diesem Bande 
des Jahrbuchs S. 26 ff, Taf. III, Fig. 1, und eine andere Sigillarie 
mit Transpirations -Oeffnungen (?), S. 27ff, Taf. III, Fig. 2 Be- 
schreibung erfahren. 


Jahrbuch 1893. 


d 


L 


Mittheilung des Herrn Dr. Keilhack über seine Auf- 
nahmen in Hinterpommern. 

Die Aufnahme des Küstengebietes zwischen Rügenwalde und 
Stolpmiinde hatte die folgenden wissenschaftlichen Ergebnisse: 

Ein nehrungsartiger Streifen Landes, meist aus Flugsand 
bestehend, trennt die Küste von grossen flachen Binnenseen oder 
von Mooren, die aus ihnen entstanden sind. Diese Wasserbecken 
sind als Haffe aufzufassen, die ursprünglich Buchten der Ostsee 
darstellten, aber wohl schon in sehr früher Zeit durch die auf 
Küstenströmungen beruhende Bildung der Nehrungen von ihr ab- 
geschnürt wurden. Sich mehrende Funde mariner Conchylien 
unter dem Moore hinter den Dünen sprechen für den ursprüng- 
lich marinen Charakter der Haffseen. 

Die Nehrungen tragen eine Reihe grossartiger Wanderdünen ; 
es wurden Maassnahmen getroffen, die Vorwärtsbewegung der- 
selben durch genaue Messungen festzustellen. 

Parallel der Küste zieht von Rügenwalde nach NO. ein etwa 
2 Kilometer breiter Rücken, der sich um etwa 50 Meter über das 
nördlich und südlich vorlagernde flache Land erhebt; ihm parallel 
verlaufen noch einige kleinere Rücken weiter nach dem Strande 
zu. Diese Rücken enthalten alle einen an zahlreichen Stellen zu 
Tage tretenden Kern von Tertiär und zwar von glaukonitreichem 
Unteroligocän und von quärzreichem Miocän. 

Der heutige Unterlauf der Wipper von der südlichsten 
Rügenwalder Schneidemühle an ist künstlich zur Ausnutzung des 
Gefälles in unbekannter Zeit angelegt. Die alte Mündung liegt 
eine Meile westlicher bei dem Böbbeliner Tief und war für 
Grabow und Wipper gemeinsam. 

Mittheilung des Herrn A. Jentzsch über die Aufnahmen 
des Jahres 1893. 

Das fertig aufgenommene Blatt Lessen (G. A. 33, 29 ) gehört 
der westpreussischen Seenplatte an und lässt weder Tertiär noch 
ältere Bildungen zu Tage treten. Den allergrössten Theil der 
Fläche bedeckt der obere Diluvialmergel (Geschiebemergel), unter 


Li 


9—25 


25 — 33 
33 — 34 

34-38 


welchem andere Schichten des Jungglacial (Grand, Sand, Mergel- 
sand, Thonmergel und unterer Geschiebemergel) nur in kleinen 
Flächen hervorragen. Das tiefste Profil wurde auf dem Gute 
Körberrode durch eine von der Firma Blasendorff in Berlin und 
Osterode 1891 ausgeführte Brunnenbohrung erschlossen, welche 
folgende Schichten ergab: 

0 — 9 Meter ohne Proben (nach der Kartirung liegt ober- 
flächlich oberer Geschiebemergel von min- 
destens 3 Meter Mächtigkeit); 
grauen Geschiebemergel, bei 11 — 12 Meter 
Tiefe mit einem unbestimmbaren Muschel- 
bruchstückchen ; 
geschiebefreien Sand; 

sandigen Grand, vorwiegend aus nordischen 
Geschieben bestehend; 
geschiebefreien Sand, im Aussehen und an 
Kalkgehalt gewöhnlichen Diluvialsanden 
gleichend. 

Der Bohrpunkt liegt etwa 109 Meter über dem Meere. 

Sehr viel wichtiger sind die Interglacialschichten, welche an 
einzelnen Punkten durchragen. Es sind einerseits mit z. Th. 
zweiklappigen Schalen von Pisidium und anderen Süsswasser- 
Schalresten erfüllte Sande zu Gr.-Schönwalde, Blatt Lessen, sowie 
zu Gr. -Tromnau und Germen, Blatt Niederzehren (G. A. 33; 23 ), 
andererseits kalkfreie Sande und Thone mit Pflanzenspuren zu Gr.- 
Schönwalde und Sawdin, Blatt Lessen. Letztere liegen zwischen 
Diluvialschichten von normalem Kalkgehalt, und werden bei Sawdin 
durch unterdiluviale, mit Osteocollen durchzogene Sande und Grande 
bedeckt, in welchen ich vorläufig 4 Schalenstücke (nämlich 2 Car- 
dium edule , 1 Nassa reticulata und 1 glattes Stückchen) fand. 
Zwar sind diese Meeresreste bis jetzt nur in so geringer Zahl 
gesammelt, dass sie nach dem von mir früher *) angegebenen 
Merkmale noch nicht völlig darüber entscheiden, ob der Grand 
dem Jungglacial oder dem Interglacial zuzurechnen sei. Doch 


9 Zeitschr. d. geol. Ges. XLII, 1890, S. 599. 


d 


tu 

spricht der bisher völlige Mangel an Yoldia und D reissensia 
immerhin vorläufig für die Reinheit dieser Meeresfaunula, also 
für marines Interglacial. Rann würde hier das Interglacial aus einer 
oberen marinen und einer unteren Süsswasser-Stufe bestehen, 
genau so, wie ich dies früher für die Elbinger Gegend 1 ) nachge- 
wiesen habe. Hervorzuheben ist, dass die interglacialen Süss- 
wasserscliichten von Sawdin nur 1 1 V 2 Kilometer von der inter- 
glacialen Meeresschicht zu Neudeck bei Freistadt entfernt sind, 
welche ich früher beschrieben habe. 

ln Bezug auf Diluvialgeschiebe wäre zu erwähnen, dass 
der bekannte versteineruugsreiche Cenomansandstein, den ich an 
den Gehängen des Weichsel- und Liebethaies bei Marienwerder 
mehrmals, auf den in den letzten Jahren bearbeiteten Blättern 
der Seenplatte aber nirgends getroffen hatte, in dem südlich von 
Lessen verlaufenden Thale der Ossa wieder in einigen abgerun- 
deten Stücken gefunden wurde. Die Verbreitung dieser wich- 
tigen Geschiebe von zweifellos preussischer Herkunft ist hiernach 
hauptsächlich in den Flusstliälern zu suchen, wo tiefere Diluvial- 
schichten hervortreten. Die für diese Geschiebe bezeichnende 
Serpula Damesi Nötl. wurde indess auch im Grande der Seen- 
platte hin und wieder gefunden. 

Das Alluvium des Blattes Lessen besteht hauptsächlich aus 
Torf, Wiesenkalk und Abschlemmmassen. Letztere sind für 
das ungemein eng gefältelte Gelände der preussischen Seenplatte 
besonders bezeichnend ; auch bringt ihre kartographische Dar- 
stellung im Verein mit Seen und Torfmooren den Verlauf der 
Wellen und Mulden besonders deutlich zur Anschauung. Ueber- 
dies erreichen sie oft Mächtigkeiten, welche ihrer Abtrennung 
von den umgebenden mergelgründigen Diluvialschichten auch 
praktische Bedeutung verleihen. Um dies ziffermässig darzustellen, 
wurde links des Weges von Szczepanken nach Lenzwalde ein 
Profil aufgenommen, welches die dem oberen Geschiebemergel 
entstammenden Abschlemmmassen (HLS bis HSL) mit 2,5 Meter 
Tiefe nicht durchsank, und nach der durch Herrn R. Gans im 


*) Zeitschr. d. geol. Ges. XXXIX, 1887, S. 492—495. 


LIII 


Laboratorium der Königl. Geologischen Landesanstalt ausgeführten 
Analyse von Oben nach Unten folgende Vertheilung ergab (in 
Procenten des Gesammtbodens): 


Tiefe 

Decimeter 

bei mechanischer Analyse 

Feinstes 1 Staub 

unter 0,01 mm 0,05-0,01 ram 

bei Aufschliessung mit SO3 
Thonerde 1 Eisenoxyd 

Humus 

0— 2 

6,1 

7,2 

1,06 

0,72 

0,55 

2—12 

7,7 

12,5 

1,36 

0,90 

0,61 

12—18 

14,3 

20,7 

2,29 

1,35 

0,80 

18—20 

10,4 

13,0 

1,79 

1,05 

0,41 

20—25 

14,9 

19,8 

2,72 

1,53 

0,38 


Die Nährstoffanalyse der Ackerkrume hält sich für die meisten 
Stoffe durchaus in den für Geschiebemergel - Böden geltenden 
Grenzen, zeichnet sich aber durch einen vergleichsweise hohen 
Phosphorsäure-Gehalt von 0,106 pCt. aus, der indess noch immer 
sowohl hinter der durchschnittlichen Phosphorsäuremenge unver- 
änderter Geschiebemergel, als auch hinter den Nährstoff bestim- 
mungen der alluvialen Schlick- und diluvialen Thon- Ackerkrumen 
zurückbleibt. 

Auf dem östlich angrenzenden Messtischblatte Schwenten 
(G. A. 33, so), dessen südlichster Theil kartirt wurde, fanden sich 
gleichfalls bisher nur alluviale und diluviale Bildungen. Unter 
letzteren nimmt auch dort Oberer Geschiebemergel (Diluvialmergel) 
die grössere Fläche ein , lässt indess doch auf recht erhebliche 
Strecken Unteres Diluvium hervortreten. Neben Grand und Sand 
ist namentlich Mergelsand in dünngeschichteten ( Bänderthon-ähn- 
lichen) Massen reichlich entwickelt, welche am Abbau Peterwitz 
(unweit Bischofswerder) durch zahlreiche kleine Verwerfungen 
von 0,2 Meter Sprunghöhe zerklüftet sind. 

Die im Juli ausgeführte Begehung der Eisenbahnbau- 
strecke Elbing-Osterode-Hohenstein ergab mehrere inter- 
essante Aufschlüsse. Zunächst ragt bei Lichteinen, südöstlich von 
Osterode (Station 72 — 27 bis 72 — f- 55) unter Geschiebemergel 
eine ans Grünsand und Grünerde bestehende Tertiär-Sc holl§ 


LIY 


auf 28 Meter Länge über das Planum. Dieselbe entspricht petro- 
graphisch dem Unteroligocän des Samlandes — mit welchem sie 
auch die groben Quarzkörner gemein hat — und verbindet somit 
(im Verein mit Aufschlüssen bei Heilsberg und Pr. Holland) das 
samländische Tertiär mit jenen ihrer Stellung nach bis heute nicht 
endgiltig aufgeklärten Grünerdefunden von Hermannshöbe bei 
Bischofswerder, Blatt Gr.-Plowenz (G. A. 33; 36 ), welche dort 1871 
Veranlassung zu der bekannten, Diluvium, Braunkohlenbildung 
und obere Kreide erschliessenden fiscalischen Tiefbohrung gaben. 

Die Schollennatur der glaukonitischen Schichten von Lich- 
teinen wurde durch eine 2 Meter tiefe Handbohrung festgestellt, 
welche unter der Grünerde eine gelbbraune kalkhaltige Masse von 
lehmartigem Ansehen ergab, deren Schlemmrückstand bei näherer 
Untersuchung rothe Orthoklaskörnchen mit deutlichen und frisch- 
glänzenden Spaltungsflächen erkennen liess, und die somit dem 
Diluvium, speciell dem Diluvialmergel (Geschiebemergel) zuzu- 
rechnen ist. In dem den Grünsand unmittelbar bedeckenden 
Geschiebemergel ist eine Anzahl kleiner verwitterter Bernstein- 
stücke gefunden, während sonst auf mehrere Kilometer der Bau- 
strecke angeblich kein Bernsteinstück gefunden wurde. Dies 
deutet darauf hin, dass hier eine Schicht bernsteinführender Grün- 
erde zerstört wurde, welche in geringer Entfernung angestanden 
hat. Diese Grünerde lag über Kreidebildungen und unter Braun- 
kohlenbildung, mithin ganz gleich der samländischen, wie die von 
mir früher *) kurz beschriebene , eine Million Kubikmeter ent- 
haltende, durch 4 Bohrungen in Osterode inmitten des Diluviums 
nachgewiesene Tertiär- und Kreidescholle beweist. 

In den Grandgruben von Waplitz bei Christburg, welche zur 
Beschüttung der Eisenbahn in grossem Umfange ausgebeutet wer- 
den, hat sich eine Anzahl Säugethier - Knochen gefunden, unter 
denen ich Bos priscus , Equus caballus foss. , Elephas primigenius , 
Genus sp. und Ursus sp. feststellen konnte. Dieselben sind in- 
dess vorläufig nicht als auf ursprünglicher Lagerstätte befindlich, 

*) Jentzsch, Bericht über die Verwaltung des geologischen Provinzial- 
Museums im Jahre 1891. Sitzungsberichte d. Physikal. - Oekonom. Gesellsch, 
zu Königsberg XXXII, 1891, S. 74. 


LY 


also nicht als interglacial, sondern als Geschiebe auf secundärer 
(jungglacialer) Lagerstätte anzusehen, weil die Fauna des Grandes 
keine einheitliche, sondern eine gemischte ist. Ausser genannten 
Resten von Laudthieren enthält sie nämlich zahlreiche Schalreste, 
und zwar am häufigsten solche der frühglacialen Eismeer muschel 
Yoldia arctica , ausserdem solche der interglacialen Nordseearten 
Cardium edule , Cardium echinatum und der frühglacialen Süss- 
wasserart Dreissensia polymorpha und der in allen Stufen des 
Diluviums vorkommenden Cyprina Islandica. Alle diese Muscheln 
sind als Diluvialgeschiebe aufzufassen, genau so wie die durch 
Kunth aufgezählten Jura- und Tertiär- Schalreste vom Kreuzberge 
bei Berlin. 

Aehnliche Mischfauna wurde noch an mehreren anderen 
Punkten der Eisenbahn beobachtet, bietet indess kein allgemeines 
Interesse. Um so wichtiger ist die Auffindung einer einheitlichen, 
aus zumeist kleinen, zarten Schalen bestehenden Nordseefauna auf 
primärer, interglacialer Lagerstätte bei der Stadt Salfeld. Die- 
selbe wurde von der Gabelung der von Salfeld nach Kunzendorf 
und Goyden führendem Wege mehr als 1 Kilometer nordwärts bis 
Station 465 der Baustrecke verfolgt und gehört nachstehendem 
Gesammtprofil an: 

Jungglacial 1,0 Meter Oberer Diluvialsand (Geschiebesand). 

1 Mindestens 4,0 Meter Unterer Diluvialsand mit 
Mactra subtruncata, Cardium edule , Tellina soli- 
dula , Nassa reticulata , Ccrithium lima , Cardium 
echinatum , Corbula .gibba und ? Venus , sowie 
? Ostrea edulis. 

! 1,0 Meter Unterer Geschiebemergel, 

1,0 Meter mittelkörniger Spathsand (unterer Dilu- 
vialsand), 

0,5 Meter Geschiebemergel. 

Während hier die Diluvialschichten scheinbar ungestört lagern, 
wurden anderwärts erhebliche Störungen beobachtet. So insbe- 
sondere auf Bahnhof Alt - Döllstädt (Kreis Pr. Holland), wo bei 
St. 200 -b 50 mitten in sehr mächtigem geschiebefreiem Diluvial- 
sand eine 2 Meter mächtige Bank Blöcke -führenden Geschiebe- 


LVI 


mergels in fast senkrechter Stellung quer durch die ganze Breite 
des Bahnhofs von WNW. nach OSO. streicht. Sie wurde von 
der Oberfläche bis 1,5 Meter Tiefe unter Planum, mithin auf 
mindestens 6 Meter Gesammttiefe verfolgt. Dieser Punkt liegt 
nur 12 Kilometer östlich der von mir früher 2 ) abgebildeten 
Schichtenstörung von Posilge (Kreis Stuhm). 

Die im September ausgeführte Begehung der Eisenbahn- 
Baustrecke Nakel-Konitz lieferte für jene bisher geologisch 
fast völlig unbekannte Gegend ein ziemlich zusammenhängendes 
geologisches Profil von 70 Kilometer Länge. Die bei Beginn der 
Arbeit gehegte Hoffnung, diluviale Schalreste aufzufinden, erfüllte 
sich nicht. Interglaciale Schichten wurden nicht gefunden, und 
selbst die jungglaciale Mischfauna fehlte den Granden bis auf 
zwei völlig unbestimmbare Schalenbrocken unbekannten Alters. 
Deutliche Durchragungen älterer Diluvialschichten durch jüngere 
wurden mehrfach beobachtet, z. Th. mit recht steilem Einfallen, 
während anderwärts wieder auf erhebliche Strecken ungestörte 
Lagerung der Diluvialschichten aufgeschlossen war. Vordiluviale 
Schichten wurden nicht entdeckt. 

Betreffs der regionalen Vertheilung der verschiedenen Diluvial- 
böden sei vorläufig nur bemerkt, dass das ausgedehnte Geschiebe- 
mergel-Gebiet, welches sich von Könitz südöstlich bis Tuchei 2 ) 
erstreckt, auch von Könitz 18 Kilometer südlich bis Gamin mit 
geringen Unterbrechungen (insbesondere von Sand zwischen Hen- 
nigsdorf und Soldau) anhält. Weiter südlich folgen vorwiegend 
untere Diluvialschichten von Camin bis Bahnhof Waldungen; 
von dort an besteht die Diluvialdecke wieder zumeist aus Ge- 
schiebemergel bis kurz vor Nakel, wo die Bahn sich zum diluvialen 
Thorn - Eberswalder Hauptthal herabsenkt. Hier treten unter- 
diluviale Sande und Mergelsande mit 1 — 2 Geschiebemergelbänken 

’) Jentzsch, Beiträge zum Ausbau der Glacialhypothese. Dieses Jahrbuch 
für 1884, S. 444-445. — Führer durch die geologischen Sammlungen des Pro- 
vinzialmuseums. Königsberg 1892, S. 31, Abb. 14 u. 15. 

2 ) Jentzsch, das Profil der Eisenbahn Könitz- Tuchei -Laskowitz, Dieses 
Jahrbuch für 1883, S. 551 — 556. • 


LVII 


hervor, und es ist bemerkenswert!), dass hier, also am nördlichen 
Gehänge des Thorn-Eberswalder Hauptthaies, nur horizontale 
Schichtung beobachtet wurde, natürlich abgesehen von der Dia- 
gonalschichtung, welche auch hier in Sanden auftritt. 

Im Anschluss an diese Bereisung wurde noch das neuange- 
legte Braunkohlenbergwerk Buko zu Gostoczyn bei Tuchei be- 
sucht, dessen Lagerungsverhältnisse in einer besonderen Mittheilung 
beschrieben werden sollen. 

Mittheilung des Herrn H. Grüner über die chemische 
Zusammensetzung des Gumtower oberoligocän en Mer- 
gels auf Blatt Demertin. 

Bereits im Jahrbuche 1891 und 1892, S. lxxiii und lxvii 
sind die glaukonitischen Mergel in der sogenannten wüsten Feld- 
mark Gumtow an der Zarenthin-Gumtower Grenze (Blatt Demertin) 
besprochen worden. Es erschien von Interesse chemische Ana- 
lysen auch von dem gleichalterigen glaukonitischen Mergel von 
Wiepke i./Altm., welcher am zuletzt genannten Orte in 2 Gruben 
nordwestlich Ebstedt an der Chaussee von Gardelegen nach Salz- 
wedel aufgeschlossen ist, sowie von denjenigen bei Kl. -Freden 
unweit. Göttingen — welche beide in ausgedehntem Umfange als 
Meliorationsmaterial Verwendung finden — zu bieten. 

Die Aufschliessung der bei 100° C. getrockneten, feingepul- 
verten Mergel mittelst Flusssäure ergab umstehende Tabelle. 

Diese Zahlen sprechen deutlich für die grosse Verschieden- 
heit in der Zusammensetzung dreier geologisch gleichalteriger 
Mergel und wäre vor allem bei dem Wiepker Mergel der unver- 
hältnissmässig hohe Eisenoxydul- und Oxyd-Gehalt (22,92 pCt.), 
der geringe Kalk- (2,41 pCt. CaC0 8 ), der hohe Magnesia- 
(4,04 pCt. MgC0 8 ) und der beträchtliche Kaligehalt (6,19 pCt.) 
hervorzuheben. Jedenfalls besitzt der glaukonitische Mergel von 
Gumtow als Melioi ationsmaterial höheren W erth , da er bei 
29,83 pCt. CaC0 3 , 3,04 pCt. K 2 O und 1,06 pCt. P 2 O 5 ent- 
hält, 


LVIII 


Fundort 

Gumtow, 
a. d. Zarenthiner 
Grenze 
(Waldecke) 

Wiepke i./Altm. 

Kl. -Freden 
bei Göttingen 

1 


in Procenter 

L 

Thonerde 

3,76 | 

4,54 !) 

4,42 0 

Eisenoxyd ...... 

2,43 

22,92 

13,37 

Kalkerde 

16,65 2 ) 

1,35 3 ) 

8,39 4 ) 

Magnesia , 

0,38 5 ) 

1,92 6 ) 

0,76 7 ) 

Kali 

3,04) 

6,19 ) 

2,78 

Natron 

’ 3,04 

Spur ) 

[ 7,26 
1,07 ) 

1,36 

Kieselsäure 

59,15 

58,02 

60,51 

Phosphorsäure 

1,06 

0,17 

0,27 

citratlösliche Phosphorsäure 

— 

(0,029) 

(0,026) 

Kohlensäure 

13,53 

3,18 

7,43 

Eygroscopisches Wasser 

(1,05) 

(3,66) 

(2,11) 

Nichtbestimmtes .... 

- 

0,64 

0,62 

Summa 

100,00 

100,00 

100,00 

0 entspr. wasserhaltigem 
Thon 

9,51 

11,48 

11,18 


3 ) entspr. 29,83 CaC 03 . 3 ) entspr. 2,41 CaC 03 . 4 ) entspr. 14,98 CaC 03 . 

5 ) entspr. 0,76 MgCC> 3 . 6 ) entspr. 4,04 MgCÜ 3 . 7 ) entspr. 1,60 MgC 03 . 




















LIX 


JL 

T 

Ernst Läufer. 


Ernst Läufer wurde am 31. Juli 1850 in Eisenach ge- 
boren, woselbst sein Vater Hoftünchermeister war. Den ersten 
Unterricht genoss der Knabe in der dortigen ersten Bürgerschule, 
die er von 1856 — 1861 besuchte. Im letztgenannten Jahre fand 
er Aufnahme in dem Grossherzoglichen Realgymnasium seiner 
Vaterstadt, welchem er bis zum Jahre 1869 angehörte, um dann 
nach bestandenem Maturitätsexamen die Universität Jena zu 
beziehen. 

Die schöne Umgehung Eisenachs wirkte mächtig auf das 
Gemüth des Knaben ein. Unablässig durchstreifte er die lieb- 
lichen Thäler und die mit herrlichem Wald geschmückten Berge 
seiner Heimath, und durch diese Wanderungen wurde in ihm 
schon frühzeitig eine innige Liebe zur Natur und zur Beobachtung 
in der Natur erweckt. Eine grosse Anregung hierzu erhielt er 
durch seinen Lehrer und späteren Freund, den am 29. März 1 > 93 
gestorbenen Geheimen Hofrath Professor Dr. Ferdinand Senft, 
welcher am Grossherzoglichen Realgymnasium und an der Forst- 
lehranstalt in Eisenach den naturwissenschaftlichen Unterricht er- 
theilte und mit seinen Schülern grosse Excursionen unternahm, 
auf denen er sie namentlich auch über den geologischen Bau der 
Gegend und über die Beziehungen der verschiedenen Gesteine zur 
Bodenbildung und zur wildwachsenden Flora belehrte. Dieser 


LX 


persönliche Einfluss Senft’s, sowie später das eifrige Studium 
seiner Werke ist für die ganze wissenschaftliche Thätigkeit Läufer’ s 
von der grössten Bedeutung gewesen, wie man dies überall in 
seinen Schriften deutlich hervortreten sieht. Mit besonderer Liebe 
und Verehrung gedachte er stets aus seinen Schuljahren seines 
Zeichenlehrers Dr. Gallet, der ihn zugleich in der Technik 
der Oelmalerei unterwies. In seinen Mussestunden pflegte sich 
Läufer auch noch später viel mit dieser Liebhaberei zu beschäf- 
tigen; namentlich kam ihm seine Befähigung zum Zeichnen bei 
der Anfertigilfag geologischer Landschaftsbilder und Profile zu 
Statten. 

In Jena widmete er sich dem Studium der Naturwissen- 
schaften und hörte unteren anderem die Vorträge von Abbe, 
Fischer, Geuther, Haeckel, Reichardt, Schaffer, Schmid 
und Strassburger. Vor allem zog ihn die Beschäftigung mit 
der Chemie, sowie mit der Geologie und Mineralogie an. Am 
Schluss seiner Studienzeit war er anderthalb Jahre lang Assistent 
in dem auch zuvor schon fleissig von ihm besuchten chemischen 
Laboratorium des am 24. August 1889 verstorbenen Geheimen 
Hofraths Professor Dr. A. Geuther. Ebenso trat er in ein 
näheres Verhältniss zu dem am 15. Februar 1885 verstorbenen 
Geheimen Hofrath Professor Dr. E. E. Schmid, dem er als Assistent 
bei den praktischen Hebungen in der Mineralogie und Geologie 
zur Hand ging und in dessen gastlichem Hause er die freund- 
lichste Aufnahme fand. Auf den geologischen Ausflügen, welche 
sein Lehrer in der von ihm geologisch kartirten Umgegend von 
Jena unternahm, lernte er das dortige Triasgebiet, sowie die Me- 
thode der geologischen Kartirung kennen, auch begleitete er den- 
selben mehrmals während der Ferien nach Ilmenau, von wo aus 
weite Wanderungen durch den Thüringer Wald unternommen 
wurden. 

Auf Grand einer eingereichten Dissertation ȟber die Ein- 
wirkung von alkoholfreiem Natriumäthylat und essigsauren Salzen 
auf Epichlorhydrin«, sowie einer bestandenen Prüfung in der 
Chemie, Mineralogie und Botanik erlangte Läufer am 26. August 
1873 die Würde eines Doctors der Philosophie an der Universität 


LXt 


Jena. Zu gleicher Zeit machte er sich an die Bearbeitung einer 
Preisaufgabe über »die Quarzporphyre der Umgegend von Ilme- 
nau«, welche im Sommer 1873 von Herrn Geh. Commerzienrath 
Dr. Ferber in Gera mit Zustimmung der philosophischen Facultät 
zu Jena gestellt worden war. Die von Läufer mit dem Motto: 
»Arbeit ist Leben« eingelieferte Arbeit, bei welcher ihn Herr 
Ilofrath Professor Dr. E. E Schmid in freundlichster Weise 
unterstützte, erhielt bei der am 20. Juni 1874 erfolgten Preisver- 
theilung den ausgeschriebenen Preis von Einhundert Thalern. Sie 
ist im Jahre 1876 in der Zeitschrift der deutschen geologischen 
Gesellschaft veröffentlicht worden. Ihr Werth besteht in der petro- 
graphischen Charakterisirung der in der Umgebung von Ilmenau 
auftretenden Quarz- und Felsitporphyre, sowie namentlich in der 
chemischen Untersuchung einer grösseren Anzahl hierher gehöriger 
Gesteine. 

Durch die Empfehlung des als Mitarbeiter an der geologischen 
Specialkarte von Preussen und den Thüringischen Staaten thätigen 
Geheimen Hofraths Schmid trat Läufer am 1. December 1873 
in den Dienst der geologischen Landesanstalt zu Berlin, wo er 
zunächst unter der Leitung des Herrn Professor Dr. Orth mit 
der Ausführung von Bodenuntersuchungeu im Interesse der geo- 
logischen Untersuchung des norddeutschen Flachlandes beauftragt 
wurde. Im Frühjahr des folgenden Jahres wurde er im Verein 
mit Dr. Dulk unter der Leitung des Landesgeologen Professors 
Dr. G. Berendt zu den Aufnahmearbeiten für die geologische 
Specialkarte im norddeutschen Flachlande mit herangezogen. 
Läufer zeigte eine grosse Befähigung für die Kartirungsarbeiten 
im Felde und nach mehrjähriger Uebung vermochte er oft schon 
aus den Oberflächenformen den geologischen Bau einer Gegend 
in ihren allgemeinen Zügen richtig zu erkennen. Als er in den 
Verband der geologischen Landesanstalt zunächst als Hülfsgeologe 
eintrat, war die geognostisch- agronomische Kartirung des Flach- 
landes soeben erst in Angriff genommen. Durch seine Mitwirkung 
ist damals sowohl die Methode der kartographischen Darstellung 
der Quartärbildungen als auch die Fertigstellung der ersten Karten- 
lieferungen wesentlich gefördert worden. 


LXII 


Am 7. April 1879 wurde er zugleich mit deu Hülfsgeologen 
Dr. Dulk, Dr. Bücking und Dr. Wahnschaffe zum etatsmässigen 
Assistenten bei der geologischen Landesaufnahme ernannt, worauf 
am 1. April 1886 zusammen mit Dr. Wahnschaffe seine Be- 
förderung zum Königlichen Landesgeologen erfolgte. Er war 
Mitglied der deutschen geologischen Gesellschaft in Berlin, deren 
Sitzungen er fleissig besuchte und wurde' im Jahre 1877 zum 
correspondirenden Mitgliede der Grossherzoglichen Sächsischen 
Gesellschaft für Mineralogie, Geologie und Petrefactologie in Jena 
ernannt. 

Mitten in voller Thätigkeit wurde er im August 1 884 in 
Gransee ganz plötzlich von einem schweren Gehirnleiden befallen, 
von dem er nach längerem Kranksein anscheinend wieder genas, 
bis dann im Sommer 1887 ein neuer heftiger Anfall auftrat, der, 
als keine Besserung mehr zu erwarten war, am 1. März 1890 
seine Pensionirung nothwendig machte. Erst am 18. Februar 
1893 wurde er von seinen langen, schweren Leiden iu Jena durch 
einen sanften Tod erlöst und fand am 21. Februar seine letzte 
Ruhestätte in seiuer geliebten Heimathstadt Eisenach, tief be- 
trauert von seiner Frau und seinen beiden Söhnen, welche, als 
die Unterbringung des schwer Erkrankten in einem Krankenhause 
iu Jena erforderlich wurde, nach Eisenach übergesiedelt waren. 

Die geologische Landesanstalt hat an Dr. Läufer einen treff- 
lichen Mitarbeiter für die Aufnahmen im norddeutschen Flach- 
lande verloren. Mit rastlosem Eifer war er unablässig bemüht, 
sowohl durch die Arbeiten im Felde als auch durch seine sorg- 
fältigen Bodenuntersuchungen im Laboratorium dieses neue Unter- 
nehmen zu fördern. Obwohl seine wissenschaftliche Thätigkeit 
nach Abzug der durch Krankheit in Anspruch genommenen Jahre 
nur ein Decennium umfasst, so hat er doch in diesem kurzen 
Zeiträume recht Tüchtiges geleistet. 

Wenn wir das im Anhänge mitgetheilte Verzeichniss seiner 
Schriften überblicken, so behandeln, mit Ausnahme des schon er- 
wähnten Aufsatzes über »die Quarzporphyre der Umgegend 
von Ilmenau«, und der »Beiträge zur Basalt-Verwitte- 
rung« alle seine übrigen Arbeiten die Bildungen der Quartär- 


LXIli 


formation. Besonders interessirten ihn, wie dies auch schon in 
der letztgenannten Arbeit hervortritt, die Beziehungen des festen 
und losen Gesteins zur Bodenbildung und zur Bodencu-ltur. Seine 
beiden wichtigsten Arbeiten, »d er Babelsberg« und »die Wer- 
d er’ sehen Weinberge«, welche mit sehr guten Bodenkarten 
ausgestattet sind, beschäftigen sich ausschliesslich mit diesen Fragen. 
In ihnen hat er durch genaue Beobachtungen über die geognostischen 
Lagerungsverhältnisse und durch sorgfältige physikalische und che- 
mische Analysen einen trefflichen Beitrag zur Kenntniss des mär- 
kischen Sandbodens gegeben. Durch diese Untersuchungen er- 
hält man ein klares Bild über die Leistungsfähigkeit des dilu- 
vialen Sandbodens, wenn derselbe einer rationellen Cultur unter- 
worfen wird. 

Die in Gemeinschaft mif dem Verfasser herausgegebene Ab- 
handlung: »Untersuchungen des Bodens der Umgegend 
von Berlin« enthält eine Erklärung und Begründung der Me- 
thoden, welche zur Zeit Fei den Bodenuntersuchungen in dem 
Laboratorium für Bodenkunde zur Anwendung gelangt waren, zu- 
gleich aber auch sind alle bis zum Erscheinen des Buches ausge- 
führten Analysen und die daraus abzuleitenden pedologischen Re- 
sultate darin in übersichtlicher Zusammenstellung mitgetheilt worden. 
Die den Erläuterungen der geognostisch- agronomischen Special- 
karte beigefügten Bodenuntersuchungen sollen die geologischen 
Bildungen des Flachlandes hinsichtlich ihrer Zusammensetzung 
charakterisiren und vom land- und forstwirthschaftlichen Stand- 
punkte aus ihre Bedeutung als Culturboden feststellen. Um 
diesen Zweck zu erreichen, war Läufer unablässig bemüht, die 
angewandten Methoden zu prüfen und zu vervollkommnen, wie 
dies aus den in diesem Buche mitgetheilten Untersuchungen, sowie 
aus den kleineren, in dem Schriftenverzeichniss angegebenen Mit- 
theilungen deutlich hervorgeht. 

Unter den Schriften rein geologischen Inhalts verdient be- 
sonders der Aufsatz über »die Lagerungsverhältnisse des 
Diluvialthonmergels von Werder und Lehnin« hervor- 
gehoben zu werden. Läufer beobachtete in den tiefen Thon- 
gruben von Petzow und Glindow bei völlig horizontaler Lagerung 


txiv 

der liegenden Schichten eigentümliche sattelförmige Aufpressungen 
des Thones, deren Sattelaxen parallel zu den Thalrändern ver- 
liefen. Er erklärt diese Erscheinungen durch den einseitigen Druck 
der Thalränder nach Aufhebung des Zusammenhanges der Schichten 
durch die Erosion des Thaies. Ausserdem stellt er dabei Druck- 
wirkungen des Inlandeises nicht völlig in Abrede. 

Von Wichtigkeit war die Auffindung von sehr schön 
geschliffenen und geschram raten Septarien, die er in der 
Septarienthongrube von Hermsdorf bei Berlin unmittelbar unter 
der Bedeckung von Geschiebemergel beobachtet hatte und welche 
zusammen mit den bereits in Rüdersdorf nachgewiesenen Glaeial- 
schrammen einen neuen Beweis für die Richtigkeit der ToRELL’schen 
Inlandeistheorie bildeten. 

Den praktischen Interessen der Landwirtschaft diente er 
durch die Aufsuchung von nutzbaren Mergellagen in der 
Provinz Hannover. Die dort ausgeführten Reisen gaben ihm 
Gelegenheit zu mehreren Mittheilungen über die Diluvialbildungen 
dieser Provinz. 

Diejenigen, welche mit Läufer zusammen gearbeitet haben, 
werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Er wird ihnen 
stets als ein Vorbild eifrigen wissenschaftlichen Strebens, sowie 
strengster und gewissenhaftester Pflichterfüllung gelten. 

Dem für seine erste wissenschaftliche Arbeit gewählten Motto : 
»Arbeit ist Leben« ist er treu geblieben, so lange es ihm ver- 
gönnt war, zu arbeiten. 


LXV 


Verzeichniss 

der 

Schriften von Ernst Läufer. 


1875. Die Klärung der Schlämmwässer bei Bodenanalysen. (Land- 
wirthschaftl. Versuchsstationen ed. Prof. Dr. E. Nobbe. Bd. XVIII, 
1875.) 

1876. Die Quarz-Porphyre der Umgegend von Ilmenau. (Zeitschr. d. 
Deutsch, geol. Ges. XXVIII, 1876, S. 22-48.) 

1878. Beiträge zur Basalt-Verwitterung. (Ibid. XXX, 1878, S. 67 — 96.) 

— Methode zur Trennung der krystallinischen Kieselsäure, besonders 
des Quarzes, im Gemenge mit Silicaten. (Berichte d. deutsch, 
chem. Ges. XI, 1878, S. 60 u. 61.) 

— Ueber das Verhalten von Quarz und der Kieselsäure überhaupt 
zu Phosphorsalz. (Berichte d. deutsch, chem. Ges. XI, 1878, 
S. 985 u. 936.) 

1881. Ueber »Wallsteine« und ein Puddingsteingeschiebe aus der Um- 
gegend von Berlin. (Jahrb. d. königl. preuss. geol. Landesanst. 
f. 1880 Berlin 1881, S. 335—337.) 

— Ueber geschliffene und geschrammte Septarien aus dem Herms- 
dorfer Septarienthon. (Ibid. S. 338 u. 339.) 

— Ueber das Auftreten von Gletscherschliffen und Schrammen an 
den oligocänen Septarien von Hermsdorf bei Berlin. (Neues 
Jahrb. für Mineralogie etc. 1881, 1. Bd. S. 1 u. 2.) 

— Der Babelsberg. (Jahrb. d. königl. preuss. geol. Landesanst. 
f. 1880, Berlin 1881, S. 294—334.) 

— mit F. Wahnschafee, Untersuchungen des Bodens der Umgegend 
von Berlin. Mittheilungen aus dem Laboratorium für Bodenkunde 
der königl. Preuss. geologischen Landesanstalt. (Abhandl. z. geol. 
Specialkarte von Preussen u. s. w. Bd. III, H. 2.) 

1 882. Ein Süsswasserbecken der Diluvialzeit bei Korbiskrug nahe Königs- 
Wusterhausen. . ( Jahrb. d. königl. preuss. geol. Landesanst. f. 
1881, Berlin 1882, S. 496—500.) 

— Die Lagerungsverhältnisse des Diluvialthonmergels von Werder 
und Lehnin. (Ibid. S. 501 — 522.) 

— Aufschlüsse in den Einschnitten der Stargard-Cüstriner Eisenbahn 
.(Ibid. S. 523—534.) 

— Aufschlüsse im Diluvium der Provinz Brandenburg. (Zeitschr. 
d. Deutsch, geol. Ges. XXXIV, 1882, S. 202—204.) 

— Orthoklasfreier Melaphyr von Winterstein (Thüringen). (Ibid. 
S. 204—205.) 

Jahrbuch 1893. q 


LXVI 


1883. Der rothe schwedische Sandstein (Dalasandstein) als Färbungs- 
mittel einiger Diluvialmergel bei Berlin. (Jahrb. d. königl. preuss. 
geol. Landesanst. f. 1882, Berlin 1883, S. 115 — 119.) 

— Auffindung, Untersuchung und Verwendung des Mergels in der 
Provinz Hannover. (Protokoll der Winter-Versammlung des 
Central- Ausschusses der Königl. Landwirthschafts-Ges. für die 
Provinz Hannover, am 20. — 23. November 1883.) 

Ueber Aufschlüsse im Diluvium von Schonen und der Insel Hven. 
(Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. XXXV, 1883, S. 619—622.) 
Ueber die weitere Verbreitung von Riesenkesseln in der Lüne 
burger Haide. (Ibid. S. 623 u. 624.) 

1884. Verlauf und Ergebnisse der diesjährigen Untersuchungen seitens 
der geologischen Landesanstalt zur Auffindung von Mergellagern 
in der Provinz Hannover. (Hannov. Land- und Forstwirthschaftl. 
Zeitung No. 41, Jahrg. 37, vom 17. Sept. 1884, S. 1 — 8.) 

— Das Diluvium im noi’döstlichen Theile der Provinz Hannover. 
(Jahrb. d. preuss. geol. Landesanst. f. 1883, Berlin 1884, S. 310 
bis 328.) 

— Ueber die Lagerung, petrographische Beschaffenheit und Gewinnung 
des Unteren Diluvialmergels in Hannover. (Ibid. S. 594—597.) 

— Die Werder’schen Weinberge. Eine Studie zur Kenntniss des 
märkischen Bodens. (Abh. zur geol. Specialkarte von Preussen 
u. s. w. Bd. V, H. 3, 110 Seiten.) 

1887. Bemerkungen, über die Fortsetzung des alten Havellaufes vom 
Schwielow-See und Caniner Luch nach Brandenburg. (Jahrb. d. 
königl. preuss. geol. Landesanst. f. 1886, Berlin 1887, S. 19 bis 21.) 

Von der geologischen Specialkarte von Preussen und den Thürin- 
gischen Staaten im Maassstab 1 : 25000 hat E. Läufer folgende Blätter 
bearbeitet oder ist an deren Aufnahme betheiligt gewesen: 

Läufer: Königs-Wusterhausen, Friedersdorf, Bernau, Grünthal. 
Berendt und Läufer: Oranienburg, Hennigsdorf, Fahrland, Potsdam, 
Gross-Beeren. 

Berendt, Läufer und Scholz: Zehdenick, Lieben walde. 

Berendt, Läufer und Dulk: Werder. 

Berendt, Läufer und Grüner: Trebbin. 

Keilhack und Läufer: Wandlitz, Schönerlinde, Klein-Mutz, Nassen- 
heide, Lehnin. 

Beushausen und Läufer: Gross-Kreutz, Gross -Wusterwitz. 

Berlin im November 1893. 


F. Wahnsehaffe. 


LXVIl 


t 

Karl August Lossen. 


Karl August Lossen , Sohn des in Hohenschwand im 
Schwarzwald ihm vor wenigen Jahren im Tode vorausgegangenen 
Geheimen Sanitäts-Raths Valentin Lossen und dessen in Kreuz- 
nach verstorbener Gattin Charlotte geb. Mayer war am 5. Januar 
1841 an letztgenanntem Orte geboren, wo sein Vater damals als 
Badearzt wirkte. Ueber seine Jugendentwickelung wäre es wohl 
den Eltern und diesem oder jenem seiner nahestehenden Ver- 
wandten möglich gewesen, manches Nähere mitzutheilen, dem 
Freunde und Amtsgenossen trat er, ausser in flüchtiger Begegnung 
während der theilweise zusammenfallenden Studienzeit in Berlin 
anfangs der sechziger Jahre, erst als der fertige Mann in geistiger 
und körperlicher Vollkraft entgegen. Als solchen ihn zu schildern 
und in unser Gedächtniss zurückzurufen, sollen daher diese Zeilen 
auch allein versuchen. Zuvor nur noch einige Zahlenangaben, 
wie sie den Lebensweg eines jeden umgrenzen. Vom Herbst 1850 
bis dahin 1859 besuchte der Knabe Lossen das Gymnasium seiner 
Vaterstadt und verliess dasselbe mit dem Zeugniss der Reife, um 
sich, getreu den Familienüberlieferungen, denen zu Folge seine 
Grosseltern väterlicher wie mütterlicher Seits aus Hüttenmanns- 
familien stammten, dem Studium des Berg-, Hütten- und Salinen- 
faches zu widmen. 


LXVIII 


Die damals geltenden Vorschriften zur Ausbildung für die 
Laufbahn der Staatsbeamten in diesen Fächern verlangten zu- 
nächst eine zweijährige practische Thätigkeit. Lossen trat die- 
selbe als Bergbaubeflissener in den Erzgruben des Müsen’schen 
und des Siegener Landes an und ging nach dem zum Abschluss 
des ersten Jahres in der Grube vor Ort bestandenen prac- 
tischen Examen, dem sogenannten Tentamen, als Bergexspec- 
tant in’s Saarbrücker Revier zur Befahrung der dortigen grossen 
Steinkohlengruben des Staates. Sicher nicht mit Unrecht theilte 
Lossen mit seinen späteren Amtsgenossen, die einen gleichen 
Ausbildungsgang durchgemacht hatten, das Bewusstsein, dass ge- 
rade die in diesen zwei Jahren gepflegte tägliche Uebung, 
Schichten und Gänge unter Tage zu verfolgen, sich in dem 
scheinbaren Gewirre der Strecken, der Ab- und Ueberhauen, 
Querschläge und Schächte jederzeit und mit immer wachsender 
Leichtigkeit zurechtzufinden, ja endlich verworfene Lagerstätten 
wieder auszurichten, also hinter der Verwerfung aufzusuchen oder 
doch an Ort und Stelle zu erkennen, wie man früher durch 
Krummort oder Absinken den verworfenen Flötztheil ausgerichtet 
hatte, eine unschätzbare, ja nicht zu ersetzende Vorbildung für 
den Geognosten und gerade für den kartirenden Geognosten ge- 
wesen ist. 

Im Herbst 1861 bezog der junge Lossen die Universität 
Berlin, der er 4 Semester 1861/63 angehörte, daneben während 
der zwei letzten Semester 1862/63 zugleich als Schüler der kurz 
zuvor entstandenen, ja damals eigentlich noch immer im Entstehen 
begriffenen Bergakademie. Gustav und Heinrich Rose, Beyrich 
und Roth, Rammelsberg, Mitscherlich u. A. waren an der 
Universität, Lottner, Achenbach, Bertram u. A. an der Berg- 
akademie seine Lehrer. Das dritte Studienjahr, 1863/64, sah ihn 
an der Saale hellem Strande, wo er in Halle der Schüler Girard’s 
wurde und gleichzeitig im Laboratorium von Heinz, wo sein 
älterer Bruder (der jetzige Professor der Chemie in Königsberg) 
Assistent war, sich mit den für das heranrückende Bergreferendar- 
Examen nöthigen practisch - chemischen Arbeiten beschäftigte. 
Allein schon war die Liebe zur reinen Wissenschaft zu mächtig 


LXIX 


in unserm Lossen geworden und statt das letzte der sieben Lehr- 
jahre für die bergmännische Staatslaufbahn, das damals sogenannte 
Büreaujahr anzutreten, begab er sich auf Girard’s Rath auf die 
Wanderschaft, Material und lebendige Anschauungen zu einer Pro- 
motioDsarbeit zu sammeln, die ihn den Doctorgrad erwerben und 
damit die erste Stufe rein wissenschaftlicher Lehrthätigkeit er- 
steigen lassen sollte. 

In diese Zeit fällt auch die erste Bekanntschaft Lossen’s 
mit seinem nachmaligen Amtsgenossen und nächsten Mitarbeiter 
im Harz, mit Kayser, jetzt Professor der Geologie in Marburg. 
Gern folgte dieser, wie er in einem, Lossen gewidmeten Nach- 
rufe im Jahrbuch für Mineralogie etc. (Bd. II, 1893) selbst be- 
schreibt, der Aufforderung desselben, ihn auf seinen Kreuz- und 
Querzügen durch das schöne Gebiet am Südabfall des Hunsrück, 
im Winkel zwischen Nahe und Rhein zu begleiten und frühzeitig 
lernten hier beide, nicht ahnend wie nöthig sip es für ein späteres 
segensreiches Zusammenarbeiten im Harz haben würden, sich mit 
ihren, bei wissenschaftlichen Fragen nicht ausbleibenden Meinungs- 
verschiedenheiten in einander zu finden. Leicht aber war es nicht, 
so später wie damals, Lossen von einer einmal gefassten Meinung 
abzubringen. Das beweist so recht ein Vorfall aus jener Zeit, 
den Lossen in späteren Jahren mit Vorliebe zu erzählen pflegte 
und den auch Kayser dementsprechend berichtet. Es war kein 
Geringerer, als der schon damals von allen Geologen besonders 
hochverehrte H. von Dechen, dem gegenüber, auf einem jener, 
auch im Sommer 1864 fortgesetzten wissenschaftlichen Streifzüge 
durch die genannte Gegend, Lossen mit Feuereifer seine ab- 
weichende Meinung vertrat, der aber, als Lossen am folgenden 
Tage seine Verzeihung wegen des so hartnäckigen Widerspruches 
gegenüber einer solchen Autorität erbat, ihm nicht nur seine 
Freude über den Zwischenfall aussprach, sondern ihm auch den 
guten Rath mitgab, sich auf seinem wissenschaftlichen Lebens- 
wege nie von Autoritäten bestimmen zu lassen. 

Im Frühjahre 1866 (28. Mai) errang Lossen in Halle. auf 
Grund seiner Dissertation über die Geologie des Taunus, welche 
ausführlicher im folgenden Jahre unter dem Titel »Geognostische 


LXX 


Beschreibung der linksrheinischen Fortsetzung des Taunus« in 
der Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft erschien, 
den Doctorgrad. Mit seines Gönners v. Dechen’s Empfehlung 
hatte er sich schon einige Zeit vorher der im Schoosse der ersten 
Abtheilung des Ministeriums für Handel, Gewerbe und öffentliche 
Arbeiten, unter der hohen Gunst wie selbsteigensten Pflege Krug 
von Nidda’s und unter Beyrich’s wissenschaftlicher Leitung er- 
blühenden geologischen Landesuntersuchung zur Verfügung ge- 
stellt. Weitschauenden Blickes hatte Krug von Nidda, dieser 
grösste Bergmann seines Jahrhunderts, in Hauchecorne, dem 
neuernannten Direktor der Bergakademie, soeben den Mann ge- 
funden, der in engem Vereine und tief innerstem Einverständnisse 
mit Beyrich aus den bescheidenen Anfängen heraus seitdem die 
preussische geologische Landesanstalt ins Leben rief und zu dem 
gestalten half, was sie gegenwärtig ist. 

Unter dieser Leitung begann unser Lossen, nach seiner im 
Juni 1866 erfolgten Anstellung als Hülfsgeologe, seine wissen- 
schaftliche Laufbahn. Zunächst ausschliesslich als kartirender 
Geologe thätig, fand er für seine Vorliebe zu petrographischen 
Studien in seinem ersten Arbeitsgebiete, dem Harzgebirge, dem 
er in unermüdlicher Thätigkeit bis zu seinem Ende treu geblieben 
ist, ganz besondere Nahrung, so dass ihm, ohne Aenderung seiner 
Stellung bei der geologischen Landesuntersuchung, mit dem 1. März 
1870 der durch Laspeyres Berufung nach Kiel erledigte Lehr- 
stuhl für Petrographie an der Königlichen Bergakademie über- 
tragen werden konnte, wobei er im Sommersemester seiner Auf- 
nahmethätigkeit im Harz, im Winter seiner Lehrthätigkeit an der 
Bergakademie oblag. Dass und wie er letzterer zur besonderen 
Zierde geworden, das bezeugen hunderte von Schülern, die ihm 
Dank wissen. 

Im selben Monat, 30. März 1870, habilitirte er sich zu 
gleicher Lehrthätigkeit an der Königlichen Universität. Nachdem 
er aber durch Diplom vom 9. April 1873 bei Gründung der geo- 
logischen Landesanstalt zum Königlichen Landesgeologen ernannt 
worden, blieb seine Kraft dieser Anstalt dauernd erhalten. 

Wieviel er zu ihrem Erblühen und zu ihrem Ansehen beige- 


LXXI 


trageu, das beweisen seine wissenschaftlichen Arbeiten, 
deren er uns einen reichen Schatz hinterlassen hat; Arbeiten, die er 
selbst aus- und zu Ende geführt hat; Arbeiten, die er begonnen; 
Arbeiten, die er angedeutet und nachfolgenden Kräften gewisser- 
maassen als Aufgabe gestellt hat. Denn, so schreibt ein Schüler 
von Rosenbusch, durch diesen »zur Verehrung für Lossen er- 
zogen«, sehr richtig: »Wie er durch seine Werke auf seine Zeit- 
genossen auch in der Ferne gewirkt hat, so werden noch Gene- 
rationen auf der Arbeit seines Geistes fussen,. aus ihr Lehre und 
Anregung schöpfen«. 

An diesen wissenschaftlichen Arbeiten, die sein Andenken 
für alle Zeiten xmd nachfolgenden Geschlechter gewährleisten, uns 
zu erfreuen, möge einem besonderen Ueberblicke derselben Vorbe- 
halten bleiben. Um sie voll zu würdigen und in das entsprechende 
Licht zu stellen, scheint es mir so natürlich, einem ganz in diesen 
Arbeiten Lebenden und dadurch Berufeneren hierzu das Wort zu 
überlassen *). Die folgenden Zeilen aber sollen es versuchen, 
Lossen in seiner ganzen eigenartigen Persönlichkeit 
uns noch einmal zu vergegenwärtigen und kommenden Ge- 
schlechtern zu schildern. 

In seiner ganzen Vollkraft trat er im Jahre 1874 dem Freunde 
und Amtsgenossen entgegen. In dieser seiner Vollkraft wirkte 
er mit ihm und anderen Mitarbeitern bis zum letzten Jahre seines 
Lebens. In dieser seiner Vollkraft mag er, nachdem ihm am 
31. Dezember 1881 noch der Titel eines Professors an der Berg- 
akademie verliehen worden und ihn am 20. Dezember 1886 die 
philosophische Fakultät der Universität Berlin zu ihrem ausser- 
ordentlichen Professor ernannt hatte, auch heute noch einmal uns 
entgegentreten mit dem sinnigen »Glückauf« für den Fachge- 
nossen, mit dem warmen »Grüss Gott« für jeden, der einst seinen 
Lebensweg kreuzte. 

Wer fühlt, seiner gedenkend, nicht von neuem seinen biederen 
Handschlag, so einzig in seiner Art, so urkräftig und doch so an- 
heimelnd. Vom grossen grauen Schlapphut die breite, trutzige Stirn 


0 Anmerkung der Redaction : Der nächste Band des Jahrbuches wird eine 
Würdigung von Losskn’s wissenschaftlichen Arbeiten enthalten. 


LXXII 


beschattet, steht seine kräftige, gedrungene Gestalt wie einst in ge- 
sunden Tagen vor uns. Sonnig und lebensfrisch trifft uns trotz 
der buschigen dunklen Augenbrauen und der Falten auf der Stirn 
der Blick aus dem vom grossen schwarzen Barte voll umrahmten 
Gesicht, und fast will es uns unglaublich erscheinen, dass die 
Krankheit sich an dieses prächtige Bild gesunder rüstiger Schaffens- 
kraft heraugewagt, dass der Tod ihn so rasch im blühenden 
Mannesalter von 52 Jahren herausgerissen aus reichem, tief ge- 
gründetem Familienglück und einem Kreise von Freunden und 
Collegen, die in seltener Einmüthigkeit ihm unverhohlen ihre auf- 
richtige Verehrung zollten. 

Ja, wer hätte sich nicht sofort zu ihm hingezogen gefühlt, 
wenn ihn der warme, freundliche Strahl dieses nicht grossen, aber 
klaren und treuherzig, ja selbst schelmisch frohen Auges traf, 
wenn ihm Lossen in seiner herzgewinnenden, feinsinnigen Art 
zum ersten Male entgegen trat. Dass uns hier ein Mann von 
seltener Geistes-, Herzens- und Wissensbildung und geradem, 
man möchte sagen, idealem Charakter gegenüber stand, das fühlte 
wohl ein jeder als ersten Eindruck dieses Trefflichen auf sich 
wirken, und wenn er selbst auch mit einer wahrhaft rührenden 
Bescheidenheit seine edlen Eigenschaften, sein Wissen und Können, 
wie etwas Selbstverständliches, dem Lobe und der Anerkennung 
zu entziehen wusste, so »erkannte man, ohne bei dieser Herzens- 
güte und Bescheidenheit gedemüthigt zu sein, doch mit Freude« 
— wie einer seiner Freunde so wahr zugiebt — in ihm nur zu 
oft den besseren Menschen. 

Ohne dabei, wie so häufig, wenn ein Stern am Erdenhori- 
zonte verschwunden ist, ihm eine leere Phrase nachzurufen, kann 
man von Lossen mit Ueberzeugung sagen, er bleibt in vielem 
ein unerreichtes, ja leuchtendes Vorbild. Im Besonderen »das 
Vorbild eines echten deutschen Bergmannes nennt ihn unter den 
zahlreichen Schreiben, die sein Hinscheiden betrauern, das eines 
bedeutenden Mannes der Praxis, pflichttreu, fleissig, gottesfürchtig, 
einfach, voller Liebe und Hingebung für alles Schöne und Gute — «. 

In Gedanken treten wir mit ihm in seinen Familienkreis. 
Wohlig und wohnlich umweht uns die Luft eines echten deutschen 


LXXIII 


Heims, der Stätte, die der Deutsche nun einmal vergeblich zum 
zweiten Mal auf dem Erdenrunde sucht. Seit er am 29. December 
1870, während jenseits des Rheines unter den Anfängen des Bom- 
bardements von Paris das deutsche Reich deutscher Nation sich 
zu einigen begann, in Wiesbaden von einem Verwandten, Pfarrer 
Lossen von Sinz, mit Marie Therese, der am 4. Februar 1839 
geborenen Tochter des Hiittenhorrn der Emmershäuser Hütte 
Joseph Lossen, ehelich verbunden sich einen neuen eigenen Heerd 
gegründet hatte, besass er an ihr die echte deutsche Gattin, die 
in Wort und That es verstand, ihm sein Haus zu einer Stätte der 
Erholung nach geistiger und körperlicher Anstrengung zu ge- 
stalten, ihm die unausbleiblichen Sorgen in Leben und Amt zu 
verscheuchen und die in treuer inniger Liebe an ihm hing. 

Mit ihr sich eines Sinnes fühlend in dem gleichen streng 
religiösen Gefühl, sah er sich durch ihr warmes Interesse an seiner 
Wissenschaft stets neu angeregt und in seinem lebhaften Sinn und 
Verständniss für Kunst und Natur freudig bestärkt. So war er 
nicht nur ein edler Lebensgefährte und eine unersetzlich treue 
Stütze für seine Gattin, sondern genoss auch mit ihr in wirklich 
häuslichem Glücke den vollen Segen einer zufriedenen Ehe. 

Ein Blick in dieses reiche schöne Familienglück in den Weih- 
nachtstagen zeigt ihn uns so recht als den Familienvater des 
deutschen Hauses. 

Auf einem niedrigen, weiss umhüllten Kindertischchen die 
schlanke deutsche Weihnachtstanne und vor ihr, von den schmuck- 
bedeckten Zweigen umschwankt und dem hellen Lichterkranz um- 
strahlt, eine schlichte kleine Holzkrippe mit dem regelrecht auf 
Stroh gebetteten Jesusknäblein aus Wachs; rings an den Wänden 
die schmalen, weiss umhangenen Tafeln, reich mit Geschenken 
für Alt und Jung . bedeckt. Hier war ihm wohl, von dem Fest- 
jubel seiner drei Kinder umringt, an seiner Seite die treue Gefährtin 
froher wie sorgenvoller Tage. Wie sang er da mit dem frommen 
reinen Gemüth eines warmherzigen Kindes die alten deutschen 
Weihnachtsweisen mit, wenn zur Baumplünderung die Spielkame- 
raden seiner Kinder mit diesen und dem Elternpaar den uralten 
Weihnachtsreigen um den im letzten Glanz prangenden Baum 


LXXIV 


zogen; wie treuherzig und tiefempfunden klang dann seine Frage 
an den Knaben, mit dem er, die markige Hand auf seinen Kraus- 
kopf gelegt, vor der Krippe stand: »Gelt Bub, du versprichst doch 
dem Christkindl im nächsten Jahr auch ein recht braver Bub 
zu sein?« 

Lossen war eben das Gegentheil eines in sich abgeschlossenen 
Gelehrten, er fühlte sich im Hause als den Mittelpunkt seiner 
Familie, als den Vater, der sich voll bewusst war, welch’ reicher 
Schatz ihm in seinen Kindern an vertraut, aber auch welche Ver- 
antwortung er geistig und leiblich für sie übernommen. Reiche 
Liebe bot er ihnen neben der ernsten Erziehung zu allem Edlen 
und Hohen und so erntete er auch von ihnen treue Anhänglich- 
keit und wird ihnen noch manchmal in seiner Treue bis in’s 
Kleinste fehlen, aber sie darin auch als nacheiferungswürdiges 
Vorbild umschweben. 

Mit dem echt rheinischen Frohsinn war es dann aber auch 
Lossen so recht gegeben, dem Kreise von Freunden und Be- 
kannten die Stunden geselligen Beisammenseins lieb und gemüth- 
lich zu machen. 

Es grüne die Tanne, 

Es wachse das Erz, 

Gott schenke uns allen, 

Ein fröhliches Herz! 

Diesen Harzer Bergmannsspruch hatte er sich ganz besonders 
zu seinem Lieblingsspruch erkoren und mit ganz besonderer Freude 
hatte er ihn, von seinem ältesten Töchterchen in Holz gebrannt, 
noch am vorletzten Weihnachtstage über der Thür seines Arbeits- 
zimmers befestigt. 

Kein Freund lärmender, prunkender Festlichkeit, liebte er doch 
frische deutsche Geselligkeit, und herzliche Gastfreundschaft empfing 
jeden, der seine Schwelle überschritt. Seine ungemein frische 
Heiterkeit riss unwillkürlich die Gesellschaft mit und er verstand 
es geradezu meisterhaft, trotz launiger Worte sein tief innerliches 
Gemüth zur Geltung zu bringen. Was sein offenes Auge in 
frischem, ja poetischen Empfinden in sich aufnahm, das wusste 
sein Toast auch frisch und fesselnd in warmer Sprache, nicht 
selten gebundener Rede wiederzugeben. 


LXXV 


Jeder hörte ihn gern an sein Glas schlagen ; jeder folgte gern, 
wenn er einer Sache wieder eine neue, hier und da frisch humo- 
ristische Seite abzugewinnen wusste, wobei sich dann sein sonst 
tiefes Organ dem Bilderreichthum harmonisch anschmiegte, der 
sonst im Grunde ernste Ausdruck seiner ehrlichen Augen einer 
begeisterten Wärme Platz machte. Lossen verstand es eben sich 
im Wort wie in der That alle Herzen zu gewinnen, nicht nur 
jedes Ding im lichten Sonnenschein zu sehen, sondern auch diese 
warmen Strahlen auf die Hörer ausgehen zu lassen. 

Wem es nun vergönnt gewesen, Lossen seinen Freund, seinen 
Amts- oder Berufsgenossen zu nennen, der fühlt es mit Recht, 
wie sein Verlust stellenweise eine unausfüllbare Lücke bleiben wird. 

Was Lossen bot, war aufrichtige selbstlose Freundschaft, die 
in ein um so helleres Licht trat, je geringer heutzutage die Schaar 
derer, deren wirklich uneigennützige Freundschaft die Feuerprobe 
zu bestehen vermag. Welche herzliche Theilnahme brachte er 
stets dem Wohl und Weh befreundeter, oft selbst fremder Familien 
entgegen, wie innig wusste er andrer Leid mitzufühlen, wie einzig 
sein edles Mitempfinden auszusprechen. 

Seine treue lautere Gesinnung und wohlmeinende Offenherzig- 
keit sicherten ihm unbeschränktes Vertrauen und allgemein grosse 
Verehrung bei Freunden wie Collegen, so leicht auch sonst oft 
deutsche Geradheit, besonders im wissenschaftlichen Verkehr, bei 
den kleinsten Meinungsverschiedenheiten missverstanden wird. 
Diese Collegialität Lossen’s zeichnet Lepsius recht treffend in 
einem Briefe an die Wittwe, wenn er sagt: »sein stets zuver- 
lässiger und offener Charakter machte ihn bei jedem Collegen be- 
liebt; es war selbst bei verschiedenen Ansichten ein wahres Ver- 
gnügen mit ihm zu disputiren.« 

Wie leicht hätte Missgunst die Bewunderung seiner Tüchtig- 
keit und Fähigkeit, Thatsachen wissenschaftlich zu verwerthen, 
verdunkeln können, wenn nicht seine edle Liebenswürdigkeit und 
sein warmes Interesse für andrer Arbeiten jeden neidlos hätte zu 
ihm aufblicken lassen, der einer der ersten in den Reihen geistiger 
Arbeit war und auch bleiben wird. 

Diese seltenen Eigenschaften machten Lossen denn auch be- 
sonders geeignet für wissenschaftliches Vereinsleben, an dem er 


LXXVI 


regen Antheil zu nehmen pflegte. Nicht nur, dass er bei den 
Sitzungen wie Nachsitzungen der Deutschen geologischen Gesell- 
schaft zu Berlin, der er schon im December 1866 als Mitglied 
beigetreten war, die Sommerzeit natürlich ausgenommen, selten 
fehlte, er war auch seit derselben Zeit (30. December 1866) Mit- 
glied des naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlande 
und Westphalens; seit dem 8. Februar 1868 correspondirendes 
Mitglied der kais. königl. geologischen Reichsanstalt in Wien ; seit 
dem 20. November 1877 Ehrenmitglied der Gesellschaft natur- 
forschender Freunde zu Berlin und ebenso seit dem 20. Januar 
1887 des naturwissenschaftlichen Vereins des Harzes in Wernige- 
rode. Am 2. Mai desselben Jahres, 1887, ernannte ihn die So- 
ciete Beige de Geologie, de Paleontologie et d’Hydrologie zu 
ihrem Membre honoraire; am 5. Juni 1890 die ostpreussische phy- 
sikalisch-ökonomische Gesellschaft zu Königsberg i/Pr. zu ihrem 
auswärtigen Mitgliede; am 25. März 1891 die Geological Society 
of London zu ihrem foreign Correspondent und endlich der Harz- 
verein für Geschichte und Alterthumskunde zu seinem ordent- 
lichen Mitgliede. 

Viele Jüngere haben in Lossen einen ihnen stets mit herz- 
licher Freundlichkeit entgegen kommenden Amts- oder Berufs- 
genossen, einen aufrichtig geliebten Lehrer oder gar einen treuen 
väterlichen Freund und Berather verloren, von dem sie so oftmals 
diese oder jene mündliche wie schriftliche Belehrung und manche 
geistvolle Anregung genossen. 

Ja, ein getreuer Berather war Lossen, dessen offenes, rück- 
haltloses Aussprechen im Verein mit der freundlichen Gefälligkeit 
und Opferwilligkeit in reichem Maasse in Anspruch genommen 
wurde und es ist tief schmerzlich, dass es seinen reichen Anlagen 
nur so verhältnissmässig kurz gestattet war ihre edlen Güter zum 
Wohle der Menschheit zu verwerthen. Wo er zu rathen, zu 
helfen vermochte, da konnte man sicher sein, unser Lossen war 
bereit und was er that, was er thun konnte, das geschah gern 
und bald. 

Auch über die Lehrtätigkeit dieses seltenen Mannes herrscht 
ein einstimmig zu nennendes Urtheil hoher Verehrung unter seinen 


LXXVII 


zahlreichen Schülern, das sich etwa dahin znsammenfassen lässt: 
Das, was er in der Vorlesung und in den damit verbundenen 
[Jebungen bot, lässt sich von seiner gewinnenden, so »überaus 
gemüthvollen Persönlichkeit« nicht trennen. Sein Vortrag 
war »ungemein anziehend, ja begeisternd«; nicht das, was 
man glänzend nennt, aber weit nachhaltiger infolge des sich jedem 
Hörer aufdrängenden Gefühls, dass der Lehrer in seinen form- 
vollendeten, aber unvermittelt aus dem Borne seines reichen 
Wissens geschöpften Vorträgen seine nach angestrengter Arbeit 
errungene und erworbene Ueberzeuguug und damit einen Theil 
seiner Persönlichkeit selbst gab. 

»In den Hebungen liess er das Gefühl der Beschämung über 
eigene Unwissenheit oder Versehen nicht aufkommen. Hatte man 
ein falsches Ergebniss erzielt, so wurde man durch seine humor- 
vollen, jeder Schärfe entbehrenden Bemerkungen in angenehmster 
Weise auf den richtigen Weg geführt.« 

Seinem gerechten und milden Urtheil, obgleich er nicht ge- 
ringe Anforderungen stellte, beugte sich jeder gleichsam leicht. 
Er war, wie Herrmann Cr.edner so wahr sagt, »ein gegen sich 
strenger, gegen andere nachsichtiger Forscher und getreuer Be- 
rather«. 

Ueber Lossen’s Stellung zu seiner Zeit, zu den grossen Er- 
eignissen der 60er und 70er Jahre, als Staatsbürger und zu 
unserm Kaiserhause, das seine Verdienste um die Wissenschaft 
auch am 20. November 1889 mit dem Rothen Adlerorden aus- 
zeichnete, wüsste ich den »diesen treuen und starken Menschen« 
als sein Ideal schildernden Worten eines seiner Vettern kaum 
noch etwas hinzuzufügen, wenn dieser schreibt: »Lossen war ein 
»rocher de bronze« von guter alter Sitte, echt deutschem Wesen, 
umspült, aber nicht erschüttert von der in vielen widerstrebenden 
Richtungen fluthenden Brandung modernen Wesens; conservativ 
im besten Sinne des Wortes, mit Treue behauptend den Stand- 
punkt, auf den ihn Mutter Natur gesetzt, voll rührender Pietät 
gegen die, denen er Liebe schuldig war, und trotz alledem, oder 
vielleicht gerade desslialb , einer der ersten in den Reihen der 
geistigen Arbeit, die unsrer Zeit auferlegt ist.« 


LXXVIII 


(konservativ in jeder Hinsicht und nicht zum wenigstens als 
treuer Sohn seiner katholischen Kirche, der er in kindlicher 
Frömmigkeit wie fester Ueberzeugungstreue bis zum letzten innigen 
Blick auf das seinem Sterbelager gegenüberhängende Cruzifix an- 
gehörte. 

Ctjrtius nennt diesen Zug an Lossen, den mancher, ohne 
ihn mit Händen begriffen zu haben, wohl gern in’s Bereich frommer 
Märchen verwiesen hätte, »die schöne Zuversicht eines durch keine 
Wissenschaft erschütterten Glaubens«. — Nein, nicht bloss un- 
erschüttert, sondern auch zu einer Durchleuchtung seines ganzen 
Lebens geworden und in einer Weise mit seiner Wissenschaft zu 
einem edlen harmonischem Klange verschmolzen, dass man nur mit 
sittlicher Bewunderung zu ihm aufschauen kann, und sein auch 
in diesem Punkte von keinem Flecken getrübtes reines Bild uns 
zugleich ein Vorbild wahrer, tiefer Frömmigkeit, sonder Falsch 
und sonder Aufdrängens bleiben wird. 

Besass Lossen nun einerseits eine geradezu aussergewöhnlich 
robuste Natur, so war ihm dafür ein Genuss ■ — der volle Gebrauch 
seines Gehörs — leider nur zu früh entzogen. Schon bald nach 
seiner Verheirathung war es ihm nicht mehr vergönnt, das Rollen 
des Donners, selbst bei starken Schlägen gewahr zu werden, ob- 
gleich er noch während seiner practischen Thätigkeit in den 
Königl. Preuss. Bergämtern Siegen und Saarbrücken in den 
Jahren 60 und 61, vor Ort schon fern Häuer und Hund mit 
völlig gesundem Gehör erspäht, und dann, nach der Schicht zu 
Tage fahrend, mit frohem Genuss dem Triller der Lerche gelauscht 
hatte. 

Wie schwer musste dann der allmähliche Verlust schmerzen; 
und doch, wie wenig liess es sich Lossen anmerken; wie wusste 
er mit frohem Scherz sich und andere über die erklärlichen Miss- 
verständnisse fortzuhelfen. Nie , auch das herzhafteste Lachen 
seiner Umgebung, sobald Verwechselungen, oft der humoristisch- 
sten Art durch seine Schwerhörigkeit hervorgerufen wurden, konnte 
ihn verstimmen, sondern, sich der allgemeinen Heiterkeit an- 
schliessend, wusste er alles in der launigsten Weise zu verwenden. 
Wie leicht war es ihm sogar beim Gebrauch des Hörrohres durch 


LXXIX 


die leiseste Bewegung in schwierigen Fällen sein Gegenüber kalt 
zu stellen, sich kurz und bündig selbst zum Wort zu verhelfen, 
da er in seinen letzten Jahren nur noch ganz klare, gut accentuirte 
Stimmen mit dem blossen Ohre zu verstehen vermochte. 

Um so schneller und schwerer sollten aber, trotz seiner guten 
Jahre, gesunder und regelmässiger Lebensweise und der aus- 
gezeichneten Pflege in seiner behaglichen Häuslichkeit, die ernsten 
Prüfungen der sogenannten Brightschen Krankheit über ihn herein- 
brechen. Schon im Sommer 1 892 machten sich die ersten Spuren 
des ernsten Uebels bemerkbar, sodass er, obgleich der Reisekoffer 
schon gepackt und alles zum Aufbruch gerüstet war, das Feld 
seiner grössten Thätigkeit, den ihm so lieb gewordenen Harz, 
nicht mehr Wiedersehen sollte und statt dessen im Flinsberger 
Bade in Schlesiens Bergen, das ja leider dem unaufhaltsamen 
Lauf dieses Uebels keinen Einhalt mehr zu thun vermochte, 
Heilung suchte. 

Noch in den letzten Tagen des scheidenden Jahres 1892, 
kurz vor seinem Geburtstag am 5. Januar, sah er einen frohen 
Kreis ihm nah befreundeter Familien um sich, und wohl keiner 
liess es sich träumen, dass der so schwer in ihm zu brechende 
Frohsinn heut zum letzten Mal aus ihm sprach, eine letzte fröhliche 
Stunde des Beisammenseins heraufzauberte, wenn auch schon die 
dauernden Leiden düstre Schatten auf unsres Lossen braves Ge- 
sicht gebreitet hatten, und es gar bald mit seinen Kräften in rasendem 
Schritt bergab ging, bis am 24. Februar der Tod dem harten 
Kampfe seiner letzten Tage, für viele ganz unerwartet, ein ernstes 
Halt gebot, und unsres Lossen treue ehrliche Augen auf immer 
zudrückte. 

Es war keine lange, aber eine reichgesegnete Erdenlaufbahn 
einer in sich harmonischen, wirklich edlen Menschenseele, von der 
wiederum auch reicher Segen ausströmte. 

Alles in allem war Lossen ein Mann, ein ganzer Mann. Mit 
Recht sagt einer seiner geistlichen Freunde: »Devant cette grande 
douleur le savant s’eflace et c’est a peine si je pense aux merites 
scientifiques de notre eher defunt, rnalgre la haute position que 
son talent et sa science lui avaient conquises, je ne pense qu’aux 


LXXX 


admirables qualites de son coeur, a ses vertus chretiennes et a sa 
foi profonde.« Und dasselbe sagt in merkwürdigster Ueberein- 
stimmung — fast möchte man sagen in freier Uebersetzung, wenn 
es eben nicht der Ausdruck einer sich allgemein aufdrängenden 
gleichen Empfindung wäre — einer seiner gelehrten Freunde vom 
Fach, der gerade seine wissenschaftlichen Leistungen voll zu wür- 
digen versteht: »Seine wissenschaftliche Bedeutung tritt fast zu- 
rück vor der seltenen Grösse des Menschen, dem Adel seiner Ge- 
sinnung und der Reinheit seines Herzens. — 

Er hatte nur Freunde!« 


Berendt. 




GxAy. 


LXXXI 


+ 

Anton Halfar. 


Anton Halfar wurde am 21: October 1836 auf Ratscher 
Mühle im Kreise Ratibor geboren. Nach Absolvirüng des Gym- 
nasiums trat er am 19* Mai 1856 als Bergwerksbeflissener in den 
Vorbereitungsdienst für die höhere Bergcarriere im Staatsdienst 
ein und wurde im März 1864 zum Königl. Bergeleven ernannt. 
In den Jahren 1864 bis 1869 sehen wir ihn unter der Leitung 
von Ferdinand Roemer bei der Herstellung der geologischen 
Karte von Oberschlesien beschäftigt. Nach deren Vollendung 
trat er wieder zum practischen Bergfach zürück und wurde zu- 
nächst auf ein halbes Jahr als Bergrevierdiätar zu Neurode in 
Schlesien, vom 1. Mai 1870 bis zum 1. Juli 1871 sodann als 
technischer Hülfsarbeiter bei der Königl. Berginspection Clausthal 
verwandt. Während dieses in Clausthal verlebten Jahres be- 
theiligte er sich auch bereits an den geologischen Aufnahmen im 
Oberharze, ohne jedoch zu der geologischen Landesanstalt in ein 
bestimmtes Verhältniss zu treten. Vom 1. Juli 1871 bis zum 
15. Mai 1873 wirkte er als technischer Lehrer an der Königl. 
Bergschule zu Saarbrücken. Zum letzteren Termin wurde er 
an die geologische Landesanstalt nach Berlin berufen, welcher er 

f 


J ahrbuch 1893. 


LXXXII 


von da ab, mit Ausnahme eines halbjährigen Commissoriums zur 
Vertretung des erkrankten Directors, sowie des ersten Lehrers 
an der Bergschule zu Bochum im Jahre 1876, seine Thätigkeit 
bis an sein Lebensende gewidmet hat, zunächst diätarisch, dann 
(seit dem 22. August 1874) als technisch- wissenschaftlicher Secretär, 
zuletzt (seit dem 1. April 1889) als Königl. Bezirksgeolog. — 

In wissenschaftlicher Hinsicht ist A. Halfar’s Name mit 
zwei räumlich zwar weit getrennten, aber in mancher Hinsicht 
doch ähnlichen Gebieten eng verknüpft: mit dem Altvatergebirge 
und dem Oberharze. Bei der Vertheilung des Gebietes der geo- 
logischen Karte von Oberschlesien , welches über die preussische 
Landesgrenze hinausgreift, unter die einzelnen Mitarbeiter wurde 
ihm der westlich der Oder belegene Theil übertragen, welcher, 
abgesehen von dem flachen Gebirgsvorlande , besonders das Alt- 
vatergebirge umfasst. Bei der Kartirung dieses zum Theil aus 
paläozoischen Schichten bestehenden Gebietes hatte A. Halfar 
jene Erfolge, welche seinen Namen in der wissenschaftlichen Welt 
zuerst bekannt machten. Abgesehen von dem Nachweis devo- 
nischer Schichten in der Gegend von Bennisch ist es besonders 
die wichtige Entdeckung von Versteinerungen des Unterdevon in 
den Quarziten des Dürrberges bei Würbenthal in Oesterr.-Schlesien, 
welche einzig und allein sein Verdienst ist. Diese mächtigen,, 
hellfarbigen Quarzite waren vorher, u. A. von den österreichischen 
Geologen, zum krystallinischen Urgebirge gerechnet worden. Um 
so grösser war die Ueberraschung, als es Halfar’s unermüdlichem 
Eifer nach langem Suchen gelang, eine ganze Reihe von Ver- 
steinerungen in ihnen zu entdecken, welche das unterdevonische 
Alter ausser Zweifel stellten. Die Versteinerungen wurden von 
Ferdinand Roemer zuerst in Band 17 der Zeitschrift der Deut- 
schen geologischen Gesellschaft und später in der »Geologie von 
Oberschlesien« beschrieben. — Was ausserdem noch durch Halfar 
für die geologische Erkenntniss in jenem Gebiete geleistet worden, 
ist im Einzelnen nicht mehr nachzuweisen, da in der »Geo- 
logie von Oberschlesien« der geistige Antheil der einzelnen Mit- 
arbeiter an dem grossen Werke meist nicht besonders gekenn- 
zeichnet wird. 


LXXXIII 


Im Oberharze war A. Halfar ursprünglich das Gebiet zwi- 
schen Innerste und Oker übertragen ; später wurde sein Revier 
auf den nördlich des Bockswiese-Festenburg-Schulenberger Gang- 
zuges belegenen Theil des Messtischblattes Zellerfeld und den 
hercynischen Antheil des Blattes Goslar beschränkt. Von diesem 
vorwiegend aus devonischen Schichten bestehenden Gebiete hat 
Halfar dann im Laufe der Jahre eine geologische Karte herge- 
stellt, welche an minutiöser Genauigkeit nirgends ihres Gleichen 
haben dürfte. Tektonisch ist das Gebiet ausserordentlich schwierig 
durch die ungemein grosse Zahl von Längs- und Querzerreissungen, 
welche dasselbe durchsetzen. Der Ermittelung dieser, oft nur ge- 
ringfügigen Verwerfungen war die meiste Arbeit des Verstorbenen 
gewidmet. Ein ausserordentlich genauer Beobachter, ruhte er 
nicht eher, als bis er jede Frage bis in das kleinste Detail auf- 
geklärt hatte. Dabei stellte es sich ihm dann allerdings bald 
heraus, dass eine genaue Eintragung seiner Beobachtungen un- 
mittelbar in den Rahmen des Messtischblattes im Maassstabe 
1 : 25 000 nicht möglich sei. Er gründete deshalb seine Auf- 
nahmen auf eine überaus grosse Zahl von einzelnen Croquis, 
welche von ihm mühsam zunächst zu einem Ganzen im Maassstabe 
1 : 5000 verbunden und sodann unter Benutzung mechanischer 
Hülfsmittel auf den Maassstab des Messtischblattes reducirt wurden. 

Hand in Hand mit der kartographischen Darstellung der 
tektonischen Verhältnisse gingen die Untersuchungen über die 
Verbreitung und Gliederung der innerhalb des Gebietes auftreten- 
den Schichten. Auch in dieser Beziehung verdanken wir A. Halfar 
viele werthvolle Resultate, von denen u. A. nur an den Nachweis 
eines ganz allmählichen Ueberganges vom Unterdevon zum Mittel- 
devon, sodass eine scharfe Grenze nicht zu ziehen ist, ferner an 
den Nachweis des unteren Oberdevon innerhalb der sogenannten 
Kramenzelkalke erinnert sein möge. Auch der Name »Goslarer 
Schiefer«, mit welchem jene besonders in der Gegend von Goslar 
sehr verbreiteten mitteldevonischen Schiefer bezeichnet wurden, in 
denen das Rammeisberger Erzlager auftritt, rührt von A. Halfar 
her. Auch paläontologisch war der Verstorbene vielfach thätig; 
nicht nur füllte die sorgfältige Bestimmung der zahlreichen von 


LXXXIV 


ihm im Felde gesammelten Versteinerungen einen grossen Theil 
seiner Zeit aus, — besonders wichtig erscheinende Funde hat er 
auch in besonderen Aufsätzen eingehender beschrieben, so den 
Pentamerus hercynicus , das Conocardium Bocksbergense und noch 
in letzter Zeit die erste Asteride aus dem Unterdevon des Ober- 
harzes. Die wissenschaftlichen Arbeiten A. Halfar’s finden sich 
zerstreut in den Jahrgängen der Zeitschrift der Deutschen geo- 
logischen Gesellschaft seit 1875 und in den Bänden des Jahr- 
buches der Königl. geologischen Landesanstalt. 

In Fragen, welche Gebiete betrafen, die ihm durch eigene 
Erfahrung bekannt und vertrant waren, hatte der Verstorbene ein 
sehr selbstständiges Urtheil ; vor wissenschaftlicher Autorität, 
welche auf gediegene Arbeiten gegründet war, hegte er jedoch 
stets eine hohe Achtung. Ein besonders hervorstechender Zug 
war seine neidlose Anerkennung der Verdienste Anderer, selbst 
wenn sie geeignet waren, seine auf langjährige Beobachtungen 
gestützte Anschauung zu modificiren oder zu widerlegen. Die- 
jenigen Fachgenossen, welche im Jahre 1893 an der Excursion 
durch das Okerthal gelegentlich der allgemeinen Versammlung 
der Deutschen geologischen Gesellschaft zu Goslar theilnahmen, 
werden sich dieser sympathischen Eigenschaft des Verblichenen 
gern erinnern. 

A. Half AR war unverheirathet und suchte und fand daher 
seinen Verkehr, soweit ihm seine rastlose Thätigkeit dazu Zeit 
liess, ausserhalb des Hauses, sei es im Kreise seiner Collegen, sei 
es in der Gesellschaft sonstiger Freunde. Er war ein durchaus 
offener, ehrlicher Charakter, in dem kein Falsch war; er gab sich 
so wie er war und setzte dasselbe von Anderen voraus. Eine 
mittheilsame Natur, machte es ihm besondere Freude, Collegen 
einen Einblick in seine Arbeiten zu verstatten und ihnen die unter 
mannigfachen Mühen gewonnenen Resultate derselben ausein- 
anderzusetzen. In anregender Gesellschaft erzählte er besonders 
gerne von seinen oben erwähnten Entdeckungen im Altvater- 
gebirge. Lebendig wusste er zu schildern, wie er, um durch das 
vielleicht fruchtlose Beginnen die Kartenaufnahmen nicht zu beein- 
trächtigen, Sonntag für Sonntag auf den Dürrberg gewandert sei 


LXXXV 

und dort mit grossen Hämmern Platte auf Platte zerklopft habe, 
bis endlich die ersten Versteinerungen die aufgewandte Mühe und 
Anstrengung gelohnt hätten. 

Unter seinen Collegen war der Verstorbene wegen seines 
offenen, stets freundlich entgegenkommenden Wesens, seiner frohen 
Laune, die auch durch seine Neigung, die kleinen Sorgen des 
täglichen Lebens zu ernst zu nehmen, nicht auf lange verscheucht 
werden konnte, allgemein beliebt, und als am 21. November 1893 
die Kunde uns ereilte, dass A. Half AR nach nur kurzer Krank- 
heit von uns geschieden sei, da war die Trauer aufrichtig und 
allgemein. — In späten Jahren erst war es ihm vergönnt gewesen, 
eine Stellung sich zu ei*ringen, wie sie ihm von Jugend auf als 
Ideal vorgeschwebt hatte, und nur kurze Zeit hat er sich ihrer 
erfreuen dürfen. Möge ihm die Erde leicht sein! 

L. Beushausen. 


LXXXYI 


7. 

Personal -V erhältnisse 

bei der Königl. Preuss. geologischen Landesanstalt 
und Bergakademie am 1. Januar 1894. 


Kuratorium. 

1. Oberberghauptmann Freund, Director der Abtheilung für das 

Berg-, Hütten- und Salinenwesen im Ministerium für 
Handel und Gewerbe. 

2. Geheimer Regierungsrath Professor Dr. Rammelsberg. 

3. Geheimer Bergrath Leuschner. 

4. Geheimer Oberbergrath Dr. Hauchecorne. 

5. Geheimer Bergrath Professor Dr. Beyrich. 

Vorstand. 

1. W. Hauchecorne, Dr. phil., Geheimer Oberbergrath, erster 

Director der Gesammtanstalt. 

2. E. Beyrich, Dr. phil., Geheimer Bergrath, ordentl. Professor 

an der Universität, Director für die wissenschaftliche Lei- 
tung der geologischen Landesaufnahme, zugleich Lehrer 
der Geognosie bei der Bergakademie. 

Bei der geologischen Landesaufnahme. 

A. Landesgeologen. 

1. G. Berendt, Dr. phil., ausserordentl. Professor an der Uni- 

versität , mit der speciellen Leitung der Flachlandsauf- 
nahmen beauftragt. 

2. H. Grebe in Trier. 


LXXXVII 


3. H. Loretz, Dr. phil. 

4. F. Wahn schaffe, Dr. phil., Professor, Privatdocent an der 

Universität, zugleich Lehrer der Geologie bei der Berg- 
akademie. 

5. E. Dathe, Dr. phil. 

6. F. Beyschlag, Dr. phil., zugleich beauftragt mit Vorträgen 

über Lagerstättenlehre bei der Bergakademie. 

7. K. Keilhack, Dr. phil. 

8. Th. Ebert, Dr. phil., zugleich beauftragt mit Abhaltung 

palaeontologischer Repetitorien und Uebungen bei der 
Bergakademie. 


B. Bezirksgeologen. 

1. M. Koch, Dr. phil., zugleich beauftragt mit Vorträgen über 

Petrographie und mikroskopische Physiographie der Mine- 
ralien bei der Bergakademie. 

2. H. Schröder, Dr. phil. 

3. R. Scheibe, Dr. phil., zugleich Lehrer der Mineralogie bei 

der Bergakademie. 

4. E. Zimmermann, Dr. phil. 

5. A. Leppla, Dr. phil. 


C. Hülfsgeologen. 

]. A. Jentzscpi, Dr. phil., Professor, Privatdocent an der Uni- 
versität in Königsberg i. Pr. 

2. R. Klebs, Dr. phil., in Königsberg i. Pr. 

3. H. Potonie, Dr. phil., zugleich beauftragt mit Vorträgen 

über Pflanzenversteinerungskunde bei der Bergakademie. 

4. L. Beushausen, Dr. phil. 

5. G. Müller, Dr. phil. 

6. A. Denckmann, Dr. phil. 

7. C. Gagel, Dr. phil. 

8. O. Zeise, Dr. phil. 

9. B. Kühn, Dr. phil. 


LXXXYin 


D. Nicht angestellte Mitarbeiter. 

1. Th. Liebe, Dr. phil., Professor, Hofrath, in Gera. 

2. K. von Fritsch, Dr. phil., ordentl. Professor an der Uni- 

versität in Halle a. S. 

3. A. von Koenen, Dr. phil., ordentl. Professor an der Uni- 

versität in Göttingen. 

4. E. Kayser, Dr. phil., ordentl. Professor an der Universität 

in Marburg. 

5. H. Bücking, Dr. phil., ordentl. Professor an der Universität 

in Strassburg i. E. 

6. H. Grüner, Dr. phil., Professor an der landwirthschaftlichen 

Hochschule in Berlin. 

7. E. Holzapfel, Dr. phil., Professor an der technischen Hoch- 

schule in Aachen. 

8. H. Proescholdt, Dr. phil., Oberlehrer in Meiningen. 

9. W. Frantzen, Bergingenieur in Meiningen. 

E. Als Hülfsarbeiter bei den Flachlandaufnahmen 
beschäftigte Kulturtechniker und Landmesser. 

1. Th. Wölfer, Dr. phil., Kulturtechniker. 

2. Fr. Reimann, Landmesser. 


Bei der Bergakademie. 

A. Lehrer. 

1. R. Finkener, Dr. phil., Professor, Lehrer der Chemie, Vor- 

steher des Laboratoriums für Mineralanalyse. 

2. B. Kerl, Professor, Geheimer Bergx-ath, Lehrer der allge- 

meinen Hüttenkunde, der chemischen Technologie und der 
Löthrohrprobirkunst. 

3. H. Wedding, Dr. phil., Professor, Geheimer Bergrath, Lehrer 

der Eisenhüttenkunde und Eisenprobirkunst. 

4. A. Hörmann, Professor, Lehrer der Mechanik, der Maschinen- 

lehre und der metallurgischen Technologie. 


LXXXIX 


5 . 

6 . 

7. 

8 . 

9. 

10 . 


1 . 


2 . 

3. 

4. 

5. 


6 . 


A. Schneider, Professor, Lehrer der Markscheide- und Mess- 
kunst und der Aufbereitungskunde. 

Gr. Franke, Professor, Lehrer der Bergbau- und Salinenkunde. 

(1 — 6 etatsmässig angestellt.) 

A. Eskens, Geheimer Oberbergrath, Lehrer des Bergrechts. 

J. Gebauer, Geheimer Bergrath, Lehrer der Bauconstructions- 
lehre. 

G. Brelow, Ingenieur, Lehrer der darstellenden Geometrie, 
des Zeichnens und Construirens. 

F. Kötter, Dr. phil., Lehrer der höheren Mathematik. 

(7 — 10 nicht etatsmässig angestellt.) 


B. Chemiker. 

O. Püeahl, Dr. phil., Assistent im Probirlaboratorium , zu- 
gleich beauftragt mit Vorträgen über Gasanalyse und 
Elektrometallurgie. 

Th. Fischer, erster Assistent in dem Laboratorium für 
Mineralanalyse. 

R. Holverscheit, Dr. phil., zweiter Assistent daselbst. 

A. Lindner, Dr. phil., ] 


Untersuchung. 


Bei der Chemisch -technischen Versuchsanstalt. 

Vorsteher: Finkener, Professor Dr., s. o. 

Chemiker: 

1. J. Rothe (Erster Chemiker und Stellvertreter des Vorstehers). 

2. C. Radau, Dr. phil., 4. C. Virchow, Dr. phil., 

4. K. Haack, Dr. phil., 5. R. Wache, Dr. phil. 

6. M. Hohensee. 


Bibliothek. 

Vorstand: Hauchecorne, s. o. 
Bibliothekar: O. Eberdt, Dr. phil. 

•f ** 


xc 


Verwaltung. 

1. R. Wernicke, Secretär und Rendant. 

2. E. Ohmann, Zeichner. 

3. H. Bruchmüller, Secretär und Kalkulator. 

4. W. Pütz, Zeichner. 

5. K. Boenecke, Secretär. 

6. W. Bottmer, Secretär und Registrator. 


II. 

Abhandlungen 


Mitarbeitern 

der Königlichen geologischen Landesanstalt. 














Ueber den geologischen Bau des Centralstocks 
der Rhön. 

Von Herrn H. Proescholdt in Meiningen. 

(Hierzu Tafel II.) 


Die beigegebene Uebersichtskarte stellt ein Gebiet dar, das 
zwar nicht die höchste Erhebung der Hohen oder Langen Rhön 
oder Plattenrhön einschliesst, trotzdem aber als der höchste Theil 
des Rhöngebirges anzusehen ist. Die höchsten Punkte des letzteren 
sind: Wasserkuppe 952,7 Meter, Kreuzberg 930,3 Meter, Dammers- 
feld 930 Meter, Vorderer Heideistein 926,6 Meter. Dann folgt 
erst der höchste Gipfel des Kartengebietes, der Hintere Heideistein 
mit 915 Meter, und weiter der Stirnberg mit 902,9 Meter. Ein 
Blick auf die Höhenschichtenkarte der Rhön und des nordwest- 
lichen Thüringer Waldes in. Vnoooo von H. Ravenstein oder auf 
die nicht immer zuverlässige Höhenschichtenkarte der Rhön 
in Viooooo von Dr. Hosfeld zeigt aber, dass nirgends im Rhön- 
gebirge die Fläche über 800 Meter Meereshöhe eine so grosse 
Ausbreitung gewinnt als in der Umgegend der zwei zuletzt ge- 
nannten Berge. Topographisch erscheint das Massiv des Heidei- 
steins als der Centralstock des Gebirges, da von ihm die Platten- 
rhön sich in Hufeisenform in nordwestlicher Richtung nach der 
Wasserkuppe hinüberzieht, während nach SW. hin der scharf 
hervortretende Kuppenzug ausläuft, der über den Himmeldank- 
berg, Eierhauck und andere Spitzen nach dem Dammersfeld führt. 


Jahrbuch 1893. 


1 


2 


H. Proescholdt , Ueber den geologischen Bau 


Von den verschiedenen Theilen der Rhön ist das Kartengebiet 
wohl der einsamste und am wenigsten begangene. Im Allgemeinen 
bildet es eine ziemlich ebene, baumlose, öde Hochfläche, die bei 
den ausgedehnten Wiesenflächen und äusserst sparsamen Ent- 
blössungen des Bodens für den Geologen wenig Verlockendes 
bietet. 

Dem sehr einförmigen orographischen Bau der Hohen Rhön 
scheinen bei flüchtigen Begehungen zunächst auch sehr einfache 
geologische Verhältnisse zu entsprechen. Die kartographischen 
Specialaufnahmen haben indess diese Vermuthung, die von den 
älteren Rhöngeologen vertreten worden ist, nicht bestätigt. Viel- 
mehr hat es sich herausgestellt, dass die Triasunterlage der Rhön 
von zahlreichen und bedeutenden Verwerfungen durchsetzt ist. 
Auf der Uebersichtskarte kommen allerdings solche nicht deutlich 
zum Vorschein, da sie zumeist erst am Steilrand des Gebirges 
hervortreten, ausserdem aber von den Eruptivmassen verdeckt sind. 
Aber dicht am westlichen Kartenrand wurde von Professor Bücking 
und mir am Ostabhange des Ottiliensteines im obersten Theil des 
Ulsterthaies eine nordnordwestlich verlaufende Störung zwischen 
Röth- und Nodosenschichten beobachtet, die offenbar in südsüd- 
östlicher Richtung die Triasunterlage des Heideisteins durchzieht. 

Daher treten auf der Hohen Rhön sehr verschiedenalterige 
Triasschichten: Mittlerer und Oberer Buntsandstein, Wellenkalk, 
Mittlerer und Oberer Muschelkalk und Kohlenkeuper zu Tage 
und zwar in annähernd gleicher Meereshöhe. So liegt der Mittlere 
Buntsandstein an der Strasse von Bischofsheim nach Wüstensachsen 
nahezu 750 Meter hoch, der Anhydrit am Südfusse des Heidei- 
steins zwischen 800 und 850 Meter Höhe. 

Die Dislocationen in den Triasschichten sind, soweit meine 
Beobachtungen reichen, grösstentheils vor Ausbruch der Eruptiv- 
gesteine erfolgt; die zahlreichen Basaltdurchbrüche scheinen nur 
locale und meist recht unbedeutende Schichtenstörungen hervor- 
gerufen zu haben. 

Ueber der Trias lagern die Tertiärbildungen in ganz ver- 
schiedener Höhe, die Berührungsfläche der beiden Formationen ist 
ausserordentlich uneben gestaltet und lässt deutlich erkennen, dass 


des Centralstocks der Rhön. 


3 


das Gebiet vor Ablagerung des Tertiärs ein sehr zerrissenes, von 
tiefen Thälern durchfurchtes Terrain war, das im Allgemeinen aber 
von W. nach O. sich abdachte. Denn am Ostrand der Hohen 
Rhön liegen die Tertiärschichten insgesammt tiefer als am West- 
rand. Dieser vortertiäre Zustand des Rhöngebietes ist besonders 
bemerkenswerth, weil er die Orientirung in den Tertiärsedimenten 
weit schwieriger macht als beispielsweise im Vogelsberg in der 
Gegend von Gelnhausen *), wo das Tertiärmeer aus der Trias- 
unterlage eine mehr oder weniger ebene Oberfläche herstellte, 
auf der sich dann erst die tertiären Schichten absetzten. 

Im Folgenden soll der Versuch unternommen werden, die 
gegenseitigen Lagerungs- und Altersverhältnisse der verschiedenen 
Eruptivgesteine, die am Aufbau der Hohen Rhön theilnehmen, 
darzustellen. Die Untersuchungen darüber sind noch nicht ab- 
geschlossen, aber eine sehr grosse Anzahl mikroskopischer Analysen 
von über 100 Punkten des Kartengebietes verbunden mit einer 
mehrjährigen Begehung hat eine mehr oder minder genaue Ueber- 
sicht über die Verhältnisse geschaffen. Ein wirklich richtiges 
Bild von denselben zu geben, ist zur Zeit nicht möglich und wird 
auch späterhin nicht leicht möglich sein, dazu reichen die seltenen 
Aufschlüsse nicht aus. 

Es möge an dieser Stelle erwähnt sein, dass Lepsius * 2 ) nicht 
Recht hat, wenn er meint, dass die vielfach entblössten Bergge- 
hänge und die tiefen Thaleinschnitte der Rhön die Zeichnung von 
Profilen wie in keinem anderen vulkanischen Gebiete Deutschlands 
erleichtern. Wohl ziehen eine ganze Anzahl Gräben von der 
Höhe des Gebirges in das Vorland herunter; dieselben sind aber 
entweder überwachsen oder mit Basaltblöcken so überrollt und 
vollgestopft, dass nur stellenweise die wirkliche Unterlage sicht- 
bar wird; ausserdem liefern die verschiedenen Gräben ganz ver- 
schiedene Profile, so dass jeder einzelne derselben für sich zu 
irrigen Vorstellungen über den Aufbau der Hohen Rhön führt, 
wie dies z. B. der schöne Aufschluss im Eisgraben gethan hat. 


’) Bücking, Text zu Blatt Gelnhausen d. geol. Specialkarte v. Preussen S. 4. 

2 ) Geologie von Deutschland, Bd. I, Lief. 3, S. 747. 


1 


4 


H. PitoEscuoiiDT, Ueber den geologischen Bau 


Die Steilgehänge der Rhön sind grossentheils überrast oder dicht 
bewaldet und meist von Basalt so überrollt, dass auch sie nur 
sehr selten Gelegenheit zur Aufnahme von Profilen über grössere 
oder kleinere Strecken der Tertiärgesteine geben. 

Die Abgrenzung der verschiedenen Basalte von einander kann 
daher mehrfach nur approximativ sein und dies um so mehr, weil 
Blöcke und Schotter von den obersten Basaltmassen zerstreut über 
das ganze Terrain liegen und dadurch sehr leicht zu falschen 
Annahmen verleiten. Makroskopisch lassen sich einzelne Basalte 
von einander mit einiger Sicherheit unterscheiden, andere trotz 
verschiedener mineralogischer Zusammensetzung indessen durchaus 
nicht. Auch die Abgrenzung der Basalte gegen die Tuffe und 
Tertiärsedimente ist mit grossen Schwierigkeiten verbunden. An 
vielen Orten wird die Grenzlinie durch das Hervorbrechen von 
zahlreichen, in demselben Niveau liegenden Quellen annähernd 
genau gegeben, in manchen Gegenden aber ist es sehr zweifelhaft, 
ob unter der alles einhüllenden Grasdecke Tuffe oder Basalte 
liegen. Daher weichen die vorhandenen geologischen Karten von 
der Hohen Rhön sehr wesentlich von einander ab. Auf der 1853 
erschienenen geologischen Karte von Kurhessen von Schwarzen- 
berg und Reuss erscheint das Kartengebiet als eine zusammen- 
hängende Basaltmasse, während von Gümbel auf der von ihm 
1892 herausgegebenen geologischen Uebersichtskarte der Rhön 
den Tuffbildungen den vorherrschenden Antheil an der Oberfläche 
der Hohen Rhön zuschreibt. 

Die Eruptivgesteine der Karte treten in Gängen und Kuppen, 
hauptsächlich aber in Decken auf. Nach der Art und Weise 
ihres Vorkommens und nach ihrer mineralogischen Zusammen- 
setzung können sie nach den bisherigen Untersuchungen in 6 ver- 
schiedene Gesteinsarten unterschieden werden : Phonolith, Dolerit, 
ältere und jüngere Plagioklasbasalte, Limburgit, Nephelinbasalt. 

Da im Bereich des Blattes Sondheim noch andere Gesteins- 
varietäten auftreten, so soll eine zusammenhängende und eingehende 
Darstellung der Eruptivgesteine erst im Text des Blattes gegeben 
werden, das Folgende aber eine kürze Charakteristik der für die 
Uebersichtskarte wichtigen Gesteinsarten enthalten. 


des Centralstocks der Rhön. 


5 


I. Phonolith. 

Der Phonolith tritt nur an einer Stelle zwischen Stellberg 
und Stürnberg, hier aber in ziemlich beträchtlicher Ausdehnung 
zu Tage. 

Das plattige Gestein ist im frischen Zustande grau bis grau- 
grün, fettglänzend, dicht, im verwitterten schmutzig -weiss; aus 
der Masse treten nur sehr vereinzelt grössere Sanidintäfelchen 
hervor. Unter dem Mikroskop erscheint der Phonolith zusammen- 
gesetzt aus Sanidin, der durchaus vorw^ltet, Plagioklasen in sehr 
ungleicher Verbreitung, deren Anordnung stellenweise eine deut- 
liche Stromstructur zeigt, sparsam vorhandenem Nephelin und 
grünem Augit , Magneteisen , Titaneisenblättchen und grauem 
Apatit. Hauyn wurde nicht beobachtet. 

Das Gestein ist dem von Lenk 1 ) untersuchten Phonolith 
vom Kreuzberg und Käuling sehr ähnlich und würde wie dieser 
zu den Plagioklas -Phonolithen zu rechnen sein, wenn diese Be- 
zeichnung beibehalten werden soll. 

Der Phonolith vom Stellberg ist älter als die meisten Basalte 
der Rhön. Im obersten Theil des Heuwiesenwassergrabens zwi- 
schen Stürnberg und Stellberg wird er von mächtigen Agglo- 
meratmassen bedeckt, die sich hauptsächlich aus Phonolith und 
Buntsandstein zusammensetzen und von Feldspath- und Nephelin- 
basaltdecken überlagert werden. 

II. Die Dolerite. 

In unerwartet grosser Verbreitung treten die Dolerite am 
Ostrande der Hohen Rhön zu Tage und zwar nach den bis- 
herigen Beobachtungen nur deckenförmig, wie das besonders am 
Strutberg deutlich und klar zu beobachten ist. Es möge hier so- 
gleich betont werden, dass diese Gesteine nicht wohl als eine be- 
sonders grobkörnige Erstarrungsmodification von Plagioklasbasalten 
aufzufassen sind, sie zeigen überall denselben Charakter, Ueber- 
gangsformen fehlen. 


l ) Zur geologischen Kenntniss der südlichen Rhön, S. 35. 


6 


H. Proescholdt , Ueber den geologischen Bau 


Untersucht wurden Gesteine von der Kalten Buche, Strut- 
berg, östlich vom Steinernen Haus, Gangolfsberg, westlich der 
Rother Kuppe, Erdfall und Reipertsgraben. Sie zeigen sowohl in 
der Structur als auch in der mineralischen Zusammensetzung eine 
grosse Uebereinstimmung. Den Dolerit vom Strutberg hat be- 
reits Lenk eingehend beschrieben ; seiner Beschreibung vermag 
ich hier wenig hinzuzusetzen. 

Das ausgezeichnet körnige Gestein wird zusammengesetzt aus 
Plagioklas, Augit, Titaneisen, Magneteisen, Olivin und einer 
schmutzig-braunen, körnig und trichitisch entglasten Grundmasse. 
Der Plagioklas ist der bei weitem vorherrschende Bestandteil, 
er ist sehr frisch, frei von Einschlüssen, sinkt nie unter eine ge- 
wisse Grösse herunter und wird bis 2 Millimeter lang. Dem ver- 
witterten Gestein verleiht er ein ganz eigentümliches Aussehen 
(Trachydolerit Ludwig’s). Ausser ihm findet sich, allerdings selten, 
ein Feldspat, der sich wie Sanidin verhält und meist Zonar- 
structur aufweist. Sehr bemerkenswert ist das Verhalten des 
Augits. In manchen Schliffen ist seine Menge ausserordentlich 
gering, in anderen wird sie dagegen der des Feldspates annähernd 
gleich. Dabei ist das Mineral, das im gewöhnlichen Licht meist 
farblos erscheint, selten individualisirt, sondern tritt gewöhnlich 
in körnigen Aggregaten auf, wie schon Lenk angiebt. 

Titaneisen und Olivin kommen in jedem Schliff vor, die 
Menge des letzteren ist jedoch eine sehr veränderliche. 

Magneteisen tritt neben dem Titaneisen sehr zurück, es ist 
sehr wahrscheinlich, dass es, wie Lenk meint, secundärer Ent- 
stehung ist und von der Zersetzung der Olivine herstammt. 

III. Die älteren Plagioklasbasalte. 

Zu ihnen gehört ein Basalt, der älter ist als der Dolerit und 
in nur unbedeutender Verbreitung bekannt geworden ist, und 
eine Anzahl jüngerer Gesteine, die in ausserordentlich grosser 
Verbreitung den Dolerit mit den zugehörigen Tuffen, aber auch 
stellenweise die Trias unmittelbar deckenförmig überlagern. 

Das erstere Gestein ist am besten im oberen Elzbachgrund 
zu beobachten. Es ist ein dichter, splitteriger, auf frischer Bruch- 


des Centralstocks der Rhön. 


7 


fläche blauschwarz aussehender Basalt, der stellenweise blasig 
ausgebildet erscheint und mit blossem Auge sichtbare braune 
Glimmerblättchen führt. Unter dem Mikroskop ist er dem Dolerit 
sehr ähnlich. Der durchaus vorwiegende Bestandteil ist Plagio- 
klas, dessen Leisten bis 0,2 Millimeter gross werden. Augit, 
Titaneisen, Olivin treten an Menge sehr zurück, noch mehr 
Glimmer und Magneteisen. Gröberes Korn wurde bei diesem 
Gestein bisher nirgends beobachtet. 

Auf der Karte ist es mit dem Dolerit vereinigt dargestellt 
worden. 

Die übrigen älteren Plagioklasbasalte zeigen in ihrem Aussehen 
erhebliche Verschiedenheiten und sind vielfach von den Nephelin- 
basalten makroskopisch nicht zu unterscheiden. 

Das mikroskopische Bild, das sie bieten, ist ebenfalls in 
mancher Hinsicht verschieden. Ein Theil der Basalte ist zu- 
sammengesetzt aus einer meist spärlich vorhandenen, schmutzig- 
weissen, isotropen Grundmasse und einem sehr gleichkörnigen 
Gemenge von Plagioklas, Augit, Olivin und Magnetitkörnern, 
das zuweilen durch grosse Einsprenglinge von Olivin Porphyr- 
structur annimmt. Die Plagioklasleisten sind durchschnittlich 
0,1 Millimeter lang, etwas kleiner die Augite. Basalte von der 
erwähnten Structur und Zusammensetzung wurden beobachtet im 
Reipertsgraben , an der Sumpfkuppe , nördlich vom Gangolfs- 
berg, unterhalb der kalten Buche, am Bauersberg, südlich vom 
Rhönhaus u. s. w. 

Von recht gleichmässigem, aber gröberem Korn als die vor- 
hergehenden erscheint eine gewisse Gruppe Feldspathbasalte, die 
sich in grosser Verbreitung finden. Zu ihnen gehört u. a. der 
Basalt vom Stirnberg, nördlich der Sumpf kuppe, von der Teufels- 
mühle, am Bauersberg unmittelbar über der Zeche, an der kalten 
Buche, am Strutberg dicht am Steinernen Haus, am Ilmenberg. 
Die Gesteine der 5 zuletzt genannten Localitäten sind sehr arm 
an Plagioklas und führen auffällig eisenreiche Olivine ; die Grund- 
masse tritt in ihnen wie auch bei den übrigen sehr zurück, da- 
gegen erscheint Nephelin. 


8 


H. Proescholdt, Ueber den geologischen Bau 


IV. Die jüngeren Plagioklasbasalte. 

Unter dieser Bezeichnung ist eine Anzahl Basalte zusammen- 
gefasst worden, die auf einem verhältnissmässig beschränkten Ge- 
biet namentlich in der Umgebung des Gangolfsberges zu Tage 
treten und in ihrer Structur wie auch in ihren Lagerungsverhält- 
nissen eine solche Gleichartigkeit zeigen, dass man sie zu einer, 
wohl auch bezüglich der Eruptionszeit einheitlichen Gruppe ver- 
einigen kann. 

Sie treten in Gängen, Kuppen und Decken auf und sind 
meist in sehr regelmässigen Säulen abgesondert, wie am Steinernen 
Haus, am Gangolf, in der Sondheimer Waldung etc. Das Ge- 
stein ist schwarz, an und für sich sehr dicht, erhält aber durch 
das Hervortreten grösserer Olivine und Augite ein porphyrartiges 
Aussehen. 

Das mikroskopische Bild zeigt eine schmutzig-weisse, trichi- 
tisch entglaste Grundmasse, die sich auch bei Anwendung des 
Gypsblättchens oder der Quarzplatte optisch inactiv verhält und 
in ungleicher Vertheilung auftritt, dann ein für diese Basalte be- 
sonders charakteristisches Gemenge von winzigen Plagioklasleisten 
und Magneteisenkörnern, hinter denen Augitprismen und noch 
mehr Olivine an Menge gewöhnlich sehr zurücktreten. Die Plagio- 
klase erreichen eine Durchschnittslänge von 0,03 — 0,08 Millimeter, 
die Magnetitkörner sinken bis unter 0,002 Millimeter herab und 
erreichen nur selten bis 0,4 Millimeter Durchmesser. Die sehr 
grosse Zahl der letzteren verleihen den Schliffen, namentlich bei 
schwächeren Vergrösserungen ein im gewöhnlichen Licht unge- 
wöhnlich dunkles und eigenartiges Aussehen. Die anderen Ge- 
mengtheile der Basalte sind Olivine und Augite, die durch ihre 
Grösse sich von den anderen recht auffällig abheben. Sie stellen 
eine ältere Generation der beiden Mineralien dar und weisen die 
gewöhnlichen Merkmale des höheren Alters, gänzliche oder theil- 
weise Corrosion der ursprünglichen Krystallkanten durch Ab- 
schmelzung, Zonarstructur der Augite etc. recht vollkommen auf. 
Der Nephelin findet sich in sehr ungleicher Vertheilung. Manch- 
mal scheint er ganz zu fehlen, zuweilen kommt er aber so reich- 


des Centralstocks der Rhön. 


9 


lieh vor, dass das Gestein als Basanit bezeichnet werden könnte. 
Eine scharfe Trennung zwischen Plagioklasbasalt und Basanit ist 
jedoch hier nicht durchführbar. 


V. Die Limburgite. 

Limburgite wurden zuerst im Kartengebiet von Lenk an der 
Kalten Buche und dem Zickzackkiippel aufgefunden, in diesem 
Sommer aber von mir auch an zahlreichen anderen Stellen der 
Hohen Rhön beobachtet, so im oberen Elzbachgrund, über dem 
Mailoch, am Ilmenberg, in der Nähe des oberen Reipertsgrabens 
u. s. w. Höchst wahrscheinlich bilden sie zwischen den genannten 
Orten eine zusammenhängende Decke. Auf der Karte sind sie 
noch mit Nephelin- und Plagioklasbasalten vereinigt dargestellt. 
Unter dem Mikroskop zeigen die meist schwarzen Gesteine eine 
schmutzig - braune Glassubstanz, ferner ein inniges Gemenge von 
winzigen Augiten und Magneteisenkörnern und porphyrartig ein- 
gesprengte grosse Augit- und Chrysolithkrystalle. Dazu treten an 
einzelnen Stellen vereinzelte Plagioklasleisten und zuweilen Ne- 
pheline. In ihrer Structur erinnern die Limburgite sehr an die 
jüngsten Plagioklasbasalte, wenn man von dem grossen Plagioklas- 
gehalt der letzteren absieht, andererseits aber auch an gewisse 
N ephelinbasalte . 


VI. Die Nephelinbasalte. 

Die Nephelinbasalte besitzen in der Hohen Rhön eine ausser- 
ordentlich grosse und eigentümliche Verbreitung. Sie setzen den 
grössten Theil der Oberfläche des Plateaus zusammen, so den 
Stürnberg, das Hohe Polster, den Ilmenberg, den Heideistein, den 
Münzkopf, die Kalte Buche u. s. w., ziehen sich aber auch tief in 
die Thäler hinunter. Sie treten, soweit bis jetzt die Beobachtungen 
reichen, zumeist in Decken auf, deren Ausbreitung in den tieferen 
Theilen des Gebirges nicht nur durch Triassedimente, sondern 
auch durch ältere Eruptivgesteine bestimmt worden ist. An gün- 
stigen Stellen beobachtet man mehrfache Decken über einander, 
die gewöhnlich, wohl aber nicht immer durch Tuffmassen getrennt 


10 


H. Proescholdt, lieber den geologischen Bau 


sind. Verhältnissmässig deutlich bei der Oberflächenbeschaffenheit 
der Rhön sind die Lagerungs Verhältnisse im oberen Theile des 
Dürren Grabens und in der Nachbarschaft zu erkennen. Hier 
lassen sich 4, jedenfalls durch Tuffe geschiedene Decken beob- 
achten, die sich im Terrain durch einen mehr oder minder deut- 
lichen Terrassenbau hervorheben. Ueber die unterste stürzt das 
Wasser in der Nähe der sogenannten Schlaghäuser, da wo die 
weimarische Grenze den höchsten Punkt erreicht, in einem Wasser- 
fall. Die Decke senkt sich thalabwärts und wird auf dem linken 
Ufer des Grabens durch Nodosenschichten begrenzt. 

Unter dem Mikroskop zeigt sich das Gestein zusammengesetzt 
aus reichlich Nephelin, Augitprismen von durchschnittlich 0,02 bis 
0,03 Millimeter Länge, Olivin in grossen und kleinen Körnern, 
Magnetit, Titaneisen, etwas Glimmer, Apatit und einer amorphen 
Grundmasse. Das Gestein der zweiten Decke, die am Reupers- 
weg gut aufgeschlossen ist, zeigt dieselbe Zusammensetzung, eine 
ähnliche auch das der dritten, doch ist das letztere arm an Ne- 
phelin und gleicht daher mehr dem Limburgit; ausserdem zeigt 
es durch das Auftreten von grossen Olivinen und Augiten eine 
deutliche Porphyrstructur , die sich dem blossen Auge durch das 
grobkörnige Aussehen bemerkbar macht. Gesteine von gleicher 
mikroskopischer Beschaffenheit wurden auch an anderen Orten 
beobachtet, so am Ausgang des Sonderbachgrundes, im oberen 
Reipertsgraben, am hinteren Heideistein, unterhalb des Münzkopfes 
u. s. w. Der Basalt der vierten Decke ist besonders charakterisirt 
durch seinen grossen Reichthum an Nephelin; die Augitprismen 
sind meist sehr wohl ausgebildet, häufig verzwillingt und mehr- 
fach grösser als in den unteren Decken. Magneteisen und Titan- 
eisen treten etwas zurück. Der Olivin kommt in sehr ungleicher 
Vertheilung vor und ist gewöhnlich sehr eisenreich. Der Apatit 
tritt sehr constant auf, während eine Glasmasse nicht überall zu 
beobachten war. 

Dieser typische Nephelinbasalt, der wohl der jüngste Basalt 
ist, besitzt von allen Eruptivgesteinen die weitaus grösste Ober- 
flächenverbreitung in der Hohen Rhön, tritt aber auch ausserhalb 
derselben am Ostrand in einzelnen Kuppen, wie an der schönen 
Rother Kuppe, auf, die theilweise wohl nur Erosionskuppeu sind. 


des Centralstocks der Rhön. 


11 


Die chemische Zusammensetzung der Basalte. 

Nachdem im Allgemeinen die Verbreitung der verschiedenen 
Basalte im südlichen Theil der Hohen Rhön festgestellt war, er- 
schien es von grossem Interesse, die chemische Zusammensetzung 
der Haupttypen derselben kennen zu leroen. Die Direction der 
geologischen Landesanstalt hatte die Güte, einige Analysen im 
Laboratorium von Professor Finkener vornehmen zu lassen, wofür 
ich auch an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank ausspreche. 

Analysirt wurden der Dolerit vom Gangolfsberg, älterer 
Plagioklasbasalt vom Ilmenberg und der typische Nephelinbasalt 
von der Schafruhe östlich vom Hohen Polster. Die erste und 
dritte Analyse wurde von Dr. Haefcke, die zweite von Dr. Klüss 
ausgeführt. Ausserdem liegen aus dem Gebiet noch Analysen vor 
vom jüngeren Plagioklasbasalt des Steinernen Hauses durch E. E. 
Schmid 1 ) und vom Nephelinbasalt vom Bauersberg durch Singer 2 ). 

Die gefundenen Resultate sind in umstehender Tabelle be- 
rechnet. 

Die Analyse des Dolerits vom Gangolfsberg ergiebt einen 
etwas geringeren Kieselsäuregehalt als in den sonst durchaus 
gleichen Doleriten von der Breitfirst und dem Meissner (50 bis 
54 pCt.). Die dichten Plagioklasbasalte erscheinen auch in der 
Hohen Rhön im Verhältniss zu dem Dolerit als basischere Ge- 
steine, noch mehr die Nephelinbasalte. Leider war es zu spät, 
von allen im Gebirge auftretenden Gesteinsvarietäten Analysen 
vornehmen zu lassen; doch sollen dieselben im Text zu dem Blatt 
Sondheim veröffentlicht werden. 

Die Altersfolge der Eruptivgesteine in der 
Hohen Rhön. 

Die Feststellung der Altersfolge der verschiedenen Basalte in 
der Hohen Rhön ist bei dem grossen Mangel an Aufschlüssen 
eine sehr schwierige Untersuchung. Das vielfach beobachtete 
Nebeneinandervorkommen von verschiedenen Basalten an ein und 

’) Yergl. v. Gümbel: Geologie von Bayern, Bd. II, S. 663. 

2 ) Beiträge zur Kenntniss d. am Bauersberg vorkommenden Sulfate. Wiirz- 
burg 1879, S. 23. 


12 H. Proeschoedt, Ueber den geologischen Bau 



Dolerit vom 
Gangolfs- 
berg 

Haefcke 

Aelterer 
Plagioklas- 
basalt vom 
Ilmenberg 

Klüss 

Jüngerer 
Plagioklas- 
basalt vom 
Steinernen 
Haus 

E. E. Schmid 

Nephelin- 
basalt vom 
Bauersberg 

Singer 

Nephelin- 
basalt von 
der Schaf- 
ruhe 

Haefcke 

Kieselsäure . . . 

48,89 

43,10 

47,06 

42,18 

38,08 

Titansäure . . . 

1,76 

1,88 

nicht 

bestimmt 

1,18 

3,15 

Thonerde .... 

13,66 

11,71 

13,87 

14,66 

11,44 

Eisenoxyd .... 

3,64 

4,43 

16,25 

4,49 

7,18 

Eisenoxydul . . . 

7,44 

8,28 

- 

5,67 

6,55 

Manganoxydul . 

- 

— 

- 

Spur 

- 

Kobaltoxyd ... 

- 

- 

- 

1,09 

- 

Nickeloxyd . . . 

- 

- 

- 

1,58 

- 

Kalkerde .... 

8,68 

10,84 

10,49 

10,96 

13,08 

Magnesia .... 

8,83 

13,20 

7,33 

5,53 

12,11 

Kali . 

1,20 

1,27 

1,38 

3,53 

1,24 

Natron 

3,14 

2,78 

3,02 

9,46 

2,28 

Pb, Bi, Cu, As, 






Sb, CI 

— 

— 

— 

Spur 

— 

Schwefelsäure . . 

0,07 

0,09 

— 

— 

0,10 

Phosphorsäure . 

0,39 

0,49 

— . 

Spur 

0,54 

Wasser 

■ ,,2,59 

1,7.1 

0,84 

- 

3,98 

Summe 
Spec. Gewicht 

100,29 

2,876 

99,78 

3,088 

100,24 

3,042 

100,33 

2,886 

99,73 

3,071 


derselben Localität, z. B. an der Kalten Buche, kann auf sehr 
verschiedene Weise erklärt werden. Es kann eine Differenzirung 
des zur Eruption gekommenen Magmas vorliegen, es können ebenso 
Durchbrüche verschiedener Gesteine an derselben Stelle erfolgt 
sein, es können aber auch, wie ich hier sogleich erwähnen will, 
Erosionswirkungen mitsprechen. Lenk *) führt das Auftreten ver- 
schiedenartiger Gesteine an ein und derselben Kuppe auf Diffe- 
renzirung zurück und beruft sich auf die Ansicht Lüdecke’s 2 ), 


1) a. a. 0., S. 106. 

2 ) Zeitschrift für Naturwissenschaften, Halle 1883, S. 661. 


des Centralstoöks der Rhön. 


13 


dass der Basalt des Kleinen Gleichberges bei Römhild tbeils als 
Basanit, theils als Limburgit ausgebildet sei. An diesem Berge 
lässt sich aber jetzt deutlich beobachten, dass der Limburgit nicht 
nur den Basanit, sondern auch die denselben unterlagernden Tuffe 
gangförmig durchsetzt. Die beiden Gesteine lassen sich an dieser 
Stelle schon makroskopisch erkennen und unterscheiden. Ueber- 
gangsformen fehlen. 

Aufschlüsse , die das Durchsetzen verschiedenalteriger Ge- 
steine klar und deutlich zeigen, sind in der Hohen Rhön sehr 
selten. Den besten giebt meines Wissens der Eisgraben. Von 
demselben habe ich bereits früher 1 ) ein Profil gegeben, muss je- 
doch bemerken, dass ich von den Lagerungsverhältnissen daselbst 
eine andere Anschauung gewonnen habe. Da die geologische Auf- 
nahme des Grabens von anderer Seite ausgeführt wird, will ich 
mich hier nur auf die Bemerkung beschränken, dass die beiden 
obersten und der unterste Basaltgang des Profils sich als Decken 
herausgestellt haben und die anderen Gänge Stiele der in der 
Höhe lagernden Basaltströme sind. 

Nachdem durch lange Beobachtung im Terrain und mikro- 
skopische Untersuchungen erkannt war, dass die verschiedenen 
Basalte meist deckenförmige Verbreitung zeigen und im grossen 
Ganzen eine parallel verlaufende Anreihung aufweisen, gelang es 
in dem Frühjahr, im Elzbachgrabeu ein sehr klares Profil aufzu- 
finden, das möglicherweise im nächsten Jahre wieder überrollt ist. 
Der Aufschluss ergab Folgendes: 

Liegendes: Schaumkalk und Anhydrit, darüber, die recht un- 
ebene Grenzfläche ausfüllend: 

10 Meter Basalt, ein blaues, schwarzes, dichtes, split- 
teriges Gestein mit Glimmer, zuoberst blasig. 
Unter dem Mikroskop ein typischer Plagioklas- 
basalt. 

8 — 10 » Tuff, zuunterst mit Bomben. 

30 — 35 » Dolerit. 


*) Geolog, u. petrograph. Beiträge zur Kenntniss der Langen Rliön. Dieses 
Jabrb. für 1884, S. 243 — 247. 


14 


H. Proescholdt , lieber den geologischen Bau 


1 1 Meter braune Tuffe aus doleritischem Material, z. Th. 


10 » 

Kugeltuffe, mit Lagen von Mandelsteindoleriten. 
Basalt, unter dem Mikroskop Plagioklasbasalt 
mit reichlich vorhandener isotroper Grundmasse 
und eisenreichen Olivinen. 

2,5 » 

2,5 » 

Rothe Tuffe, Bol führend. 

Basalt, z. Th. blasig, unter dem Mikroskop 
Plagioklasbasalt und dem vorigen gleich. 

8 » 

5 — 6 >: 

Rothe und weisse Tuffe mit Bol. 

Basalt, stark verwittert unter Bildung von 
Bauxit. Unter dem Mikroskop Plagioklasbasalt 
wie die vorigen, aber mit zurücktretender Grund- 

3-4 >: 

masse. 

> Tuff, undeutlich aufgeschlossen. 

Basalt, dessen Mächtigkeit schwer bestimm- 
bar ist, stark verwittert. Unter dem Mikro- 
skop Plagioklasbasalt, den vorigen ähnlich. 
Darüber lagert unmittelbar auf der rechten 
Thalseite der Elz nach dem Steinernen Haus 
zu eine wenig ausgedehnte Decke des früher 
beschriebenen »Jüngeren Plagioklasbasaltes«. 
Im Graben selbst und links desselben folgt 
gegen 8 Meter gelbliche, z. Th. geschichtete 
Tuffe, an einer Stelle gut aufgeschlossen, dann 
eine wenig mächtige Decke von Limburgit, 


abermals Tuffe und weiterhin Nephelinbasalte. 

Zu dem Profil *) ist zu bemerken, dass ein Theil der Zahlen 
nur Schätzungswerthe sind, weil die Begehung des Grabens stellen- 
weise sehr schwierig ist, und dass die hier gefundene Abwechs- 
lung von Tuff- und Basaltdecken auf grössere Strecken hin, dem 
Terrain folgend, beobachtet und kartographisch dargestellt wurde. 
Es dürfte dadurch der Beweis gegeben sein, dass an dieser Stelle 
Durchbrüche nicht vorliegen. 

b Es möge hier darauf aufmerksam gemacht sein, dass die hier mitgetheilten 
Zahlenwerthe nicht im Einklang stehen mit den Höhenlinien der Karte, deren 
Topographie sehr viel zu wünschen lässt. 


des Centralstocks der Rhön. 


15 


Aehnliche Profile wurden mehrfach beobachtet, so z. B. am 
Bauersberg. Am Weg, der von dem oberen Braunkohlen werk der 
Zeche Einigkeit auf die Strasse von Bischofsheim nach Weissbach 
herunterführt, beobachtet man über Nodosenschichten Dolerit, der 
nach W. hin die auch von Gümbel 1 ) erwähnte ausgezeichnete 
Decke am Steinschlag bildet und sich östlich durch die Weiss- 
bacher Wiesen hindurch bis in die Nähe der Kalten Buche hin- 
zieht. Ueber demselben lagern im Wechsel mit Strömen von 
Plagioklasbasalt die Weissbacher und die jüngeren Kohlenablage- 
rungen der Zeche Einigkeit, die von einer Plagioklasbasaltdecke 
bedeckt werden, während der von Singer beschriebene Nephelin- 
basalt als Stiel das Tertiär und die Plagioklasbasaltdecken durch- 
setzt. 

Eine gegen 30 Meter mächtige Doleritdecke bedeckt die han- 
genden Tuffe der in der geologischen Rhönlitteratur vielgenannten 
Tertiärablagerungen im Reipertsgraben bei Roth und an dem be- 
nachbarten Erdfall (auch Erdpfahl). Darüber folgen im Graben 
Tuffe und Agglomerate mit Decken von Plagioklasbasalt und 
schliesslich am Ende des Waldes eine mächtige Basaltdecke, deren 
tiefstes Gestein limburgitartig erscheint, aber einzelne Feldspath- 
leisten führt und stellenweise reichlich Nephelin einschliesst. Höher 
kommen dann echte Nephelinbasalte. 

Hassenkamp 2 ) und Heer 3 ) waren durch ihre palaeontologi- 
schen Untersuchungen über die Tertiärablagerungen der Rhön ver- 
anlasst worden, den Braunkohlen vom Reipertsgraben und Ei’dfall 
ein höheres Alter zuzuschreiben als denjenigen von Weissbach und 
Bischofsheim. Die ersteren Fundorte rechnete Heer zur unteren 
Süsswassermolasse der Schweiz (oberoligocän), die W eissbacher und 
Bischofsheimer Braunkohlen, ebenso wie die vom Eisgraben wurden 
dem Mittel- und Obermiocän zugeschrieben. Sandberger 4 ) hat 


b Geologie von Bayern, Bd. II, S. 682. 

2 ) Geognost. Bes ehr. der Braunkohlenformation in der Rhön 1860 u. Geo- 
gnostisch-palaeontolog. Untersuchungen über 4. Tertiärb. des Rhöngeb. 1864. 

3 ) Die tertiäre Flora der Schweiz, III. Bd. 1859, S. 299. Vergl. Zinken, 
Ergänzungen zur Physiographie der Braunkohle, 1871, S. 33 — 45. 

4 ) Die Braunkohlenformation der Rhön, 1879. 


16 


H. Proescholdt, TJeber den geologischen Bau 


dann später die Schichten von Bischofsheim, Tann, Roth wie über- 
haupt die sämmtlichen jüngeren Braunkohlen der Rhön für gleich- 
alterig erklärt und ihre Entstehung in die untermiocäne Zeit ge- 
stellt. Indessen ergiebt sich doch eine gewisse Altersverschieden- 
heit der betreffenden Ablagerungen, die Schichten vom Reiperts- 
graben und Erdfall bei Roth sind älter als der Dolerit, die Braun- 
kohlen von Weissbach und Bischofsheim, ebenso vom Lettengraben, 
Hillenberg, Grangolf, Eisgraben und andere jünger als derselbe. 
Bemerkenswerth ist es, dass die Bildung der Braunkohlenablage- 
rungen auf dem Kartengebiet vor der Eruption der Nephelin- 
basalte beendigt war, denn nach den bisherigen Beobachtungen 
ist nirgends eine Nephelinbasaltdecke zwischen oder unter den 
betreffenden Schichten aufgefunden worden, vielmehr werden die- 
selben häufig, wie im Eisgraben schön aufgeschlossen ist, von den 
jüngsten Basalten gangförmig durchsetzt. 

Die früher mitgetheilten chemischen Analysen der Haupttypen 
der Rhönbasalte lassen erkennen, dass vom Dolerit bis zu den 
Nephelinbasalten der Kieselsäuregehalt mehr und mehr abnimmt. 
Dieselbe Reihenfolge ist bereits früher an der Geba in der Vorder- 
rhön beobachtet worden. Dort müssen nach Bücking 1 ) wenigstens 
zwei, ein jüngerer und ein älterer Basalt, unterschieden werden. 
Der jüngere, der die Hauptmasse der Basaltdecke des Berges 
bildet, gehört zur Gruppe der Nephelinbasalte, der ältere, der 
theilweise doleritisch ist, zur Gruppe der Feldspathbasalte. Wie 
anderwärts, ist auch hier einer Eruption von kieselsäurereicheren 
Gesteinen eine solche von kieselsäureärmeren gefolgt. 

Es mag hier noch erwähnt werden, dass am Meissner die 
Basalte unter Lagerungsverhältnissen auftreten, welche grosse Aehn- 
lichkeit mit denen des Dolerits im Elzbachgrund zeigen. Wie an 
letzterer Stelle bedeckt dort der Dolerit, der mit jenem der Rhön 
nach mikroskopischer und chemischer Zusammensetzung identisch 
ist, einen dichten Feldspathbasalt. In der Rhön sind die beiden 
Gesteine durch eine Tuffzwischenlage getrennt, gehören daher wohl 


') Text zu Blatt Helmershausen, S. 27. 


des Centralstoeks der Rhön. 


17 


zeitlich getrennten Eruptionen an. Am Meissner sind die Ver- 
hältnisse nicht so klar gestellt, obwohl auf dem Blatt Allendorf 
auf der Westseite des Berges die Braunkohlenformation zwischen 
beiden Basalten auftritt, denn Beyschlag 1 ) hält dichten Feldspath- 
basalt und Dolerit für ein und denselben Erguss und die petro- 
graphische Differenzirung des Magmas für eine Folge ungleich 
rascher Abkühlung, die am schnellsten in Berührung mit den ab- 
kühlenden Flächen anderer Gesteine, also an der Auflagerungs- 
fläche, eintreten musste. An den Gleichbergen, besonders am 
Grossen Gleichberg bei Römhild, lässt sich aber das umgekehrte 
Verhalten constatiren. Hier zeigt das Gestein der Basaltdecke an 
und nahe der Auflagerungsfläche der Trias eine auffällig grob- 
körnige Structur und wird nach oben immer feinkörniger. Ver- 
schiedenes Wärmeleitungsvermögen der verschiedenen Gesteine 
und grössere Wärmeausstrahlung an der Oberfläche der erstarren- 
den Ergussgesteine können an verschiedenen Orten wohl ver- 
schieden auf einander folgende Structuren der erstarrten Massen 
erzeugen. Ich kann daher die Ansicht meines Freundes Beyschlag 
doch nicht unbedingt theilen. Leider sind die Aufschlüsse am 
Meissner nicht derart, dass eine vollständig klare Einsicht in die 
Altersbeziehungen der dortigen Basalte zu gewinnen ist. 

Die im Vorhergehenden mitgetheilten Profile, insbesondere 
das vom Elzbachgrund, führen leicht zu der Vermuthung, dass 
der Aufbau der Hohen Rhön durchweg ein verhältnissmässig ein- 
facher sei. Das würde ein Irrthum sein. Wo die Decken noch 
in ungestörter Lagerung mit Tufflagen wechseln, zeigt sich im 
Terrain ein meist deutlicher Terrassenbau , wie auf der östseite 
des Hohen Polsters; in sehr trockenen Sommern, wie es der dies- 
jährige war, tritt der Wechsel der Gesteine auffällig durch den 
Wechsel der Färbung der Grasdecke hervor, die über den aus- 
gehenden Tuffen frisch und grün, über den Basalten braun er- 
schien. Der grössere Theil der Hohen Rhön im Kartengebiet 
zeigt aber solche Einfachheit im Aufbau nicht, vielmehr stehen 


0 Text zu Blatt Allendorf, S. 40 — 44. 


Jahrbuch 


2 


18 


H. Proescholrt, lieber den geologischen Bau 


an vielen Orten das Auftreten und die Verbreitung der einzelnen 
Basalte unter einander im Widerspruch mit der im Elzbachgrund 
constatirten Altersfolge oder scheinen wenigstens zu stehen. 

Die eingehende Untersuchung der Gesteine des Stellberges 
nördlich vom Heideistein in diesem Spätsommer (daher auf der 
Karte nicht mehr eingetragen) ergab das interessante Resultat, 
dass an der scharf hervortretenden Kuppe desselben Nephelin- 
basalt dem Anscheine nach als Rest einer ehemals weiter ausge- 
dehnten Decke lagert. Was man hier beobachten kann, lässt ver- 
muthen, dass der Berg wahrscheinlich den im nachstehenden Profil 
dargestellten Aufbau besitzt. 

Profil (schematisch) des Stellberges von S. nach N. 

r 



Phonolith Feldspathbasalt Nephelinbasalt Tuff 


Der Feldspathbasalt der Karte zieht, wie die Karte zeigt, 
nach dem Elzbachgrund und steht vermuthlich mit den Plagioklas- 
basalten am Ostrand der Rhön im Zusammenhang, entsprechend 
der schon früher erwähnten Regel, dass die Ströme von W. nach 
O. sich neigen. Nach der gegenwärtigen Anschauung ist hier 
der Feldspathbasalt der Kuppe jünger als der Nephelinbasalt 1 ). 
In gleicher Weise wurde neuerdings von mir am Ilmenberg das 
Hervortauchen von Plagioklasbasalt aus dem Nephelinbasalt beob- 
achtet. 


*) Das Nebeneinandervorkommen der verschiedenen Basalte an dieser Stelle 
bietet dann freilich nichts Auffälliges, wenn hier Durchbrüche von Nephelin- 
basalt vorliegen würden. Das ist indessen leider nicht sicher festzustellen, aber 
nicht wahrscheinlich. 



des Centralstocks der Rhön. 


19 


Auch die Verbreitung der verschiedenen Basalte zeigt manche 
eigentümliche Erscheinungen, die schwer zu erklären sind. Der 
Dolerit tritt in 3 von einander getrennten Decken auf, die in 
gleicher Meereshöhe lagern , und deren Gestein in Bezug auf 
Mächtigkeit und mineralogische Zusammensetzung so grosse Ueber- 
einstimmung besitzen, dass es richtiger erscheint, sie nicht als die 
Producte von 3 verschiedenen Eruptionen anzusehen, sondern in 
ihnen die Ueberreste einer ehemaligen zusammenhängenden, ein- 
heitlichen Decke zu erblicken. Der Zusammenhang ist dann ent- 
weder durch Durchbrüche von jüngeren Basalten aufgehoben wor- 
den, oder aber dadurch, dass in der Zwischenzeit zwischen der 
Eruption des Dolerits und der der anderen Basalte die Erosion 
die Decke teilweise fortgewaschen und in mehrere Theile zer- 
schnitten hat. Für die letztere Annahme spricht ausser der grossen 
Weite der Zwischenräume besonders der Umstand, dass die in 
denselben zu Tage tretenden Plagioklasbasalte sich stromartig aus- 
breiten. Das Auftreten von Decken derselben über, zwischen und 
unter dem Dolerit erklärt sich dann ganz natürlich dadurch, dass 
bei der Eruption der jüngeren Gesteine die flüssige Masse die 
durch die Erosion geschaffenen Vertiefungen auszufüllen suchte. 
Ganz ähnliche Verhältnisse kehren an vielen Stellen zwischen 
Plagioklas- und Nephelinbasalten wieder und sind wohl in der- 
selben Weise zu erklären. 

Eine solche Erklärung aber setzt voraus, dass zwischen den 
Eruptionen der verschiedenen Gesteine längere Zeiträume ver- 
strichen sein müssen, in denen die Erosion mehr oder minder 
grosse Wirkungen hervorbringen konnte. Diese Annahme steht 
im Widerspruch mit der mehrfach ausgesprochenen Ansicht, dass 
die Eruptionen rasch auf einander gefolgt seien 1 ). Ein über- 
zeugender Beweis ist jedoch nicht gegeben worden und wird sich 
wohl auch nicht führen lassen. Jedenfalls dürfte es sachlich ge- 
rechtfertigt sein, die Erosionswirkungen viel mehr als bisher bei 
der Untersuchung der Altersfolge der Gesteine zu berücksichtigen; 


x ) Yergl. Wedel, Ueber das Doleritgebiet des Breitfirst und ibrer Nachbar- 
schaft. Dieses Jahrb. für 1890, S. 37. 


2 - 


20 


H. Proescholdt, Ueber den geologischen Bau 


vielleicht ist manche Kuppe , die als Durchbruch angesehen 
wurde oder wird, nichts anderes als eine Erosionskuppe, die von 
dem vermeintlich durchbrochenen, älteren Gestein erst später um- 
flossen wurde. 

Ausserdem ist bei der Beurtheilung der Reihenfolge der Ba- 
salte noch ein Umstand zu betonen, der mir sehr bemerkenswerth 
erscheint. Wie vorher mitgetheilt, ist die Grenzfläche zwischen 
Trias und Tertiär in der Hohen Rhön ausserordentlich uneben 
und zeigt bedeutende Höhendifferenzen. Da keine Veranlassung 
zu der Annahme vorliegt, dass die eruptive Thätigkeit zuerst 
in den tieferen Theilen eintrat und sie ausfüllte, dieselbe jeden- 
falls überall vor sich ging, so ist schon in dieser Thatsache die 
Möglichkeit gegeben, dass Gesteine aus derselben Eruptionszeit 
in ganz verschiedener Höhe auftreten können und dass später 
Eruptionen jüngerer Gesteine an manchen Stellen die älteren nicht 
oder nur theilweise zu überdecken vermochten. 

Schliesslich kann noch die Frage aufgeworfen werden, ob die 
Verbreitung der verschiedenen Basalte in der Hohen Rhön nicht 
durch Verwerfungen entstanden sein könnte und dem entsprechend 
zu erklären sei. Ich habe aber für eine solche Erklärung nach 
mehrjähriger Begehung eines grossen Theiles der Rhön bis jetzt 
keine genügenden Gründe finden können, obwohl ich an und für 
sich nachbasaltische Dislocationen nicht bestreite. 

Die in der Rhön beobachtete Altersfolge der Basalte steht 
in einem auffälligen Gegensatz zu derjenigen, die Wedel von 
denselben Gesteinen an der Breitfirst bekannt *) gemacht hat. 
Nach ihm gelangten die Nephelinbasalte zuerst zum Ausbruch, 
dann folgte ein dichter Plagioklasbasalt und zuletzt der Dolerit. 

Hier sind also die basischen Gesteine die ältesten, die 
sauren die jüngsten. Wedel 2 ) sucht das höhere Alter des 
Nephelinbasaltes mit dem Umstand zu beweisen, dass die Tufl- 
schicht auf der Höhe des Stoppelberges, welche auf diesem Eruptiv- 
gestein aufliegt, nur Reste derselben, aber keine Bruchstücke der 


! ) a. a. 0. 
a ) a. a. 0. S. 7. 


des Centralstocks der Rhön. 


21 


später emporgedrungenen Basalte, d. h. der Plagioklasbasalte und 
Dolerite, enthält. Ob diese Beobachtung indessen für sich allein 
genügt, um eine Altersfolge aufzustellen, erscheint mir doch frag- 
lich. Das Auftreten von dichten Plagioklasbasalten unter dem 
Dolerit an der Breitfirst stimmt dagegen mit den Verhältnissen 
in der Hohen Rhön ebenso gut überein wie die Beobachtungen 
Streng’s 1 ) in der Umgebung von Giessen, der daselbst eine obere 
Stromformation von grauen, deutlich körnigen Anamesiten, deren 
mineralogische Zusammensetzung der des Dolerits sehr ähnlich 
ist, von einer älteren von schwarzen dichten Feldspathbasalten 
unterscheidet. 

In wie weit die im Vorstehenden gegebene, auf eine Reihe 
von Beobachtungen gegründete Anschauung über die Altersfolge 
der Basalte in der Rhön sich bei fortgesetzten Untersuchungen 
bestätigt oder modificirt werden muss, steht dahin. In dem Text 
zu den Rhönblättern wird die Frage eingehend behandelt werden, 
um so mehr, als der grosse Maassstab der Karten die Eintragung 
einer grossen Menge Details, Gänge, Durchbrüche, Kuppen etc. 
gestattet, die die gegenseitigen Beziehungen der Gesteine bis zu 
einem gewissen Grad anschaulich darstellen. 

0 Notizblatt des Vereins für Erdkunde zu Darmstadt. IV. Folge, Heft 11, 
S. 18 — 20 u. Lepsius: Geologie von Deutschland, Bd. I, S. 741, 


Briefliche Mittheilung. 


Herr G. Berendt an Herrn W. Haüohecorne. 

Schreiberhau, den 31. October 93. 

In meiner vorjährigen Abhandlung »Spuren einer Verglet- 
scherung des Riesengebirges« habe ich auch kleiner dammartiger 
Wälle im heutigen Zackenthale, unweit der Einmündung der 
Kochel in dasselbe, Erwähnung gethan und dieselben in Verbindung 
mit der durch die Strudellöcher allein schon unabweisbar gewordenen 
Vergletscherung als kleine Stirnmoränen der zuletzt noch im Zacken- 
thale sich zurückziehenden Gletscherzunge angesprochen. Zwar 
habe ich hierbei schon gleich ausgesprochen (S. 20): »es bleibt 
somit demjenigen überlassen, der trotz der durch die Strudel- 
löcher auf den Höhen unabweisbaren Vergletscherung es vorzieht, 
in der Anhäufung der Steinwälle nur ein Werk des Flusses zu 
sehen, solche Meinung festzuhalten«. Dennoch will ich nicht ver- 
säumen, diese Heranziehung als nicht zutreffend hier ausdrücklich 
selbst zu bezeichnen und zurückzunehmen, vor allen Dingen des- 
halb, weil ihre beobachtete tiefe Lage auf dem Grunde des jetzigen 
Zackenthaies sich mit der unbedingt anzunehmenden sehr bedeu- 
tenden postglacialen Erosion dieses Thaies nicht vereinen lässt. 

Dagegen hatte ich Gelegenheit in diesem Jahre, zum Theil 
in Gemeinschaft mit Herrn Keilhack, und auch von diesem so- 
fort, ohne vorherige Verständigung, als Localmoräne im Sinne 
Wahnschaffe’s bezeichnete Geschiebepackung einheimischen Ge- 
steins auf den Vorbergen am Rande des Warmbrunner Thaies 
mehrfach zu beobachten. Man erreicht schöne Aufschlüsse solcher 


Herrn G. Berendt an W. Hauchecorne, Briefliche Mittheilung. 23 

Localmoränen am Südostausgange von Hermsdorf unter dem Kyn- 
ast dort, von wo schon seiner Zeit Herr Kosmann die Abscheerung 
und Umbiegung der quasi Schichtenköpfe des Granits beschrieben 
hat, wie solches auch Herr Stapff beim Eulengebirgsgneiss häufig 
beobachtet hat, was ihn eben zu dem so treffenden Ausspruch 
veranlasste: »Wollte man sie Gletschern zuschreiben, so müssten 
sich solche fächerartig von fast jedem Hügelkopf ausgebreitet 
haben«. Grade diese Hügelköpfe der Yorberge bei Hermsdorf, 
soweit sie eben nicht den blank gewaschenen Granit mit nur als 
Gletschertöpfe zu deutenden Strudellöchern zeigen, tragen diese 
U /2 bis 2 V 2 Meter mächtige, ganz aus einheimischen Blöcken mit 
sandig lehmigem Bindemittel bestehende, dem Granit selbst un- 
mittelbar, aber mit scharfer Grenze auflagernde Localmoräne. 


Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 

Von Herrn H. Potonie in Berlin. 

(Hierzu Tafel III— Y.) 


Wegen ungenügender Kenntniss ihrer Blüthen 1 ) müssen ja 
die Sigillaria- Äxten nach der Sculptur ihrer epidermalen Stamm- 
und Zweig-Oberflächen eingetheilt werden. Es sind hiernach 
5 Gruppen aufgestellt worden, deren Namen und engere Zusammen- 
gehörigkeit sich aus der folgenden Uebersicht ergiebt: 

A. Eusigillariae : 


1. Rhytidolepis im engeren 

Sinne, 

2. Tessellata , } 

3. Favularia. 

Subsigillariae: 

4. Cancellata (= Clathraria ), 

5. Leiodermaria. 


Rhytidolep\ 
im weiteren ( 
Sinne 


I Rhytidolepis 
im weitesten 
Sinne 


Es hat sich nun gezeigt, dass die beiden letzten Abtheilungen, 
die Cancellaten und Leiodermarien, nicht als besondere Gruppen 
aufrecht erhalten werden können, indem E. Weiss 2 ) und nur 

!) Es ist ganz falsch oder doch in hohem Grade unzweckmässig, von den 
mit den Blüthen der Siphonogamen (Phanerogamen) homologen Sprossen und 
Spross-Enden der Pteridophyten als »Fructificationen« u. s. w. zu reden. Es 
handelt sich um Blüthen in demselben Sinne wie bei den Siphonogamen. — 
Vergl. meinen Aufsatz: »Der Begriff der Blüthe« (Naturwissenschaftliche Wochen- 
schrift 1893, Bd. VIII, S. 517 ff. u. 584) oder die bezüglichen Auseinandersetzun- 
gen in der 3. Aufl. meiner »Elemente der Botanik« (Berlin 1894). 

2 ) Beobachtungen an Sigillarien von Wettin und Umgegend (Zeitschr. d. 
Deutsch, geol. Ges. XLI. Bd., Sitzung vom 1. Mai). Berlin 1889, S. 376. ff. 


H. Potonie, Die Weehsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


25 


wenige Tage nach ihm E. Zeiller 4 ) die Zusammengehörigkeit der 
cancellaten Sigillaria Brardii Brongniart’s mit der leiodermen 
Sigillaria spinulosa Germ ar (= S. denudata Göpp.) nachwiesen 
und indem diese beiden Autoren zeigten, dass diese »Arten« weiter 
nichts als epidermale Oberflächen ein und derselben Art sind, 
entnommen verschiedenen Stellen des Stammes. Das von Zeiller 
1. c. beschriebene und Fig. .1 abgebildete Stück zeigt oben cancellate 
Polster, unten eine leioderme Oberfläche, dazwischen Uebergänge * 2 ). 
An das schon 1879/1880 von Zeiller bekannt gegebene, S. 33 
unter No. 1 erwähnte Stück, das, ebenfalls zu Sigillaria Brardii ge- 
hörend, sowohl cancellate als auch leioderme Oberfläche vereinigt 
zeigt, war die Schlussfolgerung der Zusammengehörigkeit der 
Cancellaten mit den Leiodermen wegen der Vereinzeltheit des Falles 
nicht geknüpft worden. Dass auch andere Subsigillaria- Arten sowohl 
cancellate als auch leioderme Oberflächen besitzen, zeigt eine Ab- 
bildung der Sigillaria Grasiana Brongn. bei C. Grand’Eury 3 4 ), die 
freilich vielleicht specifisch ident mit S. Brardii Brongn. em. ist, 
und eine solche von Sigillaria Fritschii WEISS bei dem Autor 
dieser Art 4 ), sodass die in Rede stehende Erscheinung bei der 
Gruppe häufiger vorkommt. 

Hieraus ergiebt sich, dass die Gruppe der Subsigillarien auf 
Grund der Ausbildung der Polster und der Stellung der Blattnarben 
nicht unterabtheilt werden kann. 

Sehen wir nun zu, in wie weit sich die entsprechenden Merk- 
male für eine Gruppirung der Eusigillarien verwerthen lassen. 


’) Sur les variations de formes du Sigillaria Brardi Brongniart. (p. 603 bis 
610 et pl. XIY dans le Bulletin de la societe geologique de France. 3eme serie, 
t. XVII, seance du 20. mai 1889). Paris 1889. 

2 ) Eine Reproduction des Exemplares findet sich in Zeiller’s Fig. 1, Taf. XIV 
der Etudes des gites mineraux de la France. (Publiees sous les auspices du 
Ministere des travaux publics.) Bassin houiller et permien de Brive. Fase. II: 
Flore fossile. Paris 1892. 

3 ) Fig. 11, Taf. X der Geologie et paleontologie du bassin houiller du Gard. 
Saint-Etienne 1890. (In Wahrheit erst 1892 erschienen). 

4 ) E. Weiss und T. Sterzel, Die Gruppe der Subsigillarien (Abhandl. d. 
Königl. Preuss. geol. Landesanstalt. Neue Folge, Heft 2). Berlin 1893, Taf. XXI, 
Fig. 83. 


26 


H. Potonie, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


Die Tessellata , zu denen 1 ) diejenigen Rhytidolepen im weiteren 
Sinne oder auch Arten mit zu Favularia hinneigenden Polstern 
gehören, deren Blattnarben durch eine mehr oder minder voll- 
ständige Querfurche von einander getrennt sind, lassen sich nicht 
als wohlumschriebene Gruppe aufrecht erhalten und sind auch 
niemals ernstlich von den Rhytidolepen getrennt worden. 

Das von mir auf Taf. III, Fig. 1 veröffentlichte Exemplar aus 
der Steinkohlenformation Westphalens, aus einem der Horizonte 
über der Mägerkohlen-Partie, zeigt, dass auch diese beiden Gruppen, 
nämlich also die Rhytidolepen im engeren Sinne und die Tessellaten 
in genau derselben Weise untereinander Zusammenhängen, wie die 
beiden Subsigillaria- Abtheilungen. Das Stück gehört zu den 
Rhytidolepis- Arten im weiteren Sinne, d. h., wir finden die senk- 
recht untereinander befindlichen Blattnarben - Zeilen , also die 
Orthostichen, durch scharfe, deutliche Längsfurchen von einander 
getrennt. In der oberen Hälfte des Stückes stehen aber die Narben 
enger und sind durch nicht ganz durchgehende Querfurchen dicht 
oberhalb der Narben als Andeutungen von Polster-Abgrenzungen 
von einander getrennt, sodass diese Partie zu den Tessellaten 
gehört, während die Narben der unteren Hälfte weit grössere 
Entfernungen zwischen sich lassen und keinerlei Polster-Ab- 
grenzungen aufweisen, sodass also diese untere Hälfte zu den 
typischen Rhytidolepis im engeren Sinne gehört. 

Die Richtigkeit der Bemerkung des Grafen H. zu Solms- 
Laubach 2 ): »Jede Längsrippe des Rhytidolepis - Stammes kommt 
durch die Verschmelzung der senkrecht übereinander stehenden 
Blattpolster zu Stande«, wird durch unser Exemplar erwiesen. 
Sollte die über der Blattnarbe so häufig auftretende Marke als 
Ligulargrube angesehen werden, und diese Deutung dürfte nun- 
mehr auch für Sigillaria kaum Widerstand finden, so musste der 
Botaniker die SoLMs’sche Annahme machen, da die Ligula zum 
Blatte gehört. Mithin musste auch die Umgebung der Blattnarbe 
zum Blatte gerechnet werden, ebenso wie die Blattpolster der 

b E. Weiss, Die Gruppe der Favularien (Abh. d. Königl. Preuss. geol. 
Landesanst., Bd. VII, Heft 3). Berlin 1887, S. 11 [237]. 

2 ) Einleitung in die Paläophytologie. Leipzig 1887, S. 248. 


H. Potonu;, Die Weehsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 27 

Lepidodendreen als Basaltheile der abgefallenen Blattspitze auf- 
zufassen sind. 

Bei den Lepidodendreen (Lepidodendron und Lepidophloios) 
beobachtet man ausserhalb der Blattnarben auf den Blattpolstern, 
Blattfüssen, ausser der Ligulargrube noch je zwei Organe unter- 
halb jeder Narbe, die ich 1 ) als Transpirationsöffhungen gedeutet 
habe. Entsprechende Organe sind unterhab der Sigillaria-N arhen 
meines Wissens bisher nicht bekannt geworden. Der Geologe 
der Berggewerkschaftskasse zu Bochum, Herr Dr. Leo Cremer, 
machte mich nun aber auf ein Rhytidolepis- Stückchen in der 
Sammlung zu Bochum aufmerksam, von welchem ich — da das 
Original ein Hohldruck, ein Negativ, ist — in Fig. 2 auf Taf. III 
die Abbildung eines Wachsabgusses zur Anschauung bringe. Dieses 
Exemplar war Herrn Cremer durch die scharf umschriebenen, 
im Ganzen elliptischen, kleinen Male aufgefallen, die sich in der 
Zahl von zweien, an der einen Stelle auch von dreien, zwischen 
je zwei übereinander befindlichen Blattnarben markiren. Auf den 
Abdrücken des Stückes, welche, wie unsere Figur, das wirkliche 
Aussehen der ursprünglichen Stamm-Oberfläche wiedergeben, bilden 
diese Male schwache, flache Vertiefungen, wie die Transpirations- 
öffnungen von Lepidodendron und Lepidophloios , und es liegt wohl 
nichts näher, als sie ebenfalls für Transpirationsöffnungen zu halten, 
die dann bei den Sigillarien über zwei zwischen je zwei Blatt- 
narben auftreten können, dadurch mehr an unsere recenten Baum- 
farne erinnernd, die freilich die in Rede stehenden Oeffnungen 
unter den Narben auf den Blattfüssen in grösserer Zahl, jeden- 
falls über drei, besitzen. Auf der zweiten Rippe, von rechts ge- 
rechnet an unserer Abbildung, entspricht die Stellung der Male 
der bei« den Lepidodendreen, indem wir sie hier nicht weit von 
dem unteren Rande der Blattnarbe neben einander finden. In den 
anderen Fällen sind die Male unseres Stückes in der Längsrichtung 
der Rhytidolepis- Rippen weit von einander gerückt, nur dass die 
zweite Rippe von links 3 Male unter der Narbe aufweist, von 

x ) Anatomie der beiden »Male« auf dem unteren Wangenpaar und der beiden 
Seitennärbchen der Blattnarbe des Lepidodendreen -Blattpolsters. (Berichte d. 
Deutsch, botan. Ges., Bd. XI, S. 319 ff.). Berlin 1893. 


28 


H. Potonie, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


denen zwei wie bei den Lepidodendreen stehen, das dritte abgerückt 
ist. Im Grossen und Ganzen befinden sich die Male in derselben 
Längslinie wie die Seitennärbchen der Blattnarben, d. h., wenn 
man von den Seitennärbchen aus parallele Linien mit den Rhyti- 
cfoZepzs-Furchen zieht, so trifft man unter der Blattnarbe auf eine 
Transpirationsöffnung. Sie zeigen also in dieser Beziehung das- 
selbe Verhalten, wie die Transpirationsöffnungen von Lepidodendron 
und Lepidophloios *). 

Nehmen wir wegen der Analogie mit den Lepidodendreen die 
obige Deutung der in Rede stehenden Male bei Sigillaria als 
richtig an * 2 ), so müssen wir das ursprüngliche, in seinen Quergrenzen 
verwischte Rhytidolepis- Polster mindestens so weit unterhalb der 
Narbe rechnen, als noch Transpirationsöffnungen Vorkommen, und 
wir müssen dementsprechend die Polster-Grenze oberhalb der Blatt- 
narbe zwischen der zunächst darüber befindlichen Transpirations- 
öffnung und der Ligulargrube suchen. Betrachten wir im Hin- 
blick darauf unsern abgebildeten Rest — namentlich die zweite 
Rippe von links — so bemerken wir, dass die Blattnarben der 
oberen Grenze ihrer Polster weit näher gerückt sind, als ihrer 
unteren. Diese sich aus unserem Stück ergebende Thatsache stimmt 
mit den bisherigen Beobachtungen überein, da wir auch bei den 
tessellat gefelderten Stücken, also bei solchen, deren quer verlaufende 
Polsterabgrenzungen durch Furchen markirt sind, diese Furchen 
stets dem oberen Rande der Blattnarben genähert sehen. Auch 
bei den Favularien ist dasselbe zu beobachten. 

Vergleichen wir speciell unser Stück Fig. 1, Taf. III, so werden 
wir in der Rhytidolepis- (im engeren Sinne) Zone auch ohne Vorhan- 
densein von Transpirationsöffnungen durch die ganze Gestalt der 
Rippen darauf hingewiesen, dass auch hier die Narben in der 
oberen Hälfte der nicht von einander abgegrenzten Polster sitzen. 


*) Yergl. diesbezüglich meine oben citirte Abhandlung. 

2 ) B. Renault (Notice sur les sigillaires. Extrait des mem. d. 1. soc. d’hist. 
nat. d’Autun 1888) hält die beiden die Seitennärbchen der Sigillaria - Narbe bil- 
denden Organe für solche secernirender Natur; er nennt sie »appareils ä gomme«. 
Nach diesem Autor würde die Anatomie dieser Organe bei Sigillaria complicirter 
sein als diejenige, wie ich sie 1. c. 1893 für Lepidophloios beschrieben habe. 


H. Potonie, Die Wechsel- Zonen -Bildung der Sigillariaceen. 


29 


Bemerkenswerth ist noch an diesem Best, dass die Blattnarben 
an dem Stück ganz oben wieder lockerer zu stehen beginnen. 
Wir haben es also mit einer Zone enger stehender Narben zu 
thun, die oben und unten von zwei Zonen mit lockerer stehenden 
Narben begrenzt wird. Diese Erscheinung der Zonenbildung ist 
bei den Subsigillarien bereits bekannt. Ich werde darauf zurück- 
kommen. 

Die Favularien, vor Allem durch zickzackförmig verlaufende 
Längsfurchen charakterisirt , bat Weiss früher ebenfalls zu den 
Rhytidolepen gerechnet 1 ), also dann die Gruppe Rhytidolepis im 
weitesten Sinne genommen, die er später 2 ) als die der Eusigillarien 
bezeichnete. Hier sagt er auch: »dass die Favularien und Rhyti- 
dolepis (zu denen er nunmehr die Rhytidolepen im engeren Sinne 
und die Tessellaten rechnet) in einander übergehen, ist bekannt«. 
Dass sogar Rhytidolepis- und FawZaWa-Oberflächen-Sculptur an 
einem und demselben Stücke Vorkommen kann, scheint ihm 
in dem Moment, als er diesen Satz schrieb, nicht gegenwärtig 
gewesen zu sein, obwohl das diese Thatsache erweisende, auf unserer 
Taf. IV, Fig. 1 abgebildete Stück aus dem Carbon des Walden- 
burger Revieres (Göppert leg.) sich in der Sammlung der 
Königl. Preuss. geol. Landesanstalt befindet, und er die hier ge- 
gebene Abbildung desselben selbst — in der Absicht, sie in einer 
leider manuskriptlos, nur aus hinterlassenen Abbildungen be- 
stehenden, projectirten ausführlichen Monographie der Favularien 
zu veröffentlichen — schon 1882 bat zeichnen lassen. Auf dem 
einen Etiquet zu dem Stück hat er eigenhändig die Bemerkung 
gemacht: »Original zu der Zeichnung von 1882«. Auch in der 
schon citirten, 1893 herausgegebenen Arbeit über die Subsigillarien 
giebt er zwar 3 ) an, dass die Abtheilungen der Leiodermaria und 
Cancellata getrennt nicht mehr festgehalten werden können, da es 
sich hier nur »um zwei innig verbundene Formen der Ausbildung 
der Oberfläche« handele, aber von den anderen Oberflächen-Typen, 
den Favularien und Rhytidolepen sagt er auch hier wieder nur, 


9 Favularien 1887, S. 10 [236]. 

2 ) Sigillarien von Wettin und Umgegend 1889, S. 379. 

«) S. 12. 


30 


H. PoTosufi, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


dass sie ohne Lücke verbunden seien, aber nichts darüber, dass 
Favularia- und Rhytidolepis- Oberflächen auch an einem und dem- 
selben Stück Vorkommen können. 

Das unterste Drittel etwa unseres bemerkenswerthen Stückes 
Taf. IY, Fig. 1 zeigt typische Rhytidolepis- (im engeren Sinne) 
Oberfläche mit graden Längsfurchen ohne Andeutung von Quer- 
furchen (Detailfig. la), darüber folgt eine Zone mit geschlängelten 
Längsfurchen, ebenfalls ohne Querfurchen (Detailfig. lb), und zu 
oberst eine Zone mit ganz typischer Favularien-Oberfläche (Detail- 
fig. lc), sodass das Stück ohne Kenntniss des Zusammenhanges 
von 3 günstigen Bruchstücken nach dem bisherigen Modus in 
3 Arten zertheilt werden müsste, die obendrein in 2 verschiedenen 
Abtheilungen der Eusigillarien, also Rhytidolepis im engeren Sinne 
und Favularia , unterzubringen wären. Die Zonen b und c ge- 
hören der Basis eines Gabelzweiges an, der von der doppelt so 
breit gewesenen Zone a abgeht ; der andere Gabelzweig ist an dem 
Exemplar — wie die Figur zeigt — nur ganz andeutungsweise 
erhalten, und das Stück als einem gegabelten Stamm angehörig 
namentlich noch dadurch zu erkennen, weil der Gabelwinkel er- 
halten ist. 

Betrachten wir die senkrechten Entfernungen der einzelnen 
Blattnarben von einander, so sehen wir, dass dieselben von unten 
nach oben ganz allmählich geringer werden. Die alleroberste 
Zone zeigt zwar, dass die Narben hier wieder ein klein wenig 
grössere Zwischenräume zwischen sich lassen als unmittelbar da- 
runter, sodass man von oben beginnend eine Zone engstehender, 
darunter eine solche mit ganz engstehenden, dann wieder eine wie 
zuerst, mit engstehenden, dann eine mit lockerer stehenden und 
endlich im unteren Drittel eine Zone mit weit stehenden Narben 
unterscheiden kann; aber — so bemerkenswerth die Thatsache 
auch ist, dass ganz oben die Narben zwar immer noch eng, aber 
doch lockerer als unmittelbar darunter vertheilt sind — so genügt 
doch das Stück nicht, um — so wahrscheinlich es auch ist — an 
demselben mit hinreichender Evidenz zu constatiren, dass auch 
hier, wie an den Subsigillarien mit abwechselnd locker (leioderm) 
und dicht (cancellat) stehenden Narben, die Erscheinung dieselbe 


H. Potonik, Die "Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


31 


sei: dazu sind die Unterschiede in den Entfernungen der Narben 
im oberen Theil unseres Stückes doch zu gering. Einen zweifel- 
losen Beweis jedoch, dass auch die Favularien eine Zonenbildung 
in demselben Sinne wie die Subsigillarien zeigen können, also immer 
abwechselnd eine Zone mit enger stehenden Narben und eine mit 
lockeren, erbringt das Fig. 2 ebenfalls auf der Taf. IY zur An- 
schauung gebrachte Exemplar einer durchweg typischen Favularia 
von der Königsgrube bei Aachen (Flötz Merl, 430 Meter-Sohle, 
Sattel C, Hangendes, Querschlag IV), das Weiss auf dem Etiquett 
als »Sigillaria (Favularia) elegantula Weiss var.« bestimmt hat 
und ebenfalls für die ausführlichere Favularien- Arbeit bereits hatte 
zeichnen lassen: unsere Figur stammt aus seinem Nachlass. 

Dass auch an Stämmen, die sowohl Rhytidolepis- als auch 
Favularien-Oberfläche zeigen, Zonenwechsel stattfindet, geht aus 
einer Bemerkung A. C. Seward’s hervor *) , der mit wenigen 
Zeilen ein Stück (aus der GöPPERT’schen Sammlung in der Bres- 
lauer Universitäts- Sammlung) von der Steinkohlenformation zu 
Bochum erwähnt, das oben Rhytidolepis -, darunter Favularia- 
Sculptur und darunter wieder lockerer stehende Narben besitzt, 
über welchen eine Zeile mit Abbruchsstellen von Blüthen sich be- 
merkbar macht. Diese Thatsache in Verbindung mit der Ober- 
flächensculptur unseres Exemplares Fig. 1, Taf. IV genügt zu der 
Einsicht, dass auch die Ausbildung als Rhytidolepis- und Favularien- 
Oberfläche an Stämmen, die diese beiden Oberflächen- Sculpturen 
zugleich zeigen, auf Wechsel -Zonen -Bildung beruht. 

Aus unseren Stücken geht nun zur Evidenz hervor, dass auch 
die Eusigillarien auf Grund der bisher berücksichtigten Oberflächen- 
Sculpturen nur mit der Gefahr in Gruppen zerlegt werden können, 
dass die wirklichen Arten in mehrere zerlegt und sogar oft in ver- 
schiedene Gruppen placirt werden. Es bleiben also vorläufig nur 
die beiden Weiss’ sehen Hauptgruppen übrig: die Eusigillarien und 
die Subsigillarien, die — wenn auch durch Mittelformen zwischen 
Cancellaten und Favularien ebenfalls verbunden — doch dadurch 
getrennt sind, wenigstens bis jetzt, dass noch keine Stücke be- 

. *) Specific Variation in Sigillariae (Geolog. Magazine. Decade III, Vol. VII, 
No. 311, May 1890). London 1890, p. 217. 


32 


H. Potontk, Die Wechsel-Zonen -Bildung der Sigillariaceen. 


kannt geworden sind, die gleichzeitig Eusigillaria- und Subsigillaria- 
Sculpturen zeigten, wenn wir von den seltenen Stücken absehen, 
bei denen man streiten kann, ob sie besser zu den Favularien oder 
Cancellaten zu stellen sind. 

Ich habe eine Bestimmung der zur Darstellung gebrachten 
Reste vorläufig nicht vorgenommen, da die Namen derselben hier 
nicht von Belang sind ; sie sollen diesbezüglich bei Gelegenheit 
der Veröffentlichung der anderen von Prof. WEISS hinterlassenen 
Figuren von Rhytidolepis - , Tessellata- und Favularia- Oberflächen 
untersucht werden. 

Ich gehe nun zu einer näheren Betrachtung der Wechsel- 
Zonen-Bildung über, um namentlich eine Deutung derselben 
zu versuchen. 

Dass diese Zonenbildung nicht bei allen Arten vorkommt, 
ist zweifellos: wir kennen meterlange Rhytidolepis-^t^vakerne, an 
denen die Blattnarbe resp., nach Schwund der Aussenrinde, die 
auf den Steinkernen die Stelle der Blattnarben andeutenden beiden 
Male, welche den Seitennärbchen (Transpirationsstrang - Quer- 
schnitten) der Blattnarbe entsprechen, die Blattstellung leicht 
erkennbar machen, die aber eine solche Zoneubildung nicht er- 
kennen lassen, ebensowenig wie die meisten, in den Museen auf- 
bewahrten, längeren SigillariaStixcke. Ob nun die Zonenbildung 
eine mehr untergeordnete, »zufällige« Erscheinung ist, die gelegent- 
lich jede einzelne Art treffen kann, oder ob sie auf bestimmte 
Arten beschränkt ist, scheint zunächst nicht leicht zu beantworten. 
Mir scheinen aber mehr und triftigere Gründe für die erste An- 
nahme aufgeführt werden zu können. Zunächst ist das verhältniss- 
mässig seltene Vorkommen der Wechselzonen zu berücksichtigen 
auch an Resten, die eine grössere Strecke der epidermalen Ober- 
fläche zur Anschauung bringen. Wenn man bedenkt, wie häufig, 
ja gemein, S^T&rm-Stamm-Oberflächen im Carbon sind, wie sehr 
die Sammlungen mit solchen Resten überladen sind, so wird man 
die paar Fälle, welche Wechsel-Zonenbildung zeigen, leichter als 
Ausnahmefälle gelten lassen. 

Mir sind aus der Litteratur und aus der Sammlung der 
Königl. Preuss. geol. Landesanstalt die folgenden bemerkens- 


H. Potoniä, Die Wechsel- Zonen- Bildung der Sigillariaceen. 


33 


werthen Abbildungen resp. Stücke besonders in die Augen ge- 
fallen. Weniger auffällige Beispiele könnte ich noch eine grössere 
Anzahl aufführen. Von der extremsten Zonenbildung, wie sie unser 
Stück Taf. III, Fig. 1, oder das unten unter No. 6, S. 36 erwähnte 
Exemplar Grand’Eury’s zeigt, bis zu den Stücken, die auch jeder 
Andeutung derselben entbehren, giebt es alle nur denkbaren Ueber- 
gänge. Ich hätte ausser den hier abgebildeten aus der Sammlung 
der Königl. Preuss. geol. Landesanstalt noch eine grössere Anzahl 
zur Anschauung bringen können, welche Wechsel-Zonenbildung in 
den verschiedensten Variationen zeigen. Besonders häufig sind es 
Stücke mit Faw£am«-Oberflächen-Sculptur, welche schwächer ent- 
wickelte Zonenbildung aufweisen. Eines derselben besitzt z. B. in 
der Mitte eine eng-, darüber und darunter je eine wenig, aber doch 
deutlich locker- und höher-narbige Zone; ein anderes besitzt vier 
Zonen: unten eine solche mit niedrigen, in die Breite gezogenen 
Blattnarben, darüber eine andere mit hohen Blattnarben, über 
dieser wieder eine dritte, der ersten entsprechende, welche ihrer- 
seits nach oben wieder von einer mit der zweitgenannten überein- 
stimmenden begrenzt wird. Wieder andere Exemplare zeigen 
ganz schwache, kaum bemerkbare, hier und da zonenweise ein- 
tretende Reductionen der Blattnarben. — Auffallendere Beispiele 
sind also: 

1. R. Zeiller bildet in seiner Arbeit: »Veg. foss. du terr. 
houill. de la France« (Paris 1880, p. 135, Taf. CLXXIV, Fig. 1) 
ein Stück von Sig. Brardii ab mit 2 Zonen, die untere eng- 
narbig, die obere locker-narbig, wie Sig. rhomboidea Brongn. Der 
senkrechte Zwischenraum zwischen den Narben der unteren Zone 
beträgt nur gegen 2 Millimeter, der der oberen Zone etwa 3 J /2 bis 
5 Millimeter. Messen wir, wie wir das auch im Folgenden immer 
thun werden, in der Orthostiche die Entfernung der centralen 
Leitbündel -Närbchen in der Blattnarbe von einander, so finden 
wir diese in der oberen Zone um 10 Millimeter herum, in der 
oberen Partie der unteren Zone gegen 7 und in der unteren 
Partie der untern Zone gegen 8 — 9 Millimeter. Zwischen den 
beiden auffallend unterschiedenen, also nicht durch allmähliche 


Jalirbuch 1893. 


3 


34 


H. Potonik, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


Uebergänge vermittelten Zonen ist eine Zeile von Blüthennarben 
eingeschaltet. — Vergl. unsere Taf. V, Fig. 1. 

2. R. Zeiller bildet an den beiden angeführten Orten von 
1889 und 1892 zweimal dasselbe Exemplar von Sig. Brardii Brongn. 
ab, das oben cancellate, unten leioderme (= Sig. denudata Göpp.) 
Oberflächen-Sculptur zeigt. 

3. Derselbe Autor giebt in seiner Description de la flore 
fossile du bassin houiller de Valenciennes (Paris, Text 1888, 
p. 559 ff., Atlas 1886, Taf. LXXXIV, Fig. 1) ein Stück von Sig. 
Sauveurü Zeiller bekannt, das, durchweg tessellate Felderung 
besitzend, oben und unten locker und in der Mitte eng stehende 
und dabei weniger hohe Blattnarben zeigt, sodass 3 Zonen zu 
Stande kommen. 

4. C. Grand’Eury macht 1. c. ausser dem ebenfalls schon 
erwähnten Exemplar von Sig. Grasiana , welches eine cancellate 
Zone aufweist, die oben und unten von je einer leiodermen Zone 
eingefasst wird, an demselben Orte, also in unserer Aufzäh- 
lung: 

5. S. 261, Taf. IX, Fig. 7 einen auf der Tafel als Pseudo- 
sigillaria dimorpha n. sp. bezeichneten Rest bekannt, der zwar 
durchweg leioderme Oberfläche zeigt, aber durch verschiedenartige 
Ausbildung der Blattnarben doch Zonenbildung zeigt, indem die 
Narben des unteren Theiles durch ihre sehr geringe Höhe und 
dabei verhältnissmässig bedeutende transversale Ausdehnung mehr 
an die Blattuarben der Cordaiten erinnern, während die Narben 
des oberen Theiles die Conturen typischer Sigillaria- Narben zeigen, 
die freilich im Uebrigen dadurch abweichen, dass sie nur ein 
einziges, auffallendes, centrales Närbchen aufweisen sollen. Dem- 
entsprechend entbehren denn auch nach Grand’Eury die ent- 
rindeten Steinkerne solcher Reste die beiden Male oder durch 
Zusammenfliessen derselben das eine Mal, welches den beiden 
Seitennärbchen typischer Sigillaria - Narben entspricht. Vielmehr 
sind die entrindeten Steinkerne »Knorria- förmig«. Grand’Eury 
hat für solche Reste vom Typus der Sigillaria rimosa Gold, und 
Sigillaria monostigma Lesq. die besondere Gattung Pseudosigillaria 


H. Potonik, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


35 


gebildet 1 ). In der Arbeit über das »Bassin houiller du Gard« 
von 1890, S. 260 bringt er den in Rede stehenden Typus in die 
Untergruppe » Sigillariae - Camptotaeniae « in Anlehnung an den 
Speciesnamen »camptotaenia« Wood’s von 1860. Nach Weiss 2 ) 
sind — wie auch ich anerkenne — Sigillaria rimosa Gold. (1857), 
S. camptotaenia Wood (1869) und S. monostigma Lesq. (1866) 
synonym; die Art wird von diesem Autor Sigillaria comptotaenia 
Wood genannt, weil der Name S. rimosa bereits durch Sauveur 
für eine rhytidolepe Sigillarie vergeben war. Bezüglich der Närb- 
clien in den Blattnarben finden wir bei Weiss 3 ) die Angabe: »In 
der Narbe haben die 3 Närbchen eine solche Umbildung erfahren, 
dass sie wohl kaum zu 3 auftreten, sondern mehr oder weniger 
deutlich einen Ring bilden.« Und 4 ): »In der Narbenfläche 

vermisst man die 3 für Sigillaria charakteristischen Närbchen. 
Nur bei Fig. 23 kann man sie wohl, obschon nicht sehr deut- 
lich, erkennen. Fig. 23 A: das mittlere Närbchen punktförmig 
oder ein wenig horizontal verbreitert oder schwach gebogen, fast 
central, die seitlichen in schwachen, gebogenen, linealen Eindrücken, 
die mehr oder weniger ringförmig zusammenfliessen. Das bezüg- 
lich der Blattnarben besterhaltene Stück (Fig. 22) dagegen er- 
giebt am Wachsabguss das in Fig. 22 A gezeichnete Bild in zwei- 
facher V ergrösserung. Man sieht einen Ring, der einen concaven 
Fleck umschliesst und oben und unten oder nur unten einen 
Punkt besonders angedeutet sehen lässt. Goldenberg hatte 
(auch v. Röhl nach ihm) scharf und bestimmt 3 Närbchen ge- 
zeichnet ; allein an seinem Originale , wovon Fig. 20 ein Stück 
bringt, lässt sich davon nichts wahrnehmen, wie auch Schenk 

*) Flore carbon. duDep. de la Loire et du centre de la France. Paris 1877, 
p. 142. — Schon 1860 hat aber Wood (Proceedings of the Academy of Natural 
Sciences of Philadelphia, Juni 1860 [Philadelphia 1861], p. 237 — 238) für diesen 
und den leiodermen Typus überhaupt die Gattung Asolanus aufgestellt, die er 
freilich 1869 (Transactions Amer. Phil. Soc. XIII, p. 342) zu Sigillaria einzieht, 
danach würde besser, wenn man den Typus der Sig. camptotaenia generisch von 
Sigillaria trennen will, für Pseudosigillaria Grand ’Eury Asolanus Wood ex parte 
gebraucht werden. 

2 ) Subsigillarien 1893, S. 66—67. 

3 ) Subsigillarien, S. 65 — 66. 

4 ) 1. c., S. 67—68. 


36 H. Potonie, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 

richtig angiebt.« WEISS macht auch auf die Knorrienform der 
entrindeten Steinkerne aufmerksam. Seine Fig. 20, Taf. IV zeigt 
typische Knorria- Oberfläche unter der Kohlenrinde, während die 
entrindeten Theile der Figuren auf der Taf. V mehr an die 
Aspidiopsis - Sculptur erinnern . 

6. Ausser dem unter 5. angeführten Exemplar bildet Grand’- 
Eüry noch ein weiteres, viel vollständigeres Stammstück derselben 
Art, also Pseudosigillaria oder — wie aus der einen Anmerkung 
oben hervorgeht (für den Fall also, dass man den Typus abtrennen 
will) — besser Asolanus dimorpha ab auf Taf. XXII, Fig. 1 *). 
Dieses über V 2 Meter lange Prachtstück zeigt nicht weniger als 
5 Zonen, immer abwechselnd eine mit ganz schmalen, kurz- 
cordaitiformen Blattnarben und eine mit hohen, typisch sigillari- 
formen. 

Im Text * 2 ) führt Grand’Eury das Stück , Fig. 7 , Taf. IX, 
unter » Sigillaria camptotaenia monostigma « auf, indem er sagt: 
Dieses Stück »se rapporte, je crois, ä cette espece«; das Pracht- 
stück, Fig. 1, Taf. XXII, nennt er im Text » Sigillaria camptotaenia 
gracilenta«.. Sterzel 3 ) rechnet beide zu Sigillaria camptotaenia 
Wood, und anders kann man sie auch nicht unterbringen. 
Grand’Eury selbst beginnt übrigens den Text zu Sigillaria 
camptotaenia gracilenta mit den Worten: »Je ne crois plus que le 
raccourcissement periodique de Vegetation qui signale quelques 
tiges constitue un caractere specifique ( dimorpha ), bien qu’il 
n’ait pas ete constate ailleurs que dans le Gard, et qu’ici on 
ne le rencontre pas dans les couches superieures«. Der letzte 
Satz ist für uns besonders interessant, da die in demselben aus- 
gesprochene Thatsache, dass sich Wechselzonen bei der Sigillaria 
camptotaenia nur an Stücken aus bestimmten Horizonten finden, 
durchaus zu der Ansicht leiten muss, dass die Wechselzonen in 
der That keine constante Eigenthümlichkeit der Art sind, sondern 
vielmehr Wachsthums- Erscheinungen, die besonderen äusseren 
Einflüssen ihren Ursprung verdanken. Hiermit stimmt auch über- 


*) Bassin houiller du Gard 1890. 

3 ) 1. c., S. 262. 

3 ) In Weiss-Stebzel, Subsigillarien 1893, S. 67, Anmerkung. 


H. Potonie, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


37 


ein, dass das von WEISS, 1. c., Taf. V, Fig. 28, zum Theil abge- 
bildete Stammstück von Sigillaria camptotaenia , welches bei einer 
Länge von 65 Centimeter im Vergleich mit Grand’Eury’s Fig. 1, 
Taf. XXII, mindestens 6 Wechselzonen besitzen müsste, gar nichts 
davon zeigt. 

Dass die Entwickelung von strichförmigen Blattnarben bei 
Sig. camptotaenia in Zusammenhang steht mit einer V erlangsamung 
des Wachsthums der Achse, zeigt das GRAND’EüRY’sche Exemplar, 
Taf. XXII, Fig. 1, bei aufmerksamerer Betrachtung sehr leicht. 
Abgesehen davon, dass die senkrechte Entfernung der Blattnarben 
von einander sich leicht als (der Annahme entsprechend) verschieden 
in den Zonen constatiren lässt, obwohl Orthostichen nicht klar 
herauskommen, so kann man auch, ohne Vornahme von Messungen, 
durch den blossen Blick auf das Exemplar bemerken, dass die 
Schrägzeilen der verschiedenen Zonen sich hinsichtlich ihrer Steil- 
heit von einander auffallend unterscheiden. In den Zonen mit 
den strichförmigen Narben verlaufen sie sehr viel weniger steil 
als in den anderen Zonen und daraus folgt ja ohne Weiteres das 
Gesagte, wobei nur noch zu berücksichtigen ist, dass die Anzahl 
der Blattnarben in den sichtbaren Theilen der Parastichen in 
beiden Zonen dieselbe bleibt. 

7. Taf. IX, Fig. 10 bildet Grand’Eury einen Pseudosigillaria 
lepidodendroides *) genannten Rest ab, der zwei Zonen aufweist, 
unten eine mit sehr schmalen, darüber eine mit hohen Blatt- 
narben. 

8. Taf. XI, Fig. 1 — immer noch bei Grand’Eury, 1. c. — 
bringt eine fast 25 Centimeter lange Stammoberfläche von Sigillaria 
Brardii Brongniart * 2 ). Sie ist durchweg typisch cancellat und 
lässt 4 ganz allmählich in einander übergehende Zonen unter- 
scheiden, von denen immer die eine mit flacheren, die andere mit 
höheren Polstern und Blattnarben bekleidet ist. Bei der Kleinheit der 
Narben und Polster, die an sich wiederholenden Stellen durchaus 
die Höhen- und Breitenverhältnisse von Brongniart’s Sigillaria 


*) Text 1. c. S. 262. 

2 ) Text bei Grand’Eury 1. c. S. 250. 


38 


H. Potonie, Die Weehsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


Menardi besitzen, hätte Grand’Eury sein Exemplar ebensogut zu 
dieser Art, die wohl synonym mit Sigillaria Brardii ist, rechnen 
können. 

V^on hohem Interesse für unsere Frage ist es, dass die Si- 
gillaria Brardii Brongn. em. (also incl. spinulosa Germar und denu- 
data Göpp. !)), wie unter 1. S. 33 erwähnt, auch mit Wechselzonen 
vorkommt, die durch leioderme (Sig. spinulosa und S. denudata ) 
und cancellate Oberflächen gebildet werden. Die Entfernung der 
untereinander stehenden Narben der schmalpolsterigen Zonen be- 
trägt im Durchschnitt an dem GRAND’EüRY’schen Exemplar von 
Leitbündel-Närbchen zu Leitbündel-Närbchen gemessen nur gegen 
2 Millimeter, an dem z. B. von Weiss * 2 ), Taf. VIII, Fig. 39, ab- 
gebildeten Rest mit S. denudata - Oberflächen - Sculptur bis über 
35 Millimeter, sie ist also hier über 17 Mal grösser als im ersten 
Falle. Dazwischen kommen alle Entfernungsgrössen vor. 

E. Weiss bildet 1. c. die folgenden Beispiele mit Zonenbildung 
ab, wobei ich also, wie überhaupt, solche Stücke, deren Zonen 
nicht stärker augenfällig sind, wie z. B. an dem Taf. VIII, Fig. 37 
abgebildeten leiodermen Rest von » Sigillaria glabra n. sp.«, dessen 
untere Narben 2 — 3 Millimeter in der Orthostiche grössere Ent- 
fernung zeigen als die oberen, oder wie das Taf. XVI, Fig. 63, 
zur Anschauung gebrachte Stück mit cancellater Oberfläche von 
Sig. Brardii (»Sig. mutans W. forma Brardi Brongn. sp. var. 
sublaevis Sterz.«), bei welchem dasselbe Verhältniss waltet, und 
andere ausser Acht lasse. 

9. Taf. XIII, Fig. 57, veranschaulicht eine 48 Centimeter 
lange Oberfläche von Sig. Brardii (»Sig. mutans forma Wettinensis 
Weiss«) mit cancellater Oberfläche, deren Narben von unten 
nach oben ganz allmählich grössere Entfernungen von einander 
(immer in der Orthostiche) zeigen, oder mit anderen Worten: 
deren Polster im oberen Theile höher als im unteren sind. Unten 
beträgt die Entfernung der Narben 14 — 15 Millimeter, oben bis 
über 22 Millimeter. 

*) Vergl. meine Flora des Rothliegenden von Thüringen (Abhandl. d. 
Königl. Preuss. geol. Landesanstalt, Neue Folge, Heft 9), Berlin 1893, S. 190 ff. 

2 ) Subsigillarien 1893. 


H. Potonie, Die Wechsel-Zonen -Bildung der Sigillariaceen. 


39 


10. Taf. XV, Fig. 61, reproducirt Weiss das E. F. Germar- 
sche Original von Sig. Brardii *) (»Sig. mutans W. forma Brardi 
Brongn. sp. var. Germari-varians Sterz.«). Es besteht aus einem 
12 Centimeter langen Stammtheil mit einem 25 Centimeter langen 
Zweige, beide mit cancellater Oberfläche. Die Narbenentfernung 
am Stammtheil beträgt ca. 6 — 8 Millimeter. Der Zweig lässt drei 
schwach unterschiedene Zonen erkennen; die mittlere derselben 
zeigt Narbenentfernungen von ca. 5 — 6 Millimeter, die beiden 
anderen ca. 4 — 5 Millimeter. 

1 1 . Taf. XVII, Fig. 66, kommt eine Stammoberfläche eben- 
falls von Sig. Brardii (»Sig. mutans W. forma Brardi Brongn. sp. 
var. Germari-varians Sterz.«) von gegen 25 Centimeter Länge zur 
Darstellung, welche an das hier unter 8. S. 37 aufgeführte Grand’- 
EüRY’sche Exemplar erinnert, nur dass die Wechselzonen an dem 
WEiss’schen Stücke, deren man wohl 5 (von unten nach oben 
a, b, c, d und e) annehmen kann, nicht so auffallend unter- 
schieden sind, wie an Grand’Eury’s Exemplar, und insofern, als 
die Zonen sich untereinander nicht in gleicher Weise ähnlich sind. 
Nach den Angaben im Text * 2 ) beträgt die Polsterhöhe im untersten 
Theile des Stückes, in der Zone a, 4 Millimeter und die Blatt- 
narben nehmen die ganze Höhe des Polsters ein; in der darüber 
folgenden Zone b beträgt die Höhe der Polster ebenfalls 4 Milli- 
meter, aber die Blattnarben sind weniger hoch, so dass sie auch 
oben und unten von Polsterfläche begrenzt werden; Zone c besitzt 
5 Millimeter hohe Polster, die Narben wie vor, aber etwas höher; 
Zone d hat 3 Millimeter hohe Polster, Narben wie vor, aber 
wieder weniger hoch; Zone e mit 8 mm hohen Polstern besitzt 
auch die höchsten Blattnarben, die sonst ebenfalls central stehen. 
Schon dieses Stück ganz allein müsste bei der Unregelmässigkeit 
in der Ausbildung der Zonen Jeden darauf hinweisen, dass sie 
nicht specifisch für die Pflanze sind ; zieht man nun aber gar die 
übrigen schon erwähnten Stücke von Sig. Brardii hierbei mit in 
Betracht, da sie in ihrer Zonenausbildung untereinander wesent- 

') Gekmak, Die Yerst. d. Steinkohlengeb. v. Wettin u.. Löbejün, III. Heft, 
Halle 1845, S. 29 ff., Taf. XI, Fig. 1. 

2 ) S. 152-153. 


40 H. Potonik, Die Wechsel-Zonen -Bildung der Sigillariaceen. 

lieh abweichen, und berücksichtigt man ferner die Thatsache, dass 
lange Rindenoberflächen von derselben Species bekannt sind, die 
keine Spur von Zonenausbildung aufweisen, so wird man geradezu 
gezwungen, dem Gedanken Raum zu geben, dass nicht innere Wachs- 
thums- Verhältnisse (Vererbungs- Erscheinungen) die Zonenbildung 
bedingt haben, sondern dass die senkrechte Entfernung der Blatt- 
narben von einander innerhalb gewisser Grenzen, die sich zu einem 
specifischen Merkmal befestigt haben, ebenso von äusseren Ver- 
hältnissen, vor allem von Wärme und Nahrungszufluss, wohl auch 
Licht, abhängig sind, wie bei den recenten Pflanzenarten. 

12. Taf. XXI, Fig. 83, finden wir ein als Sig. Fritschü 
Weiss beschriebenes Exemplar von ca. 45 Centimeter Länge, das 
in seinem unteren Theile eine leioderme, in seinem oberen eine 
schlecht oder kaum cancellat entwickelte Zone zeigt. Die Narben 
der unteren Zone sind über 25 Millimeter von einander entfernt, 
die der oberen über 15 Millimeter. 

Zu diesen aus der Litteratur entnommenen Fällen kommen 
nun die drei von mir ganz oben beschriebenen und auf den 
Tafeln abgebildeten hinzu. Also: 

13. Der Taf. III, Fig. 1 abgebildete Rest, der unten eine 
Rhytidolepis- (i. e. S.) und oben eine Tessellaten-Zone besitzt. Die 
Narbenentfernung in der Rhytidolepis-Zone beträgt über 20 Milli- 
meter, in der Tessellaten-Zone im Durchschnitt 6 Millimeter, über 
und unter der letzteren gegen 8 Millimeter. 

14. Das von mir, Taf. IV, Fig. 1 gebrachte Stück zeigt in 
der basalen, echt rhytidolepen Zone Narben-Entfernungen von ca. 
7 Millimeter, während die Narben der Favularien-Zone oben nur 
ca. 3 Millimeter und ganz oben um ein Geringes mehr von ein- 
ander abstehen. 

15. Taf. IV, Fig. 2, also das Stück mit reiner Favularien- 
Oberfläche, zeigt in den beiden engnarbigen Zonen Entfernungen 
von 3 — 4 Millimeter, in der dazwischen liegenden solche von 
6 — 7 Millimeter. 

Die Sammlung der Königl. Preuss. geologischen Landes- 
anstalt besitzt aüsserdem noch eine Anzahl anderer Stücke, bei 
denen mehr oder minder deutliche Zonenbildung zu beobachten 
ist. Ich will von diesen nur noch — da die im Vorstehenden 


H. PoTONifi, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


41 


erwähnten Thatsachen reichhaltig genug sind, um die schon ge- 
zogene Folgerung zu rechtfertigen — 

16. ein grösseres Rhytidolepis- Stück erwähnen, das umge- 
kehrt wie das auf unserer Taf. III, Fig. 1 abgebildete Stück nur 
nicht so auffällig sich verhält, indem es oben lockerere und nicht 
durch Querfurchen getrennte, unten jedoch enger stehende und 
durch tessellate Querfurchen gesonderte Narben besitzt. In der 
unteren, tessellaten Partie betragen die Narben -Entfernungen ca. 
6 Millimeter, ganz unten wieder etwas mehr, in der obersten 
ca. 8 Millimeter. 

17. Zum Schluss der Aufzählung erwähne ich eine von mir 
angefertigte Gipsnachbildung eines in der Halleschen Universitäts- 
sammlung befindlichen Exemplars von Sig. Brardii, das mir diese 
Schlussfolgerung — speciell dass die engere oder weitere Entfernung 
der Narben keineswegs constant periodisch auftritt — noch weiter 
und wesentlich zu unterstützen scheint. Dieses Stück, ein zu- 
sammengedrückter Steinkern, von welchem ich in der Textfigur 
S. 42 je zwei Orthostichen jeder Seite in 1 /i zur Anschauung bringe, 
ist nur zum kleineren Theil mit kohliger Bedeckung erhalten. Es 
zeigt aber die Oberflächensculptur für unsern Zweck in genügender 
Weise auf beiden Seiten erhalten. Die eine Seite zeigt ganz typische 
Oberflächen-Sculptur des GoEPPERT’schen Sig. denudata- Restes, 
resp. der GERMAR’schen Sig. spinulosa (ohne die Stigmaria;- 
Narben). Bei Weiss-Sterzel wird diese Seite des Exemplars 
unter den »leiodermen Formen« unter No. 20 als »Sig. mutans 
Weiss forma Wettinensis-spinulosa Weiss et Sterzel« beschrieben. 
Die senkrechte Entfernung zweier Blattnarben beträgt 24 bis 
27 Millimeter. Die andere Seite des Stückes zeigt zwar eine im 
Durchschnitt nur wenig geringere senkrechte Entfernung der 
Blattnarben von einander, wie das ja auch ohne Weiteres ver- 
ständlich sein wird, dass hier grosse Unterschiede nicht erwartet 
werden können, es lässt sich aber leicht ein diesbezüglicher 
Unterschied constatiren — sodass ich mich über die WEiss’sche 
Angabe 1 ), sie sei »auf beiden Seiten gleich«, wundern muss — , 
und ferner ist die bemerkenswerthe Thatsache hervorzuheben, 


x ) Subsigillarien S. 86. 


42 


H. Potonie, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 



Stammstückes aus dem Carbon 


H. Potonik, Die Wechsel- Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


43 


dass diese Seite eine deutlich cancellate Oberfläche besitzt. Mit 
Leichtigkeit und auffallend lässt sich der Unterschied in der Ent- 
fernung der Narben auf beiden Seiten constatiren, wenn man ihn 
dadurch summirt, dass man bei der Messung mehrere Narben 
überspringt; so beträgt die Entfernung der einen Narbe in einer 
Orthostiche der leiodermen Seite von der 7. darüber befindlichen 
ca. 157 Millimeter, während sie sich auf der cancellaten Seite nur 
auf ca. 137 Millimeter beläuft. Diese Oberfläche wird bei Weiss- 
Sterzel 1. c. unter No. 37 unter den »cancellaten Formen« auf 
S. 127 und 128 mit demselben Namen wie die andere Seite be- 
schrieben mit der Bemerkung, dass sie sich der »forma Wettinensis 
var. convexa « anreihe. Sowohl S. 110 wie auch S. 128 wird 
wiederholt, dass die beiden Seiten sich »nahezu« gleich in Bezug 
auf die Entfernung der Blattnarben verhielten , und dass daher 
»die leioderme Seite nur durch Ausfüllung der Furchen der can- 
cellaten Seite erklärt werden könne.« Es ist wohl gemeint, dass 
die leioderme Seite durch stärkeres Längenwachsthum die Polster- 
furchen ausgeglichen habe, da weiter vorn *) gesagt wird, »die 
Leiodermarien-Oberfläche der einen Seite ist durch Ausfüllen der 
Furchen beim Wachsthum zu erklären« (Weiss). Ich selbst 
meine, dass das Stück unwiderleglich zeigt, dass der Wechsel in 
der senkrechten Entfernung der Blattnarben an Stücken, die 
bereits Dickenwachsthum besessen haben, wie das in Rede stehende, 
an welchen also ein nachträgliches Längenwachsthum ausge- 
schlossen ist, nur auf äussere Einflüsse zurückgeführt werden 
kann. Die Entstehung unseres Stückes kann man danach sich 
am besten so vorstellen, dass etwa die Beleuchtung der beiden 
Flächen in der allerersten Jugend, während des ausschliesslichen 
Längenwachsthums des Stammes, eine ausnahmsweise verschiedene 
war. Eine augenfällige Krümmung braucht sich bei dem geringen 
Unterschiede der Entfernungen nicht zu markiren. Der Sigillaria- 
Stamm, welcher unser Fossil geliefert hat, mag etwa am Rande 
eines dichten, also schattenreichen Waldes gestanden haben. Es 
wäre dann anzunehmen, dass die cancellate Seite von der Licht- 


‘) 1. c. S. 87. 


44 


H. PoTONiii, Die Wechsel- Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


quelle getroffen wurde, die leioderme hingegen von derselben ab- 
gewandt war. 

Bei Gelegenheit der Erwähnung dieses bei Weiss -Sterzel be- 
schriebenen Stückes, von welchem ich also in der Figur auf S. 42 je 
einen Theil der Vorder- und Rückseite zur Anschauung gebracht 
habe, möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich mich mit der in 
dem Subsigillarien-Werk angewendeten Nomenclatur nicht befreun- 
den kann. Abgesehen davon, dass sie nicht in Einklang mit den 
Nomenclaturgesetzen steht, die sich aus bewährter Praxis entwickelt 
haben, muss ich es für verfehlt halten, Pflanzentheile auch dann be- 
sonders zu benennen, wenn wir die specifische Zusammengehörigkeit 
derselben erkannt haben. In der Namengebung sollen sich die Fort- 
schritte unserer systematischen Erkenntniss ausdrücken. Wir wissen 
jetzt, dass der von Germar 1848 ^ als Sig. spinulosa bekannt ge- 
gebene Rest ebensowohl wie der von Goeppert 1 864/65 * 2 ), beide 
mit anderen vermeintlichen besonderen Arten, specifisch zusammen- 
gehören, u. a. mit der viel früher von Adolf Brongniart beschrie- 
benen Sig. Brardii 3 ). Danach muss man doch die Art Sig. Brardii 
Brongn. nennen, wie ich das auch in meiner Rothliegenden- 
Flora von 1893, S. 190, gethan habe. Wenn Sig. Menardi und 
andere Arten Brongniart’s ebenfalls nur als verschiedenartig 
ausgebildete Rindenoberflächen zu Sig. Brardii gehören, so wäre 
die Art Sig. Brardii Brongn. emend. zu nennen. Brongniart 
hatte ja bei dem damaligen Stand der Kenntniss noch nicht Ge- 
legenheit, sich über den Werth dieser »Arten« eine Meinung zu 
bilden. Daraus, dass wir die Sig. Brardii heute wesentlich voll- 
ständiger kennen als zu Brongniart’s Zeiten, ist nicht die Be- 
rechtigung herzuleiten, sie umzubenennen, wie das Weiss in 


!) 1. c. Y. Heft, Taf. XXV, Fig. 1 u. 2. 

®) D. foss. Flora d. permischen Form., Cassel, S. 200, Taf. XXXIV, Fig. 1. 

3 ) Hist, des veg. foss., 1. 1, livr. 12, 1836 p. 430—432, pl. 158, fig. 4. Als 
Clatliraria Brardii schon 1822 in »Sur la dass, et la distrib. des veg. foss. etc.« 
(Extrait des Mem. du Mus. d’hist. nat., t. VIII) p. 22, pl. I (XII), fig. 5 und als 
Sig. Brardii schon 1828 im Prodrome d’une hist, des veg. foss., p. 65. — Weiss 
giebt (Subsigillarien 1893, S. 85) irrthümlich an, dass in der genannten Brongniakt- 
schen Arbeit von 1822 die Abbildung der Brardii ohne Namengebung publi- 
cirt sei. S. 211 derselben Arbeit jedoch wird das Versehen ausgeglichen. 


H. Potonik, Die Wechsel-Zonen -Bildung der Sigillariaceen. 45 

seiner Subsigillarien-Arbeit thut, der sie als Sig. mutans W. auf- 
fuhrt. Ein solches Verfahren muss die überdies schon so colossal 
belastete Synonymie in unzweckmässigster Weise verwirren, und 
es wäre schwer festzustellen, wo die »Berechtigung«, alte Arten 
umzubenennen, ihre Grenze finden soll. Da die Sig. Brardii 
(in dem von mir angewendeten Sinne) nunmehr an einem und 
demselben Stücke in der ursprünglichen cancellaten (j Brardii 
Brongn. von 1822 — 1836) und in der so sehr abweichenden 
leiodermen ( denudata ) Ausbildung bekannt geworden ist, handelt 
es sich auch nicht um besondere »Formen« oder gar »Varietäten« 
einer Art, sondern eben nur um verschiedenartige Rindenober- 
flächen ein und derselben Art, wenigstens soweit wir bis jetzt 
orientirt sind. Bezeichnungen wie »Sig. mutans Weiss forma 
Wettinensis-spinulosa« oder gar Sig. mutans W. forma Wettinensis 
W. var. depressa«. sind daher nicht am Platze. Die paläontologi- 
schen Arten haben zwar zum guten Theile keinen specifischen 
Werth, da man ja leider die organische Zusammengehörigkeit von 
Resten oft nur vermuthen oder diesbezüglich oft auch nicht einmal 
eine Vermuthung äussern kann, und in diesem Falle bleibt freilich, 
so betrübend die Sache auch ist, nichts anderes übrig, als die 
Reste einzeln zu benennen: aber man muss sich doch klar darüber 
sein, dass es sich hier vielfach nur um provisorische Namen 
handeln kann, und muss es doch als einen Fortschritt begrüssen, 
wenn organische Zusammengehörigkeiten aufgedeckt und dadurch 
die Nomenclatur reducirt und richtig gestellt wird. Man kann 
daher nun wohl in unserem Falle von einer denudaten u. s. w. 
Oberfläche sprechen, aber nicht von einer forma denudata in 
botanisch-systematischem Sinne. Handelt es sich um verschieden 
ausgebildete Rindenoberflächen, deren Charakter man kurz an- 
geben will, so kann man die eine am passendsten und bequemsten 
als leioderme, die andere als subleioderme , subcancellate oder 
cancellate Sig. Brardii angeben, so dass die neuen Bezeichnungen 
durchaus entbehrlich oder geradezu störend sind, ja unsere that- 
sächlichen Kenntnisse in ein falsches Licht setzen. Sie wären es 
nicht, wenn uns die Zusammenhänge noch unbekannt wären; 
aber jeder Pflanzenpaläontologe weiss ja, was er von den pflanzen- 


46 H. Potonik, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 

paläontologischen Arten, Varietäten und Formen zu halten hat; 
jedoch auch dann eine nur wegen ungünstiger Umstände leider 
nothwendig gewordene Bezeichnungsweise beizubehalten, wenn 
günstige Umstände die Fehlerhaftigkeit derselben aufgewiesen 
haben, oder dieselbe gar noch weiter zu entwickeln, liegt nicht 
im Sinne der Wissenschaft. Ebensowenig wie ein Bedürfniss 
vorliegt, die einzelnen, in botanischen Museen befindlichen Objecte, 
also etwa Früchte, blühende Sprosse und Stammtheile ein und 
derselben Pflanzenart, besonders zu benennen, kann ein Vortheil 
darin gefunden werden, fossile Rindenoberflächen, die wir so 
glücklich waren, als organisch zu ein und demselben Pflanzen- 
individuum gehörig zu erkennen, besonders zu benennen, wodurch 
die erwähnte Errungenschaft äusserlich nur verdeckt wird. Die 
von WEISS x ) zur Begründung seiner Nomenclatur gemachten Be- 
merkungen sind daher nicht stichhaltig. Wenn er meint, dass 
sich unter den Stücken einer mutans - Reihe solche finden könnten, 
die zu verschiedenen Arten gehören, so ist das ja ganz richtig, 
da verschiedene Arten kaum oder nicht unterscheidbare Rinden- 
oberflächen besitzen können. Aber Möglichkeiten sollen sich 
in der Nomenclatur nicht aussprechen, sondern nur Thatsächlich- 
k eiten, soweit sie als solche nach dem jeweiligen Stande der 
Wissenschaft erkannt werden können. Ebenso wie man geduldig 
mit der Einziehung von Arten-Bezeichnungen warten muss, bis 
sich die Noth Wendigkeit hierzu aus beweisenden Stücken ergiebt, 
muss man auch mit der Trennung einer Art in mehrere warten, 
bis sich ein thatsächlicher Anhalt herausstellt. Die Nomenclatur 
hat unsere thatsächlichen momentanen Kenntnisse zu beleuchten 
und wiederzuspiegeln * 2 ). 

Weiss 3 ) hält den Schluss für gesichert, »dass wenigstens ge- 
wisse cancellate Sigillarien im Alter leioderm werden«, und er meint 
die cancellaten Rindenoberflächen der Sigillaria Brardii für 


') Subsigillarien S. 84 ff. 

2 ) Vergl. auch meine diesbezüglichen Bemerkungen in meiner Arbeit » Folli - 
culites Kaltennordheimensis Zenker und Foll. carinatus (Nkhring) Pot.« (Neues 
Jahrb. f. Miner., Geol. u. Palaeontologie. Stuttgart 1893. Bd. II, p. 105). 

3 ) 1. c. S. 87. 


H. PoTONiii, Die Wechsel-Zonen-Biltkmg der Sigillariaceen. 


47 


die jüngeren, die leiodermen für die älteren halten zu 
müssen. Die ganze Entwicklung, sagt er, wird man sich vorzustellen 
haben, »beginnend mit ganz jungen Exemplaren vom Typus der 
Sig. Menardi (Polster noch so dicht, dass die Blattnarben fast zu- 
sammenstossen), mit zunehmendem Alter und Grösse in typische 
Sig. Brardi (mit spatelförmigen Polstern und subquadratischen 
Blattnarben) übergehend, dann durch Vergrösserung der Polster 
sich weiter verändernd, nun aber bald mit Verflachung der Polster 
und Furchen sich mehr und mehr den rein leiodermen nähernd, 
wie Sig. rhomboidea , endlich in völlig leiodermen höheren Alters- 
Formen endend, wie Sig. spinulosa , denudata.« Das Vorkommen 
von Wechselzonen macht diese Anschauung ohne Weiteres un- 
haltbar, obwohl. schon die blosse Ueberlegung, dass an Stamm- 
theilen, die bereits ein Dickenwachsthum eingegangen sind, die 
Blattnarben in den Orthosticlien nicht mehr auseinanderrücken, 
sondern nur noch an Breite zunehmen können , dem Autor hätte 
nahelegen müssen, dass seine Anschauung nicht mit den anatomisch- 
entwickelungsgeschichtlichen Thatsachen in Einklang steht. Die 
beiden S. 48 im Text zur bildlichen Darstellung gebrachten Theo- 
phrasta-Stämme , die ich nach Exemplaren, welche im Berliner 
Königl. Botanischen Garten und Universitätsgarten cultivirt werden, 
habe abbilden lassen, veranschaulichen die in Rede stehende Tliat- 
sache auf das Deutlichste. An dem zur Darstellung gebrachten 
Stamm 1 a ist die senkrechte Entfernung der Blattnarben von ein- 
ander im Ganzen die gleiche, wir bemerken sogar, dass im Gegen- 
satz zu der WEiss’schen Annahme die Blattnarben nach oben hin 
ganz allmählich weiter auseinanderrücken, was in Zusammenhang 
steht mit der stärkeren Lebensenergie erwachsener Pflanzen gegen- 
über noch jugendlichen. Gemäss dem Dickenwachsthum haben 
die Blattnarben aber an Breite zugenommen. Die Fig. 1 b, lc 
und ld, in natürlicher Grösse die Umrisse der Blattnarben unten, 
in der Mitte und oben am Stamme wiedergebend, zeigen dies in 
höchst auffallender Weise. Vergl. auch Fig. 2. Um von vornherein 
einem möglichen Irrthum seitens der nicht botanisch vorgebildeten 
Pflanzenpaläontologen vorzubeugen, will ich gleich erwähnen, dass 
die geringere Höhe der Blattnarben im unteren Stammtheil gegen- 


48 


H. Potonie, .Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 



Fig. 1 Stamm von Theophrasta imperialis aus dem Königl. botanischen Garten 
zu Berlin, la verkleinert, lb — d drei Blattnarben in M , lb von der unteren, 
lc von der mittleren, ld von der oberen Partie des Stammes. 

Fig. 2 Theophrasta latifolia aus dem Königl. Universitätsgarten zu Berlin. 

2 b — d drei Blattnarben in x /i, sonst wie vorher. 

Gez. von Frl. E. Amberg. 



H. Potoni'", Die Weehsel-Zonen-Bildung der Sigiliariaöeen. 


49 


über derjenigen in den oberen Partien nicht etwa dadurch erklärt 
werden kann, dass die ältesten und älteren Narben durch das 
Dickenwachsthum wie ein Kautschukband breitgezogen und da- 
durch niedriger geworden sind, sondern dass die Höhe der älteren 
Blattnarben eben dieselbe war, wie wir sie jetzt constatiren. Es 
folgt aus ihrer geringen Höhe nur, dass die jugendliche 
Pflanze kleinere Blattnarben besass , entsprechend ihren 
kleineren Laubblättern. Das Auseinanderrücken der Blatt- 
narben erfolgt also — wie man aus diesem Beispiel sieht — im 
Allgemeinen gerade in den jüngeren Partien der Stämme, also 
wie gesagt, gerade umgekehrt, als es Weiss annahm. Dass das 
Längenwachsthum von Pflanzen während ihrer Entwickelung zu- 
nimmt, sobald sie eben in der Lage sind, reichlicher Nahrung 
aufnehmen zu können, wird durch das in Fig. 2 abgebildete 
Theopkrasta - Exemplar noch besser veranschaulicht als durch die 
Fig. 1, indem sich auf dem Stamm, Fig. 2 a, Wachsthumsperioden, 
immer abwechselnd eine Zone mit Narben in it einer ohne Narben, 
unterscheiden lassen, die von unten nach oben an Länge zu- 
nehmen. 

Dass die Blattanlagen (Primordien) und jungen Blätter auch 
bei den Sigillarien, wie bei den recenten Pflanzen, dicht gedrängt 
zusammenstehend anzunehmen sind, ist selbstverständlich, aber sie 
Vierden sehr schnell durch das Längenwachsthum der sie tragenden 
dünnen Achse mehr oder minder lockere Stellungen einnehmen 
oder engere beibehalten, je nach dem durch die äusseren Ver- 
hältnisse beschleunigten oder verlangsamten Wachsthum. Und 
dass diese äusseren Verhältnisse auch zur Steinkohlenzeit, wenn 
auch vielleicht nicht in so starkem Maasse und vielleicht auch 
gewöhnlich nicht periodisch wie heute, sondern nur ausnahmsweise 
gewechselt haben, dafür sprechen die vorgeführten Beispiele mit 
Wechselzonenbildung. Die Thatsache, dass die Wechselzonenbildung 
bei den Sigillarien in allen Uebergängen zu den zonenlosen Besten 
und in mancherlei Variationen auftritt, bekräftigt sehr die An- 
schauung von ihrer Abhängigkeit von äusseren Einflüssen. Geringe 
Klimaschwankungen werden schwach unterschiedene, stärkere auf- 
fallender unterschiedene Zonen veranlassen müssen. 


Jahrbuch 1893. 


4 


50 


H. Potonik, Die Weclisel-Zonen-Bilclung der Sigillariaceeti. 


Dass es sich auch bei der Sig. camptotacnia an den Grand’- 
EuRY’schen, S. 34 — 36 unter 5. und 6. erwähnten Exemplaren mit 
Wechselzonenbildung nur um durch periodisch wechselnde klima- 
tische Einflüsse bedingte Wachsthumserscheinungen handelt, geht, 
wie schon bemerkt, daraus hervor, dass auch lange Rindenober- 
flächen dieser Art bekannt sind, und dabei von etwa denselben 
Breitenverhältnissen, die keine Spur von Zonenbildung aufweisen. 
Die Zonen der genannten Art sind dadurch besonders bemerkens- 
wert!), dass die Blattnarben derselben sich wesentlich von ein- 
ander unterscheiden. Fast unwillkürlich wird man zu der Ver- 
muthung gedrängt, dass an den transversal -strichförmigen Blatt- 
narben anders ausgebildete Blätter (etwa schuppenförmige Blätter) 
gesessen, während die anderen Zonen mit den hohen Narben 
Laubblätter getragen haben. Mag auch ein so ausgesprochener 
Unterschied die entsprechenden Blattzonen nicht ausgezeichnet 
haben, so ist es doch fast selbstverständlich, dass die Spreitentheile 
an den schmalen, strichförmigen Narben nicht die ausgiebige Ent- 
wickelung gezeigt haben können, wie diejenigen, die den höheren, 
vollkommneren angesessen haben. Während und nach der Ent- 
wickelung von stärkeren, also einflussreicheren, in Jahresperioden 
wechselnden Witterungsverhältnissen mögen sich aber aus den 
flachnarbigen Zonen, durch Anpassung an die äusseren Verhält- 
nisse solche mit Schuppenbekleidung entwickelt haben, die dann, 
wie bei unseren meisten heutigen Cycadaceen, während der für 
die Pflanzen ungünstigeren Zeit u. A. der Stammknospe Schutz 
geboten haben. Dieser Gedanke liegt gewiss sehr nahe, denn 
ohne auch nur im Entferntesten daran zu denken, dass die 
Sigillarien bei den Cycadaceen selbst untergebracht werden 
könnten, ist es doch werth, untersucht zu werden, in wiefern sich 
die Sigillarien als die Vorfahren unserer heutigen Cycadaceen be- 
trachten Hessen. Abgesehen von anderen Verhältnissen rückt das 
Auftreten von Narben -Wechselzonen an den Sigillaria - Stämmen 
diese Frage wohl nahe. Gewisse Thatsachen sprechen eher für als 
gegen den in dem folgenden Schema auf S. 51 skizzirten Stammbaum. 

Ist dieser Stammbaum annähernd richtig, so stützt er die 
Ansicht, dass »die Niederblätter« der Cycadaceen »nichts anderes 


Ausgestorben Recent 


H. Potonik, Die W echsel-Zonen -Bildün g der Sigillariaceen. 


5i 


als Laubblätter sind, deren Spreite frühzeitig verkümmert ist, und 
welche sich demzufolge auch im Scheidentheile schwächer ausge- 


bildet haben« 1 ); mit anderen Worten: man ist gezwungen, sich 
die Entstehung der mit niederblattförmigen Schuppen besetzten 
Zonen bei den Cycadaceen als im Laufe der Generationen aus 
Laubblättern liervorgegangeu vorzustellen. Aber auch wenn dieser 
Stammbaum bezüglich der Ableitung der Cycadaceen einer wesent- 
lichen Modification bedürfen sollte, würde kaum etwas gegen die 
ausgesprochene Ansicht zu sagen sein, da ja bei den Pflanzen 
der allerverschiedensten Gruppen die erwähnten äusseren 
Einflüsse in ganz gleicher Weise wirken, mit anderen Worten, 
weil das bezüglich der äusseren Einflüsse Gesagte ganz allgemein 
für das ganze Pflanzenreich gilt. Es ist bei der Thatsache, dass 
die Verhältnisse im Aufbau der Cycadaceen vielfach an die 
Filices erinnern, vielleicht begründbar, dass erstere phylogenetisch 
mit den letzteren Zusammenhängen, worauf schon A. Braun hin- 
gewiesen hat 2 ). An fossilen Farnen ist sogar ein beträchtlicher, 
durch Dickenwachsthum entstandener Ilolzcylinder durch W. C. 


') A. W. Eiohler, » Cycadaceae « in Engler und Prantl’s natürlichen 
Pflanzenfamilien, II. Th., 1. Abth., Leipzig 1889, S. 7. 

, 2 ) Die Frage nach der Gymnospermie der Cycadaceen (Monatsber. d. Kgl. 
Preuss. Akad. d. Wiss.), Berlin 1875, S. 373. 



Unbekannte 

Stammgruppe 


4 : 


Lycopodineae 


52 


H. Potonik, Die Wechsel-Zonen -Bildung der Sigillariaceen. 


WilliamsÖn l ) constatirt worden, und auch bei recenten Arten 
(Ophioglossaceen) findet sich ein solcher wenigstens angedeutet. 

Unter den Beziehungen zwischen den Sigillariaceen und 
Cycadaceen fallen die folgenden besonders auf. Wenn wir von 
dem Blüthenbau der Sigillariaceen absehen , der diese Familie in 
die Gruppe der Lycopodineen weist, so erinnert die Anatomie 
und der äussere Habitus der Stämme der Sigillariaceen eher 
an die Cycadaceen. Bei beiden, Cycadaceen und Sigillaria- 
ceen, besitzt der Stamm ein grosses Mark und die letzteren 
sind meist spärlicher gabelig verzweigt als die Lepidodeu- 
draceen, Lycopodiaceen und Selaginellaceen, dadurch wiederum 
sich mehr den meist einfach-stämmigen Cycadaceen nähernd. Die 
Lepidodendraceen hingegen ähneln schon äusserlich durch die 
reichliche Gabelverzweigung der Sprosse den Lycopodiaceen und 
Selaginellaceen, und ferner besitzen diese letzten beiden Familien 
ebenso wie die Lepidodendraceen in ihren Stengeln und Stämmen 
ein centrales Leitbündel, das bei den Lepidodendraceen, da sie 
ja nachträglich in die Dicke wachsen, von einem secundären Holz- 
cylinder umgeben wird. Da es übrigens Gymnospermen schon zu 
Lebzeiten der Sigillariaceen gegeben hat, so ist es wohl denkbar, dass 
sich die Pflanzengruppe, aus der sich die Cycadaceen entwickelt 
haben, schon früher abgezweigt hat, als es in dem obigen Schema 
angenommen worden ist. — Die Ansicht, dass die zu specifischen 
Eigenthümlichkeiten gewordenen Wechselzonen der Cycadaceen 
aus solchen, durch äussere Bedingungen veranlassten Zonen durch 
Anpassung an ein periodisch wechselndes Klima entstanden seien, 
würde dadurch — wie gesagt — nicht weniger wahrscheinlich sein. 

Die von W. Carruthers als Cycadaceen beschriebenen und 
abgebildeten Stammstücke 2 ), die nach Solms - Laubach 3 ) wohl 

i) Report of the Committee consisting of Professor W. C. Williamson 
(Chairman; and M. W. Cash (Secretary), appointed to investigate the flora of 
the Carboniferous' Rocks of Lancashire and West Yorkshire. (British Asso- 
ciation, Newcastle meeting, p. 69). London 1890. 

, 2 ) Carruther«, On fossil cycadeen stems from the secondary Rocks of 
Britain (p. 675 ff. in »The Transactions of the Linnean Society of London. 
Yol. XXVI, part the first. London 1868). Taf. 54, Fig. 4 ( Bucklandia Mantellü ), 
Taf. 55, Fig. 1 (B. Miller iana), Fig. 8 u. 9 ( Yastesia Joassiana). 

3 ) Ueber die Fructification von Bennettites Gibsonianus Carr. (Botanische 
Zeitung, 48. Jahrgang, No. 49 vom 5. Dec. 1890). Leipzig 1890, Spalte 794. 


H. Potoniis, Die Wechsel-Zoneu-Bildvmg der Sigillariaceen. 


53 


alle zu den mit den Cycadaceen zwar verwandten, aber diesen 
nicht subordinirten , sondern coordinirten Bennettidaceen gehören, 
zeigen zum Theil einen Zonenwechsel , der dem der erwähnten 
Sigillarien zu entsprechen scheint. Ist das richtig, so würde die 
Wechselzonenbildung in der Ausbildung der Cycadaceen erst der 
Neuzeit angehören. 

Bezüglich der Wechselzonen können wir 3 Fälle unterscheiden: 

A. Bei ungünstigeren Witterungsverhältnissen wird das 
Längenwachsthum wie überhaupt, so natürlich auch bei Sigillaria 
verlangsamt; es entstehen dadurch an den Stengeltheilen Zonen 
mit enger stehenden und weniger hohen Narben; aber die Blätter 
werden nicht oder kaum alterirt, wenigstens müssen wir wohl das 
letzere bei der Sig. Brardii und anderen Arten auf Grund der 
Uebereinstimmung der Narbenformen der cancellaten und leio- 
dermen Oberflächen annehmen. 

B. Unter gewissen Umständen verlangsamt sich das Längen- 
wachsthum, und die Form der Blattnarben wird eine ganz andeie; 
wir gewinnen an entblätterten Stämmen den Eindruck, dass sie 
mit zwei verschiedenen, mit einander abwechselnden Blattformationen 
besetzt waren. Die Zonenbildung ist aber noch nicht zu einem 
specifischen Merkmal geworden, sondern tritt, wie gesagt, nur als 
Reagens auf die Witterungs Verhältnisse auf. Die Blätter der eng- 
narbigen Zonen dieser Species müssen ganz entschieden in ihrer 
Form und Ausbildung von den Blättern der lockernarbigen Zonen 
sich bedeutender unterschieden haben: das lehrt ohne Weiteres 
der grosse Unterschied in der Form der Blattnarben beider Zonen- 
arten; denn mindestens müssen doch die Blätter, welche den 
strichförmigen Narben angesessen haben, wesentlich weniger dick 
gewesen sein als die der anderen Blattnarben. — Hierher Sigillaria 
camptotaenia. 

Nichts ist nun naheliegender, als die Annahme, dass sich 
während des Eintritts jährlichen periodischen Witterungswechsels 
die engnarbigen Zonen vererbbar gefestigt haben, und so gelangen 
wir zu dem Fall 

C. der bei den meisten unserer heutigen Cycadaceen ver- 
wirklicht ist, wobei die Blätter der kleinnarbigen Zonen auf das 
möglichste Maass reducirt erscheinen. 


54 


H. Potoshc, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


Ich habe zwar schon Eingangs bei Erörterung der bemerkens- 
wertheren Stücke mit Wechselzonen Gelegenheit gehabt, von dem 
Auftreten von Querzeilen mit Bliithenabbruchsstellen zwischen den 
verschiedenen Zonen zu sprechen, habe aber die Beziehung des 
Auftretens von Blüthen zu den Wechselzonen noch nicht be- 
sprochen 1 ). Das soll nunmehr geschehen , und es wird sich 
zeigen, dass sich aus der Untersuchung dieser Beziehung eine 
wichtige Stütze für meine Anschauung ergiebt, dass nämlich die 
Wechselzoneubildung als Beaction auf die äusseren, namentlich 
die Ernährungs- (Feuchtigkeits-) Verhältnisse, aufzufasseu ist. 

Um zunächst die Thatsachen vorzuführen, aus denen das 
Gesagte hervorgeht, will ich wieder der Reihe nach Beispiele vor- 
führen. Ich bemerke dabei , dass diese Beispiele wieder aus der 
Litteratur (Abbildungen) und aus der Sammlung der Königl. 
Preuss. geolog. Landesanstalt entnommen sind. Auch die folgende 
Liste macht keinen Anspruch darauf, alle Fälle aus der Litteratur zu 
berücksichtigen: ich hatte mir nur vorgenommen, denVersuch zu 
machen, etwa ein Dutzend derselben zu finden, bei denen die Blatt- 
narbenzonen über und unterhalb der Bliithenabbruchs- Querzeilen 
deutlicher von einander abwoichen. Es zeigte sich an allen solchen 
Exemplaren, dass die Blattn arbenzonen über den Blüthen- 
abbruchsstellen lockerer- narbig sind als darunter, l’esp. 
dass die Blattnarben über den Blüthennarben höher sind als die 
Blattnarben unter den Blüthennarben, mit anderen Woi’ten, dass 
das Wachsthum nach der Bliithenbildung ergiebiger 
gewesen ist als vorher, dass die Ernährungsverhält- 
nisse vorher ungünstigere waren, als nach der Blüthen- 
bildung. 

Die Fälle, welche mich zu dieser Auffassung gezwungen 
haben, sind die folgenden: 

1. Das schon in der vorigen Liste S. 33 ebenfalls unter No. 1 
aufgeführte Stück Zeiller’s. Vergl. unsere Taf. V, Fig. 1. 


') Eine vorläufige' Mittheilung hierüber habe ich in der Sitzung vom 
21. November 1893 in der Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin ge- 
macht. Yergl. Sitzungsberichte S. 243. 


H. Potonik, Die Wechsel-Zonen- Bildung der Sigillariaceen. 


55 


2. Das ebenfalls schon und zwar S. 31 erwähnte, von 
Seward kurz beschriebene Stück. 

3. Eine von Leo Lesquereux (Atlas to the Coal Flora of 
Pennsylvania. Harrisbury 1879, PI. LXXII, Fig. 5) abgebildete 
tessellate Oberfläche, welche 3 Zonen besitzt. Zu unterst eine 
Zone mit ca. 7 Millimeter hohen Blattnarben , zu oberst eine 
solche mit ca. 10 Millimeter hohen. Der Zwischenraum der 
Narben wird von der tessellaten Furche eingenommen. Zwischen 
den beiden Zonen findet sich eine mit Blüthenabbruchsstellen, die 
unregelmässig in 3 Zeilen auftreten, zwischen ihnen einige Blatt- 
narben. 

4. Eine ebenfalls' tessellate Oberfläche, die Ze ILLER (Atlas 
zur Descript. flore foss. hass. h. de Valenciennes, Paris 1886, 
PI. LXXXVII, Fig. 5) zur Abbildung bringt. Unter der wieder 
sehr unregelmässigen, der des Stückes No. 3 gleichenden Region 
mit den Blüthennarben, zeigt das Stück Narbenentfernungen von 
ca. 8 Millimeter, darüber ein geringes mehr. 

5. Ein favularisches Sigillaria- Stück, welches Zeiller als 
Sig. approximata Fontaine et White (Flore foss. bass. h. et 
permieu de Brive. Paris 1892, PI. XIV, Fig. 2) abbildet, das 
zwei Regionen mit Blüthennarben besitzt. Ueber denselben sind 
die Blattnarben etwas höher als unter denselben. 

6. Ein » Sigillaria Defrancei forma quinquangula Weiss et 
Sterzel« genannter (Taf. XXIII, Fig. 91, der Weiss- Sterzel- 
schen Subsigillaria-kvhz\t von 1893) Rest, der in der unteren und 
in der oberen Partie je eine Bltithennarbenzeile aufweist. Mau 
sieht deutlich, wenn auch schwach entwickelt, dass die Blattnarbeu 
über den Blüthenzeilen etwas lockerer stehen, resp. höher sind 
als die Narben unter den Blüthenzeilen. 

Ich füge noch aus der Sammlung der Königl. geologischen 
Landesanstalt 4 Stücke hinzu, von denen 2 in Abbildungen auf 
unserer Taf. V, Fig. 2 und 3, veröffentlicht werden, nämlich: 

7. Eine FauM^öna-Oberfläche von der Grube Goulay bei Aachen 
mit einer unregelmässigen Quer- Blüthen- Zeile, darüber wieder 
lockere, ca. 4 — 5 Millimeter Närbchenentfernuug besitzende höhere 


56 


H. POTONI 


Die Wechsel-Zonen-Bildung (1er Sigillar aceen. 


Blattnarben, darunter weniger hohe, ca. 4 Millimeter Entfernung 
zeigende Blattnarben. — Taf. Y, Fig. 2. 

8. Bei einer Favularia - Oberfläche vom Franziska -Tiefbau 
bei Witten liegt der Fall wie bei No. 7. Zu unterst zeigt das Stück 
eine hohe Zone mit engen und wenig hohen Narben, in ziemlicher 
Höhe tritt eine einzige Zeile mit Bltithenabbruehsstellen auf, 
darüber eine kurze Zone mit höheren Blattnarben, dann wieder 
eine Blüthenzeile und endlich eine Zone, deren Narben von unten 
nach oben wieder allmählich an Höhe abnehmen. 

9. Eine schwach-favularische , tessellate Oberfläche aus dem 
Hangend-Zug des Waldenburger Reviers, mit einer breiteren, sehr 
unregelmässig durch Blattnarben und Bltithenabbruehsstellen be- 
deckten Zone, unter und über dieser je eine nur aus Blattnarben 
gebildete Zone, die sich schwach durch etwas lockerere Stellung 
der Narben in der über den Blüthen befindlichen Zone von ein- 
ander unterscheiden. 

10. Ein tessellates Oberflächen -Stück von der Zeche Bruch- 
strasse bei Langendreer. Sehr ähnlich dem Fall 9., aber die 
wenigen noch vorhandenen Blattnarben über der Blüthenzone 
deutlich lockerer stehend als die unter den Blüthen. — Taf. V, 
Fig. 3. 

11. Endlich habe ich noch auf die wichtige Thatsache auf- 
merksam zu machen, dass, wie auch Weiss ( Subsigillarieu 1893, 
S. 38) angiebt, an leiodermen Oberflächen noch keine Blüthen- 
narben constatirt worden sind, während solche an cancellaten Ober- 
flächen bekannt sind. Speciell von der Sig. Brardii Brongn. em. 
hat E. F. Germar (Verst. v. Wettin u. Löbejün. 3. Heft. Halle 
1845, Taf. XI, Fig. 1) eine cancellate Oberfläche mit Blüthen- 
Quer- Zeilen zur Abbildung gebracht; leioderme Stücke derselben 
Art sind auch von mir trotz eifrigen Suchens namentlich in unserer 
Sammlung mit Blüthen -Narben nicht gefunden worden. — Vergl. 
hierzu S. 54, No. 1. 

Stücke, bei denen über und unter der Blüthenregion ein Unter- 
schied in der engeren oder lockereren Stellung der Blattnarben nicht 
zu bemerken ist, sind in unserer Sammlung mehrfach vorhanden und 
auch bekannt, aber ich habe weder in den Abbildungen der Litteratur 


H. Potoxik, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigiliariaeeen. 


57 


noch in den Sammlungen bis jetzt einen Fall constatirt, bei welchem 
die Blattnarben übe r der Blüthenregion enger sti'mden als unter der 
genannten Region. Und wenn auch solche sicheren Fälle viel- 
leicht von mir nur übersehen sind, resp. noch gefunden werden, so 
lässt sich doch auf Grund der überwiegenden Fälle ohne Weiteres 
behaupten, dass die Blüthenbildung in Quer-Zeilen oder 
-Regionen an Stücken mit Wechselzonen aufzutreten 
pflegt nach einer engnarbigen Blattzone. Lässt sich 
diese Thatsache nun mit meiner oben entwickelten Ansicht be- 
züglich der äusseren Einflüsse bei der Entstehung der Wechsel- 
zonen in Einklang bringen? Ich muss antworten: nicht nur 
dieses, sondern sie stützt diese Ansicht. 

Dem Botaniker ist es bekannt, dass die Blüthenbildung von 
äusseren Einflüssen mehr oder minder abhängig ist. Kürzlich hat 
z. B. M. Möbius das über diesen Gegenstand Bekannte zusammen- 
gestellt und auch selbst experimentirt *); er betont, dass Licht 
und Trockenheit auf die Blüthenbildung fördernd wirken, während 
die Entwicklung der vegetativen Organe besonders günstig durch 
Schatten und Feuchtigkeit beeinflusst wird. Auch H. Vochting 
macht neuerdings 2 ) auf eine Vorschrift der praktischen Pflanzen- 
züchter besonders aufmerksam, die darin besteht, dass man eine 
Pflanze, um sie zum reichlichen Blühen zu veranlassen, sehr 
sonnig stellen und nicht mit zu reichlicher Nahrung versehen, 
und dass man umgekehrt, um starkes vegetatives Wachsthum, 
jedoch geringe Blüthenbildung zu bewirken, schattigen Platz und 
viel Nahrung geben solle. Das wissenschaftliche Experiment hat 
die Richtigkeit dieses Zusammenhanges ergeben. .Ja, man kann 
eine Pflanze in der Region, die sonst die Blüthen producirt, zur 
Laubsprossbildung veranlassen und auch in der freien Natur 
kommt unter den angegebenen Umständen Laubblattbildung in 

•*) Welche Umstände befördern und welche hemmen das Blühen der 
Pflanzen (Sonderdruck aus dem Biologischen Centralblatt, Bd. XII, S. 609 ff., 
No. 20 — 22. Erlangen, den J. und 15. November 1892). 

2 ) Ueber. den Einfluss des Lichtes auf die Gestaltung und Anlage der 
Blüthen (Sep.-Abd. aus Pringsheim’s Jahrbüchern für wiss. Botanik, Bd; XXV 
Heft 2 (Berlin 1893), S. 6). 


58 


H. Potonik, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 

der Blüthenregion vor. A. Braun sagt diesbezüglich 1 ): »Als zu- 
fällige, hauptsächlich durch feuchte Witterung veranlasste Er- 
scheinung findet man Laubsprossbildung im Blüthenstand bei sehr 
verschiedenen Pflanzen.« Sogar Pflanzen, die vorher geblüht 
haben, kann man, wie ich nachgewiesen habe 2 ), nachträglich durch 
weitere Cultur bei Belichtungs-Verminderung, noch in der Blüthen- 
region zur Production von Laubsprossen veranlassen. 

Sehen wir uns mit Rücksicht auf diese Thatsachen die 
Sig Maria-Stücke mit Blüthen- Abbruchsstellen an, so werden wir 
zwingend dazu geführt, die Wechselzonen - Bildung überhaupt als 
abhängig von den äusseren Einflüssen anzusehen. Ich habe schon 
angedeutet, dass ich mir die zonenweise engere Stellung der 
Blattnarben nur zu erklären wüsste, hauptsächlich durch die An- 
nahme ungünstiger Ernährungsverhältnisse, wie solche bei Mangel 
an genügender Feuchtigkeit eintreten müssen. Auch hohe Licht- 
intensität ist längst als eine Ursache der Internodien -Verkürzung 
bekannt, und es mag hier und da auch dieser Factor bei der 
Wechselzonen-Bildung der Sigillariaceen mitgespielt haben, wie 
beispielsweise an dem in der Textfigur auf S. 42 zum Theil ab- 
gebildeten Sigillaria- Rest, dessen Grössen -Unterschied in der 
Stellung der Blattnarben auf den beiden Seiten sich — wie mir 
scheint, und wie ich das vorue gethan habe — am besten durch 
verschiedene Belichtungs- Einflüsse erkläi’en lässt. Stärkere Be- 
lichtung und Trockenheit wirken also auf die Blüthenbildung 
fördernd, und es ist doch gewiss eine treffliche Bestätigung meiner 
Erklärung der Entstehung der Wechselzonen-Bildung, dass dieser 
Thatsache entsprechend, wie gezeigt, in der That Blüthenbildung 
in Querzeilen oder Querzonen so häufig gerade als Abschluss einer 
Laubblatt-Zone mit engeren Narben beobachtet wird, während 
der umgekehrte Fall, also Blüthenbildung als Abschluss einer 
Laubblatt- Zone mit lockereren Narben, kaum vorzukommen oder 
doch bisher nicht hinreichend beobachtet worden zu sein scheint. 

*) Ueber Polyembryonie und Keimung vou Caelebogyne. (Aus den Abh. d. 
Königl. Preuss. Äkad. d. Wiss. zu Berlin 1859 [Berlin 1860].) S. 180. 

2 ) Pseudo-Viviparie an Juncus Inifonius L. Vortrag gehalten iin »Botanischen 
Verein der Provinz Brandenburg« zu Berlin am 10. November 1893. (Biologisches 
Centralblatt, Bd. XIV, No. 1, S. 11 ff. Cassel 1894.) 


59 


H. PoTONiK, Die Wechsel-Zonen-Bildung der S'gillariaceen. 

Ein besonderes Interesse gewinnt durch die gegebene Be- 
leuchtung das von mir anderwärts citirte, von W. Carruthers * 2 3 ) 
bekannt gegebene Stammstück mit Aspidiaria - Felderung , dessen 
Zweig mit Feldern besetzt ist, die allmählich von der Basis des 
starken Zweiges bis zu seiner abgebrochenen Spitze an Höhe ab- 
nehmen, so dass das Zweigstück in seiner oberen Hälfte Bergeria- 
Felderung zeigt. In dem obersten Drittel des Zweigstückes etwa 
sind die Felder am niedrigsten, hier durchaus an typische Polster 
von Lepidopldoios erinnernd. Was nun aber für uns von be- 
sonderem Interesse ist, das ist die Thatsache, dass das ganze 
Fossil nur Halonia- Wülste, d. h. also bliithentragende Emergenzen 3 ) 
in der Region mit den schmälsten Feldern, also nur in dem oberen 
Drittel des Zweigstückes entwickelt hat, übereinstimmend wie die 
erwähnten Sigillaria-Re&te in der Zone, in der das Längenwachs- 
thum weniger intensiv gewesen ist. 

Vergleichen wir wieder die entsprechenden Verhältnisse, also 
das Auftreten der Blüthen bei den Cycadaceen, so finden wir 
diesbezüglich bei dieser Familie die nur denkbar wünscbens- 
wertheste Uebereinstimmung. Wenn nämlich in der That die 
Niederblattzonen der Cycadaceen phylogenetisch aus Zonen her- 
vorgegangen sind, veranlasst durch die äusseren Einflüsse eines 
periodisch wechselnden Klimas, wie ich für die Wechsel- 
zonen der Sigillariaceen annehmen muss, dass sie ein Ausdruck 
wechselnder äusserer Witterungsverhältnisse sind, so wäre zu er- 
warten, dass sich die Cycadaceen auch hinsichtlich ihrer Blüthen- 
bildung ebenso verhalten, wie die blühenden, mit Wechselzonen 
versehenen Sigülaria-Fälle. Dies ist nun in der That der Fall: 
den Blüthen der wechselzonenbildenden Cycadaceen geht immer 
eine Zone von Niederblättern voraus, ln der Zusammenfassung 
von A. W. Eichler 4 ) finden wir die Angabe: »Sie (nämlich die 


0 Die Zugehörigkeit von Halonia (Berichte der Deutsch, botan. Ges., 
11. Jahrg., Berlin 1893, S. 49:1). 

2 ) On Halonia of Lindley and Hutton and Oyclocladia Goldenberg (The 
geological magazine, vol. X, London 1873, S. 145 ff., Taf. VII, Big. 1). 

3 ) Vergl. meine schon citirte Arbeit über Halonia. 

i) 1. c. S. 12. 


60 


H. PoToxni, Die Wechsel-Zonen- Bildung der Sigillariaceen. 


Bliithen, P.) stehen... zwischen den jüngsten Wedeln«, 
und A. Braun 1 ) sagt von dem Büschel der Fruchtblätter: »er ver- 
tritt die Stelle einer Laubkrone, indem ihm in ähnlicher Weise 
wie dieser eine Periode von Niederblättern vorausgeht.« 

Ich habe noch darauf aufmerksam zu machen, dass die in 
Querzonen auftretenden Bliithen- Abbruchsstellen der Sigillariaceen 
ganz auffallend häufig höchst unregelmässig und die Oberfläche, 
besonders die Blattnarben, missgestaltend auftreten, während im 
Gegensatz hierzu die in wenigen Längszeilen erscheinenden 
Bliithen- Abbruchsstellen gewöhnlich die Oberflächen-Ordnung nicht 
wesentlich stören. Es ist das ja ohne Weiteres begreiflich, da die 
Bliithenansatzstellen, die zwischen den Orthostichen Platz finden, 
besonders viel davon wegnehmen, wenn sie gleich auf einer ganzen 
Querzone auftreten. Unter gleichbleibenden äusseren Verhält- 
nissen, die ich nach dem Vorausgehenden dort annehmen kann, wo 
ich Sz^iZ/an'a-Oberflächen mit gleichinässigen Blattnarben-Grössen 
und -Entfernungen habe, pflegen die Bliithen weniger dicht auf 
einer Horizontal-Zone zusammengedrängt vorzukommen, vielmehr 
sind es da meist einzelne Längszeilen von Bliithen- Abbruchsstellen, 
welche sich zwischen die Orthostichen einklemmen. 

Alle die vorgeführten Thatsachen lassen sich zusammeuge- 
nommen so vollständig und befriedigend durch die Annahme er- 
klären, sie als Reaction auf die Ernährungs- und Witterungs- 
Verhältnisse aufzufassen, dass mir bis auf Weiteres diese An- 
nahme durchaus geboten, ja nothwendig erscheint. 

Um das sich für die Sigillarien ergebende Resultat noch ein- 
mal hervorzuheben, fasse ich dasselbe in die Worte: 

I. Die Untergruppirung der Sigillai'ien auf Grund der bis- 
her dafür verwendeten Rindenoberfläche entspricht nicht der 
wahren systematischen Verwandtschaft der Sigillaria- Arten und 
ist auch wegen des Zusammenvorkommens der verschiedenen 
Oberflächensculpturen au einem und demselben Stücke undurch- 
führbar. Nur 2 Gruppen lassen sich vorläufig beibehalten: die 
Eusigillarien und die Subsigillarien. 


l ) 1. c. Gymnospennie d. Cyo. S. 349. 


H. Potonik, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


öi 

II. Die Zonenbildung an den Stammoberflächen der Sigillarien 
beruht nicht, wie E. Weiss annahm, in einer Altersverschiedenheit 
der Oberflächen, so dass die Blattnarben an den älteren Stengel- 
resp. Stamm -Theilen weiter auseinanderrüeken , wie u, a. ohne 
weiteres durch Exemplare, an denen solche Zonen mit einander 
ab wechseln, widerlegt wird, sie ist vielmehr bedingt durch Er- 
nährungs- und Witterungs- Einflüsse und stellt kein specifisches 
Charakteristicum für die Sicjillaria - Arten dar. 

III. Die Blüthenbildung in Querzonen bei den Sigillarien 
tritt besonders häufig als Abschluss einer Laubblatt- Zone mit 
engeren Narben (kürzeren Internodien, soweit man bei den 
Sigillarien von Internodien reden kann) auf, resp. in Regionen 
mit enger stehenden Blattnarben, Thatsachen, welche unter der 
Voraussetzung, dass das unter II. Gesagte richtig ist, mit der 
von recenten Pflanzen her bekannten Erscheinung in vollem Ein- 
klang stehen, dass Licht und Trockenheit (Nahrungs -Mangel) 
auf die Blüthenbildung fördernd wirkt. 


Ueber den in Obigem abgehandelten Gegenstand habe ich in 
den Sitzungen vom 17. October und vom 21. November 1893 der 
Gesellschaft naturforschender Freunde zu Berlin *) Vorträge ge- 
halten mit Vorlage des auf Taf. III, Fig. 1 abgebildeten Stückes. 
Es hat sich nun zwar an diese Vorträge keine Discussion ge- 
knüpft, aber es hat sich nach der ersterwähnten Sitzung die 
Meinung geregt, dass es sich in den Stücken mit Wecbselzonen- 
Bildung nur um Erhaltungszustände handeln dürfte. Wenn ich 
nun auch gar nicht daran denke, dass die Pflanzenpaläontologen 
einen solchen Einwand erheben könnten, wie ja von denjenigen unter 
ihnen, welche Stücke mit Wechselzonen bekannt gegeben haben, 
niemals, ebensowenig wie jemals — soweit ich die Litteratur 
kenne — von anderer Seite der Gedanke an die Möglichkeit, 
dass es sich nur um Erhaltungszustände handeln könnte, auch 
nur angedeutet worden ist, so will ich doch die meines Erachtens 
triftigen Gründe angeben, die zu der von mir vertretenen Auf- 

9 Vergl. Sitzungsberichte S. 216 ff. und S. 243. 


Cy2 


H. Potosik, Die Wechsel-Zonen-Bildung cler Sigiliariaceen. 

fassuug führen müssen, dass es sich also in der Wechselzonen- 
Bildung in der That um Wachsthums -Ersehe inungen der 
Pflanzen, nicht um Erhaltungszustände der Reste handelt. 
Und zwar gehe ich deshalb näher auf den Einwand ein, weil der- 
selbe auf den ersten Blick hin wohl plausibel erscheint, und mir 
ferner daran liegen, muss, die der Pflanzenpaläontologie ferner 
stehenden Gelehrten davon zu überzeugen, dass diese Disciplin 
sich immer mehr und mehr bemüht, in exacteres Fahrwasser zu 
steuern. 

Ich will gleich an das zuletzt in meiner Auseinandersetzung 
Gesagte anknüpfen, um zu zeigen, wie wenig die mir entgegen 
gehaltene Ansicht zulässig ist. 

Es wäre doch höchst wunderbar, wenn die Zug- und Druck- 
verhältnisse, welche also nach dem in Rede stehenden Einwande 
die Veranlassung zur Zoneu-Bildung abgegeben haben sollen, so 
merkwürdig häufig derart gewirkt habens#ollten , dass die Grenze 
verschiedenartiger Wirkungen gerade durch Blüthenregionen wie 
in den oben vermerkten 10 ersten Fällen hindurchging, dass ferner 
bei dem oben (S. 59) erwähnten CARRUTHERs’schen Lepidoden- 
draceen- Stück die Blüthen -Bildung in ähnlicher Weise zur Aus- 
bildung und Stellung der Blattpolster in Beziehung steht, wie bei 
den genannten Sigiilaria-llesten , und dass endlich — wie unter 
No. 11, S. 56 erwähnt — von den Subsigillaria - Arten nur cancellate 
Stücke mit Blüthen bekannt geworden sind, aber niemals leioderme. 
Und nun : wer kann mit Hülfe der mir entgegengehaltenen Ansicht 
die von mir in Zusammenhang mit bekannten Erscheinungen ge- 
brachte Thatsache erklären, dass die Querzonen mit Blüthen entweder 
über oder unter sich von gleichmässig entwickelten Oberflächen be- 
grenzt werden, oder als Abschluss engnarbiger Zonen folgen, 
aber — soweit bekannt — kaum als Abschluss lockernarbiger auf- 
treten? Ist das »Zufall«? Haben »zufällig« in allen den von 
mir aufgeführten 10 Fällen die Zugwirkungen nur die Region 
oberhalb der Blüthenzone betroffen, resp. — wenn man annimmt, 
dass diese Region die normal gebliebene ist — hat in allen 
Fällen zufällig die unter den Blüthen befindliche Region eine 
Zusammenschiebung erfahren? Warum ist kein Stück bisher be- 


H. Pot 


Die Wechsel- Zonen -Bildung der Sigillariaöeen. 


63 


kann! geworden, das die umgekehrten Verhältnisse zeigt? Warum, 
giebt es ferner keine leiodermen Oberflächen mit Blüthennarben? 
Wie gesagt, das kann derjenige, der nur an Erhaltungszustände 
glaubt, nur als merkwürdige Zufälle erklären. 

Die epidermale Oberfläche der mir vorliegenden Stücke mit 
W echselzonen-Bildung — ich will besonders auf das Stück Taf. III, 
Fig. 1, aufmerksam machen — ist durchaus glatt nur mit feinsten 
Punkten besetzt: Taf. III, Fig. 1 c; Falten und Runzeln, die auf 
eine Zusammenschiebung oder auf Zerreissuugen der Epidermis, also 
auf eine gewaltsame Dehnung hindeuteten, sind nicht vorhanden. 
Während es ja genügende Sigillaria - Exemplare giebt, die das 
zeigen und dadurch beweisen, dass sie sich in dieser Beziehung 
ebenso verhalten haben wie die recenten Pflanzen, bei denen 
ebenfalls epidermale Gewebe und Korkgewebe — wie das Platzen 
der Aussenrinden zeigt, die dem Dickenwachsthum der Bäume 
nicht folgen können — wegen ihrer sehr minimalen Elasticität 
sehr leicht reisseu. Für die Stücke mit Wechselzonen muss nun 
derjenige, der auch trotz dieser Ueberlegung daran festhält, dass 
die letzteren auf Druck- und Zug -Verhältnisse zurückzuführen 
sind, die Ausnahme machen, dass gerade diese Stücke von den 
auderen ohne Zonenbildung dadurch abweichen, dass ihre Epi- 
dermis in bis jetzt bei Pflanzen unbekannt gebliebener Weise 
elastisch war resp. bei der Fäulniss elastisch geworden ist. 
Erstens ist es aber eine ganz unberechtigte Annahme, die Stücke 
mit Wechselzonen als molecular ganz anders constituirt anzu- 
nehmen als die Stücke ohne Wechselzonen, und ferner wissen 
wir, dass durch Verwesung von Pflanzen-Epidermeu und -Rinden, 
wie die Behandlung der Pflanzentheile mit IP2SO4 — was ja der 
Verwesung namentlich in der Hinsicht gleichkommt, als sie eben- 
falls zur Verkohlung führt — die in Rede stehenden Gewebe keines- 
wegs elastischer oder dehnbarer werden, als sie im Leben waren. 
Im Gegentlieil scheinen sie die sehr geringe, kaum beachtens- 
werthe Dehnbarkeit, die sie im Leben besassen, ganz zu verlieren, 
wie mikroskopische Bilder von ^SO^Präparaten lehren. Unsere 
Kenntnisse führen uns also im Gegentlieil zu der Annahme, dass 
die kohlig erhaltenen Epidermen und verkorkten Theile der 


64 


H. PoTOsr ', Die Wecksel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


fossilen Pflanzen sicli hinsichtlich ihrer Dehnbarkeit yerhalten 
wie diejenigen der recenten Pflanzen, wenn sie einen Verwesuugs- 
process durchgemacht haben. 

An lebenden Pflanzentheilen beträgt die Dehnbarkeit ver- 
korkter Membranen, wie S. Schwendener experimentell festge- 
stellt hat 1 ), kaum 2 pCt., da schon bei einer Dehnung von 2 pCt. 
zahlreiche lfisse in der Cuticula auftreten. Schon die Streckung 
eines frei präparirten Epidermisstreifens des Blattstiels von An- 
ihurium cannaefolium von 60 auf 61 Millimeter erzeugte hier zahl- 
reiche Querrisse. 

Betrachten wir nun daraufhin unser Stück Taf. III, Fig. 1, so 
sehen wir, dass für die untere Hälfte eine Dehnung der Cuticula 
ohne jede Rissbildung von gegen 400 pCt. angenommen werden 
müsste! Und zwar dies für die Theile zwischen den Blattnarben, 
während die Blattnarben selbst sich etwa nur um 50 pCt. gedehnt 
hätten. Die Möglichkeit einer so unerhörten Dehnfähigkeit der 
Cuticula zugegeben, müsste es Wunder nehmen, warum denn die 
die Blattnarbe bedeckende Korkhaut bei dem Fossil weniger dehn- 
bar sein soll, als die Cuticula, da es sich doch, wie die Ex- 
perimente an lebenden Pflanzen ergeben, sonst gerade umgekehrt 
verhält. So zeigen Periderm-Lamellen gewisser recenter Pflanzen, 
z B. von Prunus , Verlängerungen von 10 — 12 pCt. ohne Riss- 
bildung 2 ). Man sieht also wieder, dass man gezwungen ist, bei 
der Erklärung der Wechselzonen der Sigillariaceen als veranlasst 
durch Zug, als das Resultat von Dehnungen, Annahmen zu 
machen, die mit den Erfahrungen der Botaniker nicht in Einklaug 
stehen, ja, die das gerade Gegentheil für die fossilen verlangen, 
als es von den recenten Pflanzen bekannt geworden ist. 

Betrachtet man das Stück Taf. III, Fig. 1 mit dem Gedanken, 
sich nun klar zu machen, ob denn nicht vielmehr der untere 
Theil desselben der normale ist und der obere durch Zusammen- 
schiebung entstanden sein könnte (es ist Beides behauptet 
worden), so wäre anzuuehmen, dass die Cuticula zu Lebzeiten in 

. x ) Die Schlitzscheiden und ihre Verstärkungen (Äbh. d. Königl. Preuss. Akad. 
der Wiss. zu Berlin 1882, S. 40). 

2 ) ScHNVKNDENER, 1. C. S. 42. 


H. Potoniii, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 65 

einer elastischen Spannung von unglaublicher Höhe sich befunden 
hat, die dann im Verlauf der Verwesung in dem oberen Theil 
sich ganz oder zum Theil ausgeglichen haben müsste. Diese 
Annahme müsste durchaus gemacht werden, da ja, wie schon 
gesagt, die Cuticula keinerlei Schrumpfung erkennen lässt. Dass 
die Punktirung in der Cuticula des oberen Theiles bezüglich der 
Annäherung der einzelnen Punkte kaum oder nicht von der des 
unteren Theiles zu unterscheiden ist, bleibt dabei ein völliges 
Räthsel. Auch bei der Annahme, dass der obere Theil des 
Stückes der nachträglich veränderte ist, geräth man also in 
Collision mit den aus dem Studium der lebenden Pflanzen ge- 
wonnenen Erfahrungen. Wenn ein Apfel durch Verdunstung 
von seinem Wasserquantum etwas abgiebt, so legt sich die Epi- 
dermis sehr bald in Falten und bildet dann eine runzlige Ober- 
fläche: ein alltäglicher Beweis für die höchstens minimale Span- 
nung, mit welcher das in Rede stehende Gewebe resp. ins- 
besondere die Cuticula den prallen Apfel umspannt hielt. 

Handelt es sich in dem Stück Taf. III, Fig. 1 um eine Er- 
haltungs-Erscheinung, so würde die Frage berechtigt sein, ob 
denn nun alle Rhytidolepis - Stücke i. e. S. resp. alle tessellaten 
Oberflächen Erhaltungszustände sind, oder ob nur an den Stücken 
mit Wechselzonen Rhytidolepis- oder tessellate Oberflächen derart 
vorgetäuscht werden, dass eine Unterscheidung von den echten 
Rhytidolepis- und tessellaten Oberflächen unmöglich geworden ist? 
Kleine Bruchstücke, die nicht als Stücke einer Wechselzone zu 
erkennen sind, würden dann fälschlich für normal erhalten ge- 
blieben angesehen werden u. s. w. : kurz, es wäre vollkommen 
unmöglich, Erhaltungszustände von Sigillarien von den normal ge- 
bliebenen Oberflächen zu unterscheiden und zu trennen, da ja 
beide absolut ununterscheidbar sind. Ich frage jetzt: wie sehen 
ungezerrte Sigillaria - O b er fläch e n aus?? 

Dass die Epidermis - Oberfläche an Sigillarien oft genug die 
Spuren mechanischer Einwirkungen zeigt, ist selbstverständlich 
und bekannt; aber diese als solche ohne Weiteres und ohne Wider- 
spruch erkennbaren Einwirkungen äussern sich so, wie es der 
Botaniker auf Grund der Erscheinungen an lebenden Pflanzen von 

5 


Jahrbuch 1893. 


66 H. Potonik, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 

vorn herein erwarten muss: die Epidermen und Hautgewebe sind 
nämlich — wie schon oben angedeutet — an solchen Stücken 
zerrissen, und zwar ist nicht zu bemerken, dass in den Riss- 
Regionen die Blattnarben durch Dehnungen weiter aus einander 
gerückt wären als in den Theilen, die unzerrissen geblieben sind. 
Wir haben eben — wie gezeigt — gar keinen Grund (wenn 
nicht gar denjenigen, die Stücke mit Wechselzonen-Bildung durch- 
aus als Erhaltungs-Zustände deuten zu wollen selbst) anzunehmen, 
dass sich die Epidermis und das Hautgewebe der paläozoischen 
Pflanzen anders verhalten hätte als die der heutigen Pflanzen; 
im Gegentheil deutet Alles, wie gezeigt, darauf hin, dass diese 
Gewebe in den in Rede stehenden Verhältnissen durchaus mit 
den der recenten Pflanzen übereinstimmten. Auch die That- 
sache, dass es gerade epidermale und Hautgewebe sind, die 
sich mit Vorliebe kohlig an fossilen Pflanzen erhalten, deutet 
auf die Uebereinstimmung der chemischen Zusammensetzung der 
in Rede stehenden fossilen und recenten Gewebe hin. Auch bei 
den recenten Pflanzen sind es die Hautgewebe, die sich sowohl 
bei der Verwesung und bei Behandlung mit H2SO4, welche wie 
eine schnelle Verwesung wirkt, am längsten und kohlig er- 
halten. 

Schliesslich ist noch das Folgende zu beachten. Wechselzonen 
sind nicht allein an Stücken constatirt, die zusammengedrückt parallel 
zur Schichtungsfläche lagen, sondern auch an cylindrischen, auf- 
recht, also senkrecht zu den Schichtungsflächen stehenden Baum- 
stümpfen, bei denen also bedeutendere Druck- und Zugwirkungen 
nicht stattgefunden haben können. C. Grand’Eury beschreibt 
und bildet solche Stamm-Stücke ab x ). 

Sehr schwer dürfte die Erklärung der mit Wechselzonen ver- 
sehenen Stücke von Sig. camptotaenia als Erhaltungszustände sein: 
weichen doch die Narben der verschiedenen Zonen in ihrer 
äusseren Form ganz von einander ab. 

Nun das Resultat: Die Erklärung der Sigillaria - Reste mit 
Wechselzonen-Bildung als blosse Erhaltungszustände erfordert 


*) Geol. et pale out. du Bass. h. du Gard 1890, pl. XIII, fig. 1 et 7. 


H. Potonik, Die Wechsel-Zonen-Bildung der Sigillariaceen. 


67 


einen solchen Aufwand unhaltbarer Annahmen, dass an die Richtig- 
keit derselben nicht zu denken ist, während die Deutung der 
Wechselzonen als Wachsthums-Erscheinungen weder irgend einen 
Widerspruch mit dem aus der recenten Pflanzenwelt her bekannten 
ergiebt noch sonstwie irgend welche gezwungenen Annahmen 
voraussetzt. 


Ueber die Dislocationen westlich und südwestlich 
vom Harz und über deren Zusammenhang mit 
denen des Harzes. 

Von Herrn A. von Koenen in Göttingen. 


In den Bänden dieses Jahrbuches für die Jahre 1883 bis 1887 
habe ich mehrfach in Aufsätzen die Dislocationen am Harzrande 
und deren Alter erörtert. Nachdem jetzt aber die geologische 
Aufnahme der Messtischblätter westlich und südwestlich vom Harz 
(Reinhausen, Gelliehausen, Göttingen, Waake, Nörten, Lindau, 
Moringen, Westerhof, Gandersheim und der an die beiden letzteren 
zunächst anstossenden Streifen von Osterode und Seesen) zum 
Theil mit Hülfe der Herren Dr. Ebert und G. Müller been- 
digt ist, und die Blätter selbst dem Druck übergeben sind, ist es 
möglich, eine umfassendere Uebersicht über den geologischen Bau 
dieser Gegend zu geben und einzelne wichtigere Beobachtungen 
hervorzuheben. 

Orographisch sind für den Bau des erwähnten Gebietes von 
hervorragendem Einfluss eine Reihe von Störungen, welche in der 
Richtung von S. nach N. (mit einem Strich nach O.) in sehr 
mannichfaltiger Weise auftreten. 

Die bedeutendste derselben ist die Graben -Versenkung in 
der Muldenspalte, welche das Leinethal zwischen Eichenberg und 
Kreiensen enthält, und in welcher sich neben kleineren Muschel- 
kalk-Schollen besonders Schichten der verschiedenen Keuperbil- 
dungen und stellenweise auch des Lias eingesunken finden, öfters 
in einer gewissen Regelmässigkeit; so bilden in der weiteren Um- 


A. v. Koenen, Ueber die Dislocationen etc. 


69 


gebung von Göttingen die zum Theil recht langen Streifen von 
Rhätkeuper auf beiden Seiten der Leine eine Antiklinale innerhalb 
der Synklinalspalte von Muschelkalk. 

Die Ränder dieser letzteren sind vielfach zerrissen und zer- 
schnitten durch anderweitige Störungen, die später zu erörtern 
sind; so springt bei Göttingen wiederholt der Ostrand der Leine- 
thalspalte nach NW. vor. Auf Blatt Reinhausen wird im S., bei 
Friedland und Reckershausen, das Leinethal wesentlich schmaler, 
die Grabenversenkung dagegen eher breiter, indem hier, wo Bunt- 
sandstein die Ränder derselben bildet, grössere Massen von mehr 
oder minder zerrissenem Muschelkalk neben Rhätkeuper innerhalb 
der Versenkung als höhere Bergrücken und Kuppen hervorragen. 
Es divergiren hier aber auch nach S. zu verschiedene Bruchlinien 
nach O. und W. 

Von Nörten nach N. verbreitert sich der Leinethalbruch er- 
heblich besonders dadurch, dass von der Buntsandsteinmasse au 
seinem östlichen Rande sich ein keilförmiger Streifen abgelöst hat, 
in das Leinethal gleichsam hineinhängt und sich nach N. immer 
mehr senkt, und mit dem nach O. auf ihm liegenden Muschelkalk 
endlich abbricht, während in der nach N. sich schnell erweiternden 
Lücke zwischen diesem abgelösten und dem stehen gebliebenen 
Theile zunächst Muschelkalk, weiter nach N. auch Keuper etc. 
eingeklemmt stecken, nach N. sich tief senken und dort meist von 
Lehm verdeckt sind. 

Es ist aber wohl kein Zufall, — ganz Aehnliches finden wir 
auch bei Westerhof — dass auf das nördliche Ende des abge- 
lösten Streifens die Bruchlinie des Langfast stösst, einer ostwest- 
lich von Herzberg herstreichenden Grabenversenkung von unterem 
Muschelkalk zwischen Buntsandstein, welche den Wieter im S. 
abschneidet und ganz ähnliche Verhältnisse zeigt, wie Versen- 
kungen, die ich früher nördlich von Hersfeld und bei Treysa 
kennen gelernt habe. Die Schichten liegen nämlich zuweilen 
muldenartig, wenn auch zum Theil recht steil geneigt, und meist 
so, dass einzelne Glieder, hier der obere Wellenkalk, ganz fehlen. 
Die Muldenlinien sind aber in Wirklichkeit Bruchlinien und laufen 
nicht parallel den Rändern der Versenkung, sondern etwas schräg 


70 


A. v. Koknkn, Ueber die Dislocationen 


gegen dieselben, so dass sie sich diagonal von dem einen zum 
anderen hinüberziehen, und dass von da an, wo sie spitz den Rand 
treffen, überhaupt nur noch ein Flügel der scheinbaren Mulde 
vorhanden ist, und an verschiedenen Stellen entweder der Süd- 
flügel oder der Nordflügel. 

Der »Wieter« , ein scharfer, steil nach W. einfallender 
Wellenkalk-Rücken bildet den Ostrand der Leinethal-Spalte und 
wird im W. durch einen schmalen, meist von Abhangsschutt ver- 
deckten Streifen von Gypskeuper von tief eingesunkenem oberem 
und mittlerem Lias getrennt, während er im O. gleichmässig von 
Röth und mittlerem Buntsandstein unterteuft wird. Sowohl an 
seinem südlichen, als auch an seinem nördlichen Ende wird er 
sehr auffällig durch mehr oder minder tiefe Einsenkungen in eine 
Reihe von einzelnen Kuppen oder kurzen Rücken zerlegt. In 
den letzten Jahren sind nun über mehrere dieser Einsattelungen 
Wege gebaut und dadurch frische Aufschlüsse hergestellt worden, 
welche mit voller Sicherheit erkennen lassen, dass über jede dieser 
Einsenkungen ein Querbruch verlänft. Es ist dies also eine ent- 
scheidende Antwort auf die Frage über die Entstehung min- 
destens einzelner sogenannter Durchbruchthäler. Im N. besonders 
senken sich die Schichten des Wieter recht steil zum Rhumethal 
hinab, augenscheinlich zu einzelnen Schollen verbrochen; quer 
vor ihnen liegt dann eine recht lange Scholle von Wellenkalk, 
welche steil nach S. einfällt und den Beweis liefert, dass in der 
Richtung des Rhumethales, nach O., nach Osterode zu, eine Ver- 
werfung verläuft, obwohl alle älteren Schichten dort sonst von 
Lehm und Schotter verdeckt sind. 

Der Gegenflügel des Wieter auf der Westseite des Leine- 
thalbruches ist die »Weper« mit ihren Fortsetzungen, deren Bau 
in dem schon vor Jahren von mir erwähnten Bahneinschnitt von 
Hardegsen trefflich zu erkennen ist. Zugleich ist dort ungewöhn- 
lich schön und deutlich nachzuweisen, wie die Richtungsänderung 
von Bergrücken durch Verwerfungen und Störungen bedingt ist, 
wie auch der Durchbruch des Espoldethales durch die Weper 
mit Dislocationen oder Querbrüchen in Verbindung zu bringen 
ist. Es würde hier aber zu weit führen, die zahlreichen, dort zu 
beobachtenden., interessanten Einzelheiten zu erörtern. 


westlich und südwestlich vom Harz etc. 


71 


Wie aber eine Anzahl von Parallelspalten mit dem Leine- 
thal auf den Messtischblättern östlich der Leine (Gelliehausen, 
Waake und Lindau) vielfach für die Oberflächen -Formen be- 
stimmend sind, wenn auch ihr Vorhandensein bei der Gleich- 
förmigkeit des Gesteins, meist mittleren Buntsandsteins, in der 
Regel schwer nachzuweisen ist, so ist auf den Blättern Nörten 
und Moringen, besonders westlich und südwestlich von Moringen, 
das Auftreten von solchen Parallelspalten mit voller Sicherheit 
festzustellen, obwohl sie auf die Oberflächenformen grossentheils 
nur geringen Einfluss ausgeübt haben; es sind nämlich schmale 
Streifen von rothen Gypskeuper-Mergeln zwischen den Ceratiten- 
schichten oder Thonplatten in den Parallel - Spalten eingesunken, 
keilen sich gelegentlich aus oder ändern ihre Richtung in etwas, 
wie dies ja doch bei allen Spalten die Regel ist. 

Auf den Blättern Westerhof und Gandersheim, also genau 
westlich vom Harz und nördlich vom Rhumethal, sind die Parallel- 
Spalten mit dem Leinethal mit bedeutenden Versenkungen ver- 
bunden und daher von weit grösserem Einfluss auf die Ober- 
flächengestaltung, so dass sie eine nähere Erörterung erfordern. 

Die westlichste dieser Graben -Versenkungen verläuft vom 
Ostende von Northeim über Calefeld nach Gandersheim, die nächste 
von Mandelbeck über Westerhof nach Düderode, Engelade etc. 
und eine dritte längs des Harzrandes über Eisdorf, Kirchberg- 
Seesen etc. 

In dieser letzteren liegen grosse Massen von diluvialen und 
alluvialen Ablagerungen, von letzteren besonders grosse Mengen 
von Harzgeröllen ; nördlich von Nienstedt treten unter dem Lehm 
aber mehrfach ältere Gesteine hervor, und zwar einzelne Schollen 
von Tertiärgebirge, Braunkohlen und helle Sande mit Quarziten, 
vermuthlich dem Miocän zuzurechnen, und ausgedehntere Streifen 
von Muschelkalk, grösstentheils Wellenkalk, welche im Wesent- 
lichen südnördlich streichen, aber sehr verschieden einfallen. Viel- 
fach sind drei parallele Streifen vorhanden , von welchen der 
westlichste und östlichste nach O. einfallen, der mittlere nach W., 
so dass dieser mit dem westlichen eine Synklinale, mit dem öst- 
lichen eine Antiklinale bildet. Der östliche Muschelkalkstreifen, 
oder der unter diesem wohl auch noch sichtbare Röth liegt aber 


72 


A. v. Koenen, Ueber die Dislocationen 


zuweilen dicht neben dem oberen Zecbstein oder doch dem unteren 
Buntsandstein, welcher mit der Decke des westlichen Harzrandes 
in nächster Verbindung steht, während westlich von dem west- 
lichen Muschelkalkstreifen und östlich von der zweiten Spalte 
(Mandelbeck-Düderode etc.) ein grosser Rücken von mittlerem 
Buntsandstein liegt, welcher Horst- artig (im Sinne von Suess) 
nur wenig eingesunken, im S. am breitesten ist, nach N. schmaler 
wird und sich immer mehr senkt, um bei Ildehausen zu ver- 
schwinden. Dieser Horst ist aber im Wesentlichen sattelförmig 
gewölbt, so dass die Bausandsteine nach O. und nach W. so 
ziemlich bis zu den Thalsohlen hinab sinken. 

Die Gebirgsmassen zwischen der zweiten und der ersten 
Spalte (Northeim- Gandersheim) sind weit stärker und deutlicher 
durch Störungen zerrissen; im S., nördlich von Elvershausen bis 
in die Höhe von Brunstein liegt Buntsandstein, darüber Röth und 
der ganze Muschelkalk mit steilem, nördlichem Einfallen, durch 
einen Gypskeuper - Graben getrennt von zunächst südlich ein- 
fallendem, oberem Muschelkalk, welcher sich, wenn auch von 
grösseren Störungen durchsetzt, bis in die Höhe von Willers- 
hausen hinzieht und in der Mitte den Horst der Imbshäuser und 
Echter Forst bildet; im W. und O. sind freilich überall Schollen 
von grösserer Ausdehnung etwas abgesunken, und auf den hier- 
bei gebildeten Spalten sind zahlreiche Erdfälle besonders östlich 
und nordöstlich von Imbshausen entstanden. Nach N. senken 
sich die Schichten etwas steiler als die Tagesoberfläche zum Thal 
der Aue (zwischen Echte und Oldershausen) hinab. Nördlich von 
diesem folgt auf Gypskeuper ein schmaler Streifen mittlerer Lias 
und dann der untere und, anscheinend in regelmässiger Folge 
aber ziemlich steilem nördlichen Einfallen , alle übrigen Stufen 
der Juraformation bis zum obersten Kimmeridge hinauf auf dem 
Rücken des Kahlberges; auf diesem verlaufen ein Paar streichende 
Verwerfungen 1 ), und an seinem Nordhange steht der obere Jura 
zum Theil ziemlich senkrecht und wird durch eine gegen 500 Meter 
breite Spalte, welche mit eingestürzten Schollen von Muschelkalk, 


b Smith, die Jurabildungen des Kahlberges, dieses Jahrb. für 1891. 


westlich und südwestlich vom Harz etc. 


73 


Keuper und Jura erfüllt ist, von dem Kühler, einem Plateau von 
oberem Muschelkalk getrennt. Nordöstlich von diesem folgt dann 
der Südwestflügel der windschiefen Sattelspalte Harriehausen- 
Gandersheim- Alfeld etc., über welche ich schon bei einer früheren 
Gelegenheit (Jahrbuch für 1883, S. XLI) berichtet habe. Nörd- 
lich von ihrem Nordostflügel folgt dann wieder Gypskeuper etc., 
eingesunken neben oberem Muschelkalk und auch im O. begrenzt 
durch den Muschelkalkzug des Heber. 

Die Höhen zwischen der Spalte Northeim-Gandersheim und 
der Leinethalspalte sind zum Theil noch weit mehr zerrissen und 
bestehen zwischen Northeim und Edesheim-Eboldshausen aus mehr 
oder minder zerrütteten Schollen von Triasbildungen, hauptsäch- 
lich von oberem Muschelkalk, welche theils einzelne Rücken, theils 
förmliche Kuppen bilden und nach sehr verschiedenen Richtungen 
einfallen. Besonders nach O. ist ihr Abhang meist hoch hinauf 
von Lehm bedeckt, und der Verlauf der Grenze des Muschel- 
kalks gegen den dort eingesunkenen Gypskeuper wird durch eine 
Reihe von tiefen, Amphitheater - artigen Einsenkungen im Lehm 
bezeichnet, wie ich dies auch sonst schon öfter beobachtet habe; 
das Tagewasser hat zwar ungehinderten Abfluss aus ihnen nach 
O., doch sind sie ihrer Lage nach jedenfalls durch Erdfälle ent- 
standen. Zudem habe ich in der Mitte einer derartigen Einsen- 
kung einen frisch entstandenen kleineren Erdfall beobachtet. Ver- 
schiedene Erdfälle liegen aber auch auf einer Verwerfung am 
Nordwestfusse des Sultemer Berges nahe dem Waldrande, süd- 
südöstlich von Edesheim, und auf einer anderen auf dem Weh- 
klag -Berge ostnordöstlich von Edesheim. 

Die West -Abhänge der Worfschaufel (zwischen Hohnstedt 
und Vogelbeck) und des Hungerberges (nordöstlich Salzderhelden) 
zeigen eine ungewöhnlich starke Zerreissung der verschiedenen 
Trias- Schichten in einzelne kleine Schollen und Streifen; augen- 
scheinlich sind hier beim Einsinken des Leinethaies einzelne 
Fetzen wirr neben und auf einander auf dem mittleren Buntsand- 
stein hängen geblieben, welcher das Leinethal nach W. verschiebt, 
von Vogelbeck- Eboldshausen an weit nach N. reicht und von 
einer parallel dem Auethal von Nienstedt über Westerhof-Echte-Cal§- 


74 


A. v. Koenen , Ueber die Dislocationen 


feld-Olxheim etc. nach NW. verlaufenden Verwerfung abgeschnitten 
wird, aber auch im O. durch einen Bruch begrenzt wird, welcher 
über Sievershausen und das Nordende des Westerberges sich hin- 
zieht. Südlich von Sievershausen wird in zwei dicht neben ein- 
ander befindlichen Steinbrüchen mittlerer Buntsandstein beziehungs- 
weise Trochitenkalk gewonnen; letzterer fällt ziemlich steil nach 
SSO. ein und bildet auf 300 Meter Länge den Kamm des Steimer- 
berges, wird aber durch einen Streifen Gypskeuper abgeschnitten, 
und da, wo dieser Rücken sich mehr nach N. zum Westerberge 
umbiegt, beginnt ein über 1000 Meter langer Zug von Trochiten- 
kalk, welcher steil nach WNW. einfällt, während am Südosthange 
des Westerberges Schaumkalk, mittlerer und oberer Muschelkalk 
steil nach OSO. einfallen. 

Störungen und Bruchlinien, wie die oben erwähnten, welche 
durchnittlich etwa von SO. nach NW. laufen, sind ja, wie ich 
schon vor Jahren betont habe, im ganzen nordwestlichen Deutsch- 
land verbreitet und von hervorragendem Einfluss auf die Ent- 
stehung der mesozoischen Gebirge und sind an solchen Stellen, 
wo ich das relative Alter feststellen konnte, älter, als die süd- 
nördlichen Dislocationen, welche nicht selten sie unterbrechen, 
oder an ihnen abspringen und ihnen streckenweise folgen. Dies 
ist, wie schon oben erwähnt, Lei Göttingen der Fall, aber auch 
die süd - nördlichen Gypskeuperstreifen zwischen den Ceratiten- 
schichten westlich von Moringen springen ab an anderen, ganz 
ähnlichen, aber nach NW. verlaufenden Streifen, welche als Neben- 
spalten des Bruches am Südwestfusse der Ahlsburg aufgefasst 
werden müssen. 

Die Ahlsburg mit ihren Fortsetzungen ist ein hoher, breiter 
Rücken von mittlerem Buntsandstein, welcher nach NO. einfällt 
und dort von regelmässig über ihm folgenden, aber niedrigeren 
Rücken von Wellenkalk und Trochitenkalk begleitet wird, als 
Südwestgrenze des grossen Versenkungsbeckens Einbeck - Mar- 
koldendorf. Am Südwestfusse der Ahlsburg liegen aber tief einge- 
sunken und meist steil nach SW. geneigt Streifen von Muschel- 
kalk, Gypskeuper und auch von Tertiärgebirge. 

Nördlich von Moringen gelangen nun diese nordwestlich 


westlich und südwestlich vom Harz etc. 


75 


streichenden Schichten in den Bereich der südnördlichen Leine- 
thal-Brüche, durch welche zunächst eine grössere Scholle, der 
Schmandberg und Böllenberg, von der Ahlsburg abgetrennt und 
nach SSO. abgelenkt wird, indem zugleich der Buntsandstein weit 
weniger hervorragt, als der Wellenkalk; weiterhin, auf dem Ziegen- 
berge und zwischen Berwartshausen und Elvese, ist dann der 
Muschelkalk in einzelne ganz unregelmässige Fetzen zerrissen, 
neben und zwischen welchen verschiedene Schichten des Keupers 
eingesenkt liegen. 

Streifen von marinem Ober- Oligocän sowie von (vermuthlich) 
miocänen Quarzsanden, Quarziten und Braunkohlenthonen, welche 
östlich und nördlich von Moringen zwischen älteren Schichten 
eingeklemmt sind, lassen darauf schliessen, dass die nordwestlich 
streichenden Störungen auch hier nicht früher, als am Ende der 
Miocän-Zeit entstanden sind; da aber nördlich und südlich von 
Northeim innerhalb der Leinethal- Versenkung Thone, Sandsteine 
etc., welche wohl als fluviatiles Pliocän zu deuten sind, auf dem 
eingesunkenen Keuper und Lias liegen, so sind auch hier die 
Süd-Nord-Störungen zur Pliocän-Zeit bereits vorhanden gewesen, 
wie ich dies seiner Zeit schon für andere Gregenden ausge- 
führt habe. 

Es liegt aber auch in der erwähnten Bruchlinie Mandelbeck- 
Willershausen-Düderode neben Gypskeuper etc. in grösserer Aus- 
dehnung Tertiärgebirge, helle Sande mit Quarziten, Braunkohlen- 
thone und Braunkohlen eingesunken, und helle Sande mit Milch- 
quarzbrocken, Quarzite und Braunkohlen finden sich auch, wie 
oben erwähnt, westlich von Eisdorf, nördlich von Nienstedt, in der 
Versenkung am Harzrande, und diese Tertiärbildungen möchte ich 
bei ihrer Uebereinstimmung mit denen im Solling, bei Dransfeld 
und Cassel ebenfalls für Miocän halten, also diese Brüche eben- 
falls für jung-miocäne. 

Es finden sich nun Harzgerölle in solchen Flussthälern allgemein 
verbreitet, welche durch Zuflüsse Wasser und Gerolle aus dem 
Harz erhalten, aber in der Regel nur wenig über der jetzigen 
Thalsohle; nur bei Hammenstedt östlich Northeim liegt eine solche 
Harzschotter-Terrasse auf dem Buntsandstein gegen 30 Meter über 


76 


A. v. Koenen , Ueber die Dislocationen 


der jetzigen Thalsohle bei ca. 160 Meter Meereshöhe. Es sind 
aber Ablagerungen von Harzschotter westlich von Holtensen, öst- 
lich und nördlich von Wiebrechtshausen recht verbreitet, und am 
Westabhange des Uhberges südwestlich von Imbshausen und 
weiter nördlich finden sie sich bis zu einer Höhe von 190 Meter, 
so dass es den Anschein hat, als sei einstmals die Rhume hier 
entlang und zwischen dem Assberge und dem Edesheimer Berge 
hindurch in das Leinethal geflossen. 

F erner findet sich an der Stelle, wo die oben erwähnte Graben- 
Versenkung Mandelbeck- Denkershausen den östlichen Theil der 
Versenkung Northeim- Calefeld trifft, eine Einsenkung der Erdober- 
fläche, ein Versenkungsbecken, von mehr als 1000 Meter Durch- 
messer, welches theils künstlich entwässerte, z. Th. sumpfige 
Wiesen, theils einen grösseren, tiefen, von Schilf und Rohr um- 
gebenen Teich enthält, ganz ähnlich den Seen in der Mark, 
Mecklenburg, Pommern etc. Hätte aber dieses Becken schon 
existirt zu der Zeit, wo anscheinend die Rhume in höherem Ni- 
veau in geringer Entfernung Harzschotter vorbei transportirte , so 
würde doch mindestens der tiefe Denkershäuser Teich mit Schotter 
ausgefüllt worden sein, ähnlich wie der Westerhöfer Teich südlich 
Westerhof, auf der Spalte Mandelbeck -Düderode, welcher noch 
Mitte dieses Jahrhunderts dem Botaniker zahlreiche seltene Wasser- 
und Sumpfpflanzen lieferte, jetzt aber ganz trocken gelegt ist und 
Felder und Wiesen trägt. Die letzte Trockenlegung ist hier von 
Menschenhand ausgeführt worden, die eigentliche Ausfüllung aber 
durch die Schuttmassen, welche die langen, hier mündenden kleinen 
Wasserläufe aus dem östlich angrenzenden Buntsandstein - Gebiet 
herbeiführten. Das Wassergebiet des Denkershäuser Teiches ist 
freilich weit kleiner und besteht vorwiegend aus Muschelkalk, 
welcher weit weniger leicht erodirt wird, als der Buntsandstein. 

Immerhin wird man annehmen müssen, dass der Denkers- 
häuser Teich tektonischen Ursprungs ist — Gletscher sind 
hier niemals gewesen — und erst in recht junger Zeit ein- 
gesunken oder tiefer eingesunken ist, als die Rhume bereits 
ihren jetzigen Lauf eingenommen hatte, mag nun jener alte Rhume- 
schotter als diluvialer oder pliocän-tertiärer gedeutet werden müssen. 


Westlich und südwestlich vom Harz etc. 


77 


Das grosse Buntsandsteingebiet zunächst dem Harz, östlich 
der Bruchlinie Mandelbeck- Düderode etc., wird nun auch von 
einer Anzahl vorwiegend nach NW. streichender Verwerfungen 
durchschnitten, von welchen eine, schon oben erwähnte, von 
Osterode her über Nienstedt nach Echte-Olxheim und vermuthlich 
auch weiter über Naensen läuft. Erst nördlich von dieser Ver- 
werfung findet sich in der Süd - Nord -Versenkung am Harz- 
rande Muschelkalk und auch Tertiärgebirge, so dass sie als Ver 
Senkung überhaupt erkannt werden kann, und in die Versenkung 
Mandelbeck -Düderode ist nördlich dieser Verwerfung, nördlich 
von Westerhof, eine keilförmige Masse Buntsandstein von dem 
Hauptrücken abgesunken, doch so, dass sie mit ihm an ihrem 
nördlichen Ende noch zusammenhängt, während in die dadurch 
entstandene, nach S. divergirende Lücke der obere Muschelkalk 
des Ziegenberges eingesunken ist. Dieser ist aber auch gewisser- 
maassen eine Fortsetzung der verschiedenen Muschelkalk-Schollen, 
welche am Ostrande der Versenkung zwischen Westerhof und 
Mandelbeck am Fusse des Buntsandsteinrückens noch über der 
Thalsohle hängen geblieben sind, und der »eingeklemmten Syn- 
klinale« auf dem Kaufmannsberge etc. südlich Mandelbeck, welche 
den ostwestlich streichenden Muschelkalk des Dünenberges im 
O. abschneidet. Südwestlich von Westerhof und nördlich von 
Willershausen findet sich in der Versenkung Tertiärgebirge, 
zwischen jenen beiden Orten anscheinend unter dem Lehm nur 
Gypskeuper, und am Nordende von Willershausen auch Eisen- 
stein und Thone des mittleren Lias. 

Andere Verwerfungen in der NW.- oder WNW. -Richtung 
lassen sich mehr oder minder sicher nachweisen : 1) Von Willensen 
durch das Fissekenthal, 2) von der Teichhütte bei Gittelde über 
Oldenrode- Wiershausen etc., 3) von Staufenburg, Holenberg, Thal 
des Rodenberger Baches, Harriehausen- Gandersheim, 4) nördlich 
von Staufenburg und dem Grefenberg hindurch über Ildehausen, 
Dannhausen etc., 5) von Münchehof-Kirchberg nach der Schlacken- 
mühle etc., 6) südwestlich von Herrhausen durch über Engelade, 
südlich von Bilderlahe und nördlich vom Vorwerk Heber und 
von Ackenhausen hindurch, 7) vom Südostende von Seesen am 


78 Ä. v. Koenen , Ueber die Dislocationeü 

Nordfuss des Sonnenberges und am Nordostrande des Heber 
entlang. 

Alle diese Verwerfungen werden auf dem Buntsandstein- 
rücken bemerkbar durch plötzliche Senkung des Kammes, durch 
Ausbildung tiefer Schluchten und auch wohl durch steiles Ein- 
fallen der Schichten, aber auch in den Versenkungen theils durch 
Thaleinschnitte, theils durch Trennung der verschiedenen Muschel- 
kalk-Schollen, mag nun diese Trennung vor oder nach dem Ein- 
sinken erfolgt sein, zuweilen aber auch durch Erdfälle, wie süd- 
lich von der Domäne Staufenburg, 700 Meter nordöstlich von dem 
Vorwerk Fürstenhagen am Waldrande und besonders nordnord- 
westlich vom Vorwerk Heber ; leider verdecken diluviale und 
alluviale Bildungen die Störungen in den Thalsohlen und vielfach 
auch an den unteren Gehängen auch in diesem Gebiete. 

Von den eben aufgeführten Störungen liegen nun einzelne 
in der directen Fortsetzung der Gangspalten des Ober- 
harzes, welche ja durch den Bergbau ausreichend ihrer Lage und 
Richtung nach bekannt sind, während die sonstigen Verwerfungen im 
westlichen Theile des Harzes mindestens noch nicht auf Karten in 
einem grösseren Maassstabe zu einer zuverlässigen Darstellung ge- 
langt sind. Auf der trefflichen LossEN’schen Uebersichtskarte des 
Harzes ist nichts Derartiges angegeben , und auch die untere 
Grenze des Zechsteins erscheint dort nur durch Fluss- und Bach- 
thäler sowie durch Auflagerung von Diluvium unterbrochen, als 
sei sie lediglich durch discordante Auflagerung auf die abradirte 
Oberfläche der Culmschichten bedingt. Diese Grenze ist indessen 
keineswegs überall richtig und wird stellenweise recht erheblich 
zu verschieben sein; (gänzlich unrichtig ist die Trias am westlichen 
Rande der Uebersichtskarte angegeben); so zieht sich der Culm 
und mit ihm die untere Grenze des Zechsteins von Gittelde bis 
zum Rösteberg hinauf zu den bekannten, grösstentheils in Schwer- 
spath umgewandelten Zechsteingesteinen, und eine Verwerfung 
läuft von hier, als Fortsetzung der von Lossen noch angegebenen 
Gangspalte, etwa nach der Stelle, wo der Weg nach der Domäne 
Staufenburg sich von der Chaussee abzweigt; in gleicher Richtung 
folgt dann die oben als vierte angeführte Bruchlinie nach Harrie- 
hausen - Gandersheim. 


"westlich und südwestlich vom Harz etc. 


79 


Der Spiegelthaler Gangzug streicht ferner unterhalb der hohen 
Wand der Pandelbachhöhe entlang, welche schon von Weitem so 
deutlich den Eindruck eines Abbruches macht, und in seinem 
Fortstreichen liegt die unter 6) angeführte Störung. 

Der Lautenthaler Gang wird endlich von Lossen bis zu der 
Einsattlung zwischen dem Eickmuhl und dem grossen Bullars 
angegeben, dürfte aber doch in derselben Richtung weiter durch 
das untere Schildau-Thal bis Seesen als Gangspalte vorhanden 
sein, wie ja auch Gangspalten gar häufig den Verlauf von Thälern 
bedingen. Grosse Mengen von Harzgeröllen erfüllen nun zwar 
den unteren Theil des Schildauthales und verdecken die älteren 
Gesteine fast überall ; bei Seesen findet sich aber etwa 60 Meter 
südöstlich der Eisenbahnlinie eine grössere Scholle von Oberem 
Muschelkalk nahe der Thalsohle eingesunken gegen den untersten 
Buntsandstein, welcher den Rand des Thaies uud der Spalte 
bildet. Oberer Muschelkalk tritt sonst erst etwa 5 Kilometer 
weiter westlich auf. Es sei hier übrigens auch an das bekannte 
Vorkommen von Culmkalken erinnert, welche zwischen dem Hü- 
bichenstein und dem Iberger Kaffeehause in einer Gangspalte ein- 
geklemmt zwischen Iberger Kalk stecken 1 ). In der Fortsetzung der 
Gangspalte Läutenthal- Seesen findet sich aber auch die unter 7) 
erwähnte Bruchlinie. Bei der geologischen Kartirung der Blätter 
Osterode, Seesen und Hahausen werden sich vielleicht noch mehr 
Fälle nachweisen lassen, in welchen Störungen und Gangspalten 
der palaeozoischen Schichten des Harzes in das mesozoische Vor- 
land fortsetzen. 

Da wir nun oben gesehen haben, dass in dem Vorlande ein- 
zelne dieser Störungen auch anscheinend miocäne Tertiärbildungen 
mit betroffen haben, so ist hieraus wohl der Schluss zu ziehen, 
dass die Gangspalten des Oberharzes erst am Ende der 
Miocän-Zeit entstanden sind, oder dass zu dieser Zeit wenig- 
stens wiederum eine Bewegung ihres Nebengesteins stattgefunden 
hat, also zu derselben Zeit, in welcher die Südost-Nordwestfaltung 
der jüngeren Formationen im nordwestlichen Deutschland erfolgte, 


l ) Siehe Clabke, die Fauna des Iberger Kalkes, Neues Jahrb. f. Min. 1884, 
III. Beilage-Band S. 322. 


80 


A. v. Koenen, Ueber die Dislocatioiien 


in welcher unsere mesozoischen Gebirge entstanden, und die ersten 
Eruptionen von Basalten etc. aus den hierbei gebildeten Spalten her- 
vordrangen, wie ich bei anderer Gelegenheit erwähnt habe (Nach- 
richten der König!. Gesellschaft der Wissensch. zu Göttingen 
1886, S. 196). 

Dass die Gangspalten sich wiederholt geöffnet haben, dass 
an ihnen wiederholt Bewegungen des Nebengesteins stattgefunden 
haben, kann nicht wohl zweifelhaft sein, da auf der tiefsten Sohle 
der Bergwerke Krystalle von Quarz, Blende und dergleichen mehr 
gefunden werden, welche abgebrochen sind und auf den Bruch- 
flächen mit zahlreichen kleinen, parallel gestellten Quarz- etc. 
Krystallen bedeckt sind, also erkennen lassen, dass sie nach ihrer 
Entstehung zerbrochen und dann weiter gewachsen sind. Solche 
Stücke kenne ich z. B. von der 708 Meter Sohle des Schachtes 
»Herzog Georg Wilhelm« auf dem Burgstädter Zuge. Eine neuere 
Bewegung des Gesteins in Folge des Bergbaues kann aber nicht 
wohl als Ursache dieses Vorkommens angenommen werden, da- 
Bergbau in gleicher oder grösserer Tiefe in der Umgebung noch 
nicht betrieben worden ist. 

Nun fehlen Harzgerölle in allen mesozoischen Schichten über 
dem Rothliegenden und in den unter- und mitteltertiären Ab- 
lagerungen am Harzrande ganz oder so gut wie ganz, obwohl im 
Buntsandstein, dem oberen Jura, der unteren und oberen Kreide 
und dem Sand und Kies des Oligocäns und Miocäns doch Flach- 
wasser-Ablagerungen in grosser Ausdehnung auftreten, und be- 
sonders in den groben Conglomeraten der unteren und oberen 
Kreide bei Langelsheim, am Sudmerberg bei Goslar etc. gerade 
Harzgerölle in Menge erwartet werden sollten, wie sie von allen 
Flüssen und Bächen aus dem Harz von je her in sein Vorland 
hinabgeführt worden sind. — Nur vereinzelte kleine Kieselschiefer- 
Stückchen habe ich gelegentlich beobachtet, welche vielleicht gar 
nicht von Harzgesteinen herrühren oder aus dem Rothliegenden 
stammen. — Ich hatte aus jener Thatsache schon in einem früheren 
Aufsatze gefolgert, dass in jenen Perioden Flüsse und Bäche nicht 
wohl aus dem Harz herabgekommen sein könnten, und dass dieser 
eine irgend nennens'werthe Höhe nicht gehabt haben könnte, viel- 


westlich und südwestlich vom Harz etc. 


81 


mehr von jüngeren Sedimenten bedeckt gewesen und unter Wasser 
gewesen sei, mindestens bis zur Zeit der unteren Kreide, in welcher 
zuerst einzelne wirkliche Conglomerate am Harzrande auftreten. 

Es scheint nach Allem diesem, als sei eine grössere Heraus- 
hebung des Harzes erst in spät-tertiärer Zeit erfolgt, 
gleichzeitig mit der Entstehung unserer sonstigen Gebirge. 

Da nun die palaeozoischen Schichten des Harzes bereits am 
Ende der Carbon -Zeit in der SW. -NO. -Richtung geknickt und 
gefaltet worden waren, so musste eine solche Heraushebung und 
Auf bauchung doch wohl Risse und Spalten senkrecht zur Druck- 
richtung, also zuerst parallel der langen Axe des Harzes, zur Folge 
haben, und aus solchen Spalten könnten recht wohl die Oberharzer 
Gänge im Wesentlichen entstanden sein, gleichviel, ob ihr erster Ur- 
sprung schon früheren Perioden angehört, sowie, ob in späterer Zeit, 
eventuell in postglacialer Zeit, ein nochmaliges Aufreissen der 
Gänge durch weitere Hebung des Harzes herbeigeführt wurde, 
wie ich eine solche bereits vor Jahren als wahrscheinlich hinge- 
stellt habe. Selbstverständlich halte ich unter diesen Umständen 
die Gänge des Unterharzes, der Gegend von Harzgerode, für gleich- 
altrig mit denjenigen des Oberharzes, obwohl sie nicht direct mit 
ihnen zusammenzuhängen scheinen. 

Die Ursache dieser Unterbrechung ist vielleicht darin zu 
suchen, dass die Oberfläche des Harzes zwischen der Breite des 
Brocken -Granites und der des Ramberg- Granites eine deutliche 
Depression erkennen lässt, in welcher nur geringfügigere Risse 
und Spalten in der eigentlichen Gangrichtung auftreten, gegen- 
über Stauchungen in der Richtung von S. nach N. 

Die Auftreibung des Harzes durch Druck von O. nach W. 
dürfte freilich der Hauptsache nach einer etwas späteren Zeit an- 
gehören, in welcher auch die SN. - Störungen der mesozoischen 
Gebiete entstanden, und gab auch wohl Veranlassung zur Aus- 
bildung der meisten nach dem Süd- und Nordrande des Harzes 
verlaufenden Thäler, und steht wohl im Zusammenhänge mit der 
Entstehung der Thäler im nördlichen Vorlande des Harzes. 

Wenn ich seiner Zeit (Jahrbuch für 1887, S. 462) die Ueber- 
zeugung aussprach, dass das Innerste- Thal auch nördlich von 


Jahrbuch 1893. 


6 


82 


A. v. Roenen, Üeber die Dislocationen etc. 


Langelsheim mit südnördlichen Spalten in Verbindung zu bringen 
sei, durch welche Wasser von Langelsheim frühestens etwa bei 
Ringelheim wieder an die Tagesoberfläche gelangen könnte, so ist 
dies seitdem durchaus bestätigt worden. Die reichlich Magnesium- 
salze enthaltenden Endlaugen der Kali -Fabrik in Langelsheim 
wurden in Brunnenschächte in der zerrissenen Kreide versenkt 
und machten sich bald darauf im Park von Walmoden (dicht bei 
Ringelheim) und bei Baddekenstedt (zwischen Ringelheim und 
Hildesheim) unangenehm bemerkbar in dem Wasser früher guter 
Quellen; an beiden Orten entspringen aber die Quellen aus Erd- 
fällen, und ErdfälLe ziehen sich von Langelsheim nach N. bis 
nach Walmoden hin. Ausserdem theilte mir auch ein Bewohner 
der dortigen Gegend gelegentlich mit, dass jene Quellen in strengen 
Wintern weit stärker würden, sobald durch Eis der Abfluss des 
Wassers der Innerste gehemmt würde. Dass das Wasser jener 
Quellen nicht als einwandfreies, gutes Trinkwasser gelten kann, 
selbst wenn es nicht durch die Endlaugen verunreinigt wird, liegt 
auf der Hand. 

Südnord-Verwerfungen schneiden jedenfalls auch den Harly- 
berg im W. und im O. ab. 


Ueber Alter und Gliederung des sogenannten 
Kramenzelkalkes im Oberliarze. 

Von Herrn L. Beushausen in Berlin. 


Als es den ausdauernden Bemühungen des mit der geolo- 
gischen Kartirung des Blattes Zellerfeld betrauten, jüngst ver- 
storbenen Bezirksgeologen A. Halfar im Jahre 1874 gelungen 
war, in dem seinem Alter nach zweifelhaften, von A. Roemer 
auf Grund einer angeblich bei der Rohmker Brücke im Okerthale 
gefundenen Clymenia striata Münster (Beiträge z. geol. Kennt- 
niss des nordwestlichen Harzgebirges III, S. 150, Taf. XXII, 
Fig. 15) als Clymenienkalk aufgefassten sogenannten Kramenzel- 
kalke Goniatites intumescens Beyrich aufzufinden, hielt man die 
Gliederung des Devon zwischen Oker und Innerste für völlig 
klargelegt und unterschied 

Cypridin enschiefer. Oberes Oberdevon. 

Kramenzelkalk bezw. Thonschiefer mit Knoten- 
kalk-Einlagerungen. Unteres Oberdevon. 

Goslarer Schiefer. Oberes Mitteldevon. 

Calceola-Schichten. Unteres Mitteldevon. 

Spiriferensandstein oder Kahlebergsandstein. 
Unterdevon. 

Als Einlagerung im sogenannten Kramenzelkalke galt der 
bekannte dunkle Goniatitenkalk des Kellwasserthales mit Cardiola 
angulifera A. Roemer. 


6 ’ 


84 L. Beushausen, TJeber Älter und Gliederung 

Ein erneutes Interesse gewannen die höheren Devonschichten 
jedoch plötzlich, als zu Pfingsten des Jahres 1893 A. Denckmann 
bei Rohmkerhalle im Okerthale die Entdeckungen machte, welche 
der verewigte Halfar noch in einer brieflichen Mittheilung in 
Band 45 der Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. S. 498 ff. veröffent- 
licht hat. 

Das Wesentliche der Beobachtungen Denckmann’s ist: 

1. das Vorkommen zweifelloser Clymenien (aus dem Formen- 
kreise der C. annulata Münster) im sogenannten Kramenzelkalke. 
Damit ist auch die seinerzeit vom Hüttenmeister Zeuner an 
Roemer gemachte Mittheilung über den Fundpunkt seiner Clymenia 
striata wieder zu Ehren gebracht. 

2. Der Nachweis der schwarzen Goniatitenkalke mit Cardiola 
angulifera im Liegenden des Kramenzelkalkes. 

Zu diesen Entdeckungen gesellte sich dann gelegentlich der 
Versammlung der Deutschen geologischen Gesellschaft in Goslar 
die Auffindung eines von einem kleinen unbestimmbaren Brachiopod 
ganz erfüllten dunkelgrauen krystallinischen Kalkes im Liegenden 
des Goniatitenkalkes. Dieser Brachiopodenkalk entspricht durch- 
aus einem Vorkommen, welches für den Stringocephalenkalk 
Waldschmidt’ s (die Zone des Goniatites discoides W aldschmidt) 
und vielleicht auch für die ein etwas tieferes Niveau einnehmenden 
Tentaculiten - Knollenkalke der Ense bei Wildungen geradezu 
leitend ist. 

Durch diese Beobachtungen war somit zunächst sichergestellt, 
dass der Clymenienhorizont im Oberharze vorhanden ist und 
weiter die Existenz von Kalken des oberen Mitteldevon an der 
Basis des sogenannten Kramenzelkalkes unter dem Goniatiten- 
kalke und über den Goslarer Schiefern sehr wahrscheinlich ge- 
macht. 

A. Halfar hat dann den Herbst des Jahres 1893 dazu be- 
nutzt, die bisher als unteres Oberdevon von ihm angesprochenen 
Schichten zunächst am Südostflügel des grossen Devonsattels mit 
Rücksicht auf die eben erwähnten neuen Gesichtspunkte einer 
erneuten Untersuchung zu unterziehen. Er hatte sich von der 
Richtigkeit der Beobachtungen A. Denckmann’s überzeugt und 


des sogenannten Kramenzelkalkes im Oberharze. 


85 


sie bereitwilligst aoeeptirt. Ein körperliches Leiden nöthigte 
ihn jedoch zur vorzeitigen Rückkehr nach Berlin, und sein un- 
erwartetes Hinscheiden setzte dem rastlosen Verfolgen der an ihn 
herantretenden neuen Aufgabe ein schnelles Ziel. — 

Von der Direction der Königlichen geologischen Landes- 
anstalt wurde mir nach dem Tode Halfar’s die Ordnung bezw. 
Bearbeitung der von dem Verblichenen in langjähriger mühevoller 
Arbeit zusammengebrachten sehr umfangreichen Sammlung von 
Belegstücken für die Kartirung des Blattes Zellerfeld übertragen. 
Mein Augenmerk richtete sich naturgemäss von vornherein ganz 
besonders auf das verhältnissmässig reiche Material an Versteine- 
rungen aus angeblich oberdevonischen Schichten, weil bei einer 
genauen Durchsicht desselben möglicherweise Anhaltspunkte für 
die weitere Verbreitung des Clymenienkalkes einerseits und der 
als oberes Mitteldevon angesprochenen Schichten an der Basis 
des sogenannten Kramenzelkalkes andererseits zu gewinnen waren. 
Es ist mir denn auch gelungen, eine Anzahl von Stücken auf- 
zufinden, welche weitere Schlüsse in dieser Richtung ermöglichen 
bezw. Ausgangspunkte für die unbedingt nöthigen Untersuchungen 
an Ort und Stelle bilden können. Auf Veranlassung von Herrn 
Geheimen Oberbergrath Dr. Hauchecorne bringe ich im Fol- 
genden eine kurze Mittheilung über das bis jetzt vorliegende 
einschlägige Material. 


I. Kalke des oberen Mitteldevon. 

1. Vom südlichen Ufer des mittleren Grumbacher Teiches 
östlich Bockswiese liegen mir Stücke eines dunklen krystallinisch- 
späthigen Kalkes vor, welche ausser massenhaften, zum Theil ver- 
kiesten winzigen Styliolinen mehrere Exemplare von Posidonia 
hians Waldschmidt (Frech, Devonische Aviculiden, S. 72 und 
164, Taf. XIV, Fig. 13) enthalten. 

Diese Art ist für die an der Basis des Wildunger Stringo- 
cephalenkalkes (im Sinne Waldschmidt’s) liegenden schwarzen 
Goniatitenkalke leitend (Denckmann in diesem Jahrbuch für 
1892, S. 15) und kommt bei Bicken und vermuthlich auch bei 


86 


L. Beushausen, Ueber Alter und Gliederung 


Günterod im gleichen Niveau vor. Die schwarzen Kalke, welche 
die vorliegenden Exemplare enthalten, bilden nach der Fundorts- 
angabe »zwei je 25 Centimeter mächtige Bänkchen im untersten 
Theile des Kramenzelkalkes« *). 

Aus demselben Kalkvorkommen, welches auf Halfar’s Karte 
als Einlagerung in oberdevonischen Thonschiefern verzeichnet ist, 
liegen ferner wenige Schritte westlich, von der südlichen Aus- 
fluth des mittleren Grumbacher Teiches, Brocken eines ähnlichen, 
etwas mehr verwitterten und daher weniger dunklen Kalkes vor, 
in denen ein grosser, grossaugiger Phacops aus der Verwandt- 
schaft des Ph. breviceps Barr, und ein Proetus Vorkommen. 
Ferner enthält der Kalk grosse, fein quergestreifte Orthoceren, 
viele Styliolinen , quergeringelte Tentaculiten ( T. cf. sulcatus 
A. Roemer, Beiträge I, Taf. III, Fig. 36; kommt auch im Stringo- 
cephalen-Eisenstein am Oberharzer Diabaszuge vor), kleine Brachio- 
poden und Einzelkorallen. 

Die Kalke bilden nach Halfar »eine etwa 30 Centimeter 
mächtige, unregelmässig begrenzte Einlagerung in den untersten 
Bänken des sogenannten Kramenzelkalkes«. 

2. Ein dem unter 1. genannten durchaus ähnlicher dunkler 
Kalk, welcher im Thale des Riesenbaches nordwestlich Mittel- 
Schulenberg »als Einlagerung im Thonschiefer« 15 Schritte im 
Liegenden des sogenannten Kramenzelkalkes auftritt , ist von 
A. Halfar im Herbst 1893 aufgefunden und von ihm als Stringo- 
cephalenkalk etikettirt worden. Er führt den vorhin genannten 
Phacops , Orthoceren, Styliolinen, winzige ? Crinoidenstielglieder, 
von denen man nur den späthigen Querbruch sieht, und Goniatites 
cf. lateseptatus Beyrich, sehr wahrscheinlich die unten zu 
nennende neue Form. 

3. Ein Bruchstück vom Pygidium des erwähnten grossen 
Phacops liegt mir vor in einem dunkelgrauen Kalke, welcher im 
Bette des Riesenbaches die »erste Einlagerung sehr grosslöcherigen 

*) Ich enthalte mich jeglicher Discussion der einzelnen Fundortsangaben; 
vermuthlich spielen Einfaltungen bezw. Ueberschiebungen eine grössere Rolle 
als bisher ersichtlich ist, bei Rohmkerhalle ist eine Ueberschiebung ziemlich 
zweifellos. 


des sogenannten Kramenzelkalkes im Oberharze. 


87 


Kalksteins in die unreinen dickbankigen grauen Thonschiefer 
4 Schritt im Liegenden der untersten Kramenzelkalkbank« bildet. 

4. Gleichfalls aus dem Riesenbachthale stammen die beiden 
Exemplare des von A. Halfar im Jahre 1873 im Bachbette im 
»lcramenzelartigen Kalke« ohne genauere Angabe der Lagerungs- 
verhältnisse gefundenen und Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 
Bd. 27, S. 468 als Goniatites Dannenbergi Beyrich aufgeführten 
Goniatiten. Eine gewisse Aehnlichkeit mit dieser Art der Wissen- 
bacher Schiefer ist nun zwar nicht zu verkennen, Uebereinstimmung 
in den Merkmalen: Gestalt der Schale und besonders des Rückens, 
Verlauf der Lobenlinie, besteht jedoch nicht, vor Allem fehlt auch 
die charakteristische Eigenthümlichkeit , welche die Gebrüder 
Sandberger veranlasste, jene Art als G. bicanaliculatus neu zu 
bezeichnen. Dagegen stimmen die Exemplare durchaus überein 
mit Goniatites discoides Waldschmidt, der Leitform des Wildunger 
Stringocephalenkalkes (im Sinne Waldschmidt’s), von der ich 
Exemplare verglichen habe. E. Holzapfel, welcher diese Art 
auf Taf. IV, Fig. 13 seiner demnächst erscheinenden Abhandlung 
über die Fauna der Schichten mit Maeneceras terebratum abbildet, 
erkannte die Zugehörigkeit der ihm vorgelegten Stücke zu der- 
selben an. 

5. Aus einem alten Steinbruch an der Oker im Forstorte 
Schadleben besitzt die Sammlung der geologischen Landesanstalt 
einen Goniatiten, welcher durch Gestalt und Lobenlinie sofort als 
mit Goniatites lateseptatus Beyrich nahe verwandt zu erkennen 
ist. Er stimmt speciell auf’s Beste überein mit derjenigen Ab- 
änderung, welche E. Holzapfel in seiner oben citirten Abhand- 
lung als neue Form aus dem oberen Mitteldevon beschreiben wird. 

Nun sind zwar in der Litteratur *) Angaben vorhanden, dass 
G. lateseptatus auch im Oberdevon vorkomme, allein sie erweisen 
sich bei näherer Prüfung nicht als stichhaltig. Die Angabe von 
d’Arciiiac und de Verneuil über das Vorkommen im eisen- 
schüssigen Kalke von Oberscheld ist bereits von den Gebrüdern 
Sandberger als irrthümlich bezeichnet worden. Die eine Zeit 


') Yergl. E. Kayser, Fauna d. ältesten Devon- Ablagerungen S. 53. 


88 


L. Beushausen, Ueber Alter und Gliederung 


lang herrschende Vorstellung, dass die Goslarer Schiefer, in denen 
G. lateseptatus nicht eben selten ist, oberdevonischen Alters seien, 
ist seit Jahren als völlig unhaltbar aufgegeben. Die Bennischer 
Schichten in Oberschlesien, deren von F. Roemer als möglich 
hingestelltes oberdevonisches Alter auf Grund der Fauna bereits 
von E. Kayser angezweifelt wurde, werden jetzt — vielleicht 
zum Theil etwas zu tief — in das obere Unterdevon oder das 
unterste Mitteldevon gestellt (Gürich, Erläut. z. geol. Uebersichts- 
karte von Schlesien S. 53), so dass das Auftreten von G. late- 
septatus in ihnen durchaus nicht auffällig ist. Der in Braun- 
eisenstein erhaltene G. cf. lateseptatus endlich, den die geologische 
Landesanstalt 1874 mit einer grösseren Sammlung Eifeier Devon- 
petrefacten von einer Wittwe Scholz in Gerolstein angekauft hat, 
soll angeblich von Büdesheim stammen. E. Kayser, der ihn in der 
März-Sitzung der Deutschen geologischen Gesellschaft 1875 vorlegte 
(Band 27, S. 255) hat aber seine Bedenken über die Herkunft des 
Stückes zu betonen nicht unterlassen. Ich möchte den Fundpunkt 
für apokryph halten und annehmen, dass das Exemplar aus einem 
verwitterten rheinischen Tentaculitenschiefer oder vielleicht sogar 
aus den Goslarer Schiefern des Oberharzes stammt. Es bestärkt 
mich in dieser Vermuthung die Thatsache, dass aus derselben 
Sammlung herrührend gleichfalls in Brauneisenstein umge- 
wandelt ein » Lunulicardium« von »Büdesheim« in der Sammlung 
der geologischen Landesanstalt lag, welches sich bei näherer Be- 
sichtigung als Axinus unicarinatus Nyst aus dem Mitteloligocän, 
vielleicht von Buckow, entpuppte, ein Umstand, der nicht dazu 
beiträgt, die Zweifel an der Richtigkeit des Fundortes von jenem 
Goniatiten herabzumindern 1 ). Jedenfalls ist das Stück für sich 
allein nicht geeignet, mangels anderer Stützpunkte das Vorkommen 
von G. lateseptatus im Oberdevon zu beweisen. Das Auftreten 
der Art in dem Kalke am Schadleben kann mithin unbedenklich 


J ) Als Curiosum sei hier weiter mitgetheilt, dass die in der Sammlung der 
geologischen Landesanstalt befindlichen Originalexemplare von Avicula ausavensis 
Steininger, Eifel, S. 56 »von Büdesheim« typische Exemplare der allbekannten 
Gervillia socialis des Muschelkalke sind! 


des sogenannten Kramenzelkalkes im Oberharze. 


89 


als Anzeichen für das Vorhandensein von Mitteldevon an dieser 
Stelle betrachtet werden. 

Wir haben in den oben angeführten Punkten Vorkommnisse 
vor uns, welche ihrer Fauna nach zum Oberdevon nicht ge- 
rechnet werden können, andererseits fehlen ihnen wiederum die 
bezeichnenden Petrefacten der Kalkeinlagerungen in den Goslarer 
Schiefern. Dagegen stimmen sie durchaus überein mit den ihrem 
Alter nach sicher festgestellten Schichten des oberen Mitteldevon 
bei Wildungen, so dass der Schluss auf eine gleiche Altersstellung 
wohl berechtigt erscheint. Bemerkenswerth ist die Verbreitung 
der Punkte: No. 1 liegt in der sogenannten Grumbacher Mulde, 
dem Hahnenkleeer nordwestlichen Gegenflügel des grossen Devon- 
sattels auf Blatt Zellerfeld genähert, Punkt 2, 3 und 4 gehören 
mit dem Vorkommen bei Rohmkerhalle dem Südostflügel des- 
selben Sattels an, Punkt 5 endlich liegt in einem inselförmig aus 
Culmschichten auftauchenden Vorkommen noch weiter im SO. 
Eine allgemeine Verbreitung dieser Schichten ist demnach höchst 
wahrscheinlich. 


II. Schwarze Goniatitenkalke des unteren Oberdevon 
mit Cardiola angulifera A. Roemer. 

Die schwarzen Goniatitenkalke mit Cardiola angulifera waren 
in der Litteratur vor ihrer Entdeckung bei Rohmkerhalle durch 
A. Denckmann sicher bekannt nur aus dem mitten im Culm ge- 
legenen isolirten, im Jahre 1849 entdeckten Vorkommen im Kell- 
wasserthale und vom Grossen Hühnerthalskopfe bei Hahnenklee 
— auf dem nordwestlichen Flügel des grossen Devonsattels — 
wo A. Halfar sie 1884 aufgefunden und ihrer Lagerung nach 
genauer untersucht hatte. Es lag zwar eine Notiz von A. Roemer 
vor, dass sie »zwischen Schulenberg und Bockswiese in weiter 
Erstreckung« nachgewiesen seien und »eine schwache Schicht 
zwischen den hellgefärbten Kramenzel- und Clymenienkalken« 
bildeten (Beiträge III, S. 138), jedoch war kein Fundpunkt be- 
sonders aufgeführt. Im Herbst 1893 ist es A. Halfar nun noch 


90 


L. Beushausen, lieber Alter und Gliederung 


gelungen, sie in typischer Ausbildung versteinerungsführend auf 
dem Südostflügel jenes Sattels auch im Riesenbachthale nordwest- 
lich Mittel -Schulenberg anstehend aufzufinden. Sie treten dort 
im Bachbette »3,5 Meter im Hangenden der liegendsten Bank des 
sogenannten Kramenzelkalksteins« auf als eine ca. 20 Zentimeter 
mächtige Bank. Hinzufügen muss ich, dass ein Handstück vom 
demselben Fundort in der Clausthaler Oberbergamtssammlung sich 
befindet, das Vorkommen also gewissermaassen nur neu entdeckt 
wurde; der Werth des HALFAR’schen Fundes wird durch diesen 
Umstand aber nicht herabgemindert. 

Das Auftreten der Kalke in anscheinend gleichen Lagerungs- 
verhältnissen auf beiden Flügeln des grossen Sattels spricht ent- 
schieden zu Gunsten der Annahme weiterer Verbreitung. 

III. Graue Kalke mit Goniatites intumescens Beyrich. 

Für diese liegen neue bezeichnende Funde nicht vor, 
denn graue Kalke mit Cardiola retrostriata v. B. und G. pal- 
mata Goldf. auf dem Südostflügel des grossen Devonsattels 
könnten auch der Clymenienstufe angehören, in die beide Arten 
hinaufgehen. Doch ist das Vorkommen durch das grosse von 
A. Half ar 1874 gefundene und Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 
Bd. XXVII, S. 467 beschriebene Bruchstück von Goniatites intu- 
mescens aus dem Thale der Grossen Bramke nördlich Unter- 
Schulenberg zweifellos dargethan. Dieses Exemplar wurde be- 
kanntlich die Ursache, dass der gesammte »Kramenzelkalk« mit 
der Intumescens-Stufe parallelisirt wurde. 

IV. Clymenienkalke des oberen Oberdevon x ). 

Von weiteren Anzeichen für das Auftreten von Clymenien- 
kalken sind zu erwähnen: 

Hellgraue harte Kalke treten im Aeckethale, einem westlichen 
Seitenthale der Gr. Bramke nördlich Unter-Schulenberg auf. Sie 


x ) Siebe die Nachschrift. 


des sogenannten Kramenzelkalk.es im Oberharze. 


91 


enthalten ausser schlechten Goniatiten deutliche Exemplare von 
Loxopteria dispar Sandb. 1850 — 56 (sehr wahrscheinlich ident 
mit Cardium f problematicum Münst. Beitr. V, S. 1 1 9 , Taf. XI, 
Fig. 8, 1842), welche zuletzt von Frech, Devon. Aviculiden S. 77, 
Taf VI , Fig. 4 beschrieben und abgebildet wurde. Dieser Zwei- 
schaler ist auf das höhere Oberdevon, die Nehdener Schiefer und 
die Clymenienkalke beschränkt und fehlt in der Intumescens- 
Stufe. Uebrigens ist die Art bereits von A. Roemer aus einem 
hellgrauen Kalke »oberhalb Schulenberg« als Area Clymeniae be- 
schrieben und — allerdings schlecht — abgebildet worden (Bei- 
träge III, S. 149, Taf. XXII, Fig. 13, 1855). Ich habe das 
Originalexemplar in Clausthal gesehen und mich von der Identität 
mit Loxopteria dispar überzeugt. 

Ganz gleichartige sehr harte Kalke, makroskopisch dicht, von 
muschelig-splittrigem Bruch, von hellgrauer, in’s Violette spielender, 
bläulichgrauer, selten ein wenig dunklerer, zuweilen gelblich- 
brauner Farbe und horusteinartigem Ansehen treten auch im Thale 
der Grossen Bramke und im Riesenbache auf. Die aus ihnen 
bisher vorliegenden Reste — zahlreiche Posidonia venusta , Phacops 
cf. cryptophthalmus u. A. — machen es zwar wahrscheinlich, dass 
gleichfalls Clymenienkalke vorliegen, lassen aber einen sicheren 
Schluss darauf nicht zu. — Bemerken will ich dann noch, dass 
ich in der Clausthaler Oberbergamtssammlung ganz gleichartige 
Kalke aus dem Alten Thale, einem östlichen Zuflusse des Riesen- 
baches, ferner von Bockswiese und Lautenthal, also auch aus der 
Westhälfte der grossen Devonpartie gesehen habe, welche zum 
Theil Trimerocephalus laevis A. Roem., evolute Goniatiten oder 
Clymenien u. A. führen. Diese Vorkommen müssen bei der Ver- 
folgung des Clymenienhorizontes jedenfalls in Betracht gezogen 
werden. 

Es ergiebt sich aus den vorstehenden Ausführungen, dass 
eine Reihe gegründeter Anhaltspunkte für die Zerlegung des bis- 
her als unteres Oberdevon aufgefassten sogenannten Kramenzel- 
kalkes in oberes Mitteldevon, unteres und oberes Oberdevon schon 
jetzt vorhanden ist. An dieser Stelle können nach Lage der 


92 


L. Beüshausen, Ueber Alter und Gliederung 


Sache vorläufig nur kurze Hinweise gegeben werden; sorgfältige 
fortgesetzte Untersuchungen im Felde werden die jetzt noch un- 
vermittelt und vereinzelt dastehenden Beobachtungen weiterführen, 
ergänzen und in Zusammenhang bringen müssen, ehe wir ein ge- 
naues und zutreffendes Bild von der Entwickelung der höheren 
Devonhorizonte im Oberharze uns machen können. Dann wird 
es auch an der Zeit sein, über die Verhältnisse der Goslarer 
Schiefer einerseits und der Cypridinenschiefer andererseits zu dem 
hier behandelten Schichtencomplex Erörterungen anzustellen. 

Das principiell Wichtige ist aber an der Sache, dass der 
Harz auch hier jetzt beginnt, seine lange gewahrte Sonderstellung 
aufzugeben, und dass seine geologischen Verhältnisse mit denen 
genau untersuchter anderer Devongebiete mehr und mehr in Ein- 
klang gerathen. 

Nachschrift. Während des Druckes der vorstehenden 
Mittheilungen ist es A. DenCKMänn und mir auf einer gemein- 
samen Excursion zu Pfingsten 1894 gelungen, abgesehen von dem 
Nachweise des oberen Mitteldevon und der Intumescens- Stufe 
an einer Reihe von Punkten, die Existenz des Clymenienkalkes 
auch im Riesenbachthale und im Aeckethale durch die Auffin- 
dung wohlerhaltener Exemplare von Clymenia laevi- 
gata und CI. striata darzuthun. 


Die Lager an gsverhältnisse des Tertiärs und 
Quartärs der Legend von Buckow. 

Von Herrn F. WahllSChaffe in Berlin. 

(Hierzu Tafel VI — IX). 

Die hier zu besprechende nähere Umgebung des ungefähr 
45 Kilometer östlich von Berlin gelegenen Städtchens Buckow 
gehört der Barnim-Lebuser Hochfläche an, die sich in ostsüdost- 
westnordwestlicher Längserstreckung zwischen dem Berliner Haupt- 
thale im S. und dem Eberswalder Hauptthale im N. ausdehnt und 
im O. durch das zwischen Frankfurt und Kiistrin gelegene Thal- 
stück der Oder, im W. durch das Havelthal zwischen Liebenwalde 
und Spandau begrenzt wird. Senkrecht zu ihrer Längsachse wird 
diese Hochfläche in siidwest- nordöstlicher Richtung durch die 
Niederung des Rothen Luches, durch die Seen in der Umgebung 
von Buckow und das sich daran anschliessende Stöbberthal in zwei 
Abschnitte getheilt. Das westlich und nördlich an diesen Rinnen- 
zug angrenzende Gebiet stellt, abgesehen von den randlichen Er- 
hebungen in der Pritzhagener Forst, eine ziemlich ebene, oder 
nur schwach wellige, wenig durchschnittene und zum grössten 
Theil vom Oberen Geschiebemergel bedeckte Hochfläche dar. 
Diesen Charakter besitzt die zwischen 80 — 90 Meter Meereshöhe 
gelegene Umgebung von Pritzhagen, Bollersdorf, Hasenholz, Vor- 
werk Liebenhof, sowie ferner der grösste Theil des sich nördlich 
an das Messtischblatt Müncheberg anschliessenden Blattes Möglin, 
welcher eine mittlere Höhe von 70 — 80 Meter besitzt, jedoch nach 


94 


F. Wahnschaffe, Die Lagerungsverhältnisse 


W. zu bei Harnekop und westlich von Herzhorn bis zu 110 Meter 
und höher ansteigt. Der Ostabfall dieser zum Barnim gehörigen 
Hochfläche erfolgt in einem mehr oder weniger steil abgeböschten 
Rande, dessen mittlere Erhebung über der Niederung des Rothen 
Luches 33, über dem Schermützel-See 56 und über dem Stöbber- 
thal 30 — 60 Meter beträgt. Eine wesentlich andere Beschaffenheit 
sowohl in orographischer als auch in geologischer Hinsicht besitzt 
das östlich von diesem Rinnenzuge gelegene, der Le buser Hoch- 
fläche zugehörige Gelände, von dem die südöstliche Hälfte des 
Messtischblattes Müncheberg einen Theil zur Darstellung bringt. 
Bei der Betrachtung dieses auf dem beigefügten geologischen 
Kärtchen (Taf. IX) scharf hervortretenden Gebietes bemerkt man 
auf den ersten Blick, dass dasselbe von einer nicht geringen Zahl 
kleinerer und grösserer Seen, sowie von Torf erfüllter Becken und 
Rinnen durchsetzt ist. Hierzu gehören auf dem Messtischblatte 
Müncheberg 1:25000 der Schermützel-See (26,3 Meter über 
Normal-Null), der Buckow-See (26 Meter), der Griepen-See 
(24 Meter), der Kleine und Grosse Tornow -See (37,6 und 
20,4 Meter), der Weisse See am Zacharias- Wall (16,5 Meter) der 
Abendroth-See (29,1 Meter), der Schwarze See (30 Meter), der 
Gartz-See (35 Meter), der Mühlen-Teich (21,2 Meter), der Grosse 
und der Kleine Klobich-See (21,3 und 22 Meter), der Birken-See 
(42 Meter), der Grosse (39,8) und Kleine Däber-See mit dem 
Papillen-See (39,9 Meter), der Kirchen-See (42,2 Meter), der 
Kessel - See (47 Meter), der Kleine und Grosse Schlagenthin- 
See (52,5 und 51,3 Meter), der Faule See (56,2 Meter) 
und der Waschbank-See (56,2 Meter). Ist auch die Anordnung 
und Form derselben anscheinend eine völlig unregelmässige, so 
lassen sich doch bei einigen Seen unter Berücksichtigung der sich 
daran anschliessenden Torfbecken und Torfrinnen gewisse Züge 
unterscheiden, die parallel zur Richtung des Rothen Luches von 
NO. nach SW. verlaufen. Das zwischen den Seen und Torf- 
becken gelegene Gebiet zeigt an verschiedenen Stellen ausserordent- 
lich unregelmässige O berfläch en formen, indem sich rund- 
liche oder längliche Kuppen regellos aneinander schaaren. Auf 
Blatt Müncheberg treten diese Verhältnisse durch den Verlauf 


des Tertiärs und Quartärs der Gegend von Buckow. 


95 


der Höhencurven auf das deutlichste hervor. Es finden sich sehr 
häufig auf Entfernungen von 200 — 300 Meter Höhenunterschiede 
von 20 — 30 Meter. Diese unregelmässig hügelige, mit kessel- 
förmigen Einsenkungen ausgestattete Oberfläche ist besonders 
charakteristisch ausgebildet nordwestlich vom Müncheberger Bahn- 
hofe zu beiden Seiten der Chaussee, in der unmittelbaren Um- 
gebung von Buckow und in der Pritzhagener Forst, die aus diesem 
Grunde, namentlich jedoch wegen ihrer tiefen Schluchten im 
Volksmunde den Namen »Märkische Schweiz« erhalten hat. Die 
Oberflächenformen, welche die beigefügte, nach einer Photographie 
hergestellte Skizze (Fig. 1) der Gegend zwischen dem Griepen-See 


Fig. 1. 



Sandige Hügellandschaft zwischen dem Griepen-See und der Südgrenze der 
Pritzhagener Forst bei Buckow. (Nach einer vom Verfasser aufgenommenen 
Photographie von Herrn W. Pütz gezeichnet.) 

und der Südgrenze der Pritzhagener Forst bei Buckow veranschau- 
licht, erinnern oft lebhaft an diejenigen der stark coupirten, jedoch 
von Oberem Geschiebemergel bedeckten Grundmoränenlandschaft, 
wie sie im Anschluss an die Endmoränenzüge des baltischen 
Höhenrückens vorkommt. Ebenso liegt der Gedanke an Kames- 
artige Bildungen sehr nahe, doch sind die Grandkuppen, wie wir 
bald sehen werden, auch nicht als Aufschüttungsformen aufzu- 
fassen. Die Entstehung des hügeligen Geländes der Umgebung 
von Buckow ist eine wesentlich andere. 

E. Zache x ) hat bereits darauf hingewiesen, dass es sich hier 
um eine sandige »Abschmelzzone« handelt, die sich beim Zurück- 

*) E. Zache, Ueber den Verlauf und die Herausbildung der diluvialen Moräne 
in den Ländern Teltow und Barnim- Lebus (Zeitschr. f. die ges. Naturwiss. 
Bd. LXIII, 1890, S. 35). 


96 


F. Wahnschaffe, Die Lagerungsverhältnisse 


weichen der Inlandeisdecke am Schluss der letzten Glacialepoche 
ausbildete. Die von ihm auf dem beigegebenen Kärtchen ver- 
suchte Abgrenzung der » unveränderten Moräne « , worunter er 
einen nicht ausgeschlämmten Oberen Geschiebemergel versteht, halte 
ich jedoch zum grossen Theil für ganz unzutreffend, da nach meinen 
Untersuchungen die Ausbildungsweise der Geschiebemergelflächen 
und ihrer flachwelligen Oberflächenformen bei Hasenholz und über- 
haupt innerhalb des Barnimplateaus, z. B. in der Gegend von 
Alt-Landsberg und Werneuchen, die nach Zache’s Angabe eben- 
falls in die Zone der veränderten Moräne hineinfällt, genau die- 
selbe ist, wie bei Pritzhagen, Reichenberg, Ihlow und Batzlow, 
in deren Umgebung nach ihm die »unveränderte Moräne« mit 
dem Charakter der »Moränenlandschaft« vorhanden sein soll. Da- 
gegen habe ich durch die geologische Untersuchung und Kartirung 
des Blattes Müncheberg den Nachweis führen können, dass die in 
der Südosthälfte vorhandene, eigenthiimlich hügelige Oberflächen- 
beschaffenheit in der That, wie auch Zache erkannt hat, als eine 
Folge der Erosion anzusehen ist, welche durch die Schmelz- 
wasser des Inlandeises bewirkt wurde. Die westlich vom Rothen 
Luch und dem Scliermützel-See gelegene Platte des Oberen Ge- 
schiebemergels schneidet hier annähernd mit der 80 Meter-Curve 
ab, während der Untere geschichtete Diluvialsand überall darunter 
hervortritt und den eigentlichen Abhang bis zur Niederung bildet. 
Wir haben es hier offenbar mit einem Erosionsrande zu thuu. 
Auch das östlich von dem Rinnenzuge sich ausdehnende Hügel- 
land und die Pritzhagener Forst J ) besteht zum grössten Theile 
aus Unterem Diluvialsande, der gewöhnlich von einer 0,5 bis 
1 Meter mächtigen, an grösseren Geschieben reichen Schicht von 
Oberem Geschiebesande bedeckt ist. Die aus Sand und Grand 
bestehenden Kuppen östlich vom Rothen Luch und dem Scher- 


‘) Auch hier ist wieder eine Ungenauigkeit Zache’s zu berichtigen, welcher 
die Pritzhagener Forst vom Oberen Geschiebemergel, der sich sogar in die 
tiefen Schluchten hinabziehen soll, bedeckt glaubt (1. c. S. 17). In der Silber- 
kehle ist Oberer Geschiebemergel an einigen Punkten allerdings bis ziemlich tief 
hinab an den Seiten der Schlucht zu beobachten, doch sind dies von oben her 
abgerutschte Partien. 


des Tertiärs und Quartärs der Gegend von Buckow. 97 

mützel-See sind nicht Aufpressungen und Zusammenschiebungen 
des Untergrundes, wie die vielfach in der Grundmoränenlandschaft 
vorkommenden, welche durch die Aufrichtung der Schichten ihre 
Entstehung erkennen lassen, vielmehr ist in allen Grubenauf- 
schlüssen der Umgebung von Buckow der die Hügel bildende 
Untere Diluvialsand vollkommen horizontal gelagert und 
die Schichten werden, wo nicht nachträgliche Rutschungen und 
Abwaschungen an den Seiten stattgefunden haben, von der 
äusseren Begrenzungsfläche der Erhebungen scharf abgeschnitten. 
Diese Verhältnisse lassen sich namentlich an folgenden Punkten 
deutlich beobachten: in den Gruben der aus dem Torfbruch auf- 
ragenden Sandkuppe zwischen dem Abendroth- und Schwarzen 
See; in dem Aufschlüsse, welcher am Südeingange der Stadt 
Buckow westlich von der Strasse, der Vordermühle gegenüber, 
gelegen ist ; in der Grube nördlich der am Ostufer des Schermützel- 
Sees gelegenen Villa zwischen diesem und dem Buckow-See; in 
der grossen Sandgrube am Nordabhange des nach W. zu 
ausserordentlich steil abgeböscbten Luisenberges bei Buckow; in 
dem Aufschluss, welcher südlich vom Sophien-Fliess am Nordost- 
gehänge des Schermützel-Sees unmittelbar an der Chaussee gelegen 
ist und ferner in einer Grube südlich der von Boilersdorf nach 
Reichenberg führenden Chaussee. In dem letztgenannten, östlich 
von dem Nordende des Poetensteiges befindlichen Aufschlüsse 
sieht man an einer 5 Meter hohen Steilwand nordischen Sand und 
Grand mit discordauter Parallelstructur, jedoch im Uebrigen in 
völlig horizontaler Wechsellagerung. Die Deckschicht wird 
dort von einer lehmig-grandigen Bank Oberen Sandes gebildet, 
welche vereinzelte grössere Blöcke enthält. In der grossen Sand- 
grube am Nordostgehänge des Schermützel-Sees ist im Niveau 
der Chaussee ein Lager von grösseren Geschieben aufgeschlossen. 
Dasselbe ist als ein Ueberbleibsel des von Gletscherflüssen denu- 
dirten Unteren Geschiebemergels anzusehen, welcher etwa 300 Meter 
südlich bei der Herstellung der Pflanzlöcher für die Chaussee- 
bäume noch angetroffen wurde und auch nördlich von der Chaussee, 
westlich vom Südende des Poetensteiges, durch einen Wegein- 
schnitt aufgeschlossen ist. Er ist, wie die Karte (Taf. IX) zeigt, 

7 


Jahrbuch 1893. 


§g F. Wahnschaffe, Die Lagerungsverhältmsse 

auch sonst in der Umgebung des Scliermützel - Sees und nament- 
lich in den tiefen Einschnitten der Pritzhagener Forst mehrfach 
nachgewiesen worden. 

Dass der Obere Geschiebemergel auch in der jetzt zum 
grössten Theil von Sand bedeckten Südosthälfte des Blattes Münche- 
berg ursprünglich eine grössere Ausdehnung besessen hat 
und erst nachträglich durch die Schmelzwasser des Inlandeises 
weggewaschen wurde, geht aus dem Umstande hervor, dass auf 
den rings von Sand umgebenen Kuppen sich mehrfach mützen- 
förmige Decken von Geschiebemergel oder Geschiebelehm er- 
halten haben. So sind beispielsweise drei Kuppen nördlich vom 
Griepensee von Geschiebemergel bedeckt; er findet sich auf dem 
langgezogenen Sandrücken nördlich vom Grossen Däber-See und 
in vielen einzelnen kleinen Partien an der Grenze der Sievers- 
dorfer Heide westlich von Dahmsdorf (vergl. die Karte Taf. IX). 
Hieran schliessen sich die etwas grösseren Geschiebemergelflächen 
in der Umgebung von Dahmsdorf, Münchehofe und Müncheberg, 
welche namentlich an der Ostbahn sehr zerstückt sind. Ihre 
mittlere Höhe über Normal-Null beträgt 70 — 80 Meter und sie 
entsprechen daher der von Geschiebemergel bedeckten Hochfläche 
westlich vom Schermützel-See. Die dünne Schicht des Oberen 
Geschiebesandes, welche sich häufig nur auf eine oberflächliche 
Blockbestreuung beschränkt, ist sicher in vielen Fällen als das 
Residuum des vielleicht nur wenig mächtig gewesenen und aus- 
geschlämmten Oberen Geschiebemergels anzusehen. Nur so er- 
klärt sich das Vorkommen der grossen Blöcke gerade auf den 
höchsten Punkten innerhalb der Pritzhagener Forst. Auch finden 
sich in derselben, wie ebenfalls aus der Karte ersichtlich, bei den 
Wachtelbergen und dem Drachenberge drei kleinere Vorkommen 
von Oberem Geschiebemergel beziehungsweise Geschiebelehm, die 
neben den Blöcken den Beweis für das frühere Vorhandensein der 
oberen Grundmoräne erbringen. Hier unmittelbar am Rande der 
sich nördlich anschliessenden Geschiebemergelhochfläche finden 
sich die bedeutendsten Erhebungen innerhalb der ganzen Gegend. 
Zu diesen gehören der Grosse Wesenberg (95,1 Meter), der 
Wachtelberg (110,7 Meter), der Krugberg ( 129,8 Meter), der 


des Tertiärs und Quartärs der Gegend von Buckow. 


99 


Drachenberg (117,5 Meter), die Jena’s Höhe (111,7 Meter), die 
Friedrich- Wilhelms-Höhe (113,6 Meter), der Dornberg (86,8 Meter), 
und der Silberberg (90,1 Meter), ferner westlich der Bollersdorfer 
Feldmark in der Nordostecke von Blatt Strausberg die Schwarzen 
Berge (111,1 Meter), und die drei Hubenberge ( 1 16,6 Meter). 
Da in der Pritzhagener Forst, wie die Karte zeigt, tertiäre Ab- 
lagerungen mehrfach an die Oberfläche treten und zum Theil 
zweifellos den inneren Kern der Erhebungen bilden, so erklären 
sich diese Aufragungen wohl am besten als Aufpressungen am 
Rande des vorrückenden Inlandeises, welche von dem 
Schmelzwasser desselben überströmt und durchfurcht wurden. 
Einige der steilwandigen , mit abbrüchigen Gehängen versehenen 
Schluchten jedoch, wie die Silberkehle, die Wolfsschlucht, die 
Drachenkehle und der am Westrande des Schermützel-Sees befind- 
liche Lange Grund und die Grenzkehle sind, wenn auch bereits 
in der Abschmelzperiode entstanden, wahrscheinlich erst in jüngerer 
Zeit durch Regengüsse und Schneeschmelzen bedeutend vertieft 
worden. 

Was die Entstehung der von Seen und Rinnen durchsetzten 
hügeligen Abschmelzzone betrifft, so muss man annehmen, dass 
sehr stark strömende, vielfach vom Eisrande unmittelbar herab- 
stürzende Gletscherflüsse in dieses Gebiet einbrachen und dasselbe 
in den verschiedensten Richtungen durchschnitten, wobei durch 
Strudelbildung in den losen Ablagerungen tiefe Becken ausgekolkt 
wurden, die jetzt zum Theil als Seen und Torflöcher hervor- 
treten. 

Die Wassermassen fanden in südwestlicher Richtung ihren 
Ablauf und gruben in dem sandigen Gebiete das tiefe 1 Kilo- 
meter breite Thal des Rothen Luches aus, welches in geographi- 
scher Hinsicht in sofern eine Bedeutung hat, als seine Niederungen 
eine natürliche Verbindung zwischen Elbe und Oder herstellen. 
Eine ganz entsprechende, jedoch bedeutend ebenflächiger als 
die Buckower entwickelte, sandige Abschmelzzone durchzieht die 
Barnimhochfläche in ebenfalls nordostsüdwestlicher Richtung in 
der Umgebung von Strausberg. Sie hat hier zum Theil eine 
Breite von 8 — 10 Kilometern und enthält verschiedene lang- 


7 * 


100 


F. Wahnschaffe, Die Lagerungsverhältniss 


gestreckte, z. Th. rinnenförmige Seen, wie den Kessel-See, Fänger- 
See, Bötz-See, Strauss-See, Herrn-See und den grossen und kleinen 
Stienitz-See. 

Ein ganz besonderes Interesse bietet die Gegend von Buckow 
durch die dort auftretenden und zum Theil vortrefflich aufge- 
schlossenen Tertiärablagerungen dar. Dieselben sind in der 
älteren Litteratur mehrfach erwähnt 1 ), besonders eingehend je- 
doch von Plettner und Küsel untersucht und beschrieben 
worden. So werthvoll auch die Beobachtungen derselben sind, 
so erweisen sie sich doch hinsichtlich der Darstellung der Diluvial- 
ablagerungen, wie dies zu jener Zeit gar nicht anders sein konnte, 
vielfach als unsicher und lückenhaft. Erst durch die geolo- 
logische Specialaufnahme dieses Gebietes ist es möglich geworden, 
die Lagerungsstörungen des Tertiärs in ihrem Zusammenhänge 
mit den Quartärbildungen zu erklären. 

Ein vortrefflicher Aufschluss findet sich südlich vom Scher- 
mützel-See unmittelbar am Fusse des erodirten sandigen Ost- 
abhanges der Hasenholzer Hochfläche. Es ist dies die zur Buckower 
Ziegelei gehörige Thongrube, in welcher der mitteloligocäu e 
Septarienthon abgebaut wird. Dieser Aufschluss ist zuerst von 
Plettner 2 ) beschrieben worden, doch konnte er wegen der un- 
genügenden Entblössungen das Lagerungsverhältniss des Glimmer- 
sandes zum Septarienthon nicht ermitteln. Sodann hat Küsel 3 ) 
die in der Buckower Thongrube aufgeschlossenen Tertiärschichten 
eingehend untersucht und ihre Lagerungsverhältnisse durch ein 
Profil zur Anschauung gebracht. Eine Ergänzung hierzu bilden 

*) vergl. z. B. Klöden, Beiträge zur geognostischen Beschaffenheit der 
Mark Brandenburg. (Programm der Gewerbeschule Berlin 1829. Zweites 
Stück S. 24.) 

2 ) Plettner, Die Braunkohlenformation in der Mark Brandenburg (Zeitschr. 
d. Deutsch, geol. Ges. IV, 1852, S. 403 ff.) 

3 ) R. Küsel, Die Gegend von Buckow und das Diluvium von Schlagenthin. 
(Jahresber. über die Stralauer höhere Bürgerschule 1868.) — Die Tertiärschichten 
über dem Septarienthon bei Buckow. (Zeitschr. f. die ges. Naturwiss. 35, 
S. 208 — 212. Berlin 1870.) — Die oberen Schichten des Mitteloligocäns bei 
Buckow. (Jahresb. über die Andreasschule. Berlin 1870.) — Ueber das Mittol- 
oligocän bei Buckow. (Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. XXIII, 1871, S. 659.) — 
Ueber Kalkschichten im Buckower Septarienthon (Ibid. XXIV, 1872, S. 659.) 


des Tertiärs und Quartärs der Gegend von Buckow. 


101 


die von E. Zimmermann 1 ) im Jahre 1883 gegebenen Mittheilungen. 
Seit dieser Zeit ist der Abbau des Septarienthones bedeutend 
fortgeschritten. Hierdurch, sowie durch ganz frische Abgrabungen 
in dem zu der eigentlichen Grube führenden Hohlwege und durch 
die sehr sorgfältig ausgeführte Abdeckung der hangenden Schichten 
des Septarienthones war mir im Sommer 1892 die Möglichkeit 
geboten, ein klares Bild über die gesammte Schichtenfolge des 
Tertiärs, sowie über ihr Verhältnis zu den sie überlagernden Di- 
luvialablagerungen zu erhalten. Der beigefügte, nach einer Photo- 
graphie hergestellte Lichtdruck (Taf. VI) gewährt einen vollstän- 
digen Ueberblick über den Aufschluss, doch zeigen die Gruben- 
wände nirgends ein normales, die Fallebene der Schichten senk- 
recht durchschneidendes Profil, da die Schichten hier nach NO. 
einfallen und die durch die Buchstaben de bezeichnete nördliche 
Grubenwand sich nahezu von O. nach W. erstreckt. Die Schichten an 
der Nordwand des 44 Meter langen, sich von OSO. nach WNW. er- 
streckenden Hohlweges waren zur Zeit der photographischen Auf- 
nahme leider mit Abrutschmassen bedeckt, so dass sie auf der 
Tafel nicht zum Ausdruck gekommen sind. Ich habe die Schichten 
sowohl hier, als auch an der gegenüberliegenden Südwand des 
Hohlweges nach erfolgter Abgrabung beobachten können. 

Unmittelbar am östlichen Eingänge in den Hohlweg war auf 
eine Länge von 10 Metern eine Bank von Geschiebemergel ent- 
blösst, die sich an dem Abhange hinaufzieht und die Schichten- 
köpfe des ganzen tertiären Schichtensystems scharf abschneidet. 

Diese Erscheinung tritt an der nördlichen Grubenwand auf 
den Taf. VI und VII, auf denen der Geschiebemergel mit d be- 
zeichnet worden ist, sehr deutlich hervor. Er hat hier eine mitt- 
lere Mächtigkeit von 3 Metern, besitzt eine bräunliche Farbe und 
ist sehr fest und hart. Weiter nach W. zu liegt er unmittelbar 
auf dem Septarienthon und keilt sich etwa an der Stelle, wo in 
der Abbildung auf der Oberfläche des Septarienthones (a) die drei 
grossen Geschiebe liegen, in einer scharfen Spitze aus. Dass 
dieser Geschiebemergel sehr starkem Druck ausgesetzt gewesen 


') Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. XXXV, 1883, S. 628—630. 


102 


F. Wahnschaffe, Die Lagerungsverhältnisse 


ist, geht aus dem Umstande hervor, dass derselbe, wie man am 
Eingang in den Hohlweg sehen kann, in kleine fünf- oder sechs- 
seitige Säulen stenglig zerklüftet, die der äusseren Form nach 
ganz wie Basaltsäulen aussehen. Während Zimmermann 1 ) die 
Altersstellung des Geschiebemergels unentschieden gelassen hat, 
schreibt Zache 2 ): »Am Südrande des Schermützel-Sees baut eine 
Ziegelei Septarienthon ab, über welchem auch der Obere Ge- 
schiebelehm lagert«. Dass man es hier mit Unterem Ge- 
schiebemergel zu thun hat, kann meiner Ansicht nach gar 
keinem Zweifel unterliegen. Derselbe wird, wie man an der nörd- 
lichen Grubenwand deutlich sieht, von horizontal geschichtetem 
Unterem Diluvialsande (Taf. VI u. VII, Schicht e) überlagert, 
der hier eine durchschnittliche Mächtigkeit von 3 Metern besitzt. 
Es ist dies derselbe Sand, welcher sich nach W. zu regel- 
mässig fortsetzt und das Liegende des Oberen Geschiebemergels 
auf der Hasenholzer Hochfläche bildet. Das Niveau desselben 
entspricht demnach demjenigen des Rixdorfer Sandes mit seiner 
diluvialen Säugethierfauna. 

Schreitet man in dem zur Grube führenden Hohlwege von 
O. nach W. vor, so erscheinen zunächst unter dem Unteren Ge- 
schiebemergel feine weisse Glimmersande (Taf. VI C), die sehr 
deutlich geschichtet sind und mehrfach von schmalen, parallel mit 
der Schichtfläche verlaufenden eisenschüssigen Bändern durchsetzt 
werden. Von der Thoneisensteinbank, welche nach Küsel den 
Glimmersand von dem Geschiebemergel trennt, habe ich nur 
an einer Stelle einen etwa ^ Centimeter mächtigen Rest auffinden 
können, sodass dieselbe eine locale Bildung zu sein scheint. 
Misst man die Länge, in welcher die unter 20 — 25° nach NO. 
einfallenden Schichten von der fast horizontalen Sohlfläche des 
von OSO. nach WNW. sich erstreckenden Hohlweges durch- 
schnitten werden, so erhält man 21 Meter, woraus sich eine 
mittlere Mächtigkeit der ganzen Ablagerung von 8 — 9 Metern 
ergiebt. In völlig gleicher Ausbildung findet sich der Glimmer- 
sand innerhalb des Blattes Müncheberg in der Silberkehle nördlich 

*) 1. c. S. 630. 

3 ) 1. c. S: 30. 


des Tertiärs und Quartärs der Gegend von Buckow. 


103 


vom grossen Tornow-See, in einer nordwestlich von dem Nordende 
dieser Schlucht sich erhebenden Kuppe und in der noch näher 
zu besprechenden Grube der neuen Ziegelei an der Boilersdorf- 
Reichenberger Chaussee. In der Silberkehle sieht man, wie auch 
Plettner (1. c. S. 407) bereits erwähnt, im mittleren Theile der 
Schlucht braunschwarze Letten und graue, braungestreifte Form- 
sande mit südöstlichem Einfallen unter dem steil aufgerichteten 
Glimmersande zu Tage treten. Es scheint demnach hier ein nach 
NO. überkippter Sattel vorzuliegen, wodurch die der Braunkohlen- 
formation angehörigen Letten und Formsande scheinbar zum 
Liegenden des Glimmer sandes geworden sind. 

Obwohl an allen diesen Punkten keine Petrefacten aufgefunden 
worden sind, so glaube ich doch, dass man aus den Lagerungs- 
verhältnissen und aus der petrographischen Beschaffenheit folgern 
kann, dass derselbe, wie dies auch schon G. Berendt 1 ) aus- 
gesprochen, der von ihm in der Mark nachgewiesenen Etage 
des oberoligocänen Meeressandes angehört. Unter dem 
Glimmersande folgt in dem Hohlwege eine den Septarienthon 
unmittelbar überlagernde Folge von glaukonitischen Schichten, 
die zuerst durch A. v. Koenen 2 ) mit den Stettiner Sanden 
in Parallele gestellt worden sind. Sie bilden hier die hängendsten 
Schichten des Mitteloligocäns und sind auch von KüSEL, der sie 
s,ehr eingehend untersucht und beschrieben hat, zum Stettiner 
Sand gerechnet worden. Diese Schichten Hessen sich sowohl an 
der Südwand des Hohlweges, als auch im Ausstrich in dem öst- 
lichen Theile der Grube beobachten, wo sie auf den Tafeln VI 
und VII mit b bezeichnet worden sind und ein Einfallen von 
25 — 30° nach NO. zeigen. 

Die von mir vom Hangenden nach dem Liegenden zu be- 
obachtete Schichtenfolge zeigt folgende petrographische Unter- 
schiede : 


G. Berendt, Die bisherigen Aufschlüsse des märkisch - pommerschen 
Tertiärs u. s. w. (Abh. z. geol. Specialkarte von Preussen u. s. w. Bd. VH, H. 2, 
S. 19 — 22 u. 38). 

2 ) A. v. Koenen, Die Fauna der unteroligocänen Tertiärschichten von Helm- 
städt bei Braunschweig. (Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. XVII, 1865, S, 462). 


104 


F. Wahnschaffe, Die Lagerungsverhältnisse 


Dunkle, grünlichblaue, thonige Schicht 75 Centimeter 

Glaukonitsand 48 » 

Chokoladenfarbige, thonige Schicht . 10 » 

Gelber Sand 50 » 

Eisenstreifiger Sand 10 » 


Thoneisensteinbank 

Glaukonitischer Sand 

Gelber Sand 

Thoneisensteinbank 

Feiner graüweisser oder graugelber 

Sand 

Dünne Thoneisensteinbank . . . 

Grober Sand 

Gelber, brauner, feiner, glimmer- 
reicher Sand ....... 

Grober Glaukonitsand 

Schalige Thoneisensteinbank . . 

Gesammt-Mächtigkeit 8,1 1 Meter. 

Von Petrefacten, welche im Stettiner Sande, namentlich in 
der den Septarienthon unmittelbar bedeckenden schaligen Thon- 
eisensteinbank gefunden worden sind, erwähnt KÜSEL folgende: 
Fusus oder Pleurotoma , 

Natica , 

Dentalium Kicksii Nyst, 

Pectunculus (vielleicht Philippsii ), 

Cardium cingulatum Goldf., 

Cyprina rotundata Braun, 

Pecten pictus Goldf. (aus dem oberen Thoneisensteinlager), 
Einzelne unbestimmbare Pelecypoden, 

Eine Koralle. 

Nach A. Y. Koenen 1 ) kommen hier ausserdem Pecten bifidus 
Goldf. und Fischzähne vor, während die übrigen Bivalven-Reste 
meist nur undeutliche Abdrücke bilden. An dem westlichen 


*) A. v. Koenen, Das marine Mittel - Oligocän Norddeutschlands und seine 
Mollusken-Fanna. (Palaeontographica XVI, S. 60). 



des Tertiärs und Quartärs der Gegend von Buckow. 105 

Theile difr - Grubenwand und in einem 3 — 4 Meter tiefen Schürfe, 
der sich an den westlichen Rand der Grube anschliesst, sieht 
man den glaukonitischen Sand nochmals aufgeschlossen. Er wird 
dort unmittelbar vom Unteren Diluvialsande (e) überlagert und 
fällt nach NO. ein. 

Das Liegende des Stettiner Sandes bildet der Septarien- 
thon, der im westlichen Theile der Grube in 18 Meter hohen 
Wänden aufgeschlossen ist. (Taf. VI u. VII a.) Er besitzt eine 
bläuliche bis schwarzgraue Farbe, ist im feuchten Zustande sehr 
fett und plastisch und zerfällt beim Trocknen in kleine scharf- 
kantige Brocken. Er enthält Einlagerungen von Gyps in einzelnen 
Krystallen und Krystalldrusen und ausserdem Pyrit in Knollen. 
Septarien, welche beispielsweise in der Thongrube von Hermsdorf 
nördlich Berlin so häufig Vorkommen, sind bei Buckow ziemlich 
selten. Nach dem A. v. KoENEN’schen Verzeichniss enthält der 
Septarienthon hier folgende Petrefacten : 

Mur ex Deshayesii Ny st, 

M. Pauwelsii de Kon., 

Tritonium flandricum de Kon., 

Cancellaria evulsa Sol., 

C. granulata Nyst, 

Pyrula concinna Beyr., 

Fusus rotatus Beyr., 

F. Waelii Nyst, 

F. elongatus Nyst, 

F. elatior Beyr., 

F. multisulcatus Nyst, 

Pisanella semiplicata Nyst, 

Conus Semperi Speyer, 

Pleurotuma turbida Sol., 

P. Koninckii Nyst, 

P. laticlavia Beyr., 

P. Selysii DE Kon., 

P. Duchastelii Nyst, 

P. regularis de Kon., 

P. Volgeri Phil., 


106 


F. Wahnschaffe, Die Lagerimgsverhältnisse 


P. peracuta v. Koenen, 

P. intorta Broc., 

Borsonia plicata Beyr., 

B. decussata Beyr., 

Natica Nysti d’Orb., 

Cerithium Sandbergeri Desh., 

Scalaria rudis Phil., 

S. undatella v. Koenen, 

S. intumescens v. Koenen, 

Dentalium Kicksii Nyst, 

D. seminudum Desh., 

Pecten permistus Beyr., 

Nucula Chastelii Nyst, 

Leda Deshayesiana Duch., 

Cryptodon unicarinatus Nyst, 

Astarte Kicksii Nyst, 

Venericardia tuberculata Münst. 

Hierzu kommen nach Küsel’s Angabe noch hinzu: 

Thracia Nysti v. Koenen, 

Tiphys Schlotheimii Beyr., 

Pleurotoma Waterkeynii Nyst., 

Ueberbleibsel von Fischen, darunter verschiedene Arten 
von Haifischzähnen, auch von Carcharodon megalodon 
Ag., sowie Schuppen und Wirbel. 

Die in dem Septarienthon vorkommenden Foraminiferen haben 
nach Küsel eine grosse Aehnlichkeit mit den von Reuss aus dem 
Hermsdorfer Vorkommen beschriebenen. Eine erschöpfende Be- 
arbeitung der an Formen sehr reichen Buckower Foraminiferen 
liegt bis jetzt noch nicht vor. 

Was nun die Lagerungsverhältnisse der bisher beschriebenen 
Tertiärschichten betrifft, so hat zuerst A. v. Koenen 1 ) die nach- 
stehende wichtige Mittheilung veröffentlicht: »Bei der fortschreiten- 
den Gewinnung des Thones stiess man auf der Südseite der 


*) Palaeontographica XVI, 1866, S. 61. 


des Tertiärs und Quartärs der Gegend von Buckow. 


107 


Grube vor ein paar Jahren plötzlich auf feste Braunkohle, welche 
nur einige Zoll mächtig, sich mit ca. 60° steif heraushob und 
vermuthlich bis nahe zu Tage ausgeht. Unter der Kohle folgt 
ein gelblichweisser feiner Glimmersand von unbekannter Mächtig- 
keit. Wie ich von den Arbeitern erfuhr, war mit einem Bohr- 
loche in der Mitte der Thongrube bei 30 Fuss Tiefe der Thon 
durchbohrt, und die Kohle resp. der Sand angetroffen worden.« 

Durch das weitere Vorrücken des Abbaus nach W. war 
im Herbst 1892 die Contactfläche zwischen dem Septarienthon 
und den darunter befindlichen Braunkohlenschichten auf eine 
Länge von 30 Metern angeschnitten worden. Auf Taf. VIII ist 
ein Stück dieses westlichen Stosses der Grube, zur Darstellung 
gebracht. Der eingesetzte Maassstab von 1 Meter Länge gewährt 
einen Anhalt über die Grössenverhältnisse. Man sieht hier an- 
nähernd in der Mittellinie des Bildes unter dem oben befindlichen 
Septarienthone weisse Qarzsande und ein mit ihnen vollständig 
verdrücktes kleines Flötzchen von dunkler erdiger Braunkohle 
hervortreten. Diese Braunkohle muss einem sehr starken 
Drucke ausgesetzt gewesen sein, denn man beobachtet häufig an 
den Ablösungsflächen der härteren Stücke stark spiegelnde 
Harnische. Von besonderem Interesse war hier die von mir 
gemachte Beobachtung, dass unmittelbar in der Berührungszone 
des Septarienthones mit den Braunkohlenschichten vereinzelte 
nordische Geschiebe vorhanden sind. Ich fand dort Feuer- 
steine, Grünsteine, Elfdalenporphyre, Gneisse und Granite, deren 
Grösse sehr verschieden war. Drei kleinere von 5 — 6 Centimeter 
Durchmesser sind auf Taf. VIII durch die beigefügten Zahlen 
1, 2, 3 kenntlich gemacht. Ein grösseres Geschiebe von einem 
halben Meter im Durchmesser fand ich an einer anderen Stelle 
ebenfalls noch in der Grubenwand festsitzend. Es war dies ein 
feinkörniger rundlicher Gneissblock, der in der Mitte gespalten 
war und dessen beide dicht auf einander liegende Hälften einige 
Centimeter gegen einander verschoben worden waren. Diese Er- 
scheinung deutet ebenso wie die Harnischbildungen an den Braun- 
kohlen auf eine starke Quetschung hin. Insofern ist dieses Ge- 
schiebe mit den zerbrochenen und wieder verkitteten sibirischen 


108 


F. Wahnschaffe, Die Lagerungsverhältnisse 


Kalkgeschieben von Schobüll bei Husum 7,u vergleichen, welche 
Meyn 1 ) beschrieben hat und welche, da sie sich nach Gottsche’s 2 ) 
Mittheilung nur auf der Grenze vom Unteren Geschiebemergel 
und dem dort darunter anstehenden, rothen, permischen Gestein 
beschränken, nach seiner Ansicht durch den Druck der Eisdecke 
auf ihre Unterlage resp. gegen das ältere anstehende Gestein zer- 
quetscht worden sind. 

Alle älteren Versuche, welche darauf hinausgingen, die 
Störungen der Tertiärschichten in der Buckower Thon- 
grube zu erklären, beruhen auf der irrthümlichen Annahme, dass 
die Braunkohlenablagerungen, welche dort das Liegende des 
mitteloligocänen Septarienthones bilden, auch ein höheres geolo- 
gisches Alter als dieser besitzen und demnach dem Unteroligocän 
angehören müssten. Zu diesem Resultat war Plettner durch 
seine sorgfältigen Untersuchungen gelangt und hatte dies in fol- 
genden Worten ausgesprochen: »Die Braunkohlen der Mark Bran- 
denburg sind zunächst älter als der Septarienthon, das ist die einzige 
genaue Bestimmung, die sich über das Alter derselben geben lässt«. 
(1. c. S. 228.) Erst nachdem G. Berendt 3 ) durch die Ergeb- 
nisse zahlreicher Tiefbohrungen und neuerer Grubenaufschlüsse 
den wichtigen Nachweis geliefert hatte, dass die märkische 
Braunkohlenformation über dem mitteloligocänen Sep- 
tarienthone und dem oberoligocänen marinen Glimmer- 
sande zur Ablagerung gelangt und demnach zum Miocän 
zu rechnen sei, war eine richtige Deutung der Lagerungsver- 
hältnisse in der Buckower Septarienthongrube möglich. Diese 
hat auch Berendt selbst bereits in der unten angegebenen zweiten 
Arbeit (S. 20 u. 21) gegeben. Dort heisst es: »Nach Kenntniss 
der durch den Bergbau in der Gegend von Frankfurt nunmehr 
festgestellten und im vorigen Abschnitte dargelegten Lagerungs- 

b L. Meyn, Geogn. Beob. in Schleswig-Holstein, 1847, S. 14 und Zeitschr. 
d. Deutsch, geol. Ges. XXIII, 1871, S. 404. 

3 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. XXXIX, 1887, S. 841 u. 842. 

3 ) G. Berendt, Das Tertiär im Bereiche der Mark Brandenburg (Sitzungsber. 
der physik. - math. Classe der königl. preuss. Akad. d. Wiss. zu Berlin 1885, 
XXXVIII) und Die bisherigen Aufschlüsse des märkisch-pommerschen Tertiärs 
u. s. w. (Abh. z. geol. Specialkarte v. Preussen u. s. w., Bd. VII, H. 2). 


des Tertiärs und Quartärs der Gegend von Buckow. 


109 


Verhältnisse dürfte es aber sofort einleuchten, dass wir es hier bei 
Buckow nicht nur, ebenso wie bei Freienwalde, Hermsdorf, 
Joachimsthal, mit einem aus dem Grunde sattelartig empor- 
gepressten Thonhügel zu thun haben, sondern auch mit einem 
ganz entsprechend den 3 Sätteln der Gruben bei Frankfurt 
(Taf. II) überkippten, gleichzeitig als Ueberschiebung zu denken- 
den Sattel. Dieser Sattel ist sogar in derselben Richtung, nämlich 
nach S., übergekippt, hat die ihn auf seinem Nordflügel in der 
Grube auch jetzt noch überlagernden Glaukonit- und Glimmer- 
sande, sowie die (als die oberste) später zerstörte Braunkohlen- 
bildung gerade an der Ueberkippungsstelle durchbrochen und 
noch einen 3 zölligen Besteg von Kohle an seinem, auf voraus- 
geschobenen Glimmersand aufgeschobenen widersinnigen Siidflügel, 
seiner Unterseite, mitgeführt.« 

Dieser BERENDT’schen Erklärung, der ich mich in jeder 
Hinsicht anschliessen kann, möchte ich als eine, allerdings un- 
wesentliche Berichtigung hinzufügen, dass die Schichten in der 
Buckower Thongrube sämmtlich nach NO. einfallen und demnach 
eine Ueberkippung der angenommenen Falte nach SW. statt- 
gefunden haben muss. Zugleich mit dieser starken Zusammen- 
schiebung und Ueberkippung der Falte muss auch eine Zer- 
reissung und Verwerfung eingetreten sein, sodass die auf- 
gerichteten Schichten des Nordostflügels auf den abgesunkenen 
und niedergepressten Schichten des Südwestflügels aufgeschoben 
werden konnten. Man muss annehmen, dass bei Entstehung der 
in der Sattellinie auftretenden Faltenzerreissung die Schichten des 
Südwestflügels au der Spalte nach abwärts sanken und dabei zu- 
gleich nach abwärts geschleppt wurden. 

Das an dem westlichen Stoss der Grube beobachtete dünne 
Braunkohlenflötzchen und die darunter folgenden Quarzsande 
scheinen den liegendsten Partien der hier bedeutend erodirten 
und am Nordostflügel gänzlich verschwundenen miocänen Braun- 
kohlenformation anzugehören. Darunter soll nach A. v. Koenen 
feiner Glimmersand erbohrt worden sein, den wir wohl mit 
dem Glimmersande am Eingänge des Hohlweges parallelisiren 
und zum Oberoligocän rechnen dürfen. Es wäre von grossem 


110 F. Wahnschaffe, Die Lagerufi gsverhäl tniss’e 

Interesse, wenn hier unter den Braunkohlenbildungen durch ein 
tieferes Bohrloch der Stettiner Saud und darunter der Septarien- 
thon im Liegenden dieses Glimmersandes nachgewiesen werden 
sollten. 

Es bleibt mir noch übrig, einige Bemerkungen über die 
Ursache und das Alter der Schichtenstörungen hinzuzufügen. 
G. Berendt hat bereits in seiner ersten Schrift über »die 
märkisch - pommersche Braunkohlenformation und ihr Alter im 
Lichte der neueren Tiefbohrungen J ) « die Ansicht ausgesprochen, 
dass die im Liegenden der Glacialbildungen zu beobachtenden 
Störungen des Tertiärs mit Hülfe der Eistheorie sich verhältniss- 
mässig leicht erklären Hessen, während die Spuren der gross- 
artigen Zerstörung des Braunkohlengebirges sich deutlich in dem 
Hauptmaterial aller tieferen Schichten des Diluviums wieder- 
fänden. Auch bei dem Nachweis der nach S. überkippten Sattel- 
und Muldenbildungen, Störungen, welche in der Frankfurter 
Gegend die märkische Braunkohlenformation, den oberoligocäneu 
Meeressand und den Stettiner Sand und Septarienthon des Mittel- 
oligocäns betroffen haben * 2 ), glaubte Berendt diese Erscheinungen 
auf die einstmalige nach S. gerichtete Bewegung des skandinavi- 
schen Eises zurückführen zu dürfen. Dieselbe Erscheinung gilt 
nach ihm auch für die überkippten Sättel und Mulden des 
Tertiärs bei Falkenberg und Freienwalde a. 0. 3 ), Verhältnisse, 
die von ihm in dem Profil Fig. 4 veranschaulicht worden sind. 
Auch für die Störungen in der Buckower Thongrube möchte ich 
eine gleiche Entstehungsursache annehmen. Dass dieselben nicht 
praeglacial sein können, beweist das Vorkommen von nordischem 
Material zwischen dem Septarienthon und den Braunkohlen- 
bildungen; es muss demnach, als die Ueberschiebung stattfand, 
eine Bedeckung der letzteren mit glacialem Schuttmaterial schon 
vorhanden gewesen sein. Nach meiner Ansicht fand die Empor- 
pressung und Faltung der tertiären Ablagerungen in dem Rand- 

*) Dieses Jahrb. für 1883, Berlin 1884, S. 651. 

2 ) Die bisherigen Aufschlüsse des märkisch-pommerschen Tertiärs u. s. w. 

3 ) Das Tertiär bei Falkenberg und Freienwalde a. 0. (Zeitschr. d. Deutsch, 
geol. Ges. XLIV, 1892, S. 339 u. 340). 


des Tertiärs und Quartärs der Gegend von Buckow. 


111 


gebiete des hier von NO. nach SW. vorrückenden Inlandeises 
statt und zwar gleichzeitig mit dem Absatz des dem Gehänge 
angelagerten und an demselben emporgepressten Unteren Ge- 
schiebemergels. Da letzterer von dem im Liegenden des Oberen 
Geschiebemergels auftretenden Diluvialsande horizontal abgeschnitten 
wird und dieser Sand, soweit sich dies an der Nordwand der 
Grube (siehe Taf. VI e) beobachten liess, keinerlei Störungen zeigt, 
so muss die Faltung und Ueberschiebung der Tertiär- 
schichten während der ersten Glacialepoche erfolgt sein. 
Küsel 1 ) hat. allerdings auf dem von ihm gezeichneten Profil stark 
gefaltetes Diluvium ohne nähere Bezeichnung der Beschaffenheit 
im westlichen Theile der Grube über dem Grünsand angegeben, 
doch haben diese Falten des unteren Diluvialsandes, um den es 
sich wahrscheinlich handelt, meiner Auffassung nach nichts mit 
den Störungen des Tertiärs zu thun und sind vielleicht bei der 
Ablagerung des hier in der Abschmelzperiode völlig erodirten 
Oberen Geschiebemergels, also beim zweiten Vorrücken des 
Inlandeises entstanden. Auch scheinen es nur ganz locale Auf- 
sattelungen gewesen zu sein, da sie jetzt nicht mehr zu beob- 
achten sind. 

Gleichzeitig mit den Tertiär-Schichten in der Buckower Thon- 
grube scheinen die unmittelbar an der Buckower Chaussee süd- 
lich von dem nach der Ziegelei führenden Wege zu Tage treten- 
den diluvialen Mergelsande in ihrer Lagerung gestört worden 
zu sein. Diese sehr fein und regelmässig geschichteten Mergel- 
sande zeigen ebenso wie die Tertiärschichten ein Einfallen nach 
NO. und zwar unter 17°. 

Auch die Störungen der vielfach in der Buckower Gegend 
in natürlichen Einschnitten, sowie durch Gruben aufgeschlossenen 
märkischen Braunkohlenformation scheinen durch den 
Druck des sich vorschiebenden Inlandeises hervorgerufen zu sein, 
ln der Grenzkehle am westlichen Ufer des Schermützel-Sees 
sind bereits durch Plettner (1. c. S. 392 — 395) die dort vor- 
handenen Braunkohlenschichten sorgfältig untersucht und genau 


>) R. Küsel, Die oberen Schickten des Mitteloligocäns bei Buckow. Tafel. 


ii2 


F. Wahnschaffe, Die Lagerungsverhältnisse 


beschrieben worden. Da die Abhänge jetzt vielfach überrutscht 
sind und die Schichtenfolge nicht mehr sehr deutlich zu erkennen 
ist, so folge ich hier auszugsweise den von ihm gemachten An- 
gaben. Kaum 300 Schritt vom Ufer des Sees entfernt steigt am 
Nordgehänge des Thaies eine steile Wand von mehr als 10 Meter 
senkrecht empor, die aus bräunlich-schwarzen, thonigen, doch zu- 
weilen auch sandig werdenden Letten gebildet wird. Das Streichen 
der Schichten ist NW. — SO., das Einfallen gegen NO. gerichtet. 
Etwa 100 Schritt weiter thalaufwärts zeigte sich ein fast voll- 
ständiges Profil der »hangenden und liegenden Flötzpartie« auf- 
geschlossen. Die Schichten besassen dasselbe Streichen und Ein- 
fallen. Letzteres fand unter 40 — 50° statt. Plettner hat dort 
nachstehende Schichtenfolge von oben nach unten beobachtet: 

1) 3 — 5 Fuss (0,94 — 1,57 Meter) gelblich-grauer j g 

Lehm mit Geschieben. f •£ 

2) 10 — 14 Fuss (3,14 — 4,40 Meter) gelblich- l £ 

weisser nordischer Sand. ' ® 

3) 18 Fuss (5,65 Meter) aschgrau- und braun- \ 

gestreifter Sand, gegen das Liegende hin 

dunkler werdend. / cd 

I ns 

4) 2 Fuss (0,63 Meter) sehr bröcklige Braun- ! . g 

kohle. } .2 a 2 

*43 a 

5) 4 Fuss (1,26 Meter) dunkelbrauner Form- I § 

sand, gegen unten hin weniger feinkörnig \ 

und mit gelblich - grau gefärbten Streifen I j| '3 
wechselnd. 'o & 

6) 8 Fuss (2,51 Meter) grauer gleichkörniger 
Quarzsand, Kohlensand, ohne allen Glimmer, 
mit dünnen schwarzen Streifen, in denen der 
Kohlensand mit stärkeren Mengen von Kohlen- 
stäubchen gemischt ist. 

7) U/ 2 Fuss (0,47 Meter) Braunkohle. 

8) 3 Fuss (0,94 Meter) grauer gleichkörniger 
Quarzsand, Kohlensand. 

9) D /2 Fuss (0,47 Meter) Braunkohle. 

10) Grauer gleichkörniger Kohlensand. 


des Tertiärs und Quartärs der Gegend von Buckow. 


113 


Zweihundert Schritt weiter thalaufwärts sind abermals ein 
Formsandlager und zwei ßraunkohlenflötze, deren Mächtigkeit 
ungefähr 1 Fuss (0,31 Meter) beträgt und die in den grauen 
Kohlensand eingelagert sind, am Gehänge aufgeschlossen, doch 
war das Hangende der ßraunkohlenflötze durch Abrutsch ver- 
deckt. Die Schichten streichen hier ebenfalls NW. — SO., fallen 
jedoch mit ungefähr 30° nach SW. Die noch weiter nach W. 
zu in der Grenzkehle getroffenen, 15 — 17 Fuss (4, 71 — 5,34 Meter) 
mächtigen Formsand- und Lettenschichten zeigen das gleiche Ein- 
fallen und Streichen. Plettner schliesst aus diesen Beobach- 
tungen mit Recht, dass es sich hier um eine Aufsattelung der 
Braunkohlenformation handelt, deren Gewölbe durch Erosion zer- 
stört worden ist. 

In dem nördlich von der Grenzkehle gelegenen, ebenfalls von 
O. nach W. sich erstreckenden langen Grunde sind buntstreifige 
Formsandlager mit zwei schwachen Kohlenflötzchen aufgeschlossen, 
die im Allgemeinen von NW. nach SO. streichen und unter 50 
bis 60° gegen SW. einfallen. 

Nördlich von der nach dem Schermützel-See führenden Schlucht, 
in welcher der zum südwestlichen Ende des Dorfes Boilersdorf 
führende Weg verläuft, streichen am Abhange zwei Braunkohlen- 
flötze von 1 — D /2 Fuss (0,31 — 0,47 Meter) Mächtigkeit zu Tage 
aus, deren Streichen von NW. nach SO. gerichtet ist und welche 
unter 30 — 40° nach NO. einfallen. Da das Hangende und Lie- 
gende, sowie auch das Mittel zwischen den Flötzen aus glimmer- 
freiem Quarzsand besteht, so gehören diese Schichten der liegen- 
den Flötzpartie an. Die hangende Partie mit braunen glimmer- 
reichen Formsanden findet sich etwas weiter nördlich, sowie im 
Grunde der Schwarzen Kehle aufgeschlossen. Es streichen an 
letztgenannter Stelle drei Braunkohlenflötze der hangenden Pai'tie 
mit nordwest- bis südöstlichem Streichen und einem Einfallen von 
80° nach SW. zu Tage aus. 

Ueber die Lagerungsverhältnisse der in den Grubenfeldern 
»Willenbücher« und »Max« bei Bollersdorf im Abbau begriffenen 
Braunkohlenflötze verdanke ich dem Herrn Obersteiger SchüLKE 
einige Mittheilungen. Durch Bohrungen und Schächte ist auch 


Jahrbuch 1893. 


114 


F. Wahnschaffe, Die Lager ungsverhältnisse 


hier eine hangende und liegende Abtheilung der Braunkohlen- 
formation nachgewiesen worden. Die Braunkohlenschichten, in 
denen die beiden im Bau befindlichen Flötze auftreten , bilden 
hier eine Mulde, deren Längsstreichen von NW. nach SO. ge- 
richtet ist. Im NO. -Flügel dieser Mulde fallen die Schichten 
nach Plettner’s Angabe mit 60° nach SW. , während sie im 
SW. -Flügel zunächst der Muldenlinie mit 40°, in weiterer Ent- 
fernung mit 10 — 150 nach NO. einfallen. Das hängendste Flötz 
No. 1 ist nur theilweise abbauwürdig, da es mehrfach durch einen 
an Gerollen reichen Diluvialsand verdrückt wird. Die Kohle 
dieses Flötzes ist von milder Beschaffenheit und tritt in einer 
Mächtigkeit von 0,60 — 1,75 Meter auf. Ihr Einfallen schwankt 
zwischen 3 und 800. 

Das Hangende des ersten Flötzes besteht aus Unterem Di- 
luvialsande, welcher unmittelbar über dem Flötze liegt und eine 
Mächtigkeit bis zu 20 Meter erreicht. Nach Zache x ), dessen 
Angaben ebenfalls auf Mittheilungen des Herrn Obersteigers 
SchÜlke beruhen, sind in der Grube »Willenbücher« folgende 
Schichten durchteuft: 3,5 Meter Oberer Geschiebemergel, 1 Meter 
Unterer Diluvialsand und 8 Meter Unterer Geschiebemergel; dann 
folgte der Formsand. Sechshundert Meter nordwestlich hiervon 
wurden folgende Schichten beobachtet : 3,5 Meter Oberer Ge- 
schiebemergel, 7 Meter Unterer Geschiebemergel * 2 ) und 26 Meter 
Unterer Diluvialsand, darunter befand sich das erste Flötz. 

Das 4,20 Meter mächtige Liegende des ersten Flötzes 
besteht aus dunklen Letten mit Streifen von Formsand, welcher 
in der Nähe des zweiten Flötzes so dicht wird, dass er das 
Wasser nicht durchlässt. 

Das Flötz No. 2 ist durchschnittlich viel regelmässiger ab- 
gelagert, als das Flötz No. 1. Seine Mächtigkeit beträgt 1,20 
bis 1,75 Meter. Die Kohle ist stückreich und stellenweise ziem- 
lich fest, steht jedoch an Brennwerth der Kohle des ersten Flötzes 
etwas nach. Theilweise ist auch Gyps in krystallinischer Form 
dem zweiten Flötz beigemengt. 

0 1. c. S. 30. 

2 ) Der Geschiebemergel im Hangenden der Grube »Max« ist von Plettner 
(1. c. S. 159 — 160) irrthümlicb für Septarienthon gehalten worden. 


des Tertiärs und Quartärs der Gegend von Buckow. 


115 


Das Liegende des zweiten Flötzes ist 4,50 Meter 
mächtig und wird aus hellgrauem Formsand mit Lettenstreifen 
gebildet. Stellenweise tritt unter dem zweiten Flötze im Liegenden 
Schwefelkies in knollenartiger Form auf, welcher mit Kohle ver- 
mengt ist. In der Nähe des dritten Flötzes besitzt der Form- 
sand eine bräunliche Färbung. 

Dieses dritte Braunkohlenflötz ist ungefähr 0,80 bis 
1 Meter mächtig, wird jedoch wegen der geringen Mächtigkeit nur 
selten abgebaut. Unter diesem Flötz liegt ein 0,30 Meter mächtiger 
grauer plastischer Thon und darunter feiner weisser Formsand. 

Die Zahl der in der liegenden Abtheilung auftretenden 
Flötze ist bisher noch nicht genau ermittelt. Das stärkste der- 
selben ist in einer Mächtigkeit von 2 Meter angetroffen, während 
die übrigen nur 0,3 — 0,4 Meter mächtig sind. Die Kohle ist 
kleinknorpelig und mit Quarzsandstreifen durchzogen. Die Flötze 
zeigen ein starkes Einfallen von 80 — 90°. Das Hangende und 
Liegende dieses unteren Flötzzuges besteht aus Quarzsand, welcher 
meist bräunliche Färbung zeigt. . 

Dicht unterhalb des hangenden Flötzzuges besitzt der Sand ein 
sehr grobes Korn, während in den untersten Partien rein weisser 
Sand mit sehr gleichmässiger mittelfeiner Körnung vorhanden ist. 

In welche Zeit die Einmuldung der Braunkohle zu setzen 
ist und ob dieselbe ebenfalls mit einer durch das Inlandeis 
bewirkten Faltung in Zusammenhang zu bringen ist, Hess sich 
bisher nicht feststellen 1 ). Die Braunkohlenschichten zeigen je- 
doch ausser dieser muldenförmigen Stellung im Grossen noch 
verschiedene locale Störungen, die sich in einer Faltung und 
Aufsattelung der Kohlenflötze , sowie durch Verwerfungen 
zu erkennen geben. Auch Plettner erwähnt in dem steiler ge- 
neigten Theile des Südostflügels der Mulde eine parallel zum 
Streichen derselben verlaufende Verwerfungskluft mit spiegel- 
glatten Flächen. Die der Muldenlinie näher gelegenen Flötz- 
partien sind an dieser Kluftfläche so tief abgesunken, dass das 

x ) Beziehungen der Mächtigkeit der diluvialen Bedeckung zur Muldenbil- 
dung und Aufsattelung der Braunkohlenflötze , wie sie Berendt bei Freien- 
walde a. O. nachweisen zu können glaubte (Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1892, 
S. 335 — 340), habe ich in der Buckower Gegend nicht auffinden können. 


i 16 


F. Wahnschaffe, Die Lagerungsverh ältmsse 


erste Flötz des gesunkenen Theiles die Fortsetzung des zweiten 
Flötzes des höher liegenden Theiles zu sein scheint. Das bei- 
gefügte Profil (Fig. 2), in welchem die beiden im Bau befind- 

Fig. 2. 

Profil aus der Grube »Willenbücher« bei Bollersdorf. 


Schacht Mi/eck/ff. Seht. Mi/eckil. . 



liehen Flötze als 1 u. 2 bezeichnet worden sind, lässt die Auf- 
sattelung deutlich erkennen. Diese Störungen sind nach meiner 
Ansicht ebenfalls als zusammenschiebende und aufpressende Wir- 
kungen des vorrückenden Inlandeises anzusehen. Auch Plettner 
(1. c. S. 159) ist der Ansicht, dass mit der Aufrichtung der Flötze 
zugleich eine Verschiebung und Zusammenpressung von der Seite 
her verbunden gewesen sein muss, da in dem horizontal gelagerten 
Theile der Flötze und der begleitenden Schichten sich eine grosse 
Menge sattel- und muldenförmiger Faltungen findet, die kaum auf 
andere Weise erklärt werden könnten. 

Die stark kuppige Oberflächenbeschaffenheit der Pritzhagener 
Forst ist nicht nur als eine Folge der erodirenden Thätigkeit der 
Schmelzwasser des Inlandeises anzusehen, sondern die Tertiär- 
ablagerungen sind hier vielfach, wie ich annehme, durch den 
Druck des vorrückenden Inlandeises emporgepresst und in ihrer 
Lagerung gestört worden und bilden den inneren Kern des ober- 
flächlich meist aus Unterem Diluvialsand mit dünner Decke von 
Oberem Geschiebesand gebildeten Hügellandes. Plettner giebt 
an, dass der Septarienthon in beträchtlicher Mächtigkeit in einem 
Bohrloche am Südabhange des nahe bei der Friedrich -Wilhelms- 


des Tertiärs und Quartärs der Gegend von Buckow. 


117 


Höhe gelegenen Quastes (Jena’s Höhe) aufgefunden wurde. Ausser- 
dem sind von ihm noch die nachstehenden Bohrungen mitgetheilt 
worden, bei denen von oben nach unten folgende Schichten 
durchsunken wurden: 

I. Bohrloch auf dem Nordabhange des Dachsberges. 

1) 16 Fuss ( 5,02 Meter) brauner sandiger Thon mit Glimmer. 

2) 20^2 » ( 6,43 » ) gelblichbrauner sandfreier Thon mit 

einzelnen Gypsknauern und deutlichen 
Stückchen der Schale von Nucula 
Deshayesiana. 

3) 40 » (12,55 » ) blaugrauer fetter Thon mit Gyps- 

knauern und Stücken braunen Thon- 
eisensteins und zerbohrten Muschel- 


4) 

1 » 

( 0,31 

schalen. 

» ) mergeliger Kalkstein (wurde ge- 

5) 

3 » 

( 0,94 

meisselt). 

» ) blaugrauer Thon mit Gyps. 

6) 

4 » 

( 1,26 

» ) braunschwarze alaunhaltige Letten. 

7) 

2 » 

( 0,63 

» ) grauer Formsand, braungestreift. 


Sö 1 ^ Fuss (27,15 Meter). 


II. Bohr 

loch am 

Südabhange des Wachtelberges. 

1) 

71/2 Fuss 

( 2,35 Meter) bräunlichgrauer sandiger Thon. 

2) 

6 » 

( 1,88 

» ) gelblichbrauner Sand. 

3) 

IV 2 » 

( 0,47 

» ) brauner thoniger Sand. 

4) 

V* » 

( 0,16 

» ) grauer reiner Quarzsand. 

5) 

IV 2 » 

( 0,47 

» ) eisenschüssiger röthlichbrauner Sand. 

6) 

2 » 

( 0,63 

» ) weisslichgrauer Sand. 

7) 

1 » 

( 0,31 

» ) röthlichbrauner Thon mit sehr vielem 

8) 26 » 

( 8,16 

Gyps gemengt. 

» ) blaugrauer fetter Thon mit Gyps und 

9) 

6 » 

( 1,88 

zerbohrten Muschelstückchen. 

» ) gelber brauner sandiger Thon. 

10) 47 » 

(14,75 

» ) blaugrauer fetter Thon mit Gyps und 


kleinen Bruchstücken von Muschel- 
schalen. 


99 Fuss (31,07 Meter). 


.18 

F. Wahnschaffe, Die Lagerungsverhältnisse 

III. 

Bohr! 

loch auf dem Wachtelberge. 

1) 14 Fuss 

( 4,39 Meter) bräunlichgrauer sandiger Thon. 

2) 29 » 

( 9,10 

» ) gelblichbrauner eisenschüssiger Sand. 

3) 4 » 

( 1,26 

» . ) dunkelbrauner sandiger Thon. 

4) 17 » 

( 5,34 

» ) blaugrauer Thon mit Gyps und klei- 

5) 2i/ 2 » 

( 0,79 

nen Kalkstücken (augenscheinlich zer- 
bohrte Muschelreste). 

» ) bräunlichschwarze Letten mit Glim- 



mer. 

6) V 4 » 

( 0,08 

» ) Braunkohle. 

7) 23 » 

( 7,22 

» ) Formsand, grau und blau gestreift. 

89% Fuss (28,17 Meter). 


Leider lässt sich aus diesen Angaben die genaue geologische 
Bestimmung und Parallelisirung der einzelnen Schichten nicht 
mit Sicherheit ableiten. Die oberste auf dem Nordabhange des 
Dachsberges durchsunkene Schicht (16 Fuss brauner sandiger 
Thon mit Glimmer, Bohrloch I, No. 1) ist zweifellos der dort an- 
stehende Obere Geschiebemergel. Der in Bohrloch I, No. 4 an- 
gegebene mergelige Kalkstein darf wohl als eine Septarie ange- 
sehen werden. Im Uebrigen hat es den Anschein, als ob in den 
Bohrlöchern I und III die Brauukohlenformation erst unter dem 
Septarienthon angetroffen wäre, was wiederum auf bedeutende 
Schichtenstörungen schliessen liesse, die in diesem Falle als über- 
kippte Falten zu erklären sein dürften. 

Eine bemerkenswerthe Eigentümlichkeit innerhalb der Pritz- 
hagener Forst bieten die beiden Tornow- Seen. Dieselben sind 
nur 250 Meter von einander entfernt, zeigen jedoch sehr be- 
deutende Niveaudifferenzen, denn der Wasserspiegel des Kleinen 
Tornow-Sees liegt 17,2 Meter höher als der des Grossen Tornow- 
Sees. Bei meinen bis zu 2 Meter Tiefe geführten Handbohrungen 
fand ich, dass die trennende Kuppe, der Kalkberg, oberflächlich 
aus Diluvialgrand besteht, doch muss im Untergründe eine das 
Wasser nicht durchlassende Schicht vorhanden sein, da sonst das 
Wasser des Kleinen Tornow sehr bald nach dem Grossen ab- 


des Tertiärs und Quartärs der Gegend von Buckow 


119 


laufen würde. Ob diese undurchlässige Schicht, wie Plettner 
vermuthet, durch Septarienthon gebildet wird, liess sich bisher 
nicht entscheiden. Mit gleicher Wahrscheinlichkeit könnte man 
annehmen, dass der Untere Geschiebemergel hier den Abfluss ver- 
hindert, denn derselbe ist in der Umgebung des Sees an ver- 
schiedenen Stellen nachgewiesen worden. 

Ein neuer Aufschluss, der innerhalb der Pritzhagener Forst 
unmittelbar an der von Bollersdorf nach Reichenberg führenden 
Chaussee auf meine Veranlassung entstanden ist, dürfte für die 
Lagerungsverhältnisse des Tertiärs von Interesse sein. Nachdem 
ich durch kleinere Handbohrungen das Vorhandensein des Septa- 
rienthones in dem sich an das sogenannte Buchholz anschliessen- 
den Ackerlande festgestellt hatte, wurde dies Gebiet von Herrn 
Obersteiger SchÜLKE durch tiefere Bohrungen näher untersucht 
und auf Grund der günstigen Ergebnisse die dortige neue Ziegelei 
angelegt. Man hat nun an dem Abhange der südlich von der 
Chaussee gelegenen Anhöhe einen von O. nach W. gerichteten 
Abstich gemacht, an welchem ich im November 1893 folgende 
Schichten beobachtete. Von W. nach O. zu vorschreitend be- 
merkt man unter einer dünnen Decke von geröllführendem Dilu- 
vialsande zuerst feinen Glimmersand, der ganz dieselbe Ausbil- 
dung zeigt wie der am Eingänge in die Buckower Thongrube 
und in der Silberkehle aufgeschlossene. Das Ausstreichen des- 
selben an der Oberfläche liess sich bis auf eine Länge von 
50 Schritt verfolgen. Dann folgte auf eine Erstreckung von 
30 Schritt glaukonitischer, mit Thoneisensteinbänken wechsellagern- 
der Sand, welcher dem Stettiner Sande in der Buckower Thon- 
grube entspricht. Daran schliesst sich auf eine Länge von 60 Schritt 
Septarienthon. Die in diesem angelegte Grube war erst einige 
Meter tief, doch haben die dort angestellten Bohrungen ergeben, 
dass der Thon bei 12,5 Meter noch nicht durchsunken wurde. Leider 
konnte man an diesem Aufschluss, der nur das oberste Ausgehende 
der Schichten zeigte, nicht das Einfallen und Streichen derselben 
ermitteln. Wahrscheinlich ist die Schichtenstellung eine sehr 
steile und wir haben es hier vielleicht mit einer nach SW. zu 
überkippten Falte zu thun, deren Gewölbe durch Erosion ver- 


120 


F. 'Wahnschaffe, Die Lagerungsverhältnisse 


schwunden ist. Dadurch käme es, dass der Glimmersand hier 
scheinbar das Liegende des Stettiner Sandes bildet. 

Durch Herrn Obersteiger Schülke und den dortigen Ziegel- 
meister erhielt ich bisher aus dem Septarientho ne: 

Cryptodon unicarinatus Nyst ) 

Leda Deshayesiana Nyst \ J e ein S ut erhaltenes Exemplar. 

Pleurotoma regularis de Köninck 2 j 

» laticlavia Beyr. 2 > Exemplar 

» Duchastelii Nyst 1 ) 

aus dem Stettiner Sande: 

Cyprina rotundata A. Braun, ein als Steinkern vorzüglich 
erhaltenes Exemplar. Kommt in dieser Schicht auch in der alten 
Buckower Thongrube und bei Stettin vor. 

Der weitere Abbau wird sicher interessante Aufschlüsse über 
die Beziehungen der Quartärbildungen zu diesen Schichtenstörungen 
gewähren. Erwähnt sei noch, dass etwa 400 Meter NO. von der 
Grube weisser Quarzsand der Braunkohlenformation der dem 
liegenden Flötzzuge angehören dürfte, an dem Wege im Walde auf- 
geschlossen ist, doch lässt sich bisher nicht erkennen, wie sich 
derselbe hier dem Aufbau der Tertiärablagerungen eingliedert. 

Den Schluss dieser Ausführungen möge eine kurze Betrach- 
tung des inmitten der tertiären Ablagerungen befindlichen Scher- 
mützel-Sees bilden. Plettner, Girard und Küsel stimmen in- 
sofern in ihren Ansichten überein, als sie die grosse Unregel- 
mässigkeit und Unebenheit der Oberflächenformen in der Um- 
gebung von Buckow auf Einsenkungen und Verstürzungen des 
Bodens zurückführen, die mit den von ihnen beobachteten Stö- 
rungen der Tertiärbildungen in Zusammenhang gebracht werden. 
Besonders deutlich tritt dies gemeinsame Bestreben der drei Forscher 
bei der Erklärung der tiefen Einsenkung hervor, welche von dem 
Schermützel-See erfüllt ist. Der Spiegel dieses in seiner Mittel- 
linie 2200 Meter langen und 500 — 750 Meter breiten Seebeckens 
liegt 26,3 Meter über Normal Null. Rechnet man den durch Torf- 
bildungen und eine aufragende Kuppe Diluvialsandes abgetrennten 
Weissen See hinzu, so hat der Schermützel-See eine halbmond- 


des Tertiärs und Quartärs der Gegend von Buckow. 


121 


förmige Gestalt. Von den kleineren Einbuchtungen abgesehen, 
verlaufen die Ufer des nördlichen Theiles von NO. nach SW. die 
des südlichen von NNW. nach SSO. Nach den von Girard 1 ). 
mitgetheilten, genauen Messungen ist die Tiefe des Sees in der 
südlichen Hälfte ziemlich gleiclimässig 12,6 — 15,7 Meter, von der 
Mitte aus nimmt sie jedoch nach N. mehr und mehr zu, bis sie 
dicht vor dem Ende des Sees unterhalb der Bollersdorfer Höhe 
und etwa 200 Schritt von dem Fischerhäuschen 44,6 Meter er- 
reicht. Im Umkreis dieses tiefsten Punktes schwankt die Tiefe 
des Sees zwischen 31,4 — 37,7 Meter, nimmt jedoch nach dem 
Ufer zu sehr schnell ab, da sie in 100 Schritt Entfernung von 
demselben bereits 1 5,7- — 17,3 Meter und in dem nördlichen Theile 
beim Fischerhause auf 50 Schritt Abstand sogar 18,8 Meter be- 
trägt. Es finden sich hier demnach auf Entfernungen von 300 Meter 
Senkungen des Bodens von 31,4 Meter und auf 150 Meter sogar 
eine solche von 44,6 Meter, was einem Böschungswinkel von 
5 — 6°, bezw. 16 — 17° entspricht. Girard hebt hervor, dass so- 
wohl die Tiefe des Sees als auch die Neigung seines Bodens als 
besonders auffällige Erscheinungen anzusehen sind. Diese Ansicht 
kann ich nicht theilen , denn das Relief des Seebodens weicht in 
keiner Weise von der Oberflächengestalt seiner Umgebung ab, 
wie dies die Höhencurven zeigen. Ausserdem bieten zahlreiche 
Seen des norddeutschen Flachlandes 2 ) sowohl hinsichtlich der 
Tiefe als auch der Neigung des Seebodens völlig entsprechende 
Verhältnisse dar. 

Plettner hat darauf aufmerksam gemacht, dass die Verlänge- 
rung der Muldenlinie der Bollersdorfer Braunkohlenbildungen gegen 
SO. gerade die tiefste Stelle im Schermützel-See treffe und sich 
über denselben hinaus in südöstlicher Richtung in einem Thale 
fortsetze, das im Norden vom Iudendickten — , im Süden vom Luisen- 
berge begrenzt werde. Die Muldenbildung des Braunkohlenge- 


0 H. Girard, Die norddeutsche Ebene insbesondere zwischen Elbe und 
Weichsel, Berlin 1855, S. 196 und 197. 

2 ) Vergl. die Zusammenstellung der Seen in: F. Wahnschaffe, Die Ur- 
sachen der Oberflächengestaltung des norddeutschen Flachlandes. Stuttgart 1891 
S. 145—153. 


122 


F. Wähnschaffe, Die Lagerangs Verhältnisse 


birges erklärt er durch eine Senkung des Gebietes, welche im 
Schermützel-See ihre grösste Tiefe erreichte. Angenommen, dass 
dieser See in der That einer mächtigen Verstürzung seine Ent- 
stehung verdankte, würde ich weit weniger geneigt sein, an eine 
Einmuldung im Sinne der Bollersdorfer Braunkohlenmulde zu 
denken, als vielmehr an eine Grabenversenkung, welche dem Ufer- 
rande im nördlichen Theile des Sees entsprechend senkrecht zum 
Streichen der Braunkohlenschichten von NO. nach SW. gerichtet 
wäre. Eine solche Grabenversenkung könnte jedoch erst in der 
Postglacialzeit stattgefunden haben, denn es erscheint unmöglich, 
dass sich eine derartige aus älterer Zeit herrührende Vertiefung 
während der beiden Inlaudeisbedeckungen erhalten haben sollte, 
ohne von Moränen oder fluvioglacialen Bildungen ausgefüllt zu 
werden. 

Eine alte Sage, dass in dem 23,5 Meter tiefen Haus -See 
(Buckow -See) vor Alters eine Stadt versunken sei, scheint die 
Annahme von Bodensenkungen mit beeinflusst zu haben. Eine 
scheinbare Bestätigung erhält dieselbe durch die Auffindung von 
Pfahlbauten im Schermützel-See. Herr Amtsgerichtsrath Küchen- 
büch *) in Müncheberg, der Entdecker derselben, schreibt darüber 
Folgendes: »Die Sage einer untergegangenen Stadt hat hier ihren 
vollen Grund, da man auf der Ostseite des Schermützel-Sees, etwa 
100 Schritt vom Ufer 10 — 15 Fuss unter dem Wasser eine etwa 
207 Fuss lange Pfahlreihe sieht, die offenbar zu einer Einfriedi- 
gung gedient hat. Von ihr gehen im rechten Winkel einige andere 
Pfahlreihen ab, die aber nach wenigen Schritten abbrechen, da 
hier der Grund in eine jähe Tiefe abstürzt. Auf der Nordwest- 
seite, wo der See seine grösste Tiefe, über 110 Fuss erreicht, sieht 
man auf die Wipfel stehender Bäume. Der Boden des Sees ist 
also zu einer Zeit, als auf ihr Menschen wohnten, in längst ver- 
gangener Zeit eingesunken und birgt das Wasser ohne Zweifel 
eine menschliche Wohnung. Ein aus der Reihe herausgenommener 
Pfahl ist Eichenholz, 6^2 Fuss lang, 4 1 / , 2 Zoll dick und scheint 

x ) Katalog der Ausstellung prähistorischer und anthropologischer Funde 
Deutschlands. Berlin 1880 S. 106 und 107. (Zuerst veröffentlicht im Anzeiger 
f. Funde deutscher Vorzeit 1860, S, 442). 


des Tertiärs und Quartärs der Gegend von Buckow. 


123 


unten, wo er in der Erde gestanden, gebrannt gewesen zu sein, 
oben mit einem nicht sehr scharfen Beile zugespitzt.« 

Was zunächst die Sage von einer versunkenen Stadt betrifft, so 
ist darauf kein allzu grosses Gewicht zu legen, da von sehr vielen 
Seen, an denen JStädte oder Dörfer gelegen sind, ganz dasselbe be- 
richtet wird. Die 10 — 15 Fuss unter dem Wasserspiegel nachge- 
wiesene Pfahlreihe scheint allerdings eine Senkung des Seebodens 
anzudeuten, jedoch braucht dieselbe keineswegs mit der Entstehung 
des Seebeckens in Zusammenhang zu stehen. Es ist an Seerändern 
mit Steilufern eine häufig vorkommende Erscheinung, dass beim 
Sinken des Wasserspiegels um einige Fuss und dementsprechen- 
der Tieferlegung des Grundwasserstandes in dem Ufergebiet Rut- 
schungen des zuvor unter Wasser befindlichen und nun trocken 
gelegten Seebodens eintreten, die eine schiebende Wirkung auch 
auf das unter Wasser liegende Randgebiet des Sees ausüben und 
dies in ein tieferes Niveau herabdrücken. Da der Wasserstand im 
Schermützel - See während der Postglacialzeit sich nachweislich 
bedeutend erniedrigt hat, so können durch derartige Abrutsehungen 
die Pfahlbauten sehr wohl in ein tieferes Niveau gelangt sein. 
Ebenso wenig scheinen mir die aufrecht stehenden Bäume auf der 
Nordwestseite des Sees für eine Senkung des Bodens zu sprechen. 
An dem sehr steilen, abbrüchigen Ufer unterhalb der Bollersdorfer 
Höhe lösen sich noch gegenwärtig bei starken Regengüssen mehr 
oder weniger grosse Erdschollen mit den darauf stehenden Bäumen 
los und rutschen den Abhang herab. Auf diese Weise mögen 
auch früher grosse Bäume in den See gelangt sein und falls sie 
mit einem schweren Wurzelballen versehen waren, eine aufrecht- 
stehende Stellung erhalten haben. 

Durch die geologische Kartirung der Buckower Gegend scheint 
mir der Beweis erbracht zu sein, dass die unregelmässigen Ober- 
flächenformen nicht, wie Plettner, Girard und Küsel ange- 
nommen haben, durch eine Yerstürzung des Schermützel-Sees, die 
sich auch auf die Umgebung erstreckt haben soll, hervorgerufen 
sind, sondern dass sie unverkennbare Züge einer Erosionsland- 
schaft aufweisen, welche durch die vom Eisrande kommenden 
Schmelzwasser während der letzten Glacialepoche geschaffen 


124 


F. Wahnschaffe, Die Lagerungsverhältnisse etc. 


wurden. Die Störungen der Tertiärbildungen in der Buckower 
Thongrube lassen sich nicht durch eine Senkung des Bodens er- 
klären, sondern stellen eine durch das vorrückende Inlandeis 
der ersten Glacialep o che aufgestaute, überkippte und 
überschobene Falte dar. Auch für das tiefe Becken des Scher- 
mützel-Sees scheint mir die Annahme einer Bodensenkung nicht 
erforderlich zu sein, besonders da ein Beweis dafür durch die 
Tektonik der Quartär- und Tertiärbildungen bisher nicht erbracht 
worden ist. Die Ränder dieses sowie auch der anderen Seen in 
der Buckower Gegend weisen auf eine gewaltige Erosion hin. 
Unter der Annahme, dass die vom nördlich gelegenen Inlandeis- 
rande kommenden Schmelzwasser mit grosser Gewalt in dies Ge- 
biet einbrachen, zum Theil auch in dasselbe herabstürzten, lassen 
sich die gegenwärtigen Seebecken und Rinnen sehr gut als tiefere 
Ausstrudelungen und Ausschürfungen in dem leicht zer- 
störbaren Untergründe erklären. Es würden demnach die Seen 
der Gegend von Buckow dem von E. Geinitz Q aufgestellten 
Typus der »Evorsions-Seen« angehören. 


*) F. E. Geinitz, Ueber die Entstehung der mecklenburgischen Seen. 
(Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte Mecklenburgs.) — Die 
Seen, Moore und Flussläufe Mecklenburgs. Güstrow 1886. 


Bemerkungen über den sogenannten Lias 
von Remplin in Mecklenburg. 

Von Herrn Alfred Jentzsch in Königsberg in Preussen. 


Als muthmaasslich »Unteren Lias« hat Herr E. Geinitz 1 ) 
jüngst aus Mecklenburg ein Vorkommen beschrieben, welches, 
wenn seine Deutung sich bestätigen sollte, auch Licht auf benach- 
barte preussische Gebiete werfen würde. 

Bei der Verbreiterung der NW. — SO. laufenden Eisenbahn- 
strecke Teterow-Malchin wurde nordwestlich des Gutes Remplin 
bei 38 — 43 Meter Meereshöhe folgendes bemerkenswerthe Profil 
aufgedeckt: 

5 Meter Diluvium (vorwiegend Geschiebemergel); 

2 » Cenomankalk mit Ostrea cf. hippopodium Nilss., 

' Avicula gryphaeoides Röm., Inoceramus sp., Tere- 
bratula biplicata Sow. , Terebratulina striatula 
Mant., Serpula sp. , Cristellaria sp. und anderen 
Foraminiferen, sowie Bairdia sp. ; die unterste 
Hälfte dieser Cenomankalk-Bank ist glaukonitisch 
und führt Belemnites ultimus d’Orb. Das Cenoman 
fällt 10-200 nach NW. 

0,6 — 0,75 » grober Grünsand mit Phosphoritknollen und ver- 

kieseltem, nicht specifisch bestimmbarem Coniferen- 
liolz; 


*) Archiv d. Vereins d. Freunde d. Naturgeschichte von Mecklenburg 48, 
(1894) S. 107—114, Taf. IV. 


126 


Alfred Jentzsch, Bemerkungen über den sogenannten Lias 


0,2 — 0,5 Meter 


0,8 » 


0,6 » 


0,06-0,1 » 

2 » 


gelblichbrauner Quarzsand (a) mit sehr geringem 
Kalkgehalt, unten mit dünnen schwarzen Streifen 
und Thonlinsen ; »dasselbe Einfallen nach NNW« ; 
feiner Sand (b) mit Eisenconcretionen und kleinen 
Holzstücken; durch dünne, gebogene, schwarze 
Sandstreifen wie marmorirt und geflammt; 
abwechselnd scharfer und weicher, etwas glimmer- 
reicher, weisser Sand (c) mit 2 gelblichen, thoni- 
gen Zwischenlagern; in der oberen Hälfte rein 
weiss, wie tertiärer Glimmersand und mit Eisen- 
concretionen, in der unteren Hälfte dunkel; 
fetter, dunkel-blaugrauer Thon, an der hangenden 
Grenze reich an kleinen Stücken verkohlten 
Holzes; 

scharfer Quarzsand (d), grau uud schwarz mar- 
morirt, fest zusammengebacken durch ein schein- 
bar thoniges oder aschenartiges Bindemittel, zu 
oberst massenhaft kleine Stücken von faseriger 
Holzkohle führend und dabei fast zu einem dün- 
nen Holzkohlenflötzchen übergehend. Alle diese 
Schichten liegen concordant! 


Nach kurzer Lücke findet man im Liegenden 20 Schritt lang 
wieder weissen Sand (e), scharfem tertiären Glimmersand ähn- 
lich, mit Eisenconcretionen und mehreren gelblichen, thonig-sandigen 
Zwischenschichten und Linsen von schwarzgrauem, thonigem Sand, 
darunter schwarzen, scheinbar thonigen Sand (d')- 

Nach längerer Unterbrechung wurde weiter im Liegenden 
(also südöstlich) noch folgendes Profil beobachtet: 
schwarzer Thon; 

gelber und weisslicher, glimmerhaltiger Sand (f) mit 
vielen Eisenconcretionen und centimeterdickem, mürbem, 
schmutzig-grauem oder braunem, eisenschüssigem Sand- 
stein und Lagen von Thoneisen -Concretionen, welche 
theilweise Aehnlichkeit haben mit den oberoligocänen 
Concretionen von Meierstorf, und einen undeutlichen 
Zweischaler lieferten. 


Von Kemplin in Mecklenburg. 


127 


Man muss Herrn E. Geinitz darin völlig beistimmen, dass 
nach den geschilderten Lagerungs- und Verbandsverhältnissen die 
Schichten b — f (ungeachtet ihrer petrographischen Aehnlichkeit 
mit tertiären) älter als Cenoman sein müssen. Die coucordante 
Ueberlagerung kann nicht durch eine — im Flachlande bekannt- 
lich mehrfach beobachtete — Ueberschiebung erklärt werden, 
weil mechanische Contacterscheinungen fehlen; auch weicht der 
holzkohlenartige Erhaltungszustand der Holzreste von dem im 
Tertiär gewöhnlichen völlig ab. Herr E. Geinitz dachte zunächst 
mit Uebergehung des Gault an Wealden, erhielt aber von Herrn 
Struckmann in Hannover die Mittheilung, dass Letzterem derartige 
lockere sandige Schichten aus dem norddeutschen Wealden nicht 
bekannt seien; auch weichen die einheimischen Wealdenfindlinge 
durch ihr festeres Gestein ab. Dagegen besteht nach Herrn 
E. Geinitz eine ganz auffällige petrographische Aehnlichkeit mit 
den Unterlias -Schichten von Bornholm. »Auch dort dieselben 
weissen und gelblichen Sande mit Sphärosiderit- Concretionen, 
grauen Thone , und die der Meilerkohle ähnliche , glänzende 
Holzkohle«. Danach möchte Herr Geinitz trotz des Mangels 
an sicheren Versteinerungen »doch nach langen Vergleichen die 
Rempliner Schichten b — f auf Grund ihrer Lagerung und ihrer 
petrographischen Aehnlichkeit mit den Bornholmer Schichten zum 
untersten Lias zählen«. 

Der soeben auszugsweise wiedergegebene Befund fordert zu- 
nächst zu einem Vergleich mit dem durch lose Sandschichten 
ausgezeichneten Lias der fiskalischen Bohrung von Cammin in 
Pommern 1 ) heraus, um so mehr, als Bemplin von Cammin nur 
140 Kilometer, von Bornholm aber etwa 185 Kilometer entfernt 
liegt, und senkrecht zum hercynischen Schichtenstreichen gemessen 
von Bornholm doppelt so weit als von Cammin entfernt ist. 

Das mir unterstellte ostpreussische Provinzialmuseum besitzt 
durch die Güte des Königlichen Oberbergamts zu Halle eine voll- 
ständige Schichtenfolge der Camminer Bohrung, und Herr E. Gei- 
nitz hatte auf meine Bitte die Freundlichkeit, mir einige Proben 

*) Hauchecorne, Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1876, S. 423 und 775. 

Beyrich, ebenda S. 424. 

Cramer, Zeitschr. f. Berg-, Hütten- u. Salinenwesen 1884, S. 151 — 159. 


128 


Alfred Jentzsch, Bemerkungen über den sogenannten Lias 


der Rempliner Gesteine zu übersenden, welche ich nun mit den 
Camminer Schichten vergleichen konnte. Da das Cenoman von 
Remplin völlig sichergestellt ist, sehe ich von dessen Schilderung 
ab. Von den als Lias angesprochenen Schichten liegen mir Proben 
der Sande d und e vor, sowie Concretionen, aus denen sieh nichts 
für das Alter entnehmen lässt. Dem weissen Sande e von 
Remplin (welcher ganz gewöhnlichen Tertiärsanden gleicht), 
ist nun unter den Camminer Bohrproben am ähnlichsten die 
Probe No. 41 : grauer grobkörniger Quarzsand von 160,30 bis 
178,44 Meter Tiefe, welcher bei 160,30 Meter Tiefe ein 0,12 Meter 
mächtiges Kohlenflötzchen enthält. 

Ein wenig gröber, aber sonst gleich, ist die Probe No. 39: 
hellgrauer, scharfer Quarzsand von 151,26 — 157,10 Meter Tiefe. 

Ein wenig feiner, aber sonst gleich, ist die Probe No. 40: 
grauer, grobkörniger Quarzsand von 157,10 — 160,30 Meter Tiefe. 

Im Ganzen entspricht also Remplin e den Schichten Cammin 
No. 39/41 von 151,26 — 178,44 Meter Tiefe. 

Aehnlich, doch minder genau übereinstimmend, sind die Cam- 
miner Proben: 

No. 50 von 206,21—211,80 Meter 

» 59/60 » 254,40—265,30 » 

' » 66 » 325,98—327,84 » 

» 69 » 329,51—332,45 » 

»71 » 335,30—338,00 » 

Die in Cammin bei 338 — 580 Meter Tiefe durchbohrten 
Liasschichten liefern nichts petrographisch Identisches oder nahe 
V ergleichbares. 

Dagegen weisen die Proben No. 39/41 in der That noch 
grössere Aehnlichkeit mit dem Rempliner Sande e auf, als die 
freilich kleine, von mir 1889 auf Bornholm gesammelte Folge von 
Liasgesteinen. 

Der Rempliner schwarze Sand d ist ein durch schwarzen 
Kohlenstaub gefärbter feinerer Quarzsand und könnte in dem 
Camminer Profil der Probe No. 35 : »grauer thoniger Sand mit 


von Remplin in Mecklenburg. 


129 


Streifen schwarzen Sandes« von 132,55 — 136,17 Meter Tiefe ent- 
sprechen, womit die Aehnlichkeit recht gross ist. 

Die Rempliner Schichten b — f würden somit, falls sie Lias 
wären, am nächsten mit der von Cammin bei 132 — 180 Meter 
Tiefe durchbohrten Stufe übereinstimmen und äussersten Falles 
mit der darunter bis 338 Meter Tiefe durchbohrten Stufe ver- 
glichen werden können. 

Da nun die Camminer Schichten von 265 — 335 Meter Tiefe 
als marin, und insbesondere durch Ammonites als Mittlerer Lias 
festgestellt sind, so würden nach diesem Vergleichsobjecte die 
Rempliner Schichten zwar älter als Dogger, aber nicht älter als 
Mittlerer Lias sein. 

Bei solcher Deutung würde es indess auffällig bleiben, dass 
in Remplin Cenoman concordant unmittelbar über mittlerem 
Lias läge, während zwischenliegende Stufen in Mecklenburg, Vor- 
pommern und an den Odermündungen vielfach bekannt sind. Es 
würden nicht allein der durch Geschiebe auf Rügen, in Vor- 
pommern und der Mark angedeutete Wealden 1 ) und die Jurabil- 
dungen der Odermündungen fehlen, von denen man vielleicht 
annehmen könnte, dass sie in Mecklenburg nicht entwickelt sind, 
sondern auch der marine obere Lias, welcher als Opalinusthon 
nicht nur in Vorpommern bei Grimmen (66 Kilometer nordöstlich 
von Remplin), sondern auch in Mecklenburg bei Dobbertin (nur 
39 Kilometer westsüdwestlich von Remplin), hier noch von Posi- 
donienschiefern begleitet, aufgeschlossen ist. 

In dem mesozoischen Vorlande Skandinaviens, zu welchem 
Mecklenburg wie Ostpreussen unzweifelhaft gehören, können völlig 
gleichartige Quarzsande als letzte Auswaschungsrückstände von 
Sedimenten desselben gemeinsamen Verwitterungsheerdes sehr wohl 
in den verschiedensten Horizonten auftreten; ehe man sich für die 
Stellung der Rempliner Sande zum Lias entscheidet, wird man 
sich daher die Frage vorzulegen haben: ob denn nicht die jüngsten 
vor-cenomanen Schichten jener Gegend ebenso beschaffen sein 

*) Yergl. Deecke, Ueber ein grösseres Wealden-Geschiebe im Diluvium bei 
Lobbe auf Mönchgut (Rügen). Mittb. d. naturw. Vereins f. Neuvorpommern 
und Rügen, 20. Jahrg. 1888. 


Jahrbuch 


9 


130 Alfred Jentzsch, Bemerkungen über den sogenannten Lias 


könnten? Das unmittelbare Liegende des Cenomans ist in Mecklen- 
burg gar nicht, in ganz Nordostdeutschland mit Sicherheit bisher 
nur an einer Stelle bekannt: in Greifswald. Dort traf Busse’ s 
Bohrloch Selma *) unter 54,6 Meter Diluvium : 


66,7 Meter Turon : 

0,7 » Cenoman als grünen sandigen Thon ohne Fora- 

miniferen, doch mit zahlreichen Belemnites ultimus 
d’Orb. , mithin im Niveau genau dem untersten 
Theil des Rempliner Cenomans entsprechend und 
petrographisch als eine (vielleicht nur durch das 
Bohrverfahren bedingte) Mischung des letzteren 
mit dem unmittelbar darunter liegenden 0,6 bis 
0,75 Meter mächtigen Grünsand zu betrachten; 

0,3 » rothen Kreidethon von sehr heller, fast gelber Fär- 

bung ohne Petrefacten; 


25,3 


15,7 


grauen Sand mit Koh- 
lenbrocken, darunter 
weissen Sand 


beide mit Knauern von 
Schwefelkies und Kalk, 
sowie mit Phosphoriten 
und Belemnites mini- 
mus , daher = oberes 
\ / Gault; 

schwärzliche Thone, z. Th. mit Kalksteinen, Schwe- 
felkies, Holz und (in Phosphorit versteinert): Am- 
monites sp., Beeten sp. cf. orbicularis Sow., Zwei- 
schalern und dickschaligen Serpeln, mithin noch 
als oberes Gault zu betrachten. 


Durch ein von Scholz * 2 ) beschriebenes Bohrloch in Hinrich’s 
Brauerei in der Kirchstrasse zu Greifswald wurde das Gault 1878 
nochmals getroffen und in noch grösserer Mächtigkeit erschlossen. 
Unter 26,75 Meter Diluvium und nur 5,25 Meter Turon fand 
man nämlich die dem Cenoman und dem Gaultsand entsprechen- 
den Schichten in zusammen 31,65 Meter verticaler Mächtigkeit, 
und darunter 70 Meter Gaultthon, unter welchem noch 2,25 Meter 
»feiner Sand« erbohrt wurden. Die wirkliche Mächtigkeit ist ein 


b Dames, Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. XXYI, 1874, S. 974. 

2 ) Mitth. d. Naturw. V. f. Neuvorpommern und Rügen XI, 1879, S. 60 ff. 


von Remplin in Mecklenbnrg. 131 

wenig geringer, weil bekanntlich in Greifswald die Kreideschichten 
erheblich einfallen. 

Im Bahnhofe Greifswald traf ein anderes Bohrloch 12,5 Meter 
Diluvium über 35,8 Meter Senon über 7,2 Meter Turon über 
2,2 Meter Gault- Grünsand nach Scholz j ). 

Eine kleine Probenfolge des HiNRiCH’schen Bohrprofils, welche 
das Ostpreussische Provinzialmuseum der Freundlichkeit des Herrn 
Scholz verdankt, gestattete mir, in einem 1886 in den Festungs- 
werken von Swine münde abgeteuften Bohrprofil dieselben Gault- 
schichten wieder zu erkennen. Diese bei -+- 3 Meter über Nor- 
malnull angesetzte Bohrung ergab: 

unter Normalnull. 

39 Meter Alluvium und Diluvium .... bis 36 Meter 

56 » Grauweissen Kreidemergel voll Fo- 

raminiferen, mit Inoceramus- Bruch- 
stücken, unbestimmten Zweischa- 
lern und einzelnen Ostracoden . » 91 » 

Wohl zweifellos als Turon aufzu- 
fassen. 

3 » Grünerde ohne Foraminiferen, doch 

mit Salzsäure noch ziemlich reich- 
lich brausend » 94 » 

6 » grauen Quarzsand mit zahlreichen 

Brocken verkohlten Holzes ... »100 » 

9 » desgl. mit spärlichen, vielleicht nur 

auf Nachfall beruhenden Kohlen- 
theilen und spärlichen Glaukoniten » 109 » 

1 » etwas helleren, sehr feinen Sand mit 

spärlichen Kohlentheilen und spär- 
lichen, doch wohl erkennbaren und 

frischen Glaukoniten »110 » 

54 — 110 Meter entsprechend der 
oberen Sandstufe des Greifswalder 
Gault. 


*) Mitth. d. Naturw. Y. f. Neuvorpommem und Rügen XXI, 1889. 


132 Alfred Jentzsch, Bemerkungen über den sogenannten Lias 

In allen vier Bohrprofilen Nordostdeutschlands, welche das 
Cenoman durchsunken haben, sind also gleichartige Gaultsande 
gefunden worden, welche eine gewisse Aehnlichkeit mit den Sanden 
von Remplin — des 5. Punktes , an welchem das Liegende des 
Cenomans bekannt wird — aufweisen. Die speciellere Vergleichung 
ergiebt, dass die mir vorliegenden Swinemftnder und Greifswalder 
Proben theils wahre Grünsande, theils mindestens nicht ganz frei 
von Glaukonit sind, während die Rempliner unteren Sande keinen 
Glaukonit erkennen lassen. Aber es ist eine bekannte Thatsache, 
dass letzterer bei gröberer Ausbildungsweise der Sande (wie sie 
hier vorliegt) zurückzutreten pflegt; auch führt Dames im durch 
Belemnites minimus bezeichneten Oberen Gault von Greifswald aus- 
drücklich weissen Sand an. 

Auch die Holzführung verbindet Remplin mit Greifswald und 
Swinemünde. Vor Allem aber scheint mir die Verknüpfung der 
Rempliner Quarzsande mit Grünsanden und durch diese mit dem 
cenomanen Glaukonitkalk für die Continuirlichkeit der Schichten- 
reihe zu sprechen, und deshalb hier den Lias auszuschliessen. 

Hiernach halte ich es für wahrscheinlich, dass die Rempliner, 
von Herrn E. Geinitz als Unterster Lias angesprochenen Sande 
dem Oberen Gault, und zwar dessen oberer Sandstufe (vielleicht 
verbunden mit dem obersten Theile der Thonstufe) angehören. 
Dann ergäbe sich folgende Parallele: 








Grösste Mächtigkeit in Meter 



Greifswald 






Remplin 




Swine- 

verticale 

senkrecht zur Schich- 
tung (also wirkliche) 
bei Annahme eines 
Fallens von etwa 30° 


Busse 

Hinrichs 

Bahn- 

hof 

münde 

(also 

schein- 

bare) 






(schätzun gsweise) 

Turon . . . 

_ 

66,7 

5,25 

j 

56 

66,7 

58 

Cenoman . . 

2 

1,0 

> 31,65 

7,2 

3 

3 

2 

t Sande 

etwa6-12 

25,3 

) 

2,2' 

16 

28,65 

25 \ 

Oberes ] , 








< Thone 

— 

15,7 

70,0 

— 

— 

70,0 

60 87 

Gault J 




\ Sande 

— 

— 

2,25 

— 

— 

2,25 

2 ) 


von Remplin in Mecklenburg. 


133 


Remplin ist 58 Kilometer von Greifswald und ca. 100 Kilo- 
meter von Swinemünde entfernt; die Entfernung der letzteren 
beiden Städte beträgt 58 Kilometer; das angedeutete früher vor- 
handen gewesene Gaultdreieck umfasst mithin eine Fläche von 
1470 Geviertkilometer. 

Nach dem Ergebniss der Greifswalder Bohrung ist dort das 
Obere Gault marin; dafür sprechen nicht nur die Versteinerungen, 
sondern auch der Glaukonit, welcher immer als eine submarine 
chemische Neubildung aus zugeführtem Sedimentmaterial zu be- 
trachten ist, wo er nicht (wie z. B. im norddeutschen Diluvium 
und im samländischen Miocän) als Geschiebe auf secundärer Lager- 
stätte auftritt. Eben dieselbe Glaukonitbeimengung deutet aber 
auf Zufuhr von Sinkstoffen, also auf nahen Strand oder auf Ab- 
rasionsflächen; die Holzanhäufungen, welche sich weit verbreitet 
darin finden, bestätigen dies und weisen auf bewaldetes Land, 
welches als das skandinavische Festland zu denken ist, falls nicht 
die Hölzer etwa aus zerstörtem Wealden stammen. Im Gegensatz 
also zu Mitteldeutschland zeigt hier das Gault seine nördliche 
Uferfacies, welcher vielleicht auch Süsswasser-Zwischenlagerungen 
nicht völlig fremd sein mögen. Erst unter ihm dürfen wir jene 
reichgegliederten Wealdenbildungen vermuthen, auf welche die 
z. Th. längst bekannten, zuletzt durch Herrn Deecke aufgezählten 
Wealdengeschiebe mit voller Bestimmtheit hinweisen. In Pommern 
dürfte hiernach der Wealden beispielsweise zwischen Greifswald 
und Grimmen an das Diluvium oder doch bis an transgredirende 
obere Kreide aufragen. 

. Bemerkenswerth ist übrigens in dem Rempliner Profil das 
Schichtenstreichen nach NO. bezw. ONO., welches zu dem sonst 
in Mecklenburg und Vorpommern herrschenden hercynischen 
Streichen senkrecht steht, und etwa durch die Nähe des Malchiner 
Seethaies bedingt sein könnte. Sollte, entgegengesetzt meiner Ver- 
muthung, der Rempliner Sand dennoch Lias sein, so wäre er 
nicht zum Unteren, sondern zum Mittleren Lias zu stellen. 


Die oberpermisehen eruptiven Ergussgesteiiie 
im SO.- Flügel des pfälzischen Sattels. 

Von Herrn A. Leppla in Berlin. 


Wie in der Nahemulde mit dem Beginn des Oberen Roth- 
liegenden mächtige übereinander gelagerte Lavaströme den Ein- 
tritt neuer Verhältnisse bekunden, so gewahrt man auch am SO.- 
Flügel des sogen. Pfälzer Rothliegenden-Sattels über den Tholeyer 
Schichten im Anschluss an die Gebirgsstörungen am Schluss der- 
selben einen ausgedehnten Ausbruch von Ergussgesteinen. Ihre 
Mannichfaltigkeit und Ausdehnung reicht nur hier bei Weitem nicht 
an diejenige in der grossen Decke an der mittleren und oberen Nahe 
heran. Nur 2 oder 3 Ergüsse sind am Aufbau der sogen. Grenz- 
inelaphyrdecke betheiligt und ihre steile Stellung in dem stark 
aufgerichteten Sattelflügel mindert ihre Oberflächen-Ausdehnung 
noch um ein Bedeutendes. 

Man darf es für feststehend erachten, dass die ausgedehnte 
Bildung von sauren und basischen Stock- und Ganggesteinen und 
der sauren und basischen Ergussgesteine in der angegebenen 
Reihenfolge auf’s Engste an Gebirgsstörungen anschliessen, welche 
unmittelbar nach Ablagerung der Tholeyer (früher Oberen Le- 
bacher Schichten) das ältere Rothliegende und Carbon der Nahe 
und Blies in bedeutendem Maasse zerstückelte und aus der ur- 
sprünglichen Lagerung verrückte (vergl. Erläuterungen zu Blatt 
Ottweiler und Birkenfeld der 46. Lief, der geol. Specialkarte von 
Preussen u. d. thür. Staaten). 


A. Leppla, Die oberpermischen eruptiven Ergussgesteine etc. 


135 


Man hat ferner genügende Gründe zu der Annahme, dass 
die Lagerung der Deeken-Ergüsse des Westrichs wie diejenige 
des hangenden Oberen Rotbliegenden ursprünglich eine annähernd 
wagerechte war und dass die steile Stellung, welche sie heute 
zwischen den gleichförmig gelagerten Oberrothliegendschichten 
aufweisen, eine Folge jener begonnenen Faltung ist, welche 
vor Ablagerung des Mittleren oder Haupt-Buntsandsteins Carbon 
und Rothliegendes des Saar-Nahegebietes in einen grossen Sattel 
(Pfälzischer Sattel, Laspeyres) und eine damit parallel strei- 
chende Mulde (Nahemulde) aufrichtete. Die letzterwähnte Be- 
wegung war, wie es scheint, im nördlichen Theil des West- 
riches, in der Gegend südöstlich vom Donnersberg und gegen 
Rheinhessen zu weniger stark wie im SW. gegen das Saar- 
thal zu. Das Uebergreifen der Trias über die permischen 
Schichten äussert sich hier in bedeutendem Maasse, indem sich 
der Untere Hauptbuntsandstein hier auf das Carbon, südöstlich 
vom Donnersberg aber auf die oberpermischen Röthelschiefer auf- 
lagert. Die den tiefsten Schichten des Ober-Rothliegenden 1 ) ein- 
geschalteten Ergussgesteine treten daher im NO.-Theile des 
Westriches gegen das Mainzer Becken hin mehr zu Tage als 
im SW. 

Hier taucht der sogen. Grenzmelaphyr zum ersten Male am 
rechten Ufer des unteren Ohmbachthaies zwischen Sand und Gries 
(NO. Waldmohr) auf und zieht sich längs, der tiefsten Ober- 
rothliegenden-Schichten über Dietschweiler, Nanzweiler, Nieder- 
mohr j Fockenberg, Reichenbach, Albersbach als ein nur an we- 
nigen Stellen unterbrochenes Band fort 2 ). Zwischen Kollweiler 


*) leb nehme hier in Uebereinstimmung mit K. A. Lossen die ältere von 
Ghebe zuerst aufgestellte Fassung des Oberrothliegenden wieder auf, welche die 
Söterner Schichten als den Beginn dieses Schichtensystems ansieht und verweise 
hier auf die Erläuterungen zu Blatt Ottweiler und Birkenfeld. 

3 ) Man vergleiche seinen Verlauf auf der »Geognostischen Uebersichtskarte 
des kohlenführenden Saar- Rheingebietes« von. E Weiss und H. Laspeyres (Berlin 
1867), auf welcher am SO.-Flügel des pfälzischen Sattels das dem Ober-Roth- 
liegenden und Buntsandstein am meisten benachbarte Melaphyrband den sog. 
Grenzmelaphyr darstellt. 


136 


A. Leppla, Die oberpermischen eruptiven. Erguss gesteine 


und dem Lauterthal wurde das Rothliegende durch 3 bedeutende 
Quersprünge in 2 Staffeln ziemlich weit nach SO. in’s Hangende 
vorgeschoben. Oestlich der am weitesten nach SO. vorgeschobe- 
nen Staffel von Eulenbis-Hirschhorn springt ein Stück des zerrisse- 
nen Bandes wieder zwischen Frankelbach, Olsbrücken und Schal- 
lodenbach nach NW. zurück. Die Querverwerfung Schnecken- 
hausen-Schallodenbach-Rauschermühl verwirft die Ergüsse aber- 
mals in’s Hangende gegen SO. Von Heiligenmoschel ab scheint 
sich die Decke, welche bis hierher auf der Karte scheinbar 
nur aus einem Erguss bestand, in zwei zu gabeln. Thatsächlich 
sind auch mindestens zwei Lavaströme im Querprofil durch die 
Söterner Schichten nordwestlich Winnweiler vorhanden. Jedoch 
scheint die mehrfache Wiederholung derselben Ergussgesteine auf 
streichenden und quer zur Sattellinie verlaufenden Verwerfungs- 
linien zu beruhen. 

Das Hangende der Ergüsse sind im Allgemeinen die weissen 
und hellbläulichgrün, hellbläulichgrau, auch wohl rosenroth ge- 
färbten, oft gebänderten, dichten Thonsteine, die wir als Tuffe 
der Felsitporphyre anzusehen gewohnt sind. Man trifft solche auch 
als unmittelbares Liegende der Ergüsse, z. B. östlich Gries. Die 
neue Strasse Reuschbach-Kirchmohr hat solche buntgefärbte Tuffe 
über dem Erguss aufgeschlossen. An manchen Stellen treten an 
Stelle der rasch an der Luft zerfallenden Thonsteine rothe Schiefer- 
thone (z. B. bei Poerbach, am Reiseisberg östlich Reuschbach). 
Die enge Verknüpfung der Ergüsse mit den Felsitporphyr- 
tuffen und -Conglomeraten der Söterner Schichten im pfälzischen 
Westrich steht im besten Einklang mit den Verhältnissen in den 
Quellgebieten der Blies und Nahe zwischen St. Wendel und 
Sötern, und wir haben daher allen Grund zu der Annahme, dass 
Entstehungszeit und -Bedingungen von denjenigen der grossen 
Ergussformation an der oberen Nahe, im Gebiet der Prims und 
oberen Blies durchaus nicht abweichen. 

In dem engen Zusammenhang der Decke mit den Söterner 
Schichten in der Pfalz liegt meines Erachtens ein weiterer Stütz- 
punkt für die Anschauung, dass man die Ergüsse mitsammt den 
sic einschliessenden Söterner Schichten (Felsitporphyrconglome- 


im SO.-Flügel des pfälzischen Sattels. 


1B7 


raten und -Tuffen) den Bildungen zuzurechnen hat, welche nach 
den Störungserscheinungen am Schluss der Tholeyer Schichten 
entstanden sind, also dem Obern Perm. Unmittelbar voraus 
gingen in der Pfalz und an der oberen Nahe die Bildung der 
Eelsitporphyrstöcke und der grossen Mehrzahl der eingepressten 
basischeren Eruptivgesteine. Diese Auffassung schliesst sich 
auf’s Engste an die von K. A. Lossen zuerst über das Alter 
der Eruptivgesteine an der Nahe geltend gemachten Anschau- 
ungen an. 

Die Ergüsse setzen sich, den Donnersberg südlich halb um- 
greifend, nach NO. über Kirchheimbolanden nach Rheinhessen zu 
fort. 

Eine Gliederung ist in dem pfälzischen Theil bisher noch 
nicht versucht worden. Die Gesteine zeigen scheinbar wenig 
Verschiedenheit und ihre weit vorgeschrittene Zersetzung im Verein 
mit der sehr häufigen Mandelsteinbildung veranlassten nur selten 
ein tieferes Eindringen in ihre Beschaffenheit. Einige im An- 
schluss an meine Untersuchungen an der Nahe ausgeführten Aus- 
flüge in das pfälzische Gebiet lehrten mich erkennen, dass die 
Zusammensetzung der Decke hier keine einheitliche ist und 
dass mehrere Ergüsse daran betheiligt sind. 

ln der Hauptsache lassen sich 3 Gesteinsformen unterscheiden, 
die im Nachfolgenden kurz gekennzeichnet werden sollen. 

I. Porphyrit (Augitporphyrit). 

Zwischen Winnweiler und Schweisweiler treten am rechten 
Ufer der Alsenz mehrfach Gesteine in SW. — NO. streichenden 
Lagern auf (Küchengarten 200 — 300 Meter unterhalb Winnweiler; 
gegenüber dem Dorf Hochstein; Steinbruch an der Strasse zwi- 
schen Eisenschmelz und Schweisweiler), welche den von mir im 
Bereich des Steinalbgebietes (Bl. Baumholder) und der oberen 
Nahe (Bl. Birkenfeld und Preisen) als einsprenglingsarme Por- 
phyrite bezeichneten Gesteinen ausserordentlich ähneln, z. B. den 
Gesteinen am Gipfel des Herzberges und Schweisberges, südöstlich 

l j) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1891 XLIII, 539. 


138 


A. Leppla, Die oberpermischen eruptiven Ergussgesteine 


und östlich Eckersweiler, auf der Haide zwischen Hahnweiler, 
Gimbweiler und Leitzweiler (Bl. Freisen) u. s. w. Sie haben eine 
dunkelgraue Farbe, feines bis dichtes Korn und auf gewissen 
Bruchflächen einen seidenartigen Glanz (feinschuppiges Aussehen 
nach Lossen) erzeugt durch das Hervorleuchten zahlreicher, winzig 
kleiner, annähernd parallel angeordneter Feldspathtäfelchen (Hoch- 
stein). Einsprenglinge fehlen den Gesteinen fast gänzlich. In vor- 
geschrittener Umwandlung begriffen, zeigen sie vielfach dunkelrothe 
Streifen, Flecken und Bänderung durch Ausscheidung von Eisen- 
oxyden. Die Absonderung liefert kleinprismatische und dünne, 
plattige Brocken. Mandelsteine sind vielfach vorhanden (Schiefer- 
fels östlich Schweisweiler). 

Die starke Zersetzung hat in allen gesammelten Proben den 
Augit entfernt und man erkennt nur bläuliche bis gelblichgrüne 
chlori tische Faseraggregate von sehr unregelmässiger Form. Selbst 
die den Haupttheil des Gesteins ausmachenden Feldspathleistchen 
sind stark getrübt und fast nirgends frisch. Sie lagern sich meist 
ziemlich parallel in flussartigen Zügen und Wellen. Einzelne 
Kryställchen der feldspäthigen Masse haben kurze gedrungene 
Form und scheinen meist einheitliche Individuen zu sein. Sie 
mögen vielleicht dem Orthoklas angehören, wie auch einige 
grössere einsprenglingsartige Individuen. Fast nirgends fehlen 
unregelmässige zerfetzte Biotitblättchen in vorgeschrittener Zer- 
setzung. Sie sind jedoch sehr spärlich. Quarz leuchtet vereinzelt 
in den Restecken der Feldspathleisten hervor. Eisenglanz und 
Kalkspath sind überall in feiner Vertheilung vorhanden. Dieselben 
Gesteine bemerkt man im Falkensteiner Thal und zwar in den 
tieferen Horizonten des Felsitporphyrconglomerats nördlich der 
Räuberhöhle gegen das Dorf Falkenstein zu. 

Der Porphyrit, welcher hier an der westlichen Strassen- 
böschung etwa 750 Meter in der Luftlinie nördlich des Wam- 
bacher Hofes ansteht, zeigt einzelne grössere Feldspäthe und 
Augite erster Entstehung, freilich ganz umgewandelt und nur an 
den Formen erkennbar. Er enthält neben sehr vereinzelten, noch 
frisch erhaltenen, monoklinen Augiten viele, aber sehr kleine 
Bastite in dem Feldspathfilz der Grundmasse. 


im SO. -Flügel des pfälzischen Sattels. 


1 30 


Eine Bauschanalyse, ausgefüh 
Laboratorium der geologischen I 


t von Herrn K. Klüss im 
ndesanstalt, ergab : 


Si0 2 

Ti0 2 

Al 2 03 

Fe 2 0 3 

FeO 

MgO 

CaO 

Na 2 0 

K 2 0 

H 2 0 

S0 3 

P2O5 

Specifisches Gewicht . 


. 60,22 
. Spur 
. 16,96 

. 6,34 

. 0,80 
. 1,05 

. 3,19 

. 5,53 

. 4,32 

. 1,53 

. 0,07 

. 0,44 

100,45 
. 2,662. 


Ein Alkaligehalt von 9,85 pCt. wurde unter den zahlreichen 
Analysen, welche von den Gesteinen des Saar-Nahegebietes vor- 
liegen, bei Gesteinen mit einem Kieselsäuregehalt von 60 pCt. 
bisher nicht beobachtet. Quarz scheint hier zu fehlen. Man muss 
daher im Hinblick auf die geringen Mengen von Kalk und Magnesia 
annehmen, dass der Feldspath kali- und natronreichen Mischungen 
angehört. Das Mikroskop lässt orthoklasähnliche Feldspäthe be- 
sonders unter den Einsprenglingen erkennen. Der geringen Menge 
von alkalischen Erden entspricht der minimale Gehalt an augiti- 
schen Mineralien und das ausserordentliche Vorwalten des Feld- 
spathes. Das Gestein ist bereits stark oxydirt. H. Laspeyres 1 ) 
hat in einem Porphyrit aus dem Falkensteiner Thal (nicht 
»Frankensteiner Thal«) 60,176 pCt. Kieselsäure nachgewiesen. 
Ich möchte glauben, dass der Fundort mit demjenigen des Ma- 
terials der oben angeführten Bauschanalyse übereinstimmt. 

*) Verhandl. d. naturhist. Vereins d. preuss. Rheinlande und von Westphalen, 
Ronn 1883, XL, S. 389. 


140 


A. Lepplä, Die oberpermischen eruptiven Ergussgesteine 


In geringer Ausdehnung findet sich ein porphyritisches Ge- 
stein in Verbindung mit einem dunkelgrauen Tuff 1 ) in den tieferen 
Schichten des Felsitporphyrtuffes am Westabhang des Lindenberges 
südöstlich Gehrweiler. Einige Meter über dem sehr geringmächtigen 
Porphyrit folgt ein diabasischer Melaphyr wie am Nordwestabhang 
des Thronfels südlich Schweisweiler. 

Unter dem von H. Laspeyres gesammelten Material befindet 
sich noch eine Probe mit der Ortsbezeichnung »Thierwasem« bei 
Kirchheimbolanden. Das Gestein kommt in allen Stücken dem 
Porphyrit im Steinbruch oberhalb Schweisweiler an der Strasse 
nach Hochstein so nahe, dass ich annehmen muss, dass die sauren 
Gesteine der Decke noch nordöstlich vom Donnersberg gegen 
Rheinhessen ihre Fortsetzung finden. 

In den Aufschlüssen am Schieferfels östlich Schweisweiler, 
sowie gegenüber Hochstein, endlich südöstlich Gehrweiler folgen 
unter dem Porphyrit zunächst noch einige Meter der meist sehr 
bunt gebänderten, feinkörnigen bis dichten, auch stellenweise grob 
breccienhaften Felsitporphyrtuffe und weiter im Liegenden gelb- 
lichgraue Arkosen und Schieferthone der Tholeyer Schichten. Man 
hat also nach meinen bisherigen Beobachtungen, da ein Melaphyr- 
erguss unter dem Porphyrit fehlt, diesen als den ältesten Erguss 
aufzufassen. 

Weitere Vorkommnisse von Porphyrit sind mir südwestlich 
des Moscheibaches, also sowohl im Flussgebiet der Lauter wie 
des oberen Glan nicht bekannt. 

Ein eigenartiges Gestein in vollkrystallinem Gefüge steht zu 
beiden Seiten des Falkensteiner Thaies an, etwa da, wo die von 
Falkenstein herabkommende Strasse vom linken Ufer auf das 
rechte übergeht. Man sieht ein divergent-strahliges Aggregat von 
vorherrschenden, vielfach verzwillingten Leisten und untergeord- 


l ) Der ziemlich dichte, dunkelgraue Tuff enthält sehr viele eckige Bruch- 
stücke von wasserklarem Quarz, einzelne von Feldspath (Plagioklas und Ortho- 
klas) und besteht zumeist aus einem Trümmerwerk von Bruchstücken von por- 
phyrischen, vielleicht basisführenden Feldspathgesteinen (quarzfrei) nicht sicher 
bestimmbarer Herkunft. In dem an chloritischen Zersetzungsproducten reichen 
Cement treten viele helle und dunkle Glimmerblättchen hervor. 


im SO. -Flügel des 'pfälzischen Sattels. 


l4i 


neten einfachen,, mehr quadratischen Feldspathindividuen und da- 
zwischen einen ziemlich idiomorphen, fast farblosen Augit, der 
indess zum weitaus grösseren Theile in ein dunkelgelblich-grünes, 
parallel-faseriges und parallel - auslöschendes Aggregat, zum unter- 
geordneten Theil aber in eine unregelmässig-lappige und zerfetzte 
Hornblende (Uralit) umgewandelt ist. 

In den Restecken des Feldspathleistenwerkes tritt vielfach 
allotriomorpher Quarz auf; also ein sehr saurer Grundmassenrest 
(Oxymesostasis) in einem doleritischen bis ophitischen Gefüge. 
Mit letzterer Eigenschaft steht es durchaus im Einklang, wenn 
das Gestein an einigen Stellen idiomorphen Olivin enthält. 

Das olivinfreie, augitreiche und quarzführende Gestein vom 
linken Ufer des Baches enthält nach einer von Herrn A. Lindster 
ausgeführten Bestimmung 55,37 pCt. Kieselsäure, während das 
etwas unterhalb der Brücke nahe dem Bachbett anstehende olivin- 
führende etwas verwitterte Gestein, bei dem indess die augitischen 
Gemengtheile schon gänzlich entfernt sind, nach H. KlüSS 
58,85 pCt. Kieselsäure aufweist. Ich schreibe dieses Mehr der 
Entfernung der alkalischen Erden (auch Carbonate fehlen) und 
der chloritischen Zersetzungsproducte, also Zersetzungs- und Um- 
lagerungserscheinungen zu. Von dem Quarz abgesehen würde 
man die eben beschriebenen Gesteine ihres divergent-strahligen 
Gefüges wegen eigentlich zu den Melaphyren zählen, wie dies 
auch bei einem Kieselsäuregehalt von 55,37 pCt. nicht unbegrün- 
det erscheint, und um die Oxymesostasis zum Ausdruck zu brin- 
gen, wäre die Beifügung »quarzführend« den Thatsachen ent- 
sprechend. Doleritische Melaphyre stehen als eingepresste Mag- 
men mit den quarzführenden Melaphyren im räumlichen Zusam- 
menhang (Bierberg, Falkenstein u. s. w.). Es scheint mir wichtige 
hervorzuheben, dass die quarzführenden Melaphyre von Wald- 
hambach und Silz 1 ) am Ostrand der Nordvogesen den Kieselsäure- 
Ueberschuss als eine Art Einsprengling und nicht als Resteck- 
ausfüllung führen, also sich wesentlich von dem vorbeschriebenen 
Gestein des Falkensteiner Thaies unterscheiden. Ich bemerke 


Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1892 XLIY. 419. 


142 A. Leppla, Die oberpermischen eruptiven Ergussgesteine 

ausserdem, dass letzteres höchst wahrscheinlich nicht zu den Er- 
güssen, sondern zu den eingepressten Gesteinen gehört. 

II. Melaphyre. 

Die Fassung des Begriffes »Melaphyr« hat sich in den letzten 
Jahren dahin geklärt, dass mau unter ihm nur die Vertreter der 
altpalaeolithischen Diabase und känolithischen Basalte, also nur 
die an Kieselsäure ärmeren (unter 55 pCt. im Mittel), an zwei- 
werthigen Metallen (alkalischen Erden) reichen Gesteine zusammen- 
fassen darf, gleichviel ob die genannten chemischen Eigenschaften 
das Vorhandensein von Olivin bedingen oder nicht. In den 
meisten Fällen wird er wohl kaum fehlen. Nicht sonderliches 
Gewicht möchte ich indess auf das jungpalaeolithische Alter legen, 
denn nicht das geologische Alter, sondern die physikalischen Ver- 
hältnisse in der Umgebung des in der Erstarrung begriffenen 
Magmas waren neben der äusseren Form, welche es anzunehmen 
gezwungen war, die Structur und vielleicht auch mineralogische 
Zusammensetzung bedingenden Kräfte. Ich werde daher keines- 
wegs anstehen, die diabasartigen, ophitisch-körnigen Melaphyre 
auch als Diabase oder Olivindiabase zu bezeichnen. Ebenso 
wenig scheint es mir berechtigt, in unserem Gebiet die Form 
des Auftretens, ob als eingepresstes Magma oder Erguss, für 
die Namengebung zu verwerthen, denn die melaphyrischen Ge- 
steine der Nahe können in den Ergüssen die gleiche Structur 
zeigen, wie im eingepressten Gang oder Lager, vorausgesetzt, 
dass letztere mächtiger als ihre Rand- und Salbandfacies sind. 
Den Ergüssen fehlen die verschiedenen Aenderungen in der 
Structur, wie sie den eingepressten Magmen eigen sind. 

In der grossen Ergussformation an der oberen Nahe greifen 
nach SW. zu gegen das Primsthal bis zur Saar hin die basische- 
ren und jüngeren Ergüsse, die Melaphyre, über, indem hier di$ 
porphyritischen Ergüsse der ganzen Reihe fehlen. Auch nach SO. 
zu zeigt sich dieselbe Erscheinung. Im SO. -Flügel des pfälzi- 
schen Sattels haben die melaphyrischen Ergussgesteine die weit- 
aus grösste Verbreitung und porphyritische sind, wie ich im 


im SO.-Flügel des pfälzischen Sattels. 


143 

Vorhergehenden dargethan habe, nur auf eine nicht allzu lange 
Strecke um den Donnersberg herum beschränkt. 

1. Basaltischer einsprenglingsreicher Melaphyr. 

Mit dem Eigenschaftswort »einsprenglingsreich« ist die por- 
phyrische, und wie ich gleich hinzufügen will, die hypokrystallin- 
porphyrische Structur dieser Gesteine ausgedrückt. Die Noth- 
wendigkeit, im Feld, also ohne Mikroskop, eine Gliederung der 
Ergussgesteine vornehmen zu müssen, veranlasste mich, solche 
Gesteinsbezeichnungen zu wählen, welche die mit unbewaffnetem 
Auge oder höchstens mit der Lupe zu erkennenden Eigenschaften 
kurz und scharf ausdrücken. Wenn ich hierbei auf das Vor- 
kommen von zahlreichen Einsprenglingen etwas Gewicht legte, 
so schien mir das dadurch begründet, dass ich auch feinkörnige 
und dichte Gesteine habe, welche sich durch wenige Einspreng- 
linge auszeichnen und eine bestimmte Stellung in der Ergussreihe 
einnehmen. Vor Allem bei den Porphyriten zwangen mich die 
wenigen Unterscheidungsmerkmale zu solchen Bezeichnungsweisen. 
Man vergleiche hier die Berichte über meine Aufnahmen im Nahe- 
gebiet von den Jahren 1891 und 1892 (Dieses Jahrbuch für 1891, 
Berlin 1893, S. LIII — LIX und dieses Jahrbuch für 1893). 

Die Gesteine sind besonders frisch erhalten an der Wacht, 
einer kleinen Kuppe auf der Hochfläche am Westende von Eulenbis 
nordwestlich Kaiserslautern und beinahe ebenso frisch etwa 
600 Meter südöstlich des oberen Endes von Olsbrücken (im 
Lauterthal) am Weg nach Mehlbach. Man hat es hier mit fast 
schwarzen, rauh und uneben brechenden Gesteinen zu thun, 
bei welchen in einer feinkörnigen und nicht vorwaltenden Grund- 
masse farblose, glasglänzende, deutlich zwillingsstreifige Feld- 
spathtafeln bis zu 10 Millimeter Grösse eingebettet liegen. Die 
Einsprenglinge des Feldspathes treten noch deutlicher hervor, 
wenn das Gestein einen vorgeschrittenen Verwitterungszustand 
erreicht hat. Die Grundmasse erhält alsdann eine dunkle, violett- 
graue oder auch -braune Farbe und aus ihr heben sich die in der 
Regel strahlig gruppirten milchweissen Feldspäthe scharf ab. In 


144 


A. Leppla, Die oberpermischen eruptiven Ergussgesteine 


diesem Zustand lassen sich auch dunkelgrüne Pseudomorphosen 
nach Augit und rothbraune metallisch-glänzende (Eisenglanz) nach 
Olivin erkennen. Augit tritt unter den drei fast einschlussfreien 
Gemengtheilen erster Entstehung hinsichtlich seiner Häufigkeit 
und einer wohlausgebildeten äusseren Begrenzung hinter Olivin, 
besonders aber hinter dem Feldspath an Menge zurück. Die gla- 
sigen Feldspäthe sind zonar aufgebaut und nähern sich in den 
optischen Constanten der Labrador-Mischung. Sie bleiben bei der 
Umwandlung ziemlich lange frisch und nehmen durch eingedrun- 
genen Eisenglanz eine rothe Färbung an. 

Der augitische Gemengtheil hat eine blassgelbe Färbung, ist 
oft in der Spaltung vielfach verzwillingt und ziemlich einschluss- 
frei. An der Strasse von Fockenberg nach Reichenbach wurden 
deutlich ausgebildete Krystalle bis 10 Millimeter Länge umge- 
wandelt in ein blassgrünes, feinfaseriges Aggregat beobachtet. 
Das Mineral dürfte selbst wieder ein Umwandlungsproduct des 
Bastits sein, der sich hier und westlich Elschbacherhof in verein- 
zelten charakteristischen Kryställchen erkennen lässt. Thatsächlich 
konnte auch ein frischer rhombischer Augit, Enstatit, an einzelnen 
Orten, z. B. zwischen Olsbrücken und Schallodenbach, dann bei 
Reichenbach, neben Augit als Einsprengling nachgewiesen werden. 
Die Olivine sind nirgends frisch. Im ersten Umwandlungszustand 
zeigen sie ein öl- oder bräunlichgrünes, meist radial-, auch wirr- 
faseriges Aggregat (Serpentin 1 ); in einem späteren Stadium ist 
an dessen Stelle der rothbraune, durchscheinende Eisenglanz ge- 
treten. Seine Bildung schreitet vom Rand und von Spalten und 
Rissen gegen das Innere vor. Im letzten Stadium des immerhin 
noch äusserlich festen Gesteins tritt nach Wegführung des Eisen- 
oxydhydrates an Stelle der Olivine ein farbloses, wasserklares Mi- 
neral, welches Calcedon zu sein scheint. 

Die opaken Erze sind in feiner Vertheilung vorhanden und 
nach den Formen zu schliessen scheint Titaneisen nur sehr unter- 
geordnet vertreten zu sein. 


>) Serpentin trifft man auch an vielen Stellen auf den Kluftflächen der 
Ergüsse (Strasse Reuschbach-Obermohr). 


im. SO.-Flügel des pfälzischen Sattels. 


145 


Die Grundmasse erweist sich als ein Gemenge, bestehend aus 
einem vorwaltenden, durch viele Globulite und kurze Stäbchen 
dunklen Glas und darin ausgeschiedenen Gemengtheilen der 
zweiten Entstehung: Feldspathleistchen und -Nadeln und Augit- 
körnchen von undeutlicher Krystallform. In einigen Fällen be- 
merkt man in dem Glasteig auch eine schwache Doppelbrechung, 
wahrscheinlich hervorgerufen durch ein dem feldspäthigen Gemeng- 
theil ähnliches Entglasungsproduct. Bei der Zersetzung des Ge- 
steins geht die Basis unter Annahme einer gelbgrünen (ölgrünen) 
Färbung in ein feinfilziges Faseraggregat über, welches sich von 
demjenigen des Olivins nur durch die Kleinheit der Faserbündel 
und — Sphäroide und ein kräftigeres Gelb unterscheidet. Das 
dürfte auf eine ziemlich basische Beschaffenheit des Glases deuten. 
Die Reihenfolge der Gemengtheile der Grundmasse wäre demnach 
Plagioklas, Augit, Glasbasis. 

Tritt die Menge der letzteren gegen die Ausscheidungen der 
zweiten Entstehung zurück, und dies ist in den meisten der hierher 
gehörigen Gesteinen der Fall, so verliert der Augit der Grund- 
masse die noch im grossen Ganzen erkennbare Krystallbegrenzung 
und seine äussere Form wird alsdann von den ihn seitlich ein- 
schliessenden Feldspathleistchen bestimmt, er wird zur Resteck- 
ausfüllung. Es werden dadurch Annäherungen an die doleritischen 
und diabasischen Melaphyre erzeugt. 

Solche Gesteine mit untergeordneter Resteckaasfüllung durch 
Glasbasis und einem mehr unregelmässig körnigen Augit der 
zweiten Entstehung trifft man am Pfaffenthaler Wald und am 
Fuss des Insenkopfes südlich Fockenberg. Es ist selbstverständ- 
lich, dass bei diesen Gesteinen auch der Gegensatz zwischen den 
magmatischen Ausscheidungen erster und zweiter Entstehung ein 
weniger kräftiger ist, als bei den eingangs beschriebenen Mela- 
phyren (Wacht bei Eulenbis). Auch in der Natur der Einspreng- 
linge weichen die den diabasischen Gesteinen genäherten Aus- 
bildungsweisen der einsprenglingsreichen Melaphyre von deren 
Typus insofern ab, als nur Plagioklas und Olivin die Ausschei- 
scheidungen erster Entstehung (intratellurischen) vorstellen, Augit 
und Enstatit dagegen bei ihnen fehlen. 


Jahrbuch 1893* 


10 


146 


A. Leppla, Die ob erp er mischen eruptiven Ergussgesteine 


In den vorgeschrittenen Umwandlungszuständen tritt Calcedon 
und auch Kalkspath auf. 

Das Gestein von der Wacht bei Eulenbis wurde durch Herrn 
H. Haefcke im Laboratorium der geologischen Landesanstalt 
analysirt und hierbei folgende unter I angegebene Werthe ge- 
wonnen: 



I. 

II. 

Si0 2 .... 

. 54,13 

53,58 

Ti0 2 .... 

Spur 

0,98 

A1 2 0 3 .... 

. 16,17 

15,84 

Fe 2 0 3 .... 

3,36 

2,98 

FeO .... 

4,76 

4,90 

CaO .... 

7,48 

7,86 

MgO .... 

6,76 

7,16 

Na 2 0 .... 

2,89 

2,99 

K 2 0 .... 

1,63 

1,63 

H 2 0 .... 

2,72 

2,54 

so 3 

0,16 

0,16 

p 2 0 5 .... 

0,19 

0,19 


100,25 

100,75 

Specifisches Gewicht 2,625 

2,7597. 

Unter II führe ich eine 

Analyse von 

Herrn A. Hesse an, 

welche von dem basaltischen Melaphyr nördlich und bei Mett- 

weder (Bl. Freisen) im Nahe 

- Gebiet ausgeführt wurde *). Mine- 

ralogisch unterscheidet sich 

der Melaphyr 

von Mettweiler vom 

Eulenbiser Gestein durchaus 

nicht, wenn 

man von sehr unter- 


geordneten, butzenförmigen Ausscheidungen im Magma, die aus 
Orthoklas bestehen, absieht. Im Gefüge weist die Gruudmasse 
des Mettweiler Gesteins ein dichteres Korn und damit ein stärkeres 
Hervortreten der porphyrischen Natur auf. Die Glasbasis tritt in 
der Grundmasse sehr zurück und zeigt sich farblos und ein- 
schlussarm. 


b Erläuterungen zu Blatt Freisen der 46. Liefg. der geol. Special - Karte 
von Preussen und den thüring. Staaten. Berlin 1894, S. 35. 


im SO.-Flügel des pfälzischen Sattels. 


147 


Auf die chemischen Verhältnisse werde ich bei der Be- 
sprechung der Bauschanalyse des diabasischen Melaphyrs noch 
einmal zurückkommen. 

Die basaltischen einsprenglingsreichen Melaphyre, welche den 
Naviten Rosenbusch’s nahe stehen mögen, bilden vom SW. -End 
der Decke am SO.-Flügel des Pfälzischen Sattels, also von Sand 
oder Gries (nordöstlich Waldmohr) aus bis gegen Schalloden- 
bach zu, den ersten Erguss der Melaphyre und in diesem Gebiet 
auch den ältesten Erguss der Decke überhaupt. Ueber Schallo- 
denbach nach NO. hinaus sind mir bis heute keine ähnlichen Ge- 
steine in der Decke bekannt geworden. Die etwas zur diaba- 
sischen Structur neigenden Melaphyre südlich Fockenberg (Insen- 
kopf und Pfaffenthaler Wald) folgen über dem vorigen Gesteine 
gegen das Hangende Obere Perm, sind also jünger als sie. 

Diabasische und doleritische Melaphyre. 

Die Gesteine haben ein körniges, divergent-strahliges Gefüge 
und charakterisiren sich dadurch, dass Olivin und Feldspath äussere 
Krystallbegrenzung zeigen, idiomorph sind und dass der Augit 
eine Art Zwischenklemmungsmasse zwischen den Feldspathleisten 
bildet. Das Gefüge muss also ein ophitisches genannt werden 
und es verschlägt hierbei nicht viel, ob zwischen den Feldspath- 
leföten noch Restecke einer Intersertalmasse stecken oder nicht. Die 
schwankende und untergeordnete Menge dieser Zwischenklemmungs- 
masse und ihr völliges Verschwinden lassen es meines Erachtens 
nicht gerechtfertigt erscheinen, sie zum Ausgangspunkt einer Ab- 
trennung der Tholeyite von den Diabasen zu machen. Ich will 
dabei noch ganz davon absehen, dass mau bei diesen Gesteinen 
im Feld einen so untergeordneten Rest einer individualisirten, 
oder nicht individualisirten Basis nicht einmal ahnen kann. Im 
Nahe -Gebiet kann ich die äusserlich deutlich körnigen und ba- 
sischen Gesteine ohne besondere Schwierigkeiten mit blossem 
Auge absondern und ihre geologische Zusammengehörigkeit ver- 
folgen. K. A. Lossen hat für die Gesteine die Begriffe Meso- 
dolerit bis Mesodiabas gewählt. Sieht man von den Altersbezie- 
hungen bei der Namengebung ab, so wird man diese Gesteine 

10 * 


1 48 A. Leppla. Die oberpermischen eruptiven Ergussgesteine 

als ophitische Diabase bezeichnen und wer auf den Olivingehalt 
einen besonderen Werth legen will, würde sich für die von 
Zirkel 1 ) gewählte Fassung des Begriffes Olivindiabas ent- 
scheiden müssen. 

Ich habe bereits die allgemeine Charakteristik der Gesteine 
eingangs gegeben. Die frischen Proben zeigen durchgängig eine 
dunkelgraue bis schwarze Farbe und ein mittleres Korn, in dem 
die Feldspathe durch ihre oft glasglänzenden Spaltflächen hervor- 
leuchten. Bei dem zuerst ausgeschiedenen Gemengtheil , beim 
Olivin, geben die rothbraunen Ränder des Rotheisenerzes um den 
grünlich-gelben Faseraggregaten von Serpentin die äussere Form 
deutlich wieder (Erguss zwischen Schneckenhausen und Heiligen- 
moschel). Aber wenn auch die Erzränder fehlen und nur die öl- 
grünen Serpentinaggregate vorliegen wie bei Eulenbis, Höringen, 
Wingertsweiler, Winnweiler U. s.w., dann tritt die Olivinform immer 
noch deutlich genug hervor. An Einschlüssen ist er sehr arm. 
Vereinzelte quadratische, braun durchscheinende Kryställchen sind 
vielleicht als Picotit zu deuten. Die Feldspäthe als vorherrschender 
Gemengtheil bilden zwillingsstreifige Leisten, die sich theils um 
die Olivine legen, theils berühren, aber auch in die grossen Augit- 
körner hineinragen oder von ihnen umschlossen werden. Da, wo 
sie sich gegenseitig berühren, bleibt mitunter ein sehr kleines 
Eck (Dreieck) globulitischer und an opaken Stäbchen reicher 
Glasbasis, welche aber nicht immer zwischen gekreuzten Nicols 
ganz dunkel bleibt, also in manchen Fällen wieder Ausscheidungen 
führt. In den meisten Gesteinen zeigt sie eine starke Neigung, 
in ein grünes, feinfilziges Aggregat überzugehen. Die Augite in 
ihren grossen unregelmässigen, zackigen Körnern, welche durch 
die eingeschlossenen und hineinragenden Feldspäthe wie zerhackt 
aussehen, haben eine blassröthliche oder -bräunliche Färbung, die 
derjenigen in den granitisch-körnigen Diabasen etwas ähnelt. 

Die diabasischen Gesteine enthalten Titaneisen in ziemlicher 
Menge, besonders die Gesteine von Eulenbis, Winnweiler, Win- 
gertsweiler, 1 Kilometer nordöstlich Dannenfelser Mühle u. s. w. 


*) Lehrbuch der Petrographie. 2. Aufl. II., Leipzig 1894. 


im SO. -Flügel des pfälzischen Sattels. 


149 


Neubildungen von opakem Erz (Rotheisenerz) und Kalkspath nehmen 
in den zersetzten Gesteinen einen grossen Raum ein. 

Dies sind etwa die gemeinsamen Merkmale der in der Decke 
vertretenen diabasischen Gesteine. Einige kleine Abweichungen 
sollen nicht unerwähnt bleiben. In den Gesteinen am Rücken- 
weg von Hirschhorn nach Eulenbis (nördlicher Rand des 
Schwarzwaldes) ist frischer Olivin in dem vom Rand und den 
Rissen her bereits serpentinisirten Einsprenglingen erhalten ge- 
blieben. Verhältnissmässig viel trichitische und globulitische Glas- 
basis bleibt hier zwischen den Feldspathleisten als nicht individuali- 
sirter Rest des Magmas zurück oder geht in radialstrahliges, blau- 
grünes, kleinfaseriges Aggregat über. Die Feldspäthe treten hier 
bereits in 2 Altersstufen in Form von grossem Einsprenglingen 
und kleinern Leisten auf. Man hat es also mit einer Andeutung 
von porphyrischer Structur zu thun. Der Augit weicht indess in 
keiner Weise von den Ophitnatur des Gesteins ab. Eigen thümlich 
bleibt es, dass neben dem frischen Olivin Kalkspath, wie es scheint 
an Stelle der bereits umgewandelten Glasbasis im Gestein vor- 
handen ist. 

Zu den basisreicheren, also zu den doleritischen Melaphyren 
(nach K. A. Lossen zu den Mesodoleriten), gehört auch das Ge- 
stein vom Katharinenthal nördlich Imsbach am Donnersberg. Hier 
zeigt der Augit bereits Neigung, eine Krystallform anzunehmen, 
wenigstens sind die geschlossenen, weniger zerhackten Individuen 
zahlreicher als sonst. 

An zwei Stellen südlich Fockenberg wurde ein unzweifelhaft 
diabasisches Gestein über dem basaltischen Melaphyr beobachtet, 
z. B. am südlichen Fuss des Reiseisbergs, südöstlich Reuschbach 
und am Pfaffenthaler Wald. Dies scheinen auch die am weitesten 
nach SW. gelegenen Vorkommnisse der Diabasdecke zu sein. 
Durch das Hervortreten einzelner einsprenglingsartiger Feldspäthe 
und einer etwas grösseren Ausdehnung der einschlussreichen 
(Magnetit) und trichitischen Basis nähern sich die Vorkommen 
denjenigen vom Schwarzwald zwischen Eulenbis und Hirschhorn, 
ln dem diabasischen Melaphyr, welcher am rechten Ufer des Thaies 
unterhalb Höringen nahe der Kirche ansteht, zeigt sich im Schliff 


150 


A. Leppi.a. Die oberpermischen eruptiven Ergussgesteine 


ein butzenförmiges Aggregat von unregelmässigen Körnern (gra- 
nitisch-körnigem) Feldspath, meist einheitliche Krystalle neben ein- 
zelnen zwillingsstreifigen. Etwas Quarz scheint nicht zu fehlen, 
ist jedoch nicht sicher. Die eigentliche Gesteinsmasse füllt die 
unregelmässigen Zwischenräume der sauren Butzen aus und um- 
hüllt die aus ihnen vorstehenden Feldspathkrystalle. Die Deutung 
als fremde Einschlüsse scheint mir ausgeschlossen zu sein, weil 
eine scharfe Begrenzung der Butzen fehlt und weil die Gesteins- 
masse das zackige und lappige Aggregat, ohne irgend eine Verände- 
rung zu zeigen oder zu erzeugen umschliesst. Es mögen vielleicht 
ältere saure Ausscheidungen des Magmas vorliegen. 

Die von Herrn K. Klüss ausgeführte Bauschanalyse des dia- 
basischen Melaphyres aus dem Steinbruch etwa 100 Meter nörd- 
lich der Kirche von Hör in gen (rechtes Ufer des Baches) west- 


lich Winnweiler ergab: 

Si0 2 50,15 

Ti0 2 0,33 

A1 2 0 3 . 15,02 

Fe 2 0 3 5,17 

FeO 5,17 

MgO 6,90 

CaO 8,25 

Na 2 0 2,59 

K 2 0 1,33 

H 2 0 4,08 

S0 3 0,09 

P 2 0 5 . • 0,26 

C0 2 0,32 


99,66 

Specifisches Gewicht . . . 2,753. 

Der geringe Gehalt an Kieselsäure und Alkalien und die 
grosse Menge von alkalischen Erden und Eisen in beiden Gesteins- 
arten (vergl. Analyse S. 146) stehen im besten Einklang mit der 
chemischen Natur und der mineralischen Zusammensetzung der 
Melaphyre. Wenn man die mitgetheilten Analysen der basaltischen 


im SO. -Flügel des pfälzischen Sattels. 


151 


Melaphyre mit denjenigen des diabasischen vergleicht, so stehen 
den sinkenden Beträgen für Kieselsäure und Alkalien steigende 
von zweiwerthigen Metallen gegenüber. Die Kieselsäure ist von 
54,13 pCt. auf 50,15 pCt., die Alkalien sind von 4,52 pCt. auf 
3,93 pCt. herabgegangen, dagegen hat sich der Kalkgehalt von 
7,48 pCt. auf 8,25 pCt. und die Summe der zweiwerthigen Metall- 
oxyde von 19 pCt. auf 20.32 pCt. erhöht. Die Thonerde steht 
wie sonst in kalkreichen Gesteinen in geradem Verhältniss zum 
sinkenden Kieselsäuregehalt. Der erhöhte Gehalt an Eisen und 
Eisenoxyd ist im Verein mit der im diabasischen Melaphyr vor- 
handenen Titansäure auf die Gegenwart von Titaneisen in diesem 
Gestein zurückzuführen. Der vorhandene Kalkspath und die grössere 
Wassermenge« deuten auf einen erhöhten Grad der Umwandlung 
des Höringer Gesteins im Vergleich zu demjenigen von der Wacht 
bei Eulenbis hin. Die diabasischen J^Ielaphyre überlagern, wie 
erwähnt, die basaltischen. Die Querschnitte durch die Decke bei 
Fockenberg, Eulenbis und zwischen Olsbrücken und Mehlbach 
zeigen vom Liegenden zum Hangenden zuerst einen basaltischen 
und zuletzt einen diabasischen Melaphyr. Darin liegt die Begrün- 
dung für die Annahme, dass auch der Zug von diabasischen Er- 
gussgesteinen von Heiligenmoschel über Höringen, Winnweiler, 
Hochstein, Imsbach, Jakobsweiler bis Kirchheimbolanden jünger 
als der basaltische Melaphyr zwischen Sand-Gries und Schalloden- 
bach sei. Zwischen Winnweiler und Schweisweiler lässt sich eine 
Wiederholung von diabasischen Ergüssen ophitischen Charakters 
wahrnehmen. Ob dies thatsächlich verschiedene Ergüsse sind, oder 
ob die Wiederholung nur eine scheinbare, durch Störungen er- 
zeugte ist, bedarf einer genauem Untersuchung. 

Gesteine von diabasisch-ophitischem Charakter ohne jede Spur 
von Khyotaxis gehören im Allgemeinen zu den selteneren in der 
Ergussformation des Saar-Nahe-Gebietes. Es sind ähnliche schon 
von Lossen 1 ) aus dem Primsthal und der Söterner Gegend erwähnt 
worden, aber echte ophitische zeigt die Decke bis jetzt nur in 
wenigen Fällen. Im Gebiet des im NW.-Flügel der Nahemulde die 


*) Dieses Jahrbuch für 1883. Berlin 1884, S. XXIII. 


152 


A. Leppla, Die oberpermischen eruptiven Ergussgesteine 


Reihe der Ergüsse eröffnenden olivinführenden, basischen Augit- 
porphyrites (Sohlzone Lossen) zwischen Idar und Mackenrodt 
(östlich des Weges) tritt ungefähr 400 Meter südwestlich Callwies- 
weiher (im Idarthal) eine kleine Kuppe von einem ophitischen 
Diabasgestein auf, welches sich in seinem Gefüge aufs Engste an 
das Höringer anschliesst. Die sehr beschränkte Verbreitung in- 
mitten der tiefsten Ergüsse (es wurden bisher nirgends melaphy- 
rische Gesteine in so tiefen Horizonten beobachtet), das körnige 
Gefüge und der Mangel an Mandelstein lassen mich annehmen, 
dass das Vorkommen zwischen Mackenrodt und Idar ein in den 
olivinführenden Augitporphyrit eingepresstes, diabasisches Magma 
vorstellt. In den hangenden inelaphyrischen Ergüssen der Decke 
bei Idar, etwa 1 Kilometer von dem oben erwähnten Vorkommen 
in südlicher Richtung entfernt, tritt am Kirchhof von Algenrodt 
und an der Strasse von hier nach Idar ein ähnliches, schwarzes 
und scheinbar körniges Gestein über dem basaltischen Melaphyr 
auf. Die Augite neigen indess hier schon mehr zur idiomorphen 
Ausbildung und das ganze Gestein bildet dadurch mehr einen 
Uebergang zu den basaltischen Melaphyren, wenn auch die Glas- 
basis noch sehr untergeordnet bleibt. 

Die diabasischen Gesteine im Ober-Rothliegenden und in den 
Söterner Schichten am SO. -Flügel des pfälzischen Sattels zeigen 
gegen Dach und Sohle deutliche Mandelsteinbildung, freilich 
nicht in der ausgeprägten Weise, wie es die basaltischen Me- 
laphyre thun, bei denen die runden Blasen der Laven die Ge- 
steinssubstanz meist vollkommen in den Hintergrund drängen. 
Die vollständige Raumerfüllung herrscht bei den ophitisch-diaba- 
sischen Laven vor. Die mangelnde Rhyotaxis wird bei ihnen 
immer eine auffällige Erscheinung bleiben, und es würde nach 
dem Vorkommen zwischen Idar und Mackenrodt und nach dem 
Gefüge näher liegen, auch die diabasischen Gesteine in der Decke 
der Pfalz zu den eingepressten Magmen zu rechnen. Einer solchen 
Annahme steht die auf grosse Strecken gleichförmige und decken- 
artige Ausbreitung und das Auftreten in den Felsitporphyr-Conglo- 
meraten und -Tuffen der Söterner Schichten neben der Mandel- 
steinbildung am Dach und Sohle entgegen. 


im SO.-Flügel des pfälzischen Sattels. 


153 


Sehr zahlreich und ausgedehnt sind ähnlich gefügte Mela- 
phyre im benachbarten Unter-Rothliegenden des südöstlichen Sattel- 
flügels. Von Kreimbach im Lauterthal an gegen NO. über Nie- 
derkirchen, Heimkirchen, Imsweiler, Ruppertsecken, Marienthal 
bis nach Orbis sind sehr ausgedehnte Lagergänge von ophitisch- 
diabasischen Gesteinen in die Lebacher und Tholeyer Schichten 
eingepresst. Die Veränderung ihres Gefüges gegen das Salband 
(basaltische, labradorporphyrische Ausbildung), die Veränderung 
der benachbarten Rothliegenden-Schichten, z. B. bei Niederkirchen, 
Hefersweiler, Kreimbach, Imsweiler, Bauthal (westlich Orbis) im 
Hangenden wie an der Sohle und das schiefe Abschneiden der 
Schichten an den Lagergängen, Stauchung der dem eingepressten 
Magma benachbarten Sedimente, der Mangel an ausgedehnter 
Blasen- und Mandelsteinbildung reichen meines Erachtens voll- 
kommen hin, die Einpressung des Magmas der Gesteine in die 
Schichten für sicher gelten zu lassen. Die Nachbarschaft und 
Aehnlichkeit der ergussförmigen und eingepressten Magmen lässt 
annehmen, dass beide demselben Eruptionsherd entstammen und 
ihre Bildungszeiten nicht allzu weit auseinander liegen. 

Es bleibt mir noch übrig, mit einigen Worten auf die die 
Ergüsse begleitenden feineren Sedimente zurückzukommen. In der 
Hauptsache sind es hellgefärbte (weisse, hellgraue, rosenrothe, 
gelbe) meist gebänderte Schichten, die in der Korngrösse alle 
Uebergänge vom dichtesten, thonsteinähnlichen bis zum sandigen 
und sogar conglomeratischen Zerreibsei darstellen. Mit Annähe- 
rung an den grossen Felsitporphyrstock des Donnersberges wird 
das Korn der Schichten gröber und aus dichten, thonsteinähnlichen 
Tuffmassen werden die in der Umgebung desFelsitporphyres mächtig 
anschwellenden Felsitporphyrconglomerate und -breccien. Damit 
ist hinreichend wahrscheinlich gemacht , dass das hauptsächlichste 
Material der Schichten ein umgelagerter Schutt des Felsitporphyres 
ist. Vor Allem die hellgefärbten und gleichmässig dichten, thonstein- 
ähnlichen Schichten stellen den feinsten Porphyrschlamm dar. Bei 
starker Vergrösserung lassen sich in dem ausserordentlich fein- 
krystallinen Aggregat nur einzelne unregelmässige, lappige Partieen, 


154 


A. Tjkppla, Die oberpermischen eruptiven Ergussgesteine 


die Feldspath ähnlich sehen, daneben aber sehr viele kleine, farb- 
lose Glimmerblättchen erkennen, welche mit ihrer Breitseite der 
Schichtfläche parallel liegen. Die Hauptmasse gewährt dasselbe 
Bild wie ein in Kaolin umgewandelter Feldspath. Vereinzelt 
sieht man auch wohl Bruchstücke und Neubildungen von Quarz, 
sowie stark dichroite Stäbchen von Turmalin. Schmutziggrüue, 
ganz trübe, faserige Aggregate von grösserer Form sind nicht allzu 
selten. Man darf in ihnen vielleicht einen umgewandelten dunklen 
Glimmer erblicken. Die ganze Masse ist meist von einem fein 
und gleichmässig oder auch wolkenartig vertheilten Brauneisen- 
erzstaub, dessen Menge mit den Schichten wechselt, durchsetzt. 

Abweichend von den hellen Felsitporphyrtuffen sind die grauen, 
deutlich geschichteten Tuffe beschaffen. In der Gegend zwischen 
Heiligenmoschel und dem Alsenzthal treten solche dunklen Tuffe 
zwischen den helleren vorwiegend in der Nähe der zwischen- 
gelagerten Ergussgesteine auf. Ein auf dem Porphyrit am NW.- 
Abhang des Thronfels lagernder, dunkelgrauer, dichter Tuff be- 
steht aus kleinsten, etwas gerundeten, aber auch eckigen Bruch- 
stücken eines porphyrischen Gesteins, in dessen trüber, ganz zer- 
setzter, kryptokrystalliner Grundmasse sich nur die Umrisse von 
Feldspathleistchen erkennen lassen. Derartige Elemente sind den 
Felsitporphyrtuffen fremd und auch keinesfalls aus einem zerstörten 
Felsitporphyr herzuleiten. Einige haben in ihrer stofflichen Be- 
schaffenheit die grösste Aehnlichkeit mit den basaltischen Mela- 
phyren, andere mögen den Porphyriten zuzuschreiben sein. Zwischen 
den Bruchstücken der basischen Eruptivgesteine lässt sich zuweilen 
noch eine ähnliche Masse erkennen, wie die der hellen Tuffe, meist 
aber sind Bruchstücke von Quarz, Feldspath (auch Plagioklas) 
auch von Biotit und Zersetzungsproducte in Form von grünlichen 
trüben Faserbündeln, als eigentlicher Teig der bruchstückigen 
Elemente (Rohmühle bei Heiligenmoschel) vorhanden. Die dunklen 
Tuffe setzen sich im Wesentlichen aus Material der Ergussgesteine 
zusammen, beherbergen aber ausserdem verhältnissmässig viel Quarz. 
Da die sauren Porphyre des Donnersberges im Allgemeinen ziem- 
lich viel porphyrischen Quarz besitzen, also sich den eigentlichen 


im SO.-Flügel des pfälzischen Sattels. 


155 


Quarzporphyren nähern, so ist nicht unwahrscheinlich, dass auch 
sie den dunkeln Tuffen bei deren Entstehung tributär waren. Ge- 
wisse Arkosen der die Söterner Schichten unmittelbar unterlagernden 
Tholeyer Schichten (z. B. am Weg zum Schieferfels östlich Schweis- 
weiler) sind zwar sehr reich an Quarz, aber das mikroskopische 
Bild desselben erinnert mehr an das der granitischen Quarze, durch 
die reihenförmigen Einschlüsse, die vielfache Verwachsung u. s. w. 
Es scheint mir demnach ziemlich unwahrscheinlich, dass die das 
Material zur Bildung der Arkosen und Breccien der Tholeyer 
Schichten abgebenden Granite und Gneisse auch solches für die 
Söterner Schichten noch lieferten. 

Die Arkosen der Tholeyer Schichten führen ebenso viel Feld- 
spath wie Quarz, nur ist ersterer meist sehr getrübt. Doch erkennt 
man viele und grosse Körner in einheitlichen Individuen, ausserdem 
auch einzelne, vielfach verzwillingte und solche, welche das Aussehen 
von Mikroklin haben. Der Feldspath bildet neben grösseren Körnern 
das feine Zerreibsei zwischen den meist grossen Quarzkörnern. Die 
Gemengtheile zeigen wenige Spuren von Abrollung, das Gefüge 
gewährt vielmehr das Bild einer Breccie. Die Thatsache lässt 
schliessen, dass das Urgebirge in nicht allzu grosser Entfernung 
von dem Ablagerungsort der Arkosen anstand und das scheint 
weiter die bereits früher ausgesprochene Ansicht (Zeitschr. d. 
Deutsch, geol. Ges. 1892, Bd. XLIV, S. 438) zu bestätigen, dass 
das Urgebirge die Unterlage und Ufer des Carbons und Roth- 
liegenden am SO.-Flügel des pfälzischen Sattels bildet. Die Stö- 
rungsepoche zwischen Tholeyer und Söterner Schichten dürfte die 
randlichen Urgebirgsrücken in die Tiefe verworfen haben. 

Die bisher gewonnenen Thatsachen gestatten ein immerhin 
mehr oder minder hypothetisches Bild aus der Geschichte des 
Saar-Nahe-Gebietes in folgenden Zügen zu entwerfen. 

Die in andern Gebieten Centraleuropas so deutlich ausge- 
sprochene Störungsepoche zwischen Culm und productivem Carbon 
mag wohl auch die Bildung jenes mulden- oder grabenförmigen 
Beckens verursacht haben, welches heute die jungpalaeolithischen 
Schichten von der Saar zur Nahe und weiter nach NO. im Mainzer 


156 


A Leppla, Die oberpermischen eruptiven Ergussgesteine 


Becken und der Wetterau einnehmen. Der NW. -Flügel dieser 
Mulde bestand aus den aufgefalteten Schichten des Unter-Devons 
und den mit ihnen eng verknüpften älteren Sedimenten. Im SO.- 
Flügel der orographischen Mulde bildeten Granite, Gneisse und 
archäische Schiefer z. B. (Hornblendeschiefer), . vielleicht auch 
devonische und culmische Schichten, Quarzporphyre den Boden 
der Mulde und zwar, wie es scheint, im unmittelbaren Zu- 
sammenhang mit dem Urgebirge der Südvogesen und dem Lie- 
genden des Oberen Perms und Buntsandsteins der Nord vogesen 
und des Odenwaldes. Die Bewegungen im Becken scheinen wäh- 
rend der Ablagerungen der von den Ufern hereingeschwemmten 
groben Sedimente fortgedauert zu haben. (Uebergreifen der Oberen 
Kuseler Schichten am NW. -Rand.) Bis zum Schluss der Tho- 
leyer Schichten muss das Urgebirge des südöstlichen Muldenrandes 
das Ufer gebildet haben, denn seine Materialien sind in Form 
von feinem Grus und Gerollen in hervorragendstem Maasse am 
Aufbau der Schichten des Carbons und Unter-Rothliegenden be- 
theiligt. 

Die nun eingetretenen Störungen dürften den Urgebirgsrand 
im SO. in die Tiefe verworfen haben, denn die folgenden Ab- 
lagerungen entstammen nunmehr dem Devon und den an die 
eben entstandenen Störungen angeschlossenen Ausbrüchen von 
kuppen- und stockförmigen Felsit- und Quarzporphyren und Lava- 
ergüssen. Die in das Unter-Rothliegende eingepressten basischeren 
Magmen, (Kersantite, Diabase, Melaphyre) gaben, soweit die bis- 
herigen Erfahrungen reichen, kein Material für die Bildung des 
Oberen Perms ab, traten also auch kaum an die Oberfläche im 
Gegensatz zu den Kuppen von Felsit- und Quarzporphyr. 

Die Ergussgesteine sind im ganzen Gebiet einander ziemlich 
ähnlich. Die reiche und verschiedenartige Entwickelung der Er- 
gussformation im Innern des Saar -Nahe -Gebietes fehlt am SO.- 
Rand. Porphyrite treten nur ganz untergeordnet auf und von 
basischen Gesteinen ist ein basaltischer und ein diabasisch-ophi- 
tischer bis doleritischer Erguss vorhanden. Auf die Ergüsse folgten 
im Westrich wie an der Nahe zuerst conglomeratische, dann fein- 
sandige Ablagerungen des Oberen Perms, an der Nahe, d. h. an 


157 


im SO. -Flügel des pfälzischen Sattels. 

dem devonischen Uferrand im Allgemeinen gröbere als gegen die 
Vogesen zu. Am Schluss der feinsandigen, oberpermischen Ab- 
lagerungen bewirkten neue Störungen ein Untersinken des südöst- 
lichen Sattelflügels und ein ungleichförmiges Uebergreifen von 
darauffolgenden groben Sedimenten (abermals gröber im NW. als 
im SO. gegen die Vogesen), das Uebergreifen des Hauptbuntsand- 
steins über die palaeolithischen Schichten. 


Beiträge zur Kenntniss des Wealden in der 
Gegend von Borgloh- Oesede, sowie zur Frage des 
Alters der Norddeutschen Wealdenbildungen. 

Von Herrn C. Gagel in Berlin. 

(Hierzu Tafel XII u. XIII.) 

In dem Gebiet des Borgloh-Oeseder Kohlenbergbaus wurden 
im Jahre 1888 zur Aufklärung der künftigen Aussichten des Be- 
triebes und zur Feststellung der geologischen Verhältnisse vier 
Bohrlöcher gestossen, die zum Theil ein recht unerwartetes und 
merkwürdiges Resultat ergaben. 

Die Kerne dieser Tiefbohrungen wurden dann, nachdem in 
den folgenden Jahren die König! Berginspection Borgloh aufge- 
löst worden war, den Sammlungen der König! geo! Landes- 
anstalt einverleibt, deren Director, Herr Geheimer Oberbergrath 
Dr. HaüChecorne, so gütig war, mir diese Bohrkerne zur wissen- 
schaftlichen Bearbeitung zu überweisen, wofür ich auch an dieser 
Stelle ihm meinen wärmsten Dank auszusprechen mir erlaube. 


In diesem erwähnten, im südwestlichen Zipfel von Hannover, 
südlich von Osnabrück am Nordrande des Teutoburger Waldes 
gelegenen Gebiete wurde ein ziemlich lebhafter Bergbau auf 
Wealdenkohle betrieben, und zwar auf zwei getrennten Revieren. 

In den nördlichen, zwischen den Ortschaften Borgloh und 
Oesede gelegenen Gruben zeigten die Flötze im wesentlichen ein 


C. Gagel, Beiträge zur Kenntniss des Wealden etc. 


159 


nordsüdliches Einfallen unter Winkeln von 12 — 20°, stellenweise 
auch 30 — 40 0 , ja noch höheren Graden. (Taf. XII.) 

In dem südlichen Grubenfelde der Zeche Hilterberg dagegen 
fielen die Flötze SN., und zwar meistens unter Winkeln von 
60 — 800, die nur an wenigen Stellen auf 30 — 40° sanken. 

Zur Aufklärung sei hier noch bemerkt, dass die Flötze hier 
an der unteren Grenze des oberen Wealden noch in den Schiefer- 
thonen liegen, die da aber schon zahlreiche Unionen und Pflanzen- 
reste führen, und dass ihr unmittelbares Liegendes die hier un- 
gefähr 50 Meter mächtigen Sandsteine des mittleren Wealden 
sind *). 

Um nun festzustellen, ob der geologische Aufbau des Gebirges 
wirklich, wie es den Anschein hatte, ein synclinaler sei, und ob 
die Flötze der beiden Grubenfelder im Zusammenhang ständen, 
wurden in dem Zwischengebiet vier Bohrlöcher angesetzt, deren 
Lage aus beifolgender Kartenskizze (Taf. XII) ersichtlich ist. 

Die beiden nördlich gelegenen Bohrlöcher No. II und III er- 
gaben denn auch noch ein günstiges Resultat, indem in 104 Meter 
bezw. 319 Meter Tiefe die Flötze angetroflen wurden; gänzlich 
verändert dagegen wurde das Bild durch die beiden südlich ge- 
legenen Bohrlöcher No. I und IV, da in keinem von beiden weder 
Flötze noch die unmittelbar liegenden Schichten derselben, die 
Hastingssandsteine, gefunden, sondern in unerwartet hohem Niveau 
schon die älteren Horizonte des Purbeck bez. des weissen Jura 
erbohrt wurden, wodurch die Hoffnungen auf eine ergiebige Zu- 
kunft der Gruben zu nichte gemacht waren. 

Die bei der Bearbeitung dieser Bohrkerne erlangten Resultate 
ergaben nun manche neue und bemerkenswerthe Aufschlüsse über 
die Verhältnisse der Wealdenbildung überhaupt, insbesondere aber 
über deren Altersstellung zum Hils., weshalb eine ausführlichere 
Besprechung derselben gerechtfertigt erscheinen mag. 

Durch die Bohrungen wurden folgende Schichtenfolgen fest- 
gestellt : 


*) Dötting, Beiträge zur Kenntniss der Geologie der Gegend von Borgloh 
und Wellingholzhausen. Dieses Jahrb. für 1891, S. 145 — -146. 


160 


C. Gagel, Beiträge zur Kenntniss des Wealdeu 


Bohrloch I. 

Von Tage ab bis 15 Meter Teufe: Diluvialer Lehm mit grani- 
tischen Geschieben; 

von 15 — 281,20 Meter dunkelgraue, sehr gleichmässige Schiefer- 
thone, sehr reich an charakteristischen Versteinerungen 
des oberen Wealden, insbesondere grossen Cyrenen. 
Das Einfallen wechselte zwischen 9 und 35° N./S., nur 
einmal bei 274 Meter betrug es vorübergehend 80°. 

Bestimmt konnten darin folgende Versteinerungen werden: 
Cyrena Heysi Dunk., 

» subcordata Dunk., 

» caudatä A. Röm., 

» obtusa A. Röm., 

» elliptica Dunk., 

» gibbosa Dunk., 

» ovalis Dunk., 

» lato-ovata A. Röm., 

» venulina Dunk., 

» majuscula A. Röm., 

» dorsata Dunk., 

» sublaevis A. Röm., 

» cf. angulata A. Röm., 

» cf. solida Dunk., 

sowie mehrere Formen, die sich mit Sicherheit auf eine der be- 
schriebenen Arten nicht beziehen Hessen, ferner: 

Cyclas Jugleri Dunk., 

Cyclas cf. Brongniarti K. u. Dunk., 

Gervillia arenaria A. Röm., 

Modiola sp., 

Corbula alata Sow., 

» inflexa A. Röm., 

» subquadrata Dunk., 

» sublaevis A. Röm., 

Melania strombiformis v. Schloth., 

Cypris laevigata Dunk., 

Coprolithen und Fischreste. 


in der Gegend von Borgloh- Oesede etc. 


161 


Von 281,20 — 308,50 Meter Wechsellagerung versteinerungsloser, 
dunkelgrauer Schieferthone , grünlicher Mergel und 
thoniger Kalksteine, allesammt ausgezeichnet durch 
starke Gypseinlagerungen und stellenweise penetranten 
Erdölgeruch; das Einfallen schwankend zwischen 15 — 33°. 
Von 308,50 — 568,50 Meter Schieferthone mit Einlagerungen von 
thonigen Kalken, krystallinen Kalkbänken, Mergelschie- 
fern, Cyrenenbänken und schwachen Sandsteinbänken, 
von 481 Meter ab stellenweise mit starkem Pyritgehalt, 
von 493,2 Meter ab auch wieder, wenn auch in geringem 
Grade, Gyps führend. Das Einfallen (Taf. XIII, Fig. 2) 
ist bis zu einer Tiefe von ungefähr 390 Meter ein ziemlich 
regelmässiges, zwischen 15 und 40° schwankend, nur 
einmal bei 328 Meter tritt ganz vorübergehend eine 
Störung auf, wobei die Schichten auf dem Kopf stehen. 
Von 390- — 416 Meter ist das Einfallen steil und sehr 
schnell wechselnd zwischen 50 und 80°; von 416 Meter 
ab wird das Einfallen wieder regelmässig, von 15 — 20° 
bis 25 — 30° schwankend, und zwar jetzt nach NO. 

An Versteinerungen ist diese Schichtenfolge verhältnissmässig 
reich, besonders an Cyrenen, wenn auch lange nicht in dem Maasse, 
wie der obere Wealden, doch sind die meisten Fossilien stark 
verquetscht oder sonst schlecht erhalten, was besonders von den 
Exemplaren der Cyrenenbänke gilt. In der oberen pyrit- und 
gypsfreien Schichtenfolge liessen sich- bestimmen: 

Cyrena parvirostris A. Röm., 

» cf. subtransversa A. Röm., 

» cf. Mantelli Dunk., 

» cf. obtusa A. Röm., 

Cyclas Brongniarti K. u. Dunk., 

» Buchi Dunk., 

Modiola lithodomus K. u. Dunk., 

» s P-> 

Corbula inflexa A. Röm., 

» sublaevis A. Röm., 


Jahrbuch 1893. 


11 


162 


G. Gagel, Beiträge zur Kenntniss des Wealden 


Pisidium cf. pygmaeum K. u. Dunk., 

» cf. exaratum Dunk., 

Cypris laevigata Dunk., 

» oblong a A. Rom., 

» sp. n. (cf. granulosa Sow.), 

Paludina sp. und Fischreste. 

In den tieferen, theilweise Pyrit und Gyps führenden Schichten 
liessen sich bestimmen: 

Cyrena lentiformis A. Röm., sehr zahlreich und meistens 
verkiest; 

» subtransversa A. Röm., 

Corbula inflexa A. RÖM., 

Cypris laevigata Dunk. 

und in den tiefsten Schichten von 540 Meter an 
Serpula coacervata Blumenb. 

Bei 568,50 Meter wurde die Bohrung eingestellt, ohne dass sich 
eine wesentliche Aenderung im Aussehen der Schichten 
gezeigt hätte. 


Bohrloch II. 

Von Tage ab bis 5,30 Meter Diluviallehm, 
von 5,30 — 103,70 Meter Scbiefeiihone, 


103.70— 104,45 

104,45 — 105,50 
105,50—111 
111 —113,70 

113.70— 114 
114 

Das Einfallen betrug 4 
proben ist nichts aufbewahrt, 


Kohlenflötz, 

Schieferthon, 

Sandstein, 

Schieferthon, 

Kohlenflötz, 

Schieferthon. 

50 NNO. /SSW. 


Von den Bohr- 


Bohrloch III. 

Von Tage ab bis 7 Meter Diluviallehm mit Geschieben, 

7 — 319,25 Meter Schieferthone mit einzelnen Sandsteinbänken 
Das Einfallen der Schichten erwies sich anfänglich 
N./S. unter wechselnden Winkeln; von 3 — 5° stieg es 


in der Gegend von Borgloh-Oesede etc. 


163 


auf 15 — 16°, um dann wieder auf 8 — 10“ zu fallen; 
bei 199 Meter betrug es 26° und zwar jetzt SSW./NNO., 
stieg dann bei 205 Meter bis auf 45°, um dann wieder 
auf 16 — 18°, iu über 300 Meter Teufe auf 8 — 12° zu 
fallen. 


319,25 — 320 Meter Kohlenflötz, 

320 — 323,70 » Schieferthon, 

323,70—323,90 » Kohlenflötz, 

323,90 — 324,15 » Schieferthon, 

324,15 — 324,55 » Kohlenflötz, 

324,55 » Schieferthon. 

Bohrproben sind mit Ausnahme eines Handstücks nicht mehr 
vorhanden. 


Bohrloch IV. 

Von Tage ab bis 11,10 Meter Diluviallehm mit Geschieben und 
Kreideknollen, 

von 11 — 77 Meter grauer, sehr sandiger Thon mit Thoneisenstein- 
bänken und einzelnen Kohlenstückchen, enthaltend zwar 
nicht zahlreiche, aber unzweifelhafte Hilsversteinerungen 
wie: 

Oxynoticeras heteropleurum Neum., 

Pecten orbicularis A. Röm., 

Isocardia angulata Phil., 

Astarte numismalis d’Orb., 

Thracia sp., 

Panopaea sp., 

Pholadomya sp. 

Zwischen 77 — 78 Meter eine dünne Bank schwarzen Schieferthons 
mit Cyrena obtusa A. Röm. ; 

von 78 — 113 Meter sandiger Thon, enthaltend bei 91 Meter: 
Cypris laevigata Dunk., 

Corbula alata Sow. ; 

zwischen 99 u. 112 Meter wieder typische Hilsversteinerungen, wie: 
Oxynoticeras heteropleurum, Neum., 

Pecten orbicularis A. Röm., 


11 


164 C. Gagel, Beiträge Zur Kenntniss des Wealden 

Cucullaea Cornueliana d’Orb., 

» sp., 

» texta A. Röm. , die aus Kimmeridge und 
Wealden bekannt ist; ein Exemplar. 

Bei 113,2 Meter eine Bank sandigen Schieferthons mit einer voll- 
ständigen Mischfauna : 

Corbula inflexa A. Röm., 

» alata Sow., 

Cypris laevigata Dunk., 

Oxynoticeras heteropleurum Neum. ; 
von 114 — 115 Meter sandigen Thon, enthaltend bei 114 Meter: 
Cucullaea Gabrielis d’Orb., 

» Cornueliana d’Orb., 

Corbula alata Sow., 

Cyrena sp., 

Cypris laevigata Dunk.; 

bei 114,5 Meter wieder eine reine Wealdenfauna: 

Corbula inflexa A. Röm., 

Melania strombiformis v. Schloth. sp., 

Gervillia arenaria A. Röm., 

Paludina Römeri Dunk., 

» acuminata Dunk., 
bei 114,7 Meter: 

Cucullaea Gabrielis d’Orb., 

» sp., 

von 115 — 115,2 Meter sandigen Schieferthon mit gemischter Fauna, 
enthaltend : 

Cyrena Heysi Dunk., 

» sp. Corbula inflexa A. Röm., 

Corbula alata Sow., 

Oxynoticeras heteropleurum Neum., 

Paludina Römeri Dunk., 

» acuminata Dunk., 

Melania strombiformis v. Schloth.; 
von 115,2 — 289 Meter schwarze Schieferthone mit einer sehr 
reichen Fauna an typischen Wealden - Petrefacten, ins- 




in der Gegend von Borgloh-Oesede etc. 


165 


besondere grossen Cyrenen. Es Hessen sich darin be- 
stimmen: 

Cyrena lato-ovata A. Röm., 

» ovalis Dunk., 

» elliptica Dunk., 

» gibbosa Dunk., 

» orbicularis A. Röm., 

» subcordata Dunk., 

» donacina Dunk., 

» Heysi Dunk., 

» sp. n. (cf. Heysi Dunk.), 

» apicina Dunk., 

» dorsata Dunk., 

» obtusa A. Röm., 

» Zimmermanni Dunk., 

» cf. Murchisoni Dunk., 

» cf. mactroides A. Röm., 

» cf. solida Dunk., 

» cf. caudata A. Röm., 

» cf. Credneri Dunk., 

» cf. venulina Dunk., 

Cyclas Jugleri Dunk., 

» Brongniarti K. u. Dunk., 

Pisidium Pfeiferi Dunk., 

Corbula inflexa A. Röm., 

» alata Sow., 

» subquadrata Dunk., 

» sublaevis A. Röm., 

Gervillia arenaria A. Röm., 

Mytilus sp., 

Melania strombiformis v. Schloth., 

» cf. rugosa Dunk., 

» tricarinata Dunk., 

Paludina Römeri Dunk., 

Cypris laevigata Dunk., 

» spinigera Fitton., und Fischreste. 


166 


C. Gagel, Beiträge zur Kenntniss des Wealden 


Das Einfallen der Schichten ist bis zu einer Teufe 
von 270 Meter regelmässig 14 — 18° nach SSW., bei 
270 Meter Teufe stellen sich die Schichten auf den Kopf, 
um dann sehr schnell und unregelmässig den Einfalls- 
winkel zu wechseln zwischen 12 — 45°. 

Von 289 — 383 Meter Wechsellagerung von fossilfreien, grauen, 
grünlichen, stellenweise auch röthlichen Mergeln, Mergel- 
schiefern, Letten, Gyps und Anhydrit. Die Mächtig- 
keit des reinen Gypses ist auf mindestens 2 Meter, die 
des reinen Anhydrits auf über 25 Meter anzuschlagen; 
ausserdem enthalten die Mergelschichten selbst noch 
einen starken Gypsgehalt und zeigen stellenweise einen 
penetranten Erdölgeruch. Das Einfallen der Schichten 
ist sehr unregelmässig und wechselnd, bei 349 Meter 
auf 45° nach NO. festgestellt. 

Von 383 — 428,5 Meter unreine, dunkle Kalke mit sehr spärlichen 
und schlecht erhaltenen Fossilien. Es fanden sich darin 
zwischen 383 und 400 Meter: 

Avicula sp., 

Pholadomya sp., 

Trigonia cf. papillata Ag., 

Exogyra cf. reniformis Goldf. ; 
bei 403 Meter Gryphaea dilatata Sow., 
zwischen 404 — 423 Meter: 

Perisphinctes sp., 

Avicula sp., 

Modiola sp., 

Panopaea sp., 

Trochus sp., 

Rhynchonella sp.; 

bei 426 Meter Goniomya cf. angulifera Ag., 

» 427 » Avicula echinata Sow. 

Bei 428,5 Meter wurde die Bohrung eingestellt. 

Wenn aus obigen Bohrprofilen die Mächtigkeit der durch- 
sunkeneu Schichten mit Berücksichtigung der Fallwinkel berechnet 


in der Gegend von Borgloh-Oesede etc. 


167 


wird, so ergiebt sich daraus (mit der Reserve, dass die Zahlen 
wegen der mannichfaltigen unregelmässigen Störungen nicht ganz 
genau, sondern theilweise wahrscheinlich noch etwas zu hoch sind) 


ür Bohrloch I 

240 

Meter Wealdenthon, 


24 

» 

bunte, fossilfreie, gypsführende Mergel, 


235 


Schichten mit Petrefacten des mittleren 
und unteren Wealden (Purbeck); 

» » II 

95 

» 

Wealdenthon, 


10 

» 

Flötze und mittlerer Wealden, 

» » III 

290 

» 

W ealdenthon, 


5 

» 

Flötze und mittlerer Wealden, 

» » IV 

64 

» 

Hilsthon, 


36 


Wechsellagerung von Hils und Weal- 
denthon, 


165 

» 

Wealdenthon, 


80 

» 

bunte, fossilfreie, gypsführende Mergel, 


40 

» 

Juraschichten. 


Suchen wir nun die gemeinsamen Resultate dieser Bohrpro- 
file zusammen zu stellen, so ergiebt sich erstens, dass in den 
3 Bohrlöchern , die überhaupt grössere Tiefe erreicht haben 
(I, III, IV), das Einfallen in den oberen Schichten fast recht- 
winklig entgegengesetzt zu dem der tieferen Schichten ist. Bei 
Bohrloch III, wo sich die Einfallswinkel ganz allmählich ändern 
und eine Störung der Schichten nicht beobachtet ist, dürfte sich 
der Wechsel der Einfallsrichtung wohl am einfachsten durch die 
Annahme einer Mulde mit schief gestellter Achse erklären lassen, 
wie es in dem beigefügten Profil (Taf. XIII, Fig. 1 ) geschehen ist. 
Für die Bohrlöcher I und IV dagegen, wo zwischen der Aende- 
rung der Fallrichtungen sich sehr erhebliche Störungen, wie zer- 
knitterte und auf den Kopf gestellte Schichten einstellen, dürfte 
die Annahme einer grösseren, durchgreifenden Gebirgsstörung 
bezw. Verwerfung nicht zu umgehen sein, wie sie aus diesem 
Gebiet durch die Arbeiten von Dütting (Dieses Jahrb. für 1888 
und 1891) schon bekannt sind (vergl. besonders 1. c. 1888, S. 15 
u. 1891, S. 146). 


168 


C. Gagel, Beiträge zur Kenntniss des Wealden 


Auffallend an diesen Bohrlöchern ist ferner die ungewöhnlich 
mächtige Entwickelung des Wealdenthons. Dunker in seiner Mono- 
graphie der Wealdenbildungen S. XVII giebt die Mächtigkeit des 
Wealdenthons als zwischen wenigen bis 300 Fuss schwankend an, 
Credner (Gliederung der Oberen Juraformation und der Wealden- 
bildung) zu 60 — 133 Fuss, Struckmann (die Wealdenbildung der 
Umgegend von Hannover) zu 15 — 80 Meter. 

Hier beträgt die geringste Mächtigkeit im Bohrloch II schon 
90 Meter, um dann über 165 Meter (Bohrloch IV), 240 Meter 
(Bohrloch I) auf 290 Meter (Bohrloch III) zu steigen, womit die 
grösste bis dahin in Deutschland beobachtete Mächtigkeit um das 
2V2 fache übertroffen und die der mächtigsten englischen Bildungen 
(1000 Fuss) ungefähr erreicht wird. 

Das auffallendste und praktisch wichtigste Ergebniss der Boh- 
rungen ist nun aber das, dass die beiden in dem vermutheten 
Muldentiefsten angesetzten Bohrlöcher weder die Kohlenflötze 
noch die das Liegende derselben bildenden Hastingssandsteine 
angetroffen haben, die wenige hundert Meter nördlich und südlich 
von ihnen anstehend sind, sondern dass in ihnen unter dem Wealden- 
thon statt jener reinen Süsswasserbildung bunte, fossilfreie aber 
Gyps -führende Mergel auftreten, wie sie sonst nur als tiefstes 
Glied des unteren Wealden (Purbeck) in den Münder Mergeln 
beobachtet sind. 

Dass diese bunten Mergel der Bohrlöcher aber nicht den 
Münder Mergeln, mit denen sie petrographisch die grösste Aehn- 
lichkeit haben , entsprechen , sondern vielmehr zum mittleren 
Wealden gehören und als wenigstens theilweises Aequivalent der 
Hastingssandsteine aufzufassen sind, geht daraus hervor, dass 
unter ihnen im Bohrloch I noch eine mächtige Schichtenfolge 
liegt, die noch die typische Fauna des mittleren Wealden und 
des Serpulits führt. 

Diese ungefähr 235 Meter mächtige Schichtenfolge, die petro- 
graphisch im wesentlichen eine einheitliche ist, lässt sich doch 
bei genauerer Betrachtung noch in zwei Theile sondern. Die 
erste, 160 Meter mächtige Abtheilung bis zur Teufe von 481 Meter, 
die frei von Pyrit und Gyps ist, zeigt sich sowohl petrographisch 


in der Gegend von Borgloh-Oesede etc. 


169 


wie faunistisch übereinstimmend mit jenen mittleren Wealden- 
schichten, die nicht als reine Süsswasserbildung, sondern als dem 
oberen Wealden ähnliche Brackwassersedimente ausgebildet sind. 
Struckmann beschreibt diese Ausbildung des mittleren Wealden 
als Wechsellagerung von Schieferthon en, Mergelschiefern und 
Sandsteinbänken vom östlichen Deister (1. c. S. 30); als »Mergel- 
schiefer und Schieferthone , die die festen Sandsteine bedeutend 
überwiegen«, vom Osterwald (1. c. S. 34); als mächtige, dunkel ge- 
färbte Schiefermassen mit verschiedenen Einlagerungen von Reh- 
burg (1. c. S. 36). Dunker (1. c. S. XVII) beschreibt ähnliche 
300 — 400 F uss mächtige, thonig-kalkige Schiefermassen mit Cypris- 
und Cyclas- Arten, die den Serpulit überlagern, allerdings ohne 
genaue Ortsangabe. 

Aber auch dort, wo der mittlere Wealden hauptsächlich aus 
Sandsteinen mit Süsswasserfauna besteht, finden sich in ihm mehr 
oder minder häufige Einlagerungen von Schieferthonen mit ge- 
mischter oder Brackwasserfauna (Struckmann 1. c. S. 29 und fol- 
gende). 

Von der Fauna dieser ganzen Schichtenfolge sind bis jetzt 
nur Cyrena Mantelli Dunk., Pisidium exaratum Dunk., Pisidium 
Pfeifen Dunk, und Corbula subquadrata Dunk, nicht im mittleren 
Wealden, wohl aber sowohl in höheren wie in tieferen Schichten 
gefunden worden. Sämmtliche anderen Formen sind schon aus 
mittleren Wealden bekannt und gerade die häufigsten unter ihnen, 
die mittelgrossen Cyrenen wie Cyrena parvirostris Dunk., Cyrena 
obtusa A. Röm. sind besonders charakteristisch für den mittleren 
Wealden. 

Auch die Mächtigkeit der Bildung würde mit der vom Deister 
bekannten (160 — 180 Meter) übereinstimmen, sodass ein wesent- 
licher Einwand gegen die Deutung dieser Schichtenfolge als mitt- 
lerer Wealden wohl nicht zu erheben sein dürfte. 

Was nun die darunter folgende, 75 Meter mächtige, theil- 
weise Pyrit und Gyps führende Schichtenreihe anbetrifft, so dürfte 
es wohl zweifellos sein, dass diese als Serpulit aufzufassen ist, 
wenn auch ihre petrographische Ausbildung mit der gewöhnlichen 
Ausbildungsart dieses Horizontes nicht übereinstimmt und das 


170 


C. Gagel, Beiträge zur Kenntniss des Wealden 


eigentliche Leitfossil desselben Serpula coacervata Blumenb. nur 
in dem untersten Drittel der Schichtenfolge sich nachweisen lässt. 

Denn gleichzeitig mit dem ersten Auftreten des Pyrits erfolgt 
das massenweise Erscheinen der kleinen Cyrena lentiformis A. Köm., 
die bis jetzt nur aus dem Serpulit bekannt ist; Cyrena subtrans- 
versa A. Röm. ist in dem Serpulit wenigstens häufiger als in dem 
mittleren und oberen Wealden; Corbula inflexa A. Röm. geht 
durch die ganze Schichtenfolge vom oberen weissen Jura an und 
nur Cypris laevigata Dunk, ist bis jetzt noch nicht im Serpulit 
gefunden. 

Ganz unbekannt ist übrigens diese Ausbildung des Serpulits 
doch nicht, denn auch Struckmann (1. c. S. 17) beschreibt die 
in einer Brunnenbohrung bei Hannover angetroffenen Serpulit- 
schichten als dunkle, bituminöse, pyrithaltige Thonschiefer und 
Mergelthone. 

Auffallend ist somit nur die Mächtigkeit von 75 Meter, denn 
die grösste bis jetzt in der Litteratur bekannt gegebene Mächtig- 
keit ist die von Credner (1. c. S. 69) für den Serpulit von Nien- 
stedt angegebene von 150 Fuss — 44 Meter. 

Ist nun also die Deutung dieser 7 5 Meter mächtigen Schichten- 
folge als Serpulit und die der darauf liegenden 160 Meter als 
mittlerer Wealden richtig, so bleibt für die darüber folgenden, 
den Wealdenthon unterteufenden, bunten Mergel ebenfalls nur 
die Deutung als mittlerer Wealden übrig, trotzdem sie in ihrer 
petrographischen Ausbildung und durch den Mangel an jeglichen 
Fossilien den sonst bekannten Ausbildungsarten dieses Horizontes 
so durchaus unähnlich sind. 

Der mittlere Wealden würde also in dieser Gegend theilweise 
allein durch bunte , fossilfreie aber Gyps führende Mergel in der 
Mächtigkeit von ca. 80 Meter ( Bohrloch IV) , theilweise durch 
bunte Mergel und darunter liegende Schieferthone etc. mit zu- 
sammen 184 (24 — f— 160) Meter Mächtigkeit (Bohrloch I) reprä- 
sentirt werden. 

Es ist sehr zu bedauern, dass das Bohrloch I nicht noch 
weiter fortgeführt ist und die liegenden Schichten des Serpulit 
aufgeklärt hat, denn das letzte der Bohrlöcher IV hat auch in 


in der Gegend yon Borgloh-Oesede etc. 


171 


dieser Richtung ein bemerkenswerthes und in ähnlicher Weise 
bisher nur einmal beobachtetes Resultat ergeben, nämlich dass 
die Wealdenbildung nicht in ununterbrochener Aufeinanderfolge 
auf den obersten Schichten des Jura liegt, sondern dass da- 
zwischen eine sehr deutliche Discordanz auftritt. Die hier unter 
den fossilfreien Mergeln erbohrten dunklen, unreinen Kalkstein- 
schichten enthielten in den ersten 20 Metern im Ganzen nur etwa 
ein Dutzend sehr schlecht erhaltener Petrefacte, von denen sich 
nur zwei mit einiger Sicherheit als Trigonia cf. papillata und 
Exogyra cf. reniformis Goldf. und zwei andere sicher als Gry- 
phaea dilatata Sow. bestimmen Hessen. Die nächsten 20 Meter 
enthielten ebenfalls nur wenige, nicht genauer bestimmbare Fossilien 
und endlich bei 426 — 427 Meter fanden sich wieder mit einiger 
Sicherheit als Goniomya cf. angulifera Sow. und Avicula echinata 
Sow. bestimmbare Petrefacten auf. 

Diese beiden letzgenannten Formen erweisen die tiefsten er- 
bohrten Schichten als Zone der Avicula echinata Sow., die darüber 
liegenden Schichten mit nicht genauer bestimmbaren Fossilien 
würden also dem Kelloway und den Ornatenthonen entsprechen, 
die Schichten mit Gryphaea dilatata Sow., Trigonia cf . papillata Ag. 
und Exogyra cf. reniformis Goldf. , den Heersumer Schichten 
und dem Korallenoolith, denn höher hinauf sind diese Formen 
nicht bekannt. Für alle über dem Korallenoolith liegenden Hori- 
zonte fehlt jeder Anhalt, insbesondere ist von der ganzen reichen 
Fauna des Kimmeridge, speciell der Exogyra virgula Defr. keine 
Spur vorhanden und ebenso fehlen •hier die Portlandbildungen, 
Münder Mergel und der Serpulit. 

Es ist also hier eine ganz erhebliche Discordanz zwischen 
Jura und Wealden vorhanden, wie sie ähnlich nur in noch 
grösserem Ausmaasse schon früher einmal von Denckmann aus 
der Gegend von Sehnde beschrieben ist (Neues Jahrb. 1890, 
Bd. II, S. 97). 

Aber auch noch in einer anderen Beziehung weist dieses 
Bohrloch IV eine Uebereinstimmung mit jenem Profil von Sehnde 
auf, indem es nämlich in unübertrefflich schöner Weise den 
ganz allmählichen Uebergang des Wealden in den Hils und 


172 C. Gagel, Beiträge zur Kenntniss des Wealden 

die ausserordentlich enge Verknüpfung beider Bildungen darthut 
und damit einen neuen und nun vollständig schliessenden Beweis 
für die STROMBECK’sche Hypothese der Zugehörigkeit des Wealden 
zur Kreideformation bietet. 

Wenn man das vorhin mitgetheilte Profil in der Teufe von 

77 — 115,2 Meter betrachtet mit seiner wiederholten Wechsellage- 
rung von Sedimenten, die zum Theil typische Hilsfauna, z. Th. 
ebenso reine Wealdenfauna und endlich vollständig gemischte 
Fauna führen — von deren Bestandtheilen aber nichts etwa auf 
seeundärer Lagerstätte ruht — so ist es doch unzweifelhaft, dass 
hier eine lückenlose Aufeinanderfolge der einzelnen Bildungen 
vorliegt und dass zu der Zeit, als hier die oberen Wealdenbil- 
dungen abgesetzt wurden, im offenen Meere schon die typische 
Hilsfauna lebte, die gelegentlich Einwanderer in dies Gebiet schickte 
(bei 115 — 115,2 Meter, 114,7 Meter, 114 Meter, 113,2 Meter), 
es auf kurze Zeit auch wohl ganz eroberte (zwischen 99 und 
112 Meter), dann aber auch wieder zeitweise und z. Th. voll- 
ständig weichen musste (bei 114,5 Meter und zwischen 77 und 

78 Meter), bis sie das Terrain endgültig behauptete. 

Dass eine Bildung, die in so innigen Wechselbeziehungen 
zu einem unzweifelhaften — und nicht einmal dem tiefsten — 
Kreidehorizont steht, nicht zum Jura gerechnet werden kann, ist 
doch wohl evident. 

Der eifrigste Vertheidiger der Zugehörigkeit des Wealden 
zum Jura — Struckmann — stützt sich bei seiner Beweisführung 
wesentlich auf zwei Punkte, erstens auf den ganz allmählichen 
Uebergang, der faunistisch und stratigraphisch zwischen den Bil- 
dungen des oberen Jura und den Wealdenbildungen stattfindet 
und der sich in der Gemeinsamkeit einer grossen Anzahl von 
Petrefacten in beiden Bildungen und in der lückenlosen Aufein- 
anderfolge derselben ausdrückt, und zweitens darauf, dass der 
Hils zwar concordant, aber petrographisch deutlich geschieden auf 
dem Wealden aufliegt und kein einziges Fossil mit ihm gemein- 
sam hat. 

Diese beiden Beweisgründe sind aber, abgesehen davon, dass 


iü der Gegend von Borgloh-Oesede etc. 


173 


beide nicht ausnahmslos zutreffen, durchaus nicht geeignet, die 
Streitfrage wirklich zu entscheiden. 

Was zuerst die lückenlose Aufeinanderfolge von Jura und 
Wealden betrifft, so ist, wie erwähnt, schon früher von Denck- 
mann und jetzt durch das vierte der Borgloher Bohrlöcher 
constatirt, dass es Wealdenbildungen giebt, die nicht concordant 
auf den höchsten Jurahorizonten, sondern mit sehr deutlicher Dis- 
cordanz auf tieferen Schichten des weissen oder gar auf unterem 
braunen Jura (Zone des Inoceramus polyplocus) liegen, wenn auch 
allerdings in der Mehrzahl der beobachteten Fälle eine lücken- 
lose Aufeinanderfolge stattfindet. Diese, verbunden mit der ganz 
allmählichen Aussüssung der betreffenden Meerestheile lässt es 
nun nicht weiter wunderbar erscheinen, dass die Fauna sich gleich- 
falls ganz allmählich änderte, und dass eine beträchtliche Anzahl 
von Formen des oberen Jura, die sich den veränderten Lebens- 
bedingungen anpassen konnten , sich unverändert bis in die 
W ealdenschichten erhielt. 

Aus diesen Formen aber einen Schluss auf die Zugehörig- 
keit des Wealden zum Jura zu machen, ist deswegen gänzlich 
unstatthaft, weil es sämmtlich ganz indifferente, schon im Jura 
durch mehrere Horizonte hindurch lebende Lamellibranchiaten 
sind, die zu einer scharfen Altersbestimmung untauglich sind. 

Solche Formen können sich in derartigen, vom offenen Meere 
mehr oder minder abgeschlossenen Lagunen unter gleichmässigen 
Lebensbedingungen natürlich noch lange erhalten, wenn auf der 
hohen See die ursprünglich mit ihnen zusammenlebenden Formen 
schon längst ausgestorben und durch andere verdrängt sind. Von 
den hochmarinen Cephalopodenfaunen aber, auf deren Auftreten 
und Verschwinden doch die ganze Abgrenzung und Gliederung 
von Jura und Kreideformation begründet ist, findet sich in den 
ganzen Wealdenbildungen mit Ausnahme der soeben beschriebenen 
und einiger anderer Stellen in den oberen Grenzschichten des 
Wealden, auf die sofort noch näher eingegangen werden soll, 
nicht eine Spur. Diese wenigen in den oberen Grenzschichten 
des Wealden gefundenen Cephalopoden sind aber Leitformen der 


174 


C. Gagel, Beiträge zur Kenntniss des "Wealden 


Kreideformation; — Oxynoticeras heteropleurum Neum. und 
Belemnites subquadratus A. Röm. 1 ). 

Dass der von Struckmann zur Vervollständigung seines Be- 
weises herangezogene jurassische Charakter der Wealdenflora 
(1. c. S. 111) nichts für die Altersstellung des Wealden beweist, 
braucht wohl kaum des Besonderen hervorgehoben zu werden, 
denn dass eine Landflora bei einer auf das Auftreten und Ver- 
schwinden von hochmarinen Thieren begründeten Formations- 
gliederung noch weniger entscheiden kann als die indifferenten 
Mollusken isolirter Lagunen, ist doch wohl evident. 

Was nun den zweiten Theil des STRUCKMANN’schen Beweises 
anbetrifft, die Thatsache, dass die Faunen der Hils- und Wealden- 
bildungen keine einzige gemeinsame Form aufweisen, so beweist 
das ebenfalls nichts, denn einem so schroffen Facies Wechsel, wie 
er sich im Allgemeinen auf der Grenze von Hils und Wealden, 
also zwischen den Niederschlägen des offenen Meeres und ganz 
schwach salziger Brackwässer einstellt, können die wenigsten 
Thierformen widerstehen, und dass so schroff verschiedene Facies 
desselben Alters gänzlich verschiedene Faunen führen, ist schon 
häufiger beobachtet, ohne dass man deswegen solche Bildungen 
auseinanderreisst und auf zwei verschiedene Formationen ver- 
theilt. 

Aber Struckmann weist nicht nur darauf hin, dass Hils und 
Wealden keine Art in ihren Faunen gemeinsam haben, er be- 
streitet auch die ununterbrochene Aufeinanderfolge beider Bil- 
dungen, trotzdem er die concordante Ueberlagerung zugiebt und 
behauptet ausdrücklich, dass zu den Zeiten, als sich der Wealden- 
thon absetzte, anderweits noch ein Jurameer bestanden haben 
müsste, aus dem die jurassischen Pelecypoden in den Wealden 
einwandern konnten. Er sagt ganz richtig, dass, wenn die Hils- 
bildungen wirklich zeitlich unmittelbar auf den Wealden gefolgt 
wären, sich an der Grenze beider eine Mischfauna finden müsste, 
bestreitet aber auf das Entschiedenste das Vorhandensein dieser 


l ) und. Oleostephanus marginatus (Phill.) A. Röm. siehe Anmerkung der fol- 
genden Seite. 


in der Gegend von Borgloh-Oesede etc. 


175 


Mischfauna *). Hierbei, allerdings dem punctum saliens der ganzen 
Sache, setzt er sich aber in offenen Widerspruch mit schon be- 
kannten Thatsachen. 

Schon Dunker in seiner Monographie der norddeutschen 
Wealdenbildungen S. XX erwähnt, dass am Osterwalde deutliche 
Uebergänge der Wealdenbildungen in die Kreideschichten auf- 
treten, was aus dem gemischten Vorkommen von Meeres- und 
Süsswassermollusken an der Grenze zu den Kreidebildungen her- 
vorginge 2 ). 

Dann gab H. Römer in seiner Beschreibung des Profils von 
Sehnde (Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1874, Bd. 26, S. 345) 
an, dass er dort in petrographisch nicht zu unterscheidenden Ge- 
steinen Wealden- und Hilspetrefacten gefunden hätte. Struck- 
mann hat später (Neues Jahrb. 1891, Bd. I, S. 117) bei Be- 
sprechung dieses Profils erklärt, er hätte das nicht gefunden bezw. 
er könnte die Gesteine unterscheiden und hat sich damit über die 
Sache hinweggesetzt. Abgesehen davon, dass damals die be- 
treffenden Schichten nicht mehr aufgeschlossen gewesen zu sein 
scheinen, ist damit doch die Angabe eines Mannes wie H. Römer 
nicht aus der Welt geschafft 3 ). Ebenso haben später Seebach 
(Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1871, S. 777) und Böhm (Zeitschr. 
d. Deutsch, geol. Ges. 1877, S. 224) aus den Grenzschichten von 

*) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1884, S. 59. — Dieses Jahrb. für 1889, 
S. 66 u. 69. 

2 ) Für diese zwar noch nie bestrittene, aber wie es scheint in Vergessenheit 
gekommene Angabe habe ich nach Abschluss dieser Arbeit noch eine' uner- 
wartete Bestätigung gefunden. In den Sammlungen der König!, preuss. geol. 
Landesanstalt fand sich eine aus der ScHLÖNBAcröschen Sammlung herstammende 
Reihe von Versteinerungen aus dem Wealden des Osterwaldes, die neben ver- 
schiedenen Cyrenen noch Pisidium exaratum Dunic. und zwei kleine Ammoniten 
enthält. Diese stimmen, wie ich durch Vergleichung mit dem von Nf.umayb 
und Uhlig beschriebenen (Palaeontographica Bd. 27, S. 157, Taf. 29, Fig. 2), 
jetzt im naturhistorischen Museum der Universität Berlin aufbewahrten Original 
des Olcostephanus marginatus (Phill.) A. Röm. feststellen konnte, mit dieser Form 
so genau überein, wie es in Anbetracht des Altersunterschiedes der Stücke nur 
möglich ist, so dass an einer Identität der Formen nicht zu zweifeln sein dürfte. 

s ) Bei dieser Gelegenheit sei noch auf einen anderen Punkt dieser 
SiKucKMANN’schen Arbeit hingewiesen. In seiner Polemik gegen die von Denck- 
mann aus stratigraphischen Gründen verfochtene Zugehörigkeit der Sehnder 


176 


C. Gagel, Beiträge zur Kenntniss des Wealden 


Ilils und Wealden in der Hilsmulde das Zusammenvorkommen 
von Belemnites subquadratus A. Röm. mit Unionen und Paludinen 
beschrieben. Dazu behauptet Struckmann (Dieses J ahrb. für 1 889, 
S. 69), diese Thatsachen ständen nicht unzweifelhaft fest, die 
Versteinerungen könnten nicht aus anstehenden, sondern aus zu- 
sammengeschwemmten Schichten gesammelt sein, Böhm hätte sich 
nicht mit voller Bestimmtheit ausgesprochen. 

Ich glaube kaum, dass ein unbefangener Leser der betreffen- 
den Stelle Struckmann’s Ansicht darüber theilen wird; — mag 
dem aber nun sein, wie ihm wolle, in diesem Borgloher Bohr- 
loch IV ist die Wechsellagerung von Hils und Wealdenbildungen, 
sowie das Auftreten von Schichten mit vollständiger Mischfauna, 
darunter Oxynoticeras heteropleurum Neum. , so unzweifelhaft und 
an der Hand der vorhandenen Bohrkerne zu beweisen, dass da- 
mit dieser Einwand von Struckmann definitiv beseitigt ist. 

Es hätte aber selbst dieses Beweises nicht bedurft, um die 
Unhaltbarkeit der STRüCKMANN’schen Ansicht darzuthun, denn 
Struckmann giebt selbst die concordante Ueberlagerung der 
Wealdenbildungen durch den Hils zu. 

Wäre wirklich, wie Struckmann sich das denkt, nach der 
Ablagerung des Wealden ein längerer Zeitraum verflossen, in 
dem für das betreffende Gebiet eine Festlandsperiode eintrat, 


Wealdenbildungen zur Kreide behauptet Struckmann im Gegentheil das jurassische 
Alter dieser Schichten aus ihrer Wechsel lagerung mit »unzweifelhaften Jura- 
schichten* naehweisen zu können (1. c. S. 127). Unter diesen »unzweifelhaften 
Juraschichten« können nur seine »marinen Schichten« 9, 10 und 13 verstanden 
sein. Yon diesen führt Schicht 9 Ostrea distorta und Exogyra bulla , wie Struck- 
mann vorher selbst zugiebt, Charakterformen des englischen Purbeck. Schicht 10 
(1. c. S. 123) enthält neben sieben vom Kimmeridge bis zum Portland bekannten 
Formen ( Ostrea rugosa, Anomia jurensis , Mytilus autissiodorensis , Anisocar dia 
Legayi , Oyprina Brongniarti, Cyrena rugosa und Neritoma sinuosa ) noch Cyrena 
subtransversa , Cyrena tenuis , Cyrena angulata, Mytilus membranaceus , Melania 
strombiformis (häufig), Gervillia arenaria, alles Arten, die, mit Ausnahme der 
letzten, nur aus Wealdenschichten bekannt sind, während die letztere von 
Wealdenthon bis zum oberen Kimmeridge vorkommt. 

Schichten mit einer derartigen Fauna können doch wohl nicht gut »un- 
zweifelhafte Juraschichten« genannt und als Beweise für die vorliegende Frage 
gebraucht werden. 


in der Gegend von Borgloh-Oesede etc. 


177 


(Dieses Jahrb. für 1889, S. 70), so hätte doch die während 
dieser Festlandsperiode stattfindende Denudation, sowie die beim 
Hereinbruch des Hilsmeeres eintretende Abrasion der trockenge- 
legten Wealdenschichten eine merkbare Discordanz hervorbringen 
müssen, von der aber nirgends eine Spur beobachtet ist, — im 
Gegentheil wird von allen Seiten und auch von StruckmaNN 
selbst die vollständige Concordanz beider Bildungen besonders 
hervorgehoben. 

Weshalb an der Grenze beider Bildungen also augenscheinlich 
so selten Schichten mit einer Mischfauna auftreten und ob dieses 
seltene Auftreten der Mischfauna in der That der Fall und nicht 
nur ein Mangel der Beobachtung ist, lässt sich heute natürlich 
nicht entscheiden — dass solche Mischfauna und Wechsellage- 
rungen der Schichten in Deutschland aber überhaupt auftreten, 
steht jetzt jedenfalls zweifellos fest und damit ist der letzte von 
Struckmann geforderte Beweis für die Zugehörigkeit des Wealden 
zur Kreideformation erbracht 1 ). 

Ist nun so die Gleichaltrigkeit des Wealdenthons mit dem 
Hilsthon festgestellt, so fragt sich nur noch, welche von den tiefer 
liegenden Schichten ebenfalls noch zur Kreideformation zu ziehen 
sind. Es fehlen nun noch die Aequivalente für die tiefsten Kreide- 
horizonte, die in Norddeutschland zum Theil durch die tieferen 
Schichten des Hilsconglomerates, zum Theil überhaupt nicht ver- 


x ) Um noch einer eventuellen Wiederholung des Einwandes zu begegnen, 
mit dem Struckmann die in England beobachtete Wechsellagerung der Schichten 
des Wealdclay mit solchen des lower greensand als nicht für den Wealden im 
Allgemeinen beweiskräftig sich zu erweisen bemüht, nämlich dass der obere 
Wealden in England sehr viel mächtiger entwickelt sei als in Deutschland, dass 
also die in Wechsellagerung mit dem lower greensand gefundenen Schichten er- 
heblich jünger sein könnten als der deutsche Wealdenthon, möchte ich noch 
einmal besonders darauf hinweisen, dass erstens das Bohrloch III ebenfalls eine 
Mächtigkeit von 290 Meter für den Wealdenthon ergeben hat und zwar ohne 
bemerkenswerthe Störung der Schichten, so dass hier also die mächtigste englische 
Entwickelung vollkommen erreicht wird und zweitens, dass die bei Borgloh 
beobachtete Wechsellagerung sich nicht etwa an dieser Stelle der grössten Mäch- 
tigkeit, sondern an einem Punkte findet, wo der Wealdenthon nur 165 Meter 
mächtig ist. 


Jahrbuch 


12 


178 


C. Gagel, Beiträge zur Kenntniss des Wealden 


treten sind (Zonen des Belemnites latus und des Iloplites priva- 
vensis und occitannicus'). 

Von den leitenden Cephalopodenformen oder sonstigen cha- 
rakteristischen Arten findet sich keine Spur in den tieferen Weal- 
denbildungen , eine absolut sichere und genaue Identificirung ist 
also nicht möglich. Das Auskunftsmittel, auf das Denckmann 
(Neues Jahrb. 1890, Bd. II, S. 97 und 1891, Bd. II, S. 105) hin- 
gewiesen hat, in strittigen Fällen die Grenze dahin zu legen, wo 
durch das Auftreten von Abrasionsdiscordanzen sich das Eintreten 
von grossen Veränderungen der physikalischen Verhältnisse be- 
merkbar macht, mit denen die Veränderung der marinen Faunen 
wahrscheinlich in ursächlichem Zusammenhang gestanden hat, hilft 
im vorliegenden Falle auch nicht viel, da, wie schon erwähnt, die 
Discordanz bis jetzt nur an zwei Stellen beobachtet ist, wo die 
nach Eintreten derselben abgesetzten Schichten mit der typischen 
Ausbildung der Wealdenformation so wenig Aehnlichkeit haben, 
dass die Discordanz hier nur den allgemeinen Beweis der Zu- 
gehörigkeit des Wealden zur Kreide verstärkt, für die Abgrenzung 
der typischen Wealdenbildungen aber kein Hülfsmittel bietet. In 
den meisten Fällen hat, worauf stets nachdrücklich hingewiesen 
zu haben, das Verdienst Struckmann’s ist, ein so allmählicher 
und lückenloser Uebergang zwischen den Jura- und Wealden- 
schichten stattgefunden, dass der Zusammenhang der einzelnen 
Schichten ein sehr inniger und dass also eine ganz natürliche 
Grenze überhaupt nicht zu ziehen ist, weil eine solche natürliche 
Grenze immer schnell eintretende physikalische Veränderungen als 
Grund voraussetzt, für die sich hier eben kaum ein Anhaltspunkt 
findet. 

Dass also ein aus systematischen Gründen vorzunehmender 
Schnitt in solchem Falle nicht allen Beziehungen gerecht werden 
kann, ist evident; man muss ihn denn aber doch so legen, dass 
er den natürlichen Verhältnissen am wenigsten widerspricht. 

Sehen wir daraufhin die Folge der Sedimente durch, so 
finden wir, dass der mittlere Wealden (Hastingssandstein) zum 
Wealdenthon und der Serpulit zum mittleren Wealden so enge 
Beziehungen haben, dass hier die Grenze mit kaum grösserer Be- 


in der Gegend von Borgloh-Oesede etc. 


179 


rechtigung als oberhalb des Wealdenthons gezogen werden kann. 
Die bis jetzt bekannte äusserst spärliche Fauna der Münder Mergel 
besteht aus zwei Formen Corbula alata Sow. und Corbula inflexa 
A. Röm., die aus dem oberen Jura bis in den Wealdenthon reichen, 
und zwei anderen — Littorinella Schusteri Dunk, und Gyrena sub- 
transversa A. Röm. — die nur noch aus den hangenden Schichten 
bekannt sind; sie schliesst sich mithin ebenfalls enger an den 
Wealden als an den Jura an. 

Andererseits beweist die Ablagerung dieser mächtigen, so gut 
wie fossilfreien Sedimente, die von Schichten mit verhältnissmässig 
reichen Faunen überlagert und unterteuft werden, dass zu dieser 
Zeit immerhin eine Veränderung der physikalischen Verhältnisse 
stattgefunden haben muss, was sich auch darin ausspricht, dass, 
wenn auch eine Zahl von Jurafossilien diese Periode überdauert 
und in den hangenden Schichten wieder auftritt, doch auch eine 
recht erhebliche Anzahl von Formen des oberen Jura die Grenze 
der Plattenkalke zu den Münder Mergeln nicht überschreitet, 
sondern hier ausstirbt, so dass die Plattenkalke selbst wieder viel 
ausgeprägtere Beziehungen zu den Schichten des oberen Jura 
als zu den Wealdenbildungen aufweisen (Struckmann, Zeitschr. 
d. Deutsch, geol. Ges. 1887, S. 35). 

Es bleibt also als natürlichste, den thatsächlichen Verhält- 
nissen am wenigsten widersprechende Grenze zwischen Jura und 
Kreide die obere Grenze der Eimbeckhäuser Plattenkalke be- 
stehen, so dass die Purbeckschichten (Münder Mergel und Serpulit) 
als unterstes Glied dem Wealden und dieser als Ganzes der 
Kreideformation zuzurechnen ist. 


12 ! 


Die baltische Endmoräne in der Neumark 
und im südlichen Hinterpommern. 

Yon Herrn Konrad Keilhack in Berlin. 

(Hierzu Tafel XI Y.) 


Durch eine in nächster Zeit bevorstehende Veröffentlichung 
von Gottscfie über die Endmoräne in Schleswig-Holstein 1 ), durch 
die soeben erschienene Uebersichtskarte derjenigen Mecklenburgs 
von Geinitz 2 ) und durch die in diesem Jahrbuche veröffentlichten 
Arbeiten von Berendt und Wahnschaffe 3 ) über die uckermärki- 
schen, von mir 4 ) über die hinterpommerschen Endmoränenzüge 
ist der Verlauf der Hauptendmoräne Norddeutschlands von der 
dänischen Grenze bis zur Weichsel, d. h. in einer Länge von 
insgesammt 1000 Kilometer bekannt gegeben. Nur eine grössere 


b Vortrag darüber in Goslar im August 1893 gehalten. Siehe Protokoll- 
notiz in Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1893, S. 540. 

2 ) E. Geinitz, Die Endmoränen Mecklenburgs. Mitth. aus der Grossherz. 
Meckl. Geol. Landesanstalt IV. 4°. Rostock 1894. Mit Karte. 

3 ) G. Berendt und F. Wahnschaffe, Ergebnisse eines geologischen Aus- 
fluges durch die Uckermark und Mecklenburg- Strelitz. Dieses Jahrb. für 1887, 
S. 363—371. 

G. Berendt, Die beiderseitige Fortsetzung der südlichen baltischen End- 
moräne. Dieses Jahrb. für 1888, S. 110 — 122. 

4 ) K. Keilhack, Der baltische Höhenrücken in Hinterpommern und West- 
preussen. Dieses Jahrb. für 1889, S. 149 — 214 und Zeitschr. d. Deutsch, geol. 
Ges. 1889, S. 156. 


Konrad Keilhack, Die baltische Endmoräne in der Neumark etc. 181 


Lücke findet sich noch in dem Gebiete zwischen der Oder und der 
Gegend von Dramburg im südlichen Hinterpommern, eine Lücke, 
die ungefähr eine Länge von 150 Kilometer besetzt. Auf mehreren 
Reisen in den Jahren 1890, 91 und 92, sowie' bei Gelegenheit 
der Begehung der Bahnlinien Stargard-Callies und Arnswalde- 
Callies im Frühjahr dieses Jahres (1894) habe ich auch diese Lücke 
grösstentheils ausfüllen können und glaube zur Ergänzung jenes 
Moränenzuges zu einem geschlossenen Ganzen mit einer genaueren 
Veröffentlichung meiner Beobachtungen nicht mehr zögern zu sollen. 

Das zwischen Dramburg und Soldin gelegene Stück der End- 
moräne (100 Kilometer) habe ich allein kartirt; die Beobachtungen 
zwischen Soldin und Vietnitz an der Stettin-Ciistriner Bahn würden 
auf einer gemeinschaftlichen Reise mit Herrn Dr. Schröder ge- 
macht; und die Mittheilungen über die Endmoränen zwischen 
Vietnitz und dem Oderthaie verdanke ich Herrn Dr. Schröder, 
der mir freundlichst gestattete, über dieselben im Anschluss an 
meine eigenen Beobachtungen zu berichten. 

In der Eingangs angeführten Arbeit habe ich den Verlauf 
der hinterpommerschen Endmoräne eingehend bis Dramburg be- 
schrieben und in einer Schlussbemerkung, die ich während des 
Druckes noch hinzufügen konnte, den weiteren Verlauf der- 
selben bis in die Gegend von Soldin kurz skizzirt. Ich knüpfe 
die genauere Beschreibung an derselben Stelle an. 

Die Stadt Dramburg liegt in einer flachen von der Drage 
durchflossenen Sandebene. Nördlich, nordwestlich und westlich 
von der Stadt grenzt dieser als Sandr aufzufassende Sandcomplex 
an typische Moränenlandschaft, aber der äussere Rand derselben 
ist hier nicht als Endmoräne entwickelt. Von der Südseite des 
Sarranzig-Sees bis nach Janikow, wo eine mächtige Sandmasse 
den verschütteten, einst nach S. gerichteten Abfluss des Rosen- 
felder und Sabitz-Sees anzuzeigen scheint, wurden trotz der all- 
gemeinen Lehmbedeckung nirgends nennenswerthe Geschiebean- 
häufungen beobachtet. Erst zwischen Bernsdorf und Janikow setzt 
die Endmoräne mit Kieskuppen und ungeheuren Steinhaufen auf 
den Feldern wieder ein, aber nur, um alsbald über die Golzer 
pnd Gienower Mühle, über Henkenhagen und den Schlossberg 


182 Konrad Keilhack, Die baltische Endmoräne in der Neumark 

auf die zwischen dem Rosenfelder See und der Eisenbahn liegen- 
den Höhen nach Nordwest zurückzubiegen. Der Gegenflügel 
dieser Zurückbuchtung beginnt wahrscheinlich schon in den hohen 
Kuppen des Wangeriner Stadtwaldes, wurde aber erst von der 
Kreisgrenze bei Karlsthal an wieder beobachtet, wo die End- 
moräne bereits ihre alte Richtung NO. — SW. wieder angenommen 
hat. Hier beginnt ein ganz schmaler, hoher, wohl entwickelter 
Endmoränenkamm von gradezu typischer Beschaffenheit, der genau 
auf der Grenze zwischen der fruchtbaren, mit Laubwald be- 
standenen und mit zahlreichen Gehöften bedeckten lehmigen 
Moränenlandschaft und der spärlich bewohnten, nur Nadelwald 
tragenden Sandebene liegt. Dieses Verhältniss bleibt nun auf 
mehr als 3 Meilen Länge; auf den beiden Messtischblättern 
Nörenberg und Gr. Mellen kann man mit einem Blicke auf’s Beste 
diese beiden total verschiedenen Landschaftsformen erkennen und 
unterscheiden. Der Endmoränenkamm zieht sich als solcher von 
dem südöstlichsten Carlsthaler Gehöft an um die Südseite des an 
den Grossen und Kleinen Rothsee sich anschliessenden Moores 
herum. Hier setzt sie ab, und ihre Fortsetzung liegt im Walde 
nördlich des Gr. Rothsees, von wo sie in Form einer Reihe von 
Steinkuppen, die durch geschiebebedeckte Grundmoräne verbunden 
sind, ungefähr der Chaussee folgend, sich auf den Pietschen See 
zu zieht. Auf der Westseite desselben beginnt ein ganz prächtiger, 
schmaler, aus Geschiebepackung gebildeter Kamm, der 1,5 Kilometer 
weit bis zum östlichsten Punkte des Drenzig-Sees reicht. Nun 
folgt in der Endmoräne eine 1,5 Kilometer lange Lücke, in welcher 
der nach Osten hin einfach gestaltete, nach Westen hin mit 5 
tiefen Buchten in’s Land eingreifende Enzig-See, ein typischer 
Grundmoränensee, liegt. Von ihm aus läuft eine alte Schmelz- 
wasserrinne, in welcher eine Reihe von Seen liegen, nach Osten, 
vereinigt sich in 15 Kilometer Entfernung bei Welschenburg mit 
einer zweiten, aus der Henkenhagen-Ginower Einbuchtung der 
Endmoräne von NW. herkommenden Rinne und läuft mit dieser 
zusammen in die Rinne des Grossen Lübbesees. 

S. von Nörenberg nimmt die Endmoräne eine fast genau 


und im südlichen Hinterpommern. 


183 


nordsüdliche Richtung mit ganz flacher Ausbiegung nach Osten 
an, die sie auf eine Länge von 45 Kilometer bis zu der an der 
Stargard - Kreuzer Eisenbahn liegenden Bahnstation Augustwalde 
beibehält. Die nördliche Hälfte dieses Endmoränenstückes besitzt 
folgenden Charakter: die Moränenlandschaft wird von W. nach O. 
immer bewegter und steigt höher und höher hinan. Ihr östlicher 
Rand wird in einer Breite von 500 — 1000 Meter von sehr grossen 
Mengen grosser und kleiner Geschiebe bedeckt, zwischen denen 
eine Anzahl ganz und gar aus Blockpackung bestehender Kuppen 
liegen. Unterbrechungen der Endmoränen lassen sich nur da 
beobachten, wo Seen liegen (Nethstubben- , Cremminer und Gr. 
Kirttkow-See). Der genaue Verlauf der Endmoräne ist folgender: 
sie beginnt unmittelbar S. von Nörenberg, bildet die Halbinsel 
im Nethstubben- See, läuft am O.- Rande der Kremminer Forst 
auf den Kremminer See zu und verläuft nun vom O. -Rande des 
letzteren über Vorwerk Karlsruhe, zwischen Gr. Silber und 
Kl. Spiegel über den 145 Meter hohen Luftberg, dann nach Osten 
ausbiegend über Vorwerk Kreuz auf Nantikow zu. Schon vor 
diesem Orte aber hört sie mitten im Felde mit einigen kleinen 
Steinkuppen und zusammengelesenen Steinhaufen auf, und ihre 
Fortsetzung bis Augustwalde kann man nur an einzelnen, meist 
ungefähr auf der Grenze zwischen Lehm- und Sandgebiet liegen- 
den Steinkuppen erkennen. Zweifellos wird die Zahl derselben, 
da sie häufig in kleinen Wäldchen oder mitten im Felde zerstreut 
liegen, bei der speciellen geologischen Kartirung sich noch wesent- 
lich grösser erweisen, als sie nach den Beobachtungen einer ein- 
maligen Begehung des Gebietes jetzt angegeben werden kann. 
Die beobachteten Punkte liegen: 

am Südwestrande des Schleussenbruches zwischen Kratznick 
und Buchholz; 

südlich und südwestlich von Cölpin in der Nähe der 
Eisenbahn; 

zwischen Rohrbeck und Selnow; 
westlich und südlich von Plagow; 
in der Nähe des Bahnhofes Augustwalde. 


184 Konrad Keilhack, Die baltische Endmoräne in der Neumark 


Bei Augustwalde ändert die Endmoräne ihre Richtung, indem 
sie nach Westsüdwest umbiegt; diesen Verlauf behält sie bis 
Schöneberg, d. h. auf eine Länge von 45 Kilometer bei. 

Die beobachteten Stücke dieses Theiles der Endmoräne be- 
ginnen in der Arnswalder Stadtforst zwischen Sch wachen walde 
und Gerzlow und zwischen Gerzlow und Kriening; letzteres Stück 
bildet einen nach S. convexen Bogen mit vortrefflichen Kuppen 
aus Steinpackung, die besonders hart am Dorfe Kriening sehr 
gehäuft sind. 

Nach einer Unterbrechung durch den grossen Puls-See, eine 
Austrittsstelle der Schmelzwasser, durch welche die südlich ge- 
legenen Rinnenseen gebildet wurden , folgt die Fortsetzung der 
Endmoräne N. von Hasselbusch und lässt sich über Herzfelde, 
Amalienhof und Oberförsterei Neuhaus bis zu den sogenannten 
Plönequellen verfolgen. Dann kommt wieder eine Unterbrechung, 
in welcher der Berlinchener See mit zwei nach S. gerichteten Ab- 
flussrinnen liegt; jedoch liegen auch im Walde S. vom See einige 
kleine Steinkuppen. Vom Tobelhof setzt die Endmoräne in Form 
von Geschiebeschüttung der oft sehr sandigen Oberfläche sich fort 
über Forsthaus Kerngrund in der Richtung nach Kienitz. 

Nach der Lücke, in welcher der grosse Karziger See liegt, 
folgt die durch eine Reihe von Steinkuppen bezeichnete Fort- 
setzung der Endmoräne S. vom Zumbolt-See und geht, nördlich 
an Hollin und südlich am Faulen See vorbei mitten in das Dorf 
Schöneberg. 

Hier beginnt abermals eine Veränderung der Richtung: die 
Endmoräne verlauft von Schöneberg bis an das Oderthal in einer 
Länge von 50 Kilometer in fast ostwestlicher Richtung. Von 
diesem ganzen Zuge sind die ersten und die letzten 7 Kilometer 
ausgezeichnet entwickelt, während auf der langen Zwischenstrecke 
nur vereinzelte Punkte den Verlauf der Endmoräne andeuten. 
Die ersten 7 Kilometer, die zwischen Schöneberg und dem von 
Mietzelfelde nach Staffelde führenden Wege liegen, bilden be- 
sonders im mittleren Theile einen scharf hervortretenden, mit 
ungeheuren Grand- und Steinmassen bedeckten und z. Th. aus 
demselben Materiale bestehenden Rücken, von dem aus man einen 


und im südlichen Hinterpommern. 


185 


weiten Blick über die südlich vorliegenden ebenen Sandflächen 
hat. Es folgt nunmehr südlich vom Soldiner See wieder eine 
Lücke in der Endmoräne. Der nächste beobachtete Punkt bei 
der Haltestelle Rostin ist von Läufer *) aufgefunden und das 
während des Bahnbaues aufgeschlossene Profil von ihm zwar falsch 
gedeutet, aber ausgezeichnet in Fig. 7 auf Taf. XVI der ange- 
gebenen Arbeit abgebildet. Nach mündlicher Mittheilung des 
Besitzers des Gutes Rostin ist der südliche Rand seines Lehm- 
ackers durch das Auftreten sehr grosser Steinmengen ausgezeichnet; 
vermuthlich fällt der Rostiner Fuchsberg in die Endmoräne hinein. 

Nach abermaliger Lücke folgen Geschiebeanhäufungen bei 
Pinnow und im Zernikower Walde, die sich bei genauerer Unter- 
suchung wahrscheinlich als durch viele Zwischenpunkte verbunden 
erweisen worden, und dann das Beschüttungsgebiet zwischen 
Pätzig und Wartenberg, sowie die blockreichen Endmoränen dicht 
bei dem Gute Hohen -Wartenberg. Bei dem jetzt verschwundenen 
Pätziger Vorwerke Brewitz sahen wir hart am Wege eine End- 
moränenkuppe, die zur Hälfte abgebaut war und im Querschnitt 
prächtig die regellose Blockpackung des ganzen Hügels erkennen 
liess. Das Gebiet südlich vom Gellmer See ist mit grossen 
Geschiebemassen wie übersät, unter denen sich sehr zahlreiche 
rothe, versteinerungsreiche Kalksteine befinden. 

Zwischen Hohenwartenberg und Mohrin ist zwar die Grenze 
der Endmoränenlandschaft gegen das vorlagernde Sandgebiet sehr 
scharf, aber nicht durch nennenswerthe Geschiebemassen als End- 
moräne charakterisirt. Dieser Rand verläuft in einem flachen 
Bogen über Beigen, Gossow und Charlottenhof auf die Südspitze 
des Mohriner Sees zu. Bei Beigen steht rechtwinklich zu diesem 
Rande ein Trockenthal, durch welches die Wasser des heute nach 
N. abfliessenden Belgen-Sees einst nach S. ihren Weg nahmen. 

Bei Mohrin beginnt das letzte Stück der neumärkischen End- 
moräne, welches südlich an Gr. Wubiser und Dürren -Selchow 
vorbei auf Karlstein zuläuft und dort, nur noch 2,5 Kilometer 


b E. Läufer, Aufschlüsse in den Einschnitten der Stargard-Küstriner-Eisen- 
bahn. Dieses Jahrb. für 1881, S. 523 — 534. 


186 Konrad Keilhack, Die baltische Endmoräne in der Neumark etc. 

vom Rande des Oderthals entfernt, endigt. In diesem letzten 
Theile ist die Endmoräne, besonders bei Karlstein und Dürren- 
Selchow, wieder sehr gut als Kamm ausgebildet, der aus mächtigen 
Blockpackungen besteht, die gradeso wie auf der andern Seite 
des Odertbales zur Steingewinnung ausgebeutet werden. 

Fast das ganze neubeschriebene Stück Endmoräne, nämlich 
der 140 Kilometer lange Theil von Zehden bis Nörenberg, gehört 
einem einzigen ungeheuren Bogen an, der fast überall die charakte- 
ristische Grenzlage zwischen Moränenlandschaft und Sandebene 
einnimmt. Dass er gleichaltrig mit der hinterpommerschen End- 
moräne ist und mit ihr ein zusammengehöriges Ganze bildet, steht 
fest. Dagegen lässt sich heute noch kein sicheres Urtheil darüber 
abgeben, welcher der uckermärkisch- mecklenburgischen End- 
moränenzüge als seine westliche Fortsetzung zu betrachten ist. 
Die Beantwortung dieser Frage dürfen wir von Herrn Dr. Schröder 
erwarten, der mit der Speeialbearbeitung der Blätter Zehden und 
Oderberg beschäftigt ist, auf denen die Entscheidung zu suchen ist. 


Notiz über ein Vorkommen von Mittel oligocän 
bei Soldin in der Neumark. 

Von Herrn Konrad Keilhack in Berlin. 


Bei Gelegenheit der Begehung und Kartirung des Baltischen 
Endmoränenzuges in der nördlichen Neumark entdeckte ich in 
der Nähe der Stadt Soldiu, am Wege nach Mietzelfelde , in der 
grossen Ziegeleigrube nördlich des Weges, ein neues Vorkommen 
von Septarienthon und tertiärem Sande (wahrscheinlich Stettiner 
Sand), welches deshalb bemerkenswerth ist, weil es der erste 
Punkt ist, an welchem innerhalb der Moränenlandschaft 
zwischen Oder und Weichsel ältere als diluviale Schichten beob- 
achtet sind. Der kalkhaltige Septarienthon wird auf der Nord- 
seite der Grube von Oberem Geschiebemergel überlagert, auf der 
Südseite dagegen von feinen Quarzsanden, in welchen in mehreren 
Schichten scherbige Thoneisensteinknollen eingelagert sind. Ver- 
steinerungen konnten in letzteren nicht gefunden werden. Der 
Thon enthält zahlreiche Septarien, die aber nicht aus kohlen- 
saurem Kalke, sondern aus thonigem Sphärosiderit bestehen. 
Von grösseren organischen Resten fanden sich nur winzige, un- 
bestimmbare Bruchstücke; dagegen lehrte eine genaue Betrachtung 
der Oberfläche des während des Winters verwitterten abgebauten 
Thories, dass derselbe eine nicht unbeträchtliche Menge Fora- 
miniferen enthielt. Eine mitgenommene Probe wurde von Herrn 
Mechaniker G. Schacko freundlichst untersucht; derselbe fand 


188 Konrad Keilhack, Notiz über ein Vorkommen von Mitteloligocän 


darin ausser Bruchstücken von Nucula Chastelii folgende Arten 

von Foraminiferen: 

Miliodinae. 

1. Spiroloculina limbata Bornemann. 

2. Miliolina tenuis Czyz. 

3. » impressa Reuss var. subovalis Andreae. 

Peneroplidinae. 

4. Cornuspira polygyra ReüSS. 

Lituolinae. 

5. Haplophragmium placenta ReüSS. 

6. » affinis ReüSS. 

7. » latidorsata Bornemann. 

T e x tu l ar in a e. 

8. Bolivina elongata v. Hantken. 

Chilostomellidae. 

9. Chilostomella cylindroides ReüSS. 

Lagenidae. 

10. Lagena vulgaris = laeois Williamson. 

11. » hispida ReüSS. 

12. » marginata ReüSS. 

13. Nodosaria Orbignyana Neugeboren. 

14. » Ewaldi Reuss. 

15. » soluta Bornemann. 

16. Dentalina consobrina d’Orb. 

17. » elegans d’Orb. 

18. » obliquistriata Reuss. 

19. Frondicularia seminuda ReüSS (sehr häufig). 

P o ly m o r p h i nin a e. 

20. Polymorphina semiplana Reuss. 

21. Uvigerina gracilis ReüSS (sehr häufig). 


bei Soldin in der Neumark. 


Globigerinidae. 

22. Globigerina bulloides d’Orb. 

23. Sphaeroidina variabilis ReüSS. 

24. Pullenia quinqueloba ReüSS. 

Rotalidae. 

25. Discorbina Boueana var. BrinJchorsti d’Orb. 

26. Truncatulina Ungeriana d’Orb. (häufig). 

Nummulinidae. 

27. Polystomella umbilicatula Montf. 


Das Profil der Eisenbahnen Arnswalde-Callies 
und Callies-Stargard. 

Von Herrn Konrad Keilhack in Berlin. 

(Hierzu Tafel XIV.) 


Im Frühjahr 1894 erhielt ich von der Direction der Königl. 
geologischen Landesanstalt den Auftrag, die im Bau begriffenen 
Eisenbahnlinien Arnswalde-Callies und Stargard-Callies zu be- 
gehen, und die in den zahlreichen Einschnitten aufgeschlossenen 
Profile vor der Abdeckung zu untersuchen und aufzunehmen. 
Wie aus der dieser Abhandlung beigegebenen Taf. XIV zu er- 
sehen ist, besitzen die von den beiden Bahnen durchschnittenen 
Gebiete in geologischer Beziehung viel Uebereinstimmendes. Das 
ist um so weniger verwunderlich, als sie beide annähernd recht- 
winklig zum Streichen der dieses Gebiet zusammensetzenden pa- 
rallelen Landschaftszonen verlaufen und nur einen mittleren Ab- 
stand von 8 — 15 Kilometer besitzen. Beide Bahnlinien beginnen 
im W. im Gebiet der ebenen Platten Oberen Geschiebemergels, 
erreichen dann die wechselvoll gestaltete Moränenlandschaft, über- 
schreiten die Endmoräne und durchqueren hierauf den vor der- 
selben liegenden ausgedehnten Sandr (Sand- und Kiesebene), um 
sich südlich von Callies am Ostrande desselben zu vereinigen. 

1. Die Einschnitte der Bahn Arnswalde-Callies. 

2 Kilometer südöstlich vom Bahnhof Arnswalde zweigt sich 
die neue Bahn von der Strecke Stargard- Kreuz ab und über- 
schreitet zunächst die 10 — 15 Meter tief eingeschnittene Rinne, 


Konrad' Keilhack, Das Profil der Eisenbahnen Arnswalde-Callies etc. 1 9 1 

in welcher die Arnswalder Seenkette liegt. In dem etwa 200 Meter 
langen, 5 Meter tiefen Einschnitte, in welchem die Bahnlinie sich 
in die Thalrinne hinein begiebt, sieht man in der in Fig. 1 


Pig. 1. 



M = Oberer Geschiebemergel. L = Lehmige Verwitterungsrinde desselben. S = Unterer Sand. 

angegebenen Lagerung den oberen Geschiebemergel, unterlagert 
von Unterem Sande mit wellig bewegter, an zwei Stellen die 
Geschiebemergeldecke durchstossender Oberfläche. Die Mächtig- 
keit der Verwitterungsdecke über dem Geschiebemergel beträgt 
l 1 /* — 2 Meter. 

Der Geschiebemergel zieht sich fast ganz in die Rinne hinein, 
so dass nur an deren unterstem Rande der Sand zu Tage tritt. 

Auf der Ostseite der Rinne durchschneidet die Bahn einen kleinen 
Rücken, der vom Senzig-See eine Bucht abtheilt; dieser Rücken 
besteht aus einem mit dem Unteren Sande der westlichen Thal- 
seite gleichalterigen Schluffsande. Nun folgt 5 Kilometer weit 
eine ziemlich ebene, gleichmässig mit Oberem Geschiebemergel 
bedeckte Hochfläche, bis zwischen Wardin und Radun das Aus- 
sehen des Geländes sich vollkommen ändert, in kurz bewegtem 
Terrain zahlreiche geschlossene Depressionen sich einstellen, und 
die Moränenlandschaft beginnt. Die unebene Oberfläche zwang 
zu zahlreichen tiefen Einschnitten, so dass deren innerhalb der 
5 Kilometer langen Strecke zwischen den Haltestellen Wardin 
und Zühlsdorf nicht weniger wie 10 folgen. Die Bohrung für 
den Wirthschaftsbrunnen auf der Haltestelle Wardin ergab eine 
Mächtigkeit des Oberen Geschiebemergels von 6 Meter. Unter 
ihm wurde bis zu 21 Meter Tiefe Sand angetroffen, dessen unterste 
4 Meter Wasser führten. Der Einschnitt dicht bei der Haltestelle 
westlich des Rietziger Weges zeigt zu oberst eine stark ver- 
waschene, dünne, 1/2 — 1 Meter mächtige Geschiebelehmdecke, die 
z. Th. sogar noch dünn mit Decksand beschüttet ist und darunter 
geschichtete Sande mit Mergelsandstreifen und Grandbänken. Der 


192 


Konrad Keilhack, "Das Profil der Eisenbahnen 


östlich des Rietziger Weges sich unmittelbar anschliessende 5 Meter 
tiefe Einschnitt zeigt unter einem Meter Geschiebelehm eine 
ebenso starke Folge von Sand- und Grandschichten in unregel- 
mässiger Wechsellagerung un,d darunter 3 Meter reinen Sandes. 
Die beiden nächsten Einschnitte sind flach und zeigen, der west- 
liche Mergelsand, der östliche Spathsand unter dem Geschiebe- 
mergel. Nun folgt der bis 8 Meter tiefe, 250 Meter lange Ein- 
schnitt an dem westlichen der beiden von Rietzig nach Kürtow 
führenden Wege. Er enthält unter einer nach O. immer dünner 
werdenden Geschiebemergeldecke eine mächtige Folge geschichteter 
Sande. 200 Meter weiter östlich überschreitet die Bahn das 
schmale Erosionsthal des Stävenitzbaches ; beiderseits desselben 
tritt unter dem Geschiebemergel der Untere Sand zu Tage, auf 
der Ostseite zahlreiche Osteocollen von ausserordentlicher Grösse 
enthaltend. Nun folgen zwischen den beiden von Rietzig nach 
Erdmannsthal führenden Wegen unmittelbar hinter einander zwei 
tiefe Einschnitte, die leider zur Zeit meines Besuches schon z. Th. 
abgeböscht waren, so dass ich kein zusammenhängendes Profil 
mehr gewinnen konnte. Im ersten der 10 — 12 Meter tiefen Ein- 
schnitte folgen unter einer dünnen Geschiebelehmdecke geschichtete 
Sande, die eine mehrere Meter mächtige Mergelsandfolge ein- 
schliessen. Der zweite Einschnitt dagegen wird zu oberst aus 
einem zwar sehr thonigen, aber doch zahlreiche grosse Geschiebe 
führenden Geschiebemergel gebildet, unter welchem reiner Unterer 
Sand folgt. 

Sehr interessant war der Einschnitt südöstlich vom Rietziger 
Amts -See, obgleich auch er nur eine 3 — 4 Meter mächtige, im 
obersten halben Meter entkalkte Geschiebemergeldecke auf Unterem 
Sande zeigte. Das Auffällige sind eine Anzahl von Verwerfungen, 
die in der in Fig. 2 dargestellten Art und Weise Mergel und 
Sand durchschneiden. Da der Verwitterungslehm des Geschiebe- 
mergels von den Verwerfungen nicht mit betroffen ist, so muss 
die Verwitterung jünger sein wie die Lagerungsstörung. Die 
Sprunghöhe der Verwerfungen übersteigt einen Meter nicht. Der 
nächste Einschnitt war bereits abgedeckt, der folgende bei Halte- 
stelle Zühlsdorf, ebenfalls flach, zeigte nur Oberen Mergel. Die 


Arnswalde- Callies und Caliies-Stargard. 
Fig. 2. 


193 



M = Oberer Geschiebemergel. L == Lehmige Yer witterungsrinde desselben. 

S = Unterer Sand. 

beiden letzten Einschnitte in der Moränenlandschaft südlich von 
Zühlsdorf waren ganz flach. 

Es lehren diese Aufschlüsse zwischen Wardin und Zühlsdorf, 
dass in dem von der Bahn durchschnittenen Theile der Moränen- 
landschaft die Hügel nicht, wie an vielen anderen Stellen, in 
ihrer ganzen Masse aus Grundmoränenmaterial bestehen, sondern 
dass sie einen nach der bisherigen nicht unanfechtbaren Bezeich- 
nungsweise als »Unteres Diluvium« zu bezeichnenden Kern ent- 
halten. Sie lehren aber auch, dass dieser Kern nicht das Resultat 
gewaltiger Zusammenschiebungen, Aufstauchungen und Aufpres- 
sungen ist, da er in diesem Falle durchaus nicht die ruhige, oft 
ganz horizontale Lagerung besitzen könnte, die ihm vielfach eigen 
ist. Eher gewinnt man den Eindruck, dass hier eine vorher schon 
fertig gebildete wellige Oberfläche in verhältnissmässig ruhiger 
Weise mit dünner Grundmoräuendecke überkleidet wurde. Diesen 
Hügelkernen aus Mergelsauden, Sanden und Granden möchte ich 
dasselbe jungdiluviale Alter zuschreiben, wie dem Geschiebemergel 
selbst. 

Zwischen Zühlsdorf und Kölpin führt uns die Bahn an den 
Ostrand der Moränenlandschaft und damit an die Endmoräne. 
Zugleich beginnt bei Haltestelle Zühlsdorf der Ersatz des Ge- 

13 


Jahrbuch 1893. 


194 


Konrad Keilhack, Das Profil der Eisenbahnen 


schiebemergels durch den Geschiebesand, der hier, wie die Boh- 
rung des Wirthschaftsbrunnens ergab, eine Mächtigkeit von 9 Meter 
besitzt und nach Angabe des Bohrregisters von »hartem blauen 
Thone«, wahrscheinlich fetten Gschiebemergel, dessen Alter zweifel- 
haft ist, unterlagert wird. Die Endmoräne ist in diesem Gebiete, 
wie ich im vorhergehenden Aufsatze über die baltische End- 
moräne in der Neumark ausgeführt habe, sehr stark verwaschen 
und nur durch verhältnissmässig wenige, flache, aus Steinpackungen 
bestehende Kuppen angedeutet. Drei solcher Kuppen liegen mitten 
in dem von den drei Dörfern Zühlsdorf, Kölpin und ßohrbeck 
gebildeten Dreieck. Zwischen den Geschiebekuppen führt die 
Bahn über eine mit äusserst zahlreichen bis kopfgrossen Ge- 
schieben dicht bedeckte Sandfläche, in der eine Reihe von Torf- 
mooren liegen. 

Hier beginnt die gewaltige vor dem alten Gletscherrande auf- 
geschüttete Sandebene, welche, wie Taf. XIV zeigt, den etwa 
7 Kilometer breiten Streifen zwischen der Endmoräne und der 
Neuwedeller Geschiebemergelhochfläche einnimmt. 

In dieser in ca. 90 Meter Meereshöhe gelegenen Fläche bildet 
die Bahn eine Anzahl von 5 — 8 Meter tiefen Einschnitten , die 
alle einen wohlgeschichteten, nur wenig grandigen Sand enthalten, 
in dem stellenweise kleine Geschiebe sich finden. Im oberen 
Theile ist die Schichtung durch die Verwitterung und Humificirung 
unsichtbar geworden; ganz falsch wäre es, diese oberste unge- 
schichtete Sandmasse für etwas jüngeres, als den darunter fol- 
genden geschichteten Sand zu halten; vielmehr sind beide eines 
Alters und einer Entstehung und als die zu der glacialen Grund- 
moräne der Moränenlandschaft gehörigen fluvioglacialen Bildungen 
aufzufassen. Ihre bedeutende Mächtigkeit offenbart die Bohrung 
für den Wirthschaftsbrunnen auf der Haltestelle Kölpin, die fol- 
gende Schichten durchsank: 

0 — 4 Meter Sand, 

4 — 11 » Scharfer Sand, 

11 —12 » Grober Kies, 

12 — 15,5 » Scharfer Sand, 

15.5- — 18,5 » Grober Kies, wasserführend, 

18.5 — 19 » Feiner Sand. 


Ärnswalde- Callies und Callies - Stargard. 


195 


Dieser Charakter des Sandr bleibt bis an das Ufer der Drage 
südlich von Neuwedell, nur unterbrochen durch die Neuwedeller 
Seenrinne. Die Bahn überschreitet dieselbe zwischen dem Wrieten- 
und Grossen - See auf einem in ein kleines Torfmoor hineinge- 
schütteten Damme. Dabei ist auf beiden Seiten der Torf aufge- 
presst, die Sättel sind parallel dem Bahndamme aufgerissen und 
der unter 2 — 10 Decimeter Torf lagernde Wiesenkalk wird in den 
breiten tiefen Spalten sichtbar. Eine etwas andere Wirkung des 
Druckes konnte ich in einem kleinen Torfmoor in der Moränen- 
landschaft bei einem Rietniger Abbau beobachten: auf der nörd- 
lichen Seite war der Torf in zwei Sättel nebst zugehörigen Mulden 
zusammengefaltet, während die Südseite nur einen Sattel zeigte. 
Die beiden folgenden Bilder geben Profile von beiden Formen 
der Aufpressung. 

Kg. 3. 



Wasser Torf Kalk 

Der Einschnitt unmittelbar westlich von der Dragebrücke 
lieferte das folgende Profil: 

Kg. 4. 



G = Oberer Geschiebesand. T = Thonmergel. 


Unter 4 Meter wohlgeschichtetem Oberen Sande kommt, 
schwächer fallend als das Bahnplanum, ein fetter Thonmergel 
heraus, auf dessen Oberer Grenze die angesammelten Sickerwasser 
als Quellen hervortreten. Ich wage nicht zu entscheiden, ob 
dieser Thonmergel jung- oder altdiluvial ist. 

Mit dem Ueberschreiten der Drage tritt die Bahn in ein 
völlig abweichendes Gebiet, welches oberflächlich aus echtem Ge- 

13 * 


196 


Konrab Keilhack, Das -Profil der Eisenbahnen 


schiebemergel oder diesem sehr ähnlichen Bildungen besteht. Die- 
selben bedecken hier eine etwa 3 — 5 Kilometer breite Fläche, die 
sich von Silberberg über Neuwedell in südöstlicher Richtung auf 
Fürstenau zu erstreckt. Ueber diese rund 100 Meter ü. M. lie- 
gende Geschiebemergelfläche erheben sich eine ganze Reihe von 
Sand- und Kiesbergen, die im Allgemeinen auf einer der Längs- 
erstreckung der ganzen Fläche parallelen Linie angeordnet sind. 
Am nächsten an der Bahn liegt der 26 Meter über die Umgebung 
sich erhebende Weinberg, südöstlich von Neuwedell; eine grosse 
Kiesgrube zeigt, dass dieser Berg eine aus verworren geschichteten 
Sand- und Grandmassen zusammengesetzte Durchragung bildet. 
Die Bahnlinie selbst bildet zwischen Drage und dem Bahnhof 
zwei 3 — 4 Meter tiefe Einschnitte in einem fetten Geschiebemergel, 
der von etwa meterstarker V erwitterungsrinde bedeckt und in der 
Tiefe blaugrau gefärbt ist. Die Brunnenbohrung auf Bahnhof Neu- 
wedell ergab nach Angabe dos geführten Bohrregisters: 

0 — 2,6 Meter Auftrag, 

2,6 — 3,0 » Humus, 

2.9 — 4,9 » Lehm und Mergel, 

4.9 — 19,6 » Thon, 

19.6 — 25,6 » Feiner Sand, 

25.6 — 27,6 » Kies, wasserführend. 

Oestlich vom Bahnhof ändert sich das Verhältniss: dort zeigt 
der lange Einschnitt bei dem Gute Kirschberg eine Geschiebelehm- 
artige Bildung, die in der Hauptsache durch Aufarbeitung von 
Thonen und feinen Schluff- und Mergelsanden entstanden ist; 
der Grundmoränencharakter wird durch die zahlreichen regellos 
durch die Masse vertheilten grossen und kleinen Geschiebe her- 
vorgerufen. Weiter nach dem Schönower Wege zu wird das zu 
einer Art Localmoräne aufgearbeitete Material immer sandiger 
und geht 200 Meter vor dem Schönower Wege in reinen Ge- 
schiebesand über. Dabei enthält derselbe in den ersten Hundert 
Metern eine solche ungeheure Menge von Geschieben, dass man 
unter Berücksichtigung der Lage dieses Punktes auf der Grenze 
zwischen Lehm- und Sandgebiet zu der Meinung geführt werden 
könnte, dass hier eine Art Endmoränenbildung vorliegt. 


Amswalde - Callies und Callies - Stargard. 


197 


Hundert Meter vor dem Schönower Wege hört diese Ge- 
schiebeführung ganz plötzlich auf und es folgt nun die durch die 
Neuwedeller Lehminsel unterbrochene Fortsetzung des grossen 
Sandr. Die Bahn durchquert dieselbe in einer 4 Kilometer 
langen Strecke, überschreitet dann die Denziger Geschiebelehm- 
insel mit einer Strecke von 2,5 Kilometer Länge und liegt mit 
ihren letzten D /2 Kilometer nun abermals auf einer zu dem Sandr 
gehörenden Sandfläche. 

Die wenigen Einschnitte in den beiden genannten Abschnitten 
des Sandr zeigen, wie bei der grossen Entfernung von der End- 
moräne nur natürlich ist, Sande mit nur geringfügigen Beimen- 
gungen grandigen Materiales. 

Das Denziger Plateau verlässt die Bahn in einem Einschnitte, 
welcher die Lagerungsverhältnisse zwischen dem dasselbe bedecken- 
den Oberen Geschiebemergel , der unter demselben lagernden 
Sande und dem im Sandr folgenden Oberen Sande recht gut er- 
kennen liess. Diesem Einschnitte entstammt das folgende Profil 
(Fig. 5 auf S. 199), aus welchem hervorgeht, dass der Geschiebe- 
lehm sich hier nicht unter den Sandr hinunterzieht, sondern unter 
dem angelagerten Geschiebesande sich sehr schnell auskeilt. 

2. Die Einschnitte der Bahn Callies-Stargard. 

Ich werde diese Bahnlinie so wie sie besichtigt wurde, be- 
schreiben, d. h. aus der Sandebene über die Endmoräne durch 
die Moränenlandschaft in das flache Hinterland derselben ver- 
folgen. 

Vom Bahnhof Callies aus läuft die Bahn 3 Kilometer weit 
parallel dem Thale des Dragebachflusses und durchquert dasselbe 
bei der Gutsdorfer Mühle. Der bis 6,5 Meter tiefe Einschnitt 
südlich dieses Thaies zeigt in vortrefflicher Weise den inneren Bau 
des Sandr (Fig. 6 auf S. 199). Unter verworren geschichteten, wenig 
grandigen Sanden, die im oberen Theile ihre Schichtung durch 
Verwitterung eingebüsst haben, folgen Sande mit eingeschalteten, 
bald horizontal gelagerten, bald steil gestellten Grandbänken. 

Das Ganze ist eine der Zeit und der Art der Entstehung 
»ach vollkommen einheitliche Bildung. 


198 


Konrad Keilhack, Das Profil der Eisenbahnen 


Die Bahn erreicht am nördlichen Thalrande den Südwestrand 
der Callieser Hochfläche und durchschneidet einen Ausläufer der- 
selben in einem kurzen Einschnitte nördlich von der Nordbucht 
des Ankrow-Sees. In diesem Einschnitte liegt über einem Meter 
Oberen Geschiebemergel ein an grossen und kleinen Geschieben 
sehr reicher Grand. Nur 250 Meter weiter folgt ein zweiter 
kurzer Einschnitt, in dem eine Kuppe durchragenden Unteren 
Sandes durchschnitten ist. Ueber dem in Form eines flachen 
Gewölbes geschichteten Unteren Sande liegt nur 1 l- i Meter Ge- 
schiebesand und auf der Ostseite des Hügels liegt zwischen beiden 
noch ein nur 1 — 3 Decimeter starkes Geschiebemergelbänkchen 
(Fig. 7 auf S. 199). 

Die Bahn verlässt an dieser Stelle den nach N. weiter ver- 
laufenden Rand der Hochfläche und durchquert nun in der Rich- 
tung auf Reetz den Sandr, dessen Westrand sie nach 14 Kilo- 
meter bei Vorwerk Kreuz erreicht. Die sämmtlichen Einschnitte 
dieser Strecke zeigen ausschliesslich diese fluvioglacialen Sande 
und Schotter; immer besitzen dieselben eine vortreffliche Schichtung; 
ein Einschnitt, 11 Kilometer von Bahnhof Callies entfernt, bei 
Neu-Hassendorf, zeigte in ganz vortrefflicher Weise die Ueber- 
einstimmung in der mechanischen Zusammensetzung zwischen den 
wohlgeschichteten in ausgezeichneterWeise die discordante Parallel- 
structur zeigenden Granden der unteren Bänke und den in der 
Schichtungsfortsetzung liegenden, durch Verwitterung der Schich- 
tung beraubten, oberen Lagen. 

Der über 8 Meter tiefe Einschnitt, 7,6 Kilometer von Bahn- 
hof Callies entfernt, in welchem die Bahn in das hier die Grenze 
zwischen Pommern und der Mark bildende Thal der Drage hinab- 
gelangt, zeigte (Fig. 8 auf S. 199) an einer Stelle eine Dreigliede- 
rung, indem zwischen eine untere und eine obere Grandbank eine 
nach Osten einfallende Sandbank sich einschob. 

Eine Zunahme der groben Bestandtheile in den Sauden und 
Schottern des Sandr gegen die Endmoräne hin war unverkennbar. 
Während bei Callies nur schwach grandige Sande zu beobachten 
waren, zeigten die Einschnitte an der Drage bereits zahlreiche 
Grandbänke im Sande. Bei Hassendorf sah ich in mehreren 



des Oberen Diluviums. 


200 


Ko nr ad Keilhack, Das Profil der Eisenbahnen 


Einschnitten Bänke im Grande sich einstellen, die fast ganz aus 
kleinen Steinen bestehen, und dieselben nehmen zu, je näher man 
an Vorwerk Kreuz herankommt. Freilich fehlen auch Ausnahmen 
nicht: so zeigte ein l 1 /^ Meter tiefer Einschnitt, nur 700 Meter 
östlich der Endmoräne, unter ein wenig grandigem Sande schön 
horizontal gelagerte reine Sande; die Regel aber sind hier grobe 
Schotter mit bis kopfgrossen Gerollen. 

Eine ausgezeichnete Bestätigung erfuhr diese Beobachtung 
durch die Ergebnisse dreier Bohrungen, die zur Trinkwasserver- 
sorgung der Haltestellen Steinberg (ca. 120 Meter u. M.), Hasseu- 
dorf (ca. 102 Meter u. M.) und Gutsdorf (102,4 Meter u. M.) aus- 
geführt wurden. Der Steinberger Bahnhofsbrunnen steht unmittel- 
bar vor der Endmoräne und traf folgende Schichten: 


/ 0 

— 6 Meter Grandiger Sand, 

6 

— 10 

» 

Grand, 

\ 10 

— 12 

» 

Grandiger Sand, 

12 

— 16 

» 

Steiniger Grand, zwischen 

Oberes Diluvium I 



14 und 15 Meter im Ge- 

j 



schiebemergelbänkchen, 

/ 16 

— 17 

» 

Grand, 

17 

— 25 

» 

Sehr steiniger Grand mit 




gekritzten Geschieben. 

Unteres Diluvium II 25 

— 37 

» 

Geschiebemergel. 

1 37 

— 43 

» 

Sand, 

ITT 43 

— 44 

» 

Grand, 

* 111 44 

— 50 

» 

Sand, 

( 50 

— 52 

» 

Grandiger Sand. 

Auf der 4 Kilometer 

von der 

Endmoräne entfernten Halte- 

stelle Hassendorf wurden 

erbohrt 



/ ° 

— 12 Meter Grandiger Sand und schwach 

1 



grandiger Sand, 

) 12 

— 14 

» 

Sandiger Grand, 

Oberes Diluvium I s 14 

— 15 

» 

Steiniger Grand, 

J 15 

— 16 

» 

Grand, 

( 16 

— 17 

» 

Grandiger Sand, 

' 17 

— 19 

» 

Sandiger Grand, 


Arnswalde-Callies und Callies- Stargard. 


201 


19 — 23 Meter Grandmer Sand, zuletzt mit 


Oberes Diluvium I / 

I 23 — 24 

Unteres Diluvium II 24 — 37 


einem Geschiebemergel- 
bänkchen, 

» Sand. 

» Geschiebemergel , von 

32 Meter an sehr sandig. 


Ein auf der 13 Kilometer von der Endmoräne entfernten 
Haltestelle Gutsdorf gebohrter Brunnen lieferte die nachstehend 
verzeichnete Schichtenfolge : 


Oberes Di 



0 

— 3 Meter Sand, 

\ 

luvium I 

) 3 

— 5 » 

Thonmergel, 

) 5 

— 18 » 

Sand, 

I 

! 18 

— 20,5 » 

Sand und Grand. 

( 

20,5 

— 33 » 

Geschiebemergel, 

luvium II ( 

33 

— 35 » 

Thonmergel, 

| 

' 35 

— 76 » 

Geschiebemergel. 


' 76 

— 80 

Kohlenletten, 

Tertiär < 

) 80 

— 83 

Glimmersand, 

83 

— 86 » 

Glaukonitischer Sand. 


! 86 

— 107,0 » 

Kohlenletten. 

Kreide? 

107,0 

— 107,5 » 

Thonmergel. 


Ich habe in diesen drei Bohrungen die gleichwerthigen 
Schichtenfolgen durch gleiche Zahlen zusammengefasst und es 
ergiebt sich daraus, dass der grosse Sandr vor der Endmoräne 
aus einer 20 — 25 Meter mächtigen Folge fluvioglacialer Bildungen 
(I) besteht, unter der eine mächtige Grundmoränenbildung (II) 
folgt. Bohrloch Steinberg traf darunter noch 15 Meter Sande und 
Grande III, Bohrloch Gutsdorf dagegen von 76 Meter an Tertiär. 
Unser Hauptinteresse nimmt die oberste Folge in Anspruch. Die 
Abhängigkeit der Korngrösse der Schotter und Sande von der 
Entfernung der Endmoräne ist unverkennbar. Kurz vor der End- 
moräne haben wir eine mächtige Folge von Granden und steinigen 
Schottern, die in ihren unteren Theilen gekritzte Kalksteingeschiebe 
führen. Vier Kilometer weiter treten diese gröbsten Bildungen 


202 


Koxrad Keilhack:, Das Profil der Eisenbahnen 


I 



sehr zurück und es herrschen sandige Grande vor. Noch 9 Kilo- 
meter weiter und wir sehen eine Folge von reinen Sanden, denen 
ein Thonlager eingeschaltet ist, nur an der Basis in grandige Sande 
übergehend. Ebenso klar und deutlich erkennen wir hier die 
genetischen Beziehungen zwischen Sandr und Endmoräne wie in 
dem sogleich zu besprechenden Bahneinschnitte in der Endmoräne, 
und wir sind hier in der Lage, die Mächtigkeit des Oberen Sandes 
sicher als 21 — 25 Meter angeben zu können. Das ist ein Ergebniss, 
welches auch die geognostische Kartirung in anderen Endmoränen- 
gebieten sehr stark beeinflussen muss. 

Ueber die Altersstellung der die fluvioglacialen Bildungen 
unterlagernden Grundmoräne lässt sich auf Grund der tertiären, 
30 Meter mächtigen Schichtenfolge in Bohrloch Gutsdorf mit ziem- 
licher Sicherheit die Zugehörigkeit zur ersten Eiszeit behaupten. 
Die tertiären Schichten selbst gehören nach den in vereinzelten 
Kalkconcretionen enthaltenen Versteinerungen zum Mitteloligocän. 
Der letzte halbe Meter des Bohrloches steht in kalkreichem Thon- 
mergel, dessen Schlemmrückstand zahlreiche Foraminiferen enthält 
und nach seinem ganzen Aussehen auf Kreide deutet. 

An der Stelle des Bahnhofes Steinberg, in der Nähe des 
zum Gute Steiuberg gehörenden Vorwerkes Kreuz, erreicht die 
Bahn den Rand des Sandr und die Endmoräne. Dieselbe ist im 
Gegensätze zu der von der Arnswalde-Callieser Bahn getroffenen 
Stelle derselben hier ganz ausgezeichnet kammartig entwickelt 
und es sind die Lagerungsbeziehungen zwischen glacialen und 
fluvioglacialen Bildungen durch den die Endmoräne kreuzenden 
tiefen Einschnitt so vorzüglich blossgelegt, dass dieser eine Auf- 
schluss schon die Besichtigung und Untersuchung der Strecke be- 
lohnt hätte (Fig. 9). 

Unter der höchsten, mit zahlreichen gewaltigen Blöcken be- 
deckten Kuppe, die eine typische Endmoräne darstellt, liegt ge- 
wöhnlicher Geschiebemergel, der in keiner Weise von der allbe- 
kannten Ausbildung dieses Gesteines abweicht. Nach Westen 
hin setzt er den ganzen Abhang, wenigstens oberflächlich (der 
Einschnitt wurde hier eben erst in Angriff genommen) zusammen. 
Nach Osten hin aber wird, kaum 50 Meter vor der Endmoräne, 


8 “l 


Arnswalde-Callies und Callies-Stargard. 


203 


die Grundmoräne durch grandigen Geschiebesand ersetzt und 
zwar geht der Uebergang der einen Bildung in die andere in der 
aus dem Profil ersichtlichen Art und Weise durch auskeilende 
Wechsellagerung vor sich. Klarer und deutlicher kann man die 
genetischen Beziehungen zwischen beiden Bildungen in der Natur 
wohl kaum angedeutet finden. Die einzelnen nach Osten sich 
auskeilenden Grundmoränenfetzen entsprechen natürlich eben so 
viel ganz kleinen Vorstössen und Rückzügen der Gletscherstirn, 
während die steinbesäete Endmoränenkuppe einen langen Stillstand 
des Eisrandes bezeichnet, während dessen jene geringfügigen Be- 
wegungen sich vollzogen. 

Die Bahn tritt nunmehr in die Moränenlandschaft ein und 
bleibt in derselben während der nächsten 13 Kilometer bis in die 
Gegend zwischen Jakobsdorf und dem Grossen Zirke-See, süd- 
östlich von Jakobshagen. Der erste Einschnitt in dieser Strecke 
liegt bei dem Gute Steinberg. Man sieht in ihm unter einer 
2 Meter mächtigen Decke eines grandigen, kleine Geschiebe 
führenden Sandes Schluffsand bis auf die Sohle des Einschnittes. 
Das Ganze macht den Eindruck, als läge hier ein altes glaciales 
Staubecken vor, einerseits durch die Endmoräne, andererseits 
durch den etwas östlich zurück liegenden Eisrand begrenzt, in 
welchem zuerst feiner Schlamm abgelagert und hierauf, vielleicht 
bei erneutem Vorrücken des Eisrandes, Geschiebesandmassen auf- 
geschüttet wurden. 

Von Steinberg bis zur Drage geht die Bahn immer auf 
Oberem Geschiebemergel, in- welchem an der Stelle des Bahnhofes 
Reetz ein bis 6 Meter tiefer Einschnitt liegt. Gleich im östlichen 
Beginne des Einschnittes, der zur Zeit meines Besuches bereits 
z. Th. abgeböscht war, findet sich eine Durchragung von Unterem 
Sande, die auf eine Länge von 100 Meter die Oberfläche erreicht. 
Der Geschiebemergel selbst ist sehr reich an Geschieben, im oberen 
Theil gelblich, in der Dammsohle dagegen graublau gefärbt und 
enthält zahlreiche Sandadern und Nester. 

Auf dem Bahnhofsterrain wurde zum Zwecke der Wasser- 
gewinnung eine Tiefbohrung ausgeführt; die Proben wurden sorg- 
fältig gesammelt und befinden sich im Besitze der geologischen 


204 Konrad Keilhack, Das Profil der Eisenbahnen 

Laudesanstalt. Bei dieser Bohrung wurden folgende Schichten 
angetroffen : 


0 — 2 Meter Lehm, 

2—3 

» 

Grandiger Sand, 

3—14 

» 

Geschiebemergel, 

14—23,3 

» 

Sand, 

23,3—24,25 

» 

Geschiebemergel, 

24,25—34 

» 

Sand, 

34—37 

» 

Feinsand, 

37—45 

» 

Thonmergel, 

45—50,5 

» 

Feinsand, 

50,5—51 

» 

Geschiebemergel, 

51—52 

» 

Feinsand, 

52—59 

» 

Geschiebemergel, 

59—60 

» 

Grand, 

60—61 

» 

Sand, 

61-63,4 


Grandiger Sand mit Gerollen eines kalk- 
freien Kohlenlettens, wie er von 
65 — 77 Meter folgt. 

63,4—65 

» 

Sand, 

65—71 

» 

Kohlenletten, 

71—72 

» 

Sandiger Kohlenletten, 

72—77,5 

» 

Kohlen letten, 

77,5—79 

» 

Grand, 

79—82 

» 

Sand, 

82-83 

» 

Grand, 

83—84 

» 

Sand mit Braunkohlengeröllen, 

84—86 

» 

Grand, 

86—99 

» 

Sand, 

99—103 

» 

Grandiger Sand. 


Diese Schichtenfolge besitzt verschiedene Eigentümlichkeiten : 
bis zu einer Tiefe von 63,4 besitzen alle Schichten einen Kalk- 
gehalt, wie er allen gleichartigen nordischen Diluvialbildungen 
eigen ist. Dagegen ist der Sand von 63,4 — 65 Tiefe sehr kalkarm 
und die darunter folgende Kohlenlettenschicht von 12 Meter Mäch- 


Ärnswalde - Callies und Callies - Stargard. 205 

tigkeit ganz kalkfrei. Die bis 86 Meter folgenden abwechselnden 
Sand und GrandsGhichten haben , wenn sie auch ersichtlich viel 
tertiäres Material enthalten, wieder einen normalen Kalkgehalt, 
während derselbe in der mächtigen Sandfolge von 86 — 99 Meter 
sehr gering ist. Auch enthalten diese Sande nur sehr wenig Feld- 
spath und bestehen fast ganz aus grauen mittelkörnigen Quarzen. 
Erst die letzten 4 Meter enthalten neben gröberem nordischen 
Material auch etwas mehr Kalk. 

Da der kohlensaure Kalk den Tertiärbildungen der märkisch- 
pommerschen Braunkohlenformation völlig fehlt, so ist die ganze 
Schichtenfolge als eine diluviale aufzufassen, mit Ausnahme der 
Kohlenletten von 65 — 77,5 Meter. Da dieselben aber von dilu- 
vialen Gebilden über- und unterlagert werden, so müssen sie durch 
eine diluviale Störung aus ihrem ursprünglichen Verbände abge- 
löst und an ihre jetzige Stelle gebracht sein. 

Die quarzreiche Schichtenfolge von 77,5 Meter an besteht aus 
zur Diluvialzeit umgelagerten tertiärem Sande, und die diluviale 
Geschichte dieses Gebietes, wie sie sich in den Bohrproben dieses 
Bohrloches uns zu erkennen giebt, ist die folgende: über die aus 
Quarzsanden, Formsanden, Kohlenletten und Braunkohlen gebil- 
dete Sandfläche, die seit dem Miocän Festland gewesen war, 
brausten die dem Herannahen des ersten Inlandeises voraneilenden 
Schmelzwasser dahin und führten gewaltige Mengen nordischen 
Sandes und Grandes mit sich, die mit sehr wechselnden Mengen 
zerstörten Tertiärgebirges vermischt zur Ausfüllung vorhandener 
Unebenheiten, Thäler und Becken, benutzt wurden. Ueber diese 
so eingeebnete Fläche rückte das Inlandeis selbst vor und lagerte 
eine von dem tertiären Untergründe losgerissene Scholle von 
Kohlenletten ab. Entweder schon beim Vorrücken oder erst beim 
Rückzüge dieses ersten Inlandeises muss unser Gebiet der Schau- 
platz zahlreicher Bewegungen des Eisrandes gewesen sein, durch 
welche beim Vorrücken die zwischen 23 und 65 Meter Tiefe lie- 
genden Geschiebemergelbänke, beim Zurückweichen die zwischen 
ihnen lagernden Thone, Sande und Grande abgelagert wurden. 
Nach dem völligen Verschwinden des Eises folgte eine lange In- 
terglacialzeit, die in unserem Bohrloche allerdings nicht durch 


206 


Konrad Keilhack, Das Profil der Eisenbahnen 


eigene Ablagerungen angedeutet ist. Dann rückte das Eis zum 
zweiten Male von N. heran, überschüttete wieder das vorliegende 
Gebiet mit Sand (14 — 23 Meter) und setzte darüber seine Grund- 
moräne ab, deren Oberfläche durch eine Reihe von Oscillationen 
den eigenthümlichen Charakter der Moränenlandschaft erhielt. Wir 
können also die Schichten unseres Bohrloches folgendermaassen 
gliedern: 

0 — 23,3 Meter Oberes oder jüngeres Diluvium, 


23,3—103 

». 

Unteres » älteres » 

und zwar 23,3 — 63,4 

» 

Nordisches Diluvium, 

63,4—77,5 

» 

Verschlepptes Tertiär, 

77,5—86 

» 

Nordisches Diluvium mit viel ein- 



heimischem Materiale, 

86—99 

» 

Einheimisches mit sehr wenig nor- 



dischem Materiale, 

99—103 

» 

Einheimisches mit etwas reicherem 



nordischen Materiale. 

Ein zweites auf dem 

Bahnhofe Reetz niedergebrachtes Bohr- 

loch durchsank die folg 

enden Schichten: 

2 — 5.75 Meter Sand ) 

5,75 — 20,25 

» 

,,, ... Oberes Diluvium. 

Geschiebemergel ) 

20,25 — 22,0 

» 

Feinsand 

22,0 — 37,2 

» 

Sand, mittel bis feinkörnig ( Unteres 

37,2 — 40,0 

» 

Grand 1 Diluvium. 

40,0 — 43,5 

» 

Steiniger Grand / 


Die beiden Einschnitte, durch die die Bahn in das enge Ero- 
sionsthal des Ihnaflusses hinabsteigt und dasselbe wieder verlässt, 
waren zur Zeit meines Besuches noch nicht in Arbeit, und von 
den 7 weiteren Aufschlüssen, die ich bis zum Gr. Zirke-See sah, 
standen fünf ausschliesslich im Oberen Geschiebemergel und nur 
zwei, nämlich der Einschnitt 1 Kilometer westlich von Falkenwalde 
und derjenige auf der Grenze zwischen diesem Gute und Jakobs- 
dorf zeigten neben Oberem Mergel auch noch den darunter lagern- 
den Sand. 


Arnswalde - Callies und Oallies -Stargard. 


207 


Die Brunnenbohrung auf der Haltestelle Falkenwalde (circa 
135 Meter ü. M.) ergab: 

0 — 54 Meter Geschiebemergel, 

54 — 57 » Sand mit Grandbänken, 

57 — 59 » Grand, 

59 — 94 » Geschiebemergel , bei 76 — 78, 82 — 84 

und 88 — 89 Meter Tiefe mit Sand- und 
Grandeinlagerungen. 

Ich halte die Schichtenfolge von 0 — 54 Meter für Oberen 
Geschiebemergel und erkläre mir die allerdings durchaus unge- 
wöhnliche Mächtigkeit so, dass an dieser Stelle in der Inter- 
glacialzeit ein tiefes Thal erodirt wurde, welches vom heran- 
nahenden Eise der zweiten Eiszeit in derselben Weise mit Grund- 
moräne ausgefüllt wurde, wie etwa ein Lavastrom ein vor in 
seinem Wege liegendes Becken zuerst ausfüllt und dann darüber 
hinweg weiter fliesst. 

Wie bereits bemerkt, tritt in der Nähe des Gr. Zirke-Sees 
die Bahn aus der Moränenlandschaft in das flache Hinterland der- 
selben, welches sich von Jakobsdorf bis zum Ende der Bahn bei 
Wulkow, auf einer Strecke von 22 Kilometer Länge, langsam von 
80 auf 55 Meter Meereshöhe senkt. In dieser ganzen Länge wären 
gar keine tieferen Einschnitte erforderlich, wenn nicht dieser Theil 
der Geschiebemergelebene von einem ganz hervorragend schön 
ausgebildeten As durchzogen würde, welches von der Bahn drei 
Mal durchquert wird. Dieses As bildet einen 100 — 300 Meter 
breiten Rücken, der sich um 8 — 20 Meter über das umliegende 
Gelände erhebt. Es besteht aus Sand und grandigem Sand, der 
im Gegensätze zu den Durchragungszügen eine horizontale Schich- 
tung besitzt. Dieselbe konnte in den beiden frisch in Arbeit be- 
findlichen Eisenbahnschnitten südlich von Stolzenhagen beiderseits 
des Krebsbaches sehr schön beobachtet werden. 

Dieses As lässt sich, einige kurze Unterbrechungen einge- 
rechnet, 23 Kilometer weit verfolgen. Es verläuft von Jakobsdorf 
aus am Gr. Zirke-See vorüber, entlang des Krebsbaches nach W. 
bis Goldbeck. Seine Fortsetzung bilden die Gailberge, der Hell- 


208 


Konrad Keii.haok, Das Profil der Eisenbahnen 


berg und der Bonusberg. Dann springt es über auf die Nord- 
seite der vom Krumm en-Bach durchflossenen Niederung, bildet 
den Klosterberg, den Teufelsberg und die Heideberge südlich und 
westlich von Marienfluss und endigt im Moore zwischen Trampke 
und Neu-Damerow. Bei Jakobsdorf vereinigt sich mit diesem As 
ein zweites, 15 Kilometer langes. Dasselbe beginnt bei Colonie 
Marienfluss, verläuft über Mössin und Kempendorf auf den Pfingst- 
berg, bildet die Saatziger Kienen und den Saatziger Berg und 
setzt jenseit des Saatziger Sees in den Feuerbergen bei Stolzen- 
hagen fort, deren östliche Verlängerung auf das Ende des erst- 
genannten As stösst. 

Beide Asar sind in ausgezeichneter Weise auf langen Strecken 
von als Asgräben zu bezeichnenden schmalen Moorflächen be- 
gleitet. Beide haben ihr östliches Ende am Beginn der Moränen- 
landschaft und beide beginnen in einer eigentümlichen Landschaft, 
die aus dem nordamerikanischen Glacialgebiete zwar längst be- 
kannt war, dem norddeutschen bis jetzt aber zu fehlen schien. Es 
ist das die Drumlinlandschaft. Ihr Charakter besteht im Wesent- 
lichen darin, dass der Obere Geschiebemergel langgestreckte, unter 
sich annähernd parallele Rücken bildet, deren Streichrichtung mit 
derjenigen der Schrammen des unterlagernden Gesteins gleich- 
sinnig ist, also in der Bewegungsrichtung des Eises verläuft. 
Diese Rücken haben nach Wahnschaffe 1 ) selten mehr als 1 Kilo- 
meter Länge; sie bestehen in den meisten Fällen durch und durch 
aus Geschiebemergel und haben nur selten einen Kern von Sand. 
Eine solche Drumlinlandschaft scheint nun in dem ganzen Ge- 
biete zwischen Freienwalde in Pommern und Naugard, einer 
Fläche von 30 Kilometer Länge und 10 Kilometer Breite vorzu- 
liegen. Die Richtung NS. und im südlichen Theile NNW. bis 
SSO. ist in der Erstreckung fast aller Hügel ganz unverkennbar 
und auf einem Kilometer Breite liegen bis 5 solcher schmaler 
Parallelrücken. 

Wo die Möglichkeit vorlag, zahlreiche Vergleiche des Ver- 


*) Mittheilungen aus dem Glacialgebiet Nordamerikas I, Zeitschr. d. Deutsch, 
geol. Ges. 1892. 


Arnswalde-Callies und Callies-Stargard. 


209 


laufes der Glacialschrammen auf dem Untergründe des Quartärs 
mit demjenigen der Drumlins und Asar anzustellen, ergab es 
sich, dass beide übereinstimmen. Man hat in den letzteren also 
ebenso sichere Anzeiger der Bewegungen des Inlandeises, wie in 
den Schrammen, und in unserem Gebiete würden sie geeignet sein, 
uns für eine Fläche von 50 — 60 Kilometer Längserstreckung über 
die Bewegung des Inlandeises zu unterrichten. 

Ich hoffe über diese Drumlinlandschaft bald Näheres berichten 
zu können. 

Nachdem die Bahn das südliche der beiden Äsar zweimal 
überschritten hat, bewegt sie sich in ebenem, überwiegend aus 
Oberem Geschiebemergel bestehenden Gebiete ohne wesentliche 
Einschnitte weiter nach W. und erreicht bei Wulkow die hinter- 
pommersche Hauptbahn. 

In diesem ebenen Hinterlande der Moränenlandschaft wurden 
auf den 5 Haltestellen Brunnenbohrungen ausgeführt, die folgende 
Ergebnisse lieferten: 

1. Haltestelle Stolzenhagen. Bohrloch I. 60,7 Meter ü. M. 

1 0 — 4 Meter Geschiebemergel, 

4 — 5 » Sand, 

5 — 12 » Geschiebemergel. 

II 12 — 17 » Sand und Grand. 

2. Desgl. Bohrloch II. 62,6 Meter ü. M. 

I 0 — 12,5 Meter Geschiebemergel, 

II 12,5 — 23 » Sand und Grand. 


3. Haltestelle Jakobshagen (bei Tornow), circa 62 Meter ü. M. 


I 

Ia 


0 — 2 Meter Geschiebelehm. 

2 — 5 » Sand, 

5 — 11 » Sand mit Grand und Thonbänken, 

11 — 12 » Sand, 

12 — 15 » Sand und Grand. 


Jahrbuch 1893. 


14 


210 


Konrad Keilhack, Das Profil der Eisenbahnen 


21 Meter Sand mit Geschiebemergel- und Thon- 
bänkchen, 

32 » Geschiebemergel. 

35,5 » Sand und Grand. 

4. Haltestelle Barskewitz, circa 62 Meter ü. M. 

I 0 — 23 Meter Geschiebemergel, 

I \ 23 — 25 » Sand und Grand, 

v 25 — 26 » Geschiebemergel. 

II 26 — 30 » Sand und Grand. 



II 32 — 


5. Haltestelle Pansin, circa 45 Meter ü. M. 


0 — 

6 Meter 

Geschiebemergel, 

6 — 

8 

» 

Grand, 

8 — 

12 

» 

Geschieh emergel. 

12 — 

14 

» 

Mergelsand, 

14 — 

15 

» 

Feinsand, 

15 — 

39 

» 

Thonmergel, 

39 — 

46 

» 

Feinsand. 

46 — 

60 

» 

Sand. 


6. Haltestelle Wulkow, circa 50 Meter ii. M. 



0 — 4 Meter 
4— 6 » 

6 — 15 » 

15 — 18 » 

18 — 21 » 

21—33 » 

33 — 36 » 


III 36 — 53 » 


Geschiebemergel, 

Grand und Sand, 

Geschiebemergel, 

Grand und Sand, 

Geschiebemergel. 

Thonmergel, 

Feinsand. 

Sand, aus Feinsand in mittelkörnigen 
Sand von oben nach unten allmäh- 
lich übergehend. 


Ich habe in diesen Bohrungen wieder die gleichartigen 
Schichtenfolgen durch gleiche Zahlen zusammengefasst. I ist die 
Gruppe des Oberen Geschiebemergels einschliesslich der in fast 


Arnswalde-Callies und Oallies - Stargard. 


211 


allen Bohrungen in ihm beobachteten Einlagerungen von Sanden 
und Granden. Die Bedeutungslosigkeit derselben für eine etwaige 
Gliederung zeigen am besten die beiden nahe bei einander ge- 
legenen Bohrungen auf der Haltestelle Stolzenhagen, deren eine 
von 4 — 5 eine Sandeinlagerung zeigt, die der anderen fehlt. Die 
Mächtigkeit des Oberen Geschiebemergels stellt sich danach an 
den einzelnen Orten auf 12, 12,5, 21 und 26 Meter. Eine Aus- 
nahme bildet nur die in der Nähe des As gelegene Bohrung 
Tornow (B). Es wäre nicht undenkbar, dass die Sandfolge dieses 
Brunnens von 2 — 15 Meter eine durch die Asnähe beeinflusste 
jungdiluviale Bildung wäre und der Obere Geschiebemergel bis 
zu einer Tiefe von 32 Meter reichte, also, die einzelnen Bänke 
von 15 — 21 Meter mitgerechnet, im Ganzen eine Mächtigkeit 
von 19 Meter besässe. Das würde auch gut zu den übrigen 
Mächtigkeitszahlen stimmen. 

Unter dem Oberen Mergel folgt in den westlichen Bohrungen 
eine mit 11a bezeichnete thonige, in den östlichen eine mit II be- 
zeichnete sandig -grandige 'Gruppe geschichteter Bildungen; die 
erstere hat eine Mächtigkeit von 34 resp. 15 Meter, die der 
letzteren ist nicht bekannt. Ob diese Bildungen alt-, inter- oder 
jungglacial sind lässt sich nicht entscheiden. Unter den thonigen 
Bildungen der Bohrungen 5 und 6 folgt eine mit III bezeichnete 
Sandfolge von 14 resp. 17 Meter, die bis zum Grunde des Bohr- 
loches anhält. 


14 * 


Die Braunkohlen -Ablagerungen in der Gegend 
von Senftenherg. 

I. (geologischer) Theil. 

Von Herrn Oscar Eberdt in Berlin. 

(Hierzu Tafel XV.) 


1. Allgemeines. 

Die schwarze Elster, an welcher die Stadt Senftenherg liegt, 
fliesst in einem, in der Richtung Ost-West verlaufenden Hauptthal, 
dessen Fortsetzung von Mühlberg an von der Elbe benutzt wird. 

Die etwa eine Viertelstunde nördlich von Senftenherg sich 
hinziehenden steilen Abhänge sind ein Stück des Erosionsrandes 
dieses alten Thaies; zugleich bilden sie die Südgrenze eines der 
grossen Diluvialplateaus, in welche die Mark durch die grossen 
diluvialen Thäler, welche sie durchziehen, zerlegt wird. Diese 
Diluvialplateaus sind nun im mittleren und nördlichen Theile der 
Mark verschieden ausgebildet. 

Unser Diluvialplateau, welches sich zwischen dem vorhin ge- 
nannten alten Hauptthal und einem nördlich gelegenen Parallel- 
thal, dem Baruther, hinzieht, ist durch eine Anzahl in der Richtung 
Süd -Ost nach Nord -West verlaufende, die beiden Hauptthäler 
mit einander verbindende Querthäler — es sind dies sumpfige 
Niederungen, in denen zerstreut aber in ziemlicher Anzahl sich 
moorige Wasserbecken finden — durchschnitten und wird dadurch 


Oscar Eberdt, Die Braunkohlen- Ablagerungen etc. 


213 


in einzelne, nur schwach gerundete, Südost-Nordwest streichende 
plateauartige Höhenzüge zerlegt. 

Die Südgrenze nun eines dieser Höhenzüge bilden die sog. 
Hörlitzer, Senftenberger , Raunoer und Reppister Weinberge, 
ein Stück des vorhin erwähnten Erosionsrandes darstellend, die 
sich ziemlich plötzlich und unvermittelt ca. 50 Meter hoch aus 
der weiten, durchschnittlich etwas mehr als 100 Meter über NN. 
liegenden Geschiebesandebene herausheben. In der Richtung 
Südost-Nordwest wird die Grenze durch eine luchige Thalrinne 
gebildet, die von Norden von den Dörfern Gross- und Klein- 
Räschen her über das Dorf Bückgen nach Sedlitz, Sorno, Gross- 
Partwitz etc. sich hinzieht. Nach Westen zu lässt sich eine 
natürliche Grenze nur schwer ziehen, da hier mehr ein Ueber- 
gehen des Terrains in flachere' Gebiete stattfindet. 

In dem ganzen Plateau - Theil nun, welcher südwestlich der 
vorhin genannten, in der Richtung Südost-Nord west verlaufenden, 
luchigen Thalrinne liegt, finden sich von letzterer aus nach Westen 
auf eine Länge von etwa 12 Kilometer, dagegen in der Richtung 
von Süd nach Nord, — von der Stadt Senftenberg als südlichstem 
Punkte aus gerechnet — nur auf eine Länge von etwa 5 — 6 Kilo- 
meter, — die Grenze im Norden bildet ebenfalls eine luchige 
Thalrinne, — ausgedehnte und mächtige Braunkohlenablagerungen. 

Dies Flötz, denn man hat es bei den sog. Senftenberger- 
Ablagerungen wohl mit einem einheitlichen Flötz zu thun, welches 
im Osten in den Gemarkungen der vorhin genannten Dörfer 
Räschen, Bückgen, Sedlitz beginnt und nach Westen zu mit der 
Erdoberfläche sanft ansteigend, sich südlich über Zschipkau- 
Kostebrau, nördlich über Dobristroh-Särchen bis Gohra hinzieht, 
tritt am Fusse der oben genannten Reppister-, Raunoer-, Senften- 
berger- und Hörlitzer -Weinberge mehrfach zu Tage. An diesen 
Punkten wurden denn auch vor etwa 30 Jahren die ersten Ver- 
suche grösseren Umfangs, die Braunkohle bergmännisch zu ge- 
winnen, gemacht und die ersten Werke angelegt 1 ). 


*) Cramer, H. Geschichte des Bergbaues in der Provinz Brandenburg. 
Heft 5. Die Niederlausitz. 8°. Halle 1878. 


214 


Oscar Eberdt, Die Braunkohlen -Ablagerungen 


Auf diesem Flötz bauen eine grosse Anzahl theils grösserer, 
theils kleinerer Gruben. Am Fusse der vorgenannten Hörlitzer, 
Senftenberger etc. Weinberge liegen davon in der Richtung 
von Ost nach West die Reschke’schen Werke (Mariengrube), die 
Anhaitischen Braunkohlenwerke (Grube Marie), Henkels Werke, 
Grube Friedrich-Ernst, Stadtgrube, Meurostolln, Hörlitzer Werke. 
Diese sind mit Ausnahme der Grube Friedrich -Ernst und zum 
Theil der Hörlitzer Werke sämmtlich Tief baue. In der Ost- 
hälfte des Flötzes sind noch zu nennen nördlich von den drei 
zuerst genannten die Gruben Ilse und Victoria, theils Tagebau, 
theils Tiefbau, von denen Ilse am weitesten östlich liegt, endlich 
die Grube Marie Nordwestfeld (Anhaitische Kohlenwerke), die 
ausschliesslich Tagebaubetrieb hat. 

Wie Bohrungen ergeben haben, die zuerst von der Ilse-Gewerk- 
schaft noch weiter westlich von Victoria und Marie Nordwestfeld, 
in der Gemarkung des Dorfes Dobristroh vorgenommen worden 
sind, setzt sich das Flötz in dieser Richtung fort. Es wurde 
Kohle in bedeutender Mächtigkeit und grosser Ausdehnung erbohrt. 

Weiter nach Westen zu liegen im nördlichen Theile des 
Flötzes die Gruben Waidmannsheil, Heyegrube, Gotthold, Henriette, 
sämmtlich in der Nähe des Dorfes Särchen, dann mehr nach Süden 
zu bei dem Dorfe Klettwitz die Gruben Felix und Wilhelminens- 
glück und Zschipkauer Werke I und von diesen wiederum südlich 
die Zschipkauer Werke II. Alle diese sind mit Ausnahme von 
Heyegrube und den Zschipkauer Werken, welche theils Tagebau-, 
theils Tiefbau -Betrieb haben, ausschliesslich Tagebaue. 

Charakteristisch für das Senftenberger Braunkohlenvorkommen 
ist seine ausserordentliche Mächtigkeit und fast ungestörte Lage- 
rung. Bezüglich der Mächtigkeit kann man, trotzdem dieselbe 
sehr wechselt, im Allgemeinen doch wohl sagen, dass sie in dem 
westlichen Theile des Flötzes geringer ist als in dem östlichen. 
Einige Gruben sitzen hier sicher auf dem Ausgehenden des 
Flötzes, denn unweit derselben tritt die Kohle in geringer Mächtig- 
keit, nur von einer dünnen Sandschicht noch gerade bedeckt, fast 
zu Tage. Mächtigkeiten, wie in dem östlichen Theile von 19 Meter 
und darüber, kommen in dem westlichen kaum vor, jedenfalls nur 


in der Gegend von Senftenberg. 


215 


ausnahmsweise, während sie in dem östlichen beinahe Regel sind, 
und die Mächtigkeit unter 11 Meter dort überhaupt nicht her- 
abgeht. 

Was die Beschaffenheit der Kohle anlangt, so kann man 
mehrere Arten unterscheiden. Am häufigsten ist die sehr wasser- 
reiche, — sie enthält davon bis zu 60 pCt. — stückreiche, roth- 
bis dunkelbraune Kohle, in welche vielfach grosse Mengen bitu- 
minösen Holzes eingelagert sind. Ferner findet sich, besonders 
dicht am Hangenden, eine mehr grau aussehende, stark bröckelnde 
und leicht zerreibliche Kohle, in der sich Pflanzenreste nur in 
geringerer Menge nach weisen lassen. Wohl aber sieht man in 
derselben kleine, abweichend entwickelte Adern von schwarzer 
Holzkohle und Schwefelausblühungen. Endlich tritt zwischen 
beiden auch noch eine schwärzlich aussehende Kohle auf, die den 
Eindruck macht, als ob sie aus lauter Fäden bestehe, und aus- 
schliesslich aus Sumpfgräsern, Schilfen und dergl. gebildet sei. 

Das Liegende der Kohle besteht aus braunem Letten oder 
grauem resp. graubraunem Thon. Ueberall, wo weitere Bohrungen 
vorgenommen wurden, hat man durchschnittlich 30 — 40 Meter 
unter diesem Liegenden ein neues Braunkohlenflötz angetroffen. 
Doch ist die Kohle desselben von ganz anderer Beschaffenheit als 
die des oberen, jetzt im Abbau begriffenen Flötzes. Sie ist nicht 
wie diese letztere erdiger Natur, sondern eine Glanzkohle. 

Die Mächtigkeit des Hangenden ist sehr ungleichmässig und 
durchaus nicht von der Oberflächengestaltung des Bodens abhängig. 
Doch ist sie im Allgemeinen ziemlich bedeutend und wechselt 
zwischen 5 und 15 Meter, sodass die Abräumung desselben die 
Aufbietung grosser Arbeitsleistungen nöthig macht. In den 
Gruben bei Zschipkau, wo das Hangende zum Theil aus tertiärem 
schneeweissen, glimmerreichen Quarzsand besteht, wird derselbe 
gewonnen und zur Glasfabrikation verwandt; meist jedoch wird, 
abgesehen von einigen Werken, die nebenbei Ziegeleibetrieb haben, 
mit Hülfe von Feldlocomotiven der Abraum, trotzdem fast überall 
einen Theil desselben fette, kalkfreie, zur Fabrikation von Flaschen 
etc. sich eignende Thone bilden, nach abgebauten Flötztheilen 
transportirt und die Leere damit ausgefüllt. Im Hangenden über- 


216 


Oscar Eberdt, Die Braunkohlen -Ablagerungen 


wiegen vielfach die diluvialen Bildungen aus mächtigen Kies- und 
Sanddecken bestehend. Hervorzuheben ist das Auftreten kleiner, 
hübsch gezeichneter Achate, deren Herkunft vorläufig noch nicht 
aufgeklärt ist, in ihnen, und zwar finden sich dieselben auf der 
Westhälfte des Flötzes häufiger als auf der Osthälfte. 

Gewöhnlich liegt der Kohle Thon auf, doch enthält derselbe 
meist keine Versteinerungen oder Abdrücke irgend welcher Art. 
Schlemmt man ihn, so findet man, dass er kleine Pflanzenreste 
führt, die aber total zerrieben sind und sowohl in Länge als 
auch in Breite die Grösse von einigen Millimetern nicht über- 
schreiten. Sie bedürfen noch der genaueren mikroskopischen 
Untersuchung. Aus ihrem Vorkommen kann man aber wohl den 
Schluss ziehen, dass man es mit Thonen zu thun hat, die durch 
Wasser, welches zuvor die mitgeführten Pflanzenreste auf seinem 
Wege völlig zerrieben hat, in ruhigen Becken abgesetzt sind. 

Auf den Zschipkauer Werken ist man vor Jahren auf eine 
festere Thonschicht gestossen, welche im Gegensatz zu dem Ge- 
sagten reichlich Blatt- und Fruchtabdrücke aufwies. Doch ist 
leider von derselben nichts mehr zu sehen, und die Stelle wo sie 
gewesen wahrscheinlich mit Abraum verschüttet. 

2. Lagerung des Flötzes. 

Die Lagerung des Braunkohlenvorkommens ist im Allge- 
meinen nur wenig gestört und durchweg eine fast horizontale resp. 
sehr schwach geneigte, zum Theil flach wellenförmige, und zwar 
geht die Längsrichtung der Wellen von Ost nach West. Am 
Fusse der Höhenzüge, wo das Flötz zu Tage tritt, sieht man 
ohne Weiteres, dass dasselbe schwach in die oben genannten 
Höhenzüge hinein einfällt, und das Gleiche lässt sich genauer an 
einer grossen Zahl von Aufschlüssen constatiren und ist ausser- 
dem durch viele Bohrungen nachgewiesen. Ein wenig stärker 
als das Einfallen in die Höhenzüge hinein, also in der Richtung 
von Süd nach Nord ist das Einfallen des Flötzes in der Richtung 
von West nach Ost, und zwar nimmt man dasselbe etwa doppelt 
so gross an. 

Wurde oben gesagt, dass am Fusse der Höhenzüge das Flötz 


in der Gegend von Senftenberg. 


217 


vielfach ausgeht und zu Tage tritt, so lässt sich weiter doch fest- 
stellen, dass dasselbe auch mehrfach in die Niederung hiuein fort- 
setzt. In solchem Falle ist es aber nicht mehr von seinem 
ursprünglichen Hangenden sondern gewöhnlich von jungen Torf- 
bildungen überdeckt. Solche Fortsetzungen mit überdeckenden 
jungen Torfmooren kann man auf dem Grubenfelde von Heyegrube 
in der Nähe von Särchen und weiter auch bei Klettwitz beobachten. 
Das in die Ebene sich fortsetzende Braunkohlenflötzchen ist meist 
sehr schwach, und man kann sich häufig des Eindrucks nicht 
erwehren, als seien hier infolge diluvialer Erosion die ursprünglich 
hangenden Schichten mit dem grössten Theile der Braunkohle 
selbst hinweggefegt worden. Das Liegende des von dem Torf- 
moore überdeckten Flötzcbens ist dasselbe, wie dasjenige des 
normalen Flötzes. 

Von einer genau gleichmässigen Gestaltung von Flötz- und 
Tagesoberfläche kann, im Einzelnen wenigstens, keine Rede sein, 
obwohl sich die letztere ja vielfach ähnlich wie die Flötzoberfläche 
verhält. Sie fällt nur wenig nach Nordosten und Osten, neigt 
sich aber, rein nach NordeD, steiler in die Ebene. Spuren dilu- 
vialer Abwaschungen und Zerstörungen machen sich häufiger 
bemerkbar. So zieht sich südlich vom Felde der Grube Ilse, in 
der Richtung von Ost nach West streichend, auf noch unbekannte 
Erstreckung eine diluviale, zum Theil mit diluvialen Sanden aus- 
gefüllte Auswaschung hin, durch welche das Flötz in seiner Ge- 
sammtmächtigkeit unterbrochen wird. Ferner machen sich im 
westlichen Theile des Flötzes, in fortlaufender Aufeinanderfolge, 
auf einer, in der Richtung von fast Süd nach Nord verlaufenden 
Grenzlinie, — sie zieht sich von den Hörlitzer Weinbergen, etwa 
den Gruben Hörlitzer Werke und Meurostolln her zwischen 
den Dörfern Klettwitz und Särchen hin, sodass die nördlichen 
Gruben Henriette, Gotthold, Heyegrube und Waidmannsheil öst- 
lich von ihr zu liegen kommen, — ziemlich intensiv die Resultate 
einstiger diluvialer Abwaschungen bemerkbar. Das Flötz nähert 
sich hier der Oberfläche und ist vom Diluvium theilweise abge- 
schürft. Mit diesen Erscheinungen steht jedenfalls auch die von 
hier aus abnehmende Mächtigkeit des Flötzes in Zusammenhang. 


218 


Oscar Eberdt, Die Braunkohlen -Ablagerungen 


Nach Westen zu, in der Richtung nach Uobristroh, setzt, 
wie schon oben bemerkt, das Flötz weiter fort. Eingehende 
Bohrungen in östlicher Richtung sind nicht vorgenommen worden, 
da man schon bald beobachten konnte, dass hier ein schnelles 
Niedergehen in die Teufe stattfand. Auch ob das Flötz nach 
Norden zu und wieweit es unter eine, auch im Norden des 
Senftenberger Plateaus vorhandene Thalsohle fortsetzt, ist nicht 
genügend bekannt. Doch erscheint das Letztere wohl deshalb 
unwahrscheinlich, weil einestheils nach Norden zu im Allgemeinen 
das Flötz überhaupt an Mächtigkeit abnimmt und anderntheils 
ausserdem vom Hangenden her, sehr deutliche Spuren diluvialer 
Abwaschungen und Zerstörungen sich erkennen lassen. 

Wie schon bemerkt ist die Mächtigkeit des Flötzes in dem 
Östlichen Theile sehr bedeutend. Durchschnittlich, da sie zwischen 
11 und 20 Meter und mehr schwankt, kann man sie wohl auf 
15 Meter taxiren, und zwar ist sie im südlichen und nordwest- 
lichen Theil durchgehends grösser, im nördlichen geringer. 

3. Altersbestimmung der Braunkohle. 

Die Frage nach dem Alter dieser Braunkohlen-Ablagerungen 
lässt sich beantworten durch die Untersuchung ihres Liegenden 
und Hangenden, sowie durch Bestimmung und Beurtheilung der 
in diesen Schichten oder in der Braunkohle selbst sich finden- 
den fossilen Reste, die übrigens, wie hier gleich bemerkt werden 
soll, ausschliesslich pflanzlicher Natur sind und in der Hauptsache 
aus Hölzern, Früchten, zum geringen Theile auch aus Blättern 
bestehen. Das Liegende der Osthälfte des Flötzes ist nun von 
dem der Westhälfte mehrfach verschieden. 

Im östlichen Theile findet sich unter dem Flötz zuerst 
brauner resp. schwarz-grauer Letten oder brauner und grau-brauner 
Thon, der neben äusserst feinem Sande auch zahlreiche feine 
Glimmerblättchen führt. Unter diesem Letten folgt ein grau- 
weisser feiner, viel Glimmer führender Sand, der mit dunklen 
Lettenschichten abwechseln soll, und darauf folgt endlich ein 
sehr feiner, glimmerführender, reiner weisser Quarzsand, nach 
seinem Aussehen und seiner Zusammensetzung dem Formsande 


in der Gegend von Senftenberg. 


219 


sehr ähnlich. Alle diese Sande sollen stark wasserführend sein. 
Nicht in Erfahrung habe ich bringen können, ob dieser vorhin 
zuletzt genannte Sand schon die Deckschicht des unterliegenden 
älteren Braunkohlenflötzes ist, da ich genaue Bohrtabellen nicht 
vorgefunden habe. Auf die Frage, ob sich bei diesen Bohrungen 
Schalenreste gefunden hätten, ist mir stets die Antwort geworden, 
dass man darauf nicht geachtet habe. Die Sande zeichnen sich, 
nach den Proben zu urtheilen, durch grosse Feinheit des Korns 
aus und sind grösstentheils glimmerhaltig. Ob sie noch als zum 
Miocän gehörig anzusehen sind oder ob sie vielleicht mit den ober- 
oligocänen Meeressanden parallelisirt werden können, wird davon 
abhängig sein, ob es gelingt, Schalreste in ihnen nachzuweisen 
oder nicht. 

In der Westhälfte sind die als Liegendes auftretenden 
Schichten einander nicht immer gleich. Man findet entweder 
direct unter dem Flötz feinen glimmerführenden Sand von grauer 
Farbe oder Lagen von weissem Thone in einer ziemlich bedeuten- 
den Mächtigkeit bis weit über 3 Meter, oder endlich grau-braunen, 
thonigen Letten. Pflanzenreste sind, soviel mir bekannt geworden 
ist, in den liegenden Schichten der Senftenberger Ablagerungen 
nicht gefunden worden. 

Deutlicher als die Schichten des Liegenden olfenbaren sich 
hauptsächlich durch die vielen und ausserordentlich guten Auf- 
schlüsse der vielen Tagebauten die Schichten des Hangenden. 
Dieselben zerfallen in zwei Gruppen, von denen die eine dem 
Tertiär, die andere dem Diluvium angehört. 

Die Gesammtmächtigkeit der das Braunkohlenflötz über- 
lagernden Schichten ist natürlich an den einzelnen Punkten ver- 
schieden. Im Allgemeinen ist sie in der Osthälfte nicht geringer 
als 5 und nicht grösser denn 15 Meter, in der Westhälfte hingegen 
finden sich Stellen, wie z. B. auf den Gruben bei Klettwitz und 
bei Hörlitz, wo dieselbe weit unter 5 Meter bis zu 1 Ys Meter herab- 
geht. Dies ist fast stets dort der Fall, wo bei der schwach welligen 
Lagerung des Flötzes ein Wellenberg sich heraushebt. 

Das eigentliche Hangende des Flötzes besteht meist aus einem 
grau-weissen plastischen Thon, der in feuchtem Zustande, wenn 


220 


Oscar Eberdt, Die Braunkohlen -Ablagerungen 


man einen frischen Anschnitt vor sich hat, leicht bläulich-grün 
oder stellenweise auch ganz leicht hellbraun gefärbt erscheint. 
Derselbe ist immer kalkfrei, stellenweise sandig und wenn dies 
der Fall ist, dann reichlich mit Glimmerblättchen durchsetzt. Er 
wird fast nur zur Fabrikation von Ziegeln benutzt, soll aber eine 
Temperatur von 1200 — 1300°, ja sogar bis zu 1500° aushalten 
können, ohne zu sintern, und leicht Glasur annehmen. Wie oben 
schon bemerkt führt derselbe irgend welche Petrefacten nicht. 
Er erreicht eine Mächtigkeit bis über 3 Meter. Vielfach enthalten 
diese Thone Sehwefeleisenknollen in Schnüren vereinigt. Wo der 
Thon dem Flötz auflagert, ist er öfter reichlich mit Kohlenstücken 
vermengt, die wie in ihn hineingepresst erscheinen. 

Der Thon wird von groben und geröllreichen Sand- und 
Kiesmassen überlagert. Dieselben bestehen ausschliesslich aus 
wasserhellen bis milchweissen , röthlichen , bläulich oder grau ge- 
färbten Quarzen und schwarzen Kieselschiefern von der Grösse 
eines Hirsekornes bis zu Haselnuss- und Wallnussgrösse und sind 
mit weissen Glimmerblättchen in verschiedenem Verhältniss, meist 
jedoch reichlich vermengt. Was ihre Form anlangt, so sind die 
feineren Körner gewöhnlich scharfkantig, die gröberen hingegen 
meist völlig abgerundet und glatt. Auch weisser, an seiner Spalt- 
barkeit leicht erkennbarer Feldspath kommt dazwischen vor. Feuer- 
steine finden sich in diesen Sanden nicht, ebenso fehlen die Bruch- 
stücke fremder, namentlich nordischer Gesteine in ihnen völlig. 
Auch diese Sande zeigen eine, dem unterliegenden Braunkohlen- 
gebirge völlig conforme, sehr regelmässige Lagerung und sind, 
ebenso wie die Thone sowohl deswegen, als auch in Rücksicht 
auf ihre Zusammensetzung dem letzteren entschieden zuzurechnen. 
Sie erlangen mit den Thonen zusammen eine Mächtigkeit von etwa 
10 — 12 Meter. 

Obwohl diese Beschaffenheit und Anordnung des Deckgebirges 
die gewöhnlichste und häufigste ist, so zeigen doch die Resultate 
der Bohrungen sowohl als auch die in den Tagebauten gemachten 
Erfahrungen, dass man eine grosse Anzahl Ausnahmen constatiren 
kann. Vielfach findet nämlich ein gleichmässiges Aushalten dieser 
beiden Schichten nicht statt, vielmehr bleiben sich dieselben nur 


in der Gegend von Senftenberg. 


221 


auf gewisse Erstreckungen hin in Mächtigkeit und Aufeinanderfolge 
gleich, so dass in Bezug auf letztere auch die Sande das unmittel- 
bare Hangende bilden und die Thone fehlen können. 

Mehrfach fehlt auch nicht nur die eine der Deckschichten, 
sondern beide gänzlich. Sie sind dann durch mächtige Diluvial- 
massen ersetzt. Auch soll, wenigstens im westlichen Theile, anstatt 
des hellen Thones und der Kies- und Sandmassen mehrfach ein 
feiner bräunlicher, oder hell- oder dunkelgrauer Sand, der mit 
Lettenstreifen durchsetzt war, die unmittelbare Deckschicht des 
Flötzes gebildet haben. 

Immer jedoch kann man beobachten, dass solche Abweichungen 
von der regelmässigen Ueberlagerung durch Thone hervorgerufen 
sind durch locale Erosionen, denn das ganze Profil des Hangenden 
erscheint in solchen Fällen verworren. Auch stellen sich diese 
Erosionserscheinungen nur auf kurze Erstreckung hin gleich- 
mässig dar. 

Die oben beschriebenen tertiären Sande überlagert das Di- 
luvium, das in der Hauptsache aus Geschiebedecksand, dem jüng- 
sten Glied des Diluviums besteht, welcher die ihm nur spärlich 
eingelagerten Streifchen von Geschiebelehm und -Thon in einer 
Mächtigkeit bis zu 3 Meter und darüber bedeckt. Obwohl er in 
der Hauptsache aus gleichem Material, verschieden gefärbten Quarz- 
körnern und dunklem Kieselschiefer besteht und deshalb jedenfalls 
nur als umgelagerter tertiärer Sand anzusehen ist, unterscheidet er 
sich doch von dem letzteren in mehreren Punkten. Es finden sich 
nämlich erstens in dem Geschiebedecksand Feuersteine, die in 
dem tertiären Sand völlig fehlen, ferner Quarzgerölle bis zur Faust- 
grösse und andere Gerolle südlicher Herkunft zusammen mit 
nordischen Gesteinen, die man auch in grösseren Blöcken bis zu 
2 Cubikmeter und mehr Inhalt auf der Tagesoberfläche zerstreut 
findet und die aus Graniten, Gneissen und cambrischen Sand- 
steinen bestehen. Ein weiterer Unterschied beruht in der Un- 
gleichheit des Kornes des Geschiebedecksandes, die sich sogar in 
den einzelnen Schichten, — der Sand zeigt transversale Parallel- 
structur — bemerkbar macht. Vielfach ist die ganze Masse von 
Eisenoxydhydrat ungleichmässig durchsetzt und gefärbt und manch- 


222 Oscar Eberdt, Die Braunkohlen -Ablagerungen 

mal mit Hilfe thoniger Bindemittel zu festem Conglomerat ver- 
kittet. Auch Braunkohlenquarzite fehlen in ihm nicht. 

Wie Keilhack *) nun gezeigt hat, finden sich am Koschen- 
berge, der sich etwa 2 Meilen südlich von unseren Senftenberger 
Braunkohlenablagerungen aus »der weiten, 105— 120 Meter hoch 
gelegenen Geschiebesandebene bis zur Höhe von 176,4 Meter über 
dem Meere erhebt« Spuren einstiger Vergletscherung. 

Nach seinen Befunden urtheilt dieser Autor in folgender 
Weise: »Das nordische Inlandeis hat offenbar die beiden Berg- 
kuppen noch überkleidet und den Verwitterungsschutt, mit dem 
sie bedeckt waren, zu einer Grundmoräne aufgearbeitet; dagegen 
scheint die eigentliche nordische Grundmoräne diese beiden Berge 
nicht mit überzogen zu haben, vielmehr wurden nur verhältniss- 
mässig wenige kleine Gesteinsstücke im Eise mit über den Berg 
genommen und der neugebildeten Grundmoräne einverleibt, auch 
folgte diese selbst der weiteren Südbewegung des Eises nicht, 
sondern blieb in der Hauptsache an der Stelle ihrer Bildung 
liegen, u. s. f.« 

Wie genaue Messungen ergeben haben, liegt der höchste 
Punkt des Plateaus, welches die Braunkohlenablagerungen be- 
deckt, 153,3 Meter über dem Meere. Man wird also in der 
Annahme nicht fehl gehen, dass, wenn ein südlicher gelegener, 
23 Meter höherer Berg noch von dem nordischen Inlandeis über- 
zogen worden ist, auch die, unsere Braunkohlen deckenden Schichten 
ebenfalls vom Eis überzogen waren, und dafür sprechen denn auch 
eine Reihe von Erscheinungen. 

So findet man z. B. auf Grube Ilse, in der Nordostecke des 
momentan in Betrieb stehenden Tagebaues, wo die Tagesoberfläche 
des Hangenden scharf wellig gestaltet ist und die einzelnen scharfen 
Bodenwellen untereinander wieder zerrissen sind, 1 — H/2 Meter 
tiefe, runde Löcher, die mit Sandmassen fest ausgefüllt sind. 
Entfernt man aus ihnen den Sand, so constatirt man erstens, dass 
diese Löcher sich nach unten zu erweitern und dass sich auf dem 


*) Keilhack, K. Der Kosehenberg bei Senftenberg. Dieses Jahrbuch für 
1892. 


in der Gegend von Senftenberg. 


223 


Boden derselben vielfach ein faust- bis kopfgrosser Stein befindet, 
ähnlich wie es von den Strudellöchern her bekannt ist. An diesen 
Stellen fehlen die tertiären Deckschichten völlig und sind durch 
ca. 15 Meter mächtige Diluvialsande, die vielfach verkittet sind, 
ersetzt. Diese letztere Erscheinung lässt sich, wie schon Eingangs 
bemerkt, in nördlicher Richtung nach dem Thale zu überhaupt 
vielfach beobachten und auch das Flötz selbst erscheint alterirt. 
Die oberen Kohlenpartien direct unter dem Hangenden sind 
schmierig, vielleicht infolge einstigen mächtigen gleitenden Druckes 
und späterer Einwirkung des Wassers. 

Aber noch eine Reihe anderer Erscheinungen lassen sich auf 
den von der einstigen Eisdecke ausgeübten gewaltigen Druck 
zurückführen. So findet man tertiäre Sandmassen vielfach in 
den hangenden Thon hineingepresst und Ueberschiebungen des 
Thones und Ueberkippungen, die sich in den ganzen Aufschlüssen 
öfter nachweisen lassen, sowie Einpressungen der unterlagernden 
Sande in die hoch aufgewölbten, überkippten Falten gehören nicht 
gerade zu den Seltenheiten. 

So lassen sich vielfach Erscheinungen, die für das Vorhanden- 
sein einer einstigen Vereisung sprechen, anführen. Aber die 
Massen, die diese Gletscher in Form von Localmoränen abgelagert 
haben mögen, sind durch spätere Flutben, welche die tertiären 
Schichten und zum Theil sogar das Braunkohlenflötz selbst wieder 
hinwegwuschen, und deren Zeugen die vielfach abgelagerten, süd- 
licheren Gebieten entstammenden Gesteine, so auch die Achate 
sind, zum grössten Theil wieder fortgespült und durch Geschiebe- 
decksand ersetzt worden. 

Wie Berendt hauptsächlich iu seiner Abhandlung: »Das 
Tertiär im Bereiche der Mark Brandenburg« wahrscheinlich ge- 
macht hat, zerfällt die märkische Braunkohlenbildung, zu der auch 
unsere Senftenberger Ablagerungen gehören, in zwei Abtheilungen, 
eine jüngere, die sogenannten nördlichen Bildungen Giebel- 
hausens, die »bis nach Mecklenburg und Pommern hinein in 


Berendt, G. Das Tertiär im Bereiche der Mark Brandenburg. (Sitzungs- 
berichte der Königl. Preuss. Akademie der Wissenschaften 1885, S. 863 — 885). 


224 


Oscar Eberdt, Die Braunkohlen -Ablagerungen 


auffälliger Uebereinstimmung der Oberfläche nahe liegt und eine 
ältere, Giebel hausens südliche Bildungen«. Diese letztere, »die 
sich« cf. Berendt, »nur auf die Lausitz zu beschränken und einer- 
seits nach Sachsen bis in die Gegend von Leipzig, anderntheils 
nach Schlesien hinein eine gewisse Randbildung um den nörd- 
lichen Fuss der Sudeten zu bilden scheint«, wird von dem vor- 
genannten Autor mit dem Namen »subsudetisch« bezeichnet und 
dadurch von der märkischen unterschieden. 

Wie aus den von Berendt mitgetheilten Bohrlochprofilen 
hervorgeht, sind diese beiden Bildungen durch eine, bis zu 30 Meter 
mächtige Zwischenlagerung von weissen Thonen, den sogen. 
Flaschenthonen der Lausitz von einander getrennt. Und da nun 
auch unsere Senftenberger Bildungen, wie vorhin gezeigt, vielfach 
eine Einlagerung thoniger Schichten und, jedenfalls regelmässig 
dort, wo die Lagerung nicht durch spätere Einflüsse gestört er- 
scheint, eine Bedeckung durch Thonmassen von verschiedener, 
jedoch vielfach mehr als 3 Meter betragender Mächtigkeit erkennen 
lassen, so liegt der Gedanke einer Zusammengehörigkeit, ja sogar 
einer Verschmelzung derselben mit den Flaschenthonen nahe, na- 
mentlich da auch die Zusammensetzung und technische Verwend- 
barkeit der beiden die gleiche ist. Nimmt man, was nach dem 
Gesagten als folgerichtig erscheint, diese an, so würden also auch 
unsere Senftenberger Bildungen zu den »subsudetischen« zu stellen, 
und da Berendt die Entstehung der letzteren in seiner vorhin 
genannten Abhandlung an den Schluss der Oligocänzeit verlegt, 
jung oligocän, und nach den weiteren Ausführungen dieses Autors 
in seiner Abhandlung über Soolbohrungen im Weichbilde Berlins *) 
sogar miocän sein. 

Dieses jugendliche Alter unserer Braunkohlen beweisen nun 
auch die fossilen pflanzlichen Reste, die man sowohl in der Braun- 
kohle selbst als auch in den überlagernden Thonen bei Klettwitz 
und Zschipkau gefunden, aber bisher gar nicht beachtet, jedenfalls 
zur Altersbestimmung der Ablagerungen nicht herangezogen hat. 


*) Berendt, G-. Die Soolbohrungen im Weichbilde der Stadt Berlin. (Dieses 
Jahrbuch für 1889.) 


in der Gegend von Senftenberg. 


225 


So berichtet v. Fritsch in seiner, den ersten Theil des 
VoLLERT’schen Buches 1 ): »Der Braunkohlenbergbau im Oberberg- 
amtsbezirk Halle etc.« bildenden Abhandlung: »Die Tertiärforma- 
tion Mitteldeutschlands« betitelt, dass vom Bergreferendar Gräss- 
ner in den jetzt leider verschütteten Thonen von Zschipkau 
Blätter von Liquidambar europaeum Al. Br., Blätter und Früchte 
von Carpinus pyramidalis Göpp. spec. , Blätter von Populus latior 
Al. Br., Zweiglein von Taxodium distichum miocenicum Heer., 
u. a. m. nachgewiesen sind. Ich selbst fand und erhielt auf dem 
Werke in Zschipkau, aus der Sammlung eines der dortigen Ober- 
steiger noch ein Thonstück, was von demselben seinerzeit an Ort 
und Stelle entnommen war und auf dem sich Blattabdrücke von 
Carpinus grandis Heer, Ainus Kefersteinii Heer, desgl. Populus 
latior Al. Br. und wahrscheinlich von einem Kern von Vitis teu- 
tonica befinden. 

In der Kohle selbst fanden sich sehr schön erhalten Gardenia 
Wetzleri Heer, von diesem letzteren Autor im samländischen 
Miocän nachgewiesen und verwandt mit der Gardenia pomaria 
Engelhardt’s aus den Braunkohlen Sachsens, eine zu den Rubia- 
ceen gehörende Pflanze, deren Vertreter jetzt in Indien und China 
leben. Ferner in Massen Holz des schon mehrfach erwähnten 
Taxodium distichum miocenicum HeeR. , ausserdem Pmws-Zapfen 
und ein mächtiger Pinus- Stamm, zum Theil noch mit seiner Rinde 
bedeckt. Juglans - Früchte sind nicht selten, genauer bestimmt 
konnte eine Frucht werden als Juglans troglodytarum Heer, welche 
ebenfalls in den sächsischen Braunkohlen von Engelhardt nach- 
gewiesen ist. Früchte von Carya pusilla finden sich häufiger, 
namentlich aber Corylus- Früchte, deren Sclerenchym mit dem der 
Frucht von Corylus avellana L. ausserordentliche Uebereinstimmung 
zeigt. Als Corylus avellana angehörig konnten auch viele Holz- 
reste bestimmt werden. Auch der von Heer im samländischen 
Miocän nachgewiesene Carpolithes Gervaisii , der nach den Unter- 
suchungen Schenk’s vielleicht als eine Anacardiaceen- Frucht an- 

*) Vollert, Der Braunkohlenbergbau im Oberbergamtsbezirk Halle. Fest- 
schrift zur Feier des 4. Allgem. Deutschen Bergmannstages. 8°. Halle a. S. 
1889. 


Jahrbuch 1893. 


15 


226 


Oscar Eberdt, Die Braunkohlen -Ablagerungen 


Zusehen ist, findet sich in unseren Kohlen, ebenso Garex - Samen 
in Fülle, oft kleine Bänke bildend. 

Zwar treten, mit Ausnahme von Populus latior, die sich zu- 
erst im Miocän findet, fast alle andern genannten Pflanzen, — es 
sind hier nur die hauptsächlichsten angeführt — auch schon im 
Oligocän auf, aber die ganze Zusammensetzung der Flora weist doch 
entschieden auf Miocän hin. Palmen finden sich gar nicht und 
neben den Vertretern einer wärmeren Zone treten hauptsächlich 
doch Angehörige einer gemässigten wärmeren Zone auf, deren 
Formen aber eine so tief eingreifende Veränderung, in dem Umfang, 
wie es bei den Floren der jüngsten Tertiärbildungen der Fall ist, 
doch noch nicht erfahren haben. Und so möchte ich denn, ebenso wie 
nach den geologischen Befunden auch nach den Pflanzenresten die 
Braunkohlen als in der Periode des Miocäns gebildet, bezeichnen. 

4. Entstehung des Braunkohlenlagers. 

Bekanntlich stehen sich bezüglich der Bildung der Braunkohlen- 
flötze zwei Ansichten einander gegenüber. Nach der einen, die 
namentlich heutigen Tages eine grosse Anzahl Vertreter hat, soll 
der bei Weitem grösste Theil der Ablagerungen, wenn nicht über- 
haupt sämmtliche, durch Herbeischwemmung von Pflanzenmassen, 
Baumstämmen vor allen Dingen, in Verbindung mit sogen. Barren- 
bildungen, wie man sie heute noch an verschiedenen Küsten, so- 
wie am Mackenzie und Missisippi beobachten kann, — ich will 
hier nicht unterlassen auf die Abhandlung von Ochsenius *) über 
Kohlenbildung hinzuweisen — entstanden sein. Nach der andern 
sind die Braunkohlenflötze aus Ablagerungen von Pflanzentheilen 
auf deren Entstehungsstätte, aus Torf- und Waldvegetation her- 
vorgegangen. 

Ohne auf diese Ansichten, die jedenfalls, je nach den Um- 
ständen beide berechtigt sind, näher einzugehen, darf, so glaube 
ich, von den Senftenberger Ablagerungen mit Bestimmtheit be- 
hauptet werden, dass sie am Orte selbst entstanden, oder um ein 
in Aufnahme gekommenes Fremdwort zu gebrauchen, autochthon 
sind. Dafür spricht das Folgende. 

b Ochsenius, Carl. Ueber Kohlenbildung. Berg- und. Hüttenmännische 
Zeitung. Jahrg. 51 (1892), No. 17, S. 153 u. f. 


in der Gegend von Senftenberg. 


227 


In einer Reihe von Tagebauten, ich habe es z. B. beobachtet 
auf der Heyegrube, den Hörlitzer Werken und auf der Grube 
Marie Nordwestfeld, d. h. also, sowohl im westlichen als auch im 
östlichen Flötztheil, findet man im Liegenden des Flötzes aufrecht 
stehende Baumstämme. Am schönsten sah ich diese Erscheinung 
auf der Grube Marie Nordwestfeld uud nach dem dortigen Vor- 
kommen will ich dieselbe auch zu schildern versuchen. 

Im Liegenden eines abgebauten Flötzstückes, in einer Länge 
und Breite von je etwa 200 Meter fand ich eine grosse Anzahl 
aufrecht stehender Baumstümpfe, deren Wurzeln ich auf ca. 2 bis 
2V2 Meter Entfernung vom Stamm im Liegenden, es war leicht 
grau-gefärbter Thon, verfolgen konnte. Alle diese Stämme waren 
in etwas mehr denn einem Meter Höhe über dem Boden gleichmässig 
wie abgeschnitten oder abgesägt. Welche Gewalt, so frug ich 
mich, als ich diese Erscheinung zum ersten Male sah, ist im 
Stande gewesen, dies zu vollbringen? Denn alle diese Stämme 
konnte man als einstige Riesen des Waldes bezeichnen. Die 
meisten von ihnen hatten einen Durchmesser von über 3 Meter 
und einen Umfang von 9 — 10 Meter. Diese Bäume müssen hier, 
wo sie noch fest eingewurzelt stehen, auch gewachsen sein, denn 
selbst wenn man annehmen wollte, dass sie von einem andern 
Standort hier eingeschwemmt und später durch eine gewaltige 
Kraft wieder aufgerichtet seien, so widerspricht dieser Annahme 
doch ihre ganze Erscheinung, die vollkommene Regelmässigkeit 
und Gleichmässigkeit ihrer Stellung, und vor allen Dingen die 
durchaus regelmässige Lagerung des Flötzes, das keinerlei innere 
Störung zeigt. 

Aber, welche Kraft ist im Stande gewesen, diese Riesenleiber 
so gleichmässig niederzustrecken, dass eine Ebene, die man durch 
die Endflächen der Stümpfe legen, ungefähr parallel dem Liegen- 
den verlaufen würde? Da erinnerte ich mich der Schilderungen 
tropischer Urwälder und fand in denselben stets die Angabe, dass 
die alten Riesenbäume, wenn sie, morsch geworden, das Gewicht 
ihrer Kronen nicht mehr zu tragen vermögen, ebenfallsfast stets 
in gleicher Höhe über dem Boden brechen. Aber das würde 
immer nur eine splittrige aber noch keine glatte, vielmehr ebene 

15 * 


228 


Oscar Eberet, Die Braunkohlen -Ablagerungen 


Bruchfläche geben. Da führte mich Herr Geh. Oberbergrath Dr. 
HaüCHECORNE darauf, dass man zur Erklärung dieser letzteren Er- 
scheinung das Wasser zu Hülfe nehmen könne. Die Bäume sind ge- 
brochen und ihre Stämme sind in das Wasser gestürzt, und dies 
letztere hat insofern nivellirend gewirkt, als bis zur Höhe des 
Wasserspiegels die Stümpfe abgefault sind, der vom Wasser be- 
deckte Theil dagegen vor Verwitterung geschützt und so erhalten 
geblieben ist. 

Das Holz einer Anzahl dieser Stümpfe ist nun von mir unter- 
sucht und -zumeist als Taxodium distichum miocenicum Heer be- 
stimmt worden. Doch auch Laubhölzer finden sich darunter, die 
noch der eingehenden Untersuchung harren. Alle in den Senften- 
berger Ablagerungen vorkommende Hölzer zu untersuchen und, 
soweit möglich, zu bestimmen, soll Gegenstand einer besonderen 
Arbeit sein und zwar gedenke ich sowohl eine vergleichende ana- 
tomische Untersuchung aller in einem Flötz sich findenden Holz- 
vorkommen, als auch eine Vergleichung der Braunkohlenhölzer 
verschiedener Vorkommen mit einander vorzunehmen. 

Herr Bergrath v. Gellhorn *) hat eine Reihe von Hölzern 
aus der märkischen Braunkohle, nämlich aus der Gegend von 
Freienwalde, Drossen, Rietschütz in der Nähe von Schwiebus, 
und Zielenzig untersucht und sie ausschliesslich als Taxodium 
distichum miocenicum bestimmen können. Er kommt daher zu dem 
Schlüsse, dass die Braunkohlen im nördlichen Theile der Mark 
Brandenburg nur aus Nadelhölzern gebildet sind und Laubhölzer 
völlig fehlen. Nun, die vorhin angeführten Früchte von Laub- 
hölzern aus der Kohle würden allein schon genügen als Nachweis 
des einstigen Vorhandenseins von Laubhölzern, wenn auch bis 
jetzt noch keine Stammtheile gefunden wären, denn sie müssen 
doch an solchen gewachsen sein. 

Ferner kommt v. Gellhorn zu dem Schlüsse, dass zur Zeit 
der Bildung der märkischen Braunkohlen kein wärmeres Klima 
als jetzt geherrscht habe, weil die virginische Sumpfcypresse auch 
jetzt noch bei uns gedeihe. Aber man kann doch wohl kaum 

J ) v. Gellhorn, 0. Die Braunkohlen- Hölzer in der Mark Brandenburg. 
(Dieses Jahrbuch 1893). 


in der Gegend von Senftenberg. 


229 


behaupten, dass sie so bei uns gedeiht, wie in ihrer Heimath und 
zu einer Massen- Taxodium-Veget&tion dürften wir es unter jetzigen 
Temperaturverhältnissen wohl nicht mehr bringen. Eine Erörterung 
der an und für sich speciell für diesen Aufsatz nebensächlichen 
Temperaturfrage ist aber auch deshalb noch überflüssig, weil ja 
die Beweise für das einstmalige Vorhandensein anderer, sicher sub- 
tropischer Pflanzen vorliegen. 

Die Hauptbildungs- resp. Ablagerungsorte der Pflanzenstoffe 
in der Tertiärzeit waren Sümpfe, Moore, Binnenseen, Meeres- 
buchten, Flussdeltas und ähnliche Localitäten mehr. Hier ent- 
wickelte sich unter den damaligen günstigen Temperaturver- 
hältnissen und bei der mit Wasserdünsten reichlich gesättigten, 
vielleicht auch etwas kohlensäurehaltigeren Atmosphäre eine Massen- 
vegetation, deren Erzeugnisse riesenhafte Grösse erreichten. Man 
denke nur an Pinus protolarix Goepp., aus den Braunkohlen bei 
Laasan in Schlesien, ein Baum, dem an Grösse die Stämme im 
Senftenherger Vorkommen völlig ebenbürtig sind. Bei Pinus pro- 
tolarix hatte Goeppert 2500 Jahresringe gezählt, und, weil 
er nach Verhältnissen in unserer gemässigten Zone urtheilte, ein 
Alter von 2500 Jahren für den Baum herausgerechnet, was so 
lange als richtig galt, bis andere Botaniker an Untersuchungen 
im tropischen und subtropischen Gebiet zeigten, dass die Bäume 
dort mit einer Ringbildung im Jahre sich nicht zufrieden geben, 
sondern deren mehrere machen und im Verhältniss viel kurzlebiger 
sind als bei uns. Und so dürfte es- denn auch zur Tertiärzeit der 
Fall gewesen sein, dass die gewaltigen Pflanzenmassen zwar schnell 
erzeugt, aber auch schnell zersetzt worden sind. 

Als Bildungslocalität der Senftenberger Vorkommen haben 
wir jedenfalls eine flache Mulde, etwa eine seichte Meeresbucht 
oder einen Theil einer solchen uns vorzustellen. Hier entwickelte 
sich entweder gleichzeitig mit oder noch vor dem Auftreten eines 
Moores unser Taxodium distichum mioc. H., das ohne Zweifel zur 
damaligen Zeit dieselbe Rolle gespielt hat, wie sein Verwandter, 
das jetzige Taxodium distichum in den Morästen Virginiens noch 
heute, wo es eine Höhe von 40 Meter und eine entsprechende 
Stärke erreicht. Zwischen und unter diesen Bäumen entwickelte 


230 


Oscar Eberdt, Die Braunkohlen -Ablagerungen 


sich ein Wald von Rohr, Gräsern und kleinen Kräutern und Ge- 
sträuchen, und in jedem Jahre häufte sich das Gemenge derselben, 
mit abgefallenen Zweigen und Blättern vermischt, an der Wasser- 
oberfläche an, um durch langsame Zersetzung in Kohle verwandelt 
zu werden, endlich zu Boden zu sinken und dort einen schwarzen 
weichen Schlamm zu bilden. Dann stürzten die Bäume, verkohlten, 
soweit sie im Wasser'' lagen, langsam, und auf ihren, aus dem 
Wasser herausragenden, vermodernden Theilen siedelten sich Moose, 
dann kleine Gesträuche an, auch jedes Jahr durch Ast- und Laub- 
fall zur Vermehrung der Ablagerungen beitragend. Kurz, es ist 
dasselbe Bild, wie es heute in südlicheren Theilen der Vereinigten 
Staaten die sogenannten Dismal- oder Alligator -Swamps zeigen. 
(Ich will nicht versäumen hier auf folgende Arbeit zu verweisen, 
welche in ausführlicher Weise, unter Beibringung einer grossen 
Anzahl von Abbildungen, die genannten Dismal Swamps beschreibt. 
Es ist dies: »General account of the fresh-water morasses of the 
United States, with a description of the Dismal Swamps District 
of Virginia and North Carolina, by Nathaniel Southgate Shaler. 
Tenth Annual Report of the United States Geological Survey 
1888 — 1889. Part I. Geology. p. 261 — 339). Das sind grosse 
Moräste, welche am Atlantischen Ocean von Cap Henri oder Nor- 
folk in Virginien bis zur Mündung des Cape -Fear -Flusses oder 
Wilmington in Nord -Carolina reichend, vielleicht tausende von 
Quadratmeilen bedecken und von den umgebenden Bergen und 
Buchten durch breite Hügel und grosse Sandbänke getrennt sind. 
Sie schliessen starke Torflager und seichte Seen ein, welche, die 
Unebenheiten des Bodens füllend, bis an den Fuss der das Land 
durchziehenden Hügel sich ausbreiten, auf denen sich, im Gegen- 
satz zu der sonstigen Sumpfflora, die Vegetation des festen Landes 
entwickelt. Wenn sich der einsame Wanderer in diese morastige 
Wildniss verirrt, so muss er mindestens bis an die Knie im Wasser 
oder im schwarzen, weichen Schlamm waten, denn was wie grüner, 
fester Boden aussieht, sind Moose, durch die sein Fuss hindurch- 
tritt. Fast undurchdringlich dichte Sumpfgräser versperren ihm 
den Weg und einen sicheren Ruhepunkt für seinen ermüdeten 
Fuss bieten ihm nur die knorrigen, über den Morast sich erheben- 


in der Gegend von Senftenberg. 


231 


den Wurzeln eines mächtigen Baumes, einer immergrünen Cypresse, 
des Taxodium distichum. 

Der Zeitraum, in welchem die Ablagerung der Braunkohlen- 
flötze sich vollzog, ist nun in den meisten Fällen, jedenfalls bei 
starken Flötzen immer ein sehr grosser gewesen, um so grösser, 
wenn ihre Bildung nicht ruhig und ununterbrochen, sondern dis- 
continuirlich, in periodischen Absätzen vor sich ging. Denn durch 
Naturereignisse, z. B. Ueberschwemmungen , welche Thon und 
Sandmassen herbeiführten und in diesen Morästen ablagerten, 
konnten natürlich die verkohlten Massen bedeckt und die Wasser- 
oberfläche völlig wieder frei werden, so dass erst ganz allmählich 
von Neuem sich Vegetation darauf entwickeln musste. Geschah 
dies, dann entstanden 2 oder mehrere Flötze, wenn nicht, nur 
eines. 

Bei unserm Senftenberger Braunkohlenflötz hat es den An- 
schein, als habe man ein einziges mächtiges Flötz vor sich, aber die 
genaue Untersuchung des frischen Profils eines ganzen Flötzes giebt 
doch eine etwas andere Auskunft, wie ich auf Grube Marie Nordwest- 
feld constatiren konnte. Das ganze Flötz wurde hier durch 2, im 
Verhältniss zur Mächtigkeit des Flötzes von ca. 20 Meter freilich 
nur schwache Schichten thonhaltiger Kohlensande in 3 Abtheilungen 
getrennt, und in jeder dieser, gleichwie die Kohle schwarzbraun 
gefärbten, thonhaltigen Sandschichten sah man, ebenso wie im Lie- 
genden, Baumstämme mit langen Wurzelresten aufrecht stehen. 
Hiernach ist also die Bildung eine discontinuirliche, durch Ablage- 
rung dieser Zwischenschichten unterbrochene gewesen. Und in 
jeder dieser 3 Etagen, von denen die oberste die mächtigste war, 
lässt sich ungefähr die gleiche Gliederung der Kohlen beobachten. 
Zuerst findet man in der Richtung vom Liegenden zum Hangen- 
den, die Baumstümpfe umgebend, roth- bis dunkelbraune Kohle, 
mit Einlagerung langgestreckter, wirr durch einander liegender 
Stämme verschiedenen Durchmessers in einer Mächtigkeit bis zu 
3 Meter und vielleicht noch darüber. Dann folgt eine schwärz- 
liche Kohle, die vielfach stenglich und fädig aussieht und den 
Eindruck macht, als ob sie ausschliesslich aus Sumpfgräsern, 
Schilfen , Binsen und dergl. gebildet sei , mit mannigfachen, 


232 


Oscar Eberdt, Die Braunkohlen -Ablagerungen 


häufigen Resten von Kleinholz, jedenfalls von Gesträuch her- 
rührend, ganzen Depots von Nüssen, vornehmlich Haselnüssen 
und von kleinen C'are^-Samenkörnern , die ganze, kleine Bänke 
bilden. Hierauf folgte eine etwas verunreinigte Kohle, die in ihrer 
obersten Schicht etwas schmierig erschien, mit spärlicherer Ein- 
lagerung von Stämmen , von denen ich dahingestellt lassen will, 
ob sie nicht eventl. doch eingeschwemmt sind, und darauf lag nun 
die vorgenannte thonhaltige Sandschicht mit wiederum aufrecht 
stehenden Baumstümpfen. 

War nun die Zeit, die zu diesen mächtigen Ablagerungen 
nöthig war, auch gross, so scheint sie doch nicht so gross ge- 
wesen zu sein, dass in ihrem Verlaufe die klimatischen Bedingungen 
und mit ihnen der Charakter der Pflanzenwelt sich wesentlich ge- 
ändert hätten. Denn soviel mir scheint, findet man in den Kohlen- 
schichten unter dem Hangenden etwa die gleichen Pflanzenreste 
wieder, wie in der Nähe des Liegenden. 

5. Schlussbemerkungen. 

Lassen wir die Flora, aus deren Resten unsre Kohle gebildet 
ist, nochmals vor unsern Augen vorübergleiten, so finden wir, dass 
Bäume und Sträucher dominiren. Sie machten im Tertiär nach 
den Angaben Heer’s und anderer bedeutender Forscher etwa 
76 pCt. der Flora aus, und von ihnen wiederum % etwa bildeten 
die immergrünen Bäume. Nur 24 pCt. kamen auf Gräser und 
Kräuter, deren Hauptvertreter wohl Arundo Goepperti Heer, 
Poacites- Arten, sowie eine Reihe von Carex- Arten u. a. m. waren, 
und auf niedere Pflanzen. Hochstämmig ragten die immergrünen 
Riesenbäume aus dem Sumpfe empor, mit Bäumen mit fallendem 
Laube, Wallnuss- und Amberbäumen, Carpinus- und Populus- 
Arten untermischt, die sich hauptsächlich aber wohl an schon 
trockeneren Stellen am Rande des Wassers ansiedelten. Wohl- 
riechende Gardenien erfüllten mit ihrem Dufte die Luft und an 
den Bäumen rankte sich Vif As teutonica , die deutsche Weinrebe, 
nach den Untersuchungen Al. Braun’s eine der amerikanischen 
Vitis vulpina ähnliche Rebe empor. 

Meist ist die Braunkohlenflora als einförmig verschrieen, und 


in der Gegend von Senftenberg. 


233 


wegen dieser Einförmigkeit einestheils, anderntheils wegen der 
häufig schlechten Erhaltung der in ihr sich findenden organischen 
resp. Pflanzenreste ist sie vielfach missachtet und darum wohl 
auch nie recht eingehend untersucht worden. Zu irgend welcher 
Missachtung liegt aber bei der Flora unserer Senftenberger Ab- 
lagerungen kein Grund vor, denn sie ist reichhaltig und verhält- 
nissmässig gut erhalten. 

Deshalb und weil nach den Erfahrungen bei meinen bis- 
herigen Untersuchungen, die freilich vorläufig nur wenig eingehend 
sein konnten, ich die Hoffnung hege, dass die Mühe der Bear- 
beitung sich lohnen und einige Resultate ergeben wird, habe ich 
die eingehende Untersuchung der Senftenberger Pflanzenreste zum 
Gegenstand einer besonderen Arbeit gemacht, die ich im nächsten 
Jahre an dieser Stelle zu veröffentlichen gedenke. 


Nachschrift. 

Im Decemberheft des Jahrganges 1894 der »Brandenburgs«, 
Monatsblatt der Gesellschaft für Heimathkunde der Provinz Bran- 
denburg zu Berlin, von dem ich erst Kenntniss erhielt, nachdem 
die Drucklegung dieser Arbeit schon erfolgt war, findet sich ein 
Bericht von E. Friedel: »Ueber die jüngsten Ausgrabungen und 
Funde in den Braunkohlen werken bei Gross-Räschen, Kreis Calau«. 
Herr Friedel schreibt darin: »Durch einen Zufall erfuhr die Di- 
rection der geologischen Landesanstalt hiervon (nämlich von der 
Auffindung aufrecht stehender Baumstümpfe) und entsendete (im 
October 1894) den Pflanzenpaläontologen Dr. Potonie als hervor- 
ragenden Fachmann in die betreffende Gegend.« Diese Angabe 
ist nicht ganz den wirklichen Verhältnissen entsprechend. Ver- 
fasser dieses wurde von der Direction der Königl. geologischen 
Landesanstalt schon im October 1893, also ein volles Jahr früher, 
in die betreffende Gegend gesandt, weil dort einige interessante 
Funde gemacht worden waren, und hat dieselbe während mehr als 
8 Tagen nach allen Richtungen hin, soweit sie Braunkohlen führt, 
durchstreift, auch die meisten, jedenfalls wichtigeren Werke sämmt- 
lich besucht und die geologischen Verhältnisse untersucht. 


234 


Oscar Eberdt, Die Braunkohlen -Ablagerungen 


Die Begehungen wurden vorgenommen auf Grund von Hin- 
weisen und Rathschlägen, welche der inzwischen leider verstorbene 
Oberbergrath Koch in Cottbus dem Verfasser in einer dort statt- 
gefundenen Besprechung gegeben hatte. Verfasser versäumte 
natürlich nicht, in einem, Anfang November 1893 eingereichten 
Bericht der Direction die interessanten und theilweise wohl auch 
wichtigen Beobachtungs - Resultate und Funde der Reise zu unter- 
breiten, doch unterblieb aus Mangel an Zeit die eingehende Bear- 
beitung bis in den Herbst des Jahres 1894. Eine Reise des Herrn 
Dr. Potonte in das betreffende Gebiet, sowie eine am 4. Novem- 
ber 1894 von diesem mit einer grösseren Zahl von Theilnehmern 
dahin unternommene Excursion fiel zeitlich mit der Vollendung 
der vorliegenden Arbeit zusammen. 

Am 7. November desselben Jahres nun hielt Verfasser in der 
Deutschen geologischen Gesellschaft einen Vortrag über: »Die 
Braunkohlen-Ablagerungen in der Gegend von Senftenberg«, den 
Herr Friedel in seinem vorerwähnten Bericht eine: »Allgemeinere 
Orientirung über unsere Excursion vom 4. desselben Monats« 
('siehe oben) nennt. Diese Bezeichnung ist nicht zutreffend, 
da ich erstens an der betreffenden Excursion gar nicht betheiligt, 
anderntheils der Vortrag auch keine allgemeinere Orientirung, 
sondern im Gegentheil eine sehr eingehende Schilderung der geo- 
logischen Verhältnisse der Gegend von Senftenberg mit vorläufig 
nur kurzen Abschweifungen auf paläontologisches Gebiet war. 

Ferner schreibt Herr Friedel: »Zunächst im Tagebau der 
Victoria that sich den erstaunten Forscheraugen eine wie neue 
Welt, das grossartige, fast überwältigende Schauspiel eines aus 
hunderttausendjähriger Vergangenheit wiedererstandenen Waldes 
der obermiocänen , zum Theil vielleicht ins Pliocän reichenden 
Abtheilung des Tertiärs auf.« 

Hierzu ist zu bemerken , dass meines Erachtens kein 
Grund vorliegt , die Ablagerung , in der sich die stehenden 
Baumstümpfe finden, gerade für obermiocän zu halten. Sie ist 
jedenfalls miocän, das beweisen neben den Lagerungsverhältnissen 
auch die darin sich findenden fossilen Reste; gerade auf oberes 
Miocän deutet nicht das Geringste hin. Ebenso findet sich vor- 


in der Gegend von Senftenberg. 


235 


läufig noch kein Anhaltspunkt, der dazu berechtigte, die dem Di- 
luvium nach unten zunächst liegenden Schichten für Pliocän zu 
halten. 

Was nun die Erhaltung einer Anzahl dieser aufrecht stehenden 
Stümpfe an Ort und Stelle anlangt, welche in dem FRiEDEL’schen 
Bericht gefordert wird, so ist vielleicht der Hinweis angebracht, 
dass ohne Ueberbauung solcher Stümpfe, die diesen Schutz gegen 
Witterungseinflüsse, Regen, Sonne, Wind, Frost u. s. w. gewährt, 
es nicht möglich sein wird, dieser Forderung nachzukommen, da 
nach meinen bisherigen Beobachtungen und Erfahrungen die 
Witterungseinflüsse ziemlich schnell zerstörend auf das Holz der 
Stümpfe einwirken. 


Hoher die stratigraphischen Beziehungen der 
höhmischen Stufen F, Gr, H Barrande’s zum 
rheinischen Devon. 

Von den Herren E. Kayser in Marburg und E. Holzapfel in Aachen. 
(Mit 5 Zinkotypien im Texte.) 


Vorbemerkungen. 

Die nachstehenden Mittheilungen sind, soweit sie Böhmen 
betreffen, das Ergebniss einer mehrwöchentlichen Studienreise, die 
wir im letzten Herbste (1893) in das altpaläozoische Gebiet der 
Gegend von Prag und Beraun ausgeführt haben. Acht Tage be- 
gleitete uns auf unseren Ausflügen Herr Chefgeologe Th. Tscher- 
nyschew aus Petersburg. Ausserdem betheiligte sich an denselben 
in den ersten 14 Tagen noch Herr Dr. Fr. Katzer aus Leoben, 
dem wir für seine liebenswürdige und sachkundige Führung zu 
lebhaftem Danke verpflichtet sind, welchen ihm auch an dieser Stelle 
auszusprechen uns Bedürfniss ist. Dankend müssen wir ausser- 
dem der Unterstützung erwähnen, die unsere Bestrebungen durch 
den Director der k. k. geologische^ Reichsanstalt, Herrn Ober- 
bergrath Dr. G. Stäche in Wien, sowie den Director des böhmi- 
schen Nationalmuseums zu Prag, Herrn Professor Dr. A. Fritsch 
erfahren haben; seitens des Ersteren durch Darleihung der nicht 
im Handel befindlichen österreichischen Generalstabskarte im 
Maassstabe 1 : 25,000; seitens des Letztgenannten dadurch, dass 
er uns, trotz der augenblicklichen Unzugänglichkeit der paläonto- 


E. Kayser u. E. Holzapfel, Heb. d. stratigraphischen Beziehungen etc. 237 

logischen Sammlungen in Folge ihrer Ueberführung in das neue 
Museum, dennoch einen Einblick in die uns besonders interessi- 
rende ZEiDLER’sche und NovAK'sche Sammlung ermöglichte. 

Anlass zu unserer Reise war der Wunsch, an der Hand 
unserer rheinischen Erfahrungen das klassische Devongebiet Mittel- 
böhmens einer erneuten Prüfung an Ort und Stelle zu unter- 
ziehen. Die von uns in den letzten Jahren bei den Specialunter- 
suchungen im Dill- und Lahngebiet gemachten Beobachtungen 
haben zu Ergebnissen geführt, die mehrfach nicht unerheblich von 
den Meinungen anderer Forscher abweichen. Die Richtigkeit 
der neuen Gesichtspunkte in Böhmen zu prüfen, war der Haupt- 
zweck unserer Reise. In erster Linie handelte es sich dabei um 
den Kalk von Greifenstein, dem wir schon seit längerer Zeit auf 
Grund stratigraphischer und paläontologischer Erwägungen ein 
wesentlich höheres Niveau innerhalb der devonischen Schichten- 
folge an weisen, als es gewöhnlich geschieht. Seit aber der ver- 
storbene Novak in einer Abhandlung, die ein Muster peinlichster 
paläontologischer Detailarbeit bildet, eine überraschende Aehnlich- 
keit der Trilobitenfauna dieses Kalkes mit derjenigen gewisser 
böhmischer Devonkalke nachgewiesen, wurde es uns immer wahr- 
scheinlicher, dass hier eine wirkliche Altersgleichheit vorliege. 
Es erschien uns undenkbar, dass die betreffenden Kalke bei so 
weit gehender paläontologischer und petrographischer Ueberein- 
stimmung in Böhmen ein anderes stratigraphisches Niveau ein- 
nehmen sollten, als wir es nach unseren Untersuchungen im 
Rheinlande dem Greifensteiner Kalk zuschreiben mussten. Diese 
Ueberzeugung sollte sich als richtig erweisen. Es ist uns ge- 
lungen, in den fraglichen böhmischen Kalken ein unzweifelhaftes 
Aequivalent des Greifensteiner Kalkes nachzuweisen und damit 
die Unterlage für eine richtigere und genauere Parallelisirung der 
verschiedenen Glieder des böhmischen und rheinischen Devon, als 
sie bisher möglich war, zu gewinnen. 

Es sollen im Folgenden in einem ersten Abschnitte die strati- 
graphische Stellung der rheinischen sog. Hercynlcalke, insbesondere 
des Greifensteiner Kalkes, dann in einem zweiten unsere Beob- 
achtungen in Böhmen, und endlich in einem letzten die Be- 


238 


E. Kayser und E. Holzapfel, Ueber die stratigrapbischen 


Ziehungen der verschiedenen Glieder des böhmischen und rheini- 
schen Devon zu einander besprochen werden. 


Stellung der sog. Hercynkalke, insbesondere des Kalkes 
von Greifenstein, innerhalb des rheinischen Devon. 

Es ist eine Eigentümlichkeit der Dill- und oberen Lahn- 
gegend, des anschliessenden hessischen Hinterlandes (Gegend von 
Gladenbach und Biedenkopf) und des WALDECK’schen Gebietes 
(Kellerwald, Wildungen), dass das Mitteldevon daselbst nicht, wie 
in der Eifel, in kalkiger, sondern in schiefriger Form ausgebildet 
ist. Dasselbe baut sich aus einer mächtigen Folge von dunklen 
Thonschiefern auf, die von R. Ludwig mit Rücksicht auf die 
stellenweise darin in Menge auftretenden Tentaculiten alsTenta- 
culitenschiefer bezeichnet worden sind. Bezeichnender wäre 
vielleicht der Name Styliolinenschiefer, da noch viel häufiger und 
charakteristischer als die Tentaculiten Styliolinen sind, welche die 
Schichtflächen oft zu Tausenden bedecken. Ausser diesen enthält 
der Tentaculitenschiefer gewöhnlich nur spärliche und schlecht 
erhaltene Versteinerungen, kleine Goniatiten und Orthoceren, 
Trilobiten, Brachiopoden u. s. w. Nur selten, wie an den weiter 
unten zu erwähnenden Fundpunkten bei Leun und Oberbiel un- 
weit Wetzlar, tritt örtlich eine reichere Fauna auf. Zu den best- 
erhaltenen Versteinerungen gehören die feinen Kieskerne der sog. 
Wissenbacher Schiefer, welche nur eine besonders reine 
(dachschieferförmige) Entwickelung der Tentaculitenschiefer mit 
verkiester, ganz überwiegend aus Cephalopoden bestehender Fauna 
darstellen. 

In der Regel sind die Tentaculitenschiefer mehr oder weniger 
reine, vielfach in Dachschiefer übergehende Thonschiefer. Indess 
schliessen sie fast allenthalben als untergeordnete Einschaltungen 
verschiedenartige Grauwacken, Quarzite, Kieselschiefer und Kalke 
ein. Ja, örtlich können unreine Quarzitsandsteine und Grauwacken 
sich so stark entwickeln, dass die Gesteinsfolge dem westphälischen 
»Lenneschiefer«, einer thonig-sandigen , überwiegend aus Grau- 
wackenschiefern und Sandsteinen zusammengesetzten Ausbildungs- 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H Barrande’s etc. 239 


form des Mitteldevon, ähnlich wird. In solchen Fällen ist ihre 
Trennung von den Grauwackenschiefern und Sandsteinen des 
Unterdevon, wenn die bezeichnenden Versteinerungen fehlen, sehr 
schwierig. 

Unter den Grauwacken ist besonders eine gelbliche Feld- 
spathgrauwacke bemerkenswert!!. Im Dillenburg’schen noch kaum 
vorhanden, entwickelt sie sich nach S. zu immer mächtiger, so 
dass sie südlich von Wetzlar ganze Berge zusammensetzt. 

Die Quarzite treten theils (so bei Haiger, Sechshelden und 
Wissenbach nördlich Dillenburg) in dünnen Platten, theils (Lud- 
wigshütte bei Biedenkopf, Berleburg) in dicken Bänken auf. 

Die Kiesel- und Wetzschiefer erlangen nur örtlich eine 
grössere Mächtigkeit, sind aber trotzdem für die in Bede stehende 
Schichtenfolge sehr bezeichnend. 

Am interessantesten sind die Kalke, die zum Theil ge- 
schlossene, mehr oder weniger weit verfolgbare Lager, überwiegend 
aber verhältnissmässig unmächtige und im Streichen sich bald 
wieder auskeileude, linsenförmige Massen bilden. Sie treten in 
fünf Hauptabänderungen auf. 1. Blaue, versteinerungsfreie Platten- 
kalke, oft von ansehnlicher Mächtigkeit. Sie sind besonders ver- 
breitet im hessischen Hinterlande (Bischoffen, Oberweidbach, 
Gladenbach, Buchenau, Caldern) und können als Gladenbach er 
Kalk bezeichnet werden. 2. Blauschwarze und dunkelgraue, un- 
deutlich krystalline Kalke, die theils geschlossene Bänke, theils 
brodleibförmige Massen im Schiefer bilden. Namentlich die 
letzteren schliessen oft Trilobiten und Cephalopoden , mitunter 
auch Brachiopoden und andere Versteinerungen ein. Nach einem 
besonders ausgezeichneten, versteinerungsreichen Vorkommen bei 
Günterod im hessischen Hinterlande seien diese Kalke als 
Güntero der bezeichnet. 3. Dichte, hell- bis dunkelgraue, an 
manche Oberdevonkalke erinnernde Flaser- oder Knollenkalke mit 
ganz überwiegender Cephalopodenfauna. Nach ihrem häufigen 
Vorkommen auf dem Messtischblatte Ballersbach (unweit Herborn) 
bezeichnen wie diese, meist nur in kleinen, linsenförmigen Massen 
auftretenden Kalke als Ballersbacher Kalk. 4. Hellblaugraue 
bis röthliche, mehr oder weniger grobkrystalline Crinoidenkalke 


240 


E. Kayser und E. Holzappel, Ueber die stratigrapbischen 


mit überwiegenden Trilobiten und Brachiopoden. Typus ist der 
Kalk von Greifenstein, nach dem wir diese Gesteine Greifen- 
steiner Kalke nennen. 5. Tiefschwarze, krystallinische Knollen- 
kalke, oft den oberdevonischen Intumescens- Kalken ähnlich und 
zuweilen mit ihnen verwechselt, manchmal auch etwas plattig 
werdend und dann stärker krystallinisch. Sie liegen über den 
Günteroder Kalken, haben nur eine geringe Mächtigkeit und sind 
durch eine Cephalopodenfauna gekennzeichnet, welche sich eng an 
die des Briloner Eisensteins anschliesst und namentlich Tornoceras 
circumßexiferum und simplex , sowie Posidonia Jüans und Cardiola- 
Arten enthält 1 ). Besonders versteinerungsreich sind sie bei Oders- 
hausen unweit Wildungen, wonach wir sie als Odershäuser 
Kalke bezeichnen. 

In dieser Form, als ein mächtiger Complex dunkler Thon- 
schiefer mit verschiedenen untergeordneten fremden Gesteinsein- 
lagerungen, treten die Tentaculitenschiefer im Dillenburg’schen 
und hessischen Hinterlande auf. Hellfarbige Riffkalke mit der 
Fauna der Stringocephalenschichten, ebenso wie Schalsteine, fehlen 
der Schichtenfolge hier ganz. 

In vielen Profilen nehmen die Tentaculitenschiefer den ganzen 
Raum zwischen Unter- und Oberdevon ein. Anders ist es in der 
Gegend von Wetzlar, wo Stringocephalenkalk und »älterer« 
Schalstein 2 ) zu gleicher Zeit mit den Schiefern abgelagert wurden. 
In der Regel besteht hier nur der untere, unmittelbar über den 
Obercoblenzschichten liegende Theil des Mitteldevon aus Tenta- 
culitenschiefern, während darüber eine mehr oder minder mächtige 
Folge von Schalsteinen auftritt und über diesen endlich schichtungs- 
lose Riff kalke mit der Fauna der oberen Stringocephalenschichten, 
dunkelblaue, krystallinische Plattenkalke (Gladenbacher Kalk?) 
oder dichte Knollenkalke und aus den letzteren durch Umwand- 
lung hervorgegangene Rotheisensteinlager folgen. Diese Kalke 
und Eisensteine endlich werden an einigen Punkten unmittelbar 
von Oberdevonkalkan mit Gephyroceras intumescens überlagert. 

*) Vergl. Denckmann , Schwarze Goniatitenkalke im Mitteldevon des Keller- 
waldgebietes. Dieses Jahrb. f. 1892, S. 12. 

s ) So genannt im Unterschiede vom jüngeren (oberdevonischen) Schalstein. 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H Barrande’s etc. 241 


Hervorzuheben wäre endlich noch, dass auch die Schalsteine 
mitunter Einlagerungen von Korallen- und Crinoidenkalken ein- 
schliessen , die indess nur selten eine grössere Mächtigkeit er- 
langen. Unter denselben verdient namentlich der Kalkeisenstein 
genannt zu werden, der früher auf der Grube Haina bei Wald- 
girmes unweit Wetzlar abgebaut wurde und dessen reiche Fauna 
durch Fr. Maurer beschrieben worden ist. Das nördlichste der- 
artige Vorkommen dürfte der korallenreiche, hellfarbige Kalk von 
Edingen unweit Greifenstein sein. Schon das Auftreten von 
String ocephalus Burtini in diesen Kalken zeigt, dass sie dem 
oberen Mitteldevon angehören *). 

Diesen Mittheilungen entsprechend lässt sich die Entwicklung 
des Mitteldevon im Dillenburg-Wetzlarer Gebiete durch folgende 
Tabelle veranschaulichen : 



Haiger- 

Dillenburg 

Herborn- 

Sinn 

Wetzlar- 

Braunfels 

Ober-Devon 

Intumescenskalk, Iberger Kalk, Cypridinenschiefer, 
jüngerer Schalstein 

Mittel-Devon 

Tentaculiten- 
schiefer mit 
Quarzit-, Kalk-, 
Kieselschiefer- und 
Grauwacken- 
Einlagerungen 

Tentaculiten- 

schiefer 

mit vereinzelten 
Schalstein- und 
Massenkalkeinlage- 
rungen, sowie mit 
Grauwacken u. s. w. 

Massenkalk bezw. 
Plattenkalk und 
Rotheisensteine. 
Aelterer Schalstein 
mit Kalkeinlage- 
rungen. 
Tentaculiten- 
schiefer mit Grau- 
wacken, Kalken 
u. s. w. 

Unter-Devon 

Ober - Coblenz - Schichten 


Was nun die paläontologis che Gliederung der Tenta- 
culitenschiefer betrifft, so kommt hier zunächst in Betracht, 
dass — wie der Eine von uns schon vor längerer Zeit gezeigt 


1 ) Im älteren Schälstein selbst kommt die genannte Leitform der Stringo- 
cephalen- Schichten nur vereinzelt vor. So zwischen Altenberg und Oberbiel 
bei Wetzlar. 


Jahrbuch 1893. 


242 


E. Kayser und E. Holzappel, Ueber die stratigraphischen 


hat !) — bei Wissenbach, im hessischen Hinterland, im Ruppach- 
thale und anderweitig in den mitteldevonischen Schiefern zwei 
nach ihrer Fauna sehr verschiedene Zonen zu unterscheiden sind, 
nämlich: 1. eine ältere, die besonders durch Mimoceras gracile 

(= compressum ), Anarcestes subnautilinus , lateseptatus und Wenken- 
bachi, Hercoceras subtubercvlatum , Jovellania triangularis , Ortlio- 
ceras crassum , vertebratum u. a. bezeichnet wird, und 2. eine 
jüngere, für die besonders Agoniatites occultus und Dannenbergs 
Anarcestes vittatus , Tornoceras circumflexiferum , Pinacites Jugleri, 
Bactrites carinatus, Orthoceras . planicanaliculatum , rapiforme , 
Dannenbergi u. a., Spirifer inclifferens Barr. (= linguifer Sandb.) 2 ) 
und Retzia novemplicata bezeichnend sind. 

In beiden Zonen kommen Phacopsarten aus der Gruppe des 
böhmischen fecundus vor. Von sonstigen Trilobiten wären nament- 
lich Br onteus- Arten aus der Verwandtschaft von Br. ( Thysanopeltis) 
speciosus Corda (Steinsberg bei Diez, Wissenbach als eine be- 
merkenswerthe Erscheinung hervorzuheben 3 ). 

Es ist nun von grosser Wichtigkeit, dass diese beiden Faunen, 
die nach der neuesten Zusammenstellung von Fr. Sandberger 
nur 4 Arten (nämlich Phacops fecundus und 3 Orthoceren) gemein 
hätten, sich auch in den kalkigen Einlagerungen der Tentaculiten- 
schiefer wiederfinden. 

Am wenigsten waren bisher Kalke mit der älteren 
Wissenbacher Fauna gekannt. Ein paar kleine hierhergehörige 
Vorkommen liegen nördlich von Bicken. Das eine wurde vor 
etlichen Jahren durch einen neuen Weg am Westabhange des 

x ) Die Orthocerasschiefer zwischen Balduinstein und Laurenburg etc. Dieses 
Jahrb. f. 1883, S. 1. 

2 ) Schon Maurer hat mit Recht hervorgehoben (N. Jahrb. f. Min. Beilage- 
band II, 1880, S. 56), dass beide Namen zusammenfallen. Insbesondere sind 
manche verkalkte Exemplare von Greifenstein und Günterod in Nichts von der 
aufgeblähten, von Barrande als var. obesa beschriebenen Abänderung verschieden. 

3 ) Yergl. Sastdberger, Entwickelung der unteren Abtheilung des Devon. 
Syst, in Nassau. Jahrb. d. nass. Ver. f. Naturk. Bd. 42, 1889, S. 70, 77. — 
Nach einer Mittheilung v. Koenen’s kommen Formen der T/iysa/iope/tis-Grap-pe 
auch in den Mitteldevonschiefern des Hutthaies im Oberharz vor. 

4 ) A. a. 0. S. 69. 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H Barrandb’s etc. 243 

Forstortes Hain, etwa 30 Meter über der Sohle des Weibach- 
thaies aufgeschlossen. Es bildete eine (jetzt völlig fortgebrochene) 
Linse von grauem Flaser-Kalk (Ballersbacher Kalk), die einem 
Schieferzuge angehört, in dessen Hangendem korallenführender 
Schalstein, in dessen Liegendem aber, durch eine streichende Ver- 
werfung getrennt, Culmgrauwacke auftritt. Dies kleine Vor- 
kommen hat folgende Versteinerungen geliefert: 

Bronteus Dormitzeri Barr. Von NovXk von dorther be- 
schrieben in Dames und Kayser, Pal. Abh. V, 3, 1890, 
S. 39, Taf. 5, Fig. 1—3. 

Phacops fecundus Barr. var. major (= Ph. Potieri Bayle 
Kayser, Fauna des Hauptquarzites etc. [Abh. d. preuss. 
geol. Landesanst. 1889], S. 67. 

Anarcestes lateseptatus Beyr. 

» convolutus Sandb. 

Hercoceras subtuberculatum Sandb. — mirum Barr. 

Jovellania triangularis Arch. Vern. 

Orthoceras patronum Barr. (Syst. Sil. II, pl. 275. Etage 
F, G = Orth, raphanistrum A, Röm., Kalk von Wieda, 
Harz?). 

Orthoceras vertebratum Sandb. 

» commutatum Gieb. 

Tentaculites acuarius Richt. 

Hyolithes pauper Barr. (Syst. Sil. III, p. 88, pl. 13. Noväk, 
Abh. böhm. Ges. Wiss. 1891, p. 21, Taf. V. Bei 
Mnenian zusammen mit Bronteus speciosus , Lichas 
Haueri, Proetus neglectus etc.). 

Cardiola digitata A. Röm. (Wissenb. Schief, d. Oberharzes). 

Atrypa reticularis Linn. 

Athyris macrorhyncha Schnur (Ober -Coblenz- Sch. der 
Eifel, des Harzes u. s. w.). 

Rhynchonella nympha Barr. var. pseudolivonica. 

» aff. Orbignyana Vern. (zwischen dieser und 

pila Schnur stehend). 


244 


E. Kaysee und E. Holzappel, Ueber die stratigraphischen 


Ein zweiter Fundpunkt liegt in der südwestlichen Fortsetzung 
desselben Schieferzuges, im Gansbachthale , unweit der Grund- 
mühle. Hier fanden sich: 

Phacops fecundus Barr. var. major. 

Anarcestes convolutus. 

Hercoceras subtuberculatum. 

Platyceras Halfari Kays. var. rostrata Barr. 

Altrypa reticularis Linn. 

Pentamerus sp. ziemlich gross, stark- und vielrippig. 

Stropkomena Sowerbyi Barr. (Syst. Sil. Y, pl. 44, Etage F). 

Petraja Barrandei Maur. (Kalk v. Greifenstein, N. Jahrb. 
f. Min. Beilageband I, 1880, Taf. 4, Fig. 13a. Frech, 
Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1889, S. 267. Greifen- 
stein, Konjeprus). 

Ausser an diesen beiden Stellen kommt dieselbe Fauna noch 
an verschiedenen anderen Punkten der Gegend von Bicken und 
Ballersbach vor. So im Liegenden der Oberdevonkalke, die in 
dem. weiter unten genauer zu besprechenden grossen Steinbruche 
an der Landstrasse zwischen Bicken und Offenbach ausge- 
beutet werden 1 ). Herr v. Koenen und die Verfasser sammelten 
liier Bronteus speciosus Corda, Proetus unguloides Barr., Hercoceras 
subtuberculatum , Jovellania triangularis , Anarcestes lateseptatus und 
conf. subnautilinus, Orthoceras crassum sowie einige andere Arten 2 ). 

Dieselben Leitformen, ausserdem aber noch Pinacites Jugleri 
A. Roem. und Merista securis Barr., fanden sich auch auf der 
Höhe südlich Ballersbach, im Hangenden der alten, im 
Clymenienkalk angelegten Steinbrüche. Zur Erklärung dieser auf 
den ersten Blick auffälligen Lagerung sei bemerkt, dass die den 
Ballersbacher Kalk einschliessenden Schiefer vom Clymenienkalk 

b Die Oertlichkeit liegt zwar näher bei Bicken, aber noch in der Gemar- 
kung Offenbach. Ihre gewöhnliche Bezeichnung als Bicken« ist daher nicht 
ganz zutreffend. 

2 ) Ob auch der von Novak (vergl. Studien Trilob. Hercyn etc. 1890, S. 34) 
von Bicken beschriebene Cheirurus Cordai Barr. wirklich von hier und aus dem 
Ballersbacher (oder aber aus dem Günteroder) Kalk stammt, wird sich schwer 
feststellen lassen. 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H Barrande’s etc. 245 


durch eine (an einer Stelle deutlich wahrnehmbare) südfallende 
Ueberschiebung getrennt sind, während sie selbst in Folge einer 
anderen grossen Ueberschiebung unmittelbar von unterdevonischen 
Schichten (Grauwackensandsteinen und Schiefern der Untercoblenz- 
Stufe) überlagert werden, wie dies durch die umstehende Profil- 
skizze (auf S. 246) erläutert wird (Ü. = Ueberschiebungslinie, 
Y. = Verwerfung). 

Wie aus diesen Mittheilungen ersichtlich, ist die Zusammen- 
setzung der Fauna des Ballersbacher Kalkes sehr interessant. 
Neben bezeichnenden Formen der älteren Wissenbacher Schiefer 
( Anarcestes lateseptatus , subnautilinus und convolutus, Hercoceras 
subtuberculatum , Jovellania triangularis , Orthoceras crassum , verte- 
bratum etc.) und Formen der Harzer Wissenbacher Schiefer, wie 
Cardiola digitata, treffen wir deu im Mitteldevon verschiedener 
Gegenden weit verbreiteten Tentaculites acuarius an, ferner einige 
Brachiopoden des oberen Unterdevon ( Athgris macrorhyncha) und 
des unteren Mitteldevon (Rh. Orbignyana ), dazu endlich noch eine 
ansehnliche Zahl böhmischer Species (Bronteus Dormitzeri, Pha- 
cops fecundus, Proetus unguloides, Orthoceras patronum , Rhyncho- 
nella princeps und pseudolivonica , Merista securis , Strophomena 
Sowerbyi, Hyolithes pauper, Petraja Barrandei). 

Nicht minder gross, als die faunistische Uebereinstimmung 
des Ballersbacher Kalkes mit den älteren Wissenbacher Schiefern, 
ist diejenige vieler schwarzer Cephalopodenkalke vom Typus 
des Günteroder Kalkes mit den jüngeren Wissenbacher 
Schiefern. Frech hat daher Recht, wenn er diese Kalke 
geradezu als die Kalkfacies der oberen Wissenbacher Schiefer 
bezeichnet *). 

Ein ausgezeichnetes, hierher gehöriges Vorkommen, das eine 
Menge wohl erhaltener, in den Museen von Berlin, Marburg und 
Halle aufbewahrter Versteinerungen geliefert hat, ist das von 

!) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1889, S. 246. — Die allgemeine Ueber- 
einstimmung der Fauna dieser Kalke mit derjenigen der Wissenbacher Schiefer 
überhaupt hatte der Eine von uns schon vor 20 Jahren (Zeitschr. d. Deutsch, 
geol. Ges, 1874, S. 672) erkannt, 


246 


E. Kaysek und E. Holzapfel, Ueber die stratigraphisclien 


Günterod 1 ) unweit Gladenbach. Kaum 10 Minuten südlich 
vom Dorfe treten zwischen Grauwacken Schiefer auf, die ein kleines, 


Profil am Bergabhange südlich von Ballersbach. 



durch einen Steinbruch aufgeschlossenes Kalklager beherbergen. 
Als häufigste Arten finden sich hier: 

Phacops fecundus Barr. var. major (== Ph. Potieri Bayle, 
Kayser, a. o. a. O.). 

Phacops breviceps Barr. 

Bronteus ( Thysanopeltis ) speciosus Corda (= thysanopeltis 

Barr.) 

Agoniatites occultus Barr. 

» Dannenbergi Beyr. ? 

Pinacites Jugleri A. Roem. (sehr grosse Exemplare). 

Anarcestes vittatus Kays. 

Orthoceras planiseptatum Sandb. 

Weniger häufig sind: 

Arethusina Beyrichi Nov. 

Harpes fornicatus Nov. 

» Kayseri Nov. 

x ) In Folge absichtlich falscher Etikettirung sind die von hier stammenden 
Versteinerungen durch den Hauptsammler zum grössten Theil mit der Fundorts- 
angabe »Bicken« in die Sammlungen gelangt. Auch die von Fkech (Zeitschr. 
d. Deutsch, geol. Ges. 1889, S.. 252) gegebene Versteinerungsliste bezieht sich 
sicher wesentlich auf Günteroder und nicht auf Bickener Funde. 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H Barrande’s etc. 247 


Proetus orbitatus Barr. 

» planicauda Barr. 

Acidaspis pigra Barr. 

Cyphaspis hydrocephala A. Roem. 

Bronteus brevifrons Barr. 

Lichas Haueri Barr. 

Bactrites carinatus Münst. 

Platyceras sp. sp. 

H ercynella sp. (grosse Form, verwandt mit II. nobilis Barr.). 

Cardiola digitata A. Roem. 

Puella ( Panenka ) sp. sp. 

Silurina ( Dualina ) inflata Sandb. 

Retzia novemplicata Sandb. 

Spirifer indifferens Barr. 

Ein anderes Vorkommen findet sich in Begleitung der bereits 
oben erwähnten Oberdevonkalke an der Landstrasse zwischen 
Bicken und Offenbach. Dasselbe tritt hier in einer ähnlichen 
Lagerung über Oberdevon- (Clymenien- und Intumescens-) Kalken 
auf, wie das oben besprochene Vorkommen im S. von Ballers- 
bach. Die verwickelten Lagerungsverhältnisse der verschiedenen 
Kalkhorizonte dieser berühmten Oertlichkeit werden etwa durch 
nachstehende Skizze erläutert. 


Profil durch den grossen Kalkbruch zwischen Bicken und Offenbach. 

Ü. = Ueberschiebung, Y. = Verwerfung.) 

N. V. Ü. Halde Landstrasse Ahrthal S. 



248 


E. Kayser und E. Holzapfel, lieber die stratigrapkisclien 


In den Günteroder Kalken haben sich hier gefunden: 

Phacops fecundus Barr. var. major. 

» breviceps Barr. 

Bronteus speciosus Corda. 

Pinacites Jugleri A. Roem. 

Agoniatites occultus Barr. 

Bactrites carinatus Münst. 

Orthoceras Dannenbergi Arch. Vern. 

Hercgnella sp. 

Ausserdem führt Frech aus dem Günteroder Kalk von 
Günterod oder Bicken 1 ) noch an: Chonetes crenulata F. Koem., 
Spirifer aviceps Kays. , Terebratula Whidbornei Davids. . und 
juvenis Sow., Euomphalus annulatus Ge. und Loxonema püigerum 
Sandb. 2 ) Es ist indess wahrscheinlich, dass diese, zumeist das 
Stringocephalen-Niveau anderer Gegenden kennzeichnenden Arten 
ebenso den höheren schwarzen Kalken mit Posidonia hians 
Waldschm., unseren Odershäuser Kalken, entstammen, wie ein 
in der Sammlung der Berliner geologischen Landesanstalt auf- 
bewahrtes, mit der DANNENBERG’schen Sammlung in dieselbe ge- 
langtes Exemplar von String ocephalus Burtini. 

Als ein weiteres wichtiges versteinerüngsreiches Vorkommen 
von Günteroder Kalk sei das an der Ense bei Wildungen ge- 
nannt. An das weite, sich im S. und SW. der Stadt ausbreitende 
Gebiet flach liegender Culmschiefer (mit Posidonia Becheri ) schliesst 
sich mit steilem Anstiege eine ausgedehnte Kalkplatte, die Ense, 
an. Sie besteht aus einer grösseren Anzahl zerrissener und iiber- 
kippter Sättel, die als Ganzes auf die im N. angrenzenden Culm- 
schichten überschoben sind 3 ). Die einzelnen Schuppen enthalten 
meist das ganze Oberdevon und den grössten Theil des Mittel- 
devon. Am deutlichsten ist die Reihenfolge am Abhange gegen 


x ) Yergl. die Anm. 2 auf S..246. 

2 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1889, S. 252. 

3 ) Herr A. Denckmann, der diese Verhältnisse genau festgestellt hat, hatte 
die Freundlichkeit, den einen yon uns auf einer längeren Excursion zu führen 
und die Lagerung der einzelnen Zonen eingehend zu erläutern. 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H Barrande’s etc. 249 


Wildungen hin. Hier liegen unter dem Oberdevon etwa 15 Meter 
hellfarbige, plattige, knollige Kalke mit String ocephalus Burtini , 
Agoniatites discoides Waldschm. und inconstans Phill., Maene- 
ceras terebratum Sandb. und Phacops breviceps Barr. Es ist 
dies der Stringocephalenkalk W aldschmidt’s 1 ). Unter diesem 
folgen wenig mächtige, tiefschwarze Knollenkalke, die Odershäuser 
Kalke, mit Agoniatites inconstans Phill., Maeneceras terebratum 
Sandb., Tornoceras simplex v. Buch und circumflexiferum Sandb. 
und noch mehreren anderen Goniatiten und daneben besonders 
Posidonia hians Waldschm., Buchiola retrostriata v. Buch mut. 
nov. aquarum Beush., Spirifer simplex Phill. u. s. w. 2 ). 

Diese Kalke gehören noch zum oberen Mitteldevon. In 
ihrem Liegenden folgt unmittelbar Günteroder Kalk, der zahl- 
reiche Versteinerungen gelieferte hat. Die Trilobiten hat NovAk 
zum Theile bearbeitet 3 ). Am häufigsten sind 

Phacops fecundus Barr. var. major. 

» breviceps Barr. 

Bronteus (Thysanopeltis) speciosus Corda. 

Acidaspis pigra Barr. 

Daneben kommen vor 

Proetus Holzapfeli Nov. (= cornutus Golde.?) 

» Waldschmidti Nov. 

» filicostatus Nov. 

Cyphaspis hydrocephala A. B,oem. 

» cf. ceratophthalma Golde. 

Arethusina Beyrichi Nov. 

Phacops Frechi Kays. 

Agoniatites occultus Barr. 

» angulatus Frech. 


*) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1885, S. 911. 

2 ) Yergl. Denckmann, Dieses Jahrb. f. 1892, S. 12. 

3 ) Yergl. Studien an einigen Trilobiten aus dem Hercyn von Bicken, 
Wildungen , Greifenstein und Böhmen, Palaeont. Abh. von Dames und Kayser. 
Neue Folge Bd. I, Heft 3. 1890, 


250 


E. Kayseb und E. Holzapfel, Ueber die stratigraphische] 


Dieselbe Reihenfolge der Schichten ist auch in den übrigen 
Schuppen des Wildunger Kalkgebietes zu beobachten und wieder- 


Profil am N. -Abfall der Ense bei Wildungen. 
(Ü. = Ueberschiebung.) 


Ü. 



Tentaculiten- 

Schichten 


Giinteroder 

Kalk 


Odershäuser 

Kalk 


Ob. Stringoc. 
Kalk 


holt sich auch weiter südlich, am Gershäuser Hof und am Hohen 
Lohr. Die schwarzen Odershäuser Kalke mit Posidonia Jüans 
treten ferner ebenso bei Bicken, Offenbach und Günterod im 
Hangenden des Günteroder Kalkes auf. Aus ihnen stammt dem 
Gestein nach das oben (S. 248) erwähnte Exemplar von Stringo- 
cephalus Burtini von Bicken, das in der Sammlung der Berliner 
geolog. Landesanstalt aufbewahrt wird, wie wahrscheinlich auch 
die übrigen von dort, beziehungsweise von Günterod angegebenen 
Stringocephalenkalkformen ( Terebratula Whidbornei und juvenis , 
Holopella piligera etc.). (Siehe das Profil S. 247). 

Von grosser Wichtigkeit wegen der klaren Lagerungsverhält- 
nisse sind die Vorkommen in der Umgebung der Dillmün- 
dung und in der Gabel zwischen Dill und Lahn. Unmittelbar 
über normalem Unterdevou, das gelegentlich eine Obercoblenz- 



Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H Bakrande’s etc. 251 


Fauna führt, liegen hier gelbe ockerige Tentaculitenschiefer, die 
hie und da in unreine, gelbe und röthliche Kalke (mitunter Cri- 
noidenkalke) übergehen oder solche eingelagert enthalten. An 
einigen Stellen, insbesondere bei Leun und Oberbiel, kommt in 
diesen Schiefern eine reiche Fauna vor. Wir sammelten hier: 

Pinacites Jugleri A. Roem. 

Phacops aff. f ecundus Barr. 

Cryphaeus sp. 

Bronteus Dormitzeri Barr. 

Proetus Holzapf eli Nov. 

» Loveni Barr. (6? 1 ) 

Acidaspis pigra Barr. 

Cyphaspis cf. ceratophthalma Goldf. 

Arethusina sp. 

Cyrtina heteroclita Defr. ) sehr häufig, auch sonst allge- 
Atrypa reticularis L. \ mein in diesen Schichten. 
Pentamerus Oehlerti Barrois. Häufig bei Leun. 
Rhynchonella Orbignyana Vern. 

» hexatoma SCHNUR. 

Bifida lepida Goldf. 

Retzia ferita v. Buch. 

Atrypa cf. concentrica v. Buch. 

Nucleospira lens Schnur. 

Spirifer cf. aculeatus Schnur. 

Orthis striatula Schloth. 

» Gervillei Defr. (älterer Mitteldevonkalk von Arnao 
und Moniello in Spanien, Konjeprus, Unterdevon 
des nordwestl. Frankreich und Bosporus). 
Streptorhynchus umbraculum Schloth. 

Leptaena subtetragona F. Roem. 

» lepis Br. 

Strophomena cf. interstrialis Phill. 

» Sowerbyi Barr, (ausgezeichnete grosse Form 

von Mnenian, auch im Ballersbacher Kalk 
vom Hain bei Bicken). 

Chonetes minuta Goldf. und noch andere Formen. 


252 


E. Kayser und E. Holzapfel, Ueber die stratigrapbischen 


Bei Klein -Altenstädten fanden sich auch verschiedene 
Exemplare von Spirifer cf. cultrijugatus. Hier und bei Hermann- 
stein sind die Schichten sehr kalkig uud von gelber Färbung. 
Ueber ihnen folgen reine Tentaculitenschiefer mit einzelnen Kalk- 
knollen uud darauf Günteroder Kalk, der bei Hermannstein und 
Klein- Altenstädten folgende Versteinerungen geliefert hat: 

Phacops fecundus Barr. var. major. 

» breviceps Barr. 

Bronteus speciosus Corda. 

Acidaspis pigra Barr. 

Arethusina Beyrichi Nov. 

Cyphaspides n. sp. (aff. scuticauda Nov.) 

Pinacites Jugleri A. Roem. 

Agoniatites occultus Barr. 

» verna Barr. 

» bicanaliculatus Sandb. 

Anarcestes aff. lateseptatus Beyr. 

Ueber die im Hangenden dieser Kalke liegenden Mitteldevon- 
schichten sei nur bemerkt, dass der zunächst folgende mächtige 
ältere Schalstein gelegentlich ebenfalls kleine Kalklager enthält. 
In der Regel führen diese nur Crinoidenstiele und Brachiopoden 
(bes. Atrypa reticularis und desquamata) , mitunter aber — wie 
namentlich beim Hofe Haina unweit Waldgirmes — schliessen sie 
eine reichere Fauna ein, die schon von Fr. Maurer zutreffend 
dem unteren Stringocephalenkalk zugerechnet worden ist *). Ueber 
dem Schalstein folgen Riff kalke der oberen Stringocephalen-Stufe, 
die stellenweise die Villmarer Fauna enthalten, wenn auch 
nirgends in der Reichhaltigkeit wie bei Villmar selbst, meist aber 
fossilarm oder fossilfrei sind. Als Aequivalente dieses Massen- 
kalkes treten an vielen Punkten blaue Plattenkalke, dichte Knollen- 
kalke und Tentaculitenschiefer auf. Die dichten Knollenkalke 
sind meistens eisenschüssig, gehen in Rotheisenstein über und 


1 ) Yergl. Fu. Maurer, die Fauna der Kalke von Waldgirmes. Abb. der 
grossberz. bess. geol. Landesanst. Darmstadt, 1885. Zusammen mit Stringoce- 
phalus Burtini und Uncites gryphus kommt bier noch Calceola sandalina vor, 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H' Barrande’s etc. 253 


enthalten die Fauna des Briloner Eisensteins. In ihrem Hangen- 
den folgt unmittelbar das Oberdevon mit Gephyroceras intumescens 1 ). 

Wenn nach vorstehenden Mittheilungen die Zugehörigkeit 
des Ballersbacher und Günteroder Kalkes zum Mitteldevon in der 
Zusammensetzung ihrer Fauna klar genug hervortritt, so konnte 
das Gleiche vom Greifensteiner Crinoidenkalk bis jetzt nicht 
behauptet werden. Vielmehr sind wohl bei keinem der anderen 
sogenannten Hercynkalke so weit auseinander gehende Anschau- 
ungen über sein Alter geäussert worden, als gerade bei ihm. 
Gleich nach seiner (dem Geh. Bergrath Riemann in Wetzlar zu 
dankenden) Entdeckung vor etwa 20 Jahren, wurde er von 
F. Roemer 2 ) auf Grund seiner Fauna als obersilurisch , von 
H. v. Dechen 3 ) dagegen mit Rücksicht auf den Schichtenverband 
als oberdevonisch angesprochen. Nachdem bald darauf der Eine 
von uns 4 ) seine nahen Beziehungen zur Hercynfauna des Harzes 
erkannt, widmete ihm Fr. Maurer 5 ) eine längere paläontologische 
Arbeit, in der er die Ansicht aussprach, dass er jünger sei, als 
die böhmischen Etagen F, G, H Barrande’s, und gleich den 
Wissenbacher Schiefern dem oberen Unterdevon angehöre 6 ). Auch 

1 ) Bemerken swerth ist an diesen Eisensteinen und -Kalken das häufige Vor- 
kommen von Trilobiten, die mit solchen des böhmischen Devon entweder voll- 
ständig übereinstimmen, oder ihnen doch so ähnlich sind, dass sie nur als 
jüngere Mutationen angesehen werden können. Hierher gehören vor allen 

Cheirurus Sternbergi mut. myops. A. Roem. 

Proetus crassimargo A. Roem. 

» crassirhachis A. Roem. 

Arethusina cf. Beyrichi Nov. 

Cyphaspis cerberus Barr. 

» convexa Barr. 

Lichas granulosa A. Roem. (sehr nahe Haueri Barr.) 

Phacops breviceps Barr. 

Dagegen fehlen die bezeichnendsten Formen des Eifeier Kalkes (. Phacops 
latifrons bezw. Schlotheimi) hier ebenso, wie im Günteroder und Ballersbacher 
Kalk. Der Eine von uns wird diese Verhältnisse in einer demnächst erscheinen- 
den besonderen Arbeit ausführlich behandeln. 

2 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1875, S. 701. 

3 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1875, S. 730, 732, 764. 

4 ) Abh. z. geol. Specialkarte von Preussen, Bd. n, Heft 4. 1878, S. 266. 

5 ) N. Jahrb. f. Min. Beilageband I, Heft 1, 1880. 

6 ) N. Jahrb. f. Min. Beilageband I, Heft 1, 1880. 


254 E. Kayser und E. Holzappel, Ueber die stratigraphischen 

Fr. Frech, der sich seit Mitte der 80er Jahre mit soviel Eifer 
und Erfolg mit dem Studium der altpaläozoischen Bildungen im 
Rheinlande, in Böhmen, Südfrankreich und den Alpen beschäftigt 
hat, weist bis in die neueste Zeit gleich Maurer dem Greifen- 
steiner Kalk seinen Platz im Unterdevon an. Schon 1886 betonte 
Frech *) die innigen petrographischen und paläontologischen Be- 
ziehungen, die denselben mit den bekannten Kalken von Konjeprus 
und Mnenian (F% Barr.) verbänden, Kalke, die er sammt dem sie 
unterlagernden schwarzen Tentaculitenkalk (F 1 ) und den sie über- 
lagernden grauen Knollenkalken (6? 1 ) ins Unterdevon stellte. Im 
Jahre darauf, in der Arbeit über Cabrieres 2 ), parallelisirte er 
die Kalke von Greifenstein und Wildungen sammt denen vom 
Pic de Cabrieres und von Konjeprus noch genauer mit dem 
mittleren Unterdevou. Auch in der zwei Jahre später veröffent- 
lichten Arbeit über das rheinische Unterdevon und die Stellung 
des Hercyn 3 ), in welcher der Greifensteiner Kalk einer eingehen- 
den Besprechung unterzogen und eine kritisch berichtigte Liste 
seiner Versteinerungen gegeben wird 4 ), betrachtet Frech ihn als 
unterdevonisch, ohne sich indess über seinen genaueren Horizont 
zu äussern 5 ). In dem soeben erschienenen Werke desselben 
Forschers über die karnischen Alpen 6 ) finden wir dieselben An- 
schauungen wieder, wie in den früheren Arbeiten. Auch Fr. 
Sandberger endlich 7 ) hat in seiner interessanten, unlängst ver- 
öffentlichten Abhandlung über das rheinische Unterdevon die 
Ueberzeugung ausgesprochen, dass der Greifensteiner Kalk unter- 
devonisch sei. 

Diesen Anschauungen gegenüber, die wesentlich auf dem 
palaeontologischen Inhalt des Greifensteiner Kalks und seiner 


*) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1886, S. 917. 

2 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1887, S. 360. 

3 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1889, S. 175. 

4 ) a. a. 0. S. 264. 

5 ) Die böhmische Etage F wird in dieser Arbeit, ebenso wie in der 1891 
erschienenen 7. Auflage der CßEDSER’schen »Elemente der Geologie«, in der 
Frech die Revision der älteren palaeozoischen Formationen besorgt hat, den 
Schichten mit Spirifer primaevus gleichgestellt. 

6 ) Halle, 1894, S. 274, 287. 

*) a. a. 0. S. 88. 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H Barrakde’s etc. 255 


petrographischen Aehnlichkeit mit den Kalken der Gegend von 
Konjeprus, Cabrieres und vom Wolayer See (Karnischen Alpen) 
beruhen, haben wir bereits seit längerer Zeit auf Grund der bei 
den Specialaufnahmen in der Dill- und Lahngegend gemachten 
Wahrnehmungen die Ansicht vertreten, dass der Kalk von Greifen- 
stein, ebenso wie der ihm gleichstehende Ballersbacher und der 
jüngere Günteroder Kalk, nur ein Zubehör der Tentaculitenschiefer 
und dementsprechend mitteldevonischen Alters sei 1 ). Diese An- 
sicht ist durch den Fortschritt unserer Arbeiten durchaus bestätigt 
worden. 

Das kleine Kalkvorkommen von Greifenstein liegt etwa D/2 
Kilometer südsüdwestlich vom Orte dieses Namens, auf dem 
Plateau mitten im Walde. Es war nur zeitweise durch eine 
kleine, zum Zweck der Petrefactengewinnung geöffnete Grube 
aufgeschlossen, in der neben herrschendem grobspäthigen , rothen 
Crinoidenkalk auch Bänke von ebensolchem hellgrauen Kalk, sowie 
einzelne Lagen von dichtem, gelblich-grauem Kalk zu beobachten 
waren. In der unmittelbaren Umgebung des Kalks stehen Thon- 
schiefer und plattige, glimmerige Grauwackengesteine an, während 
einige hundert Meter nördlich ein breiter Zug von Thonschiefern 
mit Einlagerungen von weissem, löcherigem Quarzit auftritt. Aus 
diesem letzteren beschrieb F. Roemer schon in den 40 er Jahren 
den bekannten grossen Pentamerits rhenanus 2 ). Ohne auf Einzel- 
heiten eingelien zu wollen, bemerken wir hier nur, dass die Kar- 
tirung ergeben hat, dass diese vielbesprochenen Quarzite 3 ) auf 
das Gebiet zwischen Dill- und Ulmthal beschränkt sind und dem 
Grenzhorizont von Unter- und Mitteldevon angehören, d. h. das- 
selbe Niveau einnehmen, wie die Schiefer mit Pent. rhenanus im 
Ruppachthale 4 ). Wir stellen sowohl die Schiefer als auch die 

*) Kayser, Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1887, S. 625. Holzapfel, die 
Cephalopoden führenden Kalke des Unt. Carbon von Erdbach-Breitscheid. Pa- 
laeont. Abh. V, 1, 1889, S. 9. 

2 ) Rheinisches Uebergangsgebirge 1844, S. 76 und 85. 

3 ) F. Roemer, Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1874, S. 752 und H. v. Dechen 
ebendas. 1875, S. 761. 

4 ) Kayser, Orthocerasschiefer zwischen Laurenburg und Balduinstein. Dieses 
Jahrb. f. 1884, S. 2, 19, 33. 


256 


E. Kaiser und E. Holzappel, Ueber die stratigraphischen 


Quarzite mit Pentamerus an die oberste Grenze des Unterdevon. 
Der Greifensteiner Kalk dagegen, von dem ausser dem besprochenen 
noch ein zweites, kleineres Vorkommen westlich von Greifenthal 
aufgefunden wurde, liegt an der Basis des Mitteldevon. Das ihn 
unterlagernde Unterdevon hat sich in der Umgebung beider Vor- 
kommen in grosser Verbreitung nachweisen lassen, an einem Punkte 
mit der Fauna der oberen Coblenzschichten ( Spirifer arduennensis 
und curvatus , Rhynchonella pila, Pentamerus sp. etc.) 

Wie die Stratigraphie, so lässt auch die Palaeontologie das 
mitteldevonische Alter des Greifensteiner Kalkes deutlich genug 
erkennen. Wenn dies aus den bisherigen Versteinerungslisten 
nicht mit genügender Deutlichkeit hervorging, so liegt der Grund 
in der Unvollständigkeit dieser Verzeichnisse, die so wichtige 
Arten wie Mimoceras gracile , Hercoceras subtuberculatum , Orthoceras 
crassum und Lichas (Arges) armata nicht aufführten. Die Mar- 
burger Sammlung besitzt aus dem Kalk von Greifenstein und 
einem palaeontologisch und petrographisch völlig mit ihm über- 
einstimmenden, aber nicht rothen, sondern hell blaugrauen Kalk 
von Günterod die folgenden Arten: 

Phacops fecundus Barr. var. major. Gr. Gü. 1 ). 

» breviceps Barr. Gü. Gr. 

» Zorgensis Kays. (— cephalotes Madr. non Barr.) 
Gü. Gr. Die weiter zurückreichenden Augen, 
die kürzere, mehr pentagonal gestaltete Glabella 
und besonders die tiefe, unter dem Stirnrande 
gelegene Rinne unterscheiden diese Art von der 
BARRANDE’schen. 

Phacops sp. 

Proetus orbitatus Barr. Gr. Gü. 

» » var.? crassimargo A. Roem. (= Koeneni 

Maur.) Gr. Gü. 

» myops Barr. Gr. Gü. 

» eremita Barr. Gr. Gü. 

» (Phaetonellus) planicauda Barr. Gr. Gü. 


x ) Gr. = Greifenstein; Gü. = Günterod. 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H Barrande’s etc. 257 


Cyphaspis hydrocephala A. Roem. Gr. Gü. 

» scuticauda Nov. Gr. 

Lichas Haueri Barr. Gü. 

» (Arges) armata Golde, var. Gr. 

Acidaspis vesiculosa Beyr. Gr. 

Bronteus angusticeps Barr.? Gü. 

» (Thysanopeltis) speciosus Corda (— thysanopeltis 
Barr.) Gr. Gü. 

» Dormitzeri Barr. 1 ). 

Harpes reticulatus Corda Gr. Gü. 

» Montagnei Corda Gr. 

» fornicatus Nov. (var. reticulatus ?) Gü. 

Dazu kommen noch folgende, in der Marburger Sammlung 
nicht vertretene, uns aber aus eigener Anschauung bekannte 
Trilobiten anderer Museen: 

Dalmanites aff. Reüssi Barr, (isolirtes Kopfschild. Halle- 
sches Museum). Gr. 

Arethusina peltata Nov. Gr. 

Proetus unguloides Barr. Gr. \ 

Acidaspis pigra Barr. Gr. [ Göttinger Museum 
Bronteus brevi/rons Barr. Gr. ( (bestimmt durch Novak.) 
» elongatus Barr. Gr. ' 

Mimoceras gracile H. v. Mey. (= compressum Beyr.) Gr. 
Agoniatites fidelis Barr. Gr. 

Pinacites Jugleri A. Roem. Gr. 

Hercoceras subtuberculatum Sandb. Gr. 

Orthoceras crassum A. Roem.? Gr. 

» patronum Barr. Gr. 

» commutatum Gieb. Gr. Gü. 

Platyceras Halfari Kays. var. rostrata Barr. Gr. 

» contortum Barr.? Gr. Gü. 

» disjunctum Gieb.? Gr. Gü. 

x ) Nicht anstehend gefunden, sondern in einem losen Block von Greifensteiner 
Kalk am Sonnberg bei Günterod. 


Jahrbuch 1893. 


17 


258 


E. Kayser und. E. Holzapfel, Ueber die stratigrapbischen 


Platyo stoma sp. Gr. Gü. 

Strophostylus undulatus Maür. sp. Gr. 

Macrocheilus sp. Gr. 

Pleurotomaria aff. subcarinata A. Roem. Gr. 

» humillima Barr. (Maür., Kalk von Greifen- 

stein. Taf. 2, Fig. 9). Gr. 

Beller ophon sp. (capuloides Maür.) Gr. 

Tentaculites acuarius Richt. Gr. 

» longulus Maür. Gr. 

Spirifer indifferens Barr, und var. obesa (= Spirifer lin- 
guifer Sandb.) Gr. Gü. 

» orbitatus Barr. (var. indifferens f) Gü. 

» superstes Barr. Gr. 

» unguiculus Barr., Maür. non Sow. Gr. 

Merista securis Barr. Gr. Gü. 

» ? Bauds Barr. Gr. Gü. 

» passer. Barr. Gr. Gü. 

Athyris Thetis Barr. Gr. Gü. 

Nudeospira inelegans Barr. Gr. 

Retzia novemplicata Sandb. Gr. Gü. 

Atrypa compressa Sow.? Gr. 

» reticularis L. Gü. (nur ein Exemplar.) 

» ? Philomela Barr. Gr. Gü. 

» cf. canaliculata Sow. Gr. Gü. 

Rhynchonella matercula Barr. Gr. Gü. 

Pentamerus Tetinensis Barr.? Gü. 

» cf. strix Barr. Gr. 

Strophomena emarginata Barr. Gr. Gü. 

Leptaena tenuissima Barr. Gr. Gü. 

Leptagonia rhomboidalis Wahl. Gr. 

Chonetes sp. 

Discina sp. 

Ausserdem fand sich in einem kleinen Vorkommen von grob- 
krystallinem grauen Greifensteiner Kalk in einem Thälchen südlich 
von Ballersbach noch Merista herculea Barr. 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, Gr, H Bareande’s etc. 259 

Modiomorpha ( Guerangeria ) Davousti Oehlert. (Barrois, 
Calcaire d’Erbray, p. 178, t. 11, f. 9.) Gr. 

Cypricardinia sp. Gr. 

Conocardium sp. Gr. 

Cladochonus ( Pustulipora) greif ensteinensis Maur. Gr. Gü. 

Amplexus her cynicus A. Roem. (= Barrandei Maur.) Gr. Gü. 

Petraja Barrandei Maur. 

Es sind das im Ganzen weit über 60, zum grössten Theil 
sicher bestimmte Formen. Unter ihnen sind folgende auch aus 
dem Ballersbacher Kalk bekannt: 

Phacops fecundus Barr. var. major. 

Bronteus speciosus Corda. 

» Dormitzeri Barr. 

Proetus unguloides Barr. 

Pinacites Jugleri A. Roem. 

Hercoceras subtuberculatum Sandb. 

Orthöceras patronum Barr. 

» commutatum Gieb. 

Tentaculites acuarius Richt. 

Merista securis Barr. 

Petraja Barrandei Maur. 

Ist die Zahl dieser Arten auch noch gering, so reicht sie 
doch hin, um die nahen Beziehungen des Greifensteiner und 
Ballersbacher Kalkes darzuthun 1 ). Zusammen mit dem wichtigen 
Mimoceras gracile und Orthöceras crassum beweisen sie, dass gleich 
dem Ballersbacher auch der Greifensteiner Kalk dem Ni- 
veau der älteren Wissenbacher Schiefer angehört und 
somit mitteldevonischen Alters ist. Speciell der Greifen- 
steiner Kalk stellt eine ausgesprochene Trilobiten- und Brachio- 
podenfacies dieses Niveaus dar. 

9 Das Fehlen von Agoniatites fidelis im Ballersbacher und von Anareestes 
lateseptatus im Greifensteiner Kalk hat den Einen von uns auf die Yermuthung 
geführt, dass der letztgenannte Kalk vielleicht noch etwas älter ist als der Ballers- 
bacher. Indess kann es sich bei dem engen faunistischen Zusammenhänge beider 
Kalke nur um geringfügige Altersunterschiede handeln. 


17 * 


260 E. Kayser und E. Holzapfel, lieber die stratigraphischen 

Aus dieser seiner Stellung erklärt sich einfach die ansehnliche 
Zahl von Arten, die der Greifen stein er Kalk mit dem Günteroder 
Kalk und anderen noch höheren Devonhorizonten gemein hat 
( Bronteus speciosus , Phacops breviceps , Proetus orbitatus , plani- 
cauda etc., Lichas Haueri, Arges armata , Cyphaspis hydrocephala, 
Cyphaspides scuticauda , Acidaspis pigra und vesiculosa *), Pinacites 
Jugleri, Spirifer indijferens , Retzia novemplicata, Tentaculites acuarius 
und wohl noch manche andere) * 2 ). Dagegen befindet sich unter 
den bis jetzt von Greifenstein bekannt gewordenen Arten, ab- 
gesehen von Meristea herculea , keine, die auch im Unterdevon 
vorkäme. 

Versuchen wir jetzt die Stellung der im Vorstehenden be- 
sprochenen Kalke innerhalb des Mitteldevon etwas genauer fest- 
zustellen. 

Was zunächst die Kalke von Ballersbach und Greifen- 
stein betrifft, so werden wir sie mit Bestimmtheit der dem 
untersten Mitteldevon entsprechenden Cultrijugatus -Stufe 
des Eifeier Kalkes gleichstellen dürfen, während wir den 
Pentamerus-QpL&rzit von Greifenstein sowie die Pentamerenschiefer 
sammt den zugehörigen trilobitenreichen Dachschiefern der Grube 
»Schöne Aussicht« 3 ) im ßuppachthale als oberstes Unterdevon 
den oolithischen Botheisensteinen der Eifel 4 ) parallelisiren. Für 
die Gleichstellung des Ballersbacher Kalkes mit den Cultrijugatus- 


*) Nach Barrois in dem von ihm an die Basis des oberen Mitteldevon ge- 
stellten Kalke von Chaudefonds (Maine et Loire). 

2 ) "Wie schon früher erwähnt, sind einige dieser Arten, wie insbesondere 
Proetus crassimargo und crassirhachis, Phacops breviceps und Amplexus hercynicus , 
sogar häufige und verbreitete Erscheinungen in den oberen Stringocephalen- 
schichten des Harzes, Westfalens und des Lahngebietes. 

3 ) Phacops aff. fecundus, Cryphaeus, Proetus (cnf. lepidus Bark.), Acidaspis 
sind hier häufig. Anderweitig, wie im Dillenburg’schen und hessischen Hinter- 
lande, treten in diesem Horizont, unmittelbar an der Basis der Wissenbacher 
Schiefer, die zeitlich letzten Homalonoten auf. 

4 ) Auch in diesen Eisensteinen finden sich die letzten Homalonoten, und 
auch hier erscheinen, wie in den eben erwähnten Dachschiefem des Ruppach- 
thaies, neben überwiegenden Unterde vontypen bereits eine ganze Anzahl mittel- 
devonischer Arten. 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H Barrande’s etc. 261 

Schichten fallt noch besonders das Vorkommen von Rhynchonella 
aff. Orbignyana, Spirifer cnf. cultrijugatus und Bronteus Dormitzeri 
bei Bicken und Hermannstein ins Gewicht, da die erstgenannten 
Arten Hauptleitformen der Eifeier Cultrijugatus- Stufe sind und 
Bronteus Dormitzeri nach dem oben über die Fauna der Wetzlarer 
Tentaculitenschiefer Mitgetheilten eine ähnliche Rolle zu spielen 
scheint. 

Das Alter des Günteroder Kalkes lässt sich vor allem 
deutlich aus seiner Lagerung erkennen; aber auch die Fauna 
giebt wichtige Anhaltspunkte. Sie schliesst sich ziemlich eng an 
die des Ballersbacher bz. Greifensteiner Kalkes an. Beide haben 
nämlich folgende Formen gemeinsam: 

Bronteus speciosus Corda. 

» brevifrons Barr. 

Phacops breviceps Barr. 

» fecundus var. Barr. 

Proetus orbitatus Barr. 

» planicauda Barr. 

» unguloides Barr. 

Cyphaspis hydrocephala A. Roem. 

Cyphaspides scuticauda Nov. 

Acidaspis pigra Barr. 

Lichas Haueri Barr. 

Harpes fornicatus Nov. 

Cardiola digitata A. Roem. 

Retzia novemplicata Sandb. 

Merista securis Barr. 

Spirifer indifferens Barr. 

Tentaculites acuarius Richt. 

und wahrscheinlich noch einige weitere Arten. Mit den Calceola- 
Schichten der Eifel sind gemeinsam Cyphaspis ceratophthalma 
Goldf. und wahrscheinlich Proetus cornutus Goldf. (= Holz- 
apf eli Nov.) 

Bei Bicken und Offenbach liegen nun die Günteroder über 
den Ballersbacher Kalken, und schon hierdurch wird ihre Stellung 
im oberen Theile des unteren Mitteldevon, entsprechend 


262 


E. Kayser und E. Holzapfel, Ueber die stratigraphischen 


den Ca/ceoZa-Schichten der Eifel, gesichert. An der Dill- 
mündung liegen sie über den Schiefern von Leun-Oberbiel und 
unter dem älteren Schalstein. In diesen selbst eingeschaltet treten 
bei Waldgirmes die Kalke mit der von Maurer beschriebenen, 
den Crinoiden - Schichten der Eifel gleichstehenden Fauna auf. 
Die Günteroder Kalke müssen daher älter sein und ihre Stellung 
zwischen den Cultrijugatus- und Crinoiden-Schichten haben, mithin 
den Eifeier CWceoZa-Schichten entsprechen. 

Die Odershäuser Kalke endlich lagern bei Wildungen, 
Offenbach und Günterod über den Günterodern. Zwischen beiden 
aber liegt eine ausserordentlich scharfe Faunengrenze. Die Gonia- 
titen der Odershäuser Kalke sind nämlich dieselben, wie die des 
Briloner Eisensteines — Agoniatites inconstans Phill., Tornoceras 
simplex und circumflexiferum , 'Menaeceras terebratum etc. — und 
auch die übrigen Versteinerungen schliessen sich eng an die des 
Brilon — Adorfer Eisenerzes an, wenn sie auch fast durchweg ge- 
ringfügige Abweichungen aufweisen, durch die sie sich als ältere 
Mutationen zu erkennen geben. Die gleiche Fauna tritt auch in 
den Stringocephalen-Kalken bei Wildungen, die unmittelbar vom 
Oberdevon überlagert werden, sowie in den Hauptmassenkalken 
des Lahngebietes und der Attendorner Mulde (in Westfalen), die 
sonst die Villmarer Fauna enthalten, auf. Hieraus, sowie aus 
ihrer Lagerung über den Günteroder Kalken folgt, dass die 
Odershäuser Kalke der unteren Abtheilung der Stringo- 
cephalen-Schichten angehören, während deren obere Abtheiluug 
durch die hellen Plattenkalke der Ense (bei Wildungen), den Haupt- 
masseukalk des Lahngebietes und die Eisensteine von Brilon — 
Adorf — Wetzlar vertreten wird. Wie erwähnt, stammt auch der 
String ocephalus von Bicken aus dem in Rede stehenden Niveau 
und kann daher in keiner Weise befremden. 

Der häufigste Goniatit der Odershäuser Kalke, Tornoceras 
circumflexiferum Sandb., kommt auch in den Or£/mceras-Schiefern 
von Wissenbach vor. Von Olkenbach (in der Moselgegend) kennen 
wir dieselbe Form in Begleitung von Tornoceras simplex v. B., 
während sie bisher noch nie in den Kalken mit Agoniatites occultus 
angetroffen worden ist. Dies deutet darauf hin, dass T. circum- 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G-, H Barrande’s etc. 263 








1 ^ 

0 


fl 

3 


, 

d 3 

© 



W 


n 

0 

bß 'S' 





S u 

rO 



© 

© 

tJ 


3 <8 
© .2 

© 

13 

2 5. 



o 

© 


& 3 

CO 

© 

£ 


© 

1 


H 

rfl 



O 

ö 



P 

u 


.s .* 
1 3 
■i ^ 

j£j 


§3 
^ © 

fl 

© 

.2 

-S 


«« § 

© 


n -fl 

cg o 

5h © 

J °? 

$ 


ft W 

© 


© i 

°| 



3 3 

s 


“ J 

o 

O 








0 


© 

3 




1 

Sinn- 

ifenstei 


© 

3 

ltaculiten- 

schiefer 


ifensteinei 

Kalk 

Obere 

nz-Schich 

£ 


1 

© 


© 

r2 




H 


o 

rfl 

o 



H 




O 



r*j 



=1 

r bC 

. 


t2 

M 


w 

§ 

fl 2 






rfl 

© S 

M ^ 
O 0 


© 

:CÖ 

. o 


© 

o8 

rfl 

l 

m | - 


U 

© 

'S 


£ 

© 

rg 



"S 

o 



m 

P 








bD 


.13 | 

g a 

CO J-i 
co -d 

1 

’s 

a 1 » 
| ^ -s 

© 

© r> 
bD ö 


^ §3 ^ 

>§ 2 § 

^1 

o 

© 

1 1 1 

© 13 

c3 ^2 


J | 

£ uo 

.e 

£ ® § 

o g 

W a 



ÖD fe 


^ © Cg 


P 


«v. -b 

3 -ft 

•-s ^ 

3 

* % * 

3 

o 

o 






rfl 



d ^ 

© 



fl 

J 


© 

1 1 1 

3 


S d 
ö 5 


© 

© 

P<d 1 CQ 
© o fl i 

czü 


§5 _d 

© c/p 

K 

d 

P 

&'■% * 1 
a m S 

•fi o 

o 


£ 'S 
2 M 

O § 
© 

3 



ot ! 

o 

<3 • 


Q 


264 


E. Kayser und E. Holzapfel, Heber die stratigrapbischen 


flexiferum auch im Wissenbacher Schiefer höher liegt, als Ag. 
occultus , und dass der diese Art einschliessende Theil der ge- 
nannten Schiefer dem oberen Mitteldevon angehört. Bei der Art 
des Sammelns in den Wissenbacher Schiefern, das fast auschliess- 
lich in den Spalthäusern geschieht, wird es indess sehr schwer 
sein, etwas Sicheres über das genaue Lager der fast immer nur 
ganz vereinzelt vorkommenden Arten zu ermitteln. 

Nach vorstehenden Mittheilungen gliedert sich das untere 
Mitteldevon im rechtsrheinischen Gebiete in zwei Hauptabschnitte 
nach vorstehendem Schema. 


Beobachtungen im böhmischen Devongebiete. 

Es war ursprünglich unsere Absicht, ein Stück der böhmischen 
Devonmulde (etwa die Gegend zwischen Beraun, Karlstein und 
Mnenian) in grossem Maassstabe aufzunehmen; bei genauerer 
Untersuchung erwiesen sich indess die Lagerungsverhältnisse im 
Einzelnen als so gestört und die petrographischen Merkmale der 
verschiedenen Stufen als so wenig verlässlich, dass wir jene 
Absicht bald aufgaben. Was den letzten Punkt betrifft, so sei 
hier nur erwähnt, dass wir wiederholt — so am rechten Ufer 
der Beraun, oberhalb Srbsko — dunkelgraue, dichte Knollenkalke 
angetroflfen haben, die denen des BARRANDE’schen Stockwerkes G 
täuschend ähnlich, bisher in der That als solche angesehen worden 
sind (so auf der KREJCi’schen Karte) und die auch von uns zuerst 
dafür gehalten wurden, bis wir in einzelnen Bänken leitende 
silurische Orthoceren, Trilobiten und Brachiopoden ( Dayia navi- 
cula u. a.) auffanden. Auf Schritt und Tritt hätten wir unter 
solchen Umständen nach beweisenden Versteinerungen suchen 
müssen, und dazu hätten die wenigen, uns zur Verfügung stehen- 
den Wochen in keiner Weise ausgereicht. Nur ein gründlicher 
Kenner der silurischen und devonischen Faunen, der zugleich 
erfahrener Kartengeolog ist, wird nach unserer Ueberzeugung die 
Specialkartirung des böhmischen Silur-Devongebietes erfolgreich 
durchzuführen in* Stande sein, 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H Barrande’s etc. 265 


Als tiefstes Glied des böhmischen Devon pflegen jetzt die 
dunklen, bituminösen, dünnbänkigen Kalke der Barrande ’schen 
Stufe F 1 betrachtet zu werden. Und wohl mit Recht; denn für 
die Vermuthung Frech’s, dass bereits die obersten Schichten 
von E 2 dem Devon zuzurechnen sein möchten, fehlt es bisher 
in Böhmen an Anhaltspunkten. Man sieht hier im Gegentheil 
die bezeichnenden obersilurischen Brachiopoden und Trilobiten 
bis in die oberen Schichten von E 2 hinaufgehen, während die 
darüber folgenden Kalke trotz ihrer innigen petrographischen 
Verknüpfung mit E 2 eine Fauna einschliessen, in der zwar noch 
Graptolithen sowie viele ältere Molluskenarten (besonders Ortho- 
ceren, Lamellibranchiaten und Brachiopoden) fortdauern, die aber 
nichtsdestoweniger durch Machaeracanthus , Gyroceras , Tentacu- 
liten t) und zahlreiche mit F 2 gemeinsame Species ein wesentlich 
neues, devonisches Gepräge erhält. 

Während F x früher allgemein nach dem Vorgänge von Bar- 
rande als eine selbstständige Stufe betrachtet wurde, hat später 
Nov/k die Meinung ausgesprochen, dass diese Schichtenfolge 
gleichaltrig mit F 2 sei 2 ). Beide Glieder stellen nach ihm nur 
verschiedene Facies eines und desselben Horizontes dar, und zwar 
die schwarzen, an Spongienresten reichen F 1 - Kalke eine tiefere 
Meeresbildung, die hellen, krystallinischen F 2 -Kalke dagegen mit 
ihren stockbildenden Korallen und dickschaligen Mollusken und 
Brachiopoden eine Riffbildung. Einen Beweis für die Richtigkeit 
dieser Anschauung findet Nov/k darin, dass beide Gebilde im 
umgekehrten Mächtigkeitsverhältnisse stehen, was soweit gehen 
kann, dass das eine auf Kosten des anderen ganz verschwindet. 

In der That beobachtet man beide Kalke gleichzeitig nur an 
wenigen Punkten in der Nähe von Prag. So bei Dworetz, wo 
über typischen F^-Kalken mit Tentaculites intermedius , Praelucinen 
und Hercynellen hellfarbige krystallinische Kalke mit Bronteus , 
Acidaspis, Phacops , Platyceras, Rhynchonella princeps u. s. w. auf- 

1 ) Darunter auch der im Devon so verbreitete T. acuarius Richter. (Katzer, 
Geol. v. Böhmen, 1892. S. 1021. 

2 ) Zur Kenntniss der Fauna der Etage F 1 . Sitzungsber. d. böhm. Ges. d, 
Wiss, 1886. 


266 


E. Kaysee und E. Holzapfel, Ueber die stratigraph.isch.en 


treten. Aehnlich verhält es sich auf dem linken Moldauufer, 
gegenüber Branik, in der Nähe der BARRANDE-Tafel, und ebenso 
im HERGET’schen Steiubruche, nur dass hier die späthigen, z. Th. 
dolomitisirten T^-Kalke blos ein schmales Band im Hangenden 
von F 1 bilden. Im ganzen SW. der Devonmulde dagegen , bei 
Mnenian und Konjeprus, im Beraunthale oberhalb Karlstein und 
bei St. Iwan, fehlt ein typisches vollständig. Umgekehrt sind 
im Kosorschen Thale unweit Radotin allein die E^-Kalke, diese 
aber in grosser Mächtigkeit und mit zahlreichen Versteinerungen 
(darunter auch Graptolithen) entwickelt. Die Verhältnisse an 
dieser letzten Oertlichkeit, wo über den E 1 - Schichten ohne die 
geringste Spur einer Discordanz oder eines sonstwie (etwa durch 
eine Conglomeratbasis) angedeuteten Hiatus sofort unzweifelhafte 
G^-Kalke folgen, fallen in der That schwer zu Gunsten der 
NovAii’schen Ansicht in’s Gewicht. Auch die weiter unten zu 
besprechenden, eigenthümlichen, zwischen typischen F 1 - und F 2 - 
Kalken in der Mitte stehenden Gesteine zwischen Mnenian und 
Suchomast sprechen für sie. 

Eür die Riffkalke der Stufe F 2 liegt das klassische Gebiet 
in der Umgebung von Konjeprus, im SW. der Mulde. Aber 
auch im Beraunthale oberhalb Karlstein, zwischen Hostin und 
St. Iwan, im Prokopy- Thale, bei Slichow und D woretz unweit 
Prag findet man sie gut aufgeschlossen. Ueberall ist das Gestein 
hellfarbig, krystallinisch und mehr oder weniger schichtungslos. 
An dem Slati Kun (»Goldenes Ross«) genannten Berge südlich 
Konjeprus werden die weissen, mit schroffen Wänden aufsteigen- 
den Kalke wohl an 100 Meter mächtig, und auch im Thale von 
St. Iwan mag ihre Dicke nicht viel geringer sein. 

Der eben genannte Slati Kun besteht in seiner Hauptmasse 
aus fast massigen Kalken, die an seinem Nordfusse, zunächst dem 
Dorfe Konjeprus , in einem grösseren , auf der Südseite in einer 
ganzen Reihe kleinerer Steinbrüche gewonnen werden. Ueber 
dem weissen Massenkalk aber treten mit flacher Lagerung dünn- 
geschichtete bunte, überwiegend rothe, späthige Crinoidenkalke 
auf. So unmittelbar über dem erwähnten grossen Bruche auf 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H Barrande’s etc. 267 

der Nordseite. Auch der Gipfel des Berges besteht aus solchen 
Gesteinen, und ebenso ein Theil des Südabhanges, während 
darunter überall weisser Kalk hervortritt, der nach W. bis zum 
Suchomaster Thal zu verfolgen ist, wo er unmittelbar von Ober- 
silurkalken (F? 2 ) unterteuft wird. 

Derselbe bunte Crinoidenkalk ist auch längs des Fahrweges 
zu beobachten, der von Konjeprus am Ostende des Slati Kun 
vorbei in südlicher Richtung nach den sogenannten Mnenianer 
Marmorbrüchen führt. Hier aber tritt er in inniger Verknüpfung 
mit dichten, graugelben Kalksteinen auf. Auch das Gestein der 
eben genannten Marmorbrüche besteht aus dunkelrothen (hie und 
da riesige Orthoceren einschliessenden) Crinoidenkalken , und 
ebenso stehen solche mit flacher Lagerung weiter nach S. zu, auf 
der ganzen Höhe der Kobyla an, während darunter, am Abhang 
der Kobyla in das nach Mnenian führende Thal, wiederum Riff- 
kalk zu Tage tritt, der auch hier in einer Reihe von Steinbrüchen 
ausgebeutet wird. Diese Verhältnisse lassen sich durch die um- 
stehenden beiden Profilskizzeri veranschaulichen. 

Wichtig ist auch das Profil, das längs des von Mnenian nach 
Suchomast führenden Weges zu beobachten ist. Im W. des zu- 
erst genannten Dorfes folgen auf das Untersilur zunächst Grapto- 
lithenschiefer mit Diabasen, dann normaler Obersilurkalk. Ueber 
diesem sind an der 0. -Seite des Dlouhy Less (langer Wald) in 
einem kleinen neben einem alten Kalkofen gelegenen Steinbruche 
blau- bis hellgraue oder schwach bunt gefärbte, in 1 / s bis 1 Meter 
starke Bänke gegliederte, fein krystallinische Kalksteine entblösst, 
in denen wir Crotalocephalus, Platyostoma conicum sowie Bronteus- 
Reste, also offenbar die Fauna von F 2 , sammelten. Auch in 
einem zweiten, auf der SW.-Seite des Dlouhy Less, nördlich von 
Vinarschitz gelegenen Steinbruche sind die Verhältnisse ähnlich. 
In der Sohle des Bruches stehen mit wagerechter Lagerung 
schwarze, dünnschichtige, etwas knollige Kalke an, die nach 
NovLk !) Scyphocrinus enthalten, also noch dem Obersilur ange- 
hören. Darüber folgen dickbänkige hellgraue und hellere kry- 


a. a. 0. S. 2. 


268 


E. Kayseb und E. Holzapfel, Ueber die stratigraphischen 


Suchomaster 

Thal 


Profil durch den Slati Kun bis zum Suchomaster Thal. 

Weg nach 
den Mnenianer 
Marmorbrüchen 



E 2 — Obersilur-Kalk. R. K. = Weisser Riffkalk. . Cr. K. = Dünnschichtiger bunter 
Crinoidenkalk. St. = Steinbrüche. 


Profil am N. -Abhang des Slati Kun bei Konjeprus. 

U. = Ueberschiebung 1 ). 

Cr. K. 



E l = Graptolithenschiefer. E 3 — obersilur. Knollenkalk. R. K. — Riff kalk. 
Cr. K. = Geschichteter Crinoidenkalk. 


stallinische Kalke, aus denen Novak Machaeracanthus anführt. 
Der genannte Forscher spricht diese Kalke für F 1 an; indess 
sind sie von diesem nach ihrer Gesteinsbeschaffenheit und Ver- 
steinerungsführung sehr verschieden. Sie stellen eine Mittelform 

x ) Dieselbe ist trefflich zu beobachten in dem tiefen, in den Steinbruch 
führenden Einschnitt. In östlicher Richtung lässt sie sich am ganzen Abhang 
des Berges, und weiterhin auch am NO.- Abhang der Kobyla verfolgen, 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, Gr, H Barrande’s etc. 269 

zwischen dem Riff kalk des Slati Kun und dem typischen F 1 - 
Kalk des Kosorscher Thaies dar und sind offenbar sedimentäre 
Kalke, die neben dem Riff abgelagert wurden. Ueber diesen 
Gesteinen aber liegen auch hier, auf der kahlen, sich nach N. 
anschliessenden Höhe, mit flacher Lagerung dieselben dünn- 
schichtigen rothen Crinoidenkalke, wie über dem weissen Riffkalk 
des Slati Kun und der Kobyla. 

Wie aber Riff- und Crinoidenkalk ihrem Niveau nach ge- 
trennt sind, so sind sie es auch durch ihre Versteinerungsführung. 
Der Riffkalk ist es, der die bekannte, in allen Sammlungen 
verbreitete Fauna von Konjeprus einschliesst. Wir nennen von 
den hierher gehörigen Arten als besonders bezeichnend Terebratula 
melonica, Rhynchonella princeps, Henrici u. a., Pentamerus Sieberi , 
Spirifer togatus , Nerei u. a., Retzia Haidingeri, Orthis palliata , 
Gervillei u. a., Strophomena Stephani ; ferner Conocardium bohemi- 
cum , Platyostoma naticoides A. Roem. (— gregaria Barr.) x ), 
Platyceras mons, conicum u. a., Tubina und Tremanotus, Gyroceras 
alatum , Orthoceras pseudocalamiteum u. a., Bronteus palifer u. a., 
Proetus bohemicus, Harpes venulosus, Aristozoe regina. Dazu 
kommen noch zahlreiche Favositen und andere stockbildende 
Korallen, Bryozoen, Crinoiden und Anderes. 

Nur wenige von diesen Arten gehen in den Crinoiden- 
kalk hinauf, der eine ganz abweichende, besonders aus Trilo- 
biten und Brachiopoden zusammengesetzte Fauna enthält, für die 
besonders bezeichnend sind die dem Riffkalk völlig fehlenden 
Goniatiten und die — allerdings seltenen — Odontochilen. 

Am Pleschiwetz, zwischen Mnenian und Konjeprus, 
sammelten wir im fraglichen, grobkrystalliuischen, röthlichen Kalk 
folgende Arten: 

Bronteus speciosus Corda (— thysanopeltis Barr.) 

» Dormitzeri Barr. 

» formosus Barr. 

» oblongus Barr.? 

» angusticeps Barr.? 


') = sigmoidalis Phill. sp. nach Whidbokne. (??) 


270 


E. Kayser und E. Holzapfel, Heber die stratigraphischen 


Bronteus elongatus Barr. 

» brevifrons Barr. 

Acidaspis vesiculosa Beyr. 

Phacops fecundus Barr. var. major. 

» breoiceps Barr. 

» Zorgensis Kays. 

Proetus Dufresnoyi Corda. 

» Buchi Barr. 

» eremita Barr. 

» unguloides Barr. 

» tuberculatus Barr. 

» ascanius Corda. 

» natator Barr. 

» orbitatus Barr. 

» myops Barr. 

» cf. lepidus Barr. 

» » lusor Barr. 

» ßlicostatus Barr. *) 

Phaetonellus planicauda Barr. 

Cheirurus gibbus Beyr. 

» Sternbergi Boeck. 

Harpes reticulatus Corda. 

Mimoceras gracile v. Mey. (— ambigena Barr.) 

Anarcestes crispus Barr. 

» n. sp. (plebejus Barr. Syst. Silur, vol. II, 
pl. 5, fig. 1 —5) 2 ). 

Orthoceras patronum Barr. 

» commutatum Gieb.? 

Pleurotomaria humillima Barr. (Maur.) 

Platyceras Halfari Kays. 


*) Nach Novak auch bei Bicken vorkommend. Der Fundort ist indess 
unsicher, und ebenso, ob die Form aus dem Ballersbacher oder Günteroder 
Kalk stammt. 

a ) In der Jugend dick mit niedergedrückten Umgängen, später flach und 
verhältnissmässig hochmündig werdend. 


Beziehungen' der böhmischen Stufen F, 6, H Babrande’s etc. 271 


Platyceras Halfari var. rostrata Barr. 

» disjunctum Gieb. 

Hyolithes pauper Barr. 

Tentaculites acuarius Richt. (= longulus Barr.) 
Buchiola aff. restrostriata v. B. 

Atrypa reticularis Linst. 

» arimaspus Eichw. (= comata Barr.)? 

» ? Thetis Barr. 

» ? Philomela Barr. 

Merista passer Barr. 

Nucleospira inelegans Barr. 

Spirifer indifferens Barr. 

» unguiculus Barr, non Sow. 

» orbitatus Barr. 

» Thetidis Barr. 

Rhynchonella matercula Barr. 

» alecto Barr. 

» nitidula Barr. 

» palumbina Barr. 

» monas Barr. 

Eichwaldia n. sp. (grosse Form mit groblöcheriger 
Structur der Schale). 

Pentamerus procerulus Barr. 

» gäleatus Dalm. ? 

Streptorhynchus devonicus d’Orb. = Orthis distorta Barr. 
Strophomena emarginata Barr. 

» interstrialis Phill. (= Phillipsi Barr.) 

» tenuissima Barr. 

Chonetes inconstans Barr. 

Proteocystites flavus Barr. 

Staurosoma rarum Barr. 

Petraja Barrandei MaüR. 

Amplexus hercynicus A. Roem. 

Cladochonus ( Pustulipora ) Greif ensteinensis MaüR. 


212 E. Kayser und E. Holzapfel, Üeber die stratigraphischen 

Nach NovXk !) finden sich in demselben Gestein bei Kon- 
jeprus und Mnenian noch 

Proetus crassimargo A. Roem. 

Arethusina peltata Nov. 

Cheirurus Cordai Barr. * 2 ) 

Die Marburger Sammlung besitzt ferner aus dem gleichen 
Gestein von Mnenian 

Calymene Blumenbachi Brongn. 

Bronteus perlongus Barr., 

und in verschiedenen privaten und öffentlichen Sammlungen Böh- 
mens endlich sahen wir aus dem rothen Kalk derselben Oertlich- 
keit noch 

Proteus moestus Barr. 

Lichas Haueri Barr. 

Acidaspis truncata Corda. 

Calymene interjecta Corda. 

Bronteus pustulatus Barr. 

Odontochile rugosa Corda. 

» Reussi Barr. 

In den oben erwähnten gelblichen Kalken, die am Wege 
nach den Mnenianer Marmorbrüchen anstehen, sammelten wir in 
kleinen, zu beiden Seiten der Strasse liegenden Gruben folgende 
Species 3 ): 

Cheirurus Sternbergi Boeck (in einer besonderen, nur 
wenige Centimeter starken Bank, die ganz 
mit seinen Resten erfüllt ist). 

! ) Vergleichende Studien an Trilob. Hercyn etc. 1890. S. 44 und 4. 

2 ) Nach Novak auch bei Bicken vorkommend. Der Fundort ist indess 
unsicher, und ebenso, ob die Form aus dem Ballersbacher oder aus dem Günte- 
roder Kalk stammt. 

3 ) Die innige Verbindung des gelben Kalkes mit dem rothen ergiebt sich 
schon aus der grossen Anzahl der beiden gemeinsamen Arten. Es sind das nach 
unseren Aufsammlungen: Bronteus speciosus und Dormitzeri; Phacops fecundus 
major und breviceps; Proetus eremita und orbitatus; Cheirurus Sternbergi und 
gibbus , Lichas Haueri , Atrgpa Philomela und Thetis; Merista passer , Spirifer 
indifferens und orbitatus; Strophomena interstrialis; Amplexus hercynicus und 
Petraja Barrandei. 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H Barrande’s etc. 273 


Cheirurus gibbus Beyr. 

Phacops breviceps Barr, (in einer besonderen Schicht). 
Phacops fecundus Barr. var. major. 

Proetus neglectus Barr. 

» orbitatus Barr. 

» eremita Barr. 

Lichas Haueri Barr. 

Bronteus speciosus Corda. 

» Dormitzeri Barr. 

» oblongus Corda. 

Harpes Montagnei Corda. 

» Orbignyanus Barr. 

Agoniatites fidelis Barr. (In einer Schicht sehr grosse 
Exemplare.) 

» verna Barr. 

Anarcestes neglectus Barr. 

Atrypa Philomela Barr. 

» ? Thetis Barr. 

Merista passer Barr. 

» Bauds Barr. 

Spirifer indifferens Barr. 

» _ orbitatus Barr. 

Strophomena interstrialis Phill. 

Chonetes embryo Barr. 

Amplexus hercynicus A. Roem. 

Die Marburger Sammlung endlich enthält aus früherer Zeit 
aus demselben gelblichen Grestein, nach der Etikette von Mnenian, 
noch 

Hyolithes discors Barr. 

Bronteus Scharyi Barr. 

» cf. angusticeps Barr. 

Proetus moestus Barr. 

» fallax Barr. 

Die Fauna der geschichteten Kalke ist nach Obigem von der 
des weissen Massenkalkes sehr verschieden. Diese Unterschiede 


Jahrbuch 1893. 


18 


274 E. Kayser und E. Holzappel, lieber die stratigraphischen 

sind so auffällig, dass man sich wundern muss, wenn sie bisher 
so wenig Beachtung gefunden haben. Zwar war es schon 
Barrande aufgefallen, dass Bronteus speciosus und einige andere 
Trilohiten auf bestimmte Bänke der Gegend von Konjeprus und 
Mnenian beschränkt seien x ); allein er legte diesem Umstande 
keine besondere Bedeutung bei, ebenso wenig wie Krejci, Novak 
und Frech. Der letztere wies zwar * 2 ) nachdrücklicher als die 
übrigen genannten Forscher auf die faunistischen Unterschiede 
beider Kalke hin; unglücklicherweise aber stellte er das rothe 
Gestein nicht über, sondern unter das weisse — eine Auf- 
fassung, an der er bis auf die neueste Zeit festgehalten hat 3 ). 

Dass dieselbe irrig ist, zeigt schon die Untersuchung der 
Abfälle der Konjepruser Kalkmasse ins Suchomaster Thal (vergl. 
das Profil S. 268), wo die Grenze zwischen F 2 und E 2 gut ent- 
blösst ist. In dem tiefsten, der Grenze ganz nahe liegenden 
Theile des Riffkalkes fanden wir eine Reihe bezeichnender Arten 
des Kalkes vom Slati Kun, nämlich Rhynchonella nympha , princeps 
und Henrici , Platyceras mons und conicum u. a., Atrypa semiorbis 
und zahlreiche sehr dicke Stielglieder von Crotalocrinus (wie die- 
selben, wenngleich seltener, auch am Slati Kun Vorkommen). 
Vom dünnschichtigen rothen oder gelben Kalk aber war hier 
ebensowenig eine Spur wahrzunehmen, wie an der Grenze zwischen 
Riffkalk und Obersilur an den Gehängen der Beraun oberhalb 
Karlstein oder im Thale von St. Iwan. 

Wir bezeichnen die beiden, von Barrande in seiner Stufe F 2 
zusammengefassten Kalke als Konjepruser und Mnenianer 
Kalk. Wir selbst kennen den letzteren in typischer Ausbildung 
nur aus der Gegend zwischen Mnenian und Konjeprus. Der 
Umstand indessen, dass wir in verschiedenen Sammlungen Stücke 
eines ähnlichen rothen Kalks mit bezeichnenden Arten des Mne- 
nianer Kalkes von anderen als den genannten Punkten gesehen 
haben, lässt darauf schliessen, dass das Gestein eine weitere Ver- 

!) Syst. Silur, vol. I., pag. 457, 844, 848 etc. 

2 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1886, S. 918. 

3 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1886, S. 918; 1887, S. 406; 1889, S. 236. 
Harnische Alpen 1894, S. 294. 


Beziehungen der böhmischen Stuten F, Gr, H Barrande’s etc. 275 

breitung besitzt. So sahen wir im böhmischen Nationalmuseum 
in Prag aus einem röthlichen, krystallinischen Kalk von Slichow: 
Bronteus speciosus, Dormitzeri , Brongniarti , viator , pustulatus und 
oblongus, Calymene sp., Cheirurus gibbusf, Cyphaspis hydrocephala 
A. Roem. (= Barrandei Corda), Lichas Haueri u. s. w. Weisen 
diese Arten auf eine Vertretung des Mneniankalkes an der ge- 
nannten Oertlichkeit hin, so zeigen von Slichow stammende, in 
der Aachener Sammlung aufbewahrte weisse Kalke mit Rhyncho- 
nella princeps und Phacops Sternbergi , dass dort daneben auch der 
Konjepruser Kalk entwickelt ist. Ebenso sprechen der Marburger 
Sammlung angehörige Stücke von dunkelrothem , feinkrystallini- 
schem Kalk von Gross- Küchel mit Bronteus formosus und perlongus 
und Cheirurus gibbus für das Vorkommen des Mneniankalkes auch 
an diesem Punkte. Denselben Schluss gestattet endlich ein in 
der Göttinger Sammlung liegendes Stück rothen Crinoidenkalkes 
mit Mimoceras gracile , das Prof. v. Koenen vor Jahren auf einer 
Excursion mit Prof. NovIk auf der rechten Seite der Beraun 
unter Tetin gesammelt hat. 

Wenn somit der Mneniankalk vom unterliegenden Konjepruser 
Kalk stratigraphisch wie faunistisch scharf getrennt ist, so scheint 
er andererseits nahe Beziehungen zu Barrande’s Knollen- 
kalk G 1 zu besitzen. Es fällt schon auf, dass eine Ueberlagerung 
des Mnenianer Kalkes durch G 1 nirgends deutlich zu beobachten 
ist. So fehlt G 1 auf dem Kalkplateau von Tobolka — Konjeprus, 
tritt aber an dessen Rändern auf. Am Damil bei Tetin liegt G 1 
auf weissen, krystallinischen Kalken, die zwar keine ausgesprochene 
Fauna geliefert haben, die aber dem Konjepruskalk sehr ähnlich 
sind, während der ächte Mneniankalk fehlt. Ebensowenig haben 
wir im Beraunthale zwischen Karlstein und Srbsko zwischen dem 
hellen Riffkalk und G 1 irgendwo unzweifelhaften Mnenianer Kalk 
beobachtet. Zwischen Hostin und St. Iwan lagert G 1 zunächst 
auf geschichteten hell- bis weissgrauen Kalken mit Odontochile, 
dann folgt Konjepruser Kalk, so dass hier ein Uebergang zwischen 
G 1 und Mnenianer Kalk vorhanden zu sein scheint. — Es ge- 

18* 


276 


E. Kayseb und E. Holzappel, lieber die stratigrap bischen 


winnt so den Anschein, als ob der Mneniankalk nur eine örtliche 
Bildung ist, die da, wo sie fehlt, durch G 1 vertreten wird. 

Die innige Beziehung beider Gebilde ergiebt sich weiter da- 
raus, dass nicht selten inmitten typischer G ^Kalke röthliche, dem 
Mnenianer Gestein sehr ähnliche Kalke auftreten. So sahen wir 
solche in einem kleinen Steinbruche auf der Höhe gleich über 
Klein -Küchel und in stärkerer Entwicklung bei der Cikanka im 
Radotiner Thal. 

Endlich aber scheinen beide Gesteine auch in palaeontologi- 
scher Beziehung durch zahlreiche Fäden verbunden zu sein. Viele 
Arten sind beiden gemein. So allein von Trilobiten Lichas Haueri , 
Calymene interjecta , Bronteus speoiosus, viator und pustulatus , Cy- 
phaspis hydrocephala , Proetus planicauda und lepidus , Phacops 
breviceps, Cheirurus Sternbergi , Harpes Orbignyanus , Odontocliile 
rugosa und Reussi und wohl noch manche andere. 

Nach allem dem scheinen der Mnenianer Kalk und der 
Knollenkalk G 1 zu einander in ähnlichem Verhältnisse zu stehen, 
wie der Konjepruser Kalk und der F 1 -Kalk. Fr. Katzer hatte 
daher nicht so Unrecht, wenn er aussprach, dass F 2 sich 
wenigstens theil weise als Facies von G 1 betrachten liesse *). 
Allerdings gilt dies nur für den Mnenianer Kalk und nicht auch 
für den Konjepruser. 

Ueber die im Hangenden von G 1 liegenden Glieder 
des böhmischen Devon haben wir nur wenige Beobachtungen ge- 
macht. Die Tentaculitenschiefer der Stufe G 2 sind denen unseres 
rheinischen Mitteldevon sehr ähnlich. Auch die sandigen Schiefer 
der Stufe H mit den ihnen eingeschalteten Quarzitplatten erinnern 
an ähnliche Gesteine im Mitteldevon Ostthüringens und des hessi- 
schen Hinterlandes. Interessant war es uns, in der DüSEifschen 
Sammlung in Beraun ein kleines, aber sehr deutliches Exemplar 
von Strmgocephalus Burtini aus II zu sehen. Die grauen und 
rothen Knollenkalke von G 3 , wie man sie so schön bei Hlubocep, 

*) Geol. v. Böhmen, 1026. — Bemerkenswerth ist dabei, dass sowohl Cr 1 
wie auch F 1 tentaculitenführende, tiefere Meeresabsätze darstellen, während der 
Mneniankalk und insbesonders F 2 seichtere Bildungen sind. 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H Barrande’s etc. 277 

Hostin, gegenüber Srbsko, in der Kodaschlucht und anderweitig 
beobachtet, sind petrographisch den mittel- und oberdevonischen 
Nierenkalken des Rheinlandes sehr ähnlich, wenn diese auch 
nirgends eine gleich mächtige Entwicklung erlangen. Besonders 
bezeichnend ist für diese Kalke die Häufigkeit von Anarcestes 
lateseptatus (= plebejus Barr.) in grossen, verhältnissmässig 
flachen, weitnabeligen Individuen. 


Ueber die Alters -Beziehungen der verschiedenen Glieder 
des böhmischen und rheinischen Devon. 

Wie schon wiederholt hervorgehoben, haben bereits ver- 
schiedene Forscher, insbesondere NoviK, auf die petrographische 
und faunistische Aehnlichkeit des Mnenianer Kalks mit demjenigen 
von Greifenstein hingewiesen. NovXk findet die Uebereinstim- 
mung in der Gesteinsbeschaflenheit so gross, dass selbst der Kenner 
nebeneinanderliegende Stücke beider Vorkommen nicht zu unter- 
scheiden vermöchte x ). Die palaeontologische Uebereinstimmung 
aber mache sich nicht nur in einer Anzahl gemeinsamer Trilobiten 
»der rothen Bank des Kalkes von Konjeprus« (unseres Mnenianer 
Kalks), sondern auch in einer Reihe gemeinsamer Brachiopoden 
und Korallen geltend. Novak spricht daher als seine Ueber- 
zeugung aus, dass die Fauna von Greifenstein als ein Äquivalent 
derjenigen der Barrande ’ sehen Etage F 2 zu betrachten sei. 
Auch für die Faunen von Bicken und Wildungen (d. h. unseren 
Günteroder Kalk) vermuthet er ein Gleiches. 

Diese Anschauungen enthalten einen sehr richtigen Kern, in- 
sofern der Greifensteiner Kalk in der That ein strati- 
graphisches und palaeontologisches Aequivalent des 
Mnenianer Kalkes darstellt — aber auch nur dieses letzteren, 
beileibe nicht der ganzen Barrande ’ sehen Stufe F 2 . Dass dem 
so sei, erkannten wir schon am ersten Tage unseres Sammelns im 
fraglichen Kalke und fanden es in der Folge immer mehr bestätigt. 
Insbesondere haben unsere im Laufe des Winters ausgeführten 


') Vergleichende Studien an Trilobiten des Hercyn. S. 4. 


278 


E. Kayser und E. Holzapfel, lieber die strati graphischen 


sorgfältigen palaeontologischen Studien die weitgehendste Ueberein- 
stimmung des Mnenianer und Greifensteiner Kalkes ergeben. 

In unseren Händen befinden sich folgende, sowohl im Mne- 
nianer als auch im Greifensteiner Kalk vorkommende Arten: 
Bronteus speciosus Carra. 

» Dormitzeri Barr. 

» angusticeps Barr. 

» elongatus Barr. 

» brevifrons Barr. 

Proetus eremita Barr. 

» unguloides Barr. 

» orbitatus Barr. 

» crassimargo A. Roem. 

» planicauda Barr. 

» myops Barr. 

Arethusina peltata Nov. 1 ). 

Acidaspis vesiculosa Beyr. 

» pigra Barr. 

Cyphaspis hydrocephala A. Roem. 

Lichas Haueri Barr. 

Phacops fecundus Barr. var. major. 

» breviceps Barr. 

» Zorgensis Kays. 

Harpes reticulatus Corda. 

» Montagnei Corda. 

Mimoceras gracile H. v. Mey. 

Agoniatites fidelis Barr. 

Anarcestes neglectus Barr. 

Orthoceras patronum Barr. 2 ). 

» cnf. commutatum Gieb.? 

Platyceras Halfari Kays. var. rostrata Barr. 


b Nach Novak, Yergl. Stud. Trilob. d. Hercyn. S. 20. 

2 ) Ident ist vielleicht das Harzer 0. raphanistrum A. Roem. (Kayser, ält, 
Fauna d. Harzes Taf. 12, Fig. 6.) 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G-, H Barrande’s etc. 279 

Pleurotomaria humillima Barr. (Maur.) 

» disjunctum Gieb. 

Tentaculites acuarius Richt. 

Atrypa ? Philomela Barr. 

» arimaspus Eichw.? 5 ). 

» reticularis L. 

Athyris Thetis Barr. 

Merista Bauds Barr. 

» passer Barr. 

Nucleospira inelegans Barr. 

Spirifer indiferens Barr. 

» superstes Barr. 

» orhitatus Barr. 

Rhynchonella matercula Barr. 

Leptaena tenuissima Barr. 

Strophomena emarginata Barr. 

Amplexus hercynicus A. Roem. 

Petraja Barrandei Maur. 

Cladochonus ( Pustulipora ) Greifensteinensis Maur. 

Dazu kommen aus dem gleichaltrigen Ballersbacher Kalk 
Hyolithes pauper Barr. 

Merista securis Barr. 

Strophomena Sowerbyi Barr. 

und vielleicht noch Proetus filicostatus Nov. und Cheirurus Cordai 
Barr., falls diese von Novae von Bicken beschriebenen Formen 
aus dem Ballersbacher Kalk stammen sollten. 

Es sind das schon einige 40 sicher bestimmte, in beiden 
Kalken nachgewiesene Arten, die sich auf Trilobiten, Brachiopodeu, 
Cephalopoden, Gastropoden, Korallen u. a. vertheilen. Besonders 
wichtig ist die Uebereinstimmung der Goniatiten, unter denen 
neben Mimoceras gracile , der Leitform der älteren Wissenbacher 


9 Wird von Fbech (Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1889, S. 266) von 
Greifenstein angeführt. 


280 


E. Kayser und E. Holzapfel, Ueber die stratigraphischen 


Schiefer, namentlich Agoniatites ficlelis ins Gewicht fällt, da diese 
Art im Rheinland bisher allein von Greifenstein bekannt ist. 

Nach allem dem kann die stratigraphische Aequivalenz des 
Mnenianer und Greifensteiner Kalkes als gesichert gelten. Aus 
diesem Ergebniss aber, sowie aus dem weiteren Umstande, dass 
wahrscheinlich auch die Barrande ’ sehen Knollenkalke G 1 nur 
eine Facies des Mnenianer Kalkes darstellen, leiten sich unmittelbar 
eine Reihe wichtiger Schlüsse auf die stratigraphische Stellung 
der übrigen Glieder des böhmischen Devon ab. 

Was zunächst F 2 und das ihm gleichwerthige F 1 betrifft, so 
können diese Gebilde nicht, wie bisher allgemein angenommen 
wurde, bloss ein Aequivalent des tiefsten Unterdevon (etwa des 
Gedinnien oder der Siegener Schichten) sein, sondern müssen 
das gesammte Unterdevon vertreten. Ob eine Gliederung dieser 
Schichtenfolge möglich ist, wird nur durch systematisches Sammeln 
der Fauna zu ermitteln sein. 

Weiter ergiebt sich aus der Stellung des Mnenianer Kalkes 
an der Basis des Mitteldevon, dass G 2 nicht nach der Meinung 
Frech’s 1 ) ins obere Unterdevon zu stellen ist, sondern — gleich 
einem grossen Theil der hessisch-nassauischen und thüringischen 
Tentaculitenschiefer — ein Glied des älteren Mitteldevon bilden 
muss 2 ). 

Das Gleiche gilt für die höheren Stufen G s und H, welche 
ebenfalls noch mitteldevonischen (und nicht, wie in Credner’s 
neuesten Elementen der Geologie 3 ) für H angenommen wird, 
oberdevonischen) Alters sind. Beweisend ist hierfür der in H vor- 
kommende Stringocephalus Burtim, sowie die petrographische Aehn- 
lichkeit ' dieser Stufe mit manchen rheinischen Mitteldevonschiefern. 

') Zeitschr. d. Deutsch geol. Ges. 1889, Tabelle zu S. 226. 

2 ) Öb 6r 2 wirklich eine selbstständige Stufe darstellt, muss noch etwas 
zweifelhaft erscheinen. Der nur in diesem Niveau vorkommende Agoniatites fecun- 
dus könnte allerdings darauf hinweisen, falls er eine eigene Species und nicht etwa 
= Dannenbergi Beyr. — Zorgensis A. Roem. ist. Für seine Selbstständigkeit würde 
das anscheinende Fehlen von Randfurchen sprechen; doch ist die Erhaltung zu 
schlecht, um hierüber völlige Klarheit zu erlangen. 

3 ) 1891, S. 441. 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, Gr, H Bariiande V etc. 281 


Was die genauere Horizontirung dieser Stufen betrifft, so kommt 
hier in erster Linie die ziemlich reiche Goniatitenfauna der Knollen- 
kalke G 3 in Betracht, von der Frech zuerst nachgewiesen hat, 
dass sie im Wesentlichen mit derjenigen der jüngeren Wissenbacher 
übereinstimmt 1 ). In der That weisen Arten wie Agoniatites occultus , 
Anarcestes vittatus und Pinacites Jugleri A. Roem. (= emaciatus Barr.) 
auf diesen Horizont oder Frech’s »Stufe des Goniatites occultus « 
hin, wenngleich zu dieser Niveaubestimmung die bei Hlubocep 
gleichzeitig vorkommenden Mimoceras gracile und Ilercoceras sub- 
tioberculatum Sandb. (= mirum Barr.) schlecht passen wollen, 
'da diese Arten am Rhein auf die älteren Wissenbacher Schiefer 
'beschränkt sind. Nehmen wir trotzdem an, dass G s den jüngeren 
Wissenbacher Schiefern und dem Günteroder Kalk entspricht, so 
würden wir es gleich letzterem als ein Aequivalent der Eifeier 
-Calceola- Stufe anzusehen haben. H würde dann den Stringo- 
cephalenschichten gleichzustellen sein. Die in H nicht selten er- 
scheinende Buchiola cnf. retrostriata würde nur zu Gunsten dieser 
Parallelisirung sprechen, da diese Gattung oder Gruppe auch im 
rheinischen Gebirge im Odershäuser Kalk schon ziemlich häufig 
ist, um durch den Briloner Horizont bis an die obere Grenze des 
Oberdevon hinaufzugehen, (z 2 endlich könnte mit einem tieferen 
Horizonte der Calceola- Stufe verglichen werden. Die hier nicht 
seltene, nach Frech 2 ) mit Str. subtransversa Schnur aus den 
Eifeier Calceola- Schichten übereinstimmende Strophomena comitans 
Barr, würde diese Parallelisirung unterstützen. 

Es sei uns noch gestattet, hier ein paar Worte über den 
Gebrauch des Namens »Hercyn« zuzufügen. Ursprünglich wollte 
der Eine von uns darunter nur die Kalkfacies des allertiefsten 
Unterdevon verstanden wissen. Als sich aber später herausstellte, 
■dass die Schichtenfolge, welche im Harz die hercynische Fauna 
einschliesst, unmittelbar und gleichförmig von quarzitischen Ge- 
steinen mit der Obercoblenzfauna überlagert wird, wurde es nöthig 
jener Bezeichnung eine grössere Ausdehnung zu geben, so dass 


b Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1886, S. 919. 

2 ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1886, S. 919. 


Jahrbuch 


19 


282 


E. Kay ser und E. Holzapfel, Ueber die stratigraphischen 


sie auch die kalkige Entwickelungsform höherer, durch bestimmte- 
alterthümliche Formen ausgezeichneter Unterdevon-Horizonte um- 
fasste. Spätere Forscher aber sind im Gebrauche des Wortes 
weiter gegangen und haben sogar mitteldevonische Faunen als 
hercynisch bezeichnet. 

Wenn Sandberger letzteres neuerdings für unzulässig er- 
klärt, so können wir ihm nur beistimmen. Auch wir sind der 
Ansicht, dass, wenn man den Ausdruck Hercyn überhaupt bei- 
behalten will, man ihn auf solche Schichten beschränken sollte, 
die den kalkführenden unteren. Wieder Schiefern des Harzes, für 
die der Name ursprünglich aufgestellt worden ist, im Alter gleich 
oder doch nicht zu ferne stehen, das heisst auf unterdevonische 
Bildungen. Ausser den Harzer unteren Wieder Schiefern selbst, 
die — wie wir jetzt wissen — kaum älter sein können als die- 
Unter-Coblenz- oder höchstens die Siegener Schichten, würden 
dann als hercynisch zu bezeichnen sein: der böhmische Konjeprus- 
Kalk, der, wie wir gesehen, dem gesammten Unterdevon entspricht, 
der französische Kalk von Erbray, einige uralische Kalke (vom 
Bjelaja-Fluss u. a.) und das amerikanische Unter-Helderberg, aber 
nicht die Kalke von Greifenstein und Mnenian oder gar diejenigen 
von Günterod und Wildungen. 


In kurzer Zusammenfassung würden die Ergebnisse dieser 
Arbeit sich in folgenden Sätzen ausdrücken lassen: 

1. Die Kalke der rechts-rheinischen Tentaculitenschiefer ge- 
hören nach den bisherigen Ermittelungen hauptsächlich zwei Hori- 
zonten an": einem älteren, der den tieferen Wissenbacher Schiefern 
oder der Stufe des Mimoceras gracile entspricht und demgemäss 
als ein Aequivalent der C'ultrijugattisSchichten der Eifel an die 
Basis des Mitteldevon zu stellen ist, und einem höheren, der den 
oberen Wissenbacher Schiefern oder der Stufe des Agoniatites occultus 
gleichsteht und den Calceola- Schichten entspricht. Einem noch 
höheren Horizonte gehören die erst in neuerer Zeit ausgeschiedenen,, 
oben als Odershäuser Kalke beschriebenen Gesteine an, die der 


Beziehungen der böhmischen Stufen F, G, H Bakrasdb’s etc. 283 


Crinoidenschicht der Eifel bezw. den unteren Stringocephalen- 
Schichten gleichzustellen sind. 

2. Dem tiefsten dieser Horizonte gehört, wie stratigraphische 
und palaeontologische Thatsachen beweisen, auch der Crinoidenkalk 
von Greifenstein an. 

3. Die böhmische Etage F 2 Barrande’s ist keine einheitliche 
Schichtenfolge, sondern besteht aus zwei durch ihre Lagerung, 
Gesteinsbeschaffenheit und Versteinerungsführung scharf getrennten 
Gliedern, einem tieferen, das sich aus mächtigen, meistens schich- 
tungslosen, hellen Riffkalken aufbaut, und einem höheren, das 
überwiegend aus. wohlgeschichteten, röthlichen Crinoidenkalken 
zusammengesetzt ist. 

4. Diese letzteren, die in typischster Entwickelung in der 
Gegend von Mnenian auftreten und daher als »Mnenianer Kalk« 
bezeichnet werden können, erweisen sich durch ihre Fauna als ein 
Aequivalent des Greifensteiner Kalkes, dem sie auch petrographisch 
überraschend ähnlich sind. Der Mnenianer Kalk ist somit eben- 
falls an die untere Grenze des Mitteldevon zu stellen. 

5. Stratigraphische, petrographische und palaeontologische 
Thatsachen sprechen für nahe Beziehungen des Mnenianer Kalkes 
zum Knollenkalke G 1 Barrande’s. Dieser ist daher wahrschein- 
lich gleichfalls an die untere Grenze des Mitteldevon zu setzen. 

5. Aus der angegebenen Stellung des Mnenianer Kalks, sowie 
aus dem Umstande, dass Nichts auf einen Hiatus zwischen ihm 
und dem ihn unterlagernden hellen Riffkalk, dem »Konjepruser 
Kalk« hinweist, folgt ohne Weiteres, dass der letztere (sammt dem 
mit ihm innig verknüpften F 1 -Kalk) das gesammte Unterdevon 
vertreten muss. 

7. Eine weitere Folge der Altersstellung des Mnenianer Kalks 
ist, dass die ihn überlagernden Glieder des böhmischen Devon, 
Barrande’s Glieder 6r 2 , G 3 und W, jünger sein müssen als das 
älteste Mitteldevon. Petrographische und palaeontologische Gründe 
weisen auf die Zugehörigkeit dieser ganzen Schichtengruppe zum 
Mitteldevon hin. 

8. Wie schon Frech nachgewiesen, sprechen die Goniatiten 
des Knollenkalks G 3 für ein den oberen Wissenbacher Schiefern 


284 E. Kaysek und E. Holzapfel, Heber die stratigraphiscben etc. 


nahestehendes Alter. Gleich ihnen und dem äquivalenten Günte- 
roder Kalk dürfte G 3 etwa den Calceola - Schichten gleichzusetzen 
sein, denen als ein tieferes Glied auch die Tentaculitenschiefer G 2 
angehören. H endlich würde den Stringocephalenschichten zu 
parallelisiren sein, und zwar die unteren reineren Schiefer H 1 dem 
unteren, die höheren, mehr grauwackenartigen Schiefer H 2 dem 
oberen Theile dieser Schichtenfolge. 

Die gegenseitigen Beziehungen des rheinischen und böhmischen 
Devon würden sich demnach folgendermaassen veranschaulichen 
lassen : 


Eifel 

Hessen-Nassau 

Böhmen 

Obere 

Stringocephalen- Schichten 

Massen-Kalk 

H 2 

Untere 

Stringocephalen-Schichten 

Odershäuser Kalk, 
Kalk von Haina 

H i 

Cafceo/a-Schichten 

Günteroder Kalk 

G$ 

G 2 

Cultrijugatus- Schichten 

Ballersbacher Kalk 
Greifensteiner Kalk 

Mnenianer Kalk; G 1 (?) 

Unterdevon 

Konjepruser Kalk und F l 


Abhandlungen 

von 

ausserhalb der Königl. geologischen Landesanstalt 
stehenden Personen. 


Jahrbuch 1893. 


CI] 



Die Braunkohlen -Hölzer in der Mark 
Brandenburg. 

Yon Herrn 0. von Gellhorn in Berlin. 

(Hierzu Tafel I). 


Während der langjährigen Thätigkeit als Königl. Bergbeamter 
in der Mark hatte ich Gelegenheit, manches für die Kenntniss 
der dortigen Braunkohlen-Ablagerungen Interessante zu beobachten 
und zu sammeln. Dazu gehört namentlich das Vorhandensein von 
vorzüglichen Ligniten, in deren Begleitung sich Blätter und Früchte 
fanden. Da aber diese Funde nur auf Coniferen hinwiesen, er- 
schien es interessant: 

1. nachzuforschen, ob nicht auch Laubhölzer an der Bildung 
der märkischen Braunkohle Theil genommen hätten, was ja nahe 
lag, da das Tertiär der Ober- und Niederlausitz, so wie von 
Schlesien im Allgemeinen nur Angiospermen aufweist. Aber es 
erschien dann: 

2. von Interesse, zu ermitteln: ob Abietineen, Cupressineen, 
oder Taxineen, oder mehrere derselben das Material für die mär- 
kische Kohle hergegeben haben? 

Diese Fragen waren nach dem ausgezeichneten Materiale, 
was mir zur Hand war, leicht zu beantworten. 

Mir lagen nämlich vor: Braunkohlen mit massenhaft auf die 
Spaltungsflächen gestreuten Nadeln, so dass es oft den Anschein 
hatte, als wären manche Braunkohlenstücke nur aus solchen 

[1*] 


4 


0. von G-ellhobn, Die Braunkohlen -Hölzer 


Nadeln gebildet. Sie. fanden sich auf den consl. Freienwalder 
Gruben bei Freienwalde a/Oder im Kreise Ober- Barnim, ferner 
auf Grube Carl -Ferdinand bei Grunow nördlich von Drossen, 
Kreis West -Sternberg und auch auf Zeche Präsident bei Schön- 
fliess unweit Fürstenberg im Kreise Guben. Mir lagen aber auch 
Früchte vor, nämlich Zapfen und viele Zapfen-Schuppen aus den 
eben genannten Gruben Präsident bei Schönfliess und Carl- 
Ferdinand bei Grunow. Endlich erhielt ich Braunkohlen- Hölzer 
mit ausgezeichneter Maserung von Grube Phönix bei Zielenzig 
und von Grube Yulcanus bei Tempel, beide im Kreise Ost-Stern- 
berg belegen; aber auch von der Grube Victor’s- Glück bei Riet- 
schütz unweit Schwiebus, Kreis Züllichau. Dieses Maserholz liess 
schon äusserlich keinen Zweifel darüber, dass es sich dabei nur 
um Holz von Coniferen handele. 

Aus den soeben erwähnten Belagstücken könnte man beinahe 
allein schon die erste der aufgestellten beiden Fragen beantworten, 
nämlich dahin: dass Laubhölzer in den märkischen Braunkohlen 
sich nicht vorfinden; die weiteren Untersuchungen bestätigten dies 
aber vollständig. 

Zur mikroskopischen Untersuchung dienten mir Hölzer aus 
den Braunkohlengruben in den Regierungs -Bezirken Potsdam, 
Frankfurt a/Oder und Stettin; es erstreckten sich diese Unter- 
suchungen, also über den grossen Bezirk zwischen dem Gross- 
herzogthum Mecklenburg und der Provinz Sachsen einerseits und 
der Provinz Posen andererseits. 

Ueber die Verbreitung und Lagerung der Braunkohle in der 
Mark ist ja bereits Ausführliches in den bekannten Werken und 
Mittheilungen der Herren Plettner, Girard, Beyrich, Giebel- 
hausen, Berendt etc. enthalten, also hier nicht erst noch genauer 
darauf einzugehen. Hervorheben muss ich indess, dass, da die 
märkische Kohle in 2 von einander petrographisch verschiedenen 
Ablagerungen auftritt, ich die Untersuchungen der Lignite aus 
diesen beiden Abtheilungen — der hangenden und liegenden 
Partie Plettner’s — auch trennte. Ueberall standen mir ganze 
Blöcke von schön erhaltenen Braunkohlen -Hölzern aus dem mär- 
kischen Tertiär zur Disposition und selbst kleinere Partien holz- 


in der Mark Brandenburg. 


5 


förmiger Braunkohle aus einem im Wilhelm - Schachtfelde der 
Grube consl. Blitz bei Herzhorn in’s Liegende gestossenen Bohr- 
loche (cfr. die folgende tabellarische Zusammenstellung sub I, No. 9) 
waren schön erhalten. Alle Hölzer waren, wie recentes Holz, 
schneidbar und Hessen den anatomischen Bau vorzüglich erkennen; 
es war sonach nicht nothwendig, diese Hölzer vor der mikros- 
kopischen Untersuchung erst besonders zu präpariren. Ein mit 
scharfem Messer äusserst fein geschnittenes Blättchen, mit gutem 
Olivenöl noch etwas durchscheinender gemacht, genügte, um die 
zur Unterscheidung dienenden anatomischen Merkmale zu er- 
kennen. 

Was nun die mikroskopische Untersuchung selbst betrifft, so 
wählte ich dazu Längsschnitte parallel den Markstrahlen (radiale 
Längsschnitte) und zwar nur solche, weil man bei diesen die 
grösste Zahl der zur Bestimmung dienenden anatomischen Merk- 
male zu sehen bekommt. Die Präparate wurden einer 275 maligen 
Yergrösserung ausgesetzt. Bei dieser Vergrösserung erhielt ich 
fast ausschliesslich das Bild, welches auf Taf. I, Fig. 6 wieder- 
gegeben ist. Hier sieht man die einzelnen Zellen Z der Jahres- 
ringe mit getüpfelten Wänden, die Tüpfel t einreihig aber gehöft. 
Alsdann erkennt man die Markstrahlen m mit Tüpfeln ohne Hof, 
endlich das Holzparenchym g mit den Parenchymzellen h und den 
Holzgummitropfen p; dies Alles entspricht demnach der virgi- 
nischen Sumpf-Cypresse, Taxodium disticlium. Zur Controlle dar- 
über entnahm ich noch aus der Hölzersammlung der Königl. 
Forst-Akademie zu Eberswalde 1 ) Proben von dem recenten Taxo- 
dium distichum und erhielt, bei ebenfalls 275 maliger Yergrösse- 
rung jener, genau dasselbe Bild unter dem Mikroskope, wie von 
dem fossilen Holze, (cfr. Taf. I, Fig. 7). Aber der Zweig auf 
der Braunkohle, welcher sich auf Taf. I, Fig. 1 abgebildet findet, 
ist nun entschieden auch als der virginischen Sumpf-Cypresse an- 
gehörig anzusprechen, denn der Zweig ist dünn und hat zwei 
Reihen Nadeln welche, bei jungen Zweigen, wenig merklich alter- 


l ) Durch die Güte des damaligen Lehrers der Botanik an der bezeichneten 
Forst- Akademie Herrn Professor Dr. R. Haktig (jetzt in München). 


6 


0. von Gellhorn, Die Braunkohlen -Hölzer 


niren; die Nadeln sind lineallancettförmig, sehr kurz gestielt, am 
Grunde und oben spitz, einnervig und eng bei einander stehend. 
Zum Vergleiche habe ich wiederum von dem lebenden Taxodium 
distichum einen Zweig neben dem fossilen abgebildet; (Taf. I, 
Fig. 2) jener stammt aus dem forstbotanischen Garten der Akademie 
zu Eberswalde, woselbst die Pflanze gedeiht. Früchte sind von 
dieser Cypresse bis jetzt in der märkischen Braunkokle nicht ge- 
funden worden, aber Zapfen von Abietineen. Sie sind abgebildet 
auf Taf. I in den Figuren 3 , 4 und 5 ; Professor R. Hartig 
in München bestimmte sie als : Picea excelsa y gemeine Fichte und 
die Kiefern als Pinus uncinata , Pinus Laricio und Pinus silvestris 
(letztere, weil defect, ist nicht mit abgebildet) und schreibt dazu: 
»Sehr interessant war es mir, dass die Zapfen unseren noch jetzt 
lebenden Kiefern und Fichten angehören«. 

Von dem weiter vorn bereits erwähnten Holze mit Maser- 
bildung habe ich auf Taf. I in den Figuren 8 und 9 auch inter- 
essante Stücke abbilden lassen *); sie gehören ebenfalls dem 
Taxodium distichum an. 

Spezielleres über die Zahl der mikroskopischen Untersuchungen, 
über die Namen und die Lage der Gruben, von welchen die 
Lignite entnommen, aus welchen Gewinnungspunkten, aus welchen 
Flötzen die Hölzer stammen, ob die Flötze der hangenden (Form- 
sand-) oder der liegenden (Quarzsand-) Partie angehören, endlich 
aus welchen Pflanzen diese fossilen Hölzer bestehen, das ist aus 
der auf S. 8 — 10 folgenden Tabelle zu entnehmen. 

Als Endresultat der nachstehenden Zusammenstellung ergiebt 
sich nun Folgendes: es wurden die Lignite aus 19 Braunkohlen- 
gruben des märkischen Tertiärs entnommen; 31 Flötze der Zechen 
gehörten der hangenden, 8 Flötze der liegenden Partie an und 
unter den 100 Präparaten, welche mikroskopisch untersucht worden 
waren, befanden sich absolut keine Angiospermen, vielmehr nur 
Coniferen. Letztere bestanden aber tlieils aus Abietineen, theils 
aus Cupressineen, von denen die ersteren 8, die letzteren 92 pCt. 

0 Sämmtliche Zeichnungen sind von der geschickten Hand des Herrn 
Markscheiders Seer in Frankfurt a/O. angefertigt, mit Ausnahme derer, welche 
den inneren Bau der Hölzer veranschaulichen, 


in der Mark Brandenburg. 


7 


in Anspruch nehmen; bei ersteren handelte es sich nur um die 
Gattungen Pinus und Picea, bei letzteren einzig und allein um 
das im Miocän so reich vertretene Taxodium distichum , das ist die 
Virginische Sumpfcypresse. Bekanntlich gedeiht dieser Baum in 
unserem Klima auch noch [im Berliner Thiergarten und botanischen 
Garten stehen sehr alte, starke Bäume] ; er bildet aber in Virginien 
und Mexiko in den morastigen Niederungen des Mississippi ganze 
Wälder. Nach H. R. Göppert (Monographie der fossilen Coni- 
feren, Leiden 1850) findet sich dieser prachtvolle Baum von 5200 
bis 7000 Fuss (1632 bis 2200 Meter) über dem Meere, erreicht 
eine Höhe von nahezu 40 Meter bei 12 Meter Umfang und ein 
Alter bis über 2000 Jahre. Er wird in seinem gegenwärtigen 
Verbreitungs- Gebiete allen übrigen Nadelhölzern vorgezogen, denn 
alle Theile desselben liefern ein ätherisches Oel und den feinsten 
Terpentin (cf. Th. Hartig, Botanische Zeitung 1848). 

Werfen wir nun einen Rückblick auf das in Vorstehendem 
Gesagte, so ist: 

1. nachgewiesen, dass die Braunkohlen im nördlichen Theile 
der Mark Brandenburg (d. h. im Allgemeinen nördlich einer Linie, 
welche Wittenberge mit Berlin und Frankfurt a/Oder bis zur 
Provinz Posen verbindet) nur aus Nadelhölzern gebildet sind, und 
zwar zum überwiegend grössten Theile aus Taxodium distichum ; 
Laubhölzer fehlen gänzlich. Es harmonirt diese Ermittelung mit 
den Untersuchungen von Friedrich Kobbe über die fossilen 
Hölzer der Mecklenburger Braunkohle (im Archiv des Vereins der 
Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg 1887, S. 89 etc.), 
denn auch diese weisen fast ausschliesslich nur Nadelhölzer auf, 
wenngleich andere Gattungen. Hauptsächlich handelt es sich hier 
um Cupressinen. 

2. Ist erwiesen, dass trotz der Verschiedenheit der hangen- 
den und liegenden Partie in petrographischer Beziehung, beide 
Schichten- Complexe ein und dieselbe Flora zeigen. 

3. Dürfte auch als erwiesen anzusehen sein, dass das Taxo- 
dium distichum des Miocän mit dem noch jetzt lebenden identisch 
ist. Giebt doch selbst Dr. O. Heer in seiner »miocänen bal- 
tischen Flora 1869« bereits zu, dass an dem Taxodium distichum 


8 


0. von Gellhorn, Die Braunkohlen - Hölzer etc. 


1 

Laub- 

holz 


© 

ho 


Sdimij 


<3 :0 

umqpysip 

p- 

(-j 

wmpoxvj[ 

e^raSpi uoppns 


-J9^un Jtep ppsg 


aus 

Plettner’s 

J9p 

-n9§9iy 

Partie 

J9p 

-HdSlTBq 


e^llS 

Lötze 

| Meter 



fr 

3 

o 

U9HTB£[ 

'S 

rW 






cö 

m 

bß 

Ö © 

ä 

§ 5 

n 

.9 § 


1 f 



düs 



•ojsj epaopre^ 



9 


"'S 


in der Mark Brandenburg. 


I I I 


I I I I 1 I I II 

T ~FT1 T i ~ i 


CO ^ ’cO i-< CO <M CM rH ,-1 rH t-H <M (M H ^ H 


-I I. II I I I II I - - I 


CM 


•S 73 £ 


O It-h^hOOO — 

t-h CM CO ^ *-0 O t-h 

6 6 6 6 6 6 6 

ä fr fr ä fr ä 




3 ÜOÜOOOcS 

l -Ö r^! .Xi .JZ] ,J=1 "§ 

3k> O O O O o O rf) u_j 

m m m m w m ? 

3 o ä i ä ä a ä Iss 


S S ? $ % % 




& 


£ 

o 

r ® 

H 


3 

CZ 2 


I I 


CM tO 


(M uO 


vO^ 

r-T CM 


I 

I 


I 


CO 


<M CO <M CO 

^ 6 6 6 6 

® fr Ä Ä Ä 


O 



bß 

d) 

rO 


l l 



s 


M 


o 


o 

PQ 







o 


H 


<D 

2 

:- 

m 


o 

o 


10 


0. von Gellhoen, Die Braunkohlen - Hölzer 


.a kj s 

U \>ß =° 

P ^ 


Sdiwij 


wmpifsip 

mmpoxvjr 


eipngrj trapjons 
-ae^nn aop pjez 


§ B 

H 

J 

P 


aop 

-uegoif 


jep 

-uoSnutj 


93 [J^g 


neurn^f 


-oj^; epnapre-x 


I I 


I I I I 


I I 


I I 


£ | 




-gt> 
E d 


f ^.2 Ja 

iS ci oa l— J 

H -Sil 


s a 

OQ Cß 


III. Regierungsbezirk Stettin. 


in der Mark Brandenburg. 


11 


miocenicum kaum noch einige unterscheidende Merkmale 
von der gegenwärtig lebenden Art wahrzunehmen sind; 
und Dr. F. Unger bestätigt dies 1870 in seiner Geologie der 
europäischen Waldbäume indem er (S. 86 und 87) sagt: »Vor 
allen haben sich jedoch in der Tertiärzeit die eigentlichen Nadel- 
hölzer (Abietineen) in allen ihren Gruppen auf das Lebhafteste ent- 
wickelt und wir können nicht umhin, den Gehalt des gegenwärtigen 
Bestandes dieser Abtheilung von jener der Vorwelt abzuleiten, ja 
die Aehnlichkeiten vieler Arten sind auf solche Weise ausgeprägt, 
dass manMühe hat, unterscheidende Merkmale zwischen 
beiden aufzufinden.« 

4. Ueber das geologische Alter der märkischen Braunkohle 
war man sogar 1885 und 1886 noch nicht recht schlüssig geworden, 
denn selbst Dr. G. Berendt schwankte in seiner Arbeit ȟber 
das Tertiär im Bereiche der Mark Brandenburg« noch zwischen 
dem obersten Oligocän oder dem Beginn der Miocänzeit. Die 
Resultate, welche indess »die Soolbohrungen- im Weichbilde der 
Stadt Berlin« lieferten, bestimmten den Genannten 1890, diese 
Schichten direct als miocäne zu bezeichnen und Dr. H. Credner 
reiht in seinen »Elementen der Geologie« 1891 auf S. 688 die 
Braunkohlen-Formation der Mark ebenfalls dem Miocän ein. Da 
aber das Taxodium distichum eine Miocän - Pflanze ist und aus 
dieser fast ausschliesslich die märkische Braunkohle gebildet wurde, 
so dürfte dies ein neuer Beweis für das miocäne Alter -dieser 
Kohle sein. 

5. Sodann meine ich, dass, da die virginische Sumpf-Cypresse 
heute noch bei uns gedeiht, das Klima im norddeutschen Tief- 
lande während der Bildung der märkischen Braunkohlen kein 
wärmeres als jetzt gewesen sein dürfte. Höchstens kann man mit 
Dr. Unger behaupten, dass zur Zeit, als die virginische Sumpf- 
Cypresse bei uns noch ganz heimisch war, wir uns eines Klimas 
von 12 bis 15 Grad C. erfreuten. Endlich aber nehme ich: 

6. an, dass die in Rede stehende Pflanze nicht — wie mehr- 
fach behauptet wird — herangeschwemmt, sondern an Ort und 
Stelle gewachsen ist. »Das norddeutsche Tiefland,« sagt Dr. 
Q. F. Naumann in seinem klassischem Lehrbuche der Geognosie, 


12 0. von Gellhorn, Die Braunkohlen - Hölzer etc. 

(Bd. III, S. 188) »mag zur Zeit der Braunkohlen -Formation von 
vielen grösseren und kleineren, aber seichten Süsswasserseen und 
von ausgedehnten Mooren erfüllt gewesen sein, in deren Umgebung 
eine üppige Vegetation stattfand.« Nun — die Beläge dafür sind 
vorhanden. Giebelhausen berichtet bereits (im XIX. Band der 
Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen) im Jahre 1871, 
dass sich in den Flötzen der Mark öfter Reste von Sumpfpflanzen 
vorfinden, ich selbst habe dergleichen in den märkischen Braun- 
kohlen-Gruben vielfach angetroffen, besitze auch Stengel von Binsen 
in meiner Sammlung. Aber Giebelhausen berichtet in seiner 
Arbeit ȟber die Braunkohlen-Bildungen der Provinz Branden- 
burg« etc. über aufr.echt stehende Stämme mit erhaltenen 
Wurzelstöckenin mehreren Braunkohlen-Gruben . Beispielsweise 
sagt er a. a. O., S. 35, von den Senftenberg-Finsterwalder Ablage- 
rungen: »Auffallend ist die grosse Menge von bituminösem Holze, 
welches in den oberen Schichten vielfach eingelagert ist; nament- 
lich zeichnet sich hierdurch die Grube Victoria bei Räschen aus, 
wo aufrechte Wurzelstümpfe von bis 7 Fuss Diameter, deren 
Wurzeln sich oft 10 Fuss weit verfolgen lassen, dicht gedrängt 
neben einander stehen und den Abbau sehr erschweren.« Bei 
dieser Stellung der Stämme mit ihren Wurzeln darf man wohl 
nicht mehr an Treibholz denken, man darf vielmehr mit Sicher- 
heit annehmen: dass in den Torfmooren der Mark die Coniferen, 
welche das Material für unsere Braunkohlenflötze hergaben, auch 
gewachsen sind. Dr. F. Unger in seiner Geologie der europäischen 
Waldbäume, Graz 1869, kommt sogar am Schluss zu dem Re- 
sultate: »Nicht aus Nordamerika sind also Einwanderungen von 
Pflanzen in unser vorhistorisches Europa erfolgt, sondern dieselben 
haben umgekehrt von hier aus wie von einem Mittelpunkte nach 
allen Richtungen und so auch nach der Neuen Welt stattgefunden.« 


lieber Pflanzen ans dem norddeutschen 
Diluvium. 

Von Herrn F. Kurtz in Cordoba. 


Herr Dr. E. Läufer übergab mir Anfang 1884 eine Anzahl von 
Blattabdrücken und anderen Pflanzenresten, die er im October 1883 
bei Honerdingen (unweit Walsrode im nordöstlichen Hannover, 
zwischen Verden und Lüneburg) in einem unterdiluvialen Süss- 
wasserkalk gefunden. Dieser Süsswasserkalk liegt daselbst unter 
einer Schicht humosen Sandes von ungefähr 3 Meter Mächtigkeit, 
die von etwa 8 Meter Diluvialsand überlagert wird. Letzterer zeigt 
ausgezeichnete discordante Schichtung, die durch die Einlagerung 
von Grandbänkchen noch deutlicher gemacht wird. Professor 
Hunaeus in Hannover hielt diese Ablagerung für tertiär x ). 

Die pflanzlichen Reste von Honerdingen bestehen überwiegend 
aus Blättern oder Blattresten, die fast durchweg sehr gut erhalten 
sind. Mitunter war die Blattsubstanz so intact geblieben, dass 
beim Austrocknen der mit den Blattresten bedeckten Stücke die 
Blätter sich in toto ablösten. Aehnliche Erhaltungsweise zeigten 
die Blätter von Oberohe und von Belzig. 

Ausser den Pflanzen von Honerdingen sah ich in der geolo- 
gischen Landesanstalt noch die von Belzig und von Oberohe 

*) Vergl. E. Läufer, Mitteilungen über das Kalkmergellager von Honer- 
dingen nahe Walsrode, in der Hannoverschen Land- und forstwissenschaftlichen 
Zeitung, Jahrg. XXXVI, 1883, No. 44, S. 779-781. 


14 


F. Kurtz, Ueber Pflanzen ans dem norddeutschen Diluvium. 


stammenden pflanzlichen Reste, welche Dr. K. Keelhack ge- 
sammelt und beschrieben (einige Anmerkungen über die betreibende 
Abhandlung finden sich am Ende dieser Mittheilung), sowie einige 
andere Materialien, die Dr. Läufer an anderen Stellen derselben 
Gegend (diluvialer Süsswasserkalk von Neuenförde bei Gr.-Rinteln; 
Kieselguhr bei Hützel), und Dr. Klockmann bei Lauenburg an 
der Elbe gesammelt. Alle diese Pflanzen habe ich in die nach- 
folgende Liste aufgenommen, soweit dieselben genügend sicher 
bestimmt werden konnten. 

V erzeichniss 

der bei Honerdingen und anderen Orten des nordwest- 
deutschen Diluviums gefundenen Pflanzen. 

1. Equisetum palustre L. Honerdingen. 

Stücke der Hauptachsen, an denen die Knoten, von denen 
die Zweige ausgehen, noch vollkommen sichtbar sind. 

2. Pinus silvestris L. Honerdingen, Neuenförde, Hützel. 
Vom ersten Fundort liegen Zapfen und ein Same vor, von 

Neuenförde einzelne Schuppen und von Hützel zwei gut erhaltene 
Samen. 

3. Phragmites communis L. Trin. Honerdingen. 

Sehr gut erhaltene Blattstücke, die durch die Gruppirung 
ihrer Nerven — je 3 dünnere werden in 2 dickere eingeschlossen — 
von den Blättern von Typha sich unterscheiden. 

4. Ceratophyttum demersum L. Honerdingen. 

Blattzweige, die der Form C. platyacanthum Cham, am 

nächsten stehen. 

5. Populus tremula L. Honerdingen, Hützel. 

Nicht sehr gut erhaltene Blätter und Blattreste. 

6. Betula alba L. Lauenburg 1 ). 

Rindenstücke. 

') Ueber die pflanzlichen Reste von Lauenburg hat K. Keilhack eine aus- 
führliche Mittheilung veröffentlicht (»Ueber ein interglaciales Torflager im Dilu- 
vium von Lauenburg an der Elbe«. Dieses Jahrbuch für 1884, S. 211 — 238, 
Taf. XI). 


F. Kurtz, Ueber Pflanzen aus dem norddeutschen Diluvium. 15 

7. Ainus glutinosa Gärtn. Honerdingen. 

Sehr gut erhaltene, typische Blätter und Zapfen; scheint mit 
Quercus Robur L. der häufigste Baum gewesen zu sein. 

8. Corylus Avellana L. Honerdingen; Nettendorfer Berge. 

Blätter (sehr gross) und Nüsse. 

9. Quercus Robur L. var. sessilißora ( Sm.) A. u. C. Honer- 
dingen; Neuenförde. 

Blätter und eine vielleicht hierher gehörige Eichel ohne Napf. 
Sehr zahlreiche Reste. 

10. Fagus silvatia L. Honerdingen. 

Ein gut erhaltenes Blatt mit etwas welligem Rande. 

11. Juglans regia L. Honerdingen. 

Blättchen. 

12. Platanus sp. Honerdingen. 

Zwei Blattstücke, die sehr gut mit Platanus orientalis L. über- 
einstimmen. Zu vergleichen sind die Formen, welche Göppert 
von Schossnitz beschrieben hat. 

13. Fraxinus excelsior L. Honerdingen, Hützel. 

Es liegen vor der obere Theil eines Fiederblattes und eine 
Frucht, beide sehr gut erhalten. 

14. Trapa natans L. Lauenburg; unterer Diluvialsand am 
Steilabhang an der Elbe. 

15. Acer platanoides L. Honerdingen. 

Einen Flügel und zwei Samenfächer rechne ich zu dieser Art; 
der Flügel unterscheidet sich von dem von Acer campestre L. durch 
die nach dem Rande zu mehr rechtwinklig umgebogenen Nerven. 

Zweifelhaft blieben mir, was die Species betrifft, einige Reste 
von Neuenförde, Hützel und Hösseringen, die jedoch alle zweifel- 
los zur Gattung Ainus gehören. 

Zum Schluss möchte ich noch einige Bemerkungen über die 
Bestimmungen der Pflanzen machen, welche in der Abhandlung 
von Dr. K. Keilhack: Ueber präglaciale Süsswasserbildungen 
im Diluvium Norddeutschlands. Dieses Jahrb. für 1882, S. 133 
bis 172) aufgeführt sind. 


16 


F. Kurtz. Ueber Pflanzen aus dem norddeutschen Diluvium. 


S. 143. Die unter c als Weidenblätter gedeuteten Reste ge- 
hören zu Andromeda polifolia L. 

S. 164. Das unter No. 7 als zu Populus gehörend aufgeführte 
Blatt gehört zu Tilia. 

S. 165. No. 9, Vaccinium Myrtillus L. ist V. uliginosum L. 

S. 165. No. 12, Utricularia Berendti Keilhack ist zweifel- 
los eine Form von U. minor L., deren Axen oft stärker als Ross- 
haare sind. 

Cordoba, Argentinien, August 1893. 


Eine neue Nymphaeacee aus dem unteren 
Miocän von Sieblos in der Rliön. 

Von Herrn F. Klirtz in Cordoba. 


Unter den fossilen Pflanzen, welche Heer im 3. Theil der 
Flora tertiaria Helvetiae (p. 299 — 800) von Sieblos in der Rhön 
aufzählt, befindet sich auch eine Nymphaeacee, die Heer Nelum- 
bium Casparianum genannt und 1. c. kurz diagnosticirt hat. Bei 
dem Ordnen der Tertiärpflanzen des Berliner paläontologi- 
schen Museums kam mir eine andere, ebenfalls von Sieblos 
stammende Nymphaeacee in die Hände, die von dem Nelumbium 
schon durch das folium non peltatum verschieden ist. Da nur 
eine Oberfläche vorliegt, ist es nicht möglich zu entscheiden, oh 
die fossile Art zur Gattung Nymphaea gehört oder nicht, und ist 
sie deshalb der Gruppe Nymphaeites Sternbg. e. p. (Schimper 
Pal. veg. III, p. 92) zuzuordnen. 

Nymphaeites rhoenensis m. Folio 1 dm lato, orbiculato (? vel 
renato-orbiculato) , basi profunde, usque ad petiolum fissa, lobis 
basalibus divergentibus, acutiusculis, margineque paullo undulatis; 
nervis 23 radiantibus, lateralibus semel vel bis dichotome divisis, 
nervo medio penninervi. 

Sieblos in der Rhön (palaeontologisches Museum in Berlin). 

Von den lebenden Arten, die ich vergleichen konnte, steht 
Nuphar pumilum Sm. der fossilen Pflanze am nächsten. Die 

[ 2 ] 


Jahrbuch 


18 


F. Kurtz, Eine neue Nymphaeacee ans dem unteren Miocän etc. 


Form des Blattes, soweit diese sich an dem fossilen Fragment 
erkennen lässt, wie auch die Zahl und Verzweigungsart der Nerven 



entspricht recht gut den bezüglichen Verhältnissen des Nuphar 
pumilum Sm. (besonders in Exemplaren vom Mittensee bei Zürich 
und an dem N. Spennerianum Gaudi aus dem Retournemer in 
den Vogesen). 

Von den fossilen Arten, die Schimper im III. Band seiner 
Paleontologie vegetale (p. 86 — 94) aufführt, ist unter denen, von 
denen mir wenigstens Abbildungen zu Gebote standen ( Nymphaea 
gypsorum Sap., Gharpentieri Heer, calophylla Sap., lignitica Wess. 
et Web., arctica Heer, Anaectomeria Brongniartii [Casp.] Sap., 
Nymphaeites thulensis Heer und ferner Nymphaea Dumasii Sap. 
Monde des Plantes avant FHomme p. 270, f. 720) keine, die irgend- 
wie mit der Art aus der Rhön verwechselt werden könnte. 

Cordoba, Argentinien, August 1893. 


Der Gebirgsbau des Einbeck-Markoldendorfer 
Beckens. 


Von Herrn Martin Schmidt in Oldenburg. 
(Hierzu Tafel X.) 


In der Litteratur über den norddeutschen Lias finden wir 
häufig als »Liasmulde von Markoldendorf« ein an fossilführenden 
Fundpunkten reiches Gebiet angeführt, in dessen Mitte, am Stein- 
berg bei Markoldendorf, vor Jahrzehnten in den Eisensteinen des 
mittleren Lias Bergbau umging. 

Die genauere Kenntniss der hier von der unteren Grenze der 
Liasformation bis zu den Almaltheenthonen vorhandenen Schichten 
verdanken wir einer Arbeit Emerson’s 1 ), deren Schwerpunkt in 
der sehr sorgfältigen Durchforschung des stratigraphischen Auf- 
baues und des reichen paläontologischen Materiales liegt. Die 
räumliche Verbreitung der Schichten stellte Emerson in einem 
auf der Grundlage der bekannten PAPEN’schen Karte entworfenen 
Uebersichtskärtchen dar, das vier verschiedene Horizonte des 
unteren und zwei des mittleren Lias zur Darstellung bringt, die 
weitverbreitete Decke von Lehm und Schotter, wie dies auf frühe- 
ren Karten gewöhnlich geschehen war, jedoch fortlässt. 

Auf derselben topographischen Grundlage beruht H. Römer’ s 2 ) 
Darstellung dieser Gegend auf Blatt Einbeck seiner bekannten 

*) Die Liasmulde von Markoldendorf. Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. 
XXII, 1870, S. 239 ff. 

2 ) Vergl. auch Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. III, 1851, S. 478 ff. 

[ 2 *] 


20 


Martin Schmidt, Der Gebirgsbaü 


geologischen Karte, das vor etwa 50 Jahren hergestellt wurde und 
für die geologische Kenntniss des Gebietes von grösster Bedeutung 
war 1 ). In mehreren Fällen, wo Römer im Gegensatz zu Emerson 
Lias verzeichnet, habe ich Römer’s Angaben richtiger gefunden. 
Dazu kommt, dass diese von Emerson ausser Acht gelassenen 
Liaspartieen nicht, wie man nach dem Verlauf der von ihm ge- 
zogenen Grenzen erwarten sollte, den untersten Lagen der For- 
mation angehören, sondern bis zur oberen Grenze des Lias a 
Quenstedt’s hinaufreichen. 

Es entspricht nur der Ansicht, die man damals von dem Bau 
unserer Gebirge hatte, dass Emerson die von ihm beobachteten 
Aufschlüsse in einem System von Curven zu vereinigen sucht und 
das »Fehlen« eines Theiles der Schichten am Nordwestrande der 
Mulde durch Transgressionen erklärt. Eine Verwerfung von 20 
bis 25 Meter Sprunghöhe, die in einem jetzt verschütteten und 
demnächst ganz ausgefüllten Steinbruch am Kleeberge bei Mar- 
koldendorf damals aufgeschlossen war, zieht er in grader Linie 
von SSO. nach NNW. durch die ganze Mulde hindurch. 

Mittlerweile haben sich die Anschauungen über den Bau eines 
grossen Theiles von Mittel- und Norddeutschland im Fundament 
verschoben. War es doch schon dem Scharfblick Friedr. Hoff- 
mann’s nicht entgangen, dass in diesen von ihm 2 ) nach grossen 
Gesichtspunkten im Zusammenhang dargestellten Gegenden die 
Schichten bei ihrer Aufrichtung zu Gebirgszügen vielfach ihren 
Zusammenhang eingebüsst und sich an den Bruchflächen um 
mächtige Beträge verschoben hatten. 

Dass diese Mulde nicht eine Mulde im gewöhnlichen Sinne 
des Wortes sei, hatte Herr Professor von Koenen seit Jahren 
erkannt und veranlasste mich, dieses Gebiet im Sinne der von 

1) Auch die Karte (Maassstab 1 : 50000), die D. Brauns seiner Beschreibung 
des südöstlichen Flügels der Hilsmulde (Paläontographica Bd.XIII, 1864, S. 75 ff.) 
beifügt, bringt einen Theil der »Liasmulde« und ihrer nächsten Umgebung zur 
Darstellung, ist aber, wenigstens in diesem Theile, so ausserordentlich unzuver- 
lässig gearbeitet, dass sie die Genauigkeit der halb so grossen und so viel älteren 
Darstellung Römer’s nicht erreicht. 

2 ) Uebersicht der geographischen und geognostischen Verhältnisse vom nord- 
westlichen Deutschland. Leipzig 1830. 


des Einbeck -Markoldendorfer Beckens. 


21 


ihm veröffentlichten Arbeiten *) näher zu untersuchen. Für diese 
Anregung zu vorliegender Arbeit sowie für die andauernde Förde- 
rung und Leitung, die er mir während meiner gesammten Göttinger 
Studienzeit angedeihen liess, versichere ich ihn an dieser Stelle 
meiner herzlichen Dankbarkeit. Zu einer Reihe früherer, ebenfalls 
auf seine Anregung ausgeführter Arbeiten über benachbarte Ge- 
biete * 2 ) steht meine Arbeit zum Theil in enger Beziehung. 

Die ausgedehnte Decke von Lehni und Schotter, die geringe 
Gliederung der Oberfläche und die für das Studium des Gebirgs- 
baues oft ungünstige Beschaffenheit der spärlichen Aufschlüsse 
erschweren die Feststellung des Alters der Schichten und somit 
auch der Lagerung an vielen Stellen der Mulde oder richtiger 
gesagt des Beckens. Die Höhenzüge, welche dasselbe umschliessen, 
bieten dagegen bessere Aufschlüsse und verschiedenartigere Ge- 
steine, so dass sie die Bauverhältnisse des Beckens, vor allem 
Störungen und Verwerfungen, die in das Innere desselben hinein- 
gehen, mit grösserer Sicherheit erkennen lassen. Ich habe daher 
den Bau dieser Höhenzüge zunächst untersucht. 

Das Einbeck-Markoldendorfer Becken hat die Form einer von 
SO. nach NW. in die Länge gezogenen Ellipse und ist fast ringsum 
von mannichfaltig zerschnittenen Bergrücken umrahmt. Von der 
Stennebergsmühle 3 ) nördlich Moringen bis zu dem Dorfe Lauen- 
berg am Solling bildet der lückenlose, bis über 400 Meter hohe 
Kamm der Ahlsburg und ihrer Fortsetzung, des Eichenfast, die 
Grenze. Nach NO. wird dieser 10 Kilometer lange Rücken von 
einem Längsthal begleitet, das durch flache Wasserscheiden in 

0 Yergl. namentlich: Dieses Jahrbuch für 1883 — 1886; ferner: Nachrichten 
von der König! Gesellschaft der Wissenschaften etc. zu Göttingen 1886, No. 6; 
1889, No. 4. 

a ) Graul , Die tertiären Ablagerungen des Sollings. Neues Jahrbuch für 
Mineralogie etc. 1885, Bd. I. Dubbers, Der obere Jura auf dem Nordostflügel 
der Hilsmulde. Gekr. Preisschrift, Göttingen 1888. Wermbter, Der Gebirgs- 
bau des Leinethaies zwischen Greene und Banteln. Neues Jahrbuch für Minera- 
logie VII. Beilageb. 1890. Smith, Die Jurabildungen des Kahlberges bei Echte. 
Dieses Jahrbuch für 1891. 

3 ) Da die beifolgende Karte nur den interessanteren Nordwesttheil des 
Beckens darstellt, verweise ich zur Orientirung auf die PArEiPsche und RöMEE’sche 
Karte. 


22 


Martin Schmidt, Der Gebirgsbau 


5 verschiedene Becken zergliedert wird. Jenseits desselben folgt 
in ganzer Länge eine zweite Bergreihe von geringerer Höhe. Sie 
besteht aus dem Iberberg, der Südlieth , dem Edemisser Hinter- 
berg, dem Grubenhagen, Wolfsberg und einem »an der Lieth« 
genannten Rücken. An diese Reihe schliesst sich nach NO. eine 
dritte von schmalen Kämmen an, die sich im SO. wenig abheben, 
nach NW. höher ansteigen und selbständiger hervortreten. Alle 
drei Glieder der ganzen Berggruppe endigen an einem gegen 
1 Kilometer breiten Querthal, das von Lauenberg einen Theil der 
Gewässer des Solling im Diessehach dem Innern des Beckens 
zuführt. Jenseits dieser Unterbrechung ist die Umwallung des 
Beckens um etwa 1 Kilometer nach SW. verschoben und erscheint 
im Uebrigen als Fortsetzung des ersten Abschnittes. Aber diese 
bis in die Nähe von Dassel reichenden Höhen, die nach SW. in 
unregelmässig zerschnittenem Steilhang zu dem Thalgrunde von 
Relliehausen und Hilwartshausen abstürzen, sind fast plateauartig 
abgeflacht, und ihrem Nordostabhang legt sich nur ein Kamm 
vor, der durch schluchtenartige Thälchen ebenfalls in mehrere 
Stücke zergliedert wird. 

Die Höhen des Süd Westrandes erreichen ihr Ende an dem 
bis auf 150 Meter Meereshöhe eingeschnittenen Thale, durch das 
die Ihne ebenfalls einen grossen Theil der Sollinggewässer dem 
Becken zuführt. 

Der westliche Gebirgsrand reicht etwa bis an den Sattel, 
über den die Chaussee von Lüthorst nach Wangelnstedt und 
Stadtoldendorf hinübergeht. Er bildet nach dieser Seite die Wasser- 
scheide, wenn auch mehrfach sattelförmige Einsenkungen ihn in 
eine Reihe von Kuppen und Rücken zergliedern. Das südlichste 
dieser Stücke, der Bierberg bei Dassel, zeigt mit seiner abge- 
flachten Kuppe noch Aehnlichkeit mit den Höhen des Südwest- 
randes. Der nordwestlich anschliessende Rothenberg verläuft da- 
gegen von SW. nach NO. Darauf folgt der isolirte Kopf der 
Burg Hunnesrück und, nordwestlich von diesem, der Hatop (Hotop 
der PAPEN’schen Karte) und der Rücken des Beizerberges, der 
sich von Mackensen nach NNO. erstreckt. Er hängt äusserlich 
eng zusammen mit dem Mösenberg, der von SO. nach NW. ver- 


des Einbeck -Markoldendorfer Beckens. 


23 


läuft und durch eine tiefere Thaleinsenkung zwischen Lüthorst 
und Emmerborn von dem ihm annähernd parallelen Abhang des 
Hühnerberges getrennt ist. Der Nordostabhang des Hühnerberges 
senkt sich unregelmässig gegliedert zu dem Sattel der Lüthorst- 
Stadtoldendorfer Chaussee. 

Der Nordrand und Nordwestrand des Beckens wird zunächst 
bis Portenhagen und Rengershausen von den vielfach durch Thäler 
zerschnittenen Vorhöhen des Eifas gebildet, die hie und da Süd- 
ost-Nordwest-Richtung ihrer Kämme erkennen lassen. Dieselben 
senken sich allmählich zu der Einsattelung, über die die Strasse 
von Rengershausen nach Eimen hinübergeht, östlich überragt von 
einem Steilhang, der sich im Bogen bis südöstlich von Rengers- 
hausen vorschiebt. Von hier nach W. wird das Becken nicht 
durch Bergrücken, sondern durch ein Plateau begrenzt, dessen 
bald steilerer, bald sanfterer Abhang sich in flacher Vorbiegung 
nach S. bis etwa 1500 Meter nördlich Einbeck erstreckt und un- 
gefähr in der Mitte von dem tiefen Thale des krummen Wassers 
durchbrochen wird. Nach NO. zu hebt sich das Plateau allmäh- 
lich zu grösserer Höhe und erreicht im Fuchshöhlenberg im Ein- 
becker Stadtforst 323 Meter Meereshöhe. Hier biegt die Um- 
wallung unseres Beckens nach SO. und S. um, bis zu der Stelle, 
wo ein schmaler Kamm zu der ebenfalls plateauartig nach S. vor- 
geschobenen Wölbung des Altendorfer Berges hinüberleitet. 

Auf der ganzen Ostgrenze des Beckens nähert sich der Alten- 
dorfer Berg allein an Höhe den übrigen Raudhöhen desselben. 
Durch das Ilmethal wird von seinem südlichen Ende der niedrige 
Heldenberg bei Salzderhelden geschieden. Weiter nach S. steht 
das Becken mit der Alluvialfläche des Leinethaies fast in offener 
Verbindung. Nur scheinbar bilden die isolirten Kuppen des Sül- 
becker Berges, Sülberges und Hundeberges einen Abschluss gegen 
dasselbe. 

Das eigentliche Becken senkt sich von den Randhöhen im 
Allgemeinen allmählich gegen den in seiner Längsaxe verlaufenden 
Fluss und ist nur durch die Seitenbäche der Ilme ein wenig zer- 
schnitten. Doch finden sich auch einige niedrige Bodenwellen, 
die der Längsrichtung des Beckens folgen, so südlich der Ilme 


24 


Martin Schmidt, Der Gebirgsbau 


der Aulsberg bei Wellersen und andere noch flachere Erhebungen. 
Nördlich der Ilme treten sie schärfer hervor, vor allem die drei 
parallelen Kanten des Steinberges, Lahberges und schiefen Berges 
zwischen Markoldendorf und Amelsen, ferner der Klapperberg 
und Butterberg bei Hullersen, durch die der Lauf der Ilme eine 
Strecke weit nach OSO. abgelenkt wird. 

Viel höher erhebt sich die zerstückelte Hügelreihe, die, mit 
dem Aulsberg nördlich Lüthorst beginnend, nach OSO. durch das 
Becken hindurchsetzt, um nördlich Kohnsen mit dem Nordrand 
desselben wieder zu verschmelzen. Sie gliedert eine schmale, 
höhere Fläche ab, auf der die Dörfer Portenhagen, Rengershausen 
und Avendshausen liegen, gestattet den Gewässern derselben aber 
durch tiefe, auf Lüthorst, Amelsen und Avendshausen hinaus- 
führende Querthäler freien Austritt. 

Der allmähliche Abfall der Thalsohle ergiebt sich aus der 
Meereshöhe der Bahnhöfe von Dassel (161 Meter), Markoldendorf 
(131 Meter) und Einbeck (112 Meter), die sämmtlich nur wenige 
Meter über dem Spiegel der Ilme erhaben sind. Beim Austritt 
aus dem Becken liegt der Spiegel des Flusses bei etwa 105 Meter. 


Die Untersuchung des geologischen Baues ergab Fol- 
gendes : 

Die drei Bergreihen des Südwestrandes bis zum Lauenberger 
Querthal gehören einer einzigen nach NO. geneigten Scholle an, 
deren festere Gesteine als Kämme oder Bergreihen stehen blieben, 
während auf den milderen Schichten durch Erosion Längsthäler 
entstanden. 

Der südöstliche und höchste der drei Rücken besteht aus 
mittlerem Buntsandstein. Unmittelbar südlich der Stennebergs- 
mühle beginnend erhebt er sich in seinem mittleren Theil, der auf 
eine lange Strecke den Namen Ahlsburg führt, bis über 400 Meter. 
Südwestlich der Oberförsterei Grubenhagen wendet der Kamm 
sich für etwa 400 Meter nördlich, um dann im Eichenfast in die 
frühere Nordwestrichtung wieder einzulenken. Man könnte ver- 
muthen, dass diese geringe Unregelmässigkeit seiner Form in 


des Einbeck -Markoldendorf er Beckens. 


25 


seinem inneren Bau begründet sei, und zwar in Querbrüchen, die 
sich sicher nur an den beiden Enden des 10 Kilometer langen 
Zuges nachweisen lassen. So gliedert sich an seinem Südostende, 
wohl unter dem Einfluss der die Moringer Gegend durchziehenden 
Bruchlinien, der steile, dem Hauptkamm nach NO. vorgelagerte 
Katenstein, am Nordwestende der ein Stück aus dem Streichen 
nach N. verschobene Drögenberg deutlich von der langen, gleich- 
mässigen Firste ab. Der steile Südwestabhang führt zu der von 
Graul geschilderten Bruchzone »Moringen-Fredelsloh« hinab, die 
den ganzen Südwestfuss dieser Berggruppe begleitet. An dem 
etwa mit den Schichten einfallenden Nordosthang wölben sich in 
der Mittelregion die »Uhlenstöcke« nach dem breiten Längsthaie, 
in dem die Oberförsterei Grubenhagen liegt, etwas vor. 

Dieses Längsthal, das in seinem Grunde von den nur hie 
und da sichtbaren Thonen des Rüth erfüllt ist, entwässert seine 
Mittelpartie durch drei tiefe Ausschartungen des nächsten nach 
NO. vorgelagerten Längskammes, der aus Wellenkalk besteht. 
Er erreicht und übersteigt noch die Höhe von 300 Metern, um sich 
zuletzt in dem langen Rücken »an der Lieth« nach dem Lauen- 
berger Querthal mehr und mehr hinabzusenken. 

Die dem Innern des Beckens zugewandte dritte Hügelreihe, 
die von den wenig mächtigen, aber um so widerstandsfähigeren 
Bänken des Trochitenkalkes gebildet wird, erreicht die selbständige 
Bedeutung der beiden ersten nicht. Am Ende des Iberberges bei 
Iber ist sie durch Qu er -Verwerfungen ganz in die Verlänge- 
rung des Wellenkalkes verschoben. Da bei der geringen Mäch- 
tigkeit des Trochitenkalkes schon eine unbedeutendere Störung 
dem Wirken der Erosion eine Bresche liefert, ist er neben den 
drei auch den Wellenkalk durchbrechenden Querthälern noch von 
einer ganzen Reihe von Schluchten und Einschnitten in zahlreiche 
kurze Rücken zergliedert. 

Das Gelände fällt nach NO. von dem Troohitenwall in wenig 
zerschnittener und bald flacher werdender Böschung bis zu einer 
Reihe von Dörfern ab, die ihn in etwa 600 Meter Entfernung und 
im Mittel 150 Meter Meereshöhe begleitet. Jenseits derselben 
hebt sich von Rothenkirchen bis Wellersen mehr und mehr eine 


26 


Martin Schmidt, Der Gebirgsbau 


ebenfalls der. Randbergen parallele Terrainwelle heraus, die aus 
unterem Lias besteht. Der Abhang zeigt neben Thonplatten und 
Kohlenkeuper nur Spuren der mächtigen Schichten des Gyps- 
keupers; Rhät fehlt, wie auch Emerson ausdrücklich betont, gänz- 
lich. Daher ist hier die innere Ausfüllung des Beckens an einem 
langen, streichenden Bruch um mehr als 400 Meter gegen die 
Randhöhen abgesunken. Die Lage dieser Verwerfung lässt sich 
wegen einer Lehmdecke nur da annähernd genau bestimmen, wo 
die beiderseitigen Aufschlüsse näher zusammentreten. Dass mehr- 
fach am Abhang der Triashöhen secundäre, ebenfalls zum Theil 
streichende Störungen Vorkommen, kann bei der Nähe einer 
grösseren Verwerfung nicht auffallen. So zeigt ein 500 Meter 
südlich Iber im Felde betriebener Trochitenkalkbruch deutlich auf- 
geschlossen, wie die Schichten von secundären Störungen zer- 
schnitten und durch Seitendruck zusammengeschoben sind. 

Das Lauenberger Querthal, das den Rand des Beckens auf 
etwa 1000 Meter unterbricht, kam durch Einbruch in Folge von 
Querspalten zu Stande, und zwar haben die eingestürzten Schichten, 
wie häufig, eine wenig regelmässige Lagerung. So folgt unten 
am Ende des Trochitenwalles am Abhange über der Thalsohle 
eine kleine, von Tufflagern fast verhüllte Partie von Kohlenkeuper. 
Nach NO. macht sie sogleich zähen Thonen mit Amm. angulatus 
Platz. Die Sprunghöhe zwischen dem Keuper des Randes und 
der eingestürzten Thalausfüllung übersteigt hier 500 Meter. 

Weiter südlich grenzt durch einen Bruch der Buntsandstein 
des Drögenberges unmittelbar an eine Muschelkalkscholle, die 
seinen nordwestlichen Fuss bildet. Dieser Bruch, der Veran- 
lassung zu einem Erdfall gab und durch eine Quelle bezeichnet 
ist, zieht erst südlich, weiterhin südöstlich in der Richtung auf 
Fredelsloh im Thale des Hahnenbaches hinauf und trennt eine 
nach Lauenberg sich keilförmig verbreiternde, tiefer gesunkene 
Triasscholle von dem Eichenfast und Drögenberg ab. 

Auch an dem jenseitigen Hange, wo eine Lehmdecke das 
Erkennen des Gfebirgsbaues erschwert, deutet wenigstens ein Vor- 
kommen von Gypskeuper dicht neben älteren Schichten der Trias 
auf das Vorhandensein ähnlicher Störungen hin, so dass auch im 
tektonischen Sinne das Querthal reichlich 1000 Meter Breite hat. 


des Einbeck -Markoldendorfer Beckens. 


27 


Der Lauenberger Quereinbruch steht zweifellos mit den von 
Graul *) beschriebenen , für den Bau des Solling bestimmenden 
Brüchen und Graben Versenkungen in directem Zusammenhang. 
Graul fand östlich vom Forsthaus Seelzerthurm »Keuper, Trochiten- 
kalk und Buntsandstein durch einander gewürfelt« und führt dies 
Verhalten, ebenso wie das »wirre Durcheinander von Gebirgsarten« 
zwischen Fredelsloh und Lauenberg auf die »sich hier vollziehende 
Kreuzung der Spalten Moringen -Fredelsloh und Lüthorst -Mark- 
oldendorf-Wellersen« zurück. Ich möchte daneben, wenigstens 
für diesen Abhang des Solling, auf die langen und tiefen Thäler 
aufmerksam machen, die etwa in nordöstlicher Richtung aus dem 
Gebirge herausstreichen und wahrscheinlich durch Brüche ent- 
standen sind. Mögen diese auch secundärer Natur sein, so stehen 
gerade sie doch mit dem Bau des Vorlandes des Gebirges, also 
unseres Beckens, in engem Zusammenhang. Wir werden denselben 
in der Nähe von Dassel noch mehrfach feststellen können. Aber 
auch das Lauenberger Querthal scheint mir gerade mit einem der- 
artigen, etwa von S. auf Lauenberg zu streichenden Bruch zu- 
sammen zu hängen. In ihm stecken von Lauenberg nach S. zu 
mehrfach zwischen Buntsandstein Spuren von Muschelkalk einge- 
klemmt; weiterhin liegt an der »Platte«, etwa 3 Kilometer süd- 
lich Lauenberg, das dort gefundene Tertiär wohl zwischen diese 
Bruchränder eingesunken. Mit Graul’ s Spalten »Moringen-Fre- 
delsloh« und »Schlarpe -Grimmerfeld« lässt es sich wenigstens 
schwer in Verbindung bringen. 

Im Gegensatz zu der oben besprochenen, nach SW. durch be- 
deutende Absinkungen scharf begrenzten Berggruppe des Südwest- 
randes stehen die jenseits des Lauenberger Querthaies sich er- 
hebenden Muschelkalkberge bis in die Gegend von Dassel mit 
dem Solling augenscheinlich in ungestörtem Zusammenhang. Das 
Streichen und Einfallen der Schichten entspricht hier wenigstens 
ganz der flachen Neigung der Buntsandsteinplatten südlich und 
südwestlich der Thalsenkung von Hilwartshausen. Der südwest- 
liche, unregelmässig ausgeschnittene Steilrand der Gruppe besteht 
aus Wellenkalk und überragt die im N. vorgelagerten Trochiten- 


x ) a. a. 0. bes. S. 9 — 13. 


28 


Martin Schmidt, Der Gebirgsbau 


wälle nur wenig. Er beginnt mit dem Grubenberg nordwestlich 
Lauenberg, der mit seinem westlichen, bewaldeten Kopf bis an 
den Fahrweg von Hilwartshausen nach Hoppensen heranreicht. 
Von dieser Stelle zieht der Scharfenberg mit steilem Südabfall 
mehr als 2 Kilometer gerade nach W. Um seinen scharf ge- 
schnittenen Westvorsprung, dem gegenüber den unregelmässig 
gewölbten, reichlich Gyps führenden Röthmassen noch die verein- 
zelte Wellenkalkscholle des Burgberges aufgesetzt ist, gelangen 
wir in ein auf dem Röth nach N. hinabsinkendes Thal, das den 
letzten Theil des nun fast nördlich gerichteten Wellenkalkabfalls 
bis zur llme begleitet, oben zwischen ihn und die Nordflanke des 
Scharfenberges tief hineingreift. 

Hier am Nordhange des Scharfenberges findet sich, wie lange 
bekannt, fossilführender oberoligocäner Sand, der zusammen mit 
geringen Gypskeuperresten in ein kesselförmiges, fast kreisrundes 
Bruchbecken des Wellenkalkes eingestürzt ist. Graul’ s Spalte 
Schlarpe-Grimmerfeld , die etwa auf Relliehausen zu aus dem 
Solling heraustritt, hat wohl mit diesem erdfallartigen Einbruch 
nichts zu thun. Ich sehe vielmehr in ihm und einem ähnlichen, 
an der Steilkante des Wellenkalkes etwa 800 Meter weiter nörd- 
lich vorhandenen Tertiäreinbruch, der sich, wie der erstere, auf 
H. Römer’s Karte verzeichnet findet, nur Begleiterscheinungen zu 
nebensächlichen Brüchen, die in dieser ganzen Berggruppe allent- 
halben durch Unregelmässigkeiten im Streichen und Fallen ihr 
Vorhandensein verrathen. An ihren beiden Enden sind sie, wie 
die Karte erkennen lässt, besonders deutlich. 

Auch die tiefe Thalspalte, die den Bierberg nordöstlich Dassel 
von der eben besprochenen Berggruppe trennt und der llme den 
Eintritt in das Becken gestattet, scheint sich auf einem Querbruch 
ausgebildet zu haben. Seine tektonische Bedeutung tritt zurück, 
denn der Bierberg gliedert sich seinem flachen Einfallen und der 
Richtung seines Streichens nach ganz jenen Bergen in seinem Süd- 
osten an; auch habe ich in dem schmalen Thalgrunde der llme 
eingestürzte jüngere Schichten nicht gefunden. Dass der südlich 
der llme noch vorwiegende Wellenkalk am Bierberg zurücktritt, 
bewirken die oben erwähnten , vom Solling herankommenden 


des Einbeck -Markoldendorfer Beckens. 


29 


Störungen, die hier über Dassel in der Richtung auf Lüthorst in 
das Becken hineingehen. 

Dass auch diese ganze Berggruppe vom Lauenberger Querthal 
an in ihrem Nordostabhange eine grössere Störung verbirgt, an 
der die innere Ausfüllung des Beckens zur Tiefe gesunken ist, 
verräth die nahe Nachbarschaft eines Rhätkeupervorkommeus neben 
dem Kohlenkeuper und untersten Gypskeuper des Abhanges, 
etwa 500 Meter südlich von Krimmensen. Die Sprunghöhe der 
Verwerfung beträgt auch hier gegen 400 Meter. 

Vom Nordwestabhange des Bierberges an besitzt" der Rand 
unseres Beckens einen verwickelteren Bau. So zeigt der Haupt- 
rücken des Westrandes, wenn er auch äusserlich einen ziemlich 
einheitlichen Wall bildet, doch in seinem Innern durch die ver- 
einigte Wirkung zweier verschiedener Störungsrichtungen ziemlich 
verwickelte Verhältnisse. Die eine Bruchrichtung, etwa N. 25 °0. 
streichend, tritt vor allem im S. deutlich hervor. Es sind die 
Brüche, die mir mit den oben erwähnten Sollingthälern zusammen- 
zuhängen scheinen. Sie bedingen nördlich vom Bierberg zwei 
keilförmige, in der Richtung auf Erichsburg und Hunnesrück sich 
erweiternde Einbrüche von Gypskeuper, zwischen denen horstartig 
die oben horizontal liegende, auf beiden Seiten zu den Bruch- 
linien abfallende Muschelkalkscholle des Rotenberges stehen ge- 
blieben ist. Der westliche Grenzbruch des bis etwa 300 Meter 
breiten nördlichen Einbruchs folgt vom obersten der oberhalb 
Hunnesrück gelegenen Teiche an dem Waldrande und dem Beginn 
des steileren Aufstieges auf mehr als 2 Kilometer Länge. Einige 
hundert Meter weiter östlich stehen jenseits eines zweiten, parallelen 
Bruches Thone des unteren Lias , sodass die Absinkung des 
Innern hier in zwei Staffeln erfolgt ist. 

Die massive, etwa 4 Kilometer lange Mittelpartie des West- 
randes besteht im S. aus Wellenkalk und trägt auf ihrem süd- 
lichsten Vorsprung die Trümmer der Burg Hunnesrück. Dann 
steigt sie steil zu der Kuppe des Hatop hinauf, um sich von hier 
ganz allmählich nach NNO. zu senken. Weiterhin, im Beizer 
Berg, bildet eine Platte von Trochitenkalk die Höhe, von der 
sich die Schichten, vielleicht an streichenden Nebenbrüchen, nach 


30 


Martin Schmidt, Der Gebirgsbau 


beiden Seiten zu den im Abhang verlaufenden grösseren Brüchen 
hinabsenken. Denn auch der nordwestliche Abhang wird in der 
Nähe von Denkiehausen von einem Gypskeupereinbruch begleitet. 

Da, wo im N. der Trochitenkalk des Beizer Berges wie ge- 
wöhnlich mit einem kurzen Steilhang endigt, ändert sich der Bau 
dieser Berggruppe plötzlich; denn in dem Thälclien, das etwa 
1200 Meter südwestlich Lüthorst sich hinaufzieht und als leichte 
Einsenkung über die Höhe hinweggeht, liegt ein Südost-Nordwest- 
bruch, der die schmale, südwestlich einfallende Wellen kalkscholle 
des Möserfberges von dem Nordende des Beizerberges abschneidet. 
Ein zweiter, parallel gerichteter Bruch, durch eine Quelle und 
kleine Erdfälle angedeutet, verbirgt sich im Grunde der tieferen, 
schmalen, von Lüthorst nordwestlich nach Linnenkamp hinüber- 
führenden Senkung. Er begrenzt südwestlich die etwas zerrüttete 
Wellen kalkscholle des Hühnerberges, der Glocke und des Heimken- 
berges. Nach SO. wenden diese Hügel ihren rechtwinklig aus- 
geschnittenen Steilhang gegen den mit Röth erfüllten, sanft an- 
steigenden Thalgrund, aus dem über einen breiten Sattel die 
Strasse von Lüthorst nach Stadtoldendorf hinübergeht. Auch hier 
stören Brüche den Zusammenhang des Gebirgsrandes, denn 
zwischen die von Gypsstöcken durchsetzten Röthmassen dieses 
Sattels sind an mehreren Stellen Trochitenkalkschollen von ver- 
schiedener Grösse eingesunken. 

Das Innere des Beckens ist in dieser Gegend besonders tief 
gegen den Rand abgesunken, denn am Westausgange von Lüt- 
horst ist der Wellenkalk nur etwa 150 Meter von einer Stelle 
entfernt, wo früher einmal Fossilien der Amaltheenschichten ge- 
funden sind 1 ), und die Sprunghöhe der hier vorhandenen Ver- 
werfung beträgt 800 Meter. 

Auf dem Röthsattel nordwestlich Lüthorst befinden wir uns 
am Abhange des Eifas. Das Südostnordweststreichen, das schon 
in dem eben beschriebenen Theile des Westrandes bemerkbar 
ist, herrscht hier vor. Die Schichten des Eifas liegen im All- 
gemeinen sattelförmig, aber während der hohe Nordostflügel dieses 


0 Zweifellos meint Emerson diese Stelle a. a. 0. S. 36, 


des Einbeck -Markoldendorfer Beckens. 


31 


Sattels, der für uns nicht mehr in Betracht kommt, sich als ein 
einheitlicher Kamm bis an die Einsenkung zwischen Eimen und 
Rengershausen verfolgen lässt, zeigt der auf unser Becken zu ge- 
richtete Südwestflügel complicirteren Bau. Im Allgemeinen herrscht 
SW. -Fallen, aber mehrere von der mittleren Sattelspalte nach SO. 
spitzwinklig sich abzweigende Brüche theilen diesen Flügel in lange 
Stücke, die, sämmtlich vom Bausandstein des mittleren Buntsand- 
stein gekrönt, nach der Thalsohle von Portenhagen und Rengers- 
hausen zu auslaufen. Dazu kommen Querbrüche, die nördlich von 
Lüthorst in die hinteren, höheren Kämme eine tiefe Bresche legen. 
Da, wo sie mit der mittleren Sattelspalte Zusammentreffen, liegt 
in einem sumpfigen Grunde »am Gehren« das bekannte Ltithorster 
Tertiärvorkommen versenkt, dessen Sande Arten des norddeut- 
schen Oberoligocäns enthalten. 

Zwischen den Bergen des Eifas und Lüthorst beginnt, wie 
oben erwähnt, die zerstückelte Hügelreihe, die bis in die Nähe von 
Kohnsen die höher liegende Einsenkung von Portenhagen, Rengers- 
hausen und Avendshausen von der Hauptfläche des Beckens ab- 
scheidet. Ihr ausserordentlich verwickelter Bau steht zu den 
weniger gestörten Zügen des südwestlichen und auch des nord- 
östlichen Randes in einem auffallenden Gegensatz. Bezeichnend 
ist für ihn vor allem die Häufung streichender Brüche, die schmale 
Muschelkalkrücken von vorwiegend südwestlichem Einfallen in 
mehrfacher Wiederholung liintereinandersetzen. Quereinbrüche 
machen den Bau der Hügelreihe noch unregelmässiger. . Ueberall 
lässt sich auch hier ein Hauptbruch bezeichnen, an dem der flach 
lagernde Lias und Rhätkeuper des inneren Beckens um ähnliche 
Beträge, wie im S. und W., gegen die Randhöhen zur Tiefe ge- 
sunken ist. 

Schon der Buntsandstein des Aulsberges, der nach Streichen 
und Fallen wie eine Vorhöhe des Eifas erscheint, stösst an seinem 
Ostabhang an Keuper, der, von Querbrüchen zerschnitten, mit 
oberem Muschelkalk (Steinberg) abwechselt. Nordöstlich stösst 
an diesen Complex eine schmale und niedrige Wellenkalkscholle 
mit etwas Röth, die das Streichen und Fallen der nahen Eifas- 
höhen hat, aber vom nächsten Buntsandsteinrücken durch einen 


32 Martin Schmidt, Der Gebirgsbau 

streichenden, von mehreren bedeutenden Erdfällen begleiteten 
Bruch getrennt ist. 

Südwestlich von der von Lüthorst nach Portenhagen ziehen- 
den Senkung wölbt sich von 0. nach W. ein zweiter Rücken, 
der Hainberg, der den Erhebungen nördlich Lüthorst an regel- 
losem Bau nichts nachgiebt. An seiner Nordseite ist Gypskeuper 
und Rhät zwischen ältere Gesteine eingesunken. Am Südabhange 
legt sich an einem N. 80° W. streichenden Bruch Gypskeuper und 
vor allem eine breite Rhätscholle, die ich der gesunkenen Innen- 
fläche des Beckens zurechne, vor Kohlenkeuper und oberen 
Muschelkalk des Beckenrandes. Die auf das Dorf Portenhagen 
sich vorschiebende Ecke des Hügels ist besonders stark zer- 
schnitten und zeigt mehrere grössere Erdfälle. 

In dem ziemlich engen, von Portenhagen auf Amelsen hin- 
ausführenden Thale wendet sich, nur 400 Meter südlich vom 
Dorfe, der Thalbach in scharfem Knie um die steil aufsteigende 
Wellenkalkrippe des Gropenberges, mit dem das dritte Glied der 
Reihe beginnt. Streichende Störungen bestimmen dann die Kamm- 
richtung des Borberges, des den Gropenberg fortsetzenden Birken- 
berges und mehrerer niederer, demselben nach Amelsen zu vor- 
gelagerter Rücken. Da, wo am Südabhange dieser Hügel die 
gleiclunässig flache Böschung beginnt, ist, wie am Hainberge bei 
Lüthorst, dem zerstückelten Rande an einem Hauptbruch der 
Rhätkeuper des Beckeninneren in breiter Platte vorgelagert. Quer- 
brüche greifen vor allem in der Umgebung des von Amelsen 
nach Rengershausen hinüberführenden Weges von N. und S. tiefer 
in den Gebirgsbau ein. Weiterhin nach O. herrschen wieder die 
streichenden Brüche, die z. B. die Kammrichtung des Hülseberges 
nordöstlich Amelsen bestimmen. Nur in seiner Osthälfte, in der 
Nachbarschaft eines grösseren, auf Avendshausen zu gerichteten 
Quereinbruches, zeigen sich Brüche und Absinkungen anderer, 
verwickelterer Art. 

In dem breiten Avendshäuser Querthal habe ich unter dem 
weitverbreiteten Lehm eingestürzte jüngere Triasschichten nicht 
zu Tage treten sehen. Aber an der im Thalgrunde heraufführen- 
den Chaussee liegt ein mächtiger Quarzitblock als Rest einer 


des Einbeck-Markoldendorfer Beckens. 


33 


Tertiärausfüllung, die sich möglicherweise unter dem Lehm weiter 
ausdehnt. 

In der Gegend nordöstlich Rengershausen kommt mit dem 
Auslaufen der letzten Buntsandsteinhöhen des Eifas der diesen im 

N. begleitende Wellenkalk nach S. herüber und nimmt an der 
Begrenzung des Beckens Theil. Er schliesst in steiler Kante 
nach O. die Eöthfläche von Rengershausen ab, springt dann in 
scharfem Winkel auf Avendshausen zurück und verschwindet nach 

O. allmählich bis auf Spuren unter dem Lehm des Abhanges. 
Der darüber stehende Trochitenwall, der auf eine längere Strecke 
mit der Landesgrenze zusammenfällt, schwenkt allmählich zu ost- 
südöstlichem Streichen um und reicht, mehrfach durch Quer- 
störungen ausgeschartet, fast bis an den von Einbeck nach Barts- 
hausen hinaufführenden Fahrweg. 

Nordöstlich Vardeilsen lehnt sich an dieses Glied des Nord- 
ostrandes des Beckens auf Kilometerlänge der letzte Hügel der 
inneren Reihe an, der die beiden Gehölze »Buchholz« und »Stein- 
bühl« trägt. Auch in ihm herrscht ostwestliches, allmählich nach 
OSO. umbiegendes Streichen, so in dem höchsten, aus Wellen- 
kalk bestehenden Rücken mit mehreren nach SSW. vorgelagerten 
Trochitenwällen, die zum Theil durch complicirte Störungen ab- 
getrennt und von kleinen, eingestürzten Gypskeuperpartien um- 
geben sind. Südlich schliesst sich die flachgeneigte, von Emerson 
als Fundstätte einiger Fossilien angeführte Kohlenkeuperscholle 
an, die sich gegen die eben erwähnten Randhöhen nur wenig ge- 
senkt hat; weiterhin in dem Thalgrunde von Kohnsen steht hinter 
einem zweiten Bruch Lias, um wohl 500 Meter gegen jenen 
Keuper gesunken. 

Der letzte Theil der Nordbegrenzung des Beckens hat Plateau- 
charakter. So zieht vom Bartshäuser Thurm ein breit gewölbter 
Rücken von flach geneigtem oberen Muschelkalk nach O. bis an 
den Einschnitt des »krummen Wassers« , doch ist sein Südwest- 
abhang noch von ähnlichen Störungen durchzogen, wie sie in der 
inneren Hügelreihe auftreten. Dass diese Brüche auch in die 
Plateaufläche selbst hineingehen, zeigen auf ihr vorhandene Erd- 

[3] 


Jahrbuch 


34 


Martin Schmidt, Der Gebirgsbai 


fälle. Yermuthlich gab auch eine Störung die Veranlassung zur 
Entstehung der Schlucht des krummen Wassers. 

Das Plateau des Riesenberges ist die unmittelbare Fort- 
setzung des zuletzt erwähnten Rückens. Ebenfalls hie und da Erd- 
fälle zeigend steigt es allmählich bis zum Fuchshöhlenberg nach 
ONO. an. Vielleicht verläuft an seinem Südrande eine unbedeutende 
streichende Störung. 

In der Nordostecke des Beckens, »bei den Teichen«, ver- 
schmälert sich der nach S. umbiegende Rücken des Plateaus. 
Mehrfacher plötzlicher Wechsel im Einfallen der Schichten deutet 
auf Brüche, die nach dem Einsturzbecken von Kreiensen und 
Greene hinüberweisen. 

Der wieder mehr plateauartige Wellenkalk des Altendorfer 
Berges, der sich von jener Ecke nach S. bis an die Urne vor- 
schiebt, gehört schon dem Ostrande an. Jenseits der Ilme be- 
stehen auch die niedrigen Hügel des grossen und kleinen Helden- 
berges noch aus flach nach W. einfallendem Wellenkalk. Im 
Thal der Ilme zwischen ihnen und dem Altendorfer Berg ver- 
laufen indessen Störungen, die schon am Südwestabhange des 
Altendorfer Berges steileres Einfallen und andere Unregelmässig- 
keiten der Lagerung erzeugen. 

Unter der Stadt Einbeck ist Lias, der an ihrem südwestlichen 
Ausgang an der Brauerei noch ansteht, bisher nicht nachgewiesen. 
Es fehlt überhaupt an Aufschlüssen, aus denen sich die Lage der 
Randbrüche des Beckens in dieser Gegend genauer bestimmen 
liesse. Nur südlich von dem die Ruine tragenden Südende des 
Heldenberges treten dem Wellenkalk desselben jüngere Schichten 
so nahe , dass letztere dort durch Brüche abgeschnitten sein 
müssen. Daher steht der übrige Theil des Ostrandes, wenn 
man hier von einem solchen noch reden darf, die niedrigen, ver- 
einzelten Kuppen des Sülbecker Berges, Sülberges und Hunde- 
berges, zu der inneren Ausfüllung des Beckens in viel engerer 
Beziehung, als zu den Randhöhen, während sie andererseits 
auch noch zum Leinethal-Einbruch gehören. 

Den Kern der inneren Ausfüllung bildet das von Emerson 
so eingehend beschriebene Liasvorkommen von Markoldendor 


des Einbeck -Markoldendorfer Beckens. 


35 


Die beste Orientirung über seinen Ban gewähren, wie Emerson 
besonders hervorhebt, die beiden, an der unteren Grenze der 
Schichten des Amm. bifer und in deren Mitte vorhandenen Sand- 
steinzonen, die zwischen Markoldendorf, Amelsen und Vardeilsen 
als zwei auffällige Kanten der flach nach S. einfallenden Schichten 
hervorragen. Ich habe sie aus diesem Grunde auf der Karte mit 
besonderen Farben bezeichnet, trotzdem ich paläontologische Hori- 
zonte im unteren Lias nicht unterschieden habe. 

Die untere der beiden Zonen ist durch Verwitterung eines 
stellenweise noch erhaltenen, blaugrauen Kalksandsteines ent- 
standen. Sie bildet den First des Schiefen Berges und ver- 
schwindet 800 Meter südwestlich Amelsen im Wiesengrunde. 
Jenseits des Weges von Deitersen nach Amelsen ist ihr Vor- 
handensein im Felde wieder an einzelnen Gesteinsstücken zu er- 
kennen 1 ); weiter nordwestlich, etwa 1000 Meter nordöstlich 
Deitersen, tritt sie in der flachen Kuppe des Käenberges, an dem 
ich einen Theil der am Schiefen Berge reicher vertretenen Fossilien 
dieser Zone wiederfand, noch einmal deutlicher zu Tage. Der 
Zusammenhang dieser beiden kleineren Partieen untereinander und 
mit dem Kamm des Schiefen Berges ist nicht ungestört. Nach 
O. lässt sich die Kante dieser Schichten vom Schiefen Berge, wie 
auch Emerson angiebt, bis in die Nähe von Kohnsen ohne äussere 
Anzeichen eines Querbruches verfolgen. 

Die obere der beiden Sandsteinzonen bildet den langen Kücken 
des Laliberges 2 ) und, in seiner Verlängerung, des Klapperberges 
südwestlich Kohnsen. Dieser Kamm ist an mehreren Stellen, 
z. B. an der Juliusmühle, unterbrochen und sogar etwas ver- 
schoben. Dieser Schicht rechne ich auch das von Emerson mit 
Vorbehalt als Kohlenkeuper angesprochene Liasvorkommen zu, 
das am Ufer des Ilmekanales sich bis nahe an Einbeck heran- 
schiebt. 


0 Emerson führt an dieser Stelle Augulatenschichten an, von deren einem, 
aus Kalksandstein bestehenden Horizont das Gestein allerdings kaum zu unter- 
scheiden ist. 

2 ) Lohberg bei Emerson. 


[ 3 *] 


36 


Martin Schmidt, Der Gebirgsbau 


Nach allem, was sich von der Lagerung erkennen lässt, 
bildet der Lias von Markoldendorf, Juliusmühle und Kohnsen bis 
an den Grenzbruch des Inneren nördlich Amelsen eine nahezu 
ungestörte, einheitliche Scholle mit flacher Neigung nach S. 

Im NW. werden die Verhältnisse verwickelter. Schon den 
Westabhang des Steinberges bei Markoldendorf treffen mehrere 
Brüche, wie z. B. die von Emerson geschilderte Verwerfung am 
Kleeberge. Weiter nach NNW. erreichen sie bedeutendere Sprung- 
höhe und legen den Liassandstein des Käenberges neben Rhät- 
keuper. Nach SW. von dieser Stelle ist dann unterer Keuper 
und oberster Muschelkalk wie eine Insel stehen geblieben und 
erscheint gegen den Rhätkeuper im NO. und SO. durch Ver- 
werfungen begrenzt. Nach W. ist zwischen diese ältere Scholle 
und den Gypskeuper unter dem Waldrande der westlichen Grenz- 
höhen zwischen Lüthorst und Erichsburg der Lias eingesunken. 
Letzterer ist augenscheinlich stark zerrüttet und zertrümmert, 
denn während Emerson vom Westausgange des Dorfes (vergl. 
oben S. 30.) Amaltheenthone beschreibt, hat ein Brunnen auf dem 
RoHMEYER’schen Grundstück vor einigen Jahren Amm. angulatus , 
ein zweiter am nahe benachbarten Pfarrhause wieder Thone des 
mittleren Lias angetroffen. 

Die Lagerung der eingestürzten Schichten des Innern südlich 
der Ilme ist viel schwerer zu bestimmen, da die Sandsteinzonen 
des Lias an keiner Stelle zu Tage treten und überhaupt die 
Aufschlüsse sehr dürftig sind. Es scheint, als ob südlich von 
einem von Markoldendorf nach OSO. etwa auf den Pinkler zu 
streichenden Längsbruch eine flach gegen NNO. eiufallende Lias- 
scholle liegt, die allerdings unter dem Lehm fast nur in der 
langen Welle des Aulsberges zu Tage tritt und an dem steilen 
Nordwestabhang desselben ihr Ende erreicht. Bis zu dieser Stelle 
liegt also der Lias in einer gegen die Randhöhen tief einge- 
sunkenen, flachen Synklinale. Es liegt nahe, den Westabfall des 
Aulsberges mit dem östlichen Grenzbruch des Lauenberger Quer- 
thales in Verbindung zu bringen. Eine andere Verlängerung der 
diese Versenkung erzeugenden Brüche in das Innere des Beckens 
hinein habe ich aus den vorhandenen Aufschlüssen nicht nach- 


des Einbeck -Markoldendorfer Beckens. 


37 


weisen können. Der am Ufer der Urne von Markoldendorf bis 
südlich Ellensen anstehende Lias, der ganz oder doch zum Theil 
den Schichten des Amm. planicosta angehört, hängt mit dem Auls- 
berge nicht zusammen; er scheint sich der Form der Oberfläche 
nach von WSW. nach ONO. zu erstrecken. 

Der östliche Theil der inneren Ausfüllung des Beckens, zu 
dem wir auch die drei oben erwähnten Flügel zwischen Salzder- 
helden und Iber zählen können, besteht aus mehrfach und un- 
regelmässig mit Lias abwechselndem Keuper. Eine gewisse Gleich- 
förmigkeit des Baues zeigen nur die drei erwähnten Hügel, deren 
Kuppen aus nach WSW. einfallendem Rhätkeuper bestehen. Sie 
zeigen dadurch mit dem Bau der Muschelkalkplatten der Helden- 
berge und des Altendorfer Berges eine gewisse Analogie, wenn 
sie auch gegen jene in ein wohl 600 Meter tieferes Niveau ge- 
sunken sind. Sie hängen indessen untereinander nicht zusammen, 
vielmehr zieht sich zwischen dem Sülbecker Berg uüd Sülberg 
der Lias von Odagsen her in einer breiten , keilförmigen Masse 
bis zu den westlichsten Häusern von Sülbeck hinab. 

Aus der Schilderung der einzelnen tektonischen Züge der 
Landschaft geht hervor, dass das System von Südostnordwest- 
brüchen, das im Aufbau des mesozoischen, nordwestdeutschen Ge- 
birgslandes so sehr hervortritt, auch hier eine besondere Bedeutung 
hat. Ungefähr südostnordwestlich streichen die synklinal zu ein- 
ander geneigten Schichten der südwestlichen und nordöstlichen 
Randhöhen. Zu den letzteren haben wir auch die mit dem Auls- 
berge bei Lüthorst beginnende, nach OSO. laufende innere Hügel- 
reihe zu rechnen, da an ihrem Südabhang der Grenzbruch der 
eingesunkenen Innenmassen verläuft. Auch in ihnen treten in 
ähnlicher Richtung streichende Brüche besonders hervor. Endlich 
äussern sie sich in einem grossen Theile des eingesunkenen Innern 
und des Westrandes. 

Eine zweite, im Allgemeinen von SSW. nach NNO. streichende 
Störungsrichtung herrscht in dem übrigen Theile des Westrandes 
vor, auch gehört ihr das Lauenberger Querthal an. Dass sie 
wahrscheinlich zu dem Bau des nordöstlichen Sollingabhanges Be- 


38 


Martin Schmidt, Der Gebirgsbau 


ziehung hat, sahen wir ebenfalls. Vielleicht gehört sie dem System 
der jüngeren Südnordbrüche und Grabenversenkungen des nord- 
westdeutschen Gebirgslandes an. 

In diesem Netz von Brüchen, das durch viele mehr oder 
minder unregelmässig verlaufende secundäre Störungen ziemlich 
engmaschig wird, haben diejenigen eine besondere und für die 
Physiognomie des Ganzen maassgebende Bedeutung erhalten, auf 
denen die Innenmasse um Hunderte von Metern gegen die stehen- 
gebliebenen Ränder zur Tiefe gesunken ist. Ihre Lage im Einzel- 
nen ist oben genügend erörtert. Ein Zusammenhang des einge- 
brochenen Innern mit den vielfachen Versenkungen der benach- 
barten Gebiete besteht nur in der breiten Oeffnung gegen das 
Leinethal zwischen Salzderhelden und Iber und allenfalls im 
Lauenberger Querthal. 

Die Herstellung der geologischen Kartenskizze wurde dadurch 
sehr erschwert, dass sich die PAPEN’sche Karte als zu klein und 
vielfach ganz veraltet erwies, und ich sah mich genöthigt, für 
die geologische Detailaufnahme von dem darzustellenden Gebiet 
zunächst eine topographische Karte herzustellen. Ich habe diesen 
Zweck durch an Ort und Stelle im Maassstab 1 : 12 500 aufge- 
nommene Croquis zu erreichen gesucht, die ich dann mit Be- 
nutzung der PAPEN’schen Karte, der Forstkarten und vor allem 
der mir freundlichst zur Verfügung gestellten Rainkarten des 
Kreises Einbeck zu einem Gesammtbilde im Maassstabe 1 : 50000 
verarbeitet habe. 

Die auf dieser Grundlage entworfene geologische Darstellung 
verfolgt vor allem den Zweck, die tektonischen Verhältnisse möglichst 
hervorzuheben. Daher wählte ich eine einfachere Farbenskala, als 
sie für Darstellungen in diesem Maassstabe sonst üblich ist. Vor 
allem verzichtete ich, abgesehen von der Abscheidung der alluvialen 
Thalböden, auf eine Sonderung der verschiedenen jüngeren Deck- 
gebilde, des Diluviallehms, der Schotterdecken, Deltabildungen, 
Kalktufflager etc. 1 ). Die Abgrenzung der im Innern zu Tage 


*) Ich fasse dieselben nach älteren Vorbildern als »Diluvium« zusammen. 


des Einbeck -Markoldendorfer Beckens. 


39 


tretenden Flächen von Lias und Keuper bedarf noch einer ein- 
gehenderen Durcharbeitung, als sie mir möglich gewesen ist. Eine 
Kartirüng der auf die Blätter Einbeck und Moringen der Landes- 
aufnahme übergreifenden Theile des Beckens habe ich unterlassen, 
da dieselbe im Aufträge der Königl. Geologischen Landesanstalt 
durch Herrn Professor v. Koenen nahezu vollendet ist und dem- 
nächst veröffentlicht werden wird. 


S tratigr aphisch-palaeontologi scher Theil. 

In dem von mir untersuchten Gebiet finden sich folgende 
Schichten: mittlerer Buntsandstein, Röth, der ganze Muschelkalk 
und Keuper, der untere und ein Theil des mittleren Lias, ferner 
einige unbedeutende Tertiärpartien, endlich diluviale und alluviale 
Bildungen. 

Aus mittlerem Buntsandstein besteht der Eifas mit seinen 
südwestlichen Vorhöhen, der Aulsberg bei Lüthorst und die Ahls- 
burg mit dem Eichenfast. Im Wesentlichen erscheint nur seine 
oberste Abtheilung, die sogenannte Bausandsteinzone, auf dem 
Kartenblatte und wird am Aulsberg bei Lüthorst, an den Vor- 
höhen des Eifas bei Portenhagen und Rengershausen und am 
Südostende der Ahlsburg in einigen Steinbrüchen ausgebeutet. 
Am Aulsberge bei Lüthorst sind auch zeitweise eisenreiche Schichten 
als Eisenstein gewonnen worden 1 ). 

Der Röth unterscheidet sich nicht wesentlich von der sonst 
in diesen Gegenden bekannten Entwicklung. An der Eisenhütte 
bei Dassel findet sich darin Gyps, der weiter nach NW. mächtiger 
wird. Er scheint mit den bedeutenden Röthgypslagern bei Stadt- 
oldendorf ursprünglich in Zusammenhang gestanden zu haben, 
wenn er auch augenscheinlich die Mächtigkeit derselben auf 
unserem Blatte nicht erreicht. Ausgebeutet wurde er zeitweilig 
an der Dasseler Eisenhütte und etwa 2400 Meter nordwestlich 
Lüthorst. 


*) Römer a. a. 0. S. 486. 


40 


Martin Schmidt, Der Gebirgsbau 


Ebenso stimmt der untere und mittlere Muschelkalk im 
wesentlichen in Mächtigkeit und Gesteinscharakter mit der sonst 
in diesen Gegenden beobachteten Ausbildungsweise überein. Die 
Eintragung der festeren Bänke (Oolith-, Werkstein- und Schaum- 
kalkbänke) und die sonstige Gliederung des Wellenkalkes kann 
nur bei einer Aufnahme in grösserem Maassstabe ausgeführt 
werden. Die Schaumkalkbänke werden hier und da, z. B. an der 
Lieth ostsüdöstlich Wellersen, in unbedeutenden Steinbrüchen zur 
Wegebesserung herausgebrochen. 

Ein viel bedeutenderer Steinbruchbetrieb herrscht allgemein 
in den festen Bänken des Trochitenkalkes. Am Steinbühl, etwa 
1200 Meter nordwestlich Vardeilsen, sind einige Lagen desselben 
ausgezeichnet oolithisch entwickelt. Am Bierberge bei Dassel, 
wo er in einem besonders ausgedehnten Steinbruch gewonnen 
wird, ist er nahe seiner oberen Grenze reich an Monotis Albertii 
und an anderen Stellen an einer kleinen, hinten stark verlängerten 
Leda. Die sehr dürftig aufgeschlossenen Ceratiten-Schichten oder 
Thonplatten lassen keinerlei Abweichungen von der sonstigen Ent- 
wickelung westlich vom Harz erkennen. 

Die Schichten des Kohlenkeupers sind am inneren Abhange 
des südwestlichen Höhenkranzes sehr ungünstig aufgeschlossen, 
erheblich besser sind sie an einigen Stellen der nordöstlichen Seite 
des Beckens zu beobachten. So beschreibt Emerson 1 ) von dem 
flachen Hügel, der sich nordöstlich Vardeilsen erhebt und bis 
Kohnsen hinzieht, graue Sandsteinplatten mit Estheria minuta 
Goldf., andere an derselben Stelle mit Myophoria transversa und 
Myacites sp. (wohl eine Anoplophora). Ein dem letzteren ganz 
ähnliches Gestein mit denselben Fossilien fand ich dann allent- 
halben im Acker einer flachen Bodenwelle zwischen Deitersen 
und Lüthorst. 

Der Gypskeuper zeigt gegenüber der jetzt bekannten grossen 
Mächtigkeit seiner Schichten in diesen Gegenden 2 ) eine auffallend 
geringe Verbreitung. In den meisten Fällen erscheint er zwischen 

*) a. a. 0. S. 8. 

2 ) vergl. A. Tornquist, der Gypskeuper in der Umgebung von Göttingen. 
Göttingen 1892. 


des Einbeck - Markoldendorfer Beckens. 


41 


ältere Gesteine eingeklemmt und eingesunken, so vor allem in 
den beiden Grabenversenkungen zu beiden Seiten des Rotenberges 
nordöstlich Dassel. Hier finden sich am Wege von Dassel nach 
Erichsburg etwas jenseits der Höhe im Acker mürbe Sandstein- 
stücke, die dem Schilfsandstein anzugehören scheinen. Auf ihrer 
unregelmässig knorrigen Schichtungsfläche liegen Ueberzüge von 
Rotheisenstein, die vielleicht mit knolligen , von Herrn Professor 
v. Koenen im Schilfsandstein in der Nähe von Sülbeck gefundenen 
Rotheisenerzstücken zu vergleichen sind. 

Der Rhätkeuper fehlt auf der Süd Westseite und Westseite 
des Beckens bis auf die kleine Scholle südlich Krimmensen an- 
scheinend ganz, zeigt aber in dem Gebiet zwischen Lüthorst und 
Vardeilsen eine Reihe besonders günstiger Aufschlüsse. Bekannt 
ist durch Pflüoker’s Beschreibung 1 ) das jetzt leider in seinem 
grössten Theile verschüttete Profil nordöstlich von Deitersen, das 
damals vor allem die beiden Grenzzonen der Formation gut auf- 
geschlossen zeigte. An einem zweiten Aufschlüsse am Bachufer 
nordwestlich Amelsen sammelte Emerson 2 ) besonders häufig und 
wohlerhalten verschiedene Fossilien der Taeniodon- Schichten. Neben 
diesen beiden Aufschlüssen ist noch eine Stelle am Südabhange 
des Hainberges bei Lüthorst zu erwähnen, wo an einem vom 
Dorfe herauf kommenden Wege, etwa 400 Meter östlich vom 
Bache, die unteren Grenzschichten des Rhätkeupers mit mehreren 
Bonebedlagern anstehen. Die Kuppen der isolirten Rhäthügel 
zwischen Salzderhelden und Iber bestehen aus einem gelblichen 
bis lebhaft rostfarbenen, mässig festen Sandstein, dessen mächtigere 
Bänke gewonnen werden. In ihm habe ich vereinzelte Pflanzen- 
reste ( Clathropteris etc.) gefunden. 

Die Schichten des Lias haben durch Emerson eine ebenso 
gründliche als klare Darstellung ihrer stratigraphischen und palä- 
ontologischen Verhältnisse gefunden, sodass ich für sie im All- 
gemeinen nur auf diese Arbeit verweisen kann. Ich verdanke es 
fast nur einigen neueren Aufschlüssen, dass ich zu seinen auf 


x ) Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. Bd. XX u. bes. Bd. XXI, S. 239. 

2 ) a. a. 0. S. 8. 


42 


Martin Schmidt, Der Gebirgsbau 


ein reiches Material gestützten Angaben einige Zusätze machen 
kann. 

Psilonoten-Schichten. Am Abhange der Liasplatte nörd- 
lich Amelsen zu dem von NW. dem Dorfe zufliessenden Bache 
sind gegenwärtig etwa 300 Meter von der Chaussee die untersten 
Schichten des Lias durch einen schräg nach den Flachsröthen hinab- 
gezogenen Graben in etwas anderer Entwickelung aufgeschlossen, 
als sie von Emerson 1 ) an dem heute fast völlig verschütteten 
Profil bei Deitersen beobachtet wurden. 

Hier stehen über kaum 1 Meter mächtig aufgeschlossenen 
Schieferthonen, in denen ich keine Fossilien fand, mehrere Lagen 
nur wenige Millimeter starker, poröser, oft flach wellig gebogener 
Platten von rothbrauner Farbe, die, ein echter »rotten stone«, durch 
Auslaugung eines festen, eisenreichen, sandigen Kalkes entstanden 
sind. Stellenweise ist ihre Schichtfläche bedeckt mit winzigen, 
nicht näher bestimmbaren Fossilresten; an anderen Stellen finden 
sich scharfe Abdrücke von Aegoceras Johnstoni Sow. und einem 
anderen Ammoniten, welcher der äusseren Form und Sculptur 
nach mit A. laqueus Quenst. übereinstimmt. Meines Wissens ist 
die Art im norddeutschen Lias noch nicht gefunden und wird 
auch für Süddeutschland nur als Seltenheit erwähnt. 

Ueber diesen Platten stehen etwa 2 Meter fahlgraue, sandige, 
sehr mürbe Schiefer, in denen Aeg. Johnstoni in allen Grössen 
allenthalben sehr häufig ist. Ausserdem habe ich durch vor- 
sichtiges Spalten der bröckeligen Schichten noch folgende, meist 
für ihre Art auffallend kleine Fossilien gefunden: 

Pleurotomaria psilonoti Quenst. 

Cardita (f ) Heberti Terq. 

Leda Rene vieri Opp. 

Astarte psilonoti Quenst. 

Nucula navis Piette. 

Pecten Hehli d’Orb. 

Pecten textorius v. Schloth. 

Gidaris , Asseln und Stacheln. 

Isocar dia? sp. 

*) a. a. 0. S. 14. 


des Einbeck -Markoldendorfer Beckens. 


43 


Ueber diesen Schiefern folgt eine sehr eisenreiche, erdige, 
kaum 10 Oentimeter mächtige Thonschicht, die ganz von knolligen 
Concretionen eines dunklen, eisenreichen und bituminösen Kalk- 
steines erfüllt ist. In diesen Knollen und frei in dem Thon finden 
sich wenige Arten, aber in zum Theil ausgezeichneter Einhaltung 
und überraschender Häufigkeit. So fand ich in dem noch nicht 
2 Meter langen Aufschluss der dünnen Schicht nicht weniger als 
sechs zum Theil vollständige und bis 18 Centimeter grosse 
Exemplare eines Nautilus , der d’Orbigny’s Abbildung des N. inter- 
medius Sow. nahe steht; nur laufen die bei d’Orbigny im Bogen 
über die Seiten hingehenden Anwachsstreifen hier auf dem Haupt- 
theil der Seiten gerade und radial. Das grösste und besterhaltene 
Exemplar zeigt auch, verglichen mit r’Orbigny’s Abbildung, eine 
erheblich breitere Mündung, schärfere Kanten an dem ganz ab- 
geflachten Rücken und auf den ebenfalls abgeplatteten Seiten 
sogar eine flache Einsenkung bei etwa zwei Fünfteln der Ent- 
fernung von der Rückenkante zum Nabel. Die flachen Spiral- 
rippen, die meist ebenso breit sind, wie die Furchen zwischen 
ihnen, verschwinden auf den Seiten völlig. Alle diese Eigen- 
tümlichkeiten dieses eines Exemplares scheinen mir mit seinen 
grösseren Dimensionen zusammenzuhängen. 

Häufig sind ferner Ammoniten, die Aegoc. Johnstoni nahe 
stehen, aber von der tiefer vorkommenden typischen Form des- 
selben durch schnelleres Anwachsen des bis auf den seichten Ein- 
druck der vorhergehenden Windung kreisrunden Querschnitts ab- 
weichen. Ein grösseres Bruchstück einer anderen Art mit ganz 
kurzen, nur um den nicht sehr weiten Nabel deutlichen Rippen 
und eiförmigem Querschnitt der sonst platten Windungen ähnelt 
einer von Dumortier 1 ) aus den Psilonotenschichten von Yizenac 
beschriebenen und abgebildeten, aber nicht benannten Form. 
Aegoc . angulatum v. Schloth. ist ferner nicht selten. Daneben 
kam ein Stück von Aeg. catenatum Sow. vor, das d’Orbigny’s 
Abbildung auch an Grösse ziemlich entspricht. Dann fand ich 


b Etudes paleontologiques sur les Dep. Jur. du Bassin du Rhone, I, pag. 28, 
Taf. III, Fig. 1, 2. 


44 


Martin Schmidt, Der Gebirgsbau 


ein vollständiges, . zum Theil mit der Schale erhaltenes Exemplar 
des von Wahner 1 ) aus den Schichten des Aeg. megastoma von 
Schreinbach beschriebenen Aeg. Rahana von etwa 8 Centimeter 
Durchmesser. Ein Bruchstück einer grossen Form, die ohne 
Wohnkammer 26 Centimeter maass, steht den allgemeinen Ver- 
hältnissen nach der vorigen nahe. Während die äusserste Windung 
glatt ist, zeigt ein inneres, einer Scheibengrösse von 14 Centi- 
metern entsprechendes Stück flache Rippen, nach deren Verlauf 
ich die Form dem Aeg. Rahana als späteres Altersstadium zurechnen 
möchte. Allerdings hängen die Loben, von denen der zweite 
Laterallobus sich vom Nahtlobus kaum abtrennen lässt, an der 
Naht noch erheblich weiter herab, als Wähner für Aeg. Rahana 
angiebt, sodass ich das Stück doch nur mit einigem Vorbehalt zu 
dieser Art stellen kann. 

Ueber dieser bemerkenswerthen Schicht sind noch etwa einen 
Meter mächtige Schieferthone aufgeschlossen, in denen ich keine 
Fossilien gefunden habe. Der ganze Aufschluss lässt weder die 
untere, noch die obere Grenze der Psilonotenzone, die Emerson 
beide bei Deitersen beobachtete, genügend erkennen. 

Angulaten-Schichten. Bei Wellersen fand ich in der an 
Aegoc. angulatum reichsten Thonschicht, aus der Emerson nur 
diesen Ammoniten erwähnt, frei und zum Theil trefflich erhalten, 
wenn auch nicht häufig, die folgenden Formen: 

Ostrea sublamellosa Dunk. 

Lucina f sp. 

Pleuromya subrugosa Dunk. 

Pentacrinus angulatus Opp. 

Gryphaea arcuata Dam. 

Pleuromya crassa Ag. 

Cardinia Listen Sow. 

Aeg. angulatum kommt auch in einer Ziegeleithongrube nord- 
westlich Vardeilsen in kleinen Exemplaren vor. Dann befindet 

*) Dr. F. Wähner, Beiträge zur Kenntniss der tieferen Zonen des unteren 
Lias in den nordöstlichen Alpen. (Beitr. z. Paläont. Oestr.-Ung. etc. III, S. 105, 
Taf. XXI, Fig. 1-4.) 


des Einbeck- Markoldendorfer Beckens. 


45 


sich im Göttinger Museum dieselbe Art aus schwärzlichen Schiefer- 
thonen, die einem Brunnen auf dem RoHMEYER’schen Grundstück 
in Lüthorst entstammen. 

Arieten-Schichten. Im Göttinger Museum liegen einige 
Exemplare von Ariet. rotiformis und A. Sinemuriensis mit »Lüt- 
horst« bezeichnet, deren sandig-kalkiges, gelbliches Gestein ent- 
fernt an das bekannte Vorkommen von Ohrsleben erinnert. Im 
Markoldendorfer Becken ist jetzt kein Gestein in diesem Horizont 
aufgeschlossen, aus dem sie stammen könnten. Vielleicht sind die 
Aufschlüsse durch die Verkoppelungen verschüttet. 

Am Aulsberge bei Wellersen fand ich am Fusse des eine be- 
trächtliche Schichtenmächtigkeit erschliessenden Abhanges ein 
Bruchstück eines etwa 9 Centimeter grossen Arieten , das , soweit 
seine ziemlich mangelhafte Erhaltung erkennen lässt, Ariet. roti- 
formis Sow. angehört. Danach wäre es möglich, dass ein Theil 
der mächtigen, fast versteinerungsleeren Thone unter dem dort 
auftretenden Geodenlager mit A. geometricus 1 ) dem Niveau der 
von Emerson in dem Gebiet nicht beobachteten typischen Arieten 
zuzurechnen ist. Mit dem Ammoniten fand ich ein halbwüchsiges 
Exemplar von Unicardium cardioides Phill. Eine Lage mit 
Gryphaea arcuata , die hier nach Emerson etwa 8 Meter unter den 
Geoden mit A. geometricus steht, ist stellenweise reich an fein 
längsgerippten Cidaritenstacheln. In den Geoden selbst fand ich 
neben A. geometricus auch Protocardia Philippiana Dunk. sp. 

Schichten des Aegoc. planicosta Sow. Dass die von 
Emerson aus diesem Horizont angeführten Ammoniten, Aegoc. 
ziphus Hehl und A . tamariscinus U. Schloenb. , in der von 
Brauns * 2 ) angenommenen und durch Quenstedt’s Abbildung 
des »Riesenziphus« 3 ) bestätigten Weise mit einer von A. plani- 
costa nicht zu scheidenden Jugendform zu einer und derselben 
Art zu zählen sind, halte ich für wahrscheinlich. Ich glaube so- 
gar, dass alle bei Markoldendorf in diesem Horizont gefundenen 


9 Emerson, a. a. 0. S. 19. 

*) Untere Jura, S. 199 ff. 

3 ) Ammoniten des Schwab. Jura, Taf. 21, 16. 


46 


Martin Schmidt, Der Gebirgsbau 


Exemplare des A. planicosta dieser Formenreihe angehören. Ich 
möchte dieselbe mit der von Wright *) für England wohl etwas 
summarisch aufgestellten analogen Reihe des A. planiscosta-ziphus 
-Dudressieri (von d’Orbigny für eine Form des oberen Lias auf- 
gestellt!) und einer an A. tamariscinus erinnernden Altersform 
nicht gleichsetzen, da auf allen Stufen der Entwickelung sich 
Unterschiede finden. Dagegen ist die Uebereinstimmung mit dem 
von Dumortier * 2 ) aus den Grenzschichten des unteren und mittle- 
ren Lias von Nolay beschriebenen A. trimodus eine sehr grosse; 
wohlerhaltene Belegstücke für alle Altersstadien und die Ueber- 
gänge zwischen ihnen sind vom schiefen Berge bei Amelsen und 
anderen Fundpunkten Norddeutschlands im Göttinger Museum 
vorhanden. Ueber die wahren systematischen Beziehungen der 
ganzen Gruppe kann nur eine umfassende Kritik aller als A. pla- 
nicosta Sow. angeführten Formen und ihrer späteren, von den be- 
treffenden Fundorten etwa vorhandenen Altersstadien Klarheit 
bringen. Im Uebrigen habe ich zu Emerson’s Verzeichniss der 
Fossilien dieser Schichten folgende Formen hinzuzufügen: 

Ostrea irregularis Münst. und Goldf. 

Pecten priscus v. Schloth. 

Lima gigantea Sow. 

Modiola scalprum Sow. 

Pinna Moorei Oppel. 

Protocardia cingulata Goldf. 3 ) 

Pholadomya fortunata Dumort. 

Pleuromga sp. 

Mittlerer Lias. Die Aufschlüsse im mittleren Lias des 
Steinberges bei Markoldendorf haben sich seit Emerson’s Zeit 


x ) Monograph on the Lias Ammonites etc., S. 337 (Pal. Soc. 1882). 

2 ) a. a. 0. S. 86, Taf. 15 und 16. 

3 ) Das vorliegende Material gestattet nicht zu entscheiden, ob wir hier mit 
echten Cardien, die sonst im Lias fehlen, zu thun haben. In diesem Falle können 
dieselben weder den Namen: multicostatum Philo, noch cingulatum Goldf. be- 
halten, da diese beiden Namen von Brocchi und Goldfuss für echte Cardium- 
Arten des Tertiär vergeben sind. 


des Einbeck- Markold endorfer Beckens. 


47 


ausserordentlich verschlechtert, vor allem da die alten Eisenstein- 
gruben mehr und mehr verfielen und verschüttet wurden. Ich 
habe daher zu seinen Angaben über die Schichten der Terebr. 
subovoides , des Amm. brevispina und des Amm. centaurus nichts 
hinzuzufügen. 

Amaltheenthon habe ich am Westausgange von Lüthorst, wo 
Emerson Amm. spinatus und einige andere Fossilien der Zone 
sammelte, zur Zeit nicht mehr anstehend gefunden. Dagegen 
konnte ich in schwarzgrauen Thonen, die aus einem am Pfarr- 
hause gegrabenen Brunnen ausgeworfen waren, eine Reihe von 
Fossilien dieser Schichten sammeln. Freilich sind sie in der 
Regel stark verdrückt und gestatten nicht immer eine völlig zwei- 
fellose Bestimmung, selbst der generellen Merkmale. Es fanden 
sich: 

Amaltheus spinatus Brug. 

» nitescens Young und Bird sp. 

Pecten Philenor d’Orb. 

Plicatula spinosa Sow. 

Avicula inaequivalvis Sow. 

» papyna Quenst. 

Protocardia cingulata Golde. 

Isocardia? bombax Quenst. 

Posidonia sp. indet. 

Nucula cordata Goldf. 

Leda complanata Goldf. sp. 

» subovalis Goldf. sp. 

» acuminata Goldf. sp. 

Lucina problematica Terq. 

» pumila Goldf. sp. 

Lucina ? 

Astarte cf. fontis Dumort. 

Phasianella cf. Jason d’Orb. 

Ophiura ? 

Von den im Text erwähnten Tertiärpartieen ist das Vor- 
kommen von oberoligocänem Sand am Gehren im Eifas nördlich Liit- 


48 


Martin Schmidt, Der Grebirgsbau etc. 


hörst zur Zeit sehr schlecht aufgeschlossen. Diesem Niveau gehören 
auch, wie sich aus einigen schlecht erhaltenen Molluskenresten 
eben erkennen liess, die theils zu rauhen Blöcken verkitteten, 
theils losen Sande in dem Einbruch am Scharfenberge an. End- 
lich erwähne ich hier noch einmal den schon erwähnten Quarzit- 
block, der am Wege zwischen Vardeilsen und Avendshausen aus 
dem Lehm des Thalgrundes hervorsieht. 


Insektenfrass in der Braunkohle der Mark 
Brandenburg. 

Von Herrn 0. von Gellhoril in Berlin. 

(Hierzu Tafel XI.) 


Aufmerksam gemacht durch die Arbeit des Herrn H. J. Kolbe 
über »Insektenbohrgänge in fossilen Hölzern« in der Zeitschrift 
der Deutschen geologischen Gesellschaft (Band XL, Heft 1, Seite 
131 ff.) gebe ich in Nachstehendem eine kleine Mittheilung über 
Insektenfrass in der Braunkohle der Mark Brandenburg, welchen 
ich auf einigen Bergwerken daselbst beobachten konnte. Und, 
da dergleichen Frassstücke nicht gerade häufig sind, erscheint eine 
Besprechung solcher nicht ohne Interesse. 

Es kommt dabei zunächst in Betracht die 


Grube consl. Freienwalde bei Freienwalde a/Oder, 
in deren westlicher Abtheilung bei Falkenberg i/M. zwei Braun- 
kohlenflötze in Bau genommen sind. Hier kennt man unter einer 
Decke von Formsand: 

1,50 Meter Braunkohle (1. Flötz), dann 


Hangende 

Partie 


Liegende 

Partie 


12,00 » dunklen Formsand, 

4.50 » Kohlenletten, darunter: 

2.50 » weissen Quarzsand, 

5.50 » Braunkohle (2. Flötz), 

8.50 » Quarzsand mit Braunkohlen-Partikeln, 

1,25 » hellfarbigen Letten, 

9.50 » Quarzsand mit Glimmer, darunter endlich 

3.50 » grünlichen, glimmerhaltigen Quarzsand. 

[ 4 ] 


Jahrbuch 1893. 


50 


0. von Gellhorn, Insektenfrass in der Braunkohle 


Die oberen Gebirgsschichten bis herunter zum 4,5 Meter 
mächtigen Kohlenletten gehören der hangenden Partie Plettner’s 
an, die darunter folgenden Schichten der liegenden Partie, welche 
sämmtlich dem Miocän zuzuzählen sind. Das durch Insektenfrass 
zerstörte Braunkohlenholz zeigte sich in dem unmittelbar über dem 
5,5 Meter mächtigen 2. Braunkohlenflötz liegenden weissen Quarz- 
sande und zwar in diesen ganz irregulär eingestreut. Die ziem- 
lich zahlreichen einzelnen Braunkohlenstücke sind ganz scharf- 
kantig, mithin wohl als Bruchstücke des in der Nähe zerfallenen 
fossilen Holzes anzusprechen; sie zeigen keine Spur von Ab- 
rundung der Ecken und Kanten, welche etwa auf einen Trans- 
port der Hölzer, auf ein Heranschwemmen derselben schliessen 
liess. Es ist deshalb ausgeschlossen, diese Bruchstücke als Ge- 
schiebe anzusehen. Die Braunkohle zeigt ganz deutlich die 
Holzstructur und ist sehr leicht spaltbar; sie gehört einem Nadel- 
holze an, nämlich der virginischen Sumpfcypresse, Tosodium disti- 
chum. Wie Fig. 1 in der zugehörigen Tafel XI in natürlicher 
Grösse veranschaulicht, haben die Bohrgänge eine ovale Form, 
sind 3 bis 4 Millimeter weit und durchschneiden die Holzfasern in 
schräger, aber gerader Richtung; die Puppenkammern haben die 
Form und Grösse der. Bohrgänge. An dem Zerstörungswerke des 
Holzes müssen sich wohl viele Thiere gleichzeitig betheiligt haben. 
Von der Königl. Forst-Akademie zu Eberswalde sind die Bohr- 
gänge einerseits als von der Schiffsbohrmuschel Teredo navalis 
herrührend angesprochen worden, andererseits hielt man sie für 
Arao&mw-Frass. Ersteres dürfte nicht zutreffend sein, denn F. A. 
QüENSTEDT beschreibt die Gänge von Teredo navalis in seinem 
Handbuche der Petrefaktenkunde (Tübingen 1885, S. 856 u. 857) 
wie folgt; er sagt: Der schädliche Bohrwurm füllt die gemachten 
Gänge mit Kalk aus; die Gänge sind lange wurmförmig ge- 
krümmte Röhren, die sich am hinteren offenen Ende verjüngen, 
am vorderen dicketen aber halbkugelig schliessen, endlich durch- 
bohrt diese Muschel das Holz so, dass Röhre an Röhre liegt. 
Dies Alles trifft, wie die Abbildung zeigt, hier nicht zu. Auch 
lebt die Bohrmuschel im offenen Meere; es wäre demnach uner- 
findlich, wie sie in die terrestre Braunkohlenbildung gekommen 


der Mark Brandenburg. 


51 


Wäre. Man müsste dann einen Transport der Hölzer annehmen, 
was — wie weiter vorn gesagt — die Beschaffenheit, die Form 
der Brannkohlen-Bruchstücke nicht zulässt. Es ist ja aber auch 
bereits erwiesen, dass unsere märkischen Braunkohlen-Hölzer an 
Ort und Stelle gewachsen sind, da aufrecht stehende Stämme 
mit weit verzweigten starken Wurzelstöcken, dicht gedrängt bei 
einander stehend, in mehreren Gruben angetroffen worden sind. 
(Vgl. Giebelhausen, über die Braunkohlen-Bildungen der Provinz 
Brandenburg im 19. Bande der Zeitschrift für das Berg-, Hütten- 
nnd Salinenwesen). Die Beschaffenheit der Bohrgänge in diesem 
Nadelholze weist vielmehr eher auf Anobium - Frass hin. Der 
kleine walzenförmige Nagekäfer passt sehr wohl in die Bohrgänge 
hinein, lebt nur im Nadelholze, mit welchem wir es ja hier zu 
thun haben, durchnagt das Holz in allen möglichen Richtungen 
und verwandelt es oft vollständig in zusammenhanglose kleine 
Brocken, was die vorliegenden Belagstücke ebenfalls bestätigen. 
Nach Professor B. Altum (Forstzoologie, Berlin 1874, Theil III, 
Insekten) ist Anobium nigrinum die einzige Art, welche sich bis 
jetzt als forstschädlich erwiesen hat; man könnte sonach annehmen, 
dass man es hier auch mit dieser Species zu thun hätte. Be- 
stimmte Anhaltepunkte fehlen indess, da weder die Larve, noch 
das vollkommene Insekt sich bis jetzt in dem qu. Braunkohlen- 
Holze vorgefunden hat. 

Ein zweiter Punkt, woselbst sich Braunkohle mit Insekten- 
frass zeigte, ist die Grube consl. Phönix bei Zielenzig. 
Auf diesem Bergwerk findet sich unter etwa 10 Meter Diluvium: 
5,4 Meter Formsand, darunter 
5,0 » schwarzer Thon, dann 

4,7 » Braunkohle (1. Flötz), endlich nach einem nur 

0,3 » starken Formsand-Mittel das 

2,3 bis 3 Meter mächtige 2. Braunkohlenflötz, 
alles Gebirgsmassen, welche dem Miocän angehören. Das von 
dem Insekt durchfurchte Holz stammt hier direct aus dem zweiten, 
2,3 bis 3 Meter starken Braunkohlenflötz. Die Kohle ist von 
schwarzbrauner Farbe, zeigt ganz deutliche Holzstructur und lässt 
sich deshalb sehr leicht spalten. Auch hier haben wir es mit 

[4*] 


52 


0. von Gellhorn, Insnktenfrass in der Braunkohle 


einem Nadelholze zu tliun. In Fig. 2, Taf. XI, ist die Form 
der Bohrgänge und der Puppenkammern in natürlicher Grösse 
wiedergegeben. Die Gänge gehen hier parallel deu Holzfasern, 
haben eine ovale Form und eine Weite von 5 bis 6 Millimetern. 
Von diesen Gängen zweigen sich die Puppenkammern in etwas 
schräger Richtung gegen die Holzfasern ab; die Kammern zeigen, 
bei einer Länge von 1% bis 2 Centimetern, dieselbe Form und 
Weite wie die Gänge. Reste von den Thieren selbst haben sich 
nicht gefunden. Nach Ansicht der König! Forst-Akademie in 
Eberswalde sind diese Gänge anscheinend von der Larve einer 
Holzwespe Sir ex, vielleicht auch von der Larve eines Bockkäfers, 
Callidium, gemacht worden. Für beide Annahmen ist im Allge- 
meinen Nadelholz Voraussetzung, was allerdings hier wiederum 
zutrifft. Indess haben die Bohrgänge, welche in Dr. B. Altum’s 
Forstzoologie III, S. 296, 299 und 301 von Callidium abgebildet 
sind, eine ganz andere Form, als die Gänge in dem vorliegenden 
Frass-Exemplare; es dürfte sich demnach eher um eine Holzwespe 
handeln , doch fehlen auch dazu bestimmte Anhaltspunkte. Ich 
komme deshalb alsbald auf den 3. Fundpunkt, nämlich auflnsekten- 
frass von Grube Vulcanus bei Tempel, Kreis Ost-Stern- 
berg, zu sprechen. 

Aufgeschlossen und in 20 Meter Tiefe gebaut wurde hier ein 
4 bis 5 Meter starkes Braunkohlenflötz, über welchem grauer 
Letten und Formsand liegt, während das Liegende aus grauem 
bis braunem Quarzsande besteht. Es handelt sich also auch hier 
wiederum um Schichten des märkischen Miocän. Das vorliegende 
Braunkohlen-Holz von hellbrauner Farbe zeigt ebenfalls ganz deut- 
liche Holzstructur , sodass es sich leicht spalten lässt und gehört 
gleichfalls einem Nadelholze an. Die Bohrgänge in Fig. 3, 
Taf. XI, in natürlicher Grösse abgebildet, haben eine runde 
Form, eine Weite von 10 bis 13 Millimeter, gehen in schwachen 
Windungen parallel den Holzfasern und laufen in geringer Ent- 
fernung neben einander. Dicht neben den Gängen und die Holz- 
faser quer durchschneidend, befinden sich die rundlichen Puppen- 
kammern von derselben Weite wie die Bohrgänge. Die König! 
Forstakademie in Eberswalde meint, dass dieser Insektenfrass 


der Mark Brandenburg, 


53 


wahrscheinlich von einer Holzwespe Sirex herrühre. Dies zu ver- 
folgen fehlen leider in dem mehrfach citirten Werke von Herrn 
Altum Abbildungen von Frassgängen dieses Insekts, sodass man 
sich nur auf die Charakteristik der Wespe, welche 1. c. S. 278 ff. 
gegeben ist, stützen kann. Daselbst heisst es unter Anderem: 
»Der Querschnitt des unregelmässig gewundenen Holzfrassganges 
ist kreisrund, ebenso auch der später von der Wespe genagte 
letzte Theil des Ganges und des Flugloches. Zugleich öffnet es 
sich senkrecht auf die Tangente des Stammes. Die junge Larve 
nährt sich, in geschlängeltem Gange vorrückeud, von den weichen 
Splintschichten, geht aber schon nach der ersten Ueberwinterung 
tiefer ms Holz hinein.« Die Holzwespen sind grosse, kräftige, 
schlanke Wespen, von denen Sirex gigas , die Riesenholzwespe 
und Sirex juvencus , die Kiefernholzwespe, in Nadelhölzern Vor- 
kommen; es könnte sich sonach im vorliegenden Falle nur um 
eine von den beiden Arten handeln, da die anderen Arten auf 
Laubhölzer angewiesen sind, mit denen wir es hier nicht zu thun 
haben. Reste von den Thieren selbst fehlen ebenfalls. 

Ich schliesse nun diese kurze Mittheilung mit dem Bemerken, 
dass ich dabei nur einzig und allein die Absicht hatte, die Objekte 
aus dem Kasten heraus und ans Tageslicht zu ziehen, da sie ja 
zu ferneren Besprechungen viel Raum lassen. Vielleicht inter- 
essiren sich die Herren Coleopterologen weiter für die Sache. 


Gletscherschrammen am Rummelsberg, 
Kreis Strehlen. 

Von Herrn E. Althans in Breslau. 


Die Einwirkung der ältesten Eisdecke auf feste Gesteins- 
schichten in Schlesien zeigt sich besonders deutlich in der Um- 
gebung des als Dreieckspunkt 1. Ordnung im Regierungsbezirk 
Breslau bekannten Rummelsbergs. 

Das aus Gneis, Glimmer- und Urthonschiefer, sowie Granit 
gebildete und Lager von Quarzit und Kalkstein einschliessende 
Urgebirge hebt sich hier in sanften Anschwellungen aus der 
Diluvialdecke des Flachlandes inselartig bis zu den Kuppen des 
Rummelsbergs, Kalinkebergs und Leichnamsbergs mit bezw. 392,6, 
388,8 und 370,6 Meter NN. empor. Der flache Nordabhang dieser 
Berge zeigt die typischen gewellten Formen der Rundhöcker. Bei 
Strehlen, Striege, Steinkirch, Polnisch-Neudorf treten diese dicht 
an die Breslau-Glatzer Eisenbahn heran. Der hier nackt zu Tage 
tretende Granit wird an diesen günstig gelegenen Aufschluss- 
punkten in zahlreichen Steinbrüchen gewonnen. 

Die muldenförmigen Vertiefungen und die flachen Berglehnen 
sind mit einer fruchtbaren, von meist scharfkantigen groben Steinen 
dicht durchsetzten Lehmdecke überzogen. Bei Pogarth (320 Meter 
NN.) auf der flachen Einsattelung zwischen den Kuppen der voi'- 
genannten Berge bringt der Pflug aus dem Ackerboden die zackig 
ausgebrochenen Felsschollen von Urthonschiefer zu Tage. 


E. Althans, Gletscherschrammen am Rummelsberg, Kreis Strehlen. 


55 


Die Quarzitlager bilden nicht — wie die geologische Karte 
von Niederschlesien darstellt — breite Decken, sondern sie treten 
als schmale /ickzackförmig verlaufende Rippen zu Tage, deren 
Ausgehendes in Blöcke zertrümmert nach Süden verschleppt ist. 
Diese Blöcke sind meist glattflächig und scharfkantig geschliffen, 
öfter quaderähnlich regelmässig gestaltet. Die Schliffflächen zeigen 
keine feinen Schrammen, sondern nur flache, langgezogene, glatte 
Ausschleifungen. Besonders charakteristisch finden sich solche 
Blöcke im Dorfe Ober-Podiebrad südlich von einem Quarzitbruch. 
Sie sind dort in den Hofmauern aufgeschichtet zu sehen. 

Trotz vielem Suchen gelang es mir nicht, an den Quarzit- 
brüchen nördlich und östlich von Ober-Podiebrad noch anstehenden 
geschliffenen Quarzit zu entdecken. Das Ausgehende der steil auf- 
gerichteten Lager ist dort überall zu Wegbauten und als Material 
für Glashütten u. s, w. weggebrochen. 

Nördlich von Polnisch-Neudorf tritt noch ein Quarzitlager aus 
dem beackerten Hügel hervor. Allein auch diese Klippe scheint 
von Menschenhand angegriffen zu sein. Unversehrt in ihrem 
natürlichen Zustande möchte wohl die mächtige Quarzitklippe 
noch erhalten sein, welche den Leichnamsberg krönt und seitwärts 
der Landstrasse von Pogarth nach Sackerau zu erreichen ist. 
Die senkrecht aufgerichteten dickbänkigen Schichten der Klippe 
sind theilweise nur etwas aus dem Lager geschoben. Schleifungen 
— wie an den losen Blöcken im Geschiebelehm an vielen Stellen 
rings um den Rummelsberg — vermochte ich nicht aufzufinden. 

Bemerkenswerth ist das Auftreten zahlreicher, gerundeter 
grosser Quarzitblöcke im Acker westlich von der Landstrasse vom 
Rummelsberg nach Sackerau, dicht vor diesem Dorfe, wo das südliche 
Gehänge des Leichnamsberges die Ebene erreicht. Als diese Strasse 
vor mehreren Jahren gebaut wurde, fand ich dort einen solchen 
etwa 1 Meter dicken Block zersprengt. Dieser zeigte rings um 
den krystallinischen weissen Quarz eine etwa 2 Centimeter dicke, 
aussen bräunlichgelbe, nach innen violette Färbung. Wahrschein- 
lich ist der Block ebenso wie die benachbarten, noch im Acker 
steckenden Blöcke durch den nordischen Gletscher von dem 
Quarzitlager des Leichnamsberges herangerollt worden und hat 


56 E. Althans, Gletscherschrammen am Rummelsberg, Kreis Strehlen. 


durch Eisenlösungen aus dem umgebenden Geschiebelehm der 
Grundmoräne die Färbung seiner Rinde erhalten. 

Auf der geologischen Karte von Niederschlesien ist besagtes 
Blockfeld ebenso als anstehender Quarzit angegeben, wie dies irr- 
thümlich an anderen Fundstellen von Quarzitblöcken in der Um- 
gebung des Rummelsbergs geschehen ist. 

Unter dem Diluvium ist in der Umgebung des Rummelsbergs 
auch Tertiärthon abgelagert. Ein solches Thonlager — oben 
weiss, unten blau gefärbt — ist östlich von Göppersdorf von dem 
Gutsherrn, Freiherr von Thielmann, in der flachen Thalmulde 
aufgeschlossen und wird dort in dessen Chamottefabrik verwerthet. 

Von der Chamottefabrik zieht sich ein niedriger flachgewölbter 
schwach bewaldeter Rücken in östlicher Richtung nach dem 
Rummelsberg hin. Am südlichen Hange dieses Rückens, dicht 
am Wege vom Bahnhof Steinkirch nach Pogarth und dem Rummels- 
berg liegt der durch das Vorkommen schöner Granatkrystalle den 
Mineralogen wohlbekannte Marmorbruch. Dieser ist jetzt, ebenso 
wie die zugehörigen Kalköfen ausser Betrieb und unten mit Wasser 
gefüllt. Leider ist auch der noch vor einigen Jahren offene Ein- 
schnitt, welcher in den Bruch führte, verbrochen. In diesem fand 
ich von der Thalsohle aus zunächst Decksand, dann über den 
Decksand gelagerte Schnüre von blauem Thon und an diese an- 
schliessend einen über 1 Meter dicken Klumpen von blauem Thon 
in weissein Sand und kleinen Granitgeschieben ringsum ein- 
gewickelt. 

Dieser schöne Aufschluss der Grundmoräne weist deutlich 
darauf hin, dass der Thon aus der Göppersdorfer Tertiärab- 
lagerung stammt und von dem Gletscher nach Süden über den 
flachen Hügelrücken fortgeschoben worden ist. 

In der Nähe der Chamottefabrik in der Richtung nach dem 
Marmorbruch liegt ein stattlicher Findling von Granit — der 
Marienstein — nachbarlichen Urprungs. Etwas weiter in süd- 
licher Richtung erreicht man einen in lebhaftem Betriebe stehenden 
Granitbruch, der von Süden her bereits den oben erwähnten 
Hügelrücken durchschnitten hat. Bedauerlicher Weise ist damit 
auch die von mir vor etwa 5 Jahren auf dem horizontalen Scheitel 


E. Althans. Gletscherschrammen am Rnmmelsberg, Kreis Strehlen. 57 


des Rückens gesuchte und glücklich, entdeckte Gletscherspur der 
ersten Eisbedeckung bereits vernichtet. 

Vom damaligen Nordrande des Steinbruchs ausgehend, fand 
ich zwischen zerstreutem Buschwerk eine von Moos entblösste 
kleine Stelle, an der der Granit glatt zum Vorschein kam. Indem 
ich nun den Stock unter die dichte Moosdecke schob, wurde dieser 
nach Norden abgelenkt. Ich war damit auf die Haupt- Gletscher- 
schramme gerathen und fand nun beim Aufrollen des Moosteppichs 
bis zum nächsten Busche auf etwa D /2 Meter Länge und tya Meter 
Breite mehrere deutliche parallele Furchungen in der bis dahin 
an dieser Stelle unversehrt gebliebenen Granitoberfläche. Die 
schützende Moosdecke wurde sorgsam wieder über den damals 
in Schlesien noch einzig dastehenden Fund gerollt. 

Ein später unternommener Versuch, in Gemeinschaft mit dem 
bekannten, leider allzu früh verstorbenen Geologen Dr. Kunisch 
und mit dem Oberbergamts- Markscheider Bimler von der ge- 
schrammten Fundstelle unmittelbar Gipsabgüsse zu nehmen, miss- 
lang. Das lebhafte Interesse an der Sache führte den letzteren 
Herrn unterstützt von Herrn Oberbergamts-Zeichner Pabel noch- 
mals an Ort und Stelle, um wohlausgerüstet mit Platten aus zu- 
sammengeleimtem Papier von dem auch damals noch unversehrt 
gebliebenen Vorkommen einen Bürstenabdruck zu nehmen und die 
in 5 einzelnen Platten so erhaltene Matrize sofort noch auf der 
Gesteinsunterlage zu trocknen. Die Platten wurden auf Sand- 
unterlagen sorgfältig nach den aufgenommenen Profilen des Reliefs 
in richtige Lage zusammengepasst und einzeln mit einer leichten 
Gipsmasse dünn übergossen. Die so erhaltenen Platten des po- 
sitiven Abgusses sind in einem leichten Holzrahmen dem nach- 
gebildeten Relief möglichst genau entsprechend zusammengesetzt. 

Die so durch die sehr dankenswerthen Bemühungen der ge- 
nannten Herren erhaltene, naturgetreue Nachbildung besagter 
Gletscherschrammen hat auf dem Königlichen Oberbergamt zu 
Breslau und in der naturwissenschaftlichen Section der Schlesischen 
Gesellschaft für vaterländische Kultur besondere Würdigung sach- 
kundiger Beobachter gefunden. Dieselbe ist der Sammlung der 
Königlichen geologischen Landesanstalt überwiesen worden. Das 

[ 4 **] 


58 E. Älthans, Gletscherschrammen am Rummelsberg, Kreis Strehlen. 


eigenthümliche für das Abformen von Gesteinsoberflächen und 
Sculpturen sehr empfehlenswerthe Verfahi’en ist in der Anmerkung 1 ) 
näher beschrieben. 

Die 185 Centimeter lange und 50 Centimeter breite Nach- 
bildung zeigt die Richtung der Gletscherschrammen in Stunde 12 
des Compasses. Neben breiteren Rinnen treten schmale Spuren 
deutlich hervor. Der regelmässige Verlauf der Rinnen ist stellen- 
weise unterbrochen und abgeleitet. Ungleichmässigkeiten der Härte 
des Gesteins und Einflüsse der Verwitterung mögen dazu Ver- 
anlassung gegeben haben. 

Die örtliche Lage war der Erhaltung dieser Gebilde der 
Eiszeit besonders günstig. Der nackte Felsboden gestattete keine 
Urbannachung. Der Hügelrücken lenkte die Wege ab. Die 
Moosdecke und Gestrüpp schützten vor äusseren Einwirkungen 
durch Regen, Wind und Verwitterung. 

Alles spricht für die Annahme, dass die nordische Eisdecke 
das den Rummelsberg umgebende Bergplateau überschritten hat. 
Denn bis zu 340 Meter NN. sind zahlreiche Findlinge noch am 
Fusse der kegelförmig aus dem Plateau aufsteigenden Granitkuppe 
dieses Berges abgelagert. Hat doch die Eisdecke solche Höhen 
der Vorberge des Isergebirges zwischen Marklissa, Lauban, Lähn, 
Birngrütz, Reibnitz und Petersdorf überschritten, ihre Blöcke dort 

Abformen von Gesteins - Oberflächen nach Oberbergamts- 
Markscbeider Bimler: 5 Blätter Löschpapier und 1 Blatt Seidenpapier werden 
mit dünnem Stärkekleister aufeinander geklebt. 

Diese Papierschichten, welche für Excursionen bequemer Weise zu trocknen 
und am Gebrauchsort anzufeuchten sind, werden im feuchten Zustand mit dem 
Seidenpapier auf die abzuformende Gesteinsoberfläche gelegt und durch starkes 
Schlagen mit einer Bürste in die Formen des Gesteins gedrückt. Das Trocknen 
der Matrizen, bis zum Hartweiden, geschieht zweckmässig durch heisse Plätt- 
eisen, welche fern von Wohnungen, auf einem Spirituskocher zu erhitzen sind. 

Wegen des genauen Aneinanderlegens der Papierschichten müssen dieselben 
am Rande glatt beschnitten sein und es ist nothwendig, vor der Wegnahme der 
Matrizen einen oder mehrere gerade Linien darüber zu ziehen bezw. zu mar- 
kiren, um sie wieder genau legen zu können. Das Ziehen der Linien kann durch 
einen gespannten Bindfaden bewirkt werden. 

Vor dem Abgiessen der Matrizen werden dieselben 2 mal gefirnisst. 

Das Abgiessen geschieht mit Gips, oder besser mit der leichten und weniger 
zerbrechlichen Stuckmasse des Bildhauers Rachner, Bahnhofstrasse 32 in Breslau. 


E. Althans, Gletscherschrammen am Rummelsberg, Kreis Strehlen. 59 


bis in den Thalkessel zwischen Hirschberg und Petersdorf abge- 
lagert und der ganzen Landschaft den typischen Charakter der 
Rundhöcker mit Blockfeldern und . ganz vereinzelt noch hervor- 
ragenden Klippen gegeben. Aber ebenso wie einzelne hochgelegene 
Klippen zwischen Marklissa und Friedeberg a. Queiss sowie der 
weit sichtbare Talkenstein verschont geblieben sind und die Gipfel 
der Landeskrone bei Görlitz, des Probsthainer und des Grunauer 
Spitzbergs, sowie des Burgbergs bei Lahn nur seitlich vom Eise 
benagt erscheinen, so sind wohl auch die drei höchsten Kuppen 
des Strehlener Gebirges von der Eisdecke nur umschlossen worden 
und ungebrochen erhalten geblieben. 

Wohl mag die besprochene Nachbildung Verschiedenheiten 
gegen andere von Gletschern nachweislich abgehobelte Gesteins- 
flächen im Hochgebirge oder auf den Rüdersdorfer Kalkbergen 
zeigen und auch bei Kennern gewisse Zweifel an der von mir 
angenommenen Entstehung erregen. Allein dies gilt wohl von 
allen derartigen Gletscherschrammen. Wo ich diese auch be- 
obachtet habe — in den Alpen wie in dem Staate New-York am 
Seeufer des Georgsees — überall hat das abgehobelte Grundgestein 
und haben die hobelnden Geschiebemassen eine andere Art der 
Streifung hervorgebracht. Härte, Zähigkeit, kantige oder gerun- 
dete Form der Geschiebeblöcke, Vorherrschen von Sand, Lehm 
und Blöcken in der Grundmoräne mussten hier glatte Politur, dort 
feine Streifung, an anderen Stellen vereinzelte tiefe Furchen zur 
Folge haben. Quarzit schrammt den Basalt, Granit den Kalkstein, 
Quarzit aber nimmt nur Politur an. 

Ist die Gesteinsfläche, welche die vorbeschriebene Nachbildung 
wiedergiebt, wie ich annehme, von einem Gletscher bearbeitet, so 
muss es gelingen, derartige Gebilde und wohl auch Gletschertöpfe 
an anderen Stellen in der Nähe meiner Fundstelle zu erschürfen. 
Das schöne Waldgebirge würde dadurch neue Reize für den Natur- 
freund und Geologen gewinnen. 


Berichtigungen. 


Zeile 3 und 4 auf S. 164 soll heissen: 

Und ein Exemplar yon Cucullaea texta A. Röm., die aus Kimmeridge 
und Wealden bekannt ist. 


A. W. Schade’s Buchdruckerei (L. Scliade) in Berlin, Stallsckreiberstr. 45/46. 



Tafel I. 


V Fig. 1. 
i Fig. 2. 

V Fig. 3. 

V Fig. 4. 


V' Fig. 5. 


V Fig. 6. 
i<Fig. 7. 
1/ Fig. 8. 


|/Fig. 9. 


Taxodium distichum auf Braunkohle aus dem Liegenden 
des 2. Flötzes im Schachtfeld No. 4 (westliche Abthei- 
lung) der Grube consl. Freienwalde bei Freienwalde a/O. 
Taxodium distichum. Kleiner Zweig aus dem forst-bota- 
nischen Garten der Königl. Forst -Akademie zu Ebers- 
walde. 

Picea excelsa. Zapfen aus der Braunkohle des 1. Flötzes 
der Grube Präsident bei Schönfliess im Kreise Guben. 
Pinus uncinata. Zapfen aus der liegendsten Bank des 
3. Flötzes der Braunkohlen -Grube Carl - Ferdinand bei 
Grunow unweit Drossen. 

Pinus Laricio. Zapfen aus dem Glückauf-Schachte No. III 
der Braunkohlen-Grube Carl-Ferdinand bei Grunow un- 
weit Drossen. 

Taxodium distichum. Radialer Längsschnitt von miocäner 
Braunkohle bei 275 maliger Vergrösserung. 

Taxodium distichum. Radialer Längsschnitt von recentem 
Holze bei 275 maliger Vergrösserung. 

Taxodium distichum. (Maserbildung) aus der Oberbank 
des 2. Flötzes der Braunkohlen-Grube Victor’s-Glück bei 
Rietschütz in der Nähe von Schwiebus. 

Taxodium distichum. (Maserholz) aus der Braunkohlen- 
Grube Phönix bei Zielenzig. 





Übersichtskarte zur 




UionoUth. 


JTöhenlini en von, 50 nie 50 Meter. 


1 .. 1 1 m ° I LI b I 

Wellenkalk. Mittlerer u. oherer Jfiocaezi. 

Muschelkalk. 



Dolerit. Aelteier jPlaaioklas Jüngerer Ragioklas- 

basait. basalt. 


luffe .Agc/lom e - 

mmm 

Limburgit. 



JFephelbibasalt . 






'X'afel III. 


Fig. 1. Sigillaria gleichzeitig vom Typus Rhytidolepis im 
engsten Sinne und Tessellata; la, lb, lc einzelne 
Blattnarben stärker vergrössert: la u. lb in 3 /j_, 
lc in 6/i. — Das in dem Museum der Königl. 

Preuss. geologischen Landesanstalt befindliche 
Stück stammt aus dem Carbon des Ruhr-Reviers 
aus einem der Horizonte über der Magerkohlen- 
Partie ' S. 26 ff. 

H Fig. 2. Sigillaria vom Typus Rhytidolepis im engsten 
Sinne (mit Transpirationsöffnungen?). Nach einem 
Wachsabdruck eines in der Bergschulsammlung 
zu Bochum befindlichen Stückes, gesammelt auf 
der Halde der Zeche Hibernia im Ruhr-Carbon- 
Gebiet von Bergreferendar M. Schulz -Briesen 
im Mai 1892 S. 27 

Nach der Natur gezeichnet von E. Ohmann. 


Jahrbuch d.geolog. Lanclesanst.uBergakademie 18Ö3. 


Taf. III. 



E.Ohmann gez 


Lichtdruck v. A. Frisch 




Tafel IV. 


V Fig. 1. Sigillaria gleichzeitig vom Typus Rhytidolepis im 
engsten Sinne und Favularia. 1 a = zwei unter 
einander befindliche Narben einer Orthostiche der 
untersten (rhytidolepen) Zone des Stückes in 3 /j, 
lb = drei unter einander befindliche Narben einer 
Orthostiche aus der mittleren Zone des Stückes 
in 3 /i , 1 c = zwei unter einander befindliche 
Narben einer Orthostiche aus der oberen Parthie 
des Stückes in 3 /i- — Liegender Flötzzug des 
Waldenburger Reviers. Aus der GöPPERT’schen 
Sammlung. Das Stück gehört dem Museum der 
Königl. Preuss. geologischen Landesanstalt . S. 30, 40 
v Fig. 2. Sigillaria elegantula Weiss, ein Rest mit Favu- 
laria- Oberfläche , welcher 3 Zonen zeigt. In 
Fig. 2 a ist eine Orthostiche des Stückes in 2 A 
zur Darstellung gelangt. — Flötz Merl, 430 Meter 
Sohle, Sattel C, Hangendes, Querschlag IY der 
Königsgrube bei Aachen. Museum der Königl. 

Preuss. geologischen Landesanstalt .... S. 3T, 40 

Die Fig. 1 und 2 auf photographischer Lichtdruckvorlage nach 
der Natur gezeichnet von E. Ohmann, desgl. die übrigen Figuren, 
aber ohne photographische Grundlage. 


Jahrbuch (l.geolog.Landesaust.iLBerg'akadeTTiie 1893. 


Taf.lV. 



E.Ohmann . gez . 


Lichtdruck v. A. Frisch. 




Tafel V. 


•' Fig. 1. Sigillaria Brardii BrONGN. em. Ein Stückchen 
(Copie) der von R. Zeiller (Veg. foss. du terr. 
h. de la France. Paris 1880. PI. CLXXIV, 
fig. 1) gebotenen Abbildung. Ueber der Blüthen- 
narben-Zeile leioderme, unter derselben cancellate 

Oberflächen-Sculptur S. 33, 54 

A Fig. 2. Sigillaria rhenana var. Grebei WEISS. Ueber 
und unter der Blüthennarben-Region Favularia- 
Sculptur , aber die Polster über den Blüthen 
länger als die unter den Blüthen. — Grube Goulay 
bei Aachen. Museum der Königl. Preussischen 

geologischen Landesanstalt S. 55 

\/ Fig. 3. Sigillaria typus tessellata A. Brongn. Blattnarben 
unter der Blüthenregion enger stehend und weniger 
lang als die Narben über dieser Region. — Zeche 
Bruchstrasse bei Langendreer in Westphalen. 

Museum der König]. Preuss. geologischen Landes- 
anstalt S. 56 

Die Stücke, nach denen die Figuren angefertigt wurden, stellen 
im Gegensatz zu den Figuren der Taf. III und IV Abdrücke, also 
Negativ-Ansichten der ursprünglichen Aussenflächen dar. 

Fig. 2 gezeichnet von W. Staack, Fig. 3 von E. Ohmann, beide 
.auf photographischer Lichtdruckvorlage. 


Jahrbuch d.g'eolog.Landesanst,u. Bergakademie 1893. 


Taf.V. 



WStaack u.E.Ohmann gez 


Lichtdruck v. A. Frisch. 



Taf/VI. 



iUCKOW. 

lalsänd 1 Diluvium, 
leoemergel. ! 











































































Jahrb. dgeolog. Landesanst . u. Bergakad. 1893 . 


Taf.VL 



AUFSCHLUSS DER SEPTARIENTHON- GRUBE BEI BUCKOW. 

Stettiner Sand } Mittel-Oligocän. c. Glimmersand: Oberoligooän. e. Unterer Diluvialsand 1 Diluvium, 

a. Septanenthon J d. Unterer Cxeschieoemergel. J 





AUFSCHLUSS IN DER SEPTARIENTHON - GRUBE BEI BUCKOW. 

Oestlicher Theil der Grube . 

Stettiner Sand ) Mittel-Oligocän. ^.Unterer Diluvialsand. ) Diluvium . 
oeptanenthon ) 3 d. Unterer lieächiebemergel I 




■ 















Jahrb. d.geolog\ Landesans t . u. Bergakad. 1893 . 


Taf.Vffl. 


WESTLICHER STOSS DER SEPTARIENTHON- GRUBE BEI BUCKOW. 

Ueberschiebung von mitleloligocänem Septarienthon 
auf miocänen Braunkohlenbildungen, 

1.2 und 3 nordische Geschiebe. 








Geologische Karte der Umgebung von Buckow 









arko Idendonfer Beckens. 

Taf.X. 


MaTsstapr-50 OOO. 


Jahrb.d. 


Unterer u . mittlere/' 
BimtsaruLsteiri. 


IioJilenkeupcr. 


] t 


Unterer Zit 


Unterer Zias-x 
mztJmm.Ulc 


Ddzirium . 


AZhcmum . 








Tafel XI. 


Fig. 1. Insektenfrass von der Braunkohlengrube Freien walde bei 
Freienwalde a/O. 

Fig. 2. Insektenfrass von der Braunkohlengrube Vulcanus bei 
Tempel Kreis Ost -Sternberg. 

Fig. 3. Insektenfrass von der Braunkohlengrube Phönix bei 
Zielenzig. 



ihrtd.Kcfl.geol.LaiLclesanst.u.Berjakad-1893. 


Taf.XI. 


V/.p-ürz lilh. 





Skizze der Gregend von Borgloh-Oesede. 

d. Kgl. geol. Landesanst. u. Bergakad. 1 893. Maassstab l : 50000. Tafel XII. 


1 



4 

I 


reducirt nach einet' 



Fig. 2 


Jahrbuch der Kgl. geolog. Landesanstalt und Bergakademie 1893. 


Fig 

Profil von Klosterloh durch die Bohrlöf' 
Maassstab 




bc ® 

2 S 




Bohrloches I. 


Jahrbuch der Kgl. geolog. Landesanstalt und Bergakademie 1893. 


Tafel XIII. 


Kg. 1. 

Profil von Klosterloh durch die Bohrlöcher III und IV nach dem Musenberg. 
Maassstab !l: 15000. 






registem des Oberbergamt 


Tafel XIII. 


;. 1 . 

iher III und IV nach dem Musenberg. 
1 : 15000 . 




Taf.OT. 










Karte der Umgegend von Senftenberg. 


Jahrbuch d. Kgl. geolög. Landesanst. u. Bergakad. 1893. 


Taf. XY 




















/